Von der Weite im Kopf und Maronen-Petersilienwurzel-Püree zum wohlig sein

strandweite und maronen-püree

Nordsee und Atlantik, Bretagne und Dänemark – der Teil der Landschaftseele, der nicht dem Anblick von Wäldern verfallen ist, liebt die rauhen Küsten. Kaltgraues Meer unter schwerem bleigrauen Himmel… die Kapuze festgezurrt und den Kopf gesenkt, wenn man sich gegen den Wind über den Strand bewegt…Möwenschreie und laufende Nasen… Da geht mir das Herz auf. Einfach mal stehenbleiben und über das Meer in Richtung Horizont schauen, bis sich so viele Nuancen auftun in Licht und Farbe… Dazu ein Wind mit reinigender Wirkung, der den Kopf klar macht und am Ende des Tages liegt man wohlig zufrieden und ein wenig kaputt von so viel Luft und Bewegung im Bett, und lauscht der immer gegenwärtigen Meeresbrandung, die wie ein hungriges Tier an den Dünen nagt…
Das sind so Momente in denen ich mich auf ein gesundes Maß, eine kleines Maß zurecht gestutzt fühle im Angesicht der Natur, die uns umgibt. Und es sind solche Eindrücke, die mich mein mir gegebenes Versprechen wiederholen lassen, achtsamer und verantwortungsvoller mit dem umzugeben, das meinen Lebensraum ausmacht. Denn es macht mich furchtbar traurig, wenn ich die bunten Collagen fotografiere, die sich durch die Plastikfundstücke am Strand ergeben und sich daneben schauriges Strandgut in Form toter Seehunde summiert. Wir Menschen sind schon wirklich egozentrische (Umwelt-)Schweine und die hochgelobte Begabung zur Vernunft verwenden wir nur allzu gerne für immer neue Rechtfertigungsstrategien, um uns nicht aus dem Komfort unseres Lebensmodells bewegen zu müssen. Wir machen die Augen zu oder konzentrieren uns auf Details, an denen wir uns dann gerne zur Gewissenberuhigung aufhängen statt versuchen immer mal wieder einen Blick auf das Ganze zu werfen. Natürlich soll es uns gut gehen. Ich wünschte jedem die Chance zum Glücklichsein, aber nichts fällt uns wohl schwerer und wir fixieren uns auf den Ersatz in all seinen Formen. Dabei reicht vielleicht manchmal die Einsicht, dass wir uns selbst nicht zu wichtig nehmen sollten, um den Maßstab wieder zurecht zu rücken. Sich selber ernst nehmen, unbedingt, aber sich selber zu wichtig nehmen – lieber nicht. Sonst arbeiten wir uns ab an der immer wieder kehrenden Einsicht, dass da immer noch jemand ist, der es weiter gebracht hat, in dessen Schatten wir stehen, der uns etwas vorraus hat… Und dabei schaffen wir irgendwie das Kunstück uns in unserem eigenen Schatten zu verkriechen. Immer hungrig nach mehr, ruhelos und aus der Balance. Und irgendwie kriegen wir den Finger nicht darauf gelegt, warum auch im Glück dann oft ein Beigeschmack verfängt, ein Misston mitschwingt…

Ja, das Glücklichsein, das stille gute Gefühl, dass da in und für mich ist, das war wohl das schönste Fundstück in dem Trubel dieses nun schon ziemlich alten Jahres. Und ich lasse mich wirklich gerne von dem Fließen an der Hand nehmen und bin gespannt, was da wartet nach der nächsten Flussbiegung. Ich plane es besser nicht, es wird sich finden und dann wird es richtig sein.

Und ein wenig unmittelbares Wohlgefühl lässt sich ja auch aus der Kocherei ziehen. Deshalb koche und backe ich immer gerne mal etwas Neues, etwas Ausgedachtes, wenn der Kopf dann mal vor Anstrengung knotet. Das löst die Gedanken, wie ein Spaziergang im Wald… Oder eine Brise starker Wind an einer rauen Küste.

