Ein bisschen kritisch mit mir und fix in der Küche: Chicorée-Lieblingssalat

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Der pinke Elefant und der unkomplizierte Salat.

Ganz ehrlich, so ein wenig samstägliche Selbstkritik tut mitunter not und ziemlich gut. Manchmal wüsste ich gerne, wie das Unbewusste es dann doch schafft sich einen Schleichweg zu suchen. Es ist immer derselbe Mechanismus. Mann nehme einen pinken Elefanten der persönlichen Wahl und der Versuch, ihn aufs Nichtzubedenken-Gleis zu schieben, führt unweigerlich dazu, dass er ganz sicherlich unfassbar leise angeschlichen kommt und einen erschrickt. Danke auch.

Der pinke Elefant der mir gerade kurz einen halben Herzstillstand bescherte hat, heißt Konsum. Der ist extra fies. Der kann nämlich das Kostüm wechseln und verkleidet sich gerne als kluge Entscheidung, echtes Schnäppchen oder kluge Investition – die Argumentationsvielfalt kennt da keine Grenzen und nur zu gerne kneifen wir mal ein Auge zu.

Selbstkasteiung und Selbstverleugnung im Verzicht – darum sollte es nicht gehen. Für mich war nur Ende letzten Jahres deutlich zu erkennen, wie gut es mir geht. Nachdem so viel Gutes in die Kleidersammlung gewandert war, blieb mir noch immer mehr als genug und das waren nur die Sachen für die kühleren und kalten Tage. Wenn der Frühling seine zarten Bande wieder wehen lässt, werde ich sicherlich die nächste Ausräumrunde starten und bin mir sicher, es bleibt mir mehr als genug. Es mangelt also nicht. Warum ertappte ich mich dann im Sale beim Blick auf ein wunderschönes Seidenkleid, das ich gar nicht brauche (und ein entsprechendes – gut gehegt – eh noch auf seinen Einsatz in diesem Sommer wartet) und war schon fast überzeugt von der Argumentation, dass knappe 80% Rabatt eine solche Investition nun wirklich lohnend machen. Denn eigentlich hatte ich mir ein paar Rezepte zur Inspiration angeschaut und überlegt, ob es heute ein Filmabend sein könnte und zack – „Willkommen in Ihrem Einkaufswagen“. Das war ein kurzer Schreck. Zumal ich mir im Januar irgendwann vorgenommen hatte, dass ich für die nächsten Monate keinen Euro für Klamotten ausgeben und stattdessen meinen Kleiderschrankinhalt neu lieben lernen möchte. Menschen schreiben ja ganze Bücher über ihre „Shopping-Diät“, was an sich ja fast schon wieder ein wenig traurig ist, dass Verzicht so aus der Regel fällt. Aber es ist gut. Und eigentlich auch sehr befreiend. Gerade, wenn man eh nicht wahllos kauft, sondern schon bewusst konsumiert und somit schon viel Denken in Kaufentscheidungen steckt, kann es gut tun, diese einmal völlig hintenan zu stellen. Mache ich es oder nicht – fällt aus, und stattdessen wird neu gewertschätzt, was man besitzt. So die Theorie. Bis zur Karambolage mit besagtem pinken Elefanten. Aber zum Glück hat sich meine Vernunft wie ein Airbag dazwischen geschaltet, statt mich dem kurzem Moment des „Gekauft“-Highs zu überlassen. Also Seite wieder zugemacht. Kopf geschüttelt, Katze gekrault, Muffins gebacken und mir selbst nen Vogel gezeigt.

Aber trotzdem bleibt der Ärger darüber, wie beeinflussbar man doch ist, auch wenn wir es gerne abstreiten. So sehe ich einen engen Zusammenhang damit, dass ich momentan berufsbedingt wieder sehr mit dem schwierigen Thema Mode und der damit verknüpften Welt der oft hohlen Begehrlichkeiten beschäftigt bin. Das hatte mich eigentlich zusätzlich darin bestärkt, mein eigenes Ding mehr zu würdigen, aber der ständige Blick auf Outfits und Produktvorstellungen scheint auch bei mir den Pawlowschen Konsumenten-Reflex loszutreten. Auch wenn ich nach Jahren der Veränderungen und des bewussteren Handelns gerne sagen würde, dass es anders ist. Ist es nicht. Also weiter dran bleiben. Und auch wenn es weh tut im Kopf – immer wieder mal ehrlich hinterfragen, warum man was kaufen möchte. Denn im Ernst: Ich mag zwar meinen eigenen Stil, aber ich liebe das Revierleben in Gummistiefeln, den Matsch der Pferdeweide und die entspannte Kleiderordnung des Homeoffice. Wie oft käme er da zum Einsatz, der Pastelltraum? Eben. Habe ich mir auch gesagt.

Und auch wenn es gerade noch wunderbar apfelkuchig durchs Haus duftet, liebe ich momentan kleine Mahlzeiten, die ich gut im Voraus oder ohne viel Aufwand zubereiten kann. Es ist zu viel anderes im Gange, da bleibt die Küchenmuße mal etwas im Hintergrund. Das ist ok.

Schneller Chicorée-Salat

(2 Portionen)

  • Zwei nicht zu kleine Chicorée waschen und in Streifen schneiden.
  • Einen festen sauer-süßen Apfel in kleine Würfel schneiden.
  • Eine großzügige Handvoll Walnusskerne in Stücke hacken und in der Pfanne rösten bis sie duften.
  • 100 Gramm Speckwürfel in der Pfanne knusprig rösten.
  • Alles vermengen und mit Olivenöl, Kürbiskernöl, dem ausgelassenen Fett vom Speck, Apfelessig sowie Pfeffer und Salz abschmecken.

Das könnte ich gerade immerzu essen. Es ist ein guter Salat zum Winterende. Er macht satt und irgendwie warm (auf der Gefühlsebene), durch den Apfel klingt aber schon etwas Neues, Frisches mit. Das mag ich.

