Au revoir und auf ein Neues

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So ganz überraschend ist es nicht. Auch wenn ich es lange nicht zugeben wollte: Die Teilstuecke, sie passen mir nicht mehr. Nach drei Jahren ist eine Veränderung angebracht. Das Kochen, es ist ein so fester Bestandteil meines Alltags, das gebe ich nicht mehr her und auch das Denken, es rumort. Aber neben der Zuneigung zu meinen Teilstuecken ist der Wunsch gewachsen, mehr zu schreiben. Schreiben, so wie ich mag. Experimentell, drauf los. Da ich den ganzen Tag für andere schreibe. Und mich dabei im Rahmen des Professionellen bewege. Der Wunsch nach einer kleinen Spielwiese wurde immer stärker und dem gebe ich nach und vielleicht sieht und liest man sich wieder. Dann vorwiegend hier.

Vielen Dank für so viele nette Leser und so manchen interessierten und nachdenklichen Kommentar. Das weiß ich sehr zu schätzen!

Au revoir!
Und wer weiß, das gelegentliche Rezept findet ja vielleicht auch noch seinen Weg hierher.

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Moralische Dilemma statt Besinnlichkeit und Trostpflaster zum Dessert: Maronen-Kokos-Lebkuchen-Eis mit warmem Apfelmus

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Kulinarische Trostpflaster: Maronen-Kokos-Lebkucheneis

Sie fliegt dahin die Zeit und zieht mich mit in ihrem Sog. Mitunter stemme ich dann vehement die Fersen in den Boden, hangle mich langsam zurück und finde ihn wieder, den Augenblick. Das zarte Gebilde des Moments, der nicht rast und unter dem Gewicht zu vieler Pläne ächzt, sondern der sich mal ganz unverstellt geben darf. Die Stunden auf dem Pferderücken beim Ausritt durch den Wald, der ruhige, konzentrierte Ansitz im Revier, die Stunden in der Küche mit neuen Rezeptideen und einem Hörspiel, das Lachen beim Tanzkurs mit dem besonderen Menschen. Sie sind kostbare Glitzerstücke im Alltag, diese Stunden des (gemeinsamen) Erlebens. Sie inspirieren mich, tragen die Gedanken ein Stück weiter und auf wunderbare Umwege, verlangsamen mich, wenn ich zu schnell losrennen will, um alles zu schaffen. Sie sind die Würze des Alltags. Die Teestunde für das Seelchen und die Erdung, wenn alles an einem zieht. Ein Anker, den ich brauche, denn bei den Bildern und Nachrichten unserer Tage wird mir das Herz auf eine bisher unbekannte Weise schwer und das Gefühl, das sich heran schleicht, ist kein gutes.

Ich bin ein Sensibelchen. Im besten Sinne und im schwersten, wie ich momentan feststelle. Bei der Verteilung der Empathie habe ich eine große Portion abbekommen, so viel, dass es mich mitunter Kraft kostet, das Mitfühlen im Rahmen zu halten und mich nicht verwundbar zu machen. Ich verdiene mein täglich Brot mit Kommunikation, um diese sinnvoll zu gestalten muss man vor allem auch erst einmal Zuhörer sein und sich einfühlen können. Dabei aber die Distanz bewahren. In der Arbeit, da geht das gut und hilft mir sehr, doch gerade merke ich, wie schwer es mir fällt, mich abzugrenzen von Themen, die mir als Privatperson unter die Haut gehen.

Das Grübeln und das Durchdenken, das gehört zu mir, das weiß ich längst und wir haben uns einigermaßen gut arrangiert, das Hamsterrad im Kopf und ich. Wir haben einfach gemeinsam beschlossen, dass wir aus dem Hamsterrad eine Landkarte machen, die wir gedanklich erlaufen, Umwege unbedingt erwünscht.

Aber nun schleichen sich die Gedanken auf Pfade, bei denen ich mich frage, ob ich sie bewusst in eine Sackgasse laufen lassen darf. Wie weit soll ich denken und wo muss ich umdrehen oder beiseite treten, um mich zu schützen? Plötzlich stellen sich moralische Dilemma in den Weg, die für manch einen vielleicht nicht nachvollziehbar sind, als (mit-) fühlender Mensch aber wohl zum Reisegepäck gehören. Aber bevor sich dieser Gedankenstrom in Bildern verläuft, zurück auf Los.

Ich kann mein Leben, das ich als reich (im tieferen Sinne) und glücklich wahrnehme, und für das ich unendlich dankbar bin, im Moment mitunter nur schwer aushalten. Als ich mich im Sommer für die Arbeit mit geflüchteten Menschen gemeldet habe, war der Auslöser eher das Gefühl einer grundsätzlichen moralischen Verantwortung, dass man anderen Menschen helfen sollte und die Ohnmacht anhand der völlig neuen Bilder, die uns plötzlich überfluteten. Einer Verantwortung, die den Werten entspringt, mit denen ich groß geworden bin und die bisher, wenn man mal ehrlich ist, nie außerhalb ihrer Komfortzone auf den Prüfstand gestellt wurden. Mittlerweile ist es mir ein persönliches Anliegen geworden, mich nach meinen Kräften und Möglichkeiten zu engagieren. Gerne hätte ich dafür noch mehr Zeit. Aber das ist zuverlässig gerade nicht drin. Und wenn man sich engagiert, dann sollte es regelmäßig sein. Denn in der Arbeit mit Menschen sitzen am anderen Ende: Menschen. Keine Empfänger unserer Wohltätigkeit. Sondern Menschen, die dasselbe Anrecht auf Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit haben, das wir ja auch für uns einfordern. Menschen, denen man mit derselben Aufmerksamkeit begegnen sollte wie allen anderen Begegnungen auf seinem Weg auch. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, denn die Wege, die diese Menschen hinter sich haben, sind für uns in unseren bisher so behaglichen Blasen nicht nachvollziehbar. Natürlich trägt jeder von uns sein eigenes Gepäck mit sich herum und wenn ich zurück blicke, weiß ich, dass auch in meiner Geschichte einiges leichter hätte laufen können und Stolpersteine da waren. Aber diese liegen hinter mir und ich bin jetzt hier rund habe es überstanden und statt auf Persönliches zurückzugreifen, um mich zu entschuldigen, kann ich das, was ich auf meinem Weg an Erfahrungen gesammelt habe, in Energie umsetzen, die ich für etwas Positives einbringen kann.

Das versuche ich und bin auf einmal mit Geschichten konfrontiert und Menschen in Kontakt, die mir unter die Haut gehen. Verglichen mit vielen anderen Modellen, leben wir ein Leben mit bescheidenen Maßstäben, das ist gewollt und hat nie gestört, aber auf einmal sehe ich, wie unglaublich gut es uns geht. Wie viel Überfluss selbst noch in unserer vermeintlichen Bescheidenheit steckt. Welche Möglichkeiten uns (relativ) problemlos offenstehen. Auf welche Ressourcen wir zurückgreifen können, dank der vielen Menschen um uns herum.

Was, wenn so etwas alles wegbricht? Wenn die Freunde und die Familie in der Unsicherheit des Heimatlandes geblieben oder nicht mit einem angekommen sind? Wenn man all seine Energie auf das Ankommen verwendet hat und dann nicht aufgeben kann, sondern weiter machen muss, um Fuß zu fassen, eine neue Sprache und Kultur mit ihren Codes zu lernen? Von vorneherein behaftet mit dem Stempel Flüchtling?