Paleo Maronen-Petersilienwurzel-PüreeMaronen-Petersilienwurzel-Püree mit Frühlingszwiebeln
(für vier Portionen)

300-400 Gramm Maronen, gekocht (ich empfehle, die Maronen selber zu kochen, es spart einiges an Geld und irgendwie macht die Schälerei auch Spaß und geht leichter als man denkt)
300-400 Gramm Petersilienwurzel geschält und in Stücke geschnitten
5 Frühlingszwiebeln, geputzt und in feine Ringe geschnitten
selbstgenmachte Brühe oder alternativ Wasser
Butter
Salz
Pfeffer

  • Maronen kochen: Die Schale auf der gewölbten Seite der Maronen kreuzweise einschneiden und die Maronen gut mit Wasser aufsetzen. Etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis sich die Schale am Einschnitt weiter geöffnet hat und man das helle Innere sieht. Abgießen und etwas abkühlen lassen und dann pellen (dabei nicht zu viele vorab essen, auch wenn es schwerfällt).
  • Die Petersilienwurzel knapp mit Brühe oder Wasser bedecken und ca. 15-20 Minuten köcheln lassen, bis sie weich sind.
  • Die letzten fünf Minuten noch einmal die Maronen mit in den Topf geben.
  • Nun alles gründlich fein pürieren und mit einem ordentlichen Stück Butter vermengen (wirklich großzügig mit der Butter sein, es schmeckt so fein!)
  • Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Frühlingszwiebelringe unterheben.

Das war es…

Ganz wunderbar zu einem Gericht mit Soße…Etwa Gulasch oder Rouladen

Guten Appetit!

Advertisements

Urbanism with a View: Von der Idee als Weg und neuen alten Begegnungen am Wegesrand: Löwenzahnsalat mit Spitzwegerich und Günzel

Urbanism wit a view

Paleo Löwenzahnsalat und der Traum vom Leben anderswo

Sie rumoren, die Gedanken. Wie aufgeregt zupfen sie mich am Ärmel und heischen um Aufmerksamkeit. Sie haben neue Energie gewonnen während der kurzen österlichen Auszeit in den Vogesen. Es scheint das ist ein guter Ort für mich um etwas in Bewegung zu setzen. Nicht nur für mich. Denn eigentlich ist es ein Kindheitsort des besonderen Menschen und neben den vielen Geschichten der Erinnerung, die sich für ihn darum ranken, ist es auch ein Ort für uns geworden. Ein bisschen Seelenheimat steckt da zwischen Sonnenschein, Nebelhängen Ginsterduft und schnell laufenden Bächlein.

Auf einem Strohballen im Spätsommer wurde aus der spinnerten, weil flüchtig scheinenden Idee, Berlin zu verlassen, ein handfester Plan, der uns innerhalb von nicht einmal sechs Monaten aus der Großstadt und der Festanstellung aufs Dorf im Taunus trieb. Da sitzen wir nun, das Büro läuft, die Zufriedenheit schnurrt und der Blick hat sich verändert. Massiv. Ich bin eine Grüblerin. Ich kann nicht anders. Gedanken stellen sich mir in den Weg und ich habe die Tendenz sie von allen Seiten zu betrachten und drum herum zu marschieren und sie hin und her zu wälzen um zu schauen, wohin sie fallen.

Und auf diesem innerlichen Weg des Abwägens liegt nun schon seit Längerem ein großer Brocken, der den einschüchternden Namen Lebensmodell trägt. Ich sollte sagen trug. Mit dem Wegzug aus der Stadt bin ich ihm ein erstes Mal mit dem Hämmerchen zu Leibe gerückt und auch jetzt meißel ich daran herum und bin neugierig, was für Facetten sich noch entpuppen. Denn klar ist, wir sind noch nicht am Ende angelangt, das werden wir wohl nie. Sollten wir auch nicht. Nicht das Denken: wenn irgendetwas Großes erreicht ist, dann hat man es geschafft. Nein, es soll immer weitergehen, in seinem ganz eigenen Tempo mit Umwegen und vermeintlichen Abkürzungen. Und das Wunderbare daran ist, die Gedanken und Pläne spinne ich nicht allein, wir tun das gemeinsam und dadurch scheinen sie die Tendenz zu haben, sich schneller als man denkt in die Realität zu wagen. Bei allem, was in so kurzer Zeit passiert ist, wird mir manchmal schwindelig und ich frage mich. Woher ich die Courage genommen hab. Aber ich merke auch, dass ich gar nicht so ängstlich bin, da tief drinnen sitzt anscheinend ein Abenteuergeist und nachdem ich ihn lange betäubt und ihm das Maul verboten habe, ist er nun umtriebig und zeigt mir, wie das geht, das einfach mal machen im Angesicht großer Entscheidungsbrocken. Gerade zerrt er mächtig an den Gedanken um die Zukunft. Wir wollen irgendwann weiterziehen. Noch mehr Land als im dicht besiedelten Deutschland, bzw. Rhein-Main-Gebiet. Ein Leben noch näher an der Natur. Das beschäftigt mich schon lange. Und ohne es zu wollen, bin ich wie so viele natürlich auch in die Marie Claire Maison-Falle der Vision vom perfekten alten Bauernhof gestolpert.

