Zwei: ganz schön viel und ganz schön schön. Und manchmal einfach schnell und fettig: Bauchscheiben mit Bohnen

Bauchscheiben mit BohnenDoppelpack. Meinte der nette Agenturpartner grinsend, als wir zusammensaßen, Projekte besprachen und noch einmal drauf zu sprechen kamen, was uns ins Rhein-Main-Gebiet getrieben hat und wie unser spezifisches Geschäftsmodell aussieht. Und er hatte vollkommen Recht. Der besondere Mensch und ich leben zusammen und arbeiten zusammen. Und da wir uns da besonders gut ergänzen, haben wir aus diesem Mehrwert ein Geschäftsmodell gemacht. Es funktioniert.
Das heißt aber auch, dass wir auf uns und unsere Beziehung Acht geben müssen. Privates gehört nicht ins Büro und fachliche Auseinandersetzungen dürfen nicht Stellvertreterscharmützel für tiefergehende Themen sein. Es funktioniert auch, weil wir eine Beziehung auf Augenhöhe führen, in der keine Spielchen gespielt werden und keine manipulativen Knöpfe gedrückt werden. Ohne Neid, wer was besser kann und ohne das Gefühl stehen zu bleiben, wenn der andere vorwärts geht.
So schön das ist, geschenkt gibt es das nicht.

Aber das Ergebnis ist es wert. Und da es nach ehrlichem Durchspielen des Gedankens tatsächlich verblüffend leicht war, neben dem Leben auch das Arbeiten zusammen zu legen, irritieren mich die Nachfragen, die wir doch öfter bekamen, ob das nicht zu eng sei und die Feststellung: „Ich würde das nicht wollen“. Beziehungen sind etwas Persönliches, ebenso die Entscheidung, wie man diese führt und ich kann nur für mich sprechen, aber ich fände es schade, wenn ich den Arbeitsplatz bräuchte um Zeit für mich zu haben. Hat man da ja auch nicht und wenn man so sehr raus muss aus dem Zusammensein, ist vielleicht die mitunter schmerzhafte Frage angebracht, was einen forttreibt.

Das man Dinge rein für sich und ohne den Partner tut, ist doch völlig klar, man ist ja glücklicherweise kein siamesischer Zwilling, aber tatsächlich geht es Beziehungen zu führen ohne ständig Kompensation zu brauchen. Wer mit einem Partner an seiner Seite dennoch immer wieder los zieht um sich Bestätigung für äußerliche Zuschreibungen wie Attraktivität, Leistungen oder etwas Abwechslung sucht, der macht sich das Leben unnötig kompliziert und sollte sich hinsetzen und überlegen, was er wirklich sucht und wen.  Wer ständig mit Freunden das Gespräch über den Partner führt und eine Liste von Kritikpunkten mit sich herumträgt, sollte mutig sein und mit der betroffenen Person sprechen und vielleicht auch mit sich selber. Wer das Gefühl hat zu stagnieren, ist gefragt sich hinzusetzen und zu überlegen, was man ändern kann und ob es in dem Beziehungsgeflecht möglich ist. Und man muss reden, den anderen mit ins Boot holen. Gedankenlesen bleibt schwer, auch wenn man sich sehr gut kennt und ich persönlich finde es fatal, wenn Menschen ihrem Umfeld mit der Haltung begegnen, die anderen müssten ihre Wünsche erraten und wenn sie dies nicht tun, ist man furchtbar verletzt und enttäuscht. Enttäuschung – das ist eh eines der Tretminen-Totschlag-Worte schlechthin. Wer enttäuscht ist und dieses so weitergibt, impliziert damit auch, dass er die Rollen und eventuellen Schuldzuweisungen schon verteilt hat. Ein Knopf wird da gedrückt, der mächtig wirken kann, denn niemand mit einem Mindestmaß an Empathie und Selbstreflexion enttäuscht gerne andere Menschen. Enttäuschung ist ein wahrer Diskussionskiller und mitunter  ist es lohnenswert, dann einfach still zu sein oder dieser Diskussion nicht zu folgen. Aber weil es so ein machtvolles Wort ist, wird es so häufig benutzt. Und der Empfänger sitzt da und im für ihn zumeist wenig lohnenswerten Fall des Bemühens, die Enttäuschung ungeschehen zu machen, wird man in ein Hamsterrad geschickt, das nur zu oft wieder bei der nächsten Enttäuschung stockt…und von vorne…Dann ist es vielleicht Zeit aufzuräumen, oder auszusteigen. Stilles Leiden, das kommt oft noch hinzu und lässt das Gegenüber ebenso ratlos zurück, im Versuch den Glitzerstatus wiederherzustellen. Es gibt so viele Mechanismen, wie man sich gegenseitig das Leben schwer machen und eine Beziehung in bewusste oder unbewusste Machtkämpfe oder Energiesaugorgien verwandeln kann. Die plötzlichen Stimmungswechsel, die am Horizont lauernden, abwertenden Bemerkungen, enervierender Tonfall, Respektlosigkeit, überzogene Anspruchshaltungen… eine endlose Liste an Manipulations- und Verteidigungsmöglichkeiten, die wir uns zurechtgelegt haben. Gepaart mit einer weit verbreiteten Wortlosigkeit, oder dem vermeintlich klärenden Gespräch, das oftmals nur zur Bühne der narzisstischen Anspruchshaltung eines oder aller Beteiligten wird.

