Mehr geht vielleicht nicht, anders und ein Anisplätzchen

Paleo Anis PlätzchenLernen, lernen, lernen….. das Thema für die nächsten zwölf Monate steht fest, die Anmeldung liegt ausgefüllt vor mir und dann heißt es bald jeden Samstag acht Stunden lernen für den Jagdschein. Eine gewisse Faszination hat das Jagen schon immer auf mich ausgeübt,  in den fast zwei Jahren, die wir jetzt schon mit der Paleo-Ernährung leben, wurden die Gedanken rund um den Jagdschein immer konkreter und auch der Wegzug aus der großen Stadt war beeinflusst von dem Gedanken, andere Möglichkeiten zu nutzen. Klar, einen Jagdschein kann man überall machen, aber mit dem Wald vor der Tür und einer großen Jägergemeinschaft im ländlichen Umfeld ist es einfach nochmal etwas anderes.

Und nach vielem Reden und sich einlesen war der Infotag im örtlichen Jagdclub die Gelegenheit, mal zu schauen, wie nah Vorstellung und Wirklichkeit beieinander liegen. Weder der besondere Mensch noch ich können auf familiäre Anknüpfungspunkte zur Jagd zurückgreifen, wir stolpern da einfach ähnlich unbedarft rein wie von der Stadt aufs Dorf – eine Einstellung, die sich bisher als recht reibungslos erwiesen hat. Es ist immer wieder spannend, durch neue Hobbies oder Tätigkeiten treffen wir hier Menschen, denen wir so sonst nicht begegnet wären. Recht vielfältig ist sie, die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet, da die nächste Großstadt nie so wirklich weit weg ist, ist man hier gefühlt gar nicht so sehr auf dem Lande wie vielleicht anderswo, wo dem städtischen Bewohner ein nostalgischer Hauch um die Nase weht und neben den Wochenendhaus-Phantasien auch die leise Angst mitschwingt, ob es nicht furchtbar miefig und rückständig ist, das Leben auf dem Dorf. Nein, ich bin einfach nur positiv überrascht, natürlich gibt es hier eine gewachsene dörfliche Struktur und einen harten Kern alteingesessener Familien, aber die Geschichte des Dorfes profitiert auch von den Zugezogenen, die sich rund um den Dorfkern ausgebreitet haben.
Meist zieht es mich raus aus dem Dorf, in die Felder und in den Wald, aber wenn ich dann im Sonnenschein durch den Ort zur Post laufe, nimmt mich die Stimmung doch immer wieder gefangen, ich habe das Gefühl in einer Sonnenstaub-warmen Erinnerungsblase zu wohnen, sobald ich aus dem Hof trete. Ruhig ist es, entspannt und wer sich auf der Straße trifft und kennt, nimmt sich Zeit und wer sich nicht kennt, nimmt sich zumindest wahr und grüßt freundlich. Und arbeitsam ist man, das ganze Jahr über sieht man die Menschen am Haus, im Garten, in den Feldern, beim Holz, auf dem Dach…. es gibt was zu tun und  es wird getan. Das fühlt sich irgendwie gut an. Und nach der ersten Eingewöhnung habe ich festgestellt, mir macht das Spaß, das umtriebig sein. In der großen Stadt habe ich mich lange immer nach freier Zeit gesehnt, ohne eine konkrete Vorstellung zu haben, wie ich diese dann füllen möchte. Meist war das Ergebnis kurzweiliger Natur, so langsam hat sich aber der Kopf vom vielen Ballast befreit und ich  fange an, Pläne anders zu schmieden.
Es ist immer noch zu viel, was ich gerne täte, aber statt tausend Dinge anzureißen, möchte ich gerne ein paar Dinge richtig machen und können. Für mich. Um weiter zu kommen. Mit mir und dadurch auch mit anderen. Und ich möchte gerne mehr praktische Dinge machen, ich verbringe den Großteil meines Tages vor dem Rechner und werde für Kopfleistungen bezahlt – im Endeffekt ist mir das aber zu wenig. Und auch wenn ich selber in dem Bereich arbeite – die Kommunikations- und Beratungsbranche ist mir oftmals suspekt. Zuviel Geschwurbel und ein sich selbst und seine Arbeit zu wichtig nehmen, künstlich konstruierte Sprachmonstereien, die exklusiv wirken und oftmals der Fähigkeit des verständlichen Erklärens zu wenig Wert beimessen. Nein, wer drin ist konzentriert sich auf die low hanging Fruits, sucht den quick Return, hat die Benefits immer im Blick und lean sollte der Ansatz auf jeden Fall sein – immer im Dialog, immer innovativ – die Trends im Blick. Es schüttelt mich.  Da hat sich ein ganzer Arbeitsbereich selbst geschaffen und bläst sich immer weiter auf. Am Ende des Tages sind das tatsächlich die Stellen, die wir vielleicht am wenigsten brauchen. Die Denkerstübchen, die da in intellektuellen Wattewölkchensphären schweben und die Bodenhaftung verloren haben.  Vielleicht bin  ich zu wenig objektiv, aber mir sind einfach zu viele Beispiele untergekommen, in denen die Selbstbeweihräucherung einfach unverhältnismäßig war. Nicht nur, aber oftmals. Warum dann weiter arbeiten in einem solchen Feld? Weil wir es gut können und weil man immer die Chance hat, es anders zu machen. Und es funktioniert und wir merken ganz stark, dass wir einen bestimmten Schlag Menschen als Kunden und Partner anziehen. Allen gemein ist Professionalität, Substanz und die herrlich realistische Einschätzung der eigenen Bedeutung – keine Schaumschläger. Die sollen auch bitte woanders hin gehen.
Aber ich schweife ab, oder nein, es ist eine Erklärung – durch die Arbeit bewegen wir uns in einem fest gesetzten Kontext, der Kreis wird dann erweitert durch Freunde und Bekannte, die man an anderen Schnittstellen wie Uni, Ausbildung oder Hobby kennengelernt hat. Meist ohne große Überraschung. Wenn ich in Neukölln zum Yoga gegangen bin oder in Kreuzberg zum Pilates, konnte ich davon ausgehen dort einem bestimmten Schlag Menschen zu begegnen. Natürlich, wir suchen uns Orte, an denen wir uns wohl fühlen. Auch im Neuen wird irgendwie nach dem Vertrautem gesucht. Als Sicherheit und Orientierungswert. Davon ist einiges weggebrochen mit dem Wegzug aus der Stadt. Wir sind im Gesamtbild des Dorfes ein bisschen anders. Und irgendwann hat bei mir das Verständnis eingesetzt, dass es völlig unangemessen ist zu denken, die sind so anders, sondern vielleicht sind die sich alle vertraut und ich bin hier gerade die Belastung, weil ich verunsichert bin, weil ich andere Runden gewöhnt bin, und doch ziemlich festgefahrene Bewertungsmaßstäbe habe, dafür, dass ich mich immer für recht flexibel gehalten habe.
Wir erliegen da einer Illusion. Gerade in Großstädten wird sich ja gerne automatisch eine Weltoffenheit und –gewandtheit auf die Fahnen geschrieben, die dann auch eigentlich nie einem echten Realitätcheck unterzogen werden muss. Wir sind aufgeschlossen. Punkt. Nicht engstirnig, nicht spießig. Und suchen uns, aufgeschlossene Spießer, die wir sind, dann doch immer das Vertraute, das Gefällige. Aber im Grunde ziemlich anmaßend, wie ich rückblickend sagenmuss. Was macht meinen Bewertungsrahmen zu dem richtigen? Ich  nehme mich da nicht aus. Ich bin im Grunde ein schüchterner Mensch, ich möchte mich erst einmal umschauen, wenn ich irgendwo neu bin. Dann entscheiden, ob und wie ich mich einbringe. Eine Haltung, die nicht ganz passt, wenn einem die ständige Demonstration von Selbstbewusstsein und Kompetenz eingeimpft wird. Konterproduktiv ist das, denn in ihrer Unsicherheit überspielen viele ihre Schüchternheit oder ruhige Art allzu oft mit lautem Getöse, der aggressiven Demonstration von Kompetenz, einer unangreifbaren glatten Oberfläche oder einem unsozialen Gehabe, das im Mantel der sympathischen sozialen Gewandtheit, Rollen zuschreibt, Reviere absteckt, Konkurrenz im Griff behält. Anstrengend sind solche Menschen. Ich habe für mich lange den Weg des Kaspers genommen, schnelle Witze machen, sympathisch auftreten, flüssig reden können und wenig einschüchternd wirken. Hach, schön, kein Grund mich zu beißen.  Aber so lässt es sich nicht gut Widerstand leisten.
Jetzt bin ich lieber ruhig und genieße es.  Und es ist lustig zu beobachten, wer ruhig ist rückt in die zweite Reihe der Wahrnehmung, wird vielleicht erst einmal unter nicht wo wichtig eingeordnet – ich will nichts schönreden, ich habe oft genug selbst so gedacht und mich dann gerne vom Gegenteil überraschen lassen. Aber er ist spannend, der Blick in die zweite Reihe und wenn dann der ein oder andere ruhigere Kopf sich in einer Runde äußert, ist das oftmals auf den Punkt, überlegt und ohne die Selbstdarstellerei der Leute, die denken, sie müssten durch die ausdauernde Führungsrolle im Gespräch etwas beweisen. Halt nein, sie wissen es ja halt einfach besser. Menschen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, 15 ganz verschiedene Menschen saßen da beim Auftakt im Jagdclub. Das wird nicht nur das Lernen eines Handwerks, das wir auch das Lernen mit Menschen. Ich kann es kaum erwarten und werde derweil schon einmal das Bestimmungsbuch bemühen, damit ich nicht ganz bei Minus 10 in Sachen Wald, Flora und Fauna anfangen muss. Es dämmert mir nämlich so langsam, wie wenig ich eigentlich weiß über die Landschaft, in der ich so gerne lebe…. Also steht das Programm fest und jetzt muss der Kopf nur noch ein wenig loslassen, nicht alles wird möglich sein in den nächsten Monaten, wenn ich das Jungjäger-werden ernst nehmen will. Vielleicht ist das nicht der richtige Zeitpunkt für die erträumte Reitbeteiligung,   werde ich nicht die geplanten Kostüme nähen und auch nicht die vielen Fotoideen umsetzen, aber vielleicht werde ich dafür belohnt mit neuem Wissen und Können. Solide und nicht nur schnell-schnell, weil es gerade passt. Für manches muss man wohl einen längeren Atem haben….

