Herrlich unspektakulär und die vielen Rezepte der Buchmesse

Paleo lebenWandern, Lesen, Zeit haben. Herbstsonne genießen, Essen planen und durchatmen. An Menschen denken und ein Päckchen packen. Neue Träume auf ihre Realitätskompatibilität überprüfen. Versuchen, nicht so viel fotografieren zu wollen und mehr bewusst für die Erinnerung zu sehen… Eine kleine Rauszeit.
Denn am liebsten bin ich zwar daheim, aber die sonnigen Herbsttage ziehen einen noch weiter fort vom Schreibtisch mit dem Arbeitstelefon. Und das, was muss an Arbeit, kann bei dem veränderten Arbeitsmodell ja zum Glück einfach mal eingepackt und mitgenommen werden. Es geht tatsächlich und mein Kopf ist entspannt wie seit Jahren nicht. In den letzten Jahren hatte ich oft Probleme, schnell vom Alltags- in den Urlaubsmodus umzuschalten. Ein blödes Konzept, das einem da aufgedrängt wird. Rechtzeitig, also frühzeitig den Urlaub planen müssen und dann hoffen, dass alles gut wird. Zum ersten Mal ist es umgekehrt, sich Zeitfenster spontan nehmen, durchschlüpfen und sich überraschen lassen, da man gar nicht die Zeit hatte, sie mit Erwartungen zu überfrachten. Die Tendenz hatte ich durchaus. Mein Vorfreude-Konzept war oftmals ein stark ausgeprägter Wunsch nach Flucht aus dem Alltag. Ernüchternd war dann meist die Feststellung, dass die Rauszeit begrenzt und der wiedereinsetzende Alltag effektiv in der Zersetzung von Erholung war. Auch in arbeitsintensiven Zeiten versuche ich jetzt mir meine Momente zum Durchatmen zu nehmen und mir immer wieder bewusst zu machen, was ich möchte und was mir gut tut. Und manchmal heißt das nur, abends mal alle Telefone unbeachtet zu lassen, in der Mittagszeit einen kleinen Spaziergang zu machen oder eben schnell zu entschlüpfen, wenn es gerade geht. Sei es nur in den nächsten Wald oder für ein paar Tage in ein kleines Haus in einen ferner gelegenen Wald, mit anderem Licht und anderen Gerüchen und Raum für neue Gedankenimpulse.
Vor gut einem Jahr habe ich meinen Job in der großen Stadt Berlin in den Endspurt geschickt. Haben wir unsere Wohnung gekündigt, ohne genau zu wissen, ob es alles gut geht. Zwei Festanstellungen, die wir aufgegeben haben, eine grobe Vorstellung, wo wir hinwollen und eine intensive Gedankenwälzphase, wie man die eigenen Fähigkeiten in ein anderes Arbeitsmodell übertragen kann. Zugebenermaßen hatte ich oftmals unruhige Gedanken im Kopf rumpeln, ob das alles gut geht, ob ich mich nicht zu sehr an das Leben in der Stadt gewöhnt habe, ob wir genauso gut gemeinsam arbeiten wie leben können. Ob wir realistisch planen.
Ich habe Sicherheiten immer gemocht, aber das Leben beweist einem auch immer wieder, dass es wirkliche Sicherheiten nicht in der Form gibt, dass sie in Stein gemeißelt im Regal stehen und einfach bleiben, egal ob finanziell oder emotional, man muss immer auch selbst etwas dazu beitragen, dass es weiter geht, dass es gutgeht, dass sich immer ganz viel ändert und dass das gar nicht so verkehrt sein muss. Ich glaube diese Unsicherheiten auszuhalten und sich nicht an bestimmten Vorstellungen festzubeißen, ist die größte Sicherheit, die man sich selbst geben kann. Und wenn man sie sich nicht selbst gibt, sondern an bestimmten Zielen, seien sie materieller oder zwischenmenschlicher Natur, festmacht, dann wird man unweigerlich wieder in Unsicherheiten getrieben.
Das Umdenken ist anstrengend und ein andauernder Prozess, aber er befreit ungemein und macht viele Dinge plötzlich einfacher, denn man ist weniger getrieben und entwickelt eine neue Art der Bescheidenheit. Insofern bescheiden, dass man annimmt, was man erreicht hat und wertschätzt, was einem umgibt und nicht immer noch mehr oder anderes möchte, weil es einen vermeintlich eine neue Sicherheit bietet oder einen Schritt weiter in einem Plan bedeutet, der vielleicht gar nicht der eigene ist.