In der letzten Deutschstunde sind wir persönlich geworden. Und ich habe gefragt, was der Mensch, der mir gegenüber sitzt, vor seiner Flucht in Afghanistan gemacht hat. Ich war so beeindruckt von seiner Wissbegier und seiner Zielstrebigkeit im Lernen. Warum hat mich das so überrascht? Habe ich ihm, beeinflusst von zu vielen Bildern, nicht zugetraut, was er leistet? Nein, ich glaube ich hatte bis zum ersten Termin im örtlichen Erstaufnahmelager nicht über die Menschen hinter den Zahlen nachgedacht, nicht über sie nachdenken können, weil ich nicht mit ihnen in Kontakt gekommen bin.

Jetzt ist er da der Kontakt und ich will nicht in der Position der Lehrenden sein. Ich will, soweit es die Situation erlaubt, einem Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen. Und manchmal reicht es auch zuzuhören und sich Dinge sagen zu lassen, die nicht nur leicht sind.

In Afghanistan war er Ingenieur und er sagt selbst, dass von den 100 Leuten in seinem Zelt viele dabei sind, die sich sehr schwer tun mit dem Lernen und dem Ankommen, weil sie vorher schon keine Chance hatten und auf wenig Vorbildung aufbauen können. Er schläft nur 3-4 Stunden pro Nacht. Der Lärm nimmt nie ganz ab. Musik, Telefongespräche, Streitereien, Aggression, Alkohol und einfach die ganz normalen Spannungen, wenn zu viele zu unterschiedliche Menschen auf Lange Zeit und auf zu engem Raum zusammen sind. Er sammelt Prospekte, um das Lesen zu üben und spart auf die nächste Telefonkarte für den Anruf in der Heimat. Er geht nicht oft in die Stadt, es fällt ihm schwer, wie die Menschen an ihm vorbei sehen. Nicht das indifferente Nichtwahrnehmen, das man im Alltag pflegt, sondern das bewusste Nichtsehen, weil jemand anders aussieht und direkt in die Schublade gewandert ist. Und ganz ehrlich, wer von uns läuft tatsächlich ohne diese Schubladen herum? Das fühlt sich an wie ertappt und ist nicht schön, aber es ist so wichtig zu hören. Er möchte nichts geschenkt bekommen. Also wird ihm jetzt einfach alles geliehen, was ich angemessenerweise geben kann und dann soll er es einfach weiter verleihen, vielleicht geht das. Ich rede dabei von kleinen Dingen- Wörterbüchern, Büchern.
Neben ihm sitzt ein Junge, er sollte volljährig sein, sonst säße er nicht hier bei den Anderen. Aber die Volljährigkeit mag ich ihm nicht abnehmen. Er verschwindet fast, so sehr ist er bemüht nicht aufzufallen und er spricht unglaublich leise und tut sich mit der lateinischen Schrift schwer. Aber jedes Wort ist ein kleiner Erfolg und ich wünsche ihm von Herzen, dass er irgendwann die Traurigkeit aus dem Blick verliert.

Die Rückkehr in den gewohnten Alltag fällt an diesen Tagen schwer. Ich fange an vieles in Frage zu stellen, bewege mich durch meine Wünsche und sortiere aus. Besonders zu schaffen macht mir die bevorstehende Adventszeit. Die Zeit der vielbeschworenen vorweihnachtlichen Behaglichkeit hat eben nicht nur ihre kerzenflammende Behaglichkeit, sondern trägt auch Gier in sich. Was wünsche ich mir unter dem Baum? Die Werbung treibt noch einmal alle an. Es muss eine festliche Garderobe her und noch ein Teil und hier ein Rabatt und und und…

Ich habe mich im Lauf der letzten Jahre zu einem bewussteren Konsum erzogen. Weniger aus dem Effekt, nicht nach kurzlebigen Moden und wohl überlegt, nicht schön geredet. Was übrig bleibt, das ist in seinem Ausmaß völlig ok. Aber selbst das will mir nun nicht mehr schmecken. Dabei weiß ich, dass ich aus Solidarität und Mitgefühl nicht mein Leben aufgeben kann, das wäre falsch. Ich trage ja auch eine Verantwortung für mich und meine Lieben. Aber ich kann noch ehrlicher sein. Was brauche ich wirklich, wo ich doch alles habe. Was kann nicht noch warten und kann stattdessen in ein Geben verwandelt werden. Es geht nicht darum sich zu geißeln und sich das Glück zu verbieten. Aber das Glück kann nicht der Konsum sein. Das Glück muss doch etwas Tieferes sein. Wir können nicht einfach so weitermachen, während um uns herum alles im Wandel ist und so vielen Menschen mit einem klein wenig von dem geholfen wäre, das wir für uns in Anspruch nehmen. Das alte Lied: Wenn jeder nur ein klein wenig mehr geben würde als bequem ist, würde es niemandem wehtun, aber so vielen so viel geben. Sagt der gesunde Menschenverstand, aber der genießt nicht das Ansehen, das er verdient hätte.

Ich hadere also. Oft geht es mir richtig beschissen und Berichte über wachsende Zahlen, hinter denen Menschen stecken, die so viel aufgegeben haben, treiben mir Tränen in die Augen. Die wachsende Zahl an Übergriffen entfacht derweil die Wut und Fassungslosigkeit erfasst mich bei so manch einer akademischen Metadiskussion, an denen man bei den aktuellen Themen nicht vorbei kommt.

Im ganz kleinen privaten Kreis bleibt das moralische Dilemma, wie glücklich kann ich sein, bei so viel Leid und Missstand, den ich sehe? Wo liegt für mich die Balance?

Statt Vorfreude auf Zimtgeruch gehe ich mit dem Gefühl in die kommende Adventszeit, dass etwas unwiderruflich vorbei ist.

Für die Glitzermomente, die es braucht, um für sich und andere mit dem Herzen dabei zu sein, kann mit Kleinigkeiten nachgeholfen werden.

 Maronen-Kokos-Lebkuchen-Eis mit warmem Apfelmus

1 Dose möglichst cremige Kokosmilch (90%)
3-4 Esslöffel Maronenmehl
2- 3 Esslöffel Xylith
Prise Salz
1-2 Teelöffel Lebkuchengewürz (nach gewünschter Intensität)
großzügige Prise Vanille

Apfel in der Schale in Stücke geschnitten (meine waren Fallobst aus dem Dorf, wunderbar rot und süß und zu mehlig zum Essen)
geriebene Orangenschale
Zimt
etwas Wasser

Eis

  • Alle Zutaten für das Eis schön gründlich miteinander verquirlen und einen Moment stehenlassen und schauen, ob man noch mehr Xylith hinzu geben möchte. Ich bin eher zurückhaltend, da das Maronenmehl schon süßlich ist und die feine Kastaniennote nicht überdeckt werden soll.
  • Nun für gute 3 Stunden (oder bis es den gewünschten Gefriergrad erreich hat) in die Tiefkühltruhe geben und regelmäßig umrühren. Ich mag es gerne, wenn es noch etwas cremig ist.

Apfelmus (für eine einmalige Portion reichen zwei große Äpfel)

  • Die Apfelstücke mit zwei Fingerbreit Wasser, dem Zimt und der Orangenschale aufsetzen und auf kleiner Hitze gemächlich einkochen, dabei regelmäßig umrühren. Wer es stückig mag, lässt es stückig. Genauso gut kann man es aber auch fix pürieren.
  • Ich habe mehrere Kilo Äpfel eingekocht und die Gläser mit dem Apfelmus im Dampfkochtopf eingekocht, damit sie mich im Winter weiter erfreuen.
  • Nun das warme Apfelmus auf das Eisgeben und die wunderbar tröstliche Kombination von apfelsauerer Süße und herbstlich weicher Kastanie genießen.

Guten Appetit und Kopf hoch!

Von der Seele geschrieben: Kann ich helfen? Ja, bitte. Unbedingt!

machen und helfen

Kann ich helfen? Unbedingt!