Aber das Kochen, das hört nicht auf. Im Gegenteil – ich freue mich schon auf frisches Wildbret. Bis dahin duften andere Dinge durchs Haus:

Mandel-Walnuss-Anis-Kekse
(ich habe jetzt ziemlich lange nicht mehr gebacken, ich wollte Abstand nehmen, von zu viel versteckten Belohnungsmechanismen, aber manchmal passt er gut zum Frühlingssamstagsgrau, der Duft nach Keksen)

250 Gramm gemahlene Mandeln
80 Gramm weiche Butter
100 Gramm gehakte Walnüsse
2 gestrichene Teelöffel gehakten  Anis
Prise Salz
4 Esslöffel Xucker
Frischhaltefolie 

  • Die weiche Butter mit dem Anis, Salz und dem Xucker aufschlagen, dann die Mandeln und Walnüsse untermixen bis ein klebriger Teig entsteht.
  • Den Teig auf der Frischhaltefolie zu einer Rolle formen (ca. 3 cm Durchmesser) in die Folie einschlagen und für eine Stunde in das Tiefkühlfach legen.
  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen, die Teigrolle in Scheiben schneiden (gute 0,5 cm dick) und auf ein Backblech mit Backpapier geben. Etwas Abstand lassen, da sie noch in die Breite gehen,
  • Dann 10-15 Minuten backen, bis die Ränder Farbe zeigen, dann noch für 10 Minuten im angeschalteten Backofen lassen.

Dazu ein Earl Grey……Wochenende…

Guten Appetit!

Berlin – eine angerostete Liebe, die nach Bier riecht und nach Chips schreit (orientalische Topinambur und Süßkartoffel Chips)

Paleo ChipsIch bin jetzt also wieder Tourist. Es scheint, ich habe die unsichtbare Grenze zwischen einstiger Bewohnerin der großen Stadt Berlin und gelegentlicher Besucherin nun wieder zurück in Richtung Tourist überschritten. Verdammt, all die Anstrengungen umsonst… Nein, aber deutlich wahrzunehmen, wie anders ich die Leute in Cafés und Geschäften wahrnehme. Oder vielleicht sind es nicht die Leute, sondern ich selber… Vielleicht hetze ich nicht mehr zielstrebig durch Berlin und bewege mich nicht mehr mit der hart erarbeiteten Selbstverständlichkeit durch Menschenmengen auf Bahnsteigen und an latent genervtem Bar- und Ladenpersonal vorbei. Das Tempo ist wieder langsamer. Ich will zwar wohin, aber ich schaue auch wieder mehr. Habe plötzlich Lust auf Ecken von Berlin, in die ich in über 14 Jahren selten einen Fuß gesetzt habe. Berlin hat so viele Inseln, auf denen man es sich schön einrichten kann, ohne das große Ganze im Blick, hier findet jedes Tierchen sein Plaisierchen und man kann einen stadtteilbezogenen Lokalpatriotismus bestaunen, wie man ihn in der (vielfach) kleinstädtischen Heimat mit Grausen abgelehnt hat. Ich könne doch nicht so schlecht von Berlin sprechen, sagte mir einmal ein lieber Mensch. Tue ich das denn? Es ist eher eine Verschiebung der Wahrnehmung und der persönlichen Prioritäten. Und ich finde es eher erschreckend, wenn ich mit dem Wegzug aus Berlin das Recht auf eine Meinung zur Stadt verloren hätte. Nachdem man sie so lange heiß und innig geliebt, verflucht, aber doch immer verteidigt hat. Berlin, diese treulose Seele, der es Wurst ist, wer sie gerade belagert, bewohnt und formen will. Berlin, selbst so eine ehemalige Pomeranze, die heute verwischten Kajal statt rosiger Apfelbäckchen trägt. Es ist keine Abrechnung mit dem Ort, an dem ich irgendwie erwachsen geworden bin, auch wenn die Stadt eine wahre Oase der sorglosen Lebensgestaltung sein kann. Berlin war Zuhause und ist noch immer der Ort, an dem so viele liebe Menschen wohnen, dass jeder Besuch in der alten Heimat zu einem Termin-Jonglier-Akt wird.