Das soll nicht abgehoben klingen, es ist nur eine Erkenntnis, die sich durchsetzt in meinen Kopf und in dem, wie ich mein Leben gestalte. Fixe Ideen, können zu Träumen werden, können Gestalt annehmen. Wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun. So abgedroschen es klingen mag: Von nichts kommt nicht.
Zwei Stunden Yoga bedeuten keine wahre spirituelle Erfahrung und ein teures, schönes Kleid machen mich nicht zu einem schöneren Menschen.
Aber wir werden darauf trainiert, allen Bereichen in unserem Leben mit einem Konsumentenverhalten gegenüber zu treten. Bei dem man nimmt und einfordert und konsumiert aber nicht selber investiert und gibt.
Der besondere Mensch fragte mich an unserem ersten Tag in dem kleinen Haus, was ich dem Tag bringen möchte. Nachdem ich den Satzbau erst einmal in Gedanken hin und her gewendet habe, das klang so seltsam, machte es Klick und machte Sinn und ich fand es richtig. Was der Tag uns bringen soll… Immer sollen die Dinge und Menschen und Momente uns etwas bringen – wir sind einfach eine Spezies mit der Tendenz zu ausgeprägtem Egoismus. Und wir schaffen es ja sogar noch das Geben in eine narzisstische Handlung zu verdrehen. Da macht das Umdrehen Sinn. Was bringe ich dem Tag, der Zeit, die ich habe? Das heißt nicht, dass ich nun die Pläne für eine Revolution entwerfe, aber es kann in der persönlichen Konsequenz ganz einfach und einschneidend in der Frage enden: Habe ich meine Zeit sinnvoll genutzt? Habe ich etwas zurückgegeben? Man vergräbt solche Gedanken oftmals tief und in einer narzisstisch geprägten Gesellschaft wie der unseren werden viele für sich die Frage positiv beantworten, aber werden im Endeffekt nur ihren Egoismus befriedigt haben. Denn das lernen wir ja, konsumieren und erfüllte Konsumwünsche mit etwas Erreichtem gleichsetzen. Dabei kann es etwas kleines sein, wie sich zu überlegen, wem man vielleicht einmal besser zuhören sollte, oder wo man nicht so genervt oder fordernd sein sollte.
Würden wir in Zeiten und in einer Gesellschaft leben, die uns aus Prinzip im Nachdenken fördern und uns mehr Raum und Zeit zum reinen Denken lassen würde, wäre diese Gesellschaft sicher eine andere.
Und was dann auch überflüssig wäre, wären diese Regalmeter an Ratgebern, die einem auf der Buchmesse an allen Ecken ansprangen. Egal welches der dort ausstellenden Länder, die Tendenz war deutlich: Die Menschen wollen Antworten und Rückversicherung, weil sie tief drinnen eben doch spüren, dass etwas nicht in der Balance ist.
Aber sie wollen es schnell, sie wollen die schnelle vegetarische Küche, die 15 Minuten Yoga täglich, sie wollen in drei Dates zum finanzstarken Versorger-Traummann, mit zwanzig Tricks zum Manipulationsgenie im Meeting, in zwei Wochen zur Traumfigur, in drei Schritten zur perfekten Gastgeberin, mit simplen Kniffen schöner Wohnen, auf hundert Seiten zu perfekten Eltern und einen funktionierend Paar und in drei Bänden glücklich und zufrieden werden.
Statt all dieser Bücher, die Ausgeburt der Marketingmaschinerie einer Industrie sind, sollte man vielleicht kleine mentale Kneifzangen verteilen, die einem laut ins Hirn brüllen, bis ein Aufwachen einsetzt. Denn der leise Stupser wird nichts bringen. Aber man kann sich auch ganz gut immer mal wieder selber kneifen und Entscheidungen und Motive prüfen und sich vor allem frei machen von all dem, was und wie wir sein sollen. Und dann braucht es nicht die große Bühne oder den vor sich her getragenen Erfolg. Nein, dann lässt es sich ganz zufrieden, herrlich unspektakulär, leben.
Das ist einen Versuch wert.