Wir haben viel gelacht. Etwas verlegen anfangs, aber nach und nach offener und herzlicher. Wenn das Englische als gemeinsame Basis mal nicht weiterhalf, haben wir Hände und Füße genutzt und uns einmal durch die Anatomie und die wichtigsten Begriffe für den Arztbesuch gelernt. Die Zeit ist geflogen und mit dem Ende der Deutschstunde platzte die Blase und die Ernüchterung setzte ein. Die Oase machte zu.

Die Oase, das ist das von der Stadt Limburg organisierte und von vielen ehrenamtlichen Helfern unterstützte Begegnungscafé vor den Toren des ersten Erstaufnahmelagers hier vor Ort. Ein Erstaufnahmelager, das eigentlich jetzt abgebaut werden sollte und stattdessen nun winterfest gemacht werden muss. 650 Menschen, in Zelten, in einem Industriegebiet neben der ICE-Trasse. Viele junge Männer, Jugendliche, Frauen mit Kindern, Schwangere, wenige ältere Männer. Für 650 von ihnen sind die Zelte temporäre Station. Und das Café Oase ist ein wenig alles: Aufenthaltsraum, Kaffeemaschine, Klassenraum, Kindergarten. Hier steht die Begegnung ganz klar im Vordergrund. Lokale Bäcker spenden täglich Gebäck und viele Menschen engagieren sich mit ihrer Zeit und einfach nur mit ihrer Menschlichkeit. Denn mit dem ersten Kaffeebecher, den man entgegen nimmt und füllt, werden aus den großen Etiketten, mit denen die Medien seit diesem Sommer um sich schmeißen, Gesichter. Kleine Gesichter mit roten Schnupfennasen unter rosa Mützen, ernsthafte Gesichter unter makellosen Kopftüchern oder dezent geschminkt. Energiegeladene Jugendliche und schüchterne Erwachsene. Wir reden so viel und vergessen das Offensichtliche: Es geht um Menschen.

Wir reden und reden und im Reden haben wir das Gefühl etwas zu bewegen. Und das ist auch gut und das tun wir auch, etwa, wenn wir klar Position beziehen und tumben, menschenverachtenden Meinungen einen Riegel vorschieben. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das langfristig nicht mehr reichen wird. Das Reden. Und das Lesen. Ich denke, viele denken wie ich, dass sie eine Meinung haben und dafür einstehen. Es scheinen so Zeiten zu kommen, in denen wir uns beweisen müssen und diese Meinung verteidigen. Ich kriege das Grausen und die Wut wächst, wenn ich brennende Notunterkünfte in den Medien sehe. Wenn ich höre, wie die Ängste der Menschen vereinnahmt und ins Schlimmste verkehrt werden. Bis die offensichtlichsten Argumente nicht mehr auf Gehör stoßen und das zarte Pflänzlein des Mitgefühls, das dieser Tage wachsen und stark werden sollte, verkümmert. Es werden immer mehr, die den Mund aufreißen, die sich mit ihren hasserfüllten Parolen auf die Straße trauen. Der dreiste Mut wächst und plötzlich werden wieder Journalisten für ihre Meinung wortwörtlich angegriffen. Solange die Angriffe online über die Kommentarfunktion geschehen, kann man den Kopf schütteln und es beiseite schieben, aber wenn die Hemmschwelle überwunden ist, wohin geht die Reise dann? Ich halte mich für einen optimistischen Menschen, bei allem, was mich an Gedankenbalast beschwert und was ich kritisch sehe, will an etwas grundlegend Gutes glauben, das uns im Großen und Ganzen motiviert. Düstere Zukunftsprognosen sehe ich kritisch. Aber gerade geht es nicht um die Zukunft, sondern um das hier und jetzt. Und da ist auf einmal etwas mitten unter uns angekommen, was wir doch besiegt geglaubt hatten. Gerade wir, mit dieser komplizierten Geschichte, dieser vielen Scham und dem mehr als durchwachsenen Gefühl für die Heimat. Diese Heimat wird gekidnappt von Idioten, die etwas schützen wollen, das es nicht gibt. Die uns wieder sagen: „Wir gegen die“, weil die uns sonst was wegnehmen. Was denn? Will man schreien? Was nehmen sie menschenverachtenden Vollpfosten wie Euch weg? Menschen, die in Kauf nehmen, dass andere Menschen zu Schaden und sogar zu Tode kommen. Menschen, die sie nicht kennen und gegen die sie somit nicht einmal mächtige persönliche Gefühle anbringen können. Menschen, die mit den Ängsten und Unsicherheiten der Leute (ok, das gilt auch für große Teile der Medien und Politik) mobilisieren und ausnutzen, dass Menschen in der Masse an Intelligenz verlieren, haben diese Menschen die Vorteile des demokratischen Systems verdient, das uns so wohl genährt hat? Wir waren wohl zu satt und sind es noch immer, dass der Aufschrei nicht noch größer ist. Wie die Spitze vom Eisberg sind nur die Mutigen da draußen und krakeelen laut, schlimmer noch ist der unberechenbare große Teil, der unsichtbar unter der Wasseroberfläche sitzt, aber zunehmend zustimmend nickt. So werden aus schönen Wasserringen Wellen und wie wollen wir die stoppen? Auf jeden Fall, indem wir für uns einstehen und den Mund aufmachen, wenn wir merken, dass in Gruppen auf heuchlerisch mitleidige Art und Weise der Tenor irgendwie doch umschlägt: “Ich habe ja nichts gegen Flüchtlinge, aber…“

Ja schön, wir sollten auch alle nichts gegen, sondern für Flüchtlinge haben. Noch mehr vernünftige und gut erhaltende Kleidung für die warmen Tage. Noch mehr Spielzeug und Bücher und Malstifte und und und… und Zeit. Ich hatte mich im Sommer schon gemeldet, bis jetzt hat es gedauert, aber das heißt nichts. Aktiv werden und fragen, wo es konkret an Hilfe fehlt. Das hätte ich viel früher machen sollen, statt zu warten bis jemand auf der Namensliste bei K ankommt. Passen tut es nie, nicht wahr? Und sicher gibt es Umstände, wo es nicht machbar ist, aber wer zwei Stunden erübrigen kann, um bei der Kleiderausgabe oder beim Unterricht zu helfen… bitte macht es. Es ist nicht umsonst.

Ich war furchtbar nervös, als es klar war, dass aus der schönen Idee des ehrenamtlichen Engagements eine Verabredung mit der Realität werden sollte. Immer wieder habe ich über mich selbst den Kopf geschüttelt und mich gefragt, was daran mich so nervös machte? Ich wollte das richtige Signal aussenden. Kein Mitleid, sondern Wertschätzung. Das sollte ja kein Engagement für mich sein, sondern etwas bringen. Der besondere Mensch hat mir den Rücken gestärkt und zu recht erinnert: „Es sind Menschen. Du hast ein Gespür für Menschen, warum solltest Du das nicht nutzen, wie sonst auch?“ Recht hatte er.

Nachdem ich innerlich etwas schüchtern an der Kaffeetheke begonnen hatte, setzte ich mich irgendwann an einem Tisch zu einer kleinen Lerngruppe. Ein älterer Herr, wie ich Freiberufler, gab Deutschunterricht. Mir gegenüber saßen zwei junge Männer, sie waren zu weit weg, um bei der anderen Gruppe richtig mitmachen zu können, aber sie hörten so intensiv zu, dass ich ohne darüber nachzudenken fragte, was sie heute machen wollen würden. Man muss keine Angst vor der Verantwortung des Lehrens haben, darum geht es hier nicht. Sondern um eine kleine Starthilfe, bevor der eigentliche Deutschkurs beginnt. Oft geht es um ganz konkrete Fragen zu bestimmten Vokabeln für den Alltag. Ansonsten wird anhand von Materialien ein Einstieg geschaffen. Man kann dabei nichts falsch machen, aber ganz viel geben. Sprache, Kommunikation ohne Missverständnisse, sind der einzige Weg, wie wir alle („wir“ und „die“) es schaffen können, uns zu sortieren und Spannungen abzubauen. Und wenn man einmal dabei ist, merkt man, wie viele Menschen genauso denken und sich, mitunter bereits seit Monaten, mit ihrer Zeit und noch viel mehr engagieren. Das macht Mut, wenn in den Medien die Flammen wüten und einem ein Kloos der Wut den Hals abschnürt.