Man könnte sagen, ich habe förmlich schon den Wildblumenstrauß auf dem Tisch und das perfekt bezogene Bauernbett vor mir gesehen. Total daneben und eigentlich auch nicht meines, die totale Idylle, wie sie uns suggeriert wird. Aber die Bilder davon, wie es aussieht, das Glück auf dem Lande, werden medial ja in allen Spielarten beschworen vom Spießertraum bis hin zur gewollten Improvisation für den Großstädter mit Geschmack und Intellekt, der die temporären Auszeiten sucht. Der Natur will, aber bitte nicht mit zu viel Natur. Und einmal mehr die Erkenntnis, dass die Lebensentwürfe Anderer mir nicht mein Leben abnehmen und auch nur begrenzt als Handlungsempfehlung dienen. Wenn ich sehe, was manche Menschen sich verwirklichen können, einfach weil sie die finanziellen Mittel haben, dann komme ich nicht weiter. Ja, man kann Glück haben und die perfekte kleine Farm finden, die sich mit Liebe und Herzblut in den Glücksort verwandelt. Aber ich muss zuallererst realistisch und selbstkritisch sein. Was kann ich, was können wir selber leisten? Wie viel können wir mit unseren eigenen Händen leisten? Das eigene Zuhause mit zu errichten ist wunderbar, aber wenn man wetterfest leben möchte vielleicht der falsche Ort für Experimente. Mit welchem finanziellen Rahmen können wir planen. Gerade stehen wir völlig am Anfang, das eigene Geschäft bekommt langsam kräftige Beine und das eröffnet Perspektiven, aber wir wollen einen Ort, der nur uns gehört und kein Stück der Bank. Das heißt also geduldig sein. Es ist nicht schlimm, wenn einer solcher Träume über Jahre wächst und sich entwickelt. Aber man darf sich eben nicht an falschen Bildern festbeißen, dann sieht man die spannenden Nebenwege nicht und plötzlich sind sie verpasst, die ungeahnten Chancen. Also Geduld, Planung und Offenheit. Flexibilität auch. Soll es ein Leben ganz und gar woanders sein? Welche Modelle gibt es noch? Gemeinschaftlich mit andren, temporär, im Wechsel zwischen Deutschland und Frankreich. Vielleicht kein altes Bauernhaus, sondern etwas anderes? So manches scheinbare Idyll hat sich für ambitionierte Hausbesitzer ja in ein Fass ohne Boden verwandelt. Es gibt andere Lösungen, die man vielleicht bisher ausgeschlossen hat. Bescheidenheit und Verzicht gehören auch in die Gedankenkette. Wenn ich das wirklich will, dann muss ich schauen, auf was ich vielleicht verzichten kann. Nicht sich völlig beschneiden, das Leben will gelebt werden und soll nicht quälen. Aber vielleicht sollte man nicht bereits anfangen Dinge für einen hypothetischen Ort zu erwerben, wenn es diesen noch nicht gibt und man nicht darin stand und ihn gefühlt hat. Und nicht nur diese Verlockung des neuen Kaufanreizes muss vermieden werden, auch die ein oder andere Anschaffung für den Moment kommt auf die Waage. Das ist ok. Es fühlt sich tatsächlich an wie Schmetterlinge, seit wir die Idee vom Leben in den Vogesen (oder anderswo) in kleinere Portionen aufgeteilt haben. Und diese Schmetterlinge kenne ich, die zeigen mir an, dass ich irgendwann mutig sein muss, eine Entscheidung fällen und etwas verändern werde. Ein genussvolles Gefühl der Unsicherheit und des nicht Wissens, was in zwei, drei Jahren sein wird. Und auch, wenn alles ganz anders sein wird, dann hat der Prozess an sich mich schon reicher gemacht. Aber damit das so ist, heißt es offen und wach bleiben und auch genau zu fragen, was einen antreibt. Warum möchte ich noch mehr auf Land? Möchte ich mich verstecken, zurückziehen? Möchte ich etwas beweisen oder fühlt es sich rund an? Denn der komplette Rückzug darf es nicht sein. Wir leben in dieser Welt und haben einen Teil zu leisten, auch wenn die meisten wohl nie dazu kommen nach diesem Teil zu suchen im Dauerrauschen der Welt, wie wir sie gestaltet haben. Und es wäre fatal sich der Idealvorstellung des totalen Landlebens hinzugeben. Nein, wir kommen aus dem Städtischen. Wir haben keine landwirtschaftliche Tradition. Wir können Leidenschaft für Lebensentwürfe und Techniken entwerfen aber wir können nicht abschneiden, was uns auch prägt. Wir wollen auch ein anderes Leben testen, weil unser Beruf der Textarbeit uns eine große Ortsunabhängigkeit ermöglicht. Aber er bindet uns an Infrastrukturen und man muss ein Auge auf die Welt haben. Das andere darf und muss den Horizont erweitern. Und so schält sich da ein mögliches Modell heraus, das des „Urbanism with a View“ – der Realitäten nicht verkennt, sondern sie vereint mit all den Möglichkeiten, die sich dem Mut bieten. Da will ich hin. Auf den Weg. Meine innere Unruhe sagt mir, ich habe schon ein paar Schritte gemacht.

