Falsches Filet, falsche Freunde und die richtige Form

faux_collageIch habe neue Freunde – Ansätze von Bauchmuskeln. Ja und, wer hat die nicht? Ich. Also zumindest hatte ich die nie oder sie haben sich gut versteckt. Denn trotz Sport und Quälerei war da immer noch so was, das nicht in das Bild passte, das uns das da draußen als Vorstellung vom fitten, durchgepflegten Menschen indoktriniert hat. Aber als ausgeglichener, friedliebender Mensch war ich bereit zu Friedensverhandlungen und wir hatten uns auf einen Status Quo geeinigt.

Bis ich kürzlich festgestellt habe, dass der regelmäßige Sport sich auszuzahlen scheint. Dank der Ernährung hatte ich keinen Grund zu jammern und wollte auch nicht abnehmen, aber ich wollte meine neu gewonnen Energie nutzen und kräftiger werden.  Nun kann ich zum ersten Mal so etwas wie körperliche Auswirkungen von Sport feststellen. Ich bin begeistert.

Und ärgere mich nach wie vor über die eigene Dummheit, die tatsächlich phasenweise dachte, der Schlüssel zur glücklichen äußeren Form läge in den Supermarktregalen. Ja, ich kann mich immer noch aufregen über Nahrungsmittelkonzerne, die doppelten Reibach machen, indem sie einfach direkt Diät-Programme hinterher schieben.

Einen Aspekt hatte ich bei der ganzen Kopfschüttelei über die klingelnden Diätkassen ganz vergessen. Neben der Konditionierung des Konsumenten, dass man sich Veränderung in Form von Fertigprodukten kaufen kann, schraubt natürlich auch die Kosmetikindustrie massiv mit an diesem scheinbar konsumierbaren Menschenbild. Ganz vorne mit dabei wieder einmal Unilever – wer erinnert sich nicht, das waren die mit ihrer rührenden Kampagne mit den echten Frauen. Ein großartiger Marketing-Kniff und so viele Frauen haben sich auf einmal verstanden gefühlt in ihrer Vielfalt…Mal ehrlich, das glaubt doch hoffentlich niemand, dass denen irgendetwas am Wohlbefinden oder Selbstwertgefühl der Frauen liegt? Dass da eine Marke die Lanze aufgenommen hat und in den Krieg zieht für ein selbstbewussteres Körperbild? Es tut mir leid – nein.  Aber man wird eingefangen von emotionalen und gekonnt gemachten Werbespots , die geradezu schamlos unsere Unsicherheitsknöpfe drücken und uns suggerieren, dass wir verstanden werden. Und so wird eine Marke für den Konsumenten zu einem emotionalen Erlebnis. Entsprechend positiv ist dann die Einstellung den Produkten gegenüber beim nächsten Einkauf und man kommt gar nicht auf den Gedanken auf die Inhaltsstoffe zu schauen.

Nein, das sind falsche Freunde, die uns weismachen wollen, wir müssten für eine Veränderung nicht auch etwas leisten. Die uns weismachen, wir könnten den bequemen Weg der offerierten Fertig-Lösungen gehen. Es ist traurig wenn man bedenkt, wie oft man selber schon solcherart in seinen Entscheidungen manipuliert wurde. Die vermeintliche Quälerei, die wir hinter einer Veränderung unserer Lebensumstände wittern, lähmt viele von uns. Wir sind Meister im Erfinden von Erklärungsmustern, die dem inneren Schweinehund in die Hände spielen. Um was wir uns bringen, wenn wir niemals etwas investieren in die Arbeit an der echten Veränderungen, ist das unglaubliche Gefühl des Stolzes, wenn man seine eigenen Hürden überwindet und Erfolge erzielt (und diese Erfolge könnend dabei ganz unterschiedlich, vielfältig, klein, groß oder heimlich sein). Da wird der Deckel drauf gehalten, denn wer einmal anfängt, beginnt das Gefühl zu lieben, das jeder kleine Sieg über den inneren Schweinehund bringt und macht weiter. Nicht indem man Tausend Dinge  von heute auf morgen umreißt, sondern indem man sein eigenes echtes Tempo findet.