Und ganz persönlich denke ich, dass etwas zu Ende gegangen ist, eine im Großen und Ganzen für die meisten von uns recht sorgenfrei Zeit. Es hat sich etwas in Bewegung gesetzt und die ersten Veränderungen begegnen uns in Form von Gesichtern. Gesichtern vieler Menschen. Wie bei allen Menschen muss man nicht jeden mögen und kann sich aus dem Weg gehen, aber gegenseitiger Respekt sollte doch der Maßstab im Umgang miteinander sein.

Ich für meinen Teil bin tief berührt von dem Elan, mit dem die Menschen, denen ich begegnet bin, bereit und gewillt sind, die Sprache zu lernen, anzukommen. Sie haben Ruhe verdient. Ein Blick in so manches viel zu alt wirkende Kindergesicht sagt, dass hier unglaublicher Ballast mitgeschleppt wird und doch der Antrieb bleibt. So viel Stärke und die Kraft, Leid ertragen zu haben, das muss doch gewürdigt werden. Und satt und in der Tendenz gerne etwas unzufrieden, wie wir in Deutschland ja gerne sind, können ein kleiner Perspektivwechsel und neue zwischenmenschliche Begegnungen doch vielleicht auch einen gesunden Ruck statt einen rechten Ruck zur Folge haben. Zumindest für uns jeden persönlich haben wir es endlich mal in der Hand.

Sonnenschein und schwere Schatten: Menschen auf der Flucht und Pflaumenmus fürs Gleichgewicht

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Sommer für den Herbst: Pflaumenmus

Es fällt gerade schwer, das Schreiben. Ungezählte Male habe ich angefangen in Worte zu fassen, was mich beschäftigt, wenn ich durch den Nachrichten- und Informationsstrom stolpere und fassungslos an Bildern von Menschen auf der Flucht hängenbleibe oder in Wut gerate, wenn ich sehe wie dummdreist Hass und Verachtung derzeit wieder ihre hässlichen braunen Fratzen in die Kameras strecken. Wo sind wir angekommen als Gesellschaft, wenn es so viele Menschen gibt, die nicht den kleinsten Funken Mitgefühl für die empfinden, denen es schlechter geht? Aber auch, was frustriert diese Menschen so sehr, dass die Schwäche Anderer zu ihrem Ventil wird? Und warum wird nicht lauter über die Ursachen dieser unglaublichen Zahlen geredet: Bildlich, wenn auch schwer fassbar gesprochen, ist das beinahe die Gesamteinwohnerzahl von Frankreich, die sich auf der Flucht befindet. Und eines ist klar: Es wird kein vorübergehendes Phänomen dieses Sommers sein, es ist eine Entwicklung, auf die wir reagieren müssen, denn sie wird uns auch zukünftig begleiten. Bis Ende diesen Jahres rechnet man mit 800.000 Menschen, die ihren Weg nach Deutschland finden werden. 800.000, das übersteigt die Einwohnerzahl Frankfurts am Main.

Das sind aber nicht nur Zahlen, sondern Hunderttausende von Einzelschicksalen und persönlichen Geschichten und, was zu kurz kommt, jeder dieser Menschen ist auch die Chance auf Begegnungen und Beziehungen, auf Bereicherung. Das klingt sehr idealistisch, aber immerhin reden wir von Menschen. Nur erst einmal, so ist es nun einmal, wollen dieses Zahlen (und die dahinter stehenden Menschen) verwaltet werden. Heißt versorgt und untergebracht werden. Und dass ist das andere, das schöne Gesicht dieses Sommers, dass so viele Menschen sich ein Herz fassen und anpacken, mithelfen und unterstützen. Das gibt Mut und inspiriert.

So langsam reicht zu schauen und bewegt sein auch nicht mehr aus. Das erste, was ich machen kann, ist spenden. Sachspenden, Geld. Ich kann meinen Konsum auch einmal einschränken und etwas verschieben und stattdessen dort geben, wo es wirklich wichtig ist. Denn seien wir ehrlich, das meiste, was wir haben, möchten wir gerne besitzen aber eigentlich haben wir alles, was wir brauchen. Also überlegt man sich: Braucht es einen neuen Mantel für den Herbst? Was hängt da schon im Schrank und kann weiter genutzt werden? Und kann ich mich nicht auch von etwas trennen und es spenden, wenn ich es eigentlich noch sehr mag? Das zeigt doch Respekt und respektiert Würde, wenn man nicht nur die letzten Fetzen spendet, die einen selber nicht interessieren. Weitergedacht: Wir wissen doch alles wie integrierend die richtige Kleidung wirkt und wie sehr Äußerlichkeiten ausgrenzen können. Und wenn ich nichts geben kann, dann ist das nicht schlimm, aber dann kann ich vielleicht Zeit geben. Bei uns vor Ort ist das ehrenamtliche Engagement sehr hoch. Ich bin auf einer Warteliste. Und das ist auch ok. Es soll ja Sinn machen und unterstützen, das Engagement und nicht das eigene Gewissen beruhigen. Erst war ich mir sicher, dass ich keine Zeit habe, weil ich ja noch Freizeit neben der Arbeit brauche und dann habe ich meinen Gedanken mal selbst aufmerksam zugehört und mir gesagt, warum meine Zeit so kostbar sein sollte. Wir führen doch zumeist so privilegierte Leben, natürlich nie völlig sorgenfrei, aber wir sind nicht in unserer Existenz bedroht. Und ich merke, ich kann einfach nicht so weiter machen und Missstände nur zur Kenntnis nehmen, mich informiert zeigen und am Ende aus dem verbal ausgedrücktem Mitgefühl doch nichts ändern. Das geht nicht mehr.

Zumal wir, damit meine ich unser Land mit seiner Politik, ja mit dafür verantwortlich sind, was andernorts geschieht. Unsere noch recht komfortable Blase hat ihren Preis und die Rechnung dafür haben bisher Andere bezahlt. Das macht uns verantwortlich. Und das kann einen fertig machen. Als zusammenhängendes System ist sie nicht zu begreifen, die Welt. Aber wir hängen mitten drin und haben zu (fast) allem eine Meinung, zehren von Informationsstückwerk und Interessensinseln. Dadurch, dass alles so vermeintlich nah rückt, wird es so abstrakt und fern. Und plötzlich sind sie aber da, die Tausenden von Menschen, mit den traurigen Augen, die Kinder mit dem fragenden Blick und es wird dringend Zeit aufzuwachen und zu schauen, was kann jeder anders machen. Nicht verzweifeln, weil man sich angesichts der Probleme so klein fühlt, mit den Schultern zuckt und sagt, ich kann eh nichts ändern. Ich kann im Kleinen anfangen. Ich kann anfangen bewusst darauf zu achten, wie ich diesen fremden Menschen begegne, was ich denke und was ich für ein Bild von ihnen habe. Und ich kann in Gesprächen dagegen halten und unbequem werden, wenn sich Verachtung und Ablehnung hinter scheinbarer Besorgnis verbergen.

Denn das wird immer wichtiger werden: Position zu beziehen. Nicht nur, dass etwas global aus der Balance geraten ist, wie die Medien und Statistiken und Berechnungen uns täglich zeigen. Noch näher und schlimmer zeigt sich dabei auch, dass wir bei weitem nicht so weit sind, wie wir dachten. Hetze gegen das Fremde, gegen Menschen, ist wieder viel zu weit in unserer Mitte angekommen. Und wer weiß, wie viele sich noch nicht trauen sich öffentlich so zu äußern, aber innerlich schon längst bedächtig nicken, wenn hier wieder die Angst geschürt wird, uns würde etwas weggenommen.