Und die Schritte in der gegenständlichen Welt haben mich über fette Wiesen geführt, die in den Vogesen mit einer Vielfalt glänzen, die deutsche Landwirte schon lange erfolgreich weggedüngt haben.

Löwenzahnsalat mit Spitzwegerich und Günzel

Diese drei herrlich unaufgeregten Wildkräuter haben den Vorteil, dass man sie nur zu oft in unmittelbarer Nähe zu einander findet. Wo Löwenzahn und Spitzwegerich begannt sein dürften, ist der Günzel ein aromatisch duftender, violett-lila blühender kleiner Zeitgenosse, der intensiv duftet und schmeckt.

Der Löwenzahn sollte den Löwenanteil des Salates ausmachen. Dazu die gesammelten Blätter säubern und in Stücke schneiden und gut 1-2 Stunden in etwas Salzwasser einweichen. Abspülen und eine halbe Stunde vor Servieren anrichten. Die Blätter vom Spitzwegerich und Künzel werden gesäubert und fein gehackt den Salat gemengt. Für das erste Mal empfiehlt sich etwas vorsichtiges Dosieren um zu schauen, ob man den Geschmack mag.

Alles mit Olivenöl einem feinen Essig und etwas Kürbiskernöl anmachen und ziehen lassen. Dazu passen auch ein knackiger Apfel in feinen Stücken und ein paar geröstete Walnüsse.

Guten Appetit!

Randerscheinungen, die den Appetit dämpfen, aber dennoch eine Beilage: Süßkartoffeln duchesse mit Speck

Süßkartoffel DuchesseMausetot. Eher fuchstot, denn es war ein wirklich schöner Fuchs, der einem da tot vom Straßenrand zu wedelte. Ziemlich makaber, der kleine Gruß mit dem buschigen Schwanz, verursacht durch die unaufhörlich vorbeiziehenden Autos. Auf beiden Seiten der Landstraße wunderschöner Wald – Fuchsgebiet sicherlich. Solche Anblicke machen mich traurig und begleiten mich dann immer noch ein Stück weit. Genauso wie Viehtransporter, die man immer mal wieder auf der Autobahn sieht. Arme Schweine. Wenn die sich da so an die Gitter pressen. Und von wegen lustiges Ringelschwänzchen – die haben sie sich im Stress längst gegenseitig abgekaut. Nicht vorzustellen, wie die armen Viecher die Fahrt, die Geräusche und den Gestank ertragen.

Schweine sind hochintelligente Tiere. Man weiß mittlerweile, dass sie sogar mehr Kommandos lernen können als Hunde und ja, auch wenn es irritierend klingen mag, ihre kognitiven Leistungen sind mit denen eines dreijährigen Kindes vergleichbar. Sie haben ein Ich-Bewusstsein.
Zudem sind sie für uns Fleischlieferant und Leder und Borsten kann man auch verwenden.