Ich tue nur so – es darf auch schnell gehen

Schnelle Paleo KücheSobald Leute beginnen Rezepte zu posten, entsteht ja schnell der Eindruck, dass es bei ihnen immer unglaublich anspruchsvoll zugeht auf dem Teller: Ständig wabern  fantastische Gerüche aus der Küche, wo ein detailverliebter, stilvoll gedeckter Tisch zum Niederlassen einlädt…Was wie der 50er Jahre Hausfrauen-Beschäftigungs-Alptraum klingt, trifft wohl heute noch weniger zu, würde ich wagen zu behaupten. Man sollte sich also nicht blenden und vor allen Dingen nicht einschüchtern lassen von der Form der Selbstdarstellung, die Leute für ihre Blogs wählen. Ich zum Beispiel fotografiere meine Kekse, würde aber niemanden das chaotische Ankleidezimmer unter die Nase reiben wollen.

Also niemals abschrecken lassen! Und niemals aufhören selber zu kochen! Auch wenn es anderswo ganz fantastisch klingt, während man selber sich fragt, wo zur Hölle man die Zutaten herkriegen soll. Für alles, was ausgefallen ist, hilft Google und dann ist es wirklich gar nicht schlecht, sich anzugewöhnen Mahlzeiten zu planen. Zum einen kann man so kochen, dass direkt etwas für den nächsten Tag übrig bleibt und zum anderen landet, wer sein Essen plant, irgendwann auch bei der guten alten Einkaufsliste. Wer dieses wenig beachtete Listenwesen vorrauschauend pflegt, wird etwas Wunderbares feststellen: Man spart Geld!
Denn mit einem Einkaufsziel vor Augen schleichen sich weniger Zufallsfunde in den Einkaufskorb und man geht innerlich vorbereitet an den Einkauf heran, handelt nicht im Affekt wenn man gestresst, hungrig und abgelenkt aus dem Büro kommt.

Nun mag es daran liegen, dass ich auf dem Dorf ins Auto steigen muss, um in den Supermarkt zu fahren, aber mittlerweile schaffen wir es, mit einem Einkauf durch die Woche zu kommen. Und das sehr gut. Es wird mit der Zeit leichter. Und wir kaufen keine Unmengen – man könnte diese Einkäufe auch auf dem Fahrrad transportieren. In der großen Stadt Berlin, wo das Angebot an Bio-Läden deutlich größer war, sind wir jeden zweiten Tag total verplant Einkaufen gegangen und haben viel zu viel Geld für Dinge ausgegeben, die wir gar nicht brauchten.

Jetzt gibt es für uns drei Lebensmittelquellen, die wir regelmäßig frequentieren:

(Bio-)Supermarkt
Fleischbestellung über das Internet
Ölmühle Solling für Nuss-Mehle und Kokos-Öl

Momentan suchen wir gerade verstärkt nach lokaleren Quellen für Gemüse, Fleisch und Eier. Aber nicht jeder Hofladen bedeutet Bio-Anbau oder Weidehaltung.

Grundsätzlich kann ich nur dringend empfehlen, sich einen Gefrierschrank zuzulegen! Das perfekte Örtchen für Suppenknochen, die auf ihren Einsatz warten und gerade jetzt im Sommer lohnt es sich bei Obst wie Rhabarber und Beeren zuzuschlagen und dieses einzufrieren.
Soweit ist es schon, ich plane meine Einkäufe und gebe Einfrier-Tipps. Ne, aber ich denke manchmal ist es gut, einfach mal über die ganz einfachen Abläufe nachzudenken, die unserem Alltag so zugrunde liegen.

Und für die ganz stressigen und faulen Tage ist mein Lieblingsessen: Etwas aus dem Ofen.

Gemüse nach Wahl (frisch oder tiefgefroren), ich nehme gerne Schwarzwurzeln, Kürbis oder Zucchini
Dick geschnittene Speckscheiben
Butter (großzügig! Bei mir wandert schonmal ein halbes Stück Butter in die Form)
Gewürze (je nach Gemüse)

  • Das alles kommt gemeinsam in eine Auflaufform und dann bei 200 Grad in den Ofen.
  • Ca. 20 Minuten im Ofen backen, bis der Speck schön kross ist und das Gemüse in der Butter angebraten.

Super simpel, super lecker.
Und wenn die Zeit einmal gar nicht reicht: Es macht dem Körper auch nichts aus, eine Mahlzeit auszulassen, etwa das Abendessen. Im Gegenteil, ein kurzes Zwischen-Fasten kann einen wieder ins Gleichgewicht bringen und klärt den Kopf!

Guten Appetit!

Seid zufrieden – Heute ist doch jetzt und Morgen auch

IMG_3937So, nun doch mal etwas persönlicher. Tatsächlich stehe ich noch sehr unter dem Einfluss der Lektüre von „The War of Art“ von Steven Pressfield. Aber schon länger trage ich es mit mir rum, das innere Zweifeln an den Mechanismen der modernen Sinn-Suche und manchmal macht es mich wütend. Oft traurig.