Unbequemlichkeit lohnt sich.

Ganz banal hat mein kleiner Kampf gegen den Schweinehund heute ganz prosaische Züge getragen und hing damit zusammen, dass irgendwie der Ruf nach einem Sonntagsessen lauter wurde. Ein Omelette wäre fix gegangen, ohne nachzudenken, das mache ich tatsächlich im Halbschlaf. Aber da lag ein Faux Filet vom Rind im Kühlschrank und mein superduber Spiralschneider wollte eingesetzt werden.

Also doch einmal nachdenken und dann war die Lösung so simpel und das Ergebnis so köstlich, dass ich froh bin mir den Moment genommen zuhaben.

Das Rezept

Faux Filet vom Weiderind mit Knoblauch Zucchini-Spaghetti

400 Gramm Faux Filet
2 mittlere Zucchinis
2 Zehen Knoblauch
Olivenöl
Kokosöl
Salz
Pfeffer

  • Die Zucchinis waschen, die Enden abschneiden und einmal durch den Spiralschneider drehen, so dass sich schön lange Zucchini-Spaghetti ergeben.
  • Das falsche Filet von möglcihen Sehnen befreien in gleichmäßige Scheiben schneiden und pfeffern. Das Kokosöl erhitzen und die Filets von beiden Seiten je eine Minute schön scharf anbraten. Ich habe mehrfach gelesen, dass das Faux Filet sich nicht zum Kurzbraten eignet und eher geschmort werden sollte, aber ich muss sagen es war wunderbar.
  • Parallel das Olivenöl erhitzen, den Knoblauch andünsten und dann die Zucchini-Spaghetti dazu geben. Salzen und pfeffern und unter gelegentlichem Durchrühren ca. 6 Minuten andünsten, bis sie leicht glasig und gar sind.

Fertig ist der Spaß. Mit dem Olivenöl und etwas Bratensaft für guten Geschmack und die Fett-Bilanz auf den Teller geben.

Guten Appetit!

Was’n das? Essen, echt und zum Anfassen in Zeiten des Plastikfraß

Paleo Fisch GrillAuch wenn man sie zu guten Teilen abgelegt hat, kann die eigene Naivität immer wieder Anlass für Heiterkeit oder ratloses Kopfschütteln sein. Irgendwo im sozialen Netz fand ich gestern einen Artikel verlinkt, der einem noch einmal klar zeigt, was die Lebensmittelhersteller in ihren Konsumenten sehen: Blöde, manipulationswillige Schafe, die sich das Denken ersparen, indem sie den Marken vertrauen und weiterhin bereitwillig für ihre bequeme Unwissenheit zahlen. Wobei Unwissenheit hier bedeutet, das Offensichtliche auszublenden, nicht Unwissenheit in Ermangelung zugänglicher Informationen.

Aber sei es drum, diese Gesellschaft bekommt vielleicht halt einfach das, was die Strippenzieher denken, das sie verdient.

Nur worüber rege ich mich eigentlich auf? Über das scheinheilige doppelte Spiel, das sich Konzerne wie  Heinz, Unilever und Nestlé wunderbar in klingelnde Kassen übersetzen lassen.