Nein, im Gegenteil, wir müssen schleunigst anfangen etwas zurückzugeben.
Und so wirft dieser Traumsommer auch viele lange Schatten und oft bin ich wütend, sprachlos, traurig. Aber ich nehme es als Antrieb nicht wegzusehen und nicht untätig zu bleiben. Mir geht es so gut, ich bin so zufrieden, das macht mich verantwortlich.

Und während also die bescheidenen Mittel auf den Weg gebracht werden, treibt es mich zur Beruhigung natürlich in die Küche. Seelennahrung für den sich ankündigenden Herbst fabrizieren:

Pflaumen/Zwetschegnmus
(6-7 kleine Gläser)
Die meisten Marmeladen sind einfach solche Zuckerschleudern, dass sie ausscheiden. Das Pflaumenmus war eine schöne Entdeckung, die sich gerade breit macht in der Vorratskammer.

3-3,5 Kilo Pflaumen, waschen und vierteln
2 Esslöffel Xylith
2 Esslöffel Kokoszucker
3 Zimtstangen
3 Sternanis
ca. 15 Nelken
Nach Geschmack: ein Esslöffel Rum oder Grappa

  • Die Pflaumenstücke über Nacht mit dem „Zucker“ und den Gewürzen ziehen lassen. Ich habe Grappa dazugegeben und mitziehen lassen. So setzt sich schon einmal gut Flüssigkeit ab.
  • Am nächsten Tag die Flüssigkeit abgiessen,  Pflaumen portionsweise leicht pürieren, so dass noch Stücke bleiben,  in einen großen ofenfesten Topf geben, ich habe einen Glasbräter genommen.
  • Bei 180 Grad für 4-6 Stunden in den Ofen geben.
  • Während der ersten Stunde einen Holzlöffel in die Ofentür geben, damit Feuchtigkeit entweichen kann. Danach einmal die Stunde umrühren. Je länger es im Ofen bleibt, desto fester und dunkler wird das Mus. Ich mag es am liebsten nach ca. fünf Stunden, wenn es schön dunkelrot ist und noch etwas flüssig.
  • Das Pflaumenmus in saubere Gläser geben, den Rand gründlich säubern und die Gläser im Dampfkochtopf einkochen. Alternativ wie Marmelade ganz heiß in die ausgekochten Gläser geben und diese auf den Kopf stellen.

Ich mag Pflaumenmus zu Braten und Rouladen, auf Crêpes, im Kastanienkuchen, als Süßungsmittel, in Saucen und Vinaigrette, im Sauer- oder Rotkraut….

Guten Appetit.

In den Morgen hinein und Rezepte gegen Hitze: Curry-Rohkostsalat mit Wildlachs

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Leichte Rezepte gegen die Hitze

Verheißungsvolles Grau zieht da vor dem Fenster auf. Verheißungsvoll, da es ein reinigendes Gewitter verspricht. Ich mag den Sommer. Sehr. Ich mag es, wenn der frühe Morgen schon nach flirrender Mittagshitze riecht. Ich mag es, wenn auch der Alltag plötzlich diesen Sommerferienschimmer bekommt, weil ich barfuß durchs Haus schleichen und die Winterpullis in eine Auszeit schicken kann. Deshalb bin ich diesem Sommer auch sehr dankbar, ich weiß nicht wann wir zuletzt so viele heiße Tage hatten? Schon jetzt haben sich im gedanklichen Augenblicksammelalbum wunderbar sommerliche Momente aus dem Taunus, aus Wiesbaden, Köln, Passau, München und den Vogesen angesammelt, die sich zu einem einzigen langen Sommereindruck verbinden.

Aber… Ja, was wären Gedanken über das Wetter ohne ein Aber? Die bleischweren Hitzenächte der letzten Zeit hinterlassen doch ihre Spuren und ein kühler Windhauch, der durchs Schlafzimmer zieht und die Decke noch gemütlicher macht, ist mehr als willkommen. Es sieht ganz danach aus, als würde diese Sehnsucht bald gestillt.

Bis es soweit ist, verlaufen Alltag und Leben im Sommerrhythmus. Der Wecker klingelt früher für einen Tee- und Lesemoment im Bett bei frühmorgendlicher Sommergeräuschkulisse vor den Fenstern. Auch die Arbeit beginnt früher. Es ist meine produktivste Zeit, die Stunden bevor in den anderen Büros nach und nach die Arbeit beginnt und irgendwann in Form von E-Mails und Anrufen zu mir findet. Der Kopf ist noch klar beisammen, die Hitze noch eine attraktive Ahnung, die sich erst am Nachmittag in eine gewisse Anstrengung verkehrt.

Momente zum Durchatmen und Kühle genießen, brachte in letzter Zeit der frühmorgendliche Ansitz im Revier. Wann immer die Verpflichtungen und Termine es zulassen (also tendenziell zu selten) zieht es uns auf den Hochsitz im Feld oder im Wald.  Die entscheidende Erfahrung des ersten Schusses fehlt dabei noch. Aber darum geht es auch gar nicht. Das wird sich ergeben (muss, ich habe ein großes Adventsessen geplant). Viel spannender ist es momentan, die verschiedenen Ecken des Reviers kennenzulernen und zu entdecken welches Wild sich wo gerne zeigt. Dabei hat sich für mich gezeigt, dass ich am allerliebsten am frühen Morgen unterwegs bin. Raus zu gehen, wenn es noch dunkel ist (im Sommer ist das schmerzhaft früh). Leise seinen Platz zu beziehen und in der Dunkelheit den noch ungewohnten Geräuschen zu lauschen. Wenn man nichts sieht, klingt auch eine Maus im trockenen Laub ziemlich laut. Das zunehmende Licht der Dämmerung zu genießen und den Vögeln zu lauschen, die frech ihren neuen Tag beginnen. So manche schöne Begegnung ergibt sich da und es ist keine Zeitverschwendung ein Bestimmungsbuch dabei zu haben. Und wenn es langsam heller wird, belohnt einen so manche Beobachtung. Sei es der junge Fuchs, der noch irgendwie unbedarft über die Wiese und am Feldrand entlangstakst, sich hinter den Ohren kratzt und völlig verpasst, dass 15 Meter von ihm entfernt ein leicht gestresster Hase sich seinen Weg durch das hohe Gras bahnt. Oder die Ricke, die laut schmatzend im Raps steht, bis irgendwann die Zwillingskitze aus der Deckung kommen und man ein geradezu liebevolles Wiedersehen beobachtet. Da sitzt dann der tiefbraune Baummarder, das Goldkehlchen, auf dem Weg und schaut mit Knopfaugen wachsam um sich bevor es mit kleinen Sprüngen im Raps verschwindet. Und natürlich das schlaue Schwarzwild, die Wildschweine, die man im Dunkeln noch neben sich im Feld hat grunzen und schmatzen hören und die plötzlich nur noch ein dickes Hinterteil sind, das geschwind in weiter Ferne in der Sicherheit des Feldes verschwindet. Oder der bisherige Höhepunkt, der Hirsch, der da mitten auf der morgendlcihen Wiese steht und einen anzuschauen scheint, bevor er das beeindruckende Haupt abwendetund zum klar murmelnden Bach zieht.