Dank gepflegter sozialer Netzwerke sind wir ja vermeintlich nah dran am Leben der Anderen. Und so bekomme ich dann am Rande oder näher dran mit, dass immer öfter Menschen um mich herum im Yoga-Camp verschwinden, sich teuren Detox-Kuren unterziehen, auswandern oder anderweitig abtauchen. Dann tauchen sie mit strahlenden Augen wieder auf und ich frage mich dann immer, was tatsächlich anders ist. Oder sie stürzen sich in immer neue Hobbies: Stricken, Tanzen, Collagen, Chor, Holzarbeiten…

Ich will nicht sagen, dass das grundsätzlich verkehrt ist, im Gegenteil, innehalten und sich selbst etwas Gutes tun, ist grundlegend notwendig und kommt in unserem Alltag viel zu kurz.

Jeder kennt doch wahrscheinlich das energie-sprudelige Gefühl, ein paar Tage aus dem Alltag entflohen zu sein und dann voll neuer Eindrücke und Impulse zurück zu kehren und sich vorzunehmen: „Ich mache das jetzt anders.“, „Ich werde mehr auf mich achten.“ „Ich werde endlich anfangen zu nähen.“, „Ich werde schreiben…fotografieren…kochen, eine Sprache lernen.“ Es gibt so vieles was wir uns dann vornehmen, mit dem guten Vorsatz, etwas Grundlegendes zu ändern. Wie heißt es doch: Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Drastisch, ja, aber doch so wahr.

Denn wir sind uns selbst oft so sehr entfremdet, dass wir nicht einmal mehr unser Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe richtig einschätzen können. Zuviel muss gemacht werden. Auf zu vielen Ebenen wollen und müssen wir funktionieren, laufen wir dem Bild nach, wie es sein soll, unser Leben.

Und zu verlockend ist die Beschäftigung mit einer neuen Beschäftigung. Neues regt unser Gehirn an. Und es streichelt dem Ego, wenn wir Anderen von unseren vielfältigen Beschäftigungen erzählen und diese große Augen machen und fragen, wie wir das alles schaffen.  Das fühlt sich gut an gebe ich sofort zu. Jeder von uns kennt diese Seite, die man ja eigentlich gar nicht haben will. Wir sind so geprägt und erzogen worden. Wir erbringen Leistungen und wir wollen bitte sehr auch dafür gelobt werden. Wir wollen das Fleiß-Sternchen und den Blumen-Stempel für das seelische Aufgaben-Heft.

Und dann wollen wir mehr davon und je mehr wir von uns fordern, desto schneller überfordern wir uns auch. . .Wenn die Euphorie der Anfangs-Verliebtheit in das neue Instrument der Selbstverwirklichung verflogen ist, kann schnell ein fieser kleiner Ego-Kater einsetzen. Vielleicht bringt der neue Sport nicht sofort die gewünschten Effekte und Leistungen, vielleicht interessiert sich keiner außer mir für meine neue Leidenschaft und ich fühle mich allein, vielleicht macht jemand etwas anderes besser und erfolgreicher und es hört sich interessanter an.

Wer ist so reflektiert in den Anforderungen des Alltags, dass er die feine Linie erkennt und einhält, die Freude am Tun von falscher Motivation und selbst erzeugtem Stress trennt? Das ist verdammt schwer und voller Fallstricke.

Wir sind es nicht gewöhnt zu sagen: „Das ist mir zuviel, ich mache da nicht mit.“  Wir wollen sicher aufgehoben sein in der Menschengruppe, aber wir haben auch gelernt, dass wir besonders sein sollen/sind. Und deshalb sind wir nicht einfach so zufrieden, sondern suchen noch nach dem fehlenden Quentchen, das entweder unser Besonders-Sein unterstreicht oder es überhaupt erst sichtbar macht. Denn oft sind wir auch unsicher und trauen uns nicht so recht aus dem Schneckenhaus und sind in gewisser Weise bedürftig, denn wir glauben, wenn wir uns durch etwas Besonderes besonders machen, dann wird alles anders.

Ähm. Oder besser Ätsch – wird es nicht. Wir finden vielleicht mittelfristig eine gewisse Befriedigung, aber im großen Bestreben etwas Grundsätzliches zu ändern haben wir uns nur weiter verstrickt in unseren grundsätzlichen Problem-Themen.

Und oftmals ist die Motivation, die allem zugrunde liegt, doch dieselbe. Ich möchte glücklich, ich möchte zufrieden sein. Statt unsere kostbare Energie, die neben den Anforderungen des Alltags noch zu Verfügung steht, in immer neue nach außen gerichtete Projekte zu stecken, sollten wir sie nutzen und so mutig sein, die nächste Reise nach innen anzutreten.