Das Szenario ist das Folgende: Weltweit kaufen Menschen mit der allergrößten Selbstverständlichkeit Produkte, die vielleicht noch althergebrachte Namen tragen, aber mit dem Ursprungsprodukt nur noch wenig gemein haben. Man denke nur an Inhaltsstoffe im Käse, Fertigkuchen und ominöse Würzmischungen, die uns das Leben leichter machen sollen. Ohne groß zu hinterfragen wandern die Dinge in die Einkaufswägen, ist ja auch so wenig Zeit und geht so schnell und was Gutes drin ist, steht groß vorne drauf. Wenn die Erleichterungen des Alltags aber langfristig schwerer machen, muss sich was ändern! Und so rutschen wir vor den Regalen einfach einen Meter weiter und kaufen Produkte derselben Unternehmen, die uns das Leben schwerer gemacht haben und suchen nach Hilfe. Und in den Marketingabteilungen werden die Hände gerieben und es ist ein großer Spaß. Beispiel: Grusel-Pampen wie Slim Fast, das eigentlich aus dem Hause Unilever stammt.  Scheint, man hat sich in der Zauberküche von Knorr und Kunst-Fetten wie Becel, Rama und Lätta der völligen Verkünstlichung von Nahrungsmitteln verschrieben. Aber es läuft, es läuft. Weltweit ersetzen Menschen ihre Mahlzeiten durch Slim Fast Produkte und haben keine Zweifel daran etwas zu konsumieren, dessen Inhaltsstoffe einem den Appetit verderben. Aber hey, es sind Vitamine zugesetzt. Na dann – wohl bekomms. Und als kleines Goodie obendrauf – Allpharm, der Hersteller von Slim Fast, hat auch noch feine biologische Insektizide im Programm. Wunderbare Welt der Chemie.

Subtiler wird es dann mit dem System vom Weight Watchers. Denn hier ist der Ansatz nicht der Schlechteste. Das dem Prinzip zugrunde liegende Punkte System, das Nahrungsmitteln aufgrund ihre Zusammensetzung Punkte zuteilt, zwingt zu einer bewussteren Ernährung, will man sein erlaubtes Punktekontingent einhalten oder unterbieten und abnehmen. Ad absurdum wurde das System aber mit dem Einstieg des Nahrungsmittel-Konzerns Heinz geführt. Der Hersteller von so überflüssigen wie schädlichen Produkten wie Ketchup, Fertigsoßen und Instantsuppen beglückt Konsumenten mit einer breiten Palette an Weight Watcher Fertigprodukten, die eine, ach so große Hilfe sind und einem durch die ausgewiesenen Punkte in der Diät unterstützen sollen. Ohne zu hinterfragen wird hier zugriffen. Man tut sich ja was Gutes, macht Diät! Das Denken wird ausgeschaltet und der Fertigfraß  dankend konsumiert.

Man denkt, es tut Menschen einfach nicht weh genug, als dass ein allgemeines Umdenken stattfinden könnte. Die gedankliche Transfer Leistung, dass was ich essen damit in Verbindung zu bringen wie es mir geht und welche Auswirkungen Nahrung auf den Körper hat, versagt immer wieder an irgendeiner Stelle der Gedankenkette. Würde man diesen Gedanken zu Ende denken, würde man zu vieles in Frage stellen, sich bewegen – etwas ändern müssen. Nö, heute nicht.

Besser selber machen: Whole Foods – im Englischen, wird im Deutschen mit vollwertiger Ernährung  übersetzt, was bei uns oftmals mit Vollkornkost gleichgesetzt wird. Das Konzept, das sich aber dahinter verbirgt, ist das einer Ernährung, die auf frischen, unbehandelten (sprich: frei von Zusatzstoffen) Lebensmitteln basiert.

Der einzig vernünftige und der ursprünglichste Weg sich zu ernähren, der einen sensibel werden lässt für die Perversionen, die die Lebensmittelindustrie produziert und welche Auswirkungen diese Produktionsbedingungen auf unsere Umwelt haben.

Deshalb: Mut gefasst, selber entschieden und immer wieder Neues ausprobiert, das einen da so in seinem natürlichen Zustand anlacht.

Wie neulich im Urlaub:
Sardinen aus der Bretagne
Einfach so auf den Grill.