Aber wie in so mancher Beziehung haben die Stadt und ich unsere heiße Phase hinter uns und ich bin gegangen, bevor die Nörgeleien des Beziehungsalltags den Blick verstellten. Und unverstellter ist er nun, der Blick, und ich habe das Gefühl, Berlin hat beim Wegzug noch schnell die rosarote Brille eingehalten, denn irgendwie strengt sie mich an, die schäbige Grande Dame mit dem kreativen Bauchgefühl, dem verschwindenden und oft nur  künstlich herbei geredeten Charme der  Arbeiterin mit der politischen Gesinnung und den Schwielen vom Kohletragen in den vierten Hinterhof… Berlin, die Heimat und Station so vieler schreibender Köpfe war, dass jeder sich mit Berlin-Zitaten und Beschwörungen zudecken kann, ohne einmal einen eigenen Gedanken zur Stadt zu äußern. Berlin, die in Beton und Stein gegossene Geschichte eines Landes. Eine städebauliche Kuriosiät, ein Kaleidoskop der jüngsten Geschichte, das Raum für neue Ideen bot und durch dessen  gebildete Wohnzimmer das Gespenst der Gentrifizierung zieht. Ist man jung, braucht man die billigen Mieten, wird man älter, soll das Kind dann doch woanders (besser) in die Schule gehen – ein wenig Zerrissenheit und Schizophrenität prägen wohl nicht nur der Geist der Stadt, sie übertragen sich auch auf ihre Bewohner.

Berlin, das sind auch ewige Baustellen und nicht mehr enden wollende Touristenströme. Das ist ganz viel warmes Gefühl im Bauch, wenn die Sonne aufgeht und miese Laune, wenn der Winterwind durch die Straßen fegt. Berlin, das ist ganz viel Leben, das man einsaugen möchte und es kann einen allein und einsam ausspucken, wenn man nicht mehr kann, oder traurig ist. Unter den Freundinnen ist Berlin wohl die, die als schlechter Einfluss gilt. Die, mit der man irgendwelche Wahnsinnstaten unternimmt und sich unheimlich lebendig fühlt, die einen aber lässig grinsend mit Rechnung sitzen lässt, sich den alten Nagellack vom Finger zupft und dem nächsten schöne Augen macht. Und dann kommt der Punkt, an dem Berlin für einen eben nicht mehr Sommersprossen trägt, sondern Falten und Spuren einer verlebten Dame. Das hat auch seinen Reiz. Aber manche alte Menschen sind sonderlich und man sieht sie lieber nicht zu häufig. So geht es mir. Und so bin ich aus dem Lager der Berlin-Enthusiasten gewechselt, in das Lager derer, die runter wollen von der urbanen Insel mit ihren Abenteuern und ihren eben auch vielen leeren Versprechungen.  Und ja, auch ich verspüre einen viel stärkeren Drang, mir öfter die Hände zu waschen, wenn ich einen Tag in Berlin unterwegs bin… Und ich habe ein Verständnis entwickelt für Leute, die sagen, Berlin muss nicht sein, oder nicht zum Leben, oder , oder… ich sehe jetzt ein, dass man nicht in Berlin gewesen sein muss. Aber man kann. Und  dann kann man darüber nachdenken und schmunzeln, dass die Lebedame einen nie ganz loslassen wird. Sie nimmt nur einen anderen Stellenwert ein.

Und das wäre dann ein guter Moment für ein Bier. Wenn man Bier trinkt. Ein bisschen gut-schlechtes Fastfood tut es aber auch… Chips.

Orientalische Topinambur und Süßkartoffelchips

Für eine große Schale rechne ich mit entweder 600 Gramm Topinambur und/oder Süßkartoffeln
Kokosöl
Salz
Chiliflocken
Gemahlene Nelken
Gemahlener Kreuzkümmel
Zimt

  • Die Knollen unter fließendem Wasser gründlich schrubben und von Stellen befreien aber nicht schälen. Dann in feine dünne Scheiben schneiden. Möglichst gleichmäßig in der Dicke.
  • In einem Top Kokosöl erhitzen (etwa drei Zentimeter hoch haben bei mir gereicht), bis es richtig siedet, wenn man ein Stück Gemüse reinhält.
  • Nun nacheinander das Gemüse in Portionen frittieren, so das immer alles gut mit Öl bedeckt ist. Bis die Scheiben bräunen und sich leicht wellen. Chips-Esser erkennen den Zeitpunkt! Dann schnell raus damit, bevor sie zu dunkel werden und auf Küchenkrepp abtropfen lassen und in einer Schale sammeln.
  • Nun die Chips großzügig salzen und mit Chiliflocken, zwei Prisen Nelkenpulver, etwas Zimt und Kreuzkümmel würzen.

Dazu passt gut ein bisschen Pâtè, Rillettes  oder ein Auberginen-Dip….

Guten Appetit!