Guten Appetit

 

 

 

 

 

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Moralische Dilemma statt Besinnlichkeit und Trostpflaster zum Dessert: Maronen-Kokos-Lebkuchen-Eis mit warmem Apfelmus

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Kulinarische Trostpflaster: Maronen-Kokos-Lebkucheneis

Sie fliegt dahin die Zeit und zieht mich mit in ihrem Sog. Mitunter stemme ich dann vehement die Fersen in den Boden, hangle mich langsam zurück und finde ihn wieder, den Augenblick. Das zarte Gebilde des Moments, der nicht rast und unter dem Gewicht zu vieler Pläne ächzt, sondern der sich mal ganz unverstellt geben darf. Die Stunden auf dem Pferderücken beim Ausritt durch den Wald, der ruhige, konzentrierte Ansitz im Revier, die Stunden in der Küche mit neuen Rezeptideen und einem Hörspiel, das Lachen beim Tanzkurs mit dem besonderen Menschen. Sie sind kostbare Glitzerstücke im Alltag, diese Stunden des (gemeinsamen) Erlebens. Sie inspirieren mich, tragen die Gedanken ein Stück weiter und auf wunderbare Umwege, verlangsamen mich, wenn ich zu schnell losrennen will, um alles zu schaffen. Sie sind die Würze des Alltags. Die Teestunde für das Seelchen und die Erdung, wenn alles an einem zieht. Ein Anker, den ich brauche, denn bei den Bildern und Nachrichten unserer Tage wird mir das Herz auf eine bisher unbekannte Weise schwer und das Gefühl, das sich heran schleicht, ist kein gutes.

Ich bin ein Sensibelchen. Im besten Sinne und im schwersten, wie ich momentan feststelle. Bei der Verteilung der Empathie habe ich eine große Portion abbekommen, so viel, dass es mich mitunter Kraft kostet, das Mitfühlen im Rahmen zu halten und mich nicht verwundbar zu machen. Ich verdiene mein täglich Brot mit Kommunikation, um diese sinnvoll zu gestalten muss man vor allem auch erst einmal Zuhörer sein und sich einfühlen können. Dabei aber die Distanz bewahren. In der Arbeit, da geht das gut und hilft mir sehr, doch gerade merke ich, wie schwer es mir fällt, mich abzugrenzen von Themen, die mir als Privatperson unter die Haut gehen.

Das Grübeln und das Durchdenken, das gehört zu mir, das weiß ich längst und wir haben uns einigermaßen gut arrangiert, das Hamsterrad im Kopf und ich. Wir haben einfach gemeinsam beschlossen, dass wir aus dem Hamsterrad eine Landkarte machen, die wir gedanklich erlaufen, Umwege unbedingt erwünscht.

Aber nun schleichen sich die Gedanken auf Pfade, bei denen ich mich frage, ob ich sie bewusst in eine Sackgasse laufen lassen darf. Wie weit soll ich denken und wo muss ich umdrehen oder beiseite treten, um mich zu schützen? Plötzlich stellen sich moralische Dilemma in den Weg, die für manch einen vielleicht nicht nachvollziehbar sind, als (mit-) fühlender Mensch aber wohl zum Reisegepäck gehören. Aber bevor sich dieser Gedankenstrom in Bildern verläuft, zurück auf Los.

Ich kann mein Leben, das ich als reich (im tieferen Sinne) und glücklich wahrnehme, und für das ich unendlich dankbar bin, im Moment mitunter nur schwer aushalten. Als ich mich im Sommer für die Arbeit mit geflüchteten Menschen gemeldet habe, war der Auslöser eher das Gefühl einer grundsätzlichen moralischen Verantwortung, dass man anderen Menschen helfen sollte und die Ohnmacht anhand der völlig neuen Bilder, die uns plötzlich überfluteten. Einer Verantwortung, die den Werten entspringt, mit denen ich groß geworden bin und die bisher, wenn man mal ehrlich ist, nie außerhalb ihrer Komfortzone auf den Prüfstand gestellt wurden. Mittlerweile ist es mir ein persönliches Anliegen geworden, mich nach meinen Kräften und Möglichkeiten zu engagieren. Gerne hätte ich dafür noch mehr Zeit. Aber das ist zuverlässig gerade nicht drin. Und wenn man sich engagiert, dann sollte es regelmäßig sein. Denn in der Arbeit mit Menschen sitzen am anderen Ende: Menschen. Keine Empfänger unserer Wohltätigkeit. Sondern Menschen, die dasselbe Anrecht auf Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit haben, das wir ja auch für uns einfordern. Menschen, denen man mit derselben Aufmerksamkeit begegnen sollte wie allen anderen Begegnungen auf seinem Weg auch. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, denn die Wege, die diese Menschen hinter sich haben, sind für uns in unseren bisher so behaglichen Blasen nicht nachvollziehbar. Natürlich trägt jeder von uns sein eigenes Gepäck mit sich herum und wenn ich zurück blicke, weiß ich, dass auch in meiner Geschichte einiges leichter hätte laufen können und Stolpersteine da waren. Aber diese liegen hinter mir und ich bin jetzt hier rund habe es überstanden und statt auf Persönliches zurückzugreifen, um mich zu entschuldigen, kann ich das, was ich auf meinem Weg an Erfahrungen gesammelt habe, in Energie umsetzen, die ich für etwas Positives einbringen kann.

Das versuche ich und bin auf einmal mit Geschichten konfrontiert und Menschen in Kontakt, die mir unter die Haut gehen. Verglichen mit vielen anderen Modellen, leben wir ein Leben mit bescheidenen Maßstäben, das ist gewollt und hat nie gestört, aber auf einmal sehe ich, wie unglaublich gut es uns geht. Wie viel Überfluss selbst noch in unserer vermeintlichen Bescheidenheit steckt. Welche Möglichkeiten uns (relativ) problemlos offenstehen. Auf welche Ressourcen wir zurückgreifen können, dank der vielen Menschen um uns herum.

