Handle with Care: Zerbrechlichkeiten, das Gehirnwäsche-Pflaster von Dove und ein köstlich leichter Beilagen-Favorit: Orangen-Fenchel-Salat

Paleo_Orangen_Fenchelsalat

Frühlingshaftes gegen die miese Dove Tour

Es gibt so Menschen, die geben einem das Gefühl verstanden zu werden. Die hören zu, animieren ein lebendiges Gespräch und am Ende geht man mit dem wohligen Gefühl heim, schon lange nicht mehr so angeregte Gesellschaft gehabt und sich so tief gehend ausgetauscht zu haben. Inspiriert fühlt man sich. Doch in die Begeisterung und den guten Vorsatz, diese intensive Begegnung baldmöglichst wiederholen zu wollen, mengt sich auch ein nachdenkliches Gefühl, wenn man den wild rotierenden Kopf dann aufs Kissen bettet. Hat man vielleicht zu viel preisgegeben? Hat man zu viel von sich erzählt? Komischerweise ist es dann eher ein leichtes schlechtes Gewissen, das sich breit macht, man hat zu viel Raum eingenommen, denkt man schuldbewusst und nimmt sich vor es beim nächsten Mal anders zu machen. Was man aber eigentlich getan hat, in dem guten Gefühl verstanden zu werden, ist die Deckung zu verlassen, Zugeständnisse zu machen, was die eigenen Schwächen betrifft und wunderbare Vorlagen zu liefern, die sich in Ansatzpunkte für mehr oder weniger subtile Manipulationen und Kränkungen verwandeln.

Selber hat man nicht viel an die Hand bekommen. Außer eben dem Nicken und der Bestätigung im richtigen Moment. Ist doch auch wahr, wenn man sich so sehr versteht, dann muss man das gar nicht aussprechen, dann weiß man, wo der andere steht und dass das Gegenüber Ansichten, Schwächen und Ängste teilt. Weit gefehlt. In einer naiven Gutgläubigkeit, die ich nicht ganz ablegen möchte, die sich aber mittlerweile mit einer gesunden Wachsamkeit mischt, habe ich wohl mehr als einmal mehr von mir preisgegeben, als mir in dem jeweiligen Moment bewusst war. Aber Manipulationen möchte man ja auch nicht wahrhaben, niemandem schlechte Seiten unterstellen. Dann müsste man ja auch die eigenen betrachten. In der Folge inniger Informationenabfrage habe ich mich in manchen Beziehungen zu anderen Menschen dann aber oft gefragt, warum sich diese so kompliziert gestalteten. Die Intensität bekam einen Beigeschmack, der einen wie leergesaugt zurückließ und plötzlich dämmerte die Erkenntnis, dass es einen Preis haben kann, wenn man zu schnell zu offen ist. Sich aus solchen emotionalen Geflechten zu befreien, ist schmerzhaft und alles andere als einfach. Man sollte sich ihrer bewusst sein, wann immer die innere Stimme vorsichtig nachfragt, warum einen bestimmte Personen immer voll Zweifel, Schuldgefühl oder wie leer zurücklassen. Das muss nicht an einem selber liegen. An eigenen Unzulänglichkeiten. Das kann auch einfach mal dem geschuldet sein, dass nur all zu viele Menschen mit einem Hang zur Manipulation „gesegnet“ sind und recht skrupellos die Gefühle anderer Menschen zu Scherben zertreten, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Zumeist noch so schön verpackt, dass daraus kaum ein Vorwurf zu formulieren ist.