Das mag jetzt wie wiedergekäuter, weichgespülter Esoterik-Müll klingen, aber es ist wahr.  Wissen wir denn wirklich, was uns glücklich und zufrieden macht? Jagen wir einem äußeren Bild nach, das uns sagt, wie das Ganze aussehen soll oder schaffen wir den Schritt und machen uns frei von dem, was andere von uns denken und gehen auf die Suche nach unserer Wunsch-Zufriedenheit?

Es geht nicht darum, sich mit verschränkten Armen außerhalb der Gesellschaft zu stellen und die Arroganz des Besserwissenden auszuspielen. Damit verkehren wir wieder nur gute Absichten in falsche Bilder.

Es geht um etwas anderes –  um ein wenig Nachsicht mit sich selbst. Es ist ok und es ist auch gesünder, wenn man nicht immer in der ersten Reihe stehen möchte. Man ist kein besserer Mensch, nur weil man sich gerne im Mittelpunkt wähnt. Und man ist kein schlechterer Mensch, wenn man solch ein Verhalten hinterfragt.  Vielleicht heißt Zufriedenheit ja erst einmal ganz konkret: „Ich gehe die nächsten zwei Wochen abends nicht aus sondern lege mich um 9 Uhr ins Bett und lese.“ Glückwunsch. Dann ist man sicherlich wacher und ebnet den Weg für andere, schöne Impulse.

Wenn man etwas ändern möchte, dann muss das gar nichts Großes und Besonderes ein, das jeder mitbekommt. Es kann etwas ganz Winziges, Unbedeutendes sein, solange es für einen persönlich wichtig ist.  Vielleicht ist es die Topfpflanze, die jetzt wöchentlich statt kurz vorm Vertrocknungs-Tod gegossen wird und einen Monat später ist es dann der Fernseher, der immer öfter ausbleibt.

Vielleicht ist es ein bewussterer Umgang mit Kommunikation: Anzufangen, nicht auf dem eigenem Standpunkt zu beharren sondern einfach mal andere ausreden zu lassen und sehen, was das einem persönlich für Impulse geben kann. Vielleicht, statt gleich völlig offline zu gehen und sich dadurch zu stressen, schafft man eine Systematik und legt Zeiten fest für die Kommunikation online und für die Zeit offline. Wenn man sich kleine Aufgaben sucht und diese für sich gewissenhaft und gegen jeden Schweinehund durchsetzt, auch gegen den, der einen zu großen Taten anstiften will, dann kommt da ein ganz sachtes kleines Gefühl zum Vorschein. Zufriedenheit mit sich selbst. Und dieses kleine Pflänzchen sollte man pflegen. Je stärker es wird, desto reicher beschenkt es einen.

Je mehr ich beginne, im Kleinen umzusetzen, desto mehr sortiert sich auch der größere Rahmen neu und Prioritäten können sich verschieben.  Kein leichter Weg, aber die Zufriedenheits-Pflanze belohnt für die Anstrengungen, sie weiß aber auch: der Wind wird stärker, je höher sie wächst.

Denn, möchte ich wirklich etwas ändern, möchte ich ausgeglichener und wacher durch mein Leben gehen, dann muss ich diesen Rahmen im Kopf behalten – es geht um ein ganzes Leben, deshalb wird sich dauerhafte Zufriedenheit nie als sofortige Belohnung für temporäre Heldentaten einstellen.

Das, was eine neue Beschäftigung mir als Belohnung oder eventuell vermeintliche Selbstverwirklichung verspricht, darf kritisch hinterfragt werden.

Denn: Es geht immer weiter, der innere Schweinehund liegt immer auf der Lauer aber statt sich in blinden Aktivismus zu stürzen und davon abzulenken, dass so vieles von dem, was wir uns wünschen, in uns selber liegt, sollten wir dem ungeliebten Verdrängungs-Tier mit Namen „Ich werde“ immer wieder gezielt einen Tritt geben und ihm zeigen, dass wir wachsam sind. Dann kommt der Punkt, an dem wir uns nicht mehr selbst sabotieren sondern wirklich zurückschalten können und den Kopf freibekommen für das, was uns innerlich wirklich antreibt und nur so können wir dann auch die Energie aufbringen, um das ernsthaft zu betreiben, wo unser Potenzial liegt. Und das dürfen dann gerne, Yoga, Stricken, Chor, Malen, etc. sein.

Es bleibt spannend!