Das Rezept
4-5 mittlere Sardinen pro Person
Olivenöl
Salz
Zitrone
Pfeffer

  • Den Grill runterbrennen bis die Kohle mit weißer Asche bedeckt ist.
  • Die Fische ausnehmen unter kaltem Wasser abspülen und trocken tupfen. Merke: Die Augen der Fische müssen klar sein. Hat ein Fisch trübe Augen, ist er nicht frisch und wird nicht gekauft!
  • Den Grillrost mit Olivenöl einreiben und die Sardinen ebenfalls mit Öl bestreichen.
  • Nun von jeder Seite ca. 5 Minuten knusprig grillen und wenden bevor der Fisch am Rost klebt.
  • Die Sardinen auf einen Teller eben und noch etwas Olivnenöl, Zitronensalz und nach Geschmack Pfeffer drüber geben.
  • Zum Essen nun, je nach Größe, den Kopf entfernen und die die Hauptgräte mit der Schwanzflosse entfernen. Bei kleineren Fischen lässt sich diese Gräte durchaus mitessen. Das ist eine Frage des Geschmacks.

Dazu Paleo-Brot, gegrillter Fenchel,schlichten grünen Salat mit Zitronensaft, Olivenöl Salz und Peffer und ein paar Beeren nach Wahl oder Apfelstücke.

Guten Appetit!

Sommertage und das dicke Kind

Paleo DiätDer Himmel trägt sommerliches Grau, was die Frage ob Schwimmbad oder Schreibtisch hinreichend beantwortet. Eine gute Gelegenheit sich vielleicht einmal im Geschriebenen nackig zu machen.  Immerhin keine Sonnenbrand-Gefahr aber ein wenig Selbstüberwindung gehört dazu, dass innere dicke Kind nach außen zu tragen. Denn, Schwächen zeigt man nicht so gern. Aber gemäß der täglichen Schweinehund-Konfrontation drehe ich ihm eine lange Nase und lasse die Hosen runter. Oder so.

Wer sich im Internet über die Paleo-Ernährung informiert wird früher oder später auch auf die Vorher-Nachher-Bilder stoßen.

Es ist beeindrucken zu sehen, welche Veränderungen Menschen über die Umstellung der Ernährung erzielen können. Diese Menschen haben ihr Leben verändert.

Und ich werde dann immer leicht wütend wenn ich an die einschlägigen Frauen- und Lifestyle-Magazine denke, die einem jedes Jahr wieder den Bikini-Notfalls-Plan und die neusten Diät-Trends präsentieren. Man muss ihnen ja zu Gute halten, dass mittlerweile auch die Paleo-Ernährung auftaucht. Wenn auch nicht immer gut recherchiert und mitunter etwas tendenziös in der Darstellung. Es ist halt nicht so konform mit dem was uns der Mainstream bisher eingetrichtert hat.  Aber mal ganz ehrlich, die herkömmlichen Diäten haben doch eines bewiesen – sie wirken nicht oder nicht langfristig und kehren noch immer grundsätzliche Fakten unter Teppich: Es gibt nichts geschenkt in der Arbeit an der äußeren Hülle und mit dieser ist es auch nicht getan. Wer Änderungen erfahren will, muss sie konsequent umsetzen und darf nicht auf schnelle Belohnungen hoffen. Aber gekonnt wird da in den Redaktionen und bei den Urhebern der Konzepte mit den Sehnsüchten und Wünschen von uns Leserinnen gespielt. Und das Thema rührt so tief, dass wir es sogar schaffen unsere Rationalität auszuschalten und unsere Intelligenz zu beleidigen.