Darauf gebracht haben mich die echten Frauen von Dove. Die mit der inneren Schönheit und dem Appell sich so anzunehmen, wie man ist. Ja klar. Das ist dann also gute Werbung. Ein Gewissen inmitten einer Marketingwelt voll nüchterner Zahlen. Die massive PR-Kampagne des Riesen Unilever stößt mir schon lange auf. Wann immer in den letzten Jahren der neueste Dove-Spot in den sozialen Netzwerken seine Runden drehte, zweifelte ich ein wenig. Und wenn dann alle ernsthaft nicken und sich mit den eigenen Zweifeln und mehr oder weniger ausgeprägten, oft eingebildeten Schwachstellen wiederfanden in dieser angenehmen Natürlichkeit inmitten der sonst im Übermaß servierten Hochglanz-Idealbilder, regt sich ein innerer Widerstand.

Natürlich wirken die Filmchen, die, gekonnt geschnitten, scheinbar natürlich ausgeleuchtet und mit massiv beeinflussender Musik unterlegt die Tränenausbrüche scheinbar ganz normaler Frauen begleiten, die vor der Kamera in einem absolut gestelltem Setting ihr eigene, wahre Schönheit entdecken. Wow. Wie revolutionär. Ja, irgendwie schon eine perfekte PR-Kampagne, die ein so positives Image aufbaut, dass man gar nicht mehr auf den Chemiecocktail auf der Verpackung schaut. Lustigerweise sind die Frauen, mit denen Dove wirbt, ja auch gar nicht der Typus Frau, der sich dann im entsprechenden Regal im Drogeriemarkt bedienen würde. Also greifen auch hier im wunderbaren Reich der kommerziell inszenierten Selbstfindung die grundlegendsten Mechanismen der Werbung. Das macht nicht alle Frauen zu Käuferinnen aber sichert Sympathien. Wer nicht Dove kauft, sondern eigentlich teurer und gerne Öko, der findet sich aber sicherlich in den dargestellten sympathischen und reflektiert wirkenden Frauen wieder. Denn Dove kommt so wenig furchteinflößend daher wie der nette Mensch, der einem im Gespräch das eigene Innerste aus der Nase zieht. Wir werden verstanden! Dove versteht uns.

Aber halt: Dove ist eine Marke. Ein Konstrukt, die Produktreihe eines Weltkonzerns, entstanden im Chemielabor, verpackt und betextet in einer Werbeagentur – seelenlos. Ausgerichtet auf Umsätze und Klickzahlen. Aber geschickt haben sie das gemacht, nicht wahr? Sie haben die Kritik an der Werbe- und Kosmetikindustrie, zu der sie gehören, einfach für sich vereinnahmt und in eine starke Argumentationslinie umgedreht. Der man nur schwer etwas entgegen setzen kann. Wer das tut, ist dann auch schnell in der Schublade der ewigen Miesmacher, der überall nur Schlechtes wittert.

Aber eines stimmt: Man versteht uns. Allerdings ist das nicht Dove, sondern das sind die Köpfe im Strategieteam hinter der Marke. Die uns und unsere Wünsche in ausführlichen Umfragen und Auswertungen vermessen haben. Wir tragen noch dazu bei, indem wir die Spots bereitwillig über unsere persönlichen Kanäle teilen und immer noch mehr Informationen liefern, wie man unsere Knöpfe drücken kann. Das ist tatsächlich gut verstanden.
Und es ist bedenklich, wenn Konzerne diese Leerstellen füllen, die wir zu empfinden scheinen. Wenn diese umsatzgetriebenen Konglomerate plötzlich zu unseren Fürsprechern werden und starke Schultern der Identifikation zum Anlehnen bieten, dann sollten wir nicht wie willige Schäflein ihre Botschaft weiterblöken, sondern uns wieder einmal fragen, wer dabei gewinnt.

Über das gesellschaftliche Engagement von Firmen sollte man noch einmal gründlicher nachdenken. Jetzt lohnt es sich aber erst einmal einen Blick auf den neuen Dove Spot zu werfen: Beauty-Patches, man könnte auch sagen Gehirnwäsche-Pflaster. Mit dem Spot und dem dort gezeigtem Frauenbild haben sie auf jeden Fall ordentlich daneben gegriffen. Und damit sich keine von uns ausgeschlossen fühlt, haben sie für eine so politisch korrekte Vielzahl an unterschiedlichen Frauentypen gesorgt, dass einem das Storyboard förmlich ins Gesicht springt. Dove erfindet den Placebo-Effekt neu. So langsam denke ich, wer drauf reinfällt ist selber schuld.