Boulevard-Fitness, neue alte Körper und Curry-Speck-Bomben

Paleo, Essen und trainieren mit MadonnaMein Trizeps schmerzt. Aber wunderbarerweise weiß ich nun, dass auch ich einen Trizeps besitze. Und der wurde gestern mal wieder gequält, so wie der Rest meines Körpers. Ein großes Vergnügen, wenn ich denn erst einmal den wöchentlichen Schritt ins Sportstudio geschafft habe (das klappt seit über einem halben Jahr konsequent, aber immer dieser Kampf, obwohl ich weiß wie gut ich mich danach fühle). Nun war er also getan, der Schritt und meine Nase wollte gerne wieder raus in den Herbstregen. Irgendwie hängt auch Fitnessstudios oft eine Note an wie früher zu engen Turnhallen-Umkleidekabinen. Bleibt wohl nicht aus, wenn man die Leute so kämpfen sieht. Aber die Leute blende ich meistens aus. Ebenso wie die Musik, was mir schwer fällt, denn mit einer Penetranz wird man mit dem Schlechtesten beschallt, was das deutsche Radio zu bieten hat. Da ich solches nicht höre, bleibt der unbestätigte Verdacht, dass es ganz furchtbar viele dieser Sender da draußen gibt, die als Einstellungskriterium für Moderatoren die penetrante gute Laune und die hoch gepitchte Stimme noch vor die Fähigkeit des unablässigen Sinnlos-Gelabers stellen. Ich bin nicht die Zielgruppe und will auch gar nicht behaupten, dass früher alles besser war, aber das, was Sender wie big FM  ihrer jungen Zuhörerschaft den Tag über um die Ohren hauen, ist erschreckend. Und wenn mich jemand fragt, ob ich finde, dass Musik dumm machen kann, würde ich nach einer Stunde im Sportstudio sofort sagen: ja! Das ist Musik, die absolut widerspiegelt, was wir auch auf allen anderen Ebenen erleben: seicht, schnell austauschbar, schnell konsumiert, betäubend und mit falschen Bildern überfrachtet.
Ich mag Sport in der Stille. Aber das ist irgendwie nicht mehr so drin. Auch Jogger sieht man nicht mehr ohne Knöpfe im Ohr. Am besten mit Smartphone, dann kann man noch ein Sport-Selfie mitnehmen. Warum? Und dann noch sagen, man bekäme beim Laufen den Kopf so gut frei? Nö. Nicht wenn er dabei permanent beschallt wird und auch noch überlegen muss, was ein guter Foto-Spot wäre. Was wäre dann mal mit Laufen ohne alles? Nur Laufen und Kopf frei. Ich erinnere mich, dass mein Vater einen alten Fotoband von Fred Rohe aus den 70ern im Regal stehen hatte: The Zen of Running.  Da beseelte noch ein anderer Geist die Schritte. Keine unterstützende App, keine Suche nach den neuesten Nike Running Modellen… Aber ich schweife ab. Die Musik im Sportstudio ist ein Sch… Und ich empfinde sie als eine ähnliche Betäubung der Massen, wie das nachmittägliche Fernsehprogramm und diverse Webformate. Und es geht mir nicht darum zu beweisen, dass ich einen total anspruchsvollen, avantgardistischen, geschmackssicheren Musikgeschmack habe. Nö. Am allerliebsten sind mir tatsächlich Ruhe, Katzenschnurren und leisere Klänge. Und die aktuellen Klänge des Industrie-Mainstreams ängstigen mich. Auch und vor allem wegen der Maschinerie, die dahintersteht.

An Musik musste ich beim Sport auch denken, weil ich irgendwo auf ein ganz entsetzliches Bild von Madonna gestoßen bin. Heldin meiner frühen Jugend und das erste selbstgekaufte Album. Das Like a Prayer Album.
Heute mag man der Frau, die so gefangen scheint in einer Sportsucht und an einem recht bizarren Erscheinungsbild arbeitet, kaum mehr ins das maskengleiche Gesicht schauen. Im Text zum Bild stand, dass Madonna ein Fitnessstudio in Berlin eröffnet hat. Und dass man dort beim Trainieren überall Madonna-Bildnisse im Blick hat, ordentlich bildbearbeitet natürlich. Hätte ich keinen Bock drauf. Ich will mit 50 nicht aussehen wie Madonna. Ich will in Würde älter werden. Mit Respekt mir selbst gegenüber und nicht getrieben von  Werbeversprechen und Schönheitswahn. Das kann nur schief gehen, raubt kostbare Energien und lässt einen unbefriedigt zurück.
Und auch die Fotos von photogeshoppten Hintern, die bei uns im Fitnessstudio gerade als Werbeplakate hängen, nerven, ärgern mich. Zum einen hätte so einen Hintern nur ein geschätzt elfjähriges Mädchen und dann wäre die Pose mehr als fragwürdig und er ist so unglaublich bearbeitet, dass ich mich einmal mehr frage, für wie dumm wir uns eigentlich noch verkaufen lassen wollen. Frauen wird hier ein unerreichbares Ziel vor die Nase gehängt und die herrschende Unsicherheit dem eignen Körper gegenüber wird weiter befeuert, damit dann los rennt und sich wieder etwas kauft um ins Gleichgewicht und der Wunschfigur ein Stück näher zu kommen. Bei den Jungs und Männern wird der Porno-Ästhetik-Knopf gedrückt.

Übrigens habe ich das Gefühl, dass sich viele in der wild pubertierenden Schüler-Generation nicht nur gleich kleiden. Nein, sie trainieren sich auch ähnliche Körper an. Arme Jungs, die bloß nicht auffallen wollen. Und dasselbe bei den Mädels. Und nicht erst sei heute. Vor zwei Jahren saß ich im Sommer mit Freunden zusammen und wir sprachen über das Badeschiff in Berlin. Schon eine Besonderheit, aber an langen heißen Tagen zu klein, zu eng, zu voll und zu sehr Schaulaufen.
Ein Bekannter meinte in dem Gespräch, dass er auch das Gefühl habe auf zunehmend genormte Körper zu schauen, wenn er an solchen Orten ist. Viele Menschen würden sich wahrscheinlich gerne alles Natürliche, sprich Unangepasste, Individuelle, zu Gunsten einer gesellschaftlich akzeptierten Künstlichkeit abtrainieren und umgestalten.  Ich habe mit Erstaunen gelernt, dass man sich die Wimpern auf Zeit verlängern lassen kann. Für die perfekten Nägel gibt es künstliche Nägel, BHs, Kissen oder Implantate für den Busen oder Po. Shape Wear für das heiße neue Kleid, wenn man beim Sport faul war.  Extensions, wenn die Haare zu langsam wachsen, falsche Bräune eh… und und und…Ich komme mir ja fast schon schlecht vor, dass mein Maximum zur Zeit Mascara heißt. Da darf man sich ja kaum unter Leute trauen.
Ne, quatsch. Darf man und muss man. Ich hätte mich nur nie auf dieser Seite gewähnt und war lange, zu lange, anfällig für allerlei Versprechen. Und wenn man gerade dabei ist mit dem Großwerden klarzukommen, ist es nochmal schwerer, klar.
Aber es müsste nicht so sein. Damit kommen wir nicht auf die Welt, mit diesen Bildern. Aber wir kriegen es vom ersten Moment an rein gedrückt.
Wahr bleibt aber auch, dass man Ausstrahlung nicht kaufen und nicht erzwingen kann. Diese Kleinigkeiten, die gerade auch im Individuellen liegen, die den Charme eines Menschen ausmachen. Sein Aussehen viel mehr bestimmen, als jedes Paar Schuhe und jede neue Tasche oder oder oder…Wenn man sich das nun aber mühsam abtrainiert und es begräbt…  Dann bleibt nicht viel. Nicht viel was Interesse weckt. Aber vielleicht bekommt die Gesellschaft dann im Endeffekt endlich die austauschbaren, leicht konsumierbaren Konsumenten, die sie sich wünscht.