Auch im Hochsommer kann es des Morgens empfindlich kühl werden und mit der stärker werdenden Morgensonne legt man leise eine wärmende Schicht nach der anderen ab und freut sich über die Thermoskanne Tee. Dabei sein zu dürfen, wie der Tag die Nacht verdrängt und um einen herum alles zu erwachen beginnt, das Ganze alleine mit sich und den ungetrübten Sinneseindrücken – es hat etwas fast meditatives und unglaublich entspannendes. Dann langsam kommen die Menschen, mit ihren Hunden, auf der morgendlichen Laufrunde oder beim Spaziergang in der Kühle des Morgens und fast widerwillig packt man seine Sachen zusammen und hofft, bald wieder den Wecker früh stellen und hinausgehen zu können.

So begonnen, verlängert sich der Tag ungemein und mit der Zeit bekommt man auch das Müdigkeitsloch in den Griff. Das der Jagderfolg bisher ausblieb, ist dabei nebensächlich. Zu kostbar und schön sind die neuen Erfahrungen.

Und wenn der Tag sich dann langsam zu einem heißen klebrigen Klumpen verdichtet, braucht es ein leichtes Essen.

Lieblings-Curry-Rohkostsalat (mit Wildlachs)

1-2 mittlere bis große Kohlrabi
1 großes Bund große Radieschen
1 mittlere Zwiebel
1 kleiner säuerlich-süßer Apfel
optional: 1 Handvoll geröstet, gehackte Walnüsse
Olivenöl
Walnussöl
Apfelessig
(Dijon)Senf
Pfeffer
Salz
Currypulver
Zitrone

  • Die Kohlrabi schälen, vierteln und grob raspeln. Dann die Radieschen waschen und ebenfalls grob raspeln. Beides zusammen in ein nicht zu grobes Sieb geben, leicht salzen und dann mit den Händen großzügig die Flüssigkeit herauspressen. Ich mache  so vier Durchgänge, um zu verhindern, dass der Salat zu nass wird.
  • Wer sehr strikt Low-Carb isst, lässt den Apfel weg. Wer sich sicher fühlt, raspelt den Apfel, beträufelt ihn mit Zitronensaft und gibt ihn unter das Gemüse.
  • Nun die Zwiebel schälen, sehr fein hacken und unter den Salat mischen.
  • Aus Walnuss- und Olivenöl, Apfelessig, Senf, Salz, Pfeffer und einer großzügigen Portion Curry eine Vinaigrette zusammenrühren und unter den Salat mischen. Diesen dann ruhig etwas durchziehen lassen, dabei gelegentlich mischen. Wer Nüsse verträgt, gibt vor dem Servieren noch die gerösteten Walnüsse dazu.
  • Als Begleiter empfiehlt sich ein Wildlachsfilet. Ganz simpel, mit Zitrone beträufelt, gesalzen und gepfeffert und in der Pfanne in Kokosöl gebraten.

Tipp: Zum Kochen verwende ich sonst kein fertiges Currypulver, es empfiehlt sich genau auf die Inhaltsstoffe zu schauen, oft versteckt sich Traubenzucker oder anderes in Würzmischungen.

Guten Appetit!

Hoch die Tassen oder nicht: Von kleinen und großen Süchten

lasterhaft

selbst gedreht und eingeschenkt: von kleinen und großen Süchten

Er rast dahin der Sommer und von einem nach ihm benannten Beschäftigungstief ist leider nichts zu merken.

Darüber geschieht vieles wie nebenbei.

Und bei der schnellen Taktung ist sie schon fast vergessen, die Woche in den Vogesen mit frühmorgendlichen Wanderungen voller Abenteuer, den Lesestunden unterm Apfelbaum, den Kuchenfreuden und der genussvollen Zigarette ab und an in der Abendsonne.

Auch wenn dies auf zunehmendes Unverständnis stößt: Ich gehöre der aussterbenden Klasse der Raucher an. Dank gesellschaftlicher Einschränkungen fühle ich mich nach diesem Satz wie jemand, der sagt: „Hallo, ich bin Alkoholiker.“ Und da mir das Thema Alkoholismus nur allzu vertraut ist aus dem Familien- und Freundeskreis, muss ich sagen: „Ich rauche sehr gerne.“ Und umgebe mich lieber mit Rauchern als mit Säufern. Was ein seltenes Glas Wein für mich ja nicht ausschließt. Ich bin keine Ketten- oder Zwangsraucherin, eher so eine Gelegenheits-, Genuss- und Gesellschaftsraucherin, Manchmal rauche ich über Tage und Wochen gar nicht und dann wieder mehrere Tage am Stück. Immer selbstgedreht und ohne Zusätze. Mein Körper sagt ziemlich genau, wenn er dann erst einmal wieder genug hat. Aber das Rauchen ist zu einem Balanceakt geworden. Ich nehme natürlich Rücksicht auf Nichtraucher. Sogar im eigenen Zuhause würde ich nichtrauchende Gäste nicht einfach so vor vollendete rauchende Tatsachen stellen. Das Verständnis würde ich mir dann auch manchmal wünschen, wenn ich unter vielen Nichtrauchern unterwegs bin und mich in die jeweilige Raucherecke begebe.

Denn immer wieder kommt es vor, dass voll Unverständnis und Kritik nach der Zigarette gefragt wird und man gleichzeitig dem besonderen Menschen kopfschüttelnd begegnet, wenn er sagt, dass er keinen Alkohol trinkt.

Das ist für mich manchmal schwer nachzuvollziehen, ich sehe Alkohol und Rauchen in einem ähnlichen Spannungsfeld beheimatet. Und es führt auch zu nichts, sich gegenseitig die mehr oder weniger sinnvollen Fakten um die Ohren zu schlagen. Welches dieser Laster das Gesündere ist. Ich habe beiden in meinen Großstadtjahren ausgiebigst gefrönt und mich nicht immer wohl gefühlt dabei.

Aus den vielen Gauloises der jungen Erwachsenzeit sind Selbstgedrehte ohne Zusätze geworden. Das ist ganz pragmatisch billiger und wunderbarerweise stinkt es nicht im Rauchraum Küche. Mit den Jahren ist aus einem unüberlegten und oft überflüssigen Rauchen eine seltenere, bewusste Handlung geworden und so kann es auch gerne bleiben.

Den Alkohol bekomme ich noch seltener zu Gesicht und je länger er wegbleibt, desto weniger attraktiv erscheint er aus der Ferne. Es bleibt der Reiz der Kombination eines guten Essens mit dem passenden Glas Wein. Aber Glas, nicht Flasche. Einmal auf Verzicht gebracht, zeigt einem der Körper ziemlich deutlich, dass Alkohol ein Gift ist. Hallo Kopfschmerz… Und den oft zitierten Zustand der angenehmen Entspanntheit empfinde ich als gefährlich, wenn er als zu angenehm empfunden wird, ist er allzu häufig zu Gast und der Weg in Abhängigkeiten ist schleichend. Nur zu einfach wird aus dem kleinen Entspannungsglas am Abend ein festes Ritual, das gerne auch mehr und mehr Raum einnimmt. Ein jeder soll es mit dem Alkohol halten wie er möchte, aber es ist falsch, dass Saufen und Trinken gesellschaftlich toleriert werden und Ausrutscher und harte Fälle dann mit einem amüsanten Etikett versehen werden. War halt wieder eine harte Nacht und für alle unterhaltsam, wohingegen der Raucher so langsam immer stärker als Assi besetzt ist. Da Rauchen durch den Rauch stärker auf das direkte Umfeld wirkt, finde ich es wichtig Rücksicht zu nehmen, aber ähnlich unangenehm sind Bekanntschaften, die im Zuge der wechselnden Weingläser in der Artikulation nachlassen, spannende Themen nicht weiter verfolgen können und das so lebhaft begonnene Gespräch versickern lassen. Der Schalter legt sich um ab einem gewissen Pegel. Manch einer wird dann unterhaltsam, denkt er, denn die Hemmungen fallen, andere werden emotional, es werden Herzen ausgeschüttet, Bekenntnisse gemacht, die dann bitte wieder im Dunkel der Nacht verschwinden sollen und Konflikte brechen auf, an die man sich nüchtern nicht heran wagt. Wer Weinabende und Ähnliches kennt, weiß, was ich meine. Die kleinen Gedanken rollen wie geschmiert und verwandeln sich in vermeintliche Geistesblitze. Mit den Promille wächst die Nähe und vermeintliche Verbundenheit, wer Böses denkt, kann sich jetzt bestens über sein Gegenüber informieren, die Selbstzensur gerät ins Wanken. Und so mancher öffnet sein Herz und schüttet es aus, ohne aufzufangen und zu merken, was zu viel erzählt ist. Dieses blöde Gefühl am nächsten Morgen, der Kopf ist etwas schwer – über was hat man noch geredet? Da war doch was, irgendetwas hat man erzählt, das fühlte sich nicht richtig an, aber es wollte raus. Egal, wenn ich selber es nicht mehr weiß, weiß es (hoffentlich) auch kein anderer mehr. Die morgendliche Inventur des fantastischen Abends kann schmerzhaft und beschämend ausfallen, wenn das Geschehen vom Alkohol gelenkt wurde. Und damit man sich beim nächsten Mal nicht so gehemmt fühlt ob des kleinen schlechten Gefühls im Hinterkopf, macht man sich locker und nimmt noch ein Glas.