Und versuche derweilen milde auf die eigenen vermeintlichen körperlichen Baustellen zu blicken. Denn ein Teil von mir weiß, dass ich spinne aber ich bin eben auch Teil einer werbeumspülten Generation, der der Kopf vor falschen Bildern springt und die sich in immer noch viel zu kleinen Teilen darum bemüht, diese Bilder auf ein realistisches Maß zurück zu stutzen, damit wieder Platz wird für ein echtes Selbstbild.

Während ich daran arbeite, braucht es etwas frühlingshaft Leichtes:

Orangen-Fenchelsalat mit roten Zwiebeln

(Hier war es eine kleine Portion, die uns zu zweit gut gereicht hat als Beilage)

1 große frische Fenchelknolle (sie soll sich nicht zu trocken und schlaff anfühlen), in feine Streifen geschnitten
1 feste Orange, filetiert
eine halbe rote Zwiebel, in feine Streifen geschnitten
Gutes Olivenöl, gerne mit einer scharfen Note
Salz
Frisch gemahlener Pfeffer.

Den Fenchel, die Orange und die Zwiebel in einer Salatschale mischen, salzen, pfeffern und einen großzügigen Schluck Olivenöl dazu geben. Noch einmal mischen und etwas ziehen lassen – Voilà.

Der Salat passt wunderbar zu Fisch. Und so simpel die Zubereitung ist, so sehr hängt der Geschmack an der Qualität der Zutaten.

Tipp: Wer mag, kann die Zwiebeln auch weglassen oder sie durch ein paar feine kleine Kapern ersetzen….. (in einem kleinen Restaurant irgendwo in Bologna gab es dazu leicht geräucherten Schwertfisch und das war unsagbar köstlich…)

Guten Appetit!

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Obsoleszenz im Überfluss, neue Netzwerke bilden und winterliche Begleiter: Rosenkohl aus der Pfanne mit Knoblauch

Rosenkohl mit KnoblauchMan kann dann gar nicht anders, als sich kurz dem Wutknoten hinzugeben. Wohlwissend, dass das so ziemlich das unproduktivste Verhalten ist, aber für einen kurzen Moment darf das Überhand nehmen.  So geht es mir zumindest immer, wenn ich irgendwo auf engagierte Menschen stoße, die mit ihrer Arbeit, seien es Artikel, Dokumentationen oder Bücher, doch erschreckend ungehört bleiben im ausdauernd rieselnden Strom der Informationshäppchen, die uns um die Ohren geweht werden. Klug gemacht, nicht wahr? Es ist alles da, aber es wird uns im Alltags-Hamsterrad zunehmend erschwert, die kleinen schwierig aufzufindenden Wahrheitstrüffel von den vielen Gedankenstücken zu trennen, die uns wie Brotkrumen hingeworfen werden, um uns zu informieren oder eher um uns anzuleiten in der Meinungsbildung und der vermeintlich so freien Sicht auf die Welt.

