Ein Wieder- und ein Neusehen und Bretagne-inspirierte Crêpes-Variationen mit Maroni- und Maniokmehl

Bretage_Kanal_1Ich war so aufgeregt. Zehn Jahre lang war ich nicht mehr in Rennes. Für ein knappes Jahr war die bretonische Hauptstadt meine temporäre Heimat und die Sehnsucht nach einem Wiedersehen hat mich nie ganz losgelassen. Dieses Jahr war die Zeit endlich wirklich reif. Vorher ging es nie, passte nicht, war die Reise zu teuer oder die Sorge zu groß, meine schönen Erinnerungen würden sich nicht mit den Alltagssorgen aus Berlin vertragen. Schon 2004 wollte ich eigentlich gar nicht dort weg. Das bretonische Zwischenspiel war eine Zeit des Durchatmens, ich bin dort mit großer Freude in die Uni gegangen, habe Theater gespielt, die Sprache aufgesogen wie ein Schwamm, habe vielfältig Sport getrieben, das Leben im heruntergekommenen Wohnheim genossen und von der Energie profitiert, die mir in dieser Stadt mit ihrem ganz eigenem Tempo in größerem Maße zur Verfügung stand als im großen Berlin.

Inspirierend war sie außerdem. Und nicht nur Rennes, in der Bretagne überhaupt gibt es eine Vielzahl von Kultur- und Musikfestivals. Hier habe ich auf dem Markt regelmäßig die besten Straßenmusikanten Jazz zum bunten Treiben spielen hören und kleine und große Veranstaltungen haben das recht übersichtliche Studentenbudget beansprucht. Der zweite große Posten war das Essen. Zu verführerisch war der samstägliche Wochenmarkt und seit ich als Kind mit meinen Eltern die Atlantikküste rauf und runtergereist bin, liebe ich französische Supermärkte. Um diese habe ich in diesem Urlaub allerdings einen recht konsequenten Bogen geschlagen. Wir haben fast alles mit Besuchen auf den unterschiedlichsten Märkten regeln können. Frisch, regional und vom Erzeuger. So kaufe ich am allerliebsten ein. Ich vermisse die französischen Märkte in Deutschland. In Berlin gab es einen kleinen Biomarkt, auf dem ich ähnlich gerne eingekauft habe. Aber auch in kleineren deutschen Städten bedeutet regional nicht gleich unbehandelt und viele lokale Erzeuger sind gezwungen, beim Großhandel zuzukaufen, um ein attraktives Sortiment bieten zu können und da wird es dann wieder schwer nachzuvollziehen, wo was herkommt. Das fällt in Frankreich leichter.

Rennes_LesHallesRennes ist keine Kleinstadt und so gibt es neben einem der schönsten Wochenmärkte Frankreichs den großen Vorteil der etablierten Markthallen. Les Halles Centrales – hier haben wir eigentlich jeden Tag ein köstliches Abendessen frisch aus dem Meer gefunden. Denn so kurz sind hier die Wege auf den Teller, dass man die Auswahl an Meeresschätzen nutzen sollte! Lachs und Jakobsmuscheln mariniert in Zitrone mit rosa Pfeffer (mein Lieblingsgewürz), Salat mit Krebsfleisch, Artischocken, Oliven, marinierte Heringe, Makrelen-Rillettes …… Und wie gerne hätte ich Krebse oder bretonische Hummer gekocht… Dieses Mal war der Respekt noch zu groß… Aber nächstes Mal bin ich gewappnet… Ich schwelge noch merklich in kulinarischen Erinnerungen und freue mich über diverse Dosen in der Speisekammer. Neben den Essensfreuden war das Wiedersehen mit dieser so eleganten und dann wieder so alternativen Stadt aufregend und neu. Viel hat sich getan in zehn Jahren. Ganze Straßen haben ein neues Erscheinungsbild verpasst bekommen. Moderne Hasenkästen (Wohnung neben und über und neben und über und neben und über Wohnung) mit sterilen Glasfassaden vermitteln eine großstädtische Anmutung, der leider (noch) das Leben fehlt, das aus einem Architekturmodell ein funktionierendes Wohnkonzept macht. Der mittelalterliche Stadtkern hatte stellenweise erschreckende Ähnlichkeit mit einem verfallendem Gebiss, manch kommende Lücke lässt sich bereits erahnen, andere klaffen im Durcheinander von Baustellen und „Füllungen“, die in ihrer „Center/Arcaden“-Architektur für Unbehagen sorgen. Dazwischen aber immer wieder klassizistische Perlen wie der große Platz, der Oper und Rathaus verbindet, grüne Oasen wie der Thabor-Park  und malerische kleine Fachwerkhäuser. Ganze Straßenzüge habe ich neu entdeckt, voll wuseliger kleiner Cafés und kleiner Läden, die vermuten lassen, dass es dem Einzelhandel gar nicht so schlecht geht.

Über all dem lag eine unwirkliche Stimmung – Ende Juli, die Franzosen machen Urlaub und erfrischend wenig Touristen genießen die Ruhe der Stadt. Mir hat das gut gefallen, aber für einen wirklichen Eindruck sollte man während des Semesters in der Stadt sein, sie verströmt dann eine andere Energie.

Wer mag, erkundet Rennes und die vielen Kanäle und Parks mit dem Rad. Hier sollte man sich vorab online registrieren. Das haben wir nicht getan und standen vor unlösbaren Problemen bei der Registrierung vor Ort. Im Ergebnis sind wir ungezählte schöne Kilometer gelaufen und haben so viele Eindrücke gesammelt, dass wir am Ende der drei Tage mehr als satt waren. Unbedingt einplanen sollte man einen Besuch im Musée de Bretagne. Sehr schön gemacht, bietet es einen umfassenden Überblick über die bewegte Geschichte der so vielfältigen Bretagne.

Ploermel2Die Vielfalt erlebten wir am eigenen Leibe bei unserer letzten Station. Von Rennes ging es in das kleine Dorf Bezon, nahe der geschichtsträchtigen Stadt Ploërmel. Nur 50 Minuten Fahrt und schon umgab uns malerischste Ruhe inmitten von Hügeln, Feldern, Wald und unzähligen reich tragenden Brombeerhecken. Dort, mit einem weiten Blick über naheliegende Baumwipfel und Hügel, wartete unsere kleine Cabane, auf die wir im Vorfeld schon so gespannt waren. Auf geschätzten 20 Quadratmetern sowie Hängematten und einer großen Terrasse ließ es sich wunderbar runterfahren. Eine Trockentoilette mit Sägespänen, Regenwasser in der Dusche für die weichsten Haare und Stille, weiter Blick und Vogelzwitschern zu den Pilatesübungen am Morgen. Nach dem eindrucksreichen Wiedersehen mit Rennes war dies der perfekte Rahmen, um loszulassen. Kein Internet. Nur im Moment sein. Lesen, denken, inspirieren und überraschen lassen.