Was, wenn so etwas alles wegbricht? Wenn die Freunde und die Familie in der Unsicherheit des Heimatlandes geblieben oder nicht mit einem angekommen sind? Wenn man all seine Energie auf das Ankommen verwendet hat und dann nicht aufgeben kann, sondern weiter machen muss, um Fuß zu fassen, eine neue Sprache und Kultur mit ihren Codes zu lernen? Von vorneherein behaftet mit dem Stempel Flüchtling?

In der letzten Deutschstunde sind wir persönlich geworden. Und ich habe gefragt, was der Mensch, der mir gegenüber sitzt, vor seiner Flucht in Afghanistan gemacht hat. Ich war so beeindruckt von seiner Wissbegier und seiner Zielstrebigkeit im Lernen. Warum hat mich das so überrascht? Habe ich ihm, beeinflusst von zu vielen Bildern, nicht zugetraut, was er leistet? Nein, ich glaube ich hatte bis zum ersten Termin im örtlichen Erstaufnahmelager nicht über die Menschen hinter den Zahlen nachgedacht, nicht über sie nachdenken können, weil ich nicht mit ihnen in Kontakt gekommen bin.

Jetzt ist er da der Kontakt und ich will nicht in der Position der Lehrenden sein. Ich will, soweit es die Situation erlaubt, einem Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen. Und manchmal reicht es auch zuzuhören und sich Dinge sagen zu lassen, die nicht nur leicht sind.

In Afghanistan war er Ingenieur und er sagt selbst, dass von den 100 Leuten in seinem Zelt viele dabei sind, die sich sehr schwer tun mit dem Lernen und dem Ankommen, weil sie vorher schon keine Chance hatten und auf wenig Vorbildung aufbauen können. Er schläft nur 3-4 Stunden pro Nacht. Der Lärm nimmt nie ganz ab. Musik, Telefongespräche, Streitereien, Aggression, Alkohol und einfach die ganz normalen Spannungen, wenn zu viele zu unterschiedliche Menschen auf Lange Zeit und auf zu engem Raum zusammen sind. Er sammelt Prospekte, um das Lesen zu üben und spart auf die nächste Telefonkarte für den Anruf in der Heimat. Er geht nicht oft in die Stadt, es fällt ihm schwer, wie die Menschen an ihm vorbei sehen. Nicht das indifferente Nichtwahrnehmen, das man im Alltag pflegt, sondern das bewusste Nichtsehen, weil jemand anders aussieht und direkt in die Schublade gewandert ist. Und ganz ehrlich, wer von uns läuft tatsächlich ohne diese Schubladen herum? Das fühlt sich an wie ertappt und ist nicht schön, aber es ist so wichtig zu hören. Er möchte nichts geschenkt bekommen. Also wird ihm jetzt einfach alles geliehen, was ich angemessenerweise geben kann und dann soll er es einfach weiter verleihen, vielleicht geht das. Ich rede dabei von kleinen Dingen- Wörterbüchern, Büchern.
Neben ihm sitzt ein Junge, er sollte volljährig sein, sonst säße er nicht hier bei den Anderen. Aber die Volljährigkeit mag ich ihm nicht abnehmen. Er verschwindet fast, so sehr ist er bemüht nicht aufzufallen und er spricht unglaublich leise und tut sich mit der lateinischen Schrift schwer. Aber jedes Wort ist ein kleiner Erfolg und ich wünsche ihm von Herzen, dass er irgendwann die Traurigkeit aus dem Blick verliert.

Die Rückkehr in den gewohnten Alltag fällt an diesen Tagen schwer. Ich fange an vieles in Frage zu stellen, bewege mich durch meine Wünsche und sortiere aus. Besonders zu schaffen macht mir die bevorstehende Adventszeit. Die Zeit der vielbeschworenen vorweihnachtlichen Behaglichkeit hat eben nicht nur ihre kerzenflammende Behaglichkeit, sondern trägt auch Gier in sich. Was wünsche ich mir unter dem Baum? Die Werbung treibt noch einmal alle an. Es muss eine festliche Garderobe her und noch ein Teil und hier ein Rabatt und und und…

Ich habe mich im Lauf der letzten Jahre zu einem bewussteren Konsum erzogen. Weniger aus dem Effekt, nicht nach kurzlebigen Moden und wohl überlegt, nicht schön geredet. Was übrig bleibt, das ist in seinem Ausmaß völlig ok. Aber selbst das will mir nun nicht mehr schmecken. Dabei weiß ich, dass ich aus Solidarität und Mitgefühl nicht mein Leben aufgeben kann, das wäre falsch. Ich trage ja auch eine Verantwortung für mich und meine Lieben. Aber ich kann noch ehrlicher sein. Was brauche ich wirklich, wo ich doch alles habe. Was kann nicht noch warten und kann stattdessen in ein Geben verwandelt werden. Es geht nicht darum sich zu geißeln und sich das Glück zu verbieten. Aber das Glück kann nicht der Konsum sein. Das Glück muss doch etwas Tieferes sein. Wir können nicht einfach so weitermachen, während um uns herum alles im Wandel ist und so vielen Menschen mit einem klein wenig von dem geholfen wäre, das wir für uns in Anspruch nehmen. Das alte Lied: Wenn jeder nur ein klein wenig mehr geben würde als bequem ist, würde es niemandem wehtun, aber so vielen so viel geben. Sagt der gesunde Menschenverstand, aber der genießt nicht das Ansehen, das er verdient hätte.

Ich hadere also. Oft geht es mir richtig beschissen und Berichte über wachsende Zahlen, hinter denen Menschen stecken, die so viel aufgegeben haben, treiben mir Tränen in die Augen. Die wachsende Zahl an Übergriffen entfacht derweil die Wut und Fassungslosigkeit erfasst mich bei so manch einer akademischen Metadiskussion, an denen man bei den aktuellen Themen nicht vorbei kommt.

Im ganz kleinen privaten Kreis bleibt das moralische Dilemma, wie glücklich kann ich sein, bei so viel Leid und Missstand, den ich sehe? Wo liegt für mich die Balance?