Und Schweine sind köstlich. Wenn sie richtig aufwachsen dürfen und ohne den Stress und die Entwürdigung der Schlachtbetriebe einen respektvolleren (Schlachtungs-)Tod erleiden.

Für mich stehen die Würdigung des Tieres und sein Verzehr in keinem Gegensatz. Ich finde es wichtig, mir darüber Gedanken zu machen, was da überhaupt auf meinem Teller landet. Und nicht nur meiner Gesundheit wegen, sondern auch aus Respekt den Tieren gegenüber finde ich sollte es eine Verantwortung dafür geben, sich eben Gedanken über die Aufzucht und das Sterben der Tiere zu machen, die man isst.  Wir sind mittlerweile so entfremdet von all diesen Dingen. Nahrungsmittel sind Konsumgüter, aber wir haben keinen direkten Bezug mehr zu den Herstellungsprozessen. Gerade bei den verarbeiteten Lebensmitteln ist es nicht mehr nachvollziehbar für den Laien, wie etwa aus dem saftigen Gemüse auf dem hübschen Foto das salzige Granulat werden konnte, das viele sich dann als Suppenbasis in den Topf schütten. Als ein willkürliches Beispiel. Oder die Tiefkühlgerichte, die einem das Fleisch in fertiger Panade und mit Füllung in die Pfanne bringen – was steckt dahinter und was ist da alles drin?

Immer wieder wird dann geheult, wenn der nächste Skandal aufgedeckt wird. Klar, niemand der Calamari gekauft hat, will Schweinedarm serviert bekommen.

Aber das überrascht doch bitte nicht wirklich noch jemanden, bei den Preisen, die wir uns immer noch leisten? Neulich meinte jemand beim gemeinsamen Abendessen, ein  sattes Volk bleibt ruhig, also warum sollte jemand Interesse haben an den Preisen etwas ändern? So deprimierend es ist, ich stimme dem zu. Wir sind gut erzogen von der Wirtschaft und die Politik packt zwischendurch den beschwichtigenden Staubwedel aus und räumt ein bisschen auf. Wie die Ergebnisse zeigen wohl eher halbherzig und pro forma, denn wieso sonst käme immer wieder ein neue Gruselgeschichte aus der Lebensmittelindustrie ans Licht. Mit viel Glück verlagert sich der Fokus dann eh wieder auf große globale Feindbilder wie Monsanto und dann erscheinen die Schweinereinen im eigenen Land ja verhältnismäßig harmlos.

Aber was da immer wieder zutage tritt (ich erinnere mich auch noch an Fleischskandale aus den 80ern, was wohl daran liegt, dass ich da anfangen konnte zu lesen), sind ja nie Einzelfälle. Immer und immer wieder wiederholt sich das Spektakel. Wer es sich leisten kann, entzieht sich dieser Gefahrenquelle und vertraut diversen Biosiegeln. Die, die es sich nicht leisten können, haben das Nachsehen oder sehen sich einem Mehr an Aufwand gegenüber um sich vor solchen  Ekligkeiten zu schützen.

In all diesen Skandalen zeigen Politik und Wirtschaft doch aber auch, wo sie den Verbraucher sehen, der als Zielgruppe für diese Nahrungsmittel identifiziert wurde.  Diese Verbraucher sind dann aber alle vier Jahre auch Publikum wahlkämpferischer Heilsversprechen. OK, nicht in so großem Stil, aber da zählt die Stimme der großen betäubten Mehrheit dann.