Und wenn man aufmerksam bleibt und das Sportstudio nicht zu einem weiteren Kampfplatz im Krieg mit dem Selbst macht, ist das durchaus ein Ort wo viele dieser Themen sichtbar werden. Wenn man hinschauen will.

Und abgesehen davon, dass immer mehr meiner Muskeln sich angenehm schmerzhaft an den gestrigen Tag erinnern, gab es auch was zu essen. Mit ganz viel Curry. Denn bei den Gewürzen finde ich, sollte man mitunter durchaus maßlos sein. Und schnell ging es auch. Für müde, zufriedene Menschen, die alles mögen, was ohne viel Aufwand in eine Form oder einen Topf passt.

Curry-Hackfleisch-Speck-Bällchen mit Süßkartoffeln aus dem Offen

250 Gramm Hackfleisch (ich mag am liebsten reines Rinderhack, hier war es gemischt)
1 Zwiebel
11 Streifen Speck (entsprechend der Anzahl der Bällchen)
2 mittel-kleine Süßkartoffeln
Olivenöl
Curry
1 scharfe Chilischote
Salz
Pfeffer
gemahlenen Ingwer

  • Die Zwiebel schälen und fein würfeln.
  • Das Hackfleisch mit großzügig (hier waren es drei große Löffel) Curry, den Zwiebeln, etwas Salz und Pfeffer verkneten.
  • 11 kleine feste Bällchen formen und diese in jeweils in einen Streifen Speck rollen.
  • Die Süßkartoffel schälen und in gleichmäßige Scheiben schneiden. IN einer Schüssel mit 1 Teelöffel Curry, der gehackten Chilischote, einem halben Teelöffel gemahlenen Inwger und etwas Salz sowie dem Öl vermischen.
  • Nun die Hackbällchen und die Süßkartoffeln in eine Form geben.
  • Bei 200 Grad um die 25 Minuten in den Ofen, bis der Speck kross und die Süßkartoffeln weich sind.

Dazu passt einmal mehr Chutney, ein Klacks Butter oder ein Löffel Jogurt, wer Joghurt verträgt.

Guten Appetit!

Heimat-Sein und Kuchenduft-Sicherheit mit Mandelkugeln

Mandel Kugeln Low CarbHeimat. Das rutschte mir heute so raus, als wir uns über die Autobahn, an Idstein vorbei, dem mittlerweile vertraut neuem Zuhause im Taunus näherten. So unattraktiv in ihrer Unbeirrbarkeit die Autobahn in ihrer grauen Geradlinigkeit auch war und so beängstigend dicht sich die Menschen in der Isolation ihrer  zu schnell fahrenden Autos auch drängten, war da doch auch der Blick über, dem Auge schmeichelnden Hügel in einen herbstlichen Himmel und es fühlte sich einfach an, wie sich nach Hause kommen anfühlt. Dabei war ich gar nicht lange weg, aber  die Freude, wieder dort anzukommen, wo ich am liebsten bin, war so eindeutig, dass ich kurz die Frage in den Raum stellte, ob das kleine Dorf jetzt eigentlich unser Zuhause oder doch schon Heimat ist.

Ich habe mich mit Heimat immer schwer getan. Der Ort in dem ich aufwuchs, ist nicht mein Geburtstort, wir sind öfter umgezogen als andere und da mein Auszug sich mit räumlichen Veränderungen in den elterlichen Begebenheiten überschnitt, hatte ich fortan auch kein Kinderzimmer mehr, in das ich zurückkehren konnte. Das fand ich anfangs befremdlich und hatte so eine gewisse Sehnsucht, mit der Rückkehr in die Heimatstadt auch jedes Mal wieder in alte Rahmenbedingungen zurückkehren zu können. Wenn schon Erwachsenwerden, dann doch bitte mit der Sicherheit immer mal wieder zurück unter die Decke der eigenen Geschichte schlüpfen zu können und sich in der Sicherheit des Bettes aus Jugendtagen vom Taumel und den Schrecken der großen Welt erholen. Dachte ich.  Und in Ermangelung dieses imaginierten Horts der Sicherheit badete ich mich ein bisschen in dem Bild des aus dem Nest gefallenen Vogels.
Einige Jahre und Wohn- und Lebenserfahrungen später muss ich sagen, dass mir da eine dieser wertvollen Lektionen vermittelt wurde, die man erst im Nachhinein so richtig wahrnimmt, wenn überhaupt. Ich definierte für mich Heimat als etwas, das in etwa der Kuschel-Ästhetik der Rama-Familie entsprach, so mit Familienmittagessen am Sonntag, Hohes C zum Frühstück  und frisch gewaschenen, weichgespülten Wäschestapeln für die  Rückkehr in die Studentenwelt. Dabei war ich nicht in einem solch gekünstelten Arrangement groß geworden, woher dann also diese plötzliche Sehnsucht nach etwas, das mich erstickt hätte, wenn es sich plötzlich in die Realität verwandelt hätte. Meine Eltern haben mich immer ernstgenommen, ich habe, seit ich alt genug war, immer gerne eine Zigarette mit meinen Eltern geraucht und ich musste mir zwar Kritik gefallen lassen, aber meine Lebensweggestaltung lag ganz bei mir. Trotzdem, oder gerade deshalb, war da eine Zeitlang die Überzeugung, gar keine Heimat zu haben, da ich sie nicht an so oberflächlichen Maßstäben festmachen konnte. Irgendwann betonte ich dann Berlin als meine Heimat, stand ja dann auch im Ausweis – Und Du so? Ich bin aus Berlin…Obwohl auch das immer untermalt war mit dem Gefühl einer gewissen Endlichkeit – da musste noch mehr sein. Nur lange Jahre habe ich mir das nicht eingestanden. Hatte ich doch endlich einen benennbaren Ort, der noch dazu was hermachte. Mit einer gewissen Faszination begegnete ich immer wieder Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zum Ort und zu den Leuten ihrer Herkunft pflegten, auch über die Distanz hinweg. Jedes Jahr Weihnachten oder zu anderen Terminen war das Wiedersehen vorprogrammiert. Bei mir gestaltete sich das irgendwie anders. Ich dachte halt nur, immer diese Gewissheit der wiederkehrenden Routine sei Heimat und somit etwas, das ich vermisste.

