Der pinke Elefant im Raum: Kinderkriegen

Wie stehe ich zum Kinderkriegen

Wie stehe ich zum Kinderkriegen?

Nicht, dass der Kopf nicht schon genug in Bewegung wäre. In diesem Falle hat er lang Gedanken gewälzt und überlegt, ob es zu privat ist, diese zu teilen. Aber manchmal lohnt es sich über den eigenen Schatten zu springen.

Schwangerschaften im abgesteckten Zirkel eines Bekanntenkreises sind mitunter vergleichbar mit einer ansteckenden Krankheit – es bleibt meist nicht bei einer. Und man verzeihe mir das Bild, es lag so im Raum. Als Frau zwischen Ende zwanzig und Ende dreißig entkommt man dem Thema Schwangerschaft nicht. Freundeskreise verändern sich einfach, sobald kleine Kinder ins Spiel kommen und neben den schönen Neuerungen und der Freude für Freunde, muss man sich auch einiges gefallen lassen, wenn man die Entscheidung des Kinderkriegens für sich nicht so eindeutig und schnell mit „Ja“ beantworten kann oder will.

Es gibt die super entspannten Mütter, die sich freuen, dass da jemand für einen Moment das Kind abnimmt und die sich offen begeistern, mal nicht unter anderen Müttern zu sein. Da gibt es meist sehr unterhaltsame Geschichten, aber ganz ehrlich, es ist auch keine positive Werbung für den Mütterstand, wenn man erzählt bekommt, wie viel Wettbewerb über den Vergleich von Entwicklungsstadien bei Kleinkindern abläuft. Schlimm hört es sich auch an, wenn einem intelligente Frauen, die erfolgreich im Beruf sind, erzählen, dass sie sich unter Druck gesetzt fühlen, wenn sie sehen wie generalstabsmäßig andere Eltern den Entwicklungsprozess ihrer Kinder planen. Hier ein Instagram-Foto vom Klavierunterricht der leiben Kleinen, auf Facebook schnell das Bild vom Kinderchor oder dem Kreativ-Workshop der Kleinen geteilt. Nicht immer ohne Absicht wird hier bereits ein Wettbewerb geschürt, der natürlich auch auf die Kinder abfärbt und liebe Menschen fragen sich, ob sie ihr Kind für die Zukunft benachteiligen, wenn sie ihm einfach erst einmal ganz viel Raum lassen. Und natürlich fragt man sich in Gedanken, wie würde ich es lösen?

Dann gibt es Menschen, die gar nicht oft genug betonen können, wie unvergleichlich das Mutterglück ist und sie schaffen es leise Mitleid mitschwingen zu lassen, wenn man sagt, man sei sich nicht sicher, ob ein Leben mit Kind der eigene Weg ist. Natürlich respektiere man solche Entscheidungen, aber… Und im nächsten Moment, wenn sich der Goldschatz in eine kleine Heulboje verwandelt, weicht auch das Mutterglück für einen guten Moment der Angespanntheit, Genervtheit und das Gesicht strahlt nicht mehr vor mütterlicher Liebe, sondern wird hart. Und wieder die Frage, wie würde ich das wohl handhaben?

Und auch wenn allen meinen Bekannten ganz wunderbare kleine Menschen als Kinder beschert wurden, wer sagt denn, dass es immer so ist. Was ist, wenn sich da ein Wesen entfaltet, das mir so gar nicht liegt? Wenn es andere Kinder piesackt, lügt und manipuliert… Wenn es einen mir völlig fremden Lebensweg wählt, meine Werte und Bildungsziele nicht teilt?? Wie frei davon sind Eltern, Kinder nicht mit eigenen Wünschen, Ambitionen und Bildern zu besetzen. Wie viel Freiraum kann man ertragen, wie viel unabhängige Entwicklung hinnehmen, ohne sich in Kämpfen zu verausgaben, um das Kind in eine bestimmte Form zu pressen. Man will doch nur das Beste?

Und was ist mit all den äußeren Faktoren, denen ich einen kleinen Mensch aussetze? Wie stabil sind unsere gesellschaftlichen Strukturen? Wie lange noch, bis sich der Raubbau an unserem Planeten in Konflikten äußert, die auch uns in unserer westlichen Blase direkter stören?

Ich glaube, wer Momente reinen Glücks gespürt hat, kann sich auch ohne praktische Erfahrung in Grundzügen vorstellen, wie unfassbar intensiv viele Momente mit dem kleinen Wesen sind. Wobei dabei bei mir leider auch die Erklärungsstimme laut wird, das sind die Hormone, es muss die enge Bindung geben, da die kleinen Zwerge sonst überhaupt nicht lebensfähig sehen.