Überraschungen gab es jede Menge. Ursprünglich wollte ich dem besonderen Menschen die unverschämt türkis glitzernden Buchten nahe St. Malo zeigen, in Rennes mochten wir aber dann das Auto nicht mehr bewegen. Nach einem Besuch bei den Megalith-Gräbern am Golf von Morbihan, die eine Dreiviertelstunde entfernt liegen, wollten wir den Rest der Tage einfach nur sein. Nicht das Auto Strecke machen lassen, sondern selber Wege finden. Mit den Rädern begaben wir uns also auf Entdeckungsreise. Keine fünf Minuten von Bezon finden Fahrradfahrer stillgelegte Bahnstrecken, die heute wunderbare Radfahrstrecken sind. Durch abwechslungsreiche Landschaft und im Sommer dankenswerterweise größtenteils unter hohen lichten Bäumen lässt es sich wunderbar über den Asphalt schwirren. Keine 4 Kilometer weiter, schneidet die ehemalige Bahnstrecke den Kanal Nantes-Brest. 396 Kilometer alter Schifffahrtsweg mit über 236 malerischen Schleusen, der heute von Hausbooten beherrscht wird. Und an dessen Ufer sich ein wunderbarer Radweg schlängelt, durch verwunschene Orte, vorbei an Trutzburgen wie etwa in Josselin und hinter jeder Flussbiegung wartet ein neuer Eindruck. Die Tour Nantes-Brest, oder zumindest ein großer Abschnitt davon, wäre eine Idee, wie ich gerne einmal einen Urlaub verbringen würde. Trotz Hauptsaison hielten sich die Touristenzahlen in einem schönen Rahmen und irgendwie schienen alle verzaubert vom Reiz der Landschaft und dem meditativen Fließen des Flusses – überall wurde freundlich gegrüßt und man lächelte sich an. Das Grinsen wollte so gar nicht aus dem Gesicht weichen. Auch wenn dank der fremden Räder der Hintern schmerzte. Die Wege auf der Bahnstrecke und am Kanal sind eben und lassen einen bequem weite Strecken zurücklegen. Weicht man aus ins Hinterland, empfehlen sich gute Räder und Kondition, die lieblichen kleinen Hügel haben es in sich, wenn sie sich wie Perlen aneinander reihen.

Dafür gibt es viel zu entdecken. Ich würde gerne noch einmal zurückkehren, um etwa die Phantasielandschaft in Lizio zu erkunden. Und auch, wenn wir aus dem Taunus verwöhnt sind, was märchenhaften Wald betrifft, das sagenumworbene Val sans Retour war zauberschön und der Wald von Brocéliande  lockt nicht nur mit Merlin-Erzählungen sondern auch mit wunderschönen Wanderwegen und Märchenburgen. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie groß Frankreich ist. Weniger Menschen auf mehr Raum – das scheint ein anderes Leben möglich zu machen. Zumindest fühlt es sich so an. Und auch die Bretagne, die auf der Karte so überschaubar aussieht, beeindruckt durch Fläche, endlose Küste und malerisches Hinterland. Wer also ein Frankreich abseits des Atlantikstrandes und des Touristenmagneten Mittelmeer erkunden möchte, hat viel zu tun. Einen Abstecher sollte man für die Bretagne reservieren, oder zwei, oder drei…. Strahlender Sonnenschein, kurze Regenschauer, Porzellanhimmelblau und bewegtes Grau geben sich am Himmel ein schnelles Wechselspiel und eigentlich möchte man in jedem Ort einmal halten, eine kleine Kirche besuchen, eines der unzähligen Steingräber erkunden, die typischen kleinen Steinhäuser mit ihren bunten Blumenbeeten bewundern. Einen Cidre trinken….

Irgendwie ist es gut zu fahren, wenn man das Gefühl hat, noch nicht fertig zu sein mit einer Landschaft, das nährt die wohlige Sehnsucht nach einem Wiedersehen.

Und auch wenn man die Bretagne nicht stellvertretend für Frankreich sehen kann, zu unterschiedlich ist das Land und die Bretonen, mit ihrem ausgeprägten Bewusstsein für das eigene kulturelle Erbe, würden einem etwas erzählen, auf Bretonisch, die Zeit in der vertrauten Fremde hat mich wieder einmal darin bestärkt, dass das Leben, unser Leben im Fluss ist und dass noch vieles möglich sein kann. Vielleicht ja auch eine längere Zeit in französischen Gefilden, oder ein Wechselspiel zwischen zwei Orten…oder…oder…

Unsere kleine Hütte, gebaut aus Strohballen und Lehm, sowie das wunderschöne Haupthaus mit seinen sympathischen Besitzern waren eine Inspiration und so wachsen die Gedanken im Kopf und suchen noch nach den passenden Worten. Auf jeden Fall bewegen sie sich. Es hat sich einmal mehr gezeigt, wie vielfältig Lebensentwürfe sein können, wie sehr sich der Mut, etwas grundlegend zu ändern auszahlen kann. Und dass ein bewusstes Leben, das weniger auf Status und Konsum ausgerichtet ist, sehr viel Schönheit und Reichtum besitzt.

Und während er denkt, der Kopf, meldet sich mitunter der Magen und will mehr – mehr Crêpes. Die hat der besondere Mensch im Urlaub nämlich perfektioniert. Gibt es doch auch in dem kleinsten Ort noch eine Crêperie.

Bretagneschmaus: Crêpes mit Maroni- oder Maniokmehl

Maroni-Crepe_Step_by_StepHier zwei Variationen, das Grundrezept ist gleich, nur das Mehl variiert. Für meine Lieblingsvariante mit Zimt und Xylith, empfehle ich den Maroni-Crepe, aber auch Maniok hat seine Vorteile und bietet die Möglichkeit herzhafter Varianten.