Statt Vorfreude auf Zimtgeruch gehe ich mit dem Gefühl in die kommende Adventszeit, dass etwas unwiderruflich vorbei ist.

Für die Glitzermomente, die es braucht, um für sich und andere mit dem Herzen dabei zu sein, kann mit Kleinigkeiten nachgeholfen werden.

 Maronen-Kokos-Lebkuchen-Eis mit warmem Apfelmus

1 Dose möglichst cremige Kokosmilch (90%)
3-4 Esslöffel Maronenmehl
2- 3 Esslöffel Xylith
Prise Salz
1-2 Teelöffel Lebkuchengewürz (nach gewünschter Intensität)
großzügige Prise Vanille

Apfel in der Schale in Stücke geschnitten (meine waren Fallobst aus dem Dorf, wunderbar rot und süß und zu mehlig zum Essen)
geriebene Orangenschale
Zimt
etwas Wasser

Eis

  • Alle Zutaten für das Eis schön gründlich miteinander verquirlen und einen Moment stehenlassen und schauen, ob man noch mehr Xylith hinzu geben möchte. Ich bin eher zurückhaltend, da das Maronenmehl schon süßlich ist und die feine Kastaniennote nicht überdeckt werden soll.
  • Nun für gute 3 Stunden (oder bis es den gewünschten Gefriergrad erreich hat) in die Tiefkühltruhe geben und regelmäßig umrühren. Ich mag es gerne, wenn es noch etwas cremig ist.

Apfelmus (für eine einmalige Portion reichen zwei große Äpfel)

  • Die Apfelstücke mit zwei Fingerbreit Wasser, dem Zimt und der Orangenschale aufsetzen und auf kleiner Hitze gemächlich einkochen, dabei regelmäßig umrühren. Wer es stückig mag, lässt es stückig. Genauso gut kann man es aber auch fix pürieren.
  • Ich habe mehrere Kilo Äpfel eingekocht und die Gläser mit dem Apfelmus im Dampfkochtopf eingekocht, damit sie mich im Winter weiter erfreuen.
  • Nun das warme Apfelmus auf das Eisgeben und die wunderbar tröstliche Kombination von apfelsauerer Süße und herbstlich weicher Kastanie genießen.

Guten Appetit und Kopf hoch!

Lieblingswetter, Lieblingsstücke und Lieblingsessen: Eine Art Persischer (Blumenkohl) Juwelenreis mit Datteln, Feigen und Mandeln

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Herbstliebe: Juwelenreis aus Blumenkohl

Das goldene Herbstwetter versetzt mich alljährlich wieder in absolute Höchststimmungen. Die Luft bekommt eine knisternde kalte Note, die die Gedanken erfrischt, Morgende sind in Nebelkissen verpackt und scheint die Sonne, tut sie dies golden vor dem fast metallischen Blau eines Herbsthimmels.

Kaum eine Zeit im Jahr begeistert mich so sehr wie die Zeit, wenn die Luft nach Herbst riecht und sich beim Anblick der bunten Blätterpracht ein wenig angenehme Melancholie in die Freude mischt. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Oktoberkind bin oder dass ich mich auf die Leseabende am Ofen freue, auf Ausritte im Herbstwald und dick eingepackte Spazier- und Reviergänge. Vom Draußen scheine ich gerade nicht genug zu bekommen und habe, angesichts eines seltsamen Energieüberschusses, wieder vorsichtig mit der Lauferei begonnen. Vorsichtig, weil ich meine strapazierten Knie schonen will und auch deshalb, weil ich nie wieder an den Punkt kommen möchte, an dem meine Tageslaune davon abhängt, ob ich es zum Joggen und dabei zu dem mir gesetzten Pensum geschafft habe. Hallo Sportsucht. Da gleitet man wohl schneller rein, als einem bewusst wird, wenn man es zu verbissen angeht. Angesichts der Vielzahl an öffentlichen (Wettkampf) Läufen habe ich auch das Gefühl, dass immer mehr Menschen auch im Laufen den Wettbewerb, das Kräftemessen und die Leistung brauchen. Da kann dann auch der Gesundheitsaspekt abhanden kommen. Also bewege ich mich sehr entspannt und in meinem Tempo durch den herbstlichen Buchenwald, dessen hohe Stämme an eine lichtgesprenkelte grüne Kirche erinnern. Genieße Ein- und Ausblicke am Feldrand und gehe es bewusst an. Und bin überrascht, die morgendlichen Atemübungen und der veränderte Lebensstil sorgen für eine viel bessere Grundkondition als noch zu Zeiten in der großen Stadt, wo ich den Hochzeiten auch noch etwa 20 Kilo mehr auf die Laufstrecke gebracht habe. Der Kampf gegen mich selbst spielt diesmal weniger eine Rolle, die Entspannung steht im Vordergrund. So werde ich unverkrampft die überschüssige Energie los, die sich durch die langen Tage am Schreibtisch anstaut und die sich durch Betriebsamkeit anderer Art scheinbar nicht abbauen lässt.

Der Herbst ist auch die Zeit, in der ich mich wieder meiner Nähmaschine annähere. Seit einigen Monaten habe ich mir eine ziemliche Konsumverweigerung im Bezug auf Kleidung auferlegt. Schon beim letzten Ausräumen der Winterkleidung habe ich gemerkt, dass ich eigentlich alles habe. Auch nachdem ich jetzt ganz brutal durch meinen Schrank gegangen bin und vieles Gutes als Spenden weitergegeben habe, bleibt mir eine abwechslungsreiche Garderobe. Ich will noch freier werden von der medial verstärkten Vorgabe der Modeindustrie, zu jeder neuen Saison irgend etwas Neues anschaffen zu müssen. Das heißt nicht, dass man keine Freude am Schönen haben kann. Ich will es nur bewusster gestalten und mich freier machen von Trends, die nur dazu führen, dass im Zweifel seltsame Schrankleichen in den eigenen Besitz wandern, die vermeintlich mal total en vogue waren. Ich spreche aus Erfahrung. Der besondere Mensch meint immer eine Spur Exzentrik würde ich wohl nie aus meinem Stil kriegen, aber das finde ich ok, ich setze aber auf Stücke, die zeitlos sind. Auf bessere Verarbeitung und Materialien. Ich will Textilmüll vermeiden und die textilen Sklaventreiber nicht unterstützen.