Aber zurück zum Wesentlichen: Ich mag nicht von Diäten sprechen, nicht von Diäten wie wir es heute zumeist verstehen. Für mich ist das Paleo-Konzept tatsächlich ein ziemlich weitgreifender Lebens Entwurf, der über  den bewussten Umgang mit Nahrung hinaus führt in andere Bereiche. Das ist der eine Grund. Der andere ist, dass bei mir ein innerliches Sich-Winden einsetzt wenn ich von Diäten spreche. Ich habe meine Erfahrungen hinter mir. Nie so wirklich schlimm, dass ich stark übergewichtig war, aber immer war ich am Kämpfen und es gab Schwankungen, die ich mit viel Anstrengungen versucht habe aufzufangen. Indem ich Punkte zählte, für teures Geld Diät-Fraß vertilgte, kurzzeitig Sportsüchtig war und und und….dauerhaft unzufrieden. Das vor allem.  Und das viel zu lange. Angefangen hat es mit 16 Jahren und einer Abhängigkeit von der täglichen Waagen-Tortur und hat mich dann begleitet.  Erschreckenderweise mein halbes Leben lang.

Wie oft war meine Stimmung und Tagesform abhängig  davon, was die Waage sagte und nachdem ich diese verbannt hatte (so viel Intelligenz besaß ich noch) hing es an den Klamotten. Ein ständiger Wechsel zwischen sich verhüllen um von den selbstempfundenen Makeln abzulenken und dem, meist leider sehr temporären, Gefühl der Akzeptanz.

Und das Schlimmste für mich war – ich wusste gar nicht wo ich hin wollte. Ich war nicht stark übergewichtig und hatte kein klares Ziel vor Augen, ich war nur nie zufrieden und habe eigentlich nur gesehen was  mir alles nicht gefiel an mir. In meiner Unzufriedenheit wurde das Ganze dann nur verstärkt und es gab eine Zeit, in der mich dem Gefühl zu sehr hingegeben habe – meine Erfahrung war ja: Ist egal was ich mache, ich werde eh nie so aussehen wie….ja, wie was oder wer? Auch wenn ich mich runterhungere werde ich nie 1,80 sein und Körper sind ja, wunderbarerweise, nicht genormt. Ich wusste nicht wo ich hin will mit meinem Äußeren, ich wusste nur dass mir nicht gefällt, was ich da im Spiegel sah, in den ich nicht so gerne schaute. Und dieser wenige Respekt mir selbst gegenüber rächte sich. Auf einmal zeigt die Waage, die ich zufällig kreuzte, 80 Kilo bei 1,65m an. Das ist nicht ok. Das ist zu viel und es sieht auch nicht gut aus. Ich hatte Kopfschmerzen, Knie-Probleme und Magen-Probleme.

Ich habe damals die Notbremse gezogen, wahnsinnig viel Sport gemacht und mein Leben umgekrempelt. Es zeigten sich Erfolge, ich war zufriedener aber noch nicht richtig. Auf einmal war es nicht nur mein Körper sondern auch das Sport-Pensum, die mich bestimmten. War ich zwei Tag nicht Laufen, sank meine Stimmung und ich hatte das Gefühl mit jeder Minute neue Kilos anzusetzen. Mir taten die Knie weh beim Laufen aber ich machte weiter, dazu noch Schwimmen und Yoga. Es war aber mehr ein Kampf als Vergnügen. Mein Körperbewusstsein und ich hatten dann nach ungefähr 2 Jahren einen Status Quo ausgefochten. Es war ok so wie es war. Nicht mehr und nicht weniger. Ich wollte mich davon nicht mehr bestimmen lassen.

Das ging aus ganz gut, war aber unterschwellig da, als ob eine Aussprache mit einem nahen Menschen im Raum steht, der man aus dem Weg geht.

Dann, vor etwas über einem Jahr, hielt dann die Paleo-Küche Einzug.  Und plötzlich änderte sich noch einmal alles. Kleine Wehwehchen verschwanden und ich merkte, dass eine Grund-Angespanntheit eben kein Normal-Zustand ist. Und, mein Bauch stand nicht mehr im Zentrum des Körpergefühls. Ein total komisches Gefühl nach langen Jahren einer angespannten Beziehung. Er gab auf einmal Ruhe. Keine Schmerzen, Unruhen oder Ballon-Zustände. Das war eine solche Erleichterung. Und dann nahm ich auch noch ab. Das hatte ja nicht im Vordergrund gestanden und bei mir dauerte es tatsächlich, während mein Mann in rasanter Zeit dahin schmolz , ließ mein Körper sich Zeit. Aber irgendwann merkte ich, dass aus einer Kleidergröße 40-38, erst eine 38 wurde und dann eine konstante 36. Und da stehen wir jetzt. Und ich habe keinen Grund mich zu beklagen. Das neu gewonnene Energie-Level hat den Sport zu einem regelmäßigen Begleiter gemacht. Allerdings in einem Maße, das mir gut tut und an dem sich meine Stimmung nicht mehr aufhängt. Und auf einmal sind da Muskeln, von denen ich nie dachte, dass ich sie einmal sehen würde.