So vieles liegt auf der Hand und doch nehmen wir lieber in Kauf, ein Auge zu zudrücken, wenn es drauf ankommt. Oh, was können wir klug diskutieren am Esstisch unter Freunden und Kollegen, Bücher, Studien und aktuelle Artikel von großen Tagesblättern mit Anspruch zitieren, ohne dabei einen einzigen eigenen Gedanken zu formulieren. Wir merken das nicht einmal. Wer hierzulande ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert hat, lernt es ja auch nicht anders. Belegstellen, Zitate und Definitionen, die beweisen, untermauern und unsere Aussage legitimieren sollen. Das Ganze noch geschmiert mit ein bisschen Eitelkeit und ganz schnell ist man drin in der intellektuellen Nabelschau, der geistigen Selbstdarstellung, führt einen Diskurs anstelle eines Gespräches – kaum auszuhalten. Was dabei verschwindet und sich lieber in die stille Ecke drückt, ist das unbedarfte Argumentieren aus dem Bauch heraus, das Ausdruck eines gesunden Menschenverstandes ist.  So richtig auftauen und unverstellt die eigene Meinung sagen, tun die wenigsten. Bei so manchen Themen scheint das Risiko zu hoch in eine seltsame Schublade gesteckt zu werden, und das will ja keiner. Also macht sich auch in den Diskussionen allzu oft ein Argumentationsspektrum breit, das auf Dauer so interessant wie trockener Toast ist und keine Risiken eingeht.  Für unbequeme oder abweichende Meinungen gibt es auch das schnell bereit gestellte Kästchen der Verschwörungstheorien, dazu ein kleines Zusatzetikett auf dem steht: Spinner, Miesmacher, Schwarzseher.
Und meist findet sich irgendwer in der Runde, der dem mutigen Menschen, der sich da vielleicht argumentativ aus der Ecke getraut hat, den intellektuellen Genickschuss gibt,  indem noch schnell eine Belegstelle herbeigezaubert wird, die den vorsichtigen Bauchgedanken in seine Schranken verweisen soll. Leider ist das keine Diskussionskultur, auch wenn die praktizierenden Köpfe sicherlich anders denken werden, meinen sie doch die Geisteskultur hinter sich versammelt zu wissen, mit all ihren gängigen Quellen und Argumenten. Nein, da wird sich nicht ausgetauscht, da wird die Keule geschwungen und niedergemäht, was nicht passt.
Entweder, weil es die eigene Meinung in Frage stellt (was sich ja durchaus auch als Bereicherung herausstellen könnte, aber gewisse Unabwägbarkeiten beinhaltet, die zu unbequem sind) oder aber, weil das eigene Ego einmal mehr mit einem durchgeht und die Diskussion als Bühne braucht, um den eigenen Verstand in den Mittelpunkt zu stellen. So ist es. Viel zu oft. Man ist ja letztlich unter Menschen. Fast immer gibt es einen in der Runde, der den Ton angeben muss und alle anderen an den Rand spielt. Manchmal sind es auch mehrere Köpfe, die da das vermeintliche Publikum genießen und zu Höchstformen auflaufen und ohne jedes Bewusstsein für das Drumherum so manche spannende Diskussion ersticken und die Lust nehmen, weiterzureden.

Und so fallen viele Themen unter den Tisch oder werden einseitig diskutiert. Und einseitig heißt nur allzu oft, im Sinne der vielfach politischen oder wirtschaftlichen Agenda unserer Meinungsbildner im Hintergrund. Das betrifft so ziemlich alle Bereiche unseres Lebens.
Wo es mich immer wieder echt wie der Schlag trifft, ist, wenn es um das weite Feld des Konsums geht. Dass Unternehmen und Wirtschaft Politik bestimmen, kann man mittlerweile ja in so mancher Runde durchaus äußern, aber man kriegt doch immer mal wieder ein mitleidiges Lächeln, das Etikett des Schwarzseher und Spinners verpasst oder trifft auf Menschen, die zwar Dinge sehen und wahrnehmen, aber einfach nicht in der Lage sind, für ihr eigenes Leben Entscheidungen zu treffen und etwas zu ändern.
Ein Film, der mir das wieder deutlich vor Augen geführt hat, ist die Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ von Cosima Dannoritzer, die sich um die geplante Obsoleszenz dreht.

Auch wer die Augen ganz fest zukneift, um nicht in seiner einfachen Vorstellung unserer Welt gestört zu werden, wird sich schon einmal Gedanken über die fragwürde Lebensdauer von Konsumgütern gemacht haben. Da geht es dem Konsumenten ja mal direkt an den Geldbeutel. Da tut es schon mal weh.