Für den Teig (4-6 Crêpes)
4 Teelöffel Mehl nach Wahl (bei Maniok die Teelöffel etwas weniger voll)
1 Teelöffel Ghee
4 Eier
2-4 Teelöffel Xylith
4 Teelöffel Kokosmilch
Prise Zimt oder Vanille nach Geschmack
Prise Salz

Butter zum Ausbacken (wer es bretonisch mag, nimmt salzige Butter)

  • Alle Zutaten gründlich mixen, ggf. Klümpchen mit dem Löffel am Rand der Schüssel zerdrücken. Einen Moment stehen lassen. Der Teig soll flüssig sein, anders als Pfannkuchenteig. So verläuft er gut und dünn in der Pfanne.
  • Großzügig Butter in die Pfanne geben.
  • Wichtig: Sobald der Teig in der Pfanne ist, Pfanne hochnehmen und kräftig schwenken, so dass der Teig in der Pfanne herumrutscht. Wenn die erste Seite durchgebacken und angebräunt ist, wenden. Hier entscheidet jeder selber, wie braun er es mag.

Dazu passt:

Zimt & Xylith
Apfelmus
Frische Beeren, diese kurze für 10 Minuten mit einem gestrichenen Teelöffel Xucker aufkochen, so ergibt sich eine leichte Soße zu den Beeren. Wir hatten selbst gepflückte Brombeeren – herrlich!
Kurz vor dem Servieren ein Stück bittere Schokolade auf dem Crêpes schmelzen und dann zusammenklappen.
Oder etwas cremige Kokosmilch mit Xylith und Vanille mischen und über den warmen Crêpe geben…

Man möchte schnurren vor zufriedenem Wohlbehagen.

Guten Appetit!

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Advents-Countdown auf allen Kanälen, Geschenkerausch und ein Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie

Paleo Brownie zu WeihnachtenWenn man den einschlägigen Magazinen derzeit glauben darf, sind Frauen recht einfach gestrickte Wesen. Ein bisschen Parfum, Unterwäsche oder etwas Glitzerschmuck unter den Baum gelegt und wir fangen an zu quietschen und dankbar mit den Wimpern zu klappern. Gerne nehmen wir auch etwas für die Porzellan-Sammlung oder einen schönen Bildband für die Inszenierung im Wohnraum. Praktisches bitte eher nicht, das hat so einen 50er-Jahre Hausfrau-Anstrich. Es sei denn es ist eine Kaffeemaschine, die mit gängig attraktiven Hollywood-Größen beworben wird und Unmengen an Aluminiummüll produziert… Aber diese ganzen schönen Frauchen-Dinge, die weibliche Attribute beschwören, die legt uns die Industrie gerne unter den Baum. Ernüchterung könnte eintreten, wenn die neue Kette nicht ebensolch einen Schwanenhals zaubert wie auf dem Hochglanz-Werbematerial, oder die Unterwäsche dann eben doch anders sitzt – Hey, Gummibänder schneiden gerne mal ein, egal wie viel oder wenig Speck sich darunter verbirgt. Und teure Image-Duftwässerchen verwandeln uns nicht in zarte Elfen, die durch die Gegend schweben und höchstens durch zarten Dufthauch auf sich aufmerksam machen. Kaschmirpullis vermitteln zwar haptische Freuden, aber lösen nicht unsere Sorgen und Ängste, genauso wenig wie die x-te Tasche, die ich unbedingt brauche, weil sie so gut zum neuen bunten Wintermantel passt, damit ich dann irgendwann in eine perfekt abgestimmte Uniform schlüpfen kann, die genau zeigt, wer ich bin.

Aaaah… Ne, die Weihnachtszeit liegt mir da dann nicht mehr, wo sie sich in eine Sehnsucht-Wunsch-Kauf-Lawine verwandelt. Man schaue sich nur um: Die Blog-Welt ist voll von Einkaufstipps für Vater, Mutter, Mann, Frau, Großeltern, Freunde, Katzen, Hunde und sich selber (damit wir auf Nummer sicher gehen und auch ganz bestimmt was unter dem Baum liegen haben). Seit Mitte November gibt es Geschenketipps im Wochentakt. Onlineshops machen es einem gleich ganz bequem: Entweder sucht man seine Geschenke direkt nach Preis gestaffelt oder verschlagwortet sie: Sprich, ordnet die Lieben, die bedacht werden sollen, schnell in greifbare Marketing-Kategorie-Kästchen ein und kriegt dann passende Vorschläge geliefert. Es ist einfach zu viel. Viel zu viel. Und da wir uns immer neue Kanäle erschließen, werden wir auf immer mehr Kanälen bombardiert. Magazine, Blogs, Instagram, Pinterest…. Mal ist es offensichtliche Werbung, mal sind es, diskreter verpackt, die persönlichen Lieblingsstücke all derer, die diese Kanäle bespielen, die einem um die Ohren gehauen werden. Sich zu entziehen wird schwer gemacht.
Geschenke auszupacken ist ein wunderschöner Moment, da stimme ich absolut zu, aber kann man da nicht wieder etwas Mäßigung reinbringen, statt die letzten Wochen des Jahres zwischen Adventsstress, Kopfrechnen, Einkaufslistenstress, zu vollen Läden, Schnappatmung unter kurzen Konsumkicks und dem unterdrückten Konsumkater zu leiden?
Ich möchte dieses Jahr nichts unter dem Baum. Im Ernst. Das ist nicht kokettiert und dann wird geschmollt, wenn niemand an mich denkt. Ne. Wer mich fragt, was ich mir wünsche, dem kann ich sagen: Vielen Dank für ein spannendes, schönes Jahr, bitte mach dir wunderschöne Feiertage, aber schenk mir nichts. Ich bin glücklich. Und so gerne ich auch selber Geschenke mache, würde ich auch hier gerne mal einen Gang runterschalten, die guten Wünsche und das an den anderen denken anders verpacken als in materieller Form unter dem Baum. Sind Briefe eine Lösung? Echte Briefe, per Post und von Herzen kommend, sind so selten geworden und eine so schöne Geste, finde ich. Ob man dieses Empfinden weitergeben kann? Die Beziehung in der man zu einem Menschen steht, sollte ja im besten Falle eh nicht an dem Wert oder der Ausgefallenheit des Geschenks gemessen werden (oft genug wird sie das aber leider).