Also alles gut, oder? Hmm, jein. So sehr mich der Blick in den Spiegel jetzt erfreut (ich muss zugeben manchmal ganz erstaunt zu sein), so sehr merke ich auch wie tief das gestörte Gefühl zu mir selber sitzt. Irgendwie war da immer ein gefühltes dickes inneres Kind, das alles Äußere weggewischt hat und für  Unzufriedenheit sorgte. Ich habe das Gefühl nach gut 20 Jahren konstanten Kampf um ein (mir nicht bekanntes) Wunschbild, ist erst jetzt der Zeitpunkt da, dem dicken Kind die Hand zu reichen und es in den Ruhestand zu schicken. Wenn ich die Länge der Zeit dieser inneren Auseinandersetzung und Unzufriedenheit betrachte, macht mich das traurig, bestärkt mich aber auch darin es nun besser zu machen. Und ich frage mich wie vielen es geht wie mir. Ob es in meiner Generation überhaupt so etwas gibt wie ein entspanntes, gesundes Körper-Bewusstsein. Ich fürchte fast nein, oder es ist nur ein kleiner Teil der Frauen (und auch Männer), die sich wirklich akzeptieren und angenommen haben. Und damit meine ich nicht, sich mit Übergewicht abzufinden, denn damit tut man seinem Körper einfach nichts Gutes und die gesundheitlichen Vorteile einer gesunden Ernährung und eines entsprechenden Gewichts sollten einem die Mühe wert sein – ist die langfristige Belohnung doch mehr als entschädigend. Ich meine die innere Einstellung, dass das Wohlbefinden eben nicht an den zwei Kilo hängt, die vermeintlich noch runter können – denn die bleiben als eingebildeter Störfaktor, bis man sich selbst die Hand reicht und einen Schluss-Strich zieht unter den Selbstbetrug und die Schinderei.

Ach ja und wenn ich ins Freibad gehe, denn die Sonne ist wieder da, dann leiste ich mir ein Akt der inneren Rebellion – ich ziehe meinen Bauch nicht ein!

Coming out – Paleo und das liebe Umfeld

IMG_3502Es ist nie einfach, wenn man scheinbar feststehende Gegebenheiten umschmeißt und plötzlich etwas völlig Neues wagt.
Das gilt für Lebensentwürfe, die sich plötzlich ändern können, etwa weil man sich trennt, verheiratet, die Stadt verlässt oder den Job wechselt. Das gilt ebenso für Hobbies, die man lange geteilt hat und sich dann etwas Neuem zuwendet.
Ganz besonders aber scheint es das Umfeld zu verstören, wenn dies sich auf so Grundsätzliches wie das Essen bezieht.

Wenn jemand heute plötzlich seine Ernährung umstellen muss, weil er Allergien hat oder Unverträglichkeiten, wird dies akzeptiert – auch wenn im Hinterkopf sicher oftmals der Gedanke mitschwingt: „Da stellt sich jemand an.“ Wenn plötzlich Diäten probiert werden, lächelt mancher innerlich, lässt es aber zu, tut dort doch jemand etwas für seine Gesundheit.