Aber ändern tut sich nichts oder viel zu wenig. Wir wollen doch immer wieder das Neue, denn das zeigt, dass wir uns das leisten können und dass wir wissen, was das Neueste ist. Wir wollen kein altes Auto, wir wollen neue technische Gadgets, wir wollen aktuelle Mode und Einrichtungsgegenstände. Was kaputt geht, ersetzen wir. Wir haben ja gar nicht mehr die Fähigkeiten, die es braucht Dinge zu reparieren. Und wo wir gerne selbst Hand anlegen würden, sind die betreffenden Güter heutzutage derart gestaltet, dass wir nicht mehr selber ran können. Man muss nur mal einem älteren Auto unter die Motorhaube schauen und einem Neuwagen – mit Schrauben in der Freizeit ist da nicht mehr viel.  Und dann ist da kurz der Ärger über die kurzen Lebensspannen vieler Dinge, aber wir ziehen nicht die richtigen Schlüsse und konsumieren weiter.  Das gibt ja auch so eine schöne kleine Befriedigung, wenn da etwas neu Glitzerndes Einzug hält in unser Leben.

Noch schöner kann es aber sein, zu überlegen, wie man etwas ändern kann. Was kann ich? Und sei es nur die Hose zu stopfen und selber zu kürzen statt sie wegzutun. Und wenn ich das gut kann, dann kann ich es auch für andere tun. Und die können vielleicht im Gegenzug einen Stecker an meinem alten Küchengadget austauschen oder haben andere Fähigkeiten. Das geht schon in ganz kleinem Maßstab. Man kann im engen Umfeld anfangen und lernt ganz nebenbei etwas Spannendes über die Menschen, mit denen man sich austauscht und über sich selber. Und man erobert sich ein kleines Stück Unabhängigkeit zurück. Und dann vielleicht noch eines und noch eines und…

Eines meiner Wunschprojekte ist eines Tages ein kleiner Gemüsegarten, da fehlen mir echt noch die Fähigkeiten und der entsprechende Boden. Aber der Plan ist da und wenn es soweit ist, werde ich mich nicht scheuen, mir kluge und patente Menschen zu suchen, die mir Tipps geben können. Auch die Bepflanzung steht fest. Ein ganz kleiner Nutzgarten, so wie man sie im ländlichen Raum oft sieht, mit einer Bepflanzung und Fruchtfolge, die das ganze Jahr abdeckt. Ein kleines Stück Unabhängigkeit, die Arbeit bedeutet aber Ergebnisse schenkt.

Und tatsächlich würde ich auch Rosenkohl pflanzen. Mochte ich früher nie, aber man darf sich ja neu begegnen. Es geht nämlich auch anders als in Form weich verkochter Kugeln…

Beilage: Gebratener Rosenkohl mit Knoblauch
500 Gramm Rosenkohl
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Kokosöl oder Schmalz
Salz
Pfeffer
Butter

  • Den Rosenkohl vom Strunk befreien und die einzelnen Blätter ablösen (die mühselige Arbeit wird durch den Geschmack belohnt) und dann gründlich waschen.
  • Die Kohlblätter blanchieren und dann in einem Sieb gut abtropfen lassen.
  • Das Fett der Wahl (Schmalz für eine deftigere Note, Kokosöl, wer es feiner mag) in einer Pfanne gut erhitzen, den Knoblauch zart anbräunen und dann für zwei bis drei Minuten die Rosenkohlblätter hinzugeben und kurz anbraten.
  • Zum Abschluss salzen, pfeffern und noch ein Stück Butter unterrühren.
  • Dazu passt sehr gut ein Stück Kassler oder eine deftige Rinderbratwurst…

Guten Appetit!