Ein Schritt dahin ist auch, wieder mehr selbst zu machen. Das erste Lieblingsstück, das im Zuge der herbstlichen Nählust eingezogen ist, ist inspiriert von diesem sympathischen Blog. Ich habe einen dicken Wollstoff verwandt und noch Ärmel dran gesetzt und plötzlich hielt ich in den Händen, was ich mir gewünscht hatte: Eine super kuschelige, bequeme und dabei schöne Strickjacke für kalte Tage. Ganz wichtig: Mit Taschen. Der Vorteil am Selbstgemachten ist auch, dass man online mittlerweile eine gute Auswahl an Biostoffen bekommt. Weiter geht es für mich sicher mit einigen Modellen aus diesem netten und hilfreichen Buch, das meine Gebete erhört zu haben scheint und auf komplizierte, fiese Schnittmuster verzichtet. Das ermöglicht einen intuitiveren Zugang zum Nähen und mit etwas Verständnis dafür, wie Kleidungsstücke funktionieren, bietet es super Anleitungen, die sich noch weiter entwickeln lassen.
Das treibt mich gerade um. Und ist auch Ausgleich zu den Momenten, in denen die Last der Nachrichten unserer Zeit zu sehr drückt. Denn bei aller Achtsamkeit und Auseinandersetzung muss man auf eine gesunde Balance achten, damit einen die Schreckens- und Trauermeldungen nicht lähmen. Das ist die Kehrseite der ständig verfügbaren Information. Wir müssen bewusster filtern und uns auch ein Stück weit vor der Informationsflut schützen, ohne untätig zu werden und die Augen zu verschließen. Kein Leichtes.

Auch in der Küche hält Herbst Einzug. Meine Lieblingsgewürze sind die warmen Noten. Zimt, Anis, Muskat, Nelke, Ingwer, Cayennepfeffer – sie alles haben etwas Rundes, Beruhigendes, Wärmendes. Und so war es naheliegend, den Tausendsassa Blumenkohl geschmacklich ein herbstliches Upgrade zu geben. Inspiriert vom persischen Juwelenreis habe ich improvisiert und mit dem, was der Gewürzschrank hergab, ein neues Lieblingsgericht gekocht.

Quasi Blumenkohl) Juwelenreis mit Datteln, Feigen und Mandeln
(ca 3-4 Portionen als Beilage)

1 großer Kopf Blumenkohl, gewaschen und entweder grob gerieben oder im Mixer auf Reiskorngröße gehackt
4-5 getrocknete Feigen, weich und ohne harten Stiel, in kleine Stücke geschnitten
5-6 getrocknete Datteln, entsteint und in kleine Stücke geschnitten
1 Handvoll Mandelstifte oder gehobelte Mandeln
Frisch geriebene Schale einer halben, ungespritzten Orange
Kurkuma
Lebkuchengewürz
Cayennepfeffer
Salz
schwarzer Pfeffer
Butter

  • Zwei Esslöffel Butter in einer großen Pfanne schmelzen, die Mandeln, Datteln und Feigen hinzugeben und sacht anrösten, bis die Mandeln eine leichte Farbe haben.
    Den geraspelten Blumenkohl dazugeben und mit zwei weiteren Esslöffeln Butter auf mittlerer Hitze regelmäßig rühren, damit nichts ansetzt. Die Orangenschale hinzugeben sowie etwa einen knappen Esslöffel Kurkuma, eine großzügige Prise Salz, etwas frischen schwarzen Pfeffer und einen Teelöffel Cayennepfeffer. Alles gründlich vermengen, bis die Masse eine gleichmäßig gelb-goldene Farbe hat.
  • Dann einmal abschmecken, um ein Gefühl für den Grundgeschmack zu bekommen. Nun nach und nach das Lebkuchengewürz hinzugeben, umrühren und immer wieder abschmecken, damit es nicht zu intensiv wird. Ich habe etwa einen Esslöffel genommen, aber es ist individuelle Geschmackssache, wie stark die Gewürze hervortreten sollen.
  • Der Reis sollte nicht zu schwer und weich-klebrig werden, sondern noch eine körnige Konsistenz mit buttriger Note haben.

Dazu gab es Wildbratwürste, aber auch Hühnerfleisch oder Lamm stelle ich mir gut vor. Ich werde weiter probieren.

Guten Appetit!

Es schaffen wollen und das Grillen planen: Low Carb Blumenkohlsalat mit Bacon-Mayo

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Lernen und genießen: Low Carb Blumenkohlsalat mit Bacon Mayonnaise

Seit 10 Monaten beherrscht die Jungjägerausbildung die Wochenenden und seit Jahresanfang auch diverse Abende unter Woche. Heute war er plötzlich da, der letzte reguläre Unterrichtstag. Ein Gefühl, wie früher kurz vor den großen Ferien. Nur statt der Zeugnisse steht nun der Prüfungsmonat an. Vier Teile sind es, nächsten Samstag geht es in schriftlicher Form los. Wie viel Wissen hat sich verfangen im letzten Jahr? Welche Lücken müssen noch gestopft werden, neben der intensiven Kopfarbeit im Arbeitsalltag? Wo lässt sich noch ein Stündchen abzweigen für einen Blick in die Bücher und die Bearbeitung alter Prüfungen zur Selbstkontrolle? Kann ich mein Lernen auf den letzten Metern noch effektiver gestalten. Ist das Nervosität, die da wie ein kleines Nagetier in meinem Hinterkopf sitzt und leise vor sich hinraspelt?