Ich kann mir nicht helfen und es tut mir auch nicht leid, aber ich kann die Frage nach dem Kinderkriegen nicht durch eine rosarote Blume und im Rama-Familien-Kontext sehen. Es wird dann ja oft behauptet, man würde sich der Verantwortung nicht stellen wollen, wäre egoistisch, nicht bereit Kompromisse einzugehen. Blablabla… Ich bin nicht am Hadern, weil ich denke, ich würde etwas aufgeben müssen. Es gibt so viele Beispiele, die zeigen, dass Familien gerade dann funktionieren, wenn sich die Eltern nicht der Selbstaufgabe verschreiben – sondern auch an sich und ihre vielen weiteren Rollen arbeiten (in der Partnerschaft, im Beruflichen) und die Elternrolle als eine weitere, bereichernde integrieren. Sind glückliche Eltern nicht auch gute Vorbilder? Ich würde es mir so wünschen.

Mir so wünschen, das ist der Punkt, mit dem ich hadere. Was möchte ich? Ich kann nicht mehr so knallhart sagen, dass ein Leben ohne Kinder einfach mein Modell ist. Es ist vielmehr so, dass es völlig ok ist, wenn es so bleibt, wie es bis hierher ist – kinderlos.

Und vielleicht sind es die Hormone (ich möchte mich ungern von chemischen Prozessen meines Körpers leiten lassen) oder es sind die erstaunlich vielen unerwarteten Kommentare von Freunden und Bekannten, die uns sagen, dass wir bestimmt entspannte Eltern wären. Oder es ist die Tatsache, dass angesichts des Umstands, dass ich mich im letzten Drittel der 30er bewege, die Entscheidung auch biologisch und auch moralisch zu einer endgültigen wird. Egal in welche Richtung. Ich kann nicht mehr klar nein sagen, aber ich kann auch nicht eindeutig ja sagen… Wenn ich mich dafür entscheide, falle ich voll und ganz in die Schreckgespenstgruppe der anstrengenden Spätgebärenden – ich muss die Klischees ja nicht erfüllen. Aber wie alt ist zu spät? Es ginge dann ja nicht mehr nur um mich und den besonderen Menschen, sondern um noch ein Leben.

Schön ist es, wie offen wir über dieses Thema sprechen können, ehrlich ohne Vorbehalte. Aber manchmal nagt da auch die Frage, ob sich das Thema der letztlich biologischen Funktion der Fortpflanzung mit rationalen Abwägungsmodellen lösen ist.

Ich weiß es nicht. Tatsächlich wusste ich noch nie etwas so sehr nicht. Naja, für den Moment ist der Kopf ja auch mit anderen Themen am Rotieren.

Vielen Dank.

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Es schaffen wollen und das Grillen planen: Low Carb Blumenkohlsalat mit Bacon-Mayo

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Lernen und genießen: Low Carb Blumenkohlsalat mit Bacon Mayonnaise

Seit 10 Monaten beherrscht die Jungjägerausbildung die Wochenenden und seit Jahresanfang auch diverse Abende unter Woche. Heute war er plötzlich da, der letzte reguläre Unterrichtstag. Ein Gefühl, wie früher kurz vor den großen Ferien. Nur statt der Zeugnisse steht nun der Prüfungsmonat an. Vier Teile sind es, nächsten Samstag geht es in schriftlicher Form los. Wie viel Wissen hat sich verfangen im letzten Jahr? Welche Lücken müssen noch gestopft werden, neben der intensiven Kopfarbeit im Arbeitsalltag? Wo lässt sich noch ein Stündchen abzweigen für einen Blick in die Bücher und die Bearbeitung alter Prüfungen zur Selbstkontrolle? Kann ich mein Lernen auf den letzten Metern noch effektiver gestalten. Ist das Nervosität, die da wie ein kleines Nagetier in meinem Hinterkopf sitzt und leise vor sich hinraspelt?

Wer sich Prüfungen jedweder Art stellt, nimmt auch die Möglichkeit des Scheiterns in Kauf. Wer immer nur auf Nummer sicher geht, kann auf eine Kette von Erfolgen zurückblicken, aber testet nicht den eigenen Mut. Bin ich auch bereit zu scheitern? Würde ein Misserfolg mich in Frage stellen? Einer unserer Ausbilder meinte, wir sollten uns nicht verrückt machen, es wäre die unwichtigste Prüfung unseres Lebens. Ich finde, das stimmt nur bedingt. Denn keine andere Prüfungssituation in meinem Leben ist so sehr einer freien Entscheidung entsprungen. Ihr liegen keine äußeren oder institutionellen Zwänge und Vorgaben zugrunde. Sie ist etwas, was ich für mich gewählt habe. Jetzt bin ich gespannt, was ich daraus mache oder ob ich in eine zweite Runde muss. In einem Monat weiß ich mehr, bin entweder etwas gedämpft oder unglaublich erleichtert.