Aber wenn ich selber mal an solch wiederkehrenden Ritualen teilnahm merkte ich, dass es nicht so harmonisch war, wie ich mir das verklärt hatte. Natürlich, die Freude des Wiedersehens, aber oftmals auch der große heimliche Abgleich, wie sieht er sie aus, was machen die anderen Dolles und die eigene Inszenierung. Fühlte sich nicht so an wie sich Heimat anfühlen sollte. Dann die Momente mit den lieben Freunden in der großen Stadt Berlin, die gemeinsamen, ganz besonderen Entdeckungen und Erlebnisse, die sich so lebendig anfühlten, dass man sie nie wieder vergessen wollte, das behagliche Gefühl des Beisammen- und Aufgehobenseins. Heimelig, Aber schon Heimat? Immer noch geplagt von Heimat-Wohlfühl-Sehnsüchten dann weiterziehen durch dies seltsame Erwachsenwerden und den eigenen Weg finden. Entscheidungen treffen, Ziele definieren,  Abwägungen, mutig sein, sich aufmachen. Und dann plötzlich heute: Heimat. Laut ausgesprochen. Auf der Rückfahrt aus der Heimatstadt des besonderen Menschen und die wunderbar warme Erkenntnis, dass ich eine Heimat habe, schon eine ganze Zeit.

Diese Heimat ist bei diesem Menschen und das ist sie, weil sie in allererster Linie in mir selbst liegt. Und wenn ich mir selbst diese Heimat  gestalten kann, wenn ich mir selbst dieses heimelige und sichere Gefühl geben kann, dann ist die Heimat überall. Überall dort wo ich bin. Und sie ist nicht gebunden an einen Ort oder bestimmte Dinge. Denn im Prinzip kann ich erst dann selbst bestimmen, was und wo für mich Heimat ist, wenn ich die materiellen Dinge dafür gar nicht brauche. Erst dann ist mein Zuhause auch meine echte Heimat und dann kann es auch ein Mensch sein und ich für einen Menschen.

Und ganz ehrlich, Paleo hin oder her, wenn es Besucher glücklich macht, würde ich ihnen schweren Herzens auch ein Glas Hohes C hinstellen zum Frühstück.

Lieber aber backe ich etwas heimelig Duftendes für das extra bisschen Wohlfühl-Kitsch.

Mandelkugeln

200 Gramm feines Mandelmehl aus blanchierten Mandeln
5-6 gute Esslöffel Gucker
40 Gramm Butter
1 Eiweiß
Vanille
Zimt
Dunkle Schokolade (90%)
Gehackte Mandeln

  • Die Butter schmelzen und den Xucker hineinrühren.
  • Mandelmehl,  Vanille und Zimt mischen. Die Butter-Xucker-Masse hinzu geben, das Eiweiß unterrühren und nun alles schön gründlich mit den Knethaken kneten bis eine geschmeidige, Masse entsteht, die sich gut zu Kugeln formen lässt.
  • Die Kugeln in den Mandelsplittern wälzen und auf ein Backblech mit Backpapier geben.
  • Im vorgeheizten Ofen bei 190 Grad ca. 15 Minuten backen, sie sollen goldbraun aber nicht zu dunkel werden.
  • Abkühlen lassen, die Schokolade schmelzen und nun jeden Mandelball nach Geschmack mit Schokolade krönen.

Wenn diese fest ist: Guten Appetit!

 

Bücher für die anderen, Rituale und zwei schnelle Freuden (herzhaft und süß)

Lesen und EssenLesen. Wenn mich jemand fragt, womit ich mich, neben der gedanklichen und praktischen Auseinandersetzung mit Essen, am liebsten beschäftige, dann ist die Antwort eindeutig für mich: lesen.
Bücher sind mein liebster Ort neben dem schönen Zuhause, wenn die Sonne durchs Fenster scheint, die Katze schnurrt, der besondere Mensch anwesend ist und alles für den Moment so schön ist, dass man kurz die Luft anhält, damit es nicht weg geht. Oh, ich schweife ab in Freitags-Harmonie.

Als Kind habe ich allabendlich darum gebettelt, dass die Vorlesezeit ausgeweitet wird und kaum ordneten sich die Buchstaben des Alphabets für mich zu Worten, habe ich selber angefangen Bücher zu verschlingen. Und dann konnte es schon mal vorkommen, dass meine Mutter mich beim blöden Blockflöten-Unterricht wähnte (das einzige was mir daran gefiel war, dass ich zum Vorspiel Rüschensocken durchsetzen konnte), während ich in Wahrheit vergessen hatte loszugehen und auf dem Boden lag und las.  Und diese Faszination für geschriebene Welten zieht sich durch mein Leben, wobei ich dabei einige Wandel durchgemacht habe. Als Kind habe ich viel zu früh auch immer mal in das elterliche Bücherregal gegriffen und Sachen gelesen, die sich meinem Erfahrungshorizont entzogen und deren Schnipsel mir heute manchmal noch einfallen. Da war ein Buch über ein Gehirn in einem Tank in einem Labor…ich weiß es nicht, aber das war es, was es mich immer fasziniert hat: dass Bücher einem Bekanntes ganz neu und Unbekanntes ganz vertraut zeigen können. Sie geben Antworten oder hinterlassen Fragen und treiben einen so an sich mit bestimmten Themen weiter auseinander zu setzten und aufs ganz Wunderbarste wächst man so an seiner Lektüre.

Und ja, das hängt natürlich auch von der Lektüre ab. Und das meine ich jetzt nicht mit intellektuell-bildungsbürgerlich erhobenem Umblätter-Zeigefinger, der mahnend auf den Kanon der 100 wichtigsten Bücher verweist, die einem bekannte Leitmedien in regelmäßigen Abständen immer wieder zusammenstellen und dabei am Besten noch den Untergang aller Kultur proklamieren, wenn die Jugend die literarischen Pappenheimer nicht mehr aus dem Effeff zitieren kann. Davon halte ich nicht viel. Zu lesen, was man gemeinhin halt lesen sollte, nur um zu sagen, dass man es gelesen hat, ist sinnlos. Ich glaube nicht, dass dann viel hängen bleibt. Neugier ist der wohl schönste Motor, der einen in der Büchervielfalt vorantreiben kann.