Wer sich Prüfungen jedweder Art stellt, nimmt auch die Möglichkeit des Scheiterns in Kauf. Wer immer nur auf Nummer sicher geht, kann auf eine Kette von Erfolgen zurückblicken, aber testet nicht den eigenen Mut. Bin ich auch bereit zu scheitern? Würde ein Misserfolg mich in Frage stellen? Einer unserer Ausbilder meinte, wir sollten uns nicht verrückt machen, es wäre die unwichtigste Prüfung unseres Lebens. Ich finde, das stimmt nur bedingt. Denn keine andere Prüfungssituation in meinem Leben ist so sehr einer freien Entscheidung entsprungen. Ihr liegen keine äußeren oder institutionellen Zwänge und Vorgaben zugrunde. Sie ist etwas, was ich für mich gewählt habe. Jetzt bin ich gespannt, was ich daraus mache oder ob ich in eine zweite Runde muss. In einem Monat weiß ich mehr, bin entweder etwas gedämpft oder unglaublich erleichtert.

Und wenn es läuft wie geplant, was dann? Dann kommen wir hoffentlich in einem tollen Revier unter. Zarte Bande sind geknüpft. Die Zeit der Jungjägerausbildung ist eigentlich in Wahrheit die Befugnis, das Lernen in der Praxis zu beginnen. Dann wird die Theorie der Praxis ausgesetzt. Ich kann es kaum erwarten und habe einen tiefen Respekt vor diesem Prozess.

Aber davor heißt es lernen, lernen, verstehen, diskutieren, bestimmen. Der Kopf ist gerade in Hochform. Lernen kann einen in einen ähnlichen Rausch versetzen wie ein erfolgreicher langer Lauf. Es lohnt, sich selbst im Auge zu behalten. Den Druck rauszunehmen, die Freude zu behalten.

Mache ich mir zu viel Stress, steige ich kurz aus. Gehe raus in den Frühling vor der Tür, der einen momentan in himmelblaue Stimmungen versetzt.

Oder ich koche. Gutes Lernen hat viel mit guter Ernährung zu tun. Wir können unsere Energie und damit auch unsere (Denk-)Leistung steigern, wenn wir genau hinhören und in Belastungszeiten sorgsam mit uns umgehen, statt auf schnelle Kicks und Glücklichmacher zu setzen.

Ein Rezept der letzten Tage, ein Übungslauf fürs Grillen nach den Prüfungen:

Blumenkohlsalat
Der Blumenkohl ist der Tausendsassa der Low Carb-Küche. Wie Kartoffeln oder Reis besticht er durch eine gewisse Neutralität im Geschmack und lässt sich wunderbar in diversen Formen integrieren. Hier vertreibt er die Kartoffeln für eine leichtere Variante des geliebten Mayonnaise Salats zum Grillen.

1 großer Blumenkohl
1-2 Bund Frühlingszwiebeln
1 Bund Radieschen
körniger Senf
Salz
Pfeffer
8 – 10 ausgebackene Baconstreifen (das Fett auffangen)

Mayonnaise:
2 große oder 3 kleine Eigelb
1 TL Senf (Dijon)
250 sehr mildes Olivenöl
Baconfett
1-2 TL Zitronensaft
Salz
Prise Xylit
Den Salat am Vorabend zubereiten und an einem kühlen Ort durchziehen lassen!

  • Blumenkohl in kleine Röschen schneiden, gut waschen und ruhig etwas weicher als bissfest blanchieren.
  • Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Die Radieschen in feinere halbe Scheiben schneiden.
  • Den Bacon ausbraten und das Fett auffangen.
  • Für die Mayonnaise, die Eigelbe mit dem Rührgerät in einem hohen Becher kurz aufschlagen, den Senf dazugeben und wieder aufschlagen.
  • Das ÖL mit dem noch weichen Baconfett mischen und 1/5 tröpfchenweise zur Ei-Senf-Mischung geben, bis sich eine glatte Creme ergibt.
  • Das restliche Öl-Fett-Gemisch langsam unter ständigem Rühren zugießen, bis die Mayonnaise die gewünschte dickcremige Konsistenz hat.
  • Zitronensaft dazu geben und mit Salz und Xylit abschmecken.
  • 1-2 Esslöffel körnigen Senf unter die Mayonnaise rühren und nach Belieben salzen und pfeffern.
  • Blumenkohl, Frühlingsgszwiebeln und Radieschen in eine Schüssel geben und die Mayonnaise unterheben. Zum Schluss den knusprigen Bacon in Stücken untermengen.

Der Salat schreit nach Bratwurst und ersetzt jeden traditionellen Grill-Begleiter mit Leichtigkeit!

Guten Appetit!

Lieblingshausmittel zum Durchatmen und vom falschen Pflichtgefühl: Zwiebelsaft und Kranksein können

kranksein dürfen und Hausmittel

Gute Besserung: Kranksein aushalten und Zwiebelsud

Man sollte sich bewusst sein, dass es im Leben immer Dinge gibt, die man nicht so gut kann. Für mich gehört Kranksein auf jeden Fall auf die Liste der Dinge, die ich nur schlecht beherrsche. Solange mich nicht ein heftiges Fieber ans Bett fesselt (zum Glück war dies nicht so oft der Fall), muss man mich regelmäßig zurück ins Bett scheuchen, denn irgendwie treibt es mich immer wieder mit irgendeiner Ausrede auf die Beine und ich beginne zu werkeln. Sei es das schlechte Gewissen, dem besonderen Menschen bei Krankheit doppelt mit Mehrarbeit zu belasten: Er muss dann sowohl das Büro als auch den Haushalt schmeißen oder mir fallen alle Telefonate und E-Mails ein, denen ich mich so gerne mal wieder widmen wollte.

Es fällt mir so schwer, das loszulassen. Mit dem Ergebnis, dass ich zu einer miserablen Patientin mutiere, die ständiger Ermahnung bedarf, was ein Mehr an Arbeit bedeutet. Das möchte ich nicht. Deshalb arbeite ich am Kranksein-können. Die letzten Tage hatte ich Gelegenheit dazu. Ein paar Tage an der dänischen Nordsee, ungewohnter Weingenuss, zu wenig Schlaf dank zu schöner langer Gespräche und eine zusätzliche körperliche Belastung für den müden Körper durch Joggingeinheiten im Küstenwind – was als Erholung gedacht war, führte dazu, dass ich vier Tage im Bett lag und statt motiviert in die nächste Projektphase bei unserer Arbeit zu springen, türmten sich die Informationen und E-Mails und die Unruhe wuchs.