Die hellen Tage im Grau mit Zsuzsa Bánk und die perfekte Beilage in neuer Form: Hasselback Süßkartoffel

Süßkartoffel_HasselbackTaschen packen will ich gerade erst einmal nicht. Auch wenn das Grau vor dem Fenster einen mitunter sehnsüchtig in Richtung Sonne blicken lässt, irgendwie mag ich es auch, dieses trübe Grau. Gegen winterliches Weiß und ordentliche Kälte wäre auch nichts einzuwenden, ich bin ein großer Freund unser mitunter sehr verschrobenen Jahreszeiten. Frühlingsgrün, Sommersonnengeruch, Herbstgold und Winterklar… Ich möchte sie nicht missen und all die vielen Zwischentöne, die sich da verstecken.

Und was wären Gespräche ohne endlose Wetterbetrachtungen? Und das Klima verleiht einem Ort seinen ganz spezifischen Duft. Die Atlantikküste riecht für mich nach staubig warmen Pinienwäldern, die Vogesen und auch die Bretagne riechen noch im Nebel nach Honigginster und Heu, der Taunus riecht würzig klar nach feuchter Erde und Dänemark wird für mich immer nach Ferienhaus und Holzofen riechen. Berlin hat lange nach Kohlenofen-Realismus gerochen und in London hatte es oft etwas seltsam weiches Müffeliges… Mein Kopf scheint manchmal voller kleiner Glasflakons, in denen die Erinnerungen an Orte in Form von Gerüchen lagern. Situationen erinnere ich meistens in Zusammenhang mit Essen, zusammen genommen bleiben dann recht präsente liebe (Sinnes-)Eindrücke in den Kammern des persönlichen Erinnerungsarchivs haften.

Gerüche beeinflussen mich auch maßgeblich bei Menschen und an Orten. Starkes Parfüm oder dominante Gerüche verursachen mir Kopfschmerzen. Der Geruch neuer Autos, frisch renovierter, noch nicht lange belebter Wohnungen und ein Gang in die Parfümerie – da muss sich der Kopf einschalten und den Sinneseindruck erst einmal ausschalten um sich auf die Situation einzulassen. Damit zusammen hängt auch meine Abneigung gegen die ganzen Transportkisten, mit denen wir so unterwegs sind: lange Autofahrten, im Zug oder Flugzeug… Das alles verursacht mir eine Dumpfheit im Kopf und die Sehnsucht nach frischer Luft wächst.

Es lässt sich nicht immer ändern, aber ich bin bis heute kein Freund von langen Wegen für geschäftliche Treffen oder private, das bringt mich aus dem Tritt. Mal kurz nach Paris, Kopenhagen oder Düsseldorf für die Arbeit, das fand ich nie cool und wichtig, sondern immer eine Herausforderung für den Körper und eine Übung im Balance finden. Dann noch eine kurze Nacht in irgendeinem Hotel – das ist nicht meins. Ich mag einfach keine Hotels, egal wie einfach oder aufgehübscht oder durchgestylt – Hotels sind für mich kein Ort um wieder in die Balance zu kommen. Komischerweise gelingt mir das in Ferienwohnungen besser. Da packe ich alles aus, egal wie kurz ich da bin, breite mich aus und kann zumindest temporär ankommen. Und kann mich kurz dem Gedankenspiel hingeben, wie es wäre an dem Ort, an dem ich gerade bin, zu wohnen. Jeden Morgen aus der Wohnung auf diese Straße zu treten und diese Gerüche zu atmen und dieses Licht zu spüren und diese Nachbarn zu hören. Das sind immer wunderbare kleine intime Einblicke in den jeweiligen Aufenthaltsort. Die Nachbarin in Italien, die morgens um 9 Uhr das Fenster aufmacht und von da an nicht mehr den Mund hält, nur unterbrochen von der Espressokanne auf dem Herd – das wird immer einen netten kleinen Platz im Erinnerungsalbum haben…

Und dann ist da noch der praktische Aspekt – die Verpflegung. Mit dem Frühstück im Hotel kann ich nicht mehr viel anfangen und ich mag es dann die Möglichkeit zu haben, mich selber in meinem Sinne zu verpflegen. Durch fremde Supermärkte und Märkte zu streifen und improvisierte Neuigkeiten zu kochen oder ein Picknick zu machen. Wenn sich ein passendes Restaurant findet, fein, aber es ist nicht zwingend notwendig und es ist einfach schön neue Orte nicht nur durch die Konsumentenbrille zu erkunden.