Das ist ein Gesamtbild, das mich in seinen zynischen Nuancen mitunter fast krank macht. Und ja, die Informationen zu diesen Themen und auch viele Lösungsansätze sind da draußen, aber den Menschen wird die Zeit und die Muße genommen, wirklich radikal umzudenken. Denn wer darauf angewiesen ist, dass der Dreck in den Regalen und Tiefkühltruhen weiterhin im Niedrigpreissegment verfügbar ist, der wird hart genug zu kämpfen zu haben, um über die Runden zu kommen. Da bleibt wenig Raum für anderes und das Andere, das dann erstmal bedient wird, sind die anderen Konsumgüter, die wir so brauchen – für das Dazugehören und für das gute Gefühl. Und das sind ganz oft die Gadgets der Unterhaltungselektronik, die den Kopf noch weiter lähmen, oder das neue Auto, das einen noch schneller am Fuchs vorbei oder auch mal drüber fährt. Also bleiben die zu ruhig, die Zugang zu den Informationen haben und für sich andere Wege suchen und sich über das Mehr an Geld entziehen und die tatsächlich Leidtragenden werden in einer Mühle gefangen gehalten, die noch zu gut läuft, als dass sich etwas ändern würde. Und dann immer der Einwand: Was ist den die Lösung? Sag doch mal…  Mit den Leuten rede ich nicht. Wer Patentlösungen präsentiert, ist mir suspekt. So geht das nicht. Es geht hier um gesellschaftliche Missstände, die nur aus ebendieser Gesellschaft heraus gelöst werden können. Aber die ist längst so segmentiert und mit ihren jeweiligen Problemen und (oftmals industriegefertigten) Lösungen beschäftigt, dass es wohl erst mal schön so weitergehen kann.

Ich sehe zu schwarz? Jeder ist frei sich ein paar solidarische Tintenfischringe warm zu machen. Uns geht es ja eigentlich auch richtig gut hier.

Wenn der Kopf dann nicht mehr pocht, muss man irgendwann wieder essen. Aber dann kann man selber kochen und entscheiden und wissen, was man da vor sich auf dem Teller hat.

Süßkartoffel duchesse mit Speck
Ja, ja, das heißt eigentlich Pomme duchesse aber hier ist die Herzogin nun einmal eine Süßkartoffel

1 große Süßkartoffel (diese war ca. 500 Gramm schwer)
1 großes Ei, gequirlt
100 Gramm Speck in Würfeln (der Speck war aus (ein Graus) und ich habe Mettenden genommen – super!)
1 Tasse Frühlingszwiebeln in Ringen
3-5 Esslöffel Kokosmehl
1 Teelöffel Natron
Salz
Pfeffer

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffel mit einer Gabel rundherum einstechen und dann im Ofen für ca. eine Stunde rösten, bis Haut schrumpelt und  sie auf Fingerdruck nachgibt.
  • Nun die Süßkartoffel pellen, pürieren und etwas abkühlen lassen. Nach und nach das Kokosmehl, das Ei und das Natron mit der Süßkartoffel vermengen. Nur so viel Kokosmehl zugeben, dass die Masse fest ist und sich mit dem Löffel formen lässt ohne zu verlaufen. Es soll nicht zu trocken werden.
  • Die Speckwürfel in der Pfanne auslassen und mit dem Bratenfett zur Süßkartoffel geben.
  • Die Frühlingszwiebeln unterheben und nun alles gründlich pfeffern und salzen (hier vorher testen wie salzig der Speck ist), die Süßkartoffel macht ihren Namen alle Ehre und die Süße verträgt etwas Schärfe.
  • Nun die Masse mit zwei Löffeln in Häufchen auf ein Backblech mit Backpapier setzen. Wer es richtig duchesse haben will, nimmt einen Spritzbeutel.  Bei mir waren es 9 Stück.
  • Das Backblech auf der mittleren Schiene für gute 30 Minuten in den Ofen geben. Die Oberfläche soll nicht zu dunkel bräunen, aber eine leicht weiche Kruste bilden.

Tipp: Ich werde die Süßkartoffeln demnächst so in ein Adventsessen einbinden, als Ersatz für klassische Kroketten.  Dazu dann Rouladen oder Schweinebraten und ein Rotkohlsalat… Wenn etwas übrig bleibt, kann man die Reste wunderbar mit etwas Schmalz in der Pfanne anbraten!

Guten Appetit!

Gute Begleiter – Kürbis-Brot

Kürbis-BrotSo, ich will unbedingt noch einen zuverlässigen kulinarischen Begleiter vorstellen, bevor ich  mich dem totalen Koch-Wahnsinn hingebe – das Wochenende steht in Form von Gästen vor der Haustür und ich habe eine irgendwo in mir tief verwurzelte Sorge, es könnte jemand nicht satt nachhause gehen.