Runterschrauben. Aus dem Weihnachtsfest vielleicht wirklich einen besinnlichen Tag machen und kein reines Pakete schlachten, zumindest für die Erwachsenen. Weg von den Bildern, wie es sein soll, alle zusammen unter dem Baum und bergeweise Glitzerpapier… so hätte es vor allem die Industrie gerne. Und der Druck landet beim Verbraucher. Und so werden jedes Jahr wieder, neben den Einkäufen, viele Rituale wiederholt, die so dazugehören und ein wenig Frustration setzt ein, wenn die Stimmung nicht aufkommen will. Wie soll sie das auch auf Knopfdruck, nach all den Wochen mit Weihnachtsfeiern und Einstimmungsstress? Wenn man mal genau hinhört, ist ein schönes Weihnachtsfest für viele dann auch nicht eines mit viel Getue und Tamtam, sondern eines, das entspannt und ohne Spannungen oder Weihnachtstretminen verläuft…. Das könnte doch von vorneherein ein Ansatz sein. Aber nichts ist schwieriger als mit alten Gewohnheiten zu brechen und das Weihnachtsfest ist in den meisten Fällen eine solch heilige Kuh, dass man sich kaum traut Änderungen vorzunehmen. Dabei kann doch auch hier, wie bei allem, immer mal wieder geschaut werden, ob es noch Sinn macht, so wie es ist oder ob man mit Neuerungen nicht auch etwas gewinnen kann, für alle Beteiligten.

Zwei Kerzen bleiben uns noch, bis wieder beschert wird. Zeit genug also, sich innerlich zu wappnen oder aber um mutig sein. Weihnachten kann so viel mehr sein als Coca-Cola-Weihnachts-Trucks. Geschenk-Pack-Stationen in Kaufhäusern und Abgespanntheit am heiligen Abend.

Auf jeden Fall kann Weihnachten einen Kuchen vertragen:

Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie
2 mittlere Süßkartoffeln
2 große Eier
60 Gramm Butter
2-3 Esslöffel Kokosmehl
3-4 Esslöffel Xucker (oder Süße nach Wahl)
1 Tasse Kakao
3 Teelöffel Lebkuchengewürz
1 Teelöffel Natron
1 Prise Salz

60 Gramm bittere Schokolade für den Überzug

  • Die Süßkartoffeln rund herum mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad im Ofen rösten, ca. 1 Stunde bis sei auf Druck nachgeben und die Schale Falten wirft, es soll sich ein feines Röstaroma entwickeln. Dann pellen, gründlich pürieren und etwas abkühlen lassen.
  • Die Eier verquirlen und mit dem Xucker und der Butter durch mixen bis sich eine schaumige Masse ergibt und diese  mit den Süßkartoffeln mixen.
  • Nun alle trockenen Zutaten vermengen, unter die Süßkartoffelmasse geben und gründlich mixen. Es soll ein kompakter klebriger Teig entstehen. Wir er zu trocken, hilft etwas Kokosmilch. Wird er zu flüssig, etwas Kokosmehl zugeben.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und auf mittlerer Schiene ca. 40 Minuten bei 180 Grad backen.
  • Das Innere soll feucht sein aber außen soll es eine leichte Kruste mit Rissen geben
  • Den Kuchen abkühlen lassen. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen und auf den Kuchen geben

Tipp: Außerhalb der Weihnachtszeit kann man das Lebkuchengewürz gut durch Vanille oder einen ordentlichen Schuss Espresso ersetzen und hat gleich einen anderen Geschmack.
Guten Appetit!

Die Anderen sein lassen können und Haselnuss-Espresso-Makronen knuspern

Makronen und TretminenTretminen. Regelmäßig verwandelt sich das Thema Paleo-Ernährung dann doch wieder in eine Tretmine.  Auch wenn man versucht, die entsprechenden Diskussionen in schönen geselligen Momenten auf eine Minimum zu beschränken, ist es eben oft  ein Gegenüber,  dass das Thema nicht los lassen will und dann muss man sich kurz sortieren und überlegen, wie man das Ganze auflösen kann, wenn man merkt da ist eher Herbeireden von Stolpersteinen im Spiel, als ein neugieriges Interesse. Die Frage des gestrigen Abends war eigentlich recht interessant, denn sie zielte darauf ab, wie wir es denn mit der Ernährung halten würden, hätten wir Kinder… Das ist durchaus schon implizit Thema gewesen, zumeist in Form eines versteckten Vorwurfs, wenn uns gesagt wurde, ja  klar, wir können uns ja so ernähren, wir arbeiten zuhause und haben keine Kinder…

Und tatsächlich bleibt die Frage, wie wir es mit Kindern organisieren würden, das Essen, eine hypothetische. Kinder entwickeln letztlich ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was sie essen möchten und was eklig ist. Ich mochte früher keinen Vollkornreis und von Brötchen habe ich mir am liebsten die weiche Mitte rausgepickt und in Spinat mit Kartoffeln und Spiegelei habe ich lustlos gestochert, Eier waren eh eklig, genauso wie warme Milch und der Fettrand am Fleisch. Trotzdem wurden mir nicht unbegrenzt Extras aufgetischt, sondern es gab einfach Dinge, die ich lieber mochte als andere und die eein oder andere emotionale Diskussion.  Das ist dann vielleicht das Beste, was man Kindern mitgeben kann: Freude am Essen und Neugier auf Neues.  Und ganz ehrlich, ich würde versuchen auch in der kindlichen Ernährung das Paleo-Prinzip durchzusetzen. Es gibt genug Blogs von Müttern, die da auf wenig Probleme stoßen. Beziehungsweise die Probleme fangen dann dort an, wo sich eine dritte Partei meint in die Ernährungsdebatte einmischen zu müssen. Sicher, das ist eine Herausforderung, die eigene Ernährungsweise, etwa mit der Versorgung im Kindergarten, oder der Schule, oder bei Geburtstagen unter einen Hut zu bringen – aber ein Lohn ist sicherlich, dass man mit der richtigen Ernährung dazu beitragen kann, ein Kind auf den richtigen Weg zu bringen und für gute Startbedingungen zu sorgen. Zu oft hört man ja auch die Geschichten von kleinen Kindern, die schon im zartesten Alter von Unverträglichkeiten gebeutelt werden. Spätestens in der Pubertät verliert man ja eh an Einfluss, aber man hat ein Bewusstsein geschaffen.