Aber momentan bin ich einfach nur beschäftigt, die vielen Eindrücke dieses noch jungen Jahres zu sortieren und habe ein großes Bedürfnis einfach nur daheim zu sein.  Bitte gerade nicht unterwegs sein! Und bitte keine komischen Menschen, die einem Energie saugen. Die Zeit ist kostbar, auch hier auf dem Lande. Und ich bin froh, dass der Kopf nicht durch zu viele Sinneseindrücke betäubt wird, sondern in der momentan knappen Zeit zur Ruhe kommen kann.

Und langsamer kreist… Und sich erinnert… Etwa an ein bestimmtes Buch, das ich schon vor längerem gelesen habe und seitdem nicht müde werde zu verschenken: Die hellen Tage, von Zsuzsa Bánk.  Ein ganz seltsam schönes Buch über Freundschaft, die Liebe, Mütter und die Bänder, die alles verbinden. Seltsam deshalb, weil das Buch in der Erinnerung selbst so ein heller Tag ist. So ein Tag, an dem die Sonne so intensiv strahlt, dass man gar nicht genau hinschauen kann und alles ein bisschen undefiniert bleibt, unwirklich.  So wie der Schein, der die Dinge umgibt, wenn man im Gegenlicht die Augen zusammenkneift. Und seltsam auch, weil es sich nicht sofort erschlossen hat,  ich habe hier tatsächlich mal zwei Anläufe gebraucht. Beim ersten Mal passte der Moment wohl nicht, denn das Buch wanderte zurück auf den Bücherstapel und da lag es dann, bis ich wieder drüber stolperte und dann wollte ich es einfach nicht enden lassen. Ein so stimmungsvolles Buch, dass sich die Erinnerung daran beinahe einreiht in die eigenen, persönlichen Erinnerungen und der Gedanke daran fast wie mit Gerüchen unterlegt ist. Ein ganz besonderes Buch und ein helles, in diesen grauen Tagen.

Und für die guten Gerüche und das damit verbundene Wohlbehagen kann man zum Glück etwas tun. Etwa Kochen…

Süßkartoffel Hasselback
Ein wunderbares Rezept, das ich auf dem netten Blog „A Boy from Stoneage“ fand, der immer wieder gute Inspirationen für neue Rezepte bietet, ohne den Leser mit zu viel Chi Chi zu überfordern.

Einziger Unterschied, ich habe in diesem Falle den Knoblauch weggelassen, weil ich eine neutralere Grundlage haben wollte.

2 mittelgroße Süßkartoffeln (ca. 400 Gramm)
2 Teelöffel gehackten Thymian
Salz
Olivenöl

  • Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffeln gründlich waschen und in feine, gleichmäßige Scheiben (ca. 2 Millimeter) anschneiden. Das heißt: Nicht komplett durchschneiden, sondern sie sollen unten verbunden bleiben.
  • Nun den Thymian und das Salz in die Spalten streuen und alles mit Olivenöl beträufeln.
  • Dann für 45-55 Minuten in den Ofen, bis die Süßkartoffel gar ist. Auf der Hälfte der Zeit die Scheiben etwas auffächern. Sieht schöner aus und man sieht besser ob sie durch sind.
  • Eine perfekte Beilage, die auch gut zu Pastete oder Ähnlichem passt.

Guten Appetit!