Seit man als Kind bei den Verabredungen der Erwachsenen etwas vom besonderen Essen probieren durfte, ist dieser Zusammenhang fest verwurzelt: Ein schöner Abend bedeutet gutes Essen und Gastgeber-Sein. Beides Dinge, die ich sehr mag. Auch wenn es da kurz immer den Moment gibt, in dem ich denke, das schaffe ich alles nicht.  Dieses Gefühl resultiert meist aus dem Blick auf die umfangreiche Einkaufsliste, die einen kritischen Gedanken auf den Weg schickt – muss das sein? Ja, für mich muss das sein. Kochen bis zum Umfallen und dann in einem Zustand seliger Zufriedenheit zu fallen wenn Gäste über dem Essen ins Gespräch kommen. Dazu kommt, dass ich aus dem Alter raus bin, in dem die Menge des vorhandenen Alkohols über den Gelungenheits-Grad eines Abends entschied. Erwachsen-Sein kann so lecker sein!

Und dabei geht es auch nicht um ein Fischen nach Komplimenten : Haut rein und seid glücklich und wenn sich schmatzendes Schweigen ausbreitet, dann ist das größte Kompliment! Alles andere wäre Narzissmus, ausgetragen auf dem Rücken der Gäste. D s gibt es auch, aber dann schmeckt es halb so gut.  Und wenn ich ganz ehrlich bin, ich liebe die Vorbereitungen im Vorfeld – wenn aus einem Haufen Einkäufe ganz viele unterschiedliche Mahlzeiten entstehen, wenn man merkt, dass das Zeit-Management immer besser wird und man über viele Handgriffe nicht mehr so lange nachdenken muss. Und weil ich das Wirbeln beim Kochen so genieße, tue ich mich immer schwer Zuarbeiten zu delegieren – am liebsten mache ich alles selber. Das ist etwas, woran ich noch arbeiten werde. Denn helfende Hände sind ja angenehm.  Das Selbst ist halt auch eine sogenannte „Work in Progress“.

Damit den nicht Paleo-Essern unter den Gästen (was alle betrifft) nichts fehlt, gibt es immer auch Brot auf dem Buffet. Niemanden soll etwas aufgedrängt werden. Aber ich mache meistens noch eine Paleo-Variante. Im Prinzip ist es ja am sinnvollsten, sich den Automatismus „Ich brauche Brot zum Essen“ abzugewöhnen, denn Paleo-Brot bedeutet immer viel Nuss-Mehl. Aber für Ausnahmen finde ich das absolut ok. Man sollte halt einfach nicht das konventionelle Essen 1:1 übertragen und sich täglich ein halbes Paleo-„Brot“ reinziehen.

Ein brotiger Begleiter für diverse Essen ist das Kürbis-Brot. Ich habe es mir irgendwann aus einem amerikanischen Halloween-Menu geklaut. Ich weiß leider nicht mehr wo. Durch die süßliche Note ist es ein interessanter Kontrast zu vielen Speisen und ist wunderbar wandelbar in Würzung. Ich habe es abgewandelt und eher herzhaft gemacht

Mein Rezept

2,5 Tassen Mandelmehl (ich habe es nicht in Gramm umgewandelt sondern einfach dieselbe Tasse genommen, ca. 220 ml, um das Verhältnis beizubehalten)
1-1,5 Tassen Kürbis-Mus (aus gekochten oder gerösteten Kürbis, diesen einfach pürieren)
3 große Eier
0,5 Teelöffel Natron
große Prise Muskat
1 Teelöffel geriebenen Ingwer
2 Teelöffel Curry
1 Teelöffel Cayenne-Pfeffer (ich mag es scharf)
0,5 Teelöffel Salz

  • Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Alle Zutaten mit dem Hand-Rühgerät mixen. Ist der Teig zu flüssig, etwas Mandelmehl hinzu. Ist er zu trocken etwas mehr Kürbis und eventuell ein Schluck Wasser. Es soll ein kompakter fester Brei sein.
  • Eine Auflaufform großzügig fetten.
  • Teig einfüllen, glatt streichen und für 25-30 Minuten in den Ofen. Es bildet sich eine leichte Kruste und die Masse leistet leichten Widerstand wenn drauf drückt aber es soll nicht zu trocken sein.

Raus auf den Ofen und in Stücke schneiden – am besten ein Stück Butter auf das warme Kürbis-Brot und sofort genießen.

Guten Appetit!