Nicht gut. Und überhaupt nicht gesund. In der Regel ist es immer möglich mal zu sagen: „Ich bin krank, ich schaffe das heute nicht.“ Vielleicht ist danach mehr zu tun, aber es ist möglich. Gerade, wenn man als gewissenhaft und zuverlässig eingeschätzt wird, legen einem vernünftig denkende Menschen keine Steine in den Weg. Aber was ist es dann, was die meisten Menschen noch krank ins Büro treibt? Hustend und röchelnd, belästigen wir unsere Kollegen und stecken mitunter noch andere um uns herum an, was dann für noch mehr Arbeit sorgt.

Es gibt die schlimmen Arbeitssituationen, in denen einem vermittelt wird, dass eine Abwesenheit durch Krankheit nicht gern gesehen wird. Ich habe das selbst erlebt, bin ohne Stimme und mit Fieber, vollgestopft mit Medikamenten quer durch die Republik geflogen, um Journalisten auf Presseveranstaltungen Rede und Antwort zu stehen. Was für ein Bild gibt das ab? Von mir und dem Arbeitgeber. Eine befreundete Journalistin zog mich schließlich mit spitzen Fingern beiseite, ich war eine mehr als offensichtliche Ansteckungsquelle und sagte: „Geh ins Hotel. Es tut mir weh mit Dir zu sprechen. Du tust Dir keinen Gefallen.“ Zwei weitere Tage dauerte es, bis ich das ok hatte, heim zu fahren. Zu dem Zeitpunkt war aus einer Mandelentzündung eine Bronchitis geworden, die auf dem besten Weg war, eine Lungenentzündung zu werden. Der Arzt war mehr als schockiert mich erst zu diesem Zeitpunkt zu sehen und schrieb mich krank. Krank wurde ich vor allem deshalb, weil der Reiserei eine intensive Phase der Eventplanung vorrausgegangen war. Das Ganze in einer zu der Zeit wenig entspannten Arbeitsatmosphäre. Eine schlechte Kombination. Was hängenblieb, war der Eindruck, nicht belastbar zu sein. Denn neben Genesungswünschen war da auch die versteckte Frage, ob ich meiner leitenden Position gewachsen bin. Übersetzt: Wer durchhält, wird belohnt, wer schwächelt, zeigt zu wenig Ehrgeiz. Aber was für ein Vorbild möchte man abgeben? Gerade auch gegenüber Mitarbeitern, für die man verantwortlich ist? Ich will doch auch, dass jeder, der sich nicht gut fühlt weiß, dass er krank sein darf. Dass dies keine Gefährdung der Position bedeutet. Das ist menschlich und normal und eine solche Einstellung hält die Leute langfristig gesund.

Aber es gibt sie, die fiesen Mechanismen der Arbeitswelt, die viele antreiben, noch mehr zu geben, wenn der Körper einem längst sagt: „Bitte lass mich Pause machen. Ich kann nicht mehr.“ Kein Job ist es wert, sich gesundheitlich zu ruinieren. Die eigene Gesundheit ist nicht auswechsel- und ersetzbar. Arbeitssituationen lassen sich, auch wenn es manchmal schwer vorstellbar ist, neu definieren, neue Perspektiven finden sich. Ich habe kurz nach der Krankheitsphase für mich die Konsequenzen gezogen, den Job gekündigt und den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Kurz zuvor wurde mir ein Posten in der Geschäftsführung in Aussicht gestellt, mit der Bemerkung: „Das sind drei vier Jahre harte Arbeit und dann kannst Du Dich zurücklehnen und machen lassen.“ Was für eine unrealistische Einschätzung und was für ein beleidigender Schwachsinn. Drei Jahre weiter im Volldampfmodus und ich hätte mich kaputt gearbeitet und es gibt nie eine Garantie, wie man sich in der Anstellung weiterentwickelt. Man arbeitet immer noch für jemand anderen.

Jetzt haben wir unser eigenes Büro. Das ist auch stressvoll. Und ich bin natürlich getrieben von einem Verantwortungsgefühl Kunden und Partnern gegenüber. Aber wenn ich krank bin, bin ich krank und wenn ich das äußere, stoße ich auf Verständnis, ernst gemeinte gute Wünsche und den Wunsch, erst wieder von mir hören zu wollen, wenn ich gesund bin.

Das ist gesund. Wir sind es unserer Gesundheit schuldig, auf uns zu hören und uns ein dickes Fell zuzulegen gegen subtile Beeinflussungen von außen, die uns immer weiter treiben, wenn es eigentlich nicht mehr geht. Das kann man lernen. Genauso wie man lernen kann, den verlockenden Fehler zu vermeiden, zu denken, man wäre unersetzlich. Jeder kennt die Kollegen, die offensichtlich still leidend zur Arbeit erscheinen und sich im entgegengebrachten Mitgefühl baden und kommunizieren: „Ohne mich läuft es nicht“. Das ist nicht gesund. Das macht krank und kostet all zu oft die Energie der anderen.

Also ab unter die Decke und ausgeruht!

Bei Husten, der nicht locker werden will, hilft eine Hausmittel:

Zwiebelsud

Zwei bis vier Zwiebeln in Ringe schneiden und in 0,75 l Wasser aufkochen. Dann eine halbe Stunde köcheln lassen. Mit Xylit oder Honig süßen und mehrmals am Tag eine Tasse heiß trinken.

Gute Besserung!