Aber eigentlich ist es auch müßig darüber zu spekulieren, denn für mich stellt sich die Frage nicht, bzw. bleibt  im Reich des Theoretischen. Und ganz ehrlich, ich werde mir zukünftig noch genauer überlegen, mit wem ich mich auf ein solch  tückisches Konversationsparkett begebe. Mit vielen Müttern geht es tatsächlich nicht. Wenn ich dann noch dazu sage, dass ich keine Kinder plane, oder will, dann ist für viele klar, dass ich keine Kinder mag und ich werde zur potentiellen Kinderquälerin, weil ich mir, so ganz theoretisch, anmaße zu wissen, was gut sein könnte. Dabei ist der andere Standpunkt nicht weniger anmaßend, ist er zwar erfahrungsgeprägt, aber eben auch mit subjektiven Scheuklappen versehen.
Aber es gibt so Themen, die wären interessant für erwachsene Diskussionen, sind aber schwer zu besprechen. Denn viel zu oft sind Diskussionen um solche Themen, die letztlich den eigenen Lebensentwurf betreffen, nicht sehr erwachsen. Wenn ich mit erwachsen eine Position meine, die auch mal nach rechts und links überlegt und nicht darauf versteift ist, den eigenen Standpunkt zu verteidigen.
Wähle ich einem Lebensentwurf, der etwas grundsätzlich anders macht, sei es eben über das Essen, die Kinderfrage, die Arbeitsform, die Beziehungsgestaltung, ist das eine persönliche Entscheidung, die in diesen Bereichen dann oftmals eine bewusst getroffene Entscheidung für etwas ist, nicht dagegen. Das heißt, als Transferleistung würden im Idealfall die Mitmenschen erkennen, dass ein Wunsch nach Kinderlosigkeit nicht automatisch heißt, dass man etwas gegen Kinder hat, dass eine Kritik an den Konsummustern unserer Gesellschaft nicht bedeutet, dass man jeden um sich herum verurteilt, der sich wohler fühlt mit dieser Maschinerie und das heißt auch nicht, dass man, wenn man sich dem Paleo-Prinzip gemäß ernährt, die Nase rümpft wenn sich jemand ein Brötchen schmiert, oder eine Pizza bestellt.
Auch diese Menschen gibt es, die den eigenen Lebensentwurf als Maßstab nehmen und  bewerten, wie sich das Umfeld so schlägt – das ist anmaßend. Kleinkariert und wenig produktiv.
Für mich persönlich hat sich aber tatsächlich gezeigt, dass ich bei Menschen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen etwas außerhalb dessen stehen, was man wohl allgemeinhin als Mainstream in all seinen Sinus-Milieu-Ausprägungen versteht, öfter auf ein ungetrübtes Interesse und auch auf Verständnis stoße. Und was ich ebenfalls denke ist, dass es traurig ist, dass der sich durchziehende, kommerzialisierte Individualismus in unserer Gesellschaft die Leute so gefangen nimmt und beschäftigt hält, dass dort, wo ein leise nagendes Gefühl spricht und den zarten Wunsch äußert, vielleicht etwas ändern zu wollen, dieser Wunsch oftmals betäubt wird durch die Sorgen, Ansprüche und Bedürfnisse, die einem der Lebensstil so aufzwängt. Und wenn man dann auf Menschen trifft, die etwas anders machen, kann dies eine Inspiration sein. Aber wenn die Angst vor Veränderungen zu groß, oder die Bequemlichkeit zu bequem ist, dann ist die Konfrontation mit anderen Lebensentwürfen ein Moment, indem man sich vielleicht selbst in Frage gestellt fühlt. Wobei man selber es ist, der sich dort in Frage stellt und kritisiert und dann beißt man zu, wo man vielleicht etwas hätte gewinnen können. Das ist nur allzu menschlich und nicht in diese Fallen zu tappen, erfordert eine Wachsamkeit den eigenen Gespenstern gegenüber und dem Mut, sich diese einmal ganz genau anzuschauen.

Oftmals sind es gar nicht die anderen, die uns enttäuschen, das sind wir nur zu oft selber, mit unseren Paketen an Erwartungen und Unsicherheiten. Das ist schade. Aber es kann einem helfen zu verstehen oder auch zu handeln, wenn man selber mit dieser Abwehr konfrontiert wird. Wir sind nicht verantwortlich für die Gedanken der anderen und dürfen dafür auch nicht bestraft werden. Kompliziert, diese Menschen. Merke ich tatsächlich immer öfter. Aber schön, dass so vieles möglich ist und man für sich immer wieder neue wundervolle menschliche Entdeckungen machen darf. Denn das ist nie schwarz und weiß, dazwischen ist ganz viel schönes unterschiedliches Grau. Gerne mit einer Note Flieder oder Blau.

Und wenn man sich manchmal mit sich oder der Welt versöhnen muss, dann ist ein Küchenabenteuer manchmal die perfekte Geste.

Haselnuss-Espresso-Makronen mit Schokocreme
Diese kleinen Dinger sind so unverschämt, dass ich sie tatsächlich eher als Dessert sehen, denn als Gebäck.

200 Gramm gemahlene, geröstete Haselnüsse
150 Gramm gehackte, geröstete Haselnüsse (einfach Haselnüsse im Ofen rösten und mit dem Pürierstab etwas zerkleinern)
3 Eiweiß
1 Tässchen starker Espresso
5-6 Esslöffel Xucker
50 Gramm möglichst bittere Schokolade (85% und mehr)
Ca. 40 Gramm Butter
Salz
Vanille

  • Denn Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schön steif schlagen. Während des Schlagens, nach und nach den Xucker einrieseln lassen. Die Masse ist dann am Ende schön weiß glänzend und fest.
  • Nun die Haselnüsse, 5 Esslöffel Espresso und einen Teelöffel Vanille vorsichtig unterziehen bis eine luftige, gleichmäßige, kompakte Nuss-Masse entsteht, je fester sie ist, desto weniger zerläuft sie im Ofen
  • Die Masse mit Löffeln zu Häufchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und auf der mittleren Schiene ca. 20 Minuten backen. Sie sollen nicht zu dunkel werden aber dürfen auch nicht zu weich sein.
  • Das Backpapier mit den Makronen vorsichtig auf einen Tisch ziehen und dort auskühlen lassen.
  • Während die Makronen backen, die Schokolade mit der Butter und drei Esslöffeln Espresso im Wasserbad schmelzen und gründlich vermengen.
  • Die Schokoladenmasse nun für ca. 40 Minuten in den Kühlschrank geben, bis sie sich gut in einen Spritzbeutel geben lässt.
  • Auf jede Makronen etwas Schokocreme geben und dann die Plätzchen ruhig noch einmal in den Kühlschrank stellen um die Creme auszuhärten.