Und wenn es läuft wie geplant, was dann? Dann kommen wir hoffentlich in einem tollen Revier unter. Zarte Bande sind geknüpft. Die Zeit der Jungjägerausbildung ist eigentlich in Wahrheit die Befugnis, das Lernen in der Praxis zu beginnen. Dann wird die Theorie der Praxis ausgesetzt. Ich kann es kaum erwarten und habe einen tiefen Respekt vor diesem Prozess.

Aber davor heißt es lernen, lernen, verstehen, diskutieren, bestimmen. Der Kopf ist gerade in Hochform. Lernen kann einen in einen ähnlichen Rausch versetzen wie ein erfolgreicher langer Lauf. Es lohnt, sich selbst im Auge zu behalten. Den Druck rauszunehmen, die Freude zu behalten.

Mache ich mir zu viel Stress, steige ich kurz aus. Gehe raus in den Frühling vor der Tür, der einen momentan in himmelblaue Stimmungen versetzt.

Oder ich koche. Gutes Lernen hat viel mit guter Ernährung zu tun. Wir können unsere Energie und damit auch unsere (Denk-)Leistung steigern, wenn wir genau hinhören und in Belastungszeiten sorgsam mit uns umgehen, statt auf schnelle Kicks und Glücklichmacher zu setzen.

Ein Rezept der letzten Tage, ein Übungslauf fürs Grillen nach den Prüfungen:

Blumenkohlsalat
Der Blumenkohl ist der Tausendsassa der Low Carb-Küche. Wie Kartoffeln oder Reis besticht er durch eine gewisse Neutralität im Geschmack und lässt sich wunderbar in diversen Formen integrieren. Hier vertreibt er die Kartoffeln für eine leichtere Variante des geliebten Mayonnaise Salats zum Grillen.

1 großer Blumenkohl
1-2 Bund Frühlingszwiebeln
1 Bund Radieschen
körniger Senf
Salz
Pfeffer
8 – 10 ausgebackene Baconstreifen (das Fett auffangen)

Mayonnaise:
2 große oder 3 kleine Eigelb
1 TL Senf (Dijon)
250 sehr mildes Olivenöl
Baconfett
1-2 TL Zitronensaft
Salz
Prise Xylit
Den Salat am Vorabend zubereiten und an einem kühlen Ort durchziehen lassen!

  • Blumenkohl in kleine Röschen schneiden, gut waschen und ruhig etwas weicher als bissfest blanchieren.
  • Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Die Radieschen in feinere halbe Scheiben schneiden.
  • Den Bacon ausbraten und das Fett auffangen.
  • Für die Mayonnaise, die Eigelbe mit dem Rührgerät in einem hohen Becher kurz aufschlagen, den Senf dazugeben und wieder aufschlagen.
  • Das ÖL mit dem noch weichen Baconfett mischen und 1/5 tröpfchenweise zur Ei-Senf-Mischung geben, bis sich eine glatte Creme ergibt.
  • Das restliche Öl-Fett-Gemisch langsam unter ständigem Rühren zugießen, bis die Mayonnaise die gewünschte dickcremige Konsistenz hat.
  • Zitronensaft dazu geben und mit Salz und Xylit abschmecken.
  • 1-2 Esslöffel körnigen Senf unter die Mayonnaise rühren und nach Belieben salzen und pfeffern.
  • Blumenkohl, Frühlingsgszwiebeln und Radieschen in eine Schüssel geben und die Mayonnaise unterheben. Zum Schluss den knusprigen Bacon in Stücken untermengen.

Der Salat schreit nach Bratwurst und ersetzt jeden traditionellen Grill-Begleiter mit Leichtigkeit!

Guten Appetit!

Kurz verweilt und genossen: Kokos-Panna Cotta für das schnelle Vergnügen

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Inspiration Nichtstun – schnelles Dessert: Kokos-Panna-Cotta