Aber ist ja auch klar, im erwachsenen Alter begegnet man sich eben nicht mehr im Zustand emotionaler Unversehrtheit. Da wurden  Herzen, das eigene und das anderer, bereits verletzt. Hat man sich Taktiken angewöhnt und sucht. Und weil wir ja lernen nach außen hin zu suchen und nicht zuerst in uns selbst, scheint diese Suche nie zu enden. Und natürlich werden wir nur all zu oft enttäuscht. Und egal wie abgeklärt und aufgeklärt wir sind, sie sitzen irgendwo in unseren Hinterköpfen, die Stereotypen der perfekten, märchenhaften Beziehungen. Und die Ausdrucksformen, wie sich diese große Liebe ausdrücken lässt. Ganze Wirtschaftszweige laufen rund, dank  großer Träume vom vermeintlich großen Glück. Und während die meisten von uns sich mühsam eh bereits durch eine Suche quälen, nämlich die nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen und dem eignen Weg, der daraus resultiert, muss man sich noch durch diese zusätzlichen Berge wühlen, die einem den Blick darauf verstellen, dass man in allererster Linie für sich selbst der beste Partner sein sollte, bevor man es für jemand anders sein kann. Das ist nicht ohne. Mit mir selbst bin ich ja ununterbrochen zusammen und denke da kann mich nichts überraschen, aber mal genau hinzusehen und sich vielleicht mal selber kritisieren wo es angebracht ist, die Maßstäbe, die man bei anderen anlegt zu allererst bei sich selbst erfüllen – da kann einiges zutage kommen.  Muss nicht, aber wenn, muss das nicht das Schlechteste sein. Und ganz nebenbei wird auch der Blick auf andere ganz unverstellt und begegnet man sich neu. Und dann kann es ganz schön inspirierend sein zwei Leben zu teilen und muss keine lähmenden Kompromisse bedeuten.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls ein großer Fan von diesem speziellen Doppelpack und beobachte einfach mit Neugier, wohin der eine den anderen noch bringt.
Und wenn mir dann allzu glitzerbunt zumute ist, findet die Liebe den Weg eben ganz prosaisch durch den Magen. Und ich koche was. Mit Liebe. Und gutem Fett.

Ganz schnell aus einer Form: Bauchscheiben mit Bohnen
Denn manchmal soll es einfach nur schnell auf den Tisch und schön satt machen. Und manchmal braucht es gar nicht viel um gut zu sein.

400 Gramm Bauchscheiben vom Schwein (wobei die vom Lamm ebenso köstlich sind, wenn man sie bekommt)
300-400 Gramm grüne Bohnen
2 Knoblauchzehen, gehackt
Salz
Pfeffer
Schmalz oder Butter

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Bauchscheiben großzügig salzen und pfeffern und in eine Auflaufform legen.
  • Die Bohnen putzen und nach Geschmack zurecht schneiden, zu den Bauchscheiben geben und ebenfalls großzügig salzen und pfeffern, den gehackten Knoblauch auf den Bohnen verteilen und ein paar Teelöffel Schmalz oder Butter darauf geben.
  • Nun alles für rund 30-40 Minuten in den Ofen, bis die Bauchscheiben schön kross sind.