Kaffee-Nougat lecker.

Guten Appetit!

Eis, das – Eso-Skepsis, die

Paleo EisOh ja, Die Gewohnheiten sind träge Tierchen. Ich nehme mir jeden Morgen vor der Snooze-Taste die kalte Schulter zu zeigen und einfach mal direkt aufzustehen aber die erschlichenen zehn Minuten unter der Decke sind so kostbar, gerade weil man weiß, dass sie gleich vor bei sind. Und deshalb haue ich auf den Wecker und keife die Augen noch einmal extra fest zu.

Ein anderes Ritual, das etwas seltsam klingt auf den ersten Blick, ist, dass der Tag hier in der Regel mit Atem-Übungen beginnt.  Ich hatte tatsächlich starke innere Widerstände zu überwinden. Ein Blick auf das zugegebenerweise kitschige CD-Cover und ich begab mich in die totale Verweigerungshaltung und habe erst einmal losgepoltert, dass ich keinen Bock auf irgendeinen halbgaren Esoterik- Spiritualitäts-Kram habe. Da bin ich raus. Das war dann ok, aber als der besondere Mensch, mit dem ich lebe und den ich gerade auch für seinen kritischen Geist schätze, in der Folge immer entspannter wurde, wenn er sich zum Atmen zurückzog, wurde ich neugierig. Das wollte ich erst nicht zugeben, aber nach und nach habe ich mitgemacht. Und ich merke, dass es mir hilft morgens anzukommen. Fokussiert in den Tag zu starten und mich auch schneller entspannen zu können. Die Konzentration auf das Atmen ist auch ein guter Gradmesser um zu schauen, ob ich mich gerade innerlich mit irgendwelchen Reizthemen rumschlage und diese vom Schweinehund in die Verdrängungskiste gewühlt werden. Denn wenn ich innerlich angespannt bin und auf irgendwelchen Themen rum kaue fällt es mir schwerer mich davon frei zu machen und nur auf das Atmen zu konzentrieren. Wenn ich diese Hürde aber überwinde, hilft es mir in der Regel auch, um mich dann zu einem späteren Zeitpunkt hinzusetzen und zu überlegen, was mich da eigentlich stresst. Wie bei allem ist es eine Kopfhürde, die uns oft zurückschrecken lässt vor dem, was uns fremd ist. Und gerade Meditations- und Atemtechniken, wenn sie nicht gerade aus dem gesellschaftlich akzeptierten Yoga-Mainstream kommen, sind ja leichtes Ziel für Spott, Häme und Misstrauen. Ich denke bei allem was man tut, ist die beste Bewertung die persönliche, ehrliche Einschätzung ob es mir gut tut oder nicht. Wenn diese Bewertung positiv ausfällt, sollte es einem auch egal sein, was andere sagen.

Und bei allem was man tut sollte man Zwänge vermeiden. So gibt es zum Beispiel auch Tage, an denen ich lieber Pilates mache statt zu meditieren. Dann mache ich das. Und da sind auch Tage wo die Snooze-Taste ganz besonders extra verlockend daher kommt, aber an denen nehme ich den Kampf mit dem Schweinehund auf und freue mich.

Diese fiese kleine Stimme versuche ich auch dann zur Rede zu stellen, wenn sie versucht mir wieder ein Comfort Food schmackhaft zu machen. Denn, das gibt es einfach nicht in komplett gesund – das ist einfach eine Spielart des Essens, die Mäßigung verlangt, wenn man nicht dem Selbstbetrug erliegen will.

Dessen bin ich mir bewusst. Meistens. Neulich wohl nicht. Denn als ich wieder klar denken konnte, stand Karamel-Walnuss-Eis im Gefrierschrank…

Das Rezept

Zwei Dosen Kokosmilch
200 Gramm Walnüsse
Pfeilwurzelstärke
Butter
Xucker
Salz
Vanille

  • Drei bis vier Esslöffel Xucker in zwei gehäuften Esslöffeln Butter mit einer Prise Salz (ich nehme gerne etwas mehr) und etwas Vanille in einem Topf schmelzen und karamellisieren lassen. Dabei regelmäßig rühren und drauf achten, dass das Karamell nicht zu dunkel und somit bitter wird.
  • Das Karamell mit der Kokosmilch aufgießen.
  • Drei Esslöffel Pfeilwurzelstärke mit drei Esslöffeln Wasser glattrühren und unter die Kokos-Karamell-Milch rühren zum Binden/Andicken.
  • Nach Geschmack noch etwas Vanille und Xucker einrühren und alles kurz sieden lassen und dann unter Rühren abkühlen lassen bis es in einer Form in den Gefrierschrank wandern kann.
  • Nun die Walnüsse in einem Esslöffel Butter anrösten. Vom Herd nehmen und in der Pfanne noch einmal vier Esslöffel Xucker mit drei Esslöffeln Butter, Salz und Vanille karamellisieren lassen. Die Walnüsse in das Karamell rühren bis es eine schöne Mischung gibt und diese zum Aushärten kaltstellen.
  • Das Eis, in Ermangelung einer Eismaschine, regelmäßig durchrühren. Wenn es beginnt an den Rändern zu gefrieren, die karamellisierten Walnüsse etwas zerhacken und in die Eismasse rühren. Ein paar der Nusssplitter aufheben.

Das Eis braucht bei uns ca. drei Stunden bis es komplett gefroren ist.

Nun Servieren und mit ein paar karamellisierten Nusssplittern bestreuen.

Wenn möglich – mäßigen!

Guten Appetit!

 

Bombenstimmung am Kaffeetisch

Lemon BarEs gibt so einige üppigere Rezepte aus der Paleo-Küche, bei denen traue ich mich kaum sie weiterzugeben. Zu hoch ist das Sucht-Potential, da ich ja eigentlich nur schreibe um einen Einblick in einen ganz unspektakulär einfachen Paleo-Alltag zu geben, der ein normales Leben mit einer bewussten Lebensweise vereint. Aber es schmeckt so gut!