So lecker süß wie selten schön: Dattel-Kakaonibs-Konfekt und Lesemomente mit Patrick Modiano

Modiano und Dattel-Kakaonibs-Konfekt

Modiano Lektüre und Dattel-Kakaonibs-Konfekt

Im Café der verlorenen Jugend – Dans le café de la jeunesse perdue: Alleine schon den Titel habe ich genossen, in Gedanken umkreist und ihn hin und her gedreht, bevor ich mich dann aufmachte und meine erste und sicherlich nicht letzte Lesebegegnung mit Patrick Modiano hatte. Das Paris der 60er Jahre, ein Café mit der genau richtigen Mischung aus Intellektuellen, Künstlern, Anarchisten, Arbeitern, eben Pariser Bohème, wie sie jedem lesenden Frankophilen da doch irgendwie als Projektionsfläche und Sehnsuchtsort hinterherhängt und einem von einer vergessenen Zeit ins Ohr flüstert. Dazu eine soghafte Erzählung aus unterschiedlichen Perspektiven, die doch alle um eine beinahe nicht greifbare Frauenfigur kreisen – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Denn es ist weniger ausgeklügelte Handlung, als ein sprachlich gewebtes Stimmungsnetz, das sich an den eigenen Gedanken verhaftet wie sanfte Novemberspinnweben und mich kaum losließ. Bei Mondiano trifft man eine Sprache wieder, die aus der Zeit fällt, nicht von heute ist, sondern den Ton des Handlungszeitpunktes trifft und dabei wunderbarerweise irgendwie französisch klingt.
Es war mir ein besonderes, ein zartes Lesevergnügen und ich möchte es nur zu gerne noch anderen Lesern ans Herz legen.

Und neben der Zigarette, die sich irgendwie ganz wunderbar in die Lektüre einfügte (es gibt andere Bücher, da würde ich nie auf den Gedanken kommen zu rauchen), ist es der Tee, der sich als treuer Lesebegleiter erweist. Und mit dem Umblättern der letzten Seite legt man das Buch aus der Hand und kann sich dem Vergnügen der Gedankenverlorenheit hingeben und dabei vielleicht etwas knabbern. Etwas Süßes.

Dattel-Kakaonibs-Konfekt

100 Gramm Datteln
100 Gramm Kakaobutter
6 Esslöffel Kakaonibs
3 Esslöffel geröstete Kokosraspeln
Prise Himalaya-Salz
1 Teelöffel getrocknete, geriebene Orangenschale
fein geriebene Tonkabohne

Papierförmchen

  • Kakaobutter vorsichtig, auf niedriger Temperatur über dem Wasserbad schmelzen.
  • Datteln sehr fein hacken, in der Küchenmaschine oder mit dem Messer.
  • Die geriebene Orangenschale, die Prise Salz und die Tonkabohne in die geschmolzene Kakaobutter rühren.
  • Die Kakaobutter vom Wasserbad nehmen, die Dattelstückchen, Kakaonibs und Kokosraspeln unterrühren und die Masse auf die (Pralinen-)Papierförmchen verteilen. An einem kühlen Ort (nicht Kühlschrank) hart werden lassen.

Die Süße der Datteln reicht vollkommen aus und dann heißt es nur: Maß halten. Guten Appetit!

 

Vom Puddeln: Hosenrock nähen und Burger interpretieren

Selber machen - Burger und Culottes

Sachen selber machen: Culottes und Burger

Manchmal ergeben sich Frei-Zeiten. Da war der Tag ganz anders geplant und der Morgen hatte mit einem gewissen Unwillen begonnen angesichts der vor einem liegenden Arbeit und dann plötzlich – freie Stunden! Unverhofft. Unverplant. Ein Geschenk.

Und ohne große Vorsätze bin ich im Gäste-/Nähzimmer verschwunden und habe geschaut, was da so rumliegt. Vielleicht eine Hose kürzen oder oder oder… Oder einfach mal was anfangen, ohne es sich großartig vorzunehmen. Stoff war da und der Schnitt auch.

Culottes sollten es werden – ein richtiger Hosenrock im Vintage-Schnitt. Ich habe lebhafte Erinnerungen an Fotos meiner Mutter, die in den 70ern/80ern gerne Hosenröcke trug und die haben mir immer gut gefallen und nachdem sie jetzt wieder überall auftauchten, war das ein gutes Projekt zum selber Nähen.

Meist fehlt mir die Zeit, oder zumindest bilde ich mir das ein, mich mal konzentriert am Stück an die Nähmaschine zu setzen. Aber vielleicht muss das gar nicht. Ich mag es nicht so gerne zu kleineteilig, dachte ich. Aber zum einen war dieser Schnitt wirklich anfängergerecht und zum anderen hat sich etwas verändert. Ich mag das Rumpuddeln und im Endeffekt stellte sich auch beim Zuschneiden und Nähen des Stoffes eine ähnliche Entspannung ein, wie ich sie sonst beim Experimentieren in der Küche finde.

Und jetzt bin ich ein bisschen stolz auf mein erstes, ganz alleine genähtes Kleidungsstück und freue mich auf das nächste Zeitfenster – da ist noch ein Schnitt für ein 60s Etuikleid, den ich wagen möchte.

Also: Einfach machen. Nicht lange überlegen, was kann schon schief gehen und wem will man was beweisen? Die Ausführung ist die Belohnung, nicht das Lob. Ich warte auf jeden Fall voll Vorfreude auf Hosenrock-Sommertage!

Und bei so viel Handarbeit, darf es mal Fastfood sein:

Burger Interpretationen – oder vielleicht sollte es heißen Burger-Reduktionen.

Ich habe einfach das Brötchen weggelassen und Burger -Patties aus reinem Rinderhack geformt, gesalzen, gepfeffert und im Ofen bei 200 Grad etwa 12 Minuten – 15 Minuten schön braun gebraten.

Diese Burger kommen dann auf ein Bett aus Radicchio und anderem Salat (Feldsalat, Endivien,…). Zusammen mit Gurken- und Tomatenscheiben, feinen Zwiebelringen und einer ordentlichen Portion Samba Oelek wird ein Festessen für Burgerfreunde draus.

Für leckere Variationen einfach Speck im Ofen auf dem Burger mitbraten und/oder ein Spiegelei on Top…

Guten Appetit!