Guten Appetit!

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Menschen-Experimente, Lämmer, Bohnen und Speck

Lammfromm mit BohnenEin wenig angeschlagen, nach einer intensiven Arbeitsphase, hat sich die Muße wieder eingefunden und mich lange in den Tiefen des Internets stöbern lassen.  Und nachdem ich dem Projekt schon wiederholt begegnet war, aber mich nicht angesprochen fühlte, habe ich mich dieses Mal durch Forty Days of Dating gelesen.

Nun bin ich fertig, die Schultern schmerzen von der konzentrierten Lektüre und der Angespanntheit angesichts der Vertrautheit des Themas und ich frage mich, was ich mir da gerade angeschaut habe: Kunst, Selbsterfahrung, Exhibitionismus, Narzissmus, Ehrlichkeit, einen gesellschaftlichen Spiegel? Vielleicht ein wenig von allem und dadurch für jeden ein bisschen? Oder sagen wir, für jeden etwas dabei, der sich schon einmal über die Beziehungsanbahnungsprobleme von Großstädtern irgendwo zwischen Mitte 20 und … gewundert hat.

Denn es könnte auch Berlin sein statt New York und die beiden urban-attraktiven Designer, die hinter dem Projekt stecken, ließen sich austauschen.

Zwei Freunde, die immer wieder dieselben Verhaltensweisen und Muster leben, wenn sie Beziehungen anfangen oder jemanden daten, wie es so scheußlich heißt. 40 Tage haben sich die beiden täglich gesehen, sich gedatet, 40 Tage, die es angeblich dauert, eine schlechte Gewohnheit abzulegen. Haben täglich einen Fragebogen zum Treffen ausgefüllt, haben regelmäßig einen Paartherapeuten besucht und wollten sehen was passiert: Ob die alten Dynamiken greifen, ob ihre Freundschaft überdauert, ob sie sich verlieben…Das Ende soll sich jeder selbst erlesen, denn amüsant ist diese voyeuristische Lektüre allemal.

Aber irgendwie macht sie auch traurig. Ich kann nichts verallgemeinern, aber der Eindruck, der nach fast 15 Jahren in der großen Stadt Berlin blieb, war der, dass es unsagbar schwer ist dort verbindliche Beziehungen einzugehen. Man kann unheimlich viel Spaß haben in Berlin und bis weit in ein, sagen wir, mittleres Alter hinein einen unverbindlichen Lebensstil pflegen, zu dem auch ein gewisses Vage-Bleiben gehört, wenn es um Gefühlsbekenntnisse geht. Mal schauen, was noch so geht und kommt… und so wird zugesehen, dass man sich keine emotionale Blöße gibt und wundert sich dann, dass es nicht funktioniert hat.

Auch wenn man bei dem, sagen wir, Projekt Forty Days of Dating nicht von dem Anfang einer Beziehung sprechen kann, findet man in und zwischen den Zeilen der Fragebögen doch einiges an Wahrheit. Die Angst, dass ein emotionales Bekenntnis zu Verpflichtungen führt, die man nicht erfüllen kann.  Die Angst verletzt zu werden. Die Angst allein zu bleiben.

Mitte Zwanzig ist die Protagonistin und doch schon eine Veteranin in Spiel intensiver, unglücklicher Beziehungen und man merkt, wie groß der Druck sein muss, neben dem beruflichen Erfolg auch noch privat entsprechend zu funktionieren.

Der kreative Hintergrund und die schon vorher mediale Präsenz der beiden war dem Projekt sicher nicht abträglich und so ist es auf jeden Fall eine exhibitionistisch angehauchte Eigenwerbung, die dank des Designer-Backgrounds und der Fotogenität der beiden ästhetisch ansprechend daher kommt.