Persönlich bin ich anfangs bei so manchen durchdesignten US Paleo-Blogs vor Ehrfurcht in die Knie gegangen und habe mich gefragt wie machen die das? Soviel Kochen und Backen und immer appetitlich präsentiert und nebenbei noch Fermentieren und Dehydrieren und eEnkochen und Kosmetik selber herstellen und ein wahnsinniges Sport-Pensum absolvieren und und und…das hat mich erstmal wieder zurück getrieben in das innere Gedankenreich und mich Abstand nehmen lassen von einem Blog-Projekt.

Aber irgendwann dachte ich dann, warum nicht zeigen dass es auch anders geht. Oder was heißt anders –  einfach machen und sich nicht so sehr darum scheren, was andere denken. So wunderbar die Paleo-Lebensweise ist – für viele ist sie ein Randthema und wenn es dann noch weitergeht und man auch anfängt andere Produkte wie Kosmetik selber herzustellen und immer mehr gesunde alternative Lösungen für konventionelle Produkte sucht, wird man mitunter sanft belächelt und in die Sonderling-Schublade gesteckt.

Man kann dem sicherlich entgegensteuern wenn man sich ganz viel Mühe mit der Präsentation der Rezepte und dem Design des Blogs gibt, aber ich glaube mein Schwerpunkt liegt einfach auf dem Erzählen der kleinen Dinge, die so rund herum um das Kernthema Essen passieren.

Ach ja, eine solche Sache, die dem Umfeld auf der Seele zu brennen scheint, ist mein Gewicht. Ich weiß nicht was ich wiege, seit meiner Waagen-Abhängigkeit in Teenager-Jahren mache ich einen Bogen um die Dinger, denn es ist letztlich egal für meinen Alltag. Seit sich allerdings im Zuge der Ernährungsumstellung doch deutlich etwas an meinem Erscheinungsbild geändert hat oder zu haben scheint, man selbst steckt ja drin und sieht sich jeden Tag, gilt nun häufig eine der ersten Bemerkungen bei einem Wiedersehen meinem Gewicht, ob ich schmaler, kräftiger, gesünder, fiter oder mitgenommen aussehe. Und dann frage ich mich manchmal schon, was die Intention ist, denn natürlich, auch ich mache anderen Menschen Komplimente, aber die klingen anders und nicht so feststellend. Wenn ich keinen guten Tag habe, weil auch ich schlafe manchmal zu wenig dann ist es so als hätte ich damit dem Gegenüber den Beweis geliefert, das die Paleo-Ernährung nicht so gesund ist, wie ich immer behaupte. Dasselbe gilt für  vermeintliche Gewichtsschwankungen, die ich selber gar nicht registriere, denn alles passt, nichts kneift. Es verändert sich höchstens noch der Körper durch den regelmäßigen Sport.

Liebe Leute, Komplimente sind etwas wunderbares, von Herzen kommend, sind sie kleinen Geschenke des Alltags, die man seinen Mitmenschen machen sollte, wenn sie ehrlich sind. Das zeugt von Aufmerksamkeit und Respekt. Aber eine ständige Thematisierung meines Gewichts/Körpers – muss nicht sein. Und ganz ehrlich: Jemanden, der unsicherer ist, kann man mit solchen Kommentaren auch in üble Gedankengänge und Selbstzweifel schicken. Das ist nicht nett. Ich kommentiere ja auch nicht das Hautbild oder die Haarstruktur oder oder oder…suche mir irgendeinen blöden Aufhänger um irgendwie zu piksen.

So, das wollte mal raus. Und weil es so gut passt kann man sich ja nun gedanklich  wieder an die Kaffee-Tafel begeben, zu einer wirklich unverschämt lecker-sommerlichen Kuchen-Bombe: Lemon Bars

Das Rezept

Teig

2 Eier
¼ Tasse weiche Butter
3 Teelöffel Xucker
¼ Tasse Kokosmehl
¼ Tasse Kokosraspeln
½ Tasse Kokoschips
Prise Salz
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eier mit dem Xucker und der Butter schaumig rühren.
  • Kokosmehl. Kokosraspeln, Kokoschips, Vanille und Salz unter die Eiermischung rühren bis sich ein klebriger Teig bildet. Aufpassen, dass man die Kokoschips nicht zu klein rührt, sie dürfen ruhig etwas größer sein, das sorgt für eine schöne Konsistenz des Boden.
  • Nun den Teig in einer gefetteten Form mit höherem Rand verteilen, dass sich eine gleichmäßige Teigschicht bildet.
  • Die Form für ca. 20 Minuten in den Ofen geben. Der Boden soll einmal durchbacken und darf ruhig etwas gold-braun auf der Oberfläche sein.

Die Creme

1 Tasse Zitronensaft (ca. 7-8 mittlere Zitronen)
6 Eier
4 Esslöffel Xucker
1/2 Tasse geschmolzene Butter
Prise Salz

  • Zitronen auspressen und den Saft durchsieben, damit keine Teilchen zurückbleiben.
  • Nun den Zitronensaft zusammen mit den 6 gequirlten Eier, dem Xucker und der Prise Salz in einer Rührschüssel über Wasserdampf (nicht im Wasserbad, zwischen Schüssel und Wasser soll etwas Luft bleiben langsam erhitzen.
  • Dabei ständig mit dem Schneebesen  weiterrühren, damit sich keine Klümpchen bilden!
  • Wenn die Ei-Masse sich langsam erwärmt, die geschmolzene Butter unterrühren und weiter mit dem Schneebesen dabeibleiben bis sich die Masse beim Rühren langsam verdickt.
  • Weiterrühren bis sich ein dickliche Pudding/Creme-Konsistenz ergeben hat.
  • Nun d die Zitronencreme auf dem fertig gebackenen Boden verteilen und die Form in Kühlschrank geben bis alles komplett durch gekühlt ist (ca. 3-4 Stunden).

Tipp: Der Kuchen schmeckt durch die vielen Eier am ersten Tag am besten und eignet sich auch hervorragend als Dessert!

Einfach noch  mit etwas Kokoschips garnieren und in Stücke schneiden – und  Sommer schmecken!

Guten Appetit!

Schokoladen-Desaster und Geburtstagskuchen

Paleo Schoko-TorteEin Geburtstagskuchen sollte es werden. Ein ganz besonderer Kuchen für meinen besondersten  Menschen. Ein anderer Kuchen als sonst. Denn gebacken wird hier ja regelmäßig. Auch wenn die meisten Leute (mich eingeschlossen) ihre Geburtstage gerne etwas herunterspielen und selbst nicht so ernst nehmen – man hat ja auch nichts dafür getan an diesem Tag das Licht der Welt zu erblicken, finde ich es immer ein besonderes Vergnügen über Geschenke und Geburtstags-Kuchen für andere Menschen nachzudenken.