Ich habe mir Regeln aufgestellt. Ich trinke nie alleine (das kommt aus meiner Geschichte und ist für mich negativ besetzt), ich höre auf, wenn dieses entspannte Gefühl anklopft (was nach 1,5 Gläsern Wein der Fall ist), ich trinke nicht, wenn ich in angespannten sozialen Situationen bin oder mich unwohl fühle, ich trinke nicht, um etwas als Sicherheit in der Hand zu halten, ich lasse mir keine Getränke aufschwatzen und ich gehe, wenn die Leute zu betrunken werden, dass ich mich nicht mehr amüsiere. Das klappt zu allermeist und wenn eine Regel gebrochen wird, merke ich das ganz genau. Das Ergebnis ist ein seltener Weingenuss, zumeist in vertrauter Runde, wo ich weiß, dass keine Gräben aufbrechen und die Menschen am Tisch plötzlich die Masken fallen lassen oder eine scheinbare Wesensveränderung durchlaufen. Die Male wo es nicht geklappt hat, war die Scham am nächsten Morgen die beste Rechnung, die ich hätte bekommen können, garniert mit einem dicken Kopf, der einem den schönen Morgen versaut.

Wer mich kennt, mag behaupten, das wäre scheinheilig, ich habe für meinen Ruf viel getrunken, und selber gerne gewitzelt, wie sehr ich ihn mag den Exzess. Bedingt durch mein Wissen, welche Gesichter der Alkoholismus aber haben kann, war da aber eben auch immer ein Teil, der sich unwohl gefühlt hat und den ich erfolgreich betäubt und an so manchen Abend ertränkt habe. Über viele Jahre war es in meinen jüngeren (aber eben nicht jugendlichen, sondern bereits erwachsenen) Jahren so, dass der Sonntag fast durchgängig keinen Morgen hatte. Er begann am Nachmittag, die frühen Morgenstunden waren oftmals Teil des Heimwegs, aber keine Zeit, um in den Tag zu starten. Das ist ja auch der Reiz des Lebens in so mancher großen Stadt und im Besonderen Berlins, es ist wie eine Insel der Möglichkeiten, zu denen eben auch gehört bis spät in die 30er und oftmals darüber hinaus nicht mit dem bewegten Leben der jüngeren Jahre brechen zu müssen. Der Wein wird besser, die Cocktails teurer und mit dem Alter leistet man sich Upgrades, was die Lokalitäten betrifft, aber man kann wunderbar Betäubung konsumieren, ohne dass es irgendjemandem komisch vorkommt. Das hat natürlich seine Vorzüge, aber ermöglicht einem eben auch sich immer weiter von sich selbst zu entfernen und kleine Gedankenstimmen, die ja manchmal die sehr schüchternen Vorboten von Veränderungen sind, im Keim zu ersticken. So bewahrt man sich vor der Unbequemlichkeit so mancher vielleicht schwierigen Veränderung, so schöpft man aber vielleicht auch nicht voll aus, was alles möglich wäre. Wer nicht trinkt, ist erst mal die Spaßbremse (das kriegt der besondere Mensch dann oft vermittelt, der ja keinen Tropfen trinkt) und muss sich schwer beweisen im Laufe eines solchen Abends oder wandert in einen irgendwie als unangenehm oder anstrengend empfundene Schublade. Ähnlich wie bei vielen anderen Veränderungen reagieren viele Menschen bei diesem Thema besonders empfindlich, auch weil das Thema Umgang mit Alkohol vielleicht etwas triggert. Man würde sich den Spaß verbieten, das Trinken sei Weinkultur, man würde es zu weit treiben…, das sind einige der Argumente. Statt einfach hinzunehmen, wenn jemand einfach aus freien Stücken nicht mehr trinkt. Wie muss es wohl den vielen trockenen Alkoholikern gehen? Jemand, der so stark war eine Sucht zu überwinden und für sich eine klare Entscheidung getroffen hat, muss sich immer wieder erklären.

Ein emotionales Thema, die Trinkerei. Es gibt viele Menschen, die ein ganz ungetrübtes, ja nüchternes Verhältnis zum Alkohol haben. Aber es gibt eben auch viele, die ihre Schwierigkeiten mit dem Thema haben und in Abwehrmechanismen verfallen, die meist die treffen, die es anders machen. Obwohl deren Haltung ja nichts mit ihnen zu tun hat. Und dann gibt es die offiziellen Zahlen, die einen eigentlich veranlassen sollten auch mit diesem Thema sensibler umzugehen.

Und so dreht der Kopf immer mal wieder um die vielen Gesichter der Süchte unserer Zeit und das ist eine sich erneuernde Einladung, was man tut bewusst und mit Bedacht zu tun und sich in keine Abhängigkeiten zu begeben.

In die Praxis und am Essen feilen: allerlei knusprige low carb Fritten-Varianten

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Wertvolle Praxis und Fastfood Freuden: Low Carb Pommes

Fertig. Gebangt, gezittert und geschenkt gab es nichts, aber nach 11 Monaten, über 300 Stunden samstäglichen Unterrichts, diversen Abenden in der Lerngruppe und einem Privatleben, das dem Jagdschein untergeordnet wurde, haben sich die Energie und Mühe ausgezahlt – ich bin frischgebackene Jungjägerin.

So ganz glauben kann ich es noch nicht. Nach all der Lernerei liegt da nun diese Urkunde und wartet nur darauf mir den ersten Jagdschein einzulösen. Ein wenig unwirklich. Auch der erste Arbeitseinsatz im Revier liegt bereits hinter uns – wir sind untergekommen, werden ein wenig an der Hand genommen und müssen aber auch Einsatz zeigen. Mein rechter Arm hat sich beim in-den-Boden-Hämmern von Zaunstäben bereits an die Grenzen gebracht – trockene Erde kann sehr hart sein und so ein ordentlicher Hammer schwer. Bisher war ich auch noch nicht in der Verlegenheit mehr als kleine Nägel in Wände zu schlagen, warum auch. Das will ich jetzt ändern. Und ein wenig stolz ist man dann auch auf das Geschaffte und ich freue mich auf die regelmäßigen Arbeitsansätze.
Erst war mir der direkte Übergang in die praktische Arbeit gar nicht so recht, ich habe gemault und wollte erst einmal ein paar freie Samstage und Zeit und und. Warum eigentlich? Eigentlich liegt es mir viel mehr weiter zu machen, dann denke ich gar nicht erst zu viel nach, was ich alles kann und schaffe, sondern werde in die Situationen geworfen und kann weiter lernen und mir neue Dinge aneignen.