Neugier, Interesse und eine offene Einstellung. Dann können einem ganz wunderbare Begegnungen mit Büchern passieren und es werden einem Geschichten geschenkt, die berühren, denn auch wenn es kitschig klingt: Es liest halt mehr als nur der Kopf. Und manche Bücher bleiben bei einem, weil ihre Geschichte so wundervoll ist oder ihre Sprache so besonders und fesselnd. Leider gibt es da aber auch Unmengen von Büchern, die sind wie Fernsehen an einem Nachmittag unter der Woche. Nach einem Baukastenprinzip an der Zielgruppe ausgerichtet. Auf Spannung, Voyeurismus und  Ersatzbefriedigung, Betäubung ausgelegt. Das sind Bücher, die man wohl kein zweites Mal in die Hand nimmt, die die falsche Form von Abtauchen bringen und den Leser auch etwas unbefriedigt zurücklassen. Beispiele kennt wohl jeder: schnell gestrickte Krimis, peinliche Romantik- ,Erotik- oder Historienschmonzetten… Jeder hat doch Buchleichen in der nicht so auffälligen Ecke seines Regal versteckt. Ja, ich stehe jetzt einfach mal dazu. Ich habe eine Zeitlang gerne skandinavische Krimis (und da gibt es sehr gute, aber nicht nur) und auch mal einen Baukasten Stephen King gelesen.

Und, als Studentin der Geisteswissenschaften und einem gewissen intellektuellen Druck verspürend, lagen diese Bücher nicht ganz so offensichtlich rum wie die französische Ausgabe der Monde Diplomatique. Die ich natürlich im Original lesen konnte. Und mit dieser Verschleierungs- und Gaukel-Taktik stand ich sicherlich nicht allein da. Gerade in der großen Stadt Berlin wird nicht nur darauf geachtet, was Du trägst, sondern auch das Buch, das während der U-Bahnfahrt gezückt und  mit angemessen attraktiv geknautschter Stirn gelesen wird, ist ein Statement, das Gleichgesinnten zuzwinkerte „Hey, ich gehöre auch dazu!“ und Anderslesenden das geschriebene Brauenrümpfen zeigte. Rückblickend tut es mir leid, dass ich mich von diesem betont intellektuellen Getue, in das man als Student allzu schnell gerät, so habe hinreißen lassen.  Traurig, dass das nötig war und viele bleiben darin verhaftet, da wird dann mit Namen um sich geschmissen, die man dem letzten Wochenend-Feuilleton entnommen hat und die Spielregeln sehen vor, nicht zu genau nachzufragen. Denn Vorsicht: Nicht jedes beeindruckend gefüllte Buchregal wurde auch gelesen! Und wenn man dann in ehrlich gemeinter Bewunderung als Gast vor dem Regal steht und Interesse äußert, das über Bewunderung hinausgeht, ist der arme Gastgeber vielleicht genötigt leise vor sich hin zu grummeln, dass man das Buch noch nicht gelesen hat, oder ihm nichts abgewinnen konnte. Das ist nicht gut und sorgt für unangenehme kleine Momente. So sollte es nicht sein! Ich würde mich freuen, wenn mir dann mal jemand sagen würde: „Ganz ehrlich, ich dachte dass muss man haben und fand es so unverständlich und pfurztrocken im Vorwort, dass ich es nicht gelesen habe.“ Das wäre schön und eine Erleichterung und ich würde dieser Ehrlichkeit tiefsten Respekt zollen, ich würde es auch sagen. Mittlerweile, aber das war auch ein Prozess. Heimlich „Schund“ lesen – ein schlimmes Laster, nicht wahr? Nein, durchaus verzeihbar.
Die Lesegewohnheiten haben sich mittlerweile geändert. Belletristik und Krimis müssen mich heute deutlicher überzeugen als früher. Immer öfter greife ich nach Sachbüchern, da es einfach so vieles gibt, was ich wissen, lernen und verstehen möchte.

Das mit schönste Lesen für mich aber ist das Vorlesen. Ein Ritual, das sich vor gut zwei Jahren eingeschlichen hat und immer mehr Raum einnahm. Es ist so ein schöner Moment, Geschichten mit jemanden teilen zu können und über Bücher zu reden und im Lesen einfach eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, in Geschichten einzutauchen und diese in der Erinnerung zu teilen, wie einen gemeinsam verbrachten Urlaub. Ich kann nur für viel mehr Vorlesen plädieren!

Und beim Vorlesen wird noch einmal ganz neu auf die Auswahl der Lektüre geblickt. Geschichten und Erzählkunst stehen hier im Vordergrund. Wer vorlesen möchte, dem kann ich als Einstieg nur Michael Ende oder Rafik Schami  empfehlen.  Allein das Erlebnis, einen Kindheitsbegleiter wie Momo noch einmal zu lesen, jetzt wo man in der Welt der erwachsenen grauen Herren angekommen ist – es lohnt jeden Buchstaben.
Und manchmal verfliegt dann so viel Zeit mit den Büchern, dass es mit dem Essen ganz schnell gehen muss. Deshalb ein Abendessen und etwas nur halbvernünftiges Süsses für zwischendurch zum Lesetee.

Bohnen mit Speck (Eine bereits erwähnte Beilage, die mit mehr Speck eine Hauptrolle verdient hat)

500 Gramm grüne Bohnen
Schmalz
2 mittelgroße Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
150-200 Gramm Speck in Würfeln
Salz
Pfeffer
Rotweinessig

  • Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln.
  • Mit dem Speck in großzügig Schmalz andünsten, bis der Speck knusprig wird.
  • Nun die Bohnen dazugeben, guten salzen und pfeffern und etwa 12-15 Minuten knackig dünsten.
  • Zum Ende noch einen Schuss Essig dazu: Fertig.

Ganz wunderbar schmecken die Bohnen auch lauwarm bis kalt,  mit noch etwas extra Olivenöl und einem Löffel Chutney …Oder zu Fleisch.

Aprikosen-Kokos-Konfekt (ganz köstliche kleine Kugeln, aber bitte nicht zur Gewohnheit werden lassen! Ich stehe dem massiven Fruchtzucker kritisch gegenüber, aber ab und zu und wohl dosiert…..)

200 Gramm getrocknete, unbehandelte Aprikosen
75 Gramm Kokoschips
1 Teelöffel reineVanille
Kakaopulver
Kokosraspeln

  • Die Aprikosen zwei – drei Stunden in lauwarmen Wasser einweichen (sonst fängt der Pürierstab schon mal an zu qualmen..).
  • Die Aprikosen abgießen und mit den Kokoschips und der Vanille schön mit dem Pürierstab bearbeiten, bis die Stücke immer feiner werden und sich aus der Masse schöne Kugeln formen lassen.
  • Diese nun einfach pur belassen oder wahlweise in Kokosflocken oder Kakao wälzen.

Guten Appetit!

 

Das mit dem Brautkleid und dem Blaukraut

Rotkohl SalatEs ist schon etwas seltsam, mitten im Taunus zu sitzen und daran zu denken, dass heute eine sehr gute Freundin im fernen Mexico heiratet.
Lange Jahre haben wir uns durch das Erwachsenwerden in der großen Stadt Berlin begleitet, haben Sonnenaufgänge geteilt und seltsame Dinge durch die Stadt geschleppt. Klamotten getauscht und die Welt besprochen.
Sie war meine Trauzeugin und hat mich sehr bestärkt, als ich mich in Bewegung setzte, die Stadt zu verlassen. Und während es bei mir in Richtung Dorf ging, zog es sie, des Herzens wegen, nach Mexico City.