Soweit die gutgemeinte Theorie, in der Praxis sah es dann leider erst einmal so aus, dass ich einen verheißungsvollen Kuchen versaut habe (eine Springform ins Wasserbad zu stellen ist nur dann gut, wenn man noch etwas Alufolie um die Form legt. Ansonsten macht man unfreiwilligerweise Wasserkuchen – und der lohnt die Arbeit nicht).

Nach der kurzen und schockierenden Erkenntnis, auf diesem Wege 500 Gramm 92% Schokolade verschwendet zu haben, habe ich mich wieder hingesetzt und mir überlegt, dass ich diesen Misserfolg nicht so stehen lassen kann.
Also habe ich geschaut, was die Speisekammer noch hergibt und habe mich einem weiteren Kuchen im Wasserbad gestellt. Zum Glück! Der Kuchen ist total leicht gemacht! Er ist ohne Nüsse! Er schmeckt auch als Dessert super! Und er sieht vielleicht harmlos aus…ist er aber nicht. Das Ursprungsrezept stammt wieder einmal von Swiss Paleo – einer meiner Lieblings-Anlaufstellen für Paleo Food Porn (um diesen Begriff jetzt auch mal unterzubringen), ich habe dann nur die Zutaten gekürzt und mit einem anderen Rezept gemischt, das ich leider nicht mehr finde.

Aber egal. Ich empfehle das Nachahmen, wenn einem der Sinn  nach etwas (mehr) Schokolade steht!

Das Rezept

250 Gramm bitteres Schokolade
6 Esslöffel Xucker
14 Teelöffel Butter (ja, ich habe tatsächlich gehäufte Teelöffel abgezählt)
4 Eier
Prise Salz
Teelöffel Vanille

Glasur
40-50 Schokolade
Kokosraspeln

  • Den Ofen auf 150 Grad vorheizen.
  • Den Xucker und die Butter mit der Schokolade im Wasserbad schmelzen. Vanille und Salz dazu.
  • Wenn die Schokolade geschmolzen ist, nicht zu heiß werden lassen, vom Herd nehmen und die verquirlten Eier unterrühren. Am besten mit dem Handrührgerät. Es entsteht ein kompakter Teig, der seidig-feucht glänzt.
  • Den Teig in eine gebutterte Quiche-Form geben und diese auf ein mit Wasser gefülltes Backblech stellen. Die Form sollte knapp zur Hälfte im Wasser stehen.
  • Nun ca. 50 Minuten im Wasserbad backen.
  • Den Kuchen aus dem Ofen holen und komplett auskühlen lassen. Dann die restliche Schokolade schmelzen und den Kuchen glasieren.
  • Diesen Alptraum konventioneller Ernährungs-Vorstellungen nun in den Kühlschrank stellen, er wird besser wenn er über Nacht noch so ein bisschen vor sich hinziehen kann und dann schön kühl und kompakt ist!

Vor dem Servieren noch etwas Kokosflocken drauf gestreut – das Auge isst mit und dann aufhören mit der Zurückhaltung und genießen!

Guten Appetit!

Es muss bald Sommer sein: Rhabarber-Apfel-Tarte

collage_RhabarberAls ich aufgehört habe, Getreide zu essen, gab es einen ganz bestimmten Kuchen, um den es mir tatsächlich leid tat, ihn nicht mehr zu essen: Die Rhabarber-Baiser-Torte aus dem Schulmuseum Steinhorst  in Niedersachsen. Bei elterlichen Besuchen in der niedersächsischen Heimat war dieser Besuch immer ein kulinarisches Highlight.

Nach den ersten zögerlichen Backversuchen drehe ich dieses Jahr total durch und backe, worauf immer ich Lust habe. In diesem Fall schwankte ich zwischen Apfel- und Rhabarber-Kuchen, Tarte Tatin oder Muffins. Das Ergebnis kam frei Schnauze, aber ist super lecker! Und wie immer: Nicht für jeden Tag, auch wenn es schwer fällt und ich manchmal innehalten muss, um nicht ständig etwas neues Süßes auszuprobieren.

Meine Zutaten

Für den Teig:

150 Gramm Mandelmehl
50 Gramm Kokosmehl
3 Esslöffel Pfeilwurzelstärke
150 Gramm Butter (aus Weidemilch)
1 Esslöffel Xucker
1 Teelöffel Vanille
Prise Salz

Für den Obst-Belag:

2 säuerliche Äpfel (Elstar – sind einfach meine Lieblingssorte –oder Boskop)
5-6 mittelgroße Rhabarberstangen
4-5 Esslöffel Xucker
2 Teelöffel Vanille
1 Ecke Butter
1 Prise Salzetwas Wasser

Für den Baiser-Belag

3 Eiweiß
4-5 Esslöffel Xucker (gehäuft)
Prise Salz

  • Ofen auf 160 Grad vorheizen.
  • Für den Belag:
    Obst schälen und in Stücke schneiden. In einer Pfanne den Xucker in etwas Wasser auflösen, bis der Sirup etwas dunkelt. Dann die Ecke Butter und das Salz dazu. Die Obststücke in dem Sud zu einem grobstückigem Kompott einkochen.
  • Für den Teig:
    Alle trockenen Zutaten mischen und mit der Butter zu einem weichen, klebrigen Teig mischen. Der Teig ballt sich etwas um die Rührhaken. Diesen Teig dann in eine gefettete Form drücken (Handarbeit) und mit dem Kompott füllen, dabei darauf achten, nicht alle Flüssigkeit aus der Pfanne zu verwenden, sondern eher den breiigen Kompott-Anteil, sonst wird der Kuchen zu feucht.
  • Für die Baisermasse:
    Die drei Eiweiß mit dem Xucker und der Prise Salz zu einer schön glänzenden Masse steifschlagen und auf dem Kuchen verteilen.
  • Ab in den Ofen und ca. 40-45 Minuten backen, bis der Rand schön goldbraun ist, ebenso wie die Baiser-Schicht.

Den Kuchen abkühlen lassen und dann auf schöne Teller und einfach alle Hauptmahlzeiten durch Kuchen ersetzen! Es ist nur einmal im Jahr Rhabarber-Saison!

Guten Appetit!