Vier Tage frei! Daheim! Naja, drei Tage, wenn der Unterricht für den Jagdschein abgezogen wird, aber dennoch vier Tage, in denen das Telefon still steht und der Kopf sich erholen kann von der immer wieder neu zu denkenden strategischen Sprachgestaltung. Kreativität braucht Raum, braucht Platz und Luft und zwischendurch einfach mal Ruhe. Süßes Nichtstun, das sich dann blitzschnell in Inspirationen und Schaffensdrang verkehrt. Ich liebe das. Nichts war geplant und plötzlich möchten Rezepte getestet, Hosen genäht und Bücher gelesen werden. Ein unbekannter Wald lockt zum Osterspaziergang und ganz ohne Zwang finden sich plötzlich wunderbare Lösungen für die fortwährende Herausforderung, die uns in Form der eigenwilligen alten Bauernhausküche beschäftigt. Wände schief und krumm und ein Schlauch und niedrig, aber mit Charme, Terrazzo, Sonnenflecken und einem bodentiefen Fenster, das im Frühling und Sommer die Wärme hereinlässt und dem grauen Getüm als liebster Beobachtungsposten dient. Die Mittel sind begrenzt und überhaupt haben wir beschlossen, nicht anfangen zu wollen, mit Geld auf Probleme zu schmeißen, damit sie verschwinden. Es gibt ganz wunderbare Küchenträume, die sich mit viel Geld anpacken ließen – die Beton-Holz-Variante fände ich schön, aber es muss eben nicht sein und wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, sind wir hier im kleinen Haus große Freunde der gelebten Improvisation. Das passt zu uns und fühlt sich an wie Zuhause und wird belebt.

Also von einem vermeintlichen Idealbild verabschiedet und Ideen gesponnen, sobald die Arbeitsdenkmaschine einmal still steht. Das hat sie diesmal super gut geschafft, quasi über Nacht war es da, das Kleine-Ferien-Gefühl. Sofort fühlte sich der Karfreitagsspaziergang ganz anders an und die Herausforderung der Ostertorte konnte nicht schwer genug sein. Sie war etwas unterdrückt, die Lust Dinge zu tun. Vergraben unter drängenden Terminen und einem anhaltenden Gefühl des Unterwegssein. Dänemark, Berlin, Heidelberg, Frankfurt, Gießen, Köln – zu viele Orte in zu kurzer Zeit, das tut dem Kopf nicht gut. Also zurück. Ruhig vor Anker gegangen im Heimathafen und die gedanklichen Beine extra lang ausgestreckt, tief durchgeatmet und die Inspirationen genossen, die sich aus dem Nichtstun ergeben. Danke lieber Kopf, Du hast mir gezeigt, dass auf Dich Verlass ist und so gönne ich Dir kleine Fluchten, Spinnereien und mäandernde Gedankengänge, am Ende überraschst Du mich wieder mit einem Einfall. Und da ist es dann, das kleine große Glück des im Moment seins und des Schaffens aus mir selbst. Dafür braucht es das immer mal wieder, das Nichts. Nicht das Hinterherrennen und Hetzen durch Pläne und Projekte. Ich hoffe, die Lektion vergesse ich nicht so bald.

Und damit der Kopf viel Zeit hat, habe ich die freien Tage mit einer schnellen Leckerei begonnen, einfacher geht es in Sachen Dessert kaum.

Kokos-Panna-Cotta
(Ja, Panna heißt Sahne, aber da ich die nicht immer so vertrage, ersetze ich sie wo es geht durch möglichst cremige Kokosmilch ohne Zusätze. Mit einer Kokosmilch, die sich in Kokoscreme und Wasser trennt, hat es bei mir nicht geklappt)

400 ml cremige Kokosmilch
10 Blatt Gelatine
150 g gefrorene Himbeeren
20 g bittere Schokolade (85-90%)
1 Teelöffel geriebene Zitronenschale
Kokosmilch zum Glattrühren
Mark einer Vanilleschote, ausgekratzt
½ geriebene Tonkabohne
5 Esslöffel Xylit für die Panna Cotta + 2 Esslöffel für die Himbeeren

  • Die Gelatine für 5-10 min in kaltem Wasser einweichen.
  • In der Zwischenzeit die Kokosmilch mit der Vanille, der gemahlenen Tonkabohne, dem Xylit und der Zitronenschale kurz aufkochen und glatt rühren.
  • Die Gelatine ausdrücken und in die heiße Kokosmilch rühren. In eine Form oder Schale geben (je nachdem ob man die Panna Cotta später stürzen möchte) und über Nacht im Kühlschrank völlig fest werden lassen.
  • Die Panna Cotta vor dem Servieren wieder auf Zimmertemperatur bringen, dann schmeckt man die Vanille besser durch. Entweder portionieren oder die Form kurz in heißes Wasser halten und dann stürzen.
  • Die Himbeeren mit etwas Xylit zu einer Soße einkochen und nach Geschmack warm oder kalt zur Panna Cotta servieren.
  • Schokolade im Wasserbad schmelzen und mit Kokosmilch dickflüssig glatt rühren, ebenfalls über die Panna Cotta geben.

Das geht schnell und schmeckt nicht nur zum Nachtisch nach Frühling…

Guten Appetit und frohe Ostern!