Das ist ganz schön weit weg. Und das macht es manchmal ganz schön schwer, da man sich nicht so einfach treffen kann und auch feststellt, dass sich Beziehungen verändern, weil jeder einen neuen Lebensrhythmus hat, mit ganz eigenen Wichtig- und Nichtigkeiten.
Natürlich passiert so etwas nicht über die Nacht, ich kann da nur für Mädchenfreundschaften sprechen, aber sicher gibt es da Grundsätzlichkeiten, die auch Männer erleben.
Es ist ein großes Geschenk, wenn man Freundschaften lebt, die einen durch wichtige Zeiten begleiten, in denen man all die kleinen und großen Verrücktheiten und besonderen Momente erlebt, die noch Jahre später für eine Geschichte gut sind und die Augen zum Glitzern bringen – Partners in Crime oder wenigstens beim Großwerden.

Verändern tut sich dann schon etwas, wenn einer oder beide plötzlich noch eine (Liebes-)Beziehung  in ihr Leben lassen. Dann verschieben sich die Gewichtungen und Rollen werden neu definiert.
Das ist nicht immer einfach und schmerzfrei, aber es gehört wohl dazu. Mitunter ist es auch aufreibend, irgendwie sind wir ja auch geprägt von Bildern, die uns suggerieren, dass wir uns ständig mit vielen Menschen umgeben sollen, unsere Beliebtheit offen vor uns her tragen sollen und somit zeigen, dass wir dem Bild entsprechen und konforme Gesellschaftstiere sind. Je mehr Leute einen mögen, desto sicherer kann man ja sein, dass man nicht aneckt und alles richtig macht.

Ich mag Menschen, sogar sehr. Auch wenn ich vieles, was sie tun, nur schwer nachvollziehen kann. Und ich weiß um den Wert echter Freundschaften. Aber ich habe für mich auch gelernt, dass mir eine kleine Gruppe wahrer Freunde wichtiger ist als eine immer größer werdende Schar von Freunden, deren Bekanntschaft sich auf lange Nächte an der Bar beschränkt und wo das Bindeglied der Taumel des Stadtlebens ist und wenig mehr. Klingt blöd, ist aber so. Und man muss nur einmal aus der Stadt wegziehen und man wird schnell merken, welche Kontakte mitwachsen und wo anscheinend die Verbindung einschläft. Und das ist völlig ok. Trifft man sich dann durch Zufall, ist es nett aber zeigt auch, dass man seine begrenzte Energie auch auf bestimmte Menschen konzentrieren darf und nicht wie Smarties damit um sich schmeißen soll. Smarties sind eh Mist und außerdem musste ich die  in Kindertagen (und darüber hinaus) immer zwanghaft nach Farben sortieren… aber egal.
Nein, Freundschaften sollte man eben so weise und mit Bedacht wählen, wie die Konflikte, auf die man sich einlässt.

Nun habe ich mich allein schon durch die Entscheidung, mein Leben umzukrempeln, räumlich sehr aus allem zurück gezogen, das schafft automatisch eine Distanz und erlaubt auch andere Perspektiven. Aber es hat auch schöne neue Türen geöffnet und Freundschaften neu definiert, wie das in dem letztlich immer gleichen Umfeld der großen Stadt wohl nicht passiert wäre. Wenn mich jemand fragt, ob ich mich einsam fühle – kein Stück. Und ob das nicht zu nah ist, so arbeiten und leben und lieben mit ein und demselben Menschen. Dann muss ich mich wundern, wenn ich mir mit diesem Menschen nicht alles hätte vorstellen können, hätte ich ihn nicht geheiratet. Und ja, da steckt auch Arbeit drin. Wie in jeder Beziehung und wer da den Kopf schüttelt und sagt bei mir ist alles Eierkuchen, da erlaube ich mir ein Stirnrunzeln. Menschen mit ihren Besonderheiten, persönlichen Geschichten, Verletzungen, Ticks und Ängsten, bedeuten immer auch etwas Arbeit, wenn man sie zusammen steckt.  Und meist sind es Ehrlichkeit und Austausch, die hier den Weg ebnen und es ermöglichen, dass man sich auf einer Ebene begegnet, die ermüdende (Macht-)Spielchen und frustrierende Projektionen vermeidet. Und damit spart sich gleich eine ganze Menge der Dramen, die in vielen Beziehungen so häufig passieren und mitunter noch als Leidenschaft gedeutet werden, dann braucht man nicht so genau hinzuschauen.

Meiner lieben Freundin in der Ferne wünsche ich, dass sie diesen Menschen gefunden hat, der ihr Herz sieht und der weiß, wer sie ist, welch kostbarer und besonderer Mensch. Ich wünsche ihr von Herzen alles Glück und alle Energie, die es vielleicht auch manchmal braucht und einen ganz besonderen Tag. Eines weiß ich mit Sicherheit: Egal wie das Brautkleid aussieht, sie wird besonders schön sein.
Und so werde ich in wenigen Stunden ganz fest in die Ferne denken, mit einem Rührungsklops, weil ich so unheimlich sentimental bin und wir so viel erlebt haben. Und ich weiß nicht, was sie dann essen werden an diesem besonderen Tag im fernen Mexiko.
Ich werde mir einen Rotkohlsalat machen, weil es schnell geht und mehr Zeit für Rührung bleibt und weil ich die Farbe so mag.

Orangen-Rotkohl-Salat mit Walnüssen

Einen halben Rotkohl (oder einen ganzen kleinen)
1 große Orange
2 Handvoll Walnüsse
Apfelessig
Olivenöl
Kürbiskernöl
Salz
Pfeffer

  • Den Rotkohl mit einem Messerin feinde Streifen schneiden und gut durchwaschen.
  • Die Orange filetieren und in kleine Stücke schneiden.
  • Die Walnüsse klein brechen in der Pfanne anrösten.
  • Den Rotkohl mit Apfelessig, Olivenöl, Kürbiskernöl, Salz und Pfeffer anmachen. Ruhig großzügig sein mit dem Kürbiskern Öl, der Geschmack passt so gut.
  • Die Orange und die Nüsse unterheben und alles gut durchziehen lassen (1-2 Stunden).

Ein schöner knackiger Salat zu Fleisch oder auch einfach mit gerösteten Speckwürfen. Hält sich wunderbar ein paar Tage im Kühlschrank, wenn man zu viel gemacht hat. Wer mag kann ihn sich dann immer neu verfeinern und noch einen Apfel rein schneiden.

Guten Appetit!