Denn zu unterschätzen ist es nicht, für jemanden wie mich ist es eine völlig andere Welt. Trotz aller Liebe zur Natur war mein Leben immer eher vom klein- und später großstädtischen Umfeld geprägt. Natur gab es nur in Dosen. Für die Erholung oder leichthändig bei Freunden im Schrebergarten. Jäger kannte ich nicht, auch wenn es da das heimliche Interesse gab – sie waren mir fremd und es ergaben sich keine Berührungspunkte. Bis eben vor einem Jahr. Und nach all der Lernerei ist man nun auf einmal mitten drin in einer ganz eigenen Gemeinschaft, wird beglückwünscht zum Jagdschein, bekommt Tipps und Hilfe angeboten und ist aufgefordert sich einzubringen und anzupacken.

In meinem Leben bin ich noch nie in so kurzer Zeit in so viele neue Situationen gestürzt worden wie im letzten Jahr. Eine gute Schule und manchmal unbequem, habe ich doch mitunter Phasen einer seltsamen sozialen Unsicherheit, so Tage, an denen ich mich nichts Neuem aussetzen und nur vertrauten Ritualen und Gesprächen frönen möchte. Ja, diese Phasen setzen natürlich immer dann ein, wenn Neues anklopft und deshalb werden sie ignoriert, aber ich nehme sie kurz zur Kenntnis und frage mich, warum da anscheinend immer noch so Unsicherheiten sitzen. Was kann denn schon schief gehen? Man muss ja eigentlich niemandem etwas beweisen – außer eben sich selbst, gefühlt. Ich versuche einfach, mich offen in neue Situationen zu begeben, abzuwarten und hinzuschauen, wie die Menschen und Dinge so stehen. Ich muss nicht gleich den Kasper geben. Es ist angenehm sich in die Rolle der ruhigeren Zeitgenossen zu begeben, die nicht jede Situation wie eine Szene betreten und Reviere markieren wollen. Das findet sich ja auf allen Ebenen des Lebens, vom Hobby im Verein über den professionellen Kontext bis hin zum freundschaftlichen Zusammentreffen. Ich finde immer mehr Gefallen daran, vielleicht auch als unscheinbar wahrgenommen zu werden, will nicht so viel preisgeben. Möchte ganz in der Situation sein, aber stehe nicht für Spielchen zur Verfügung – das ist spannend und verschiebt mitunter Dynamiken und schafft Spannungen oder schönes Neues, wo man gar nicht damit gerechnet hätte.

Und ich höre hin, wenn ich Feedback bekomme. Denn so eine richtige Fremdeinschätzung ist ja selten. Man bekommt Lob oder Kritik und dazu oft die Agenda des Gegenübers, ob man will oder nicht. Aber so einen ersten Eindruck bekommt man nicht oft mitgeteilt und man sollte diese sammeln und ernst nehmen. In diesem Fall war es ein Mitjägerin aus dem Unterricht, die mir im Gespräch nach den Prüfungen erzählte, sie wäre anfangs irritiert gewesen und hätte gedacht, ich wäre so etwas wie eine vegane Jagdgegnerin, die den Kurs unterwandert (gemeinsam mit dem besonderen Menschen).

Das ist spannend, denn ich persönlich saß da ja mit meiner Binnensicht, die voll motiviert und sehr neugierig war. Aber ich war mir schon bewusst, dass wir vielleicht etwas aus dem Rahmen gefallen sind. Wobei ich mich nach wie vor schwer damit tue, das an Konkretem festzumachen. Es war das Gefühl, hier sind wir mal anders und nicht die anderen. Eine Lektion dieser Zeit war auf jeden Fall, dass ich mich bis zum Wegzug aus Berlin in einer recht homogenen sozialen Blase bewegt habe. Studium, Freundeskreis, Unternehmungen, Urlaub, Arbeitsumfeld, Kunden – das war, bei aller gelebten Individualität, schon recht übersichtlich in der Diversität. In der Hinsicht war das letzte Jahr mit all seinen neuen Bekanntschaften eine dringend notwendige und gute Schule, die sich hoffentlich fortsetzen wird. Wir sagen ja gerne von uns wie offen und kommunikativ wir sind, wie gut wir uns auf neue Situationen und Menschen einstellen können und wie wir so reden… Aber das sagen wir von uns, weil wir meist nicht so wirklich raus müssen aus der Komfortzone. Unsere Rollen sind meist klar definiert und aus denen heraus agieren wir. Das fühlt sich dann schon seltsam an, im Privaten plötzlich etwas zu tun, wo man sich völlig neu orientieren und mitunter auch das eigene Verhalten in Frage stellen muss. Die Lektion, mich nicht (ob bewusst oder unbewusst) aufs innere hohe Ross zu flüchten, möchte ich beherzigen. Gelegenheiten zeichnen sich genug am Horizont ab.

Und ich muss hinnehmen, dass dann auch erst einmal über meine zarte Hämmerei gescherzt wird – das muss auch echt dämlich ausgesehen haben. Wichtig ist, dass ich mich anstrenge einen Beitrag zu leisten und nach 40 Zaunstäben und drei Stunden Hammerschwingen dürfte es das nächste Mal auch schon leichter von der Hand gehen.

Weiter lernen und arbeiten am ich.

Neben all dem Neuen erhalte ich mir meine Kochzeiten. Ausprobieren und experimentieren am Herd entspannen mich so ungemein. Und nachdem wir vor kurzem die Burger wieder entdeckt haben, kamen nun die Fritten dran. Wenn auch nicht frittiert, sondern aus dem Ofen.

Aber nach einigen Versuchen tatsächlich knusprig und super lecker! Und sowohl paleotauglich als auch low carb.

Steckrüben und Knollensellerie-Fritten aus dem Ofen (Für 2 Personen)
Ich habe auch mit Süßkartoffel experimentiert, aber diese wird mir bei allem guten Geschmack dann doch zu weich.

1 mittlere Steckrübe (ca. 1 Kilo) oder Knollensellerie
Olivenöl
Salz
Scharfe Paprikaflocken
Zimt
Kreuzkümmel

  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Steckrüber oder Sellerie schälen, und in Scheiben von etwa einem 1 cm Dicke schneiden. Die Scheiben dann in Stifte schneiden (ca. 0,5- 1cm, nach Geschmack).
  • Die Stifte in eine Schüssel geben und mit großzügig Gewürzen und etwa 3 Esslöffeln Olivenöl mischen, so dass alle gleichmäßig mit Gewürzen und Öl bedeckt sind. Bei der Würzung kann man Schwerpunkte nach Geschmack setzen, ich betone gerne die Schärfe mit Extra viel Paprikaflocken und lasse die anderen Gewürze nur anklingen. Curry ist auch einen Versuch wert. Nur beim Salz bin ich generell großzügig.
  • Die gewürzten Stifte auf dem Backrost verteilen. Ganz ohne Backpapier einfach aufs Rost geben. Um Sauerei zu vermeiden, mache ich meist ein Backblech mit Burgern oder Frikadellen, das ich unter den Fritten in den Ofen schiebe und parallel mitbacke. So kann das Öl von den Fritten einfach auf das Blech tropfen und der Ofen bleibt verschont.
  • Darauf achten, dass das Blech nicht zu voll ist, die Fritten sollte nicht aneinander, sondern mit kleinen Abständen liegen.
  • Nun für 30-40 Minuten in den Ofen, bis die Oberfläche schön gebräunt und knusprig ist.
  • Wer die Muße hat, wendet die Fritten auf der Hälfte der Zeit, ich finde es tut nicht Not, da sie auf dem Rost nicht im Fett weich werden.

Dazu passt ein Dip nach Wahl oder einfach Butter.

Guten Appetit!