Und da ist für mich auch der Punkt wo ich innehalte: Reicht es, ein sicherlich bestehendes Problem, nämlich eine zunehmende emotionale Unsicherheit einer sich ansonsten recht selbstbewusst inszenierenden Großstadt-Spezies, einfach attraktiv, dem Zeitgeist entsprechend zu verpacken? Ist das nicht eigentlich eine totale Trivialisierung einer Sorge, die viele beschäftigt? Vielleicht lässt sich eben doch nicht alles im Leben in ein künstlerisches Projekt übersetzen? Denn trotz vermeintlich intimer Einsichten, die der Leser über die Fragebögen erhält, wird in diesen auch immer wieder eine gewisse Selbstinszenierung der Experimentatoren deutlich. So richtig entblößen tut man sich dann doch nicht, dafür sitzen die Unsicherheiten unter der unabhängigen Fassade dann doch zu tief.

Es ist eine amüsante Lektüre, die aber ein kleines Unbehagen zurück lässt. Was macht der einsame Mensch da draußen, der seine Sehnsüchte nicht so schön verpacken kann?

Aber es passt, abstrahieren wir einfach, wo es uns möglich ist und wer mag, befriedigt mit der persönlichen Selbstdarstellung einfach auch die Neugier anderer, dann wird das direkte persönliche Gespräch, ohne Kommentatoren und Zuschauer weiter in die Ferne rücken als Handlungsansatz.

Und bevor jetzt der beste Freund zum Date-Ersatz wird: Es wird nicht funktionieren. Nicht, solange man nicht ernsthaft bereit ist auch einmal ganz selbstkritisch zu sein und die eigenen Schwachstellen nicht nur zu sehen, sondern auch an diesen zu arbeiten. Und ganz ehrlich, manchmal ist es besser auch mal eine Zeit allein zu sein statt emotionale Kompromisse einzugehen. Und wenn man das kann, mit sich selbst allein und glücklich und im Reinen sein, dann hat man auch den Kopf, andere Menschen so anzunehmen wie sie sind, ohne Gefahr zu laufen, neue Projektionsflächen zu schaffen und Enttäuschungen zu beschwören.

Und ganz persönlich: Die Arbeit an sich selbst und die Ehrlichkeit dem anderen gegenüber ist es wert. Wir sind so voller Bilder, wie eine Beziehung auszusehen hat: Dramatisch-romantisch, abgeklärt-attraktiv, leidenschaftlich-zerstörerisch – es wird uns nicht leicht gemacht, den eigenen Weg zu finden. Wie eigentlich bei allem. Und so lange wir auch emotional nicht klar Schiff gemacht haben, erliegen wir den vielen Ersatzbefriedigungen, die uns dort draußen serviert werden: Stellen die Arbeit über das Private und lassen uns aussaugen ohne es gedankt zu bekommen, füllen Leere durch Konsum… da lässt es sich noch weiter denken, aber nicht jetzt.

Und wenn da so viele Unabwägbarkeiten und komischen Themen durch die Welt wabern, brauche ich manchmal beim Essen etwas, das nicht schief gehen kann.

Kein Experiment: Lamm-Koteletts mit Speck-Knoblauch-Bohnen

2 Lamm- Koteletts (jeweils ca. 200 Gramm)
300-400 Gramm grüne Bohnen
100 Gramm Speckwürfel
1 mittlere rote Zwiebel, gehackt
2 Knoblauchzehen, gehackt
Salz
Pfeffer
Olivenöl
Rotweinessig
Kokosöl

  • Die Bohnen waschen.
  • Das Olivenöl erhitzen. Speckwürfel, Zwiebeln und Knoblauch glasig andünsten und die Bohnen dazugeben.
  • Die Bohnen etwa 15 Minuten anschmoren, bis sie noch schön bissfest sind. Zum Abschluss noch einen Esslöffel Rotweinessig unter die Bohnen rühren und großzügig salzen und pfeffern.
  • Parallel die Lammkoteletts pfeffern und in heißem Kokosöl von beiden Seiten 1-2 Minuten scharf anbraten und dann weitere 3-4 Minuten bei niedrigerer Temperatur braten und zum Schluss salzen.

Guten Appetit!