Was aber, wenn man sich plötzlich in ganz vielen Fragen des Essens außerhalb des Mainstreams stellt? Was, wenn man sich entscheidet, einen Weg zu gehen, der das gemeinsame Essen mit Anderen etwas schwieriger gestaltet, da man auf vieles (freiwillig) verzichtet, nicht weil man es muss, sondern weil man sich besser ohne fühlt?

Was macht man, wenn man kein Getreide (auch keinen Reis oder Mais), keine Milchprodukte, keine Kohlenhydrat-Bomben wie Kartoffeln, keinen Zucker (weder Industrie noch Rohrzucker) und nur noch wenig Obst und ausgewähltes Gemüse isst? Viel gutes Fett und viel Fleisch – und das eigentlich bevorzugt aus artgerechter, sprich Weidehaltung. Keinen oder nur noch wenig Alkohol trinken möchte und verträgt. Dann wird man am Essenstisch oft unfreiwillig zum Gesprächsthema und gilt vielleicht auch als zu extrem oder verschroben. Und der Moment, in dem man dann öffentlich damit rausrückt, dass man sich steinzeitlich ernährt fällt nicht immer leicht. Der Begriff löst einfach einen Klischee-Automatismus aus, den man dann erst einmal wieder durchbrechen muss.
Eine Situation, die viele, die sich entschließen nach Paleo-Prinzipien zu essen/leben, sicher teilen werden.

Ich hoffe immer auf das Verständnis der Mitmenschen und versuche so wenig Umstände wie möglich zu machen, aber dennoch scheint man gerade beim Thema Ernährung immer wieder, und ohne dies zu wollen,  an wunde Punkte zu rühren.
Denn da offenbart sich die ganze zwiegespaltene Haltung zum Essen, die wir in unserer Auswahl-Gesellschaft entwickelt haben – die einen beäugen argwöhnisch, dass man plötzlich abnimmt ohne Diät zu machen und fühlen sich bedrängt, weil es vielleicht ein persönliches Thema ist, die anderen fühlen sich in ihrer Komfort-Zone hinterfragt, weil sie informiert sind über industrielle Lebensmittelproduktion, aber doch aus Bequemlichkeit und Genuss auch Kompromisse eingehen.  Mitmenschen, die tierische Produkte für sich ablehnen, werden oft sehr offensiv und ablehnend in ihrer Argumentation. Andere wiederum verweisen auf die Kosten einer solchen Ernährung und werfen einem indirekt vor, sich damit elitär zu verhalten, da es nicht jedem möglich sei, sich entsprechend zu ernähren und dass so etwas angesichts der wachsenden Weltbevölkerung gar nicht flächendeckend umsetzbar wäre. Wieder andere sind, natürlich, geprägt von Ernährungsgrundsätzen, die – nicht zuletzt gesteuert von der Industrie – bestimmte Ernährungsrichtlinien propagieren. Und diese werden plötzlich hinterfragt.

Es ist dann nicht immer einfach nur ruhig zu bleiben, aber ich bin wahrlich kein missionarischer Charakter. Das Wunderbare ist ja, dass der Mensch mit der Fähigkeit ausgestattet wurde, Entscheidungen zu treffen. Und das soll auch bitte jeder für sich tun, aber dabei auch ehrlich zu sich selber sein, welche Motivation den eigenen Entscheidungen zugrunde liegt. Oftmals ist es nämlich auch eine gewisse Bequemlichkeit, sich mit bestimmten Themen nur oberflächlich auseinanderzusetzen.

Ich persönlich bin einfach überzeugt von den Fakten. Davon, dass ich gesund und ausgeglichen bin und auch so aussehe. Davon, dass Einkäufe vielleicht neu koordiniert werden aber tatsächlich gar nicht teurer sind. Davon, dass ich meiner Liebe für gutes Essen und Koch-Experimente noch einmal neu nachgehen kann und nicht zuletzt davon, dass ich mich deutlich unabhängiger fühle von der Nahrungsmittelindustrie und ihrer Einflussnahme.

Zwei schöne Bücher für den Start und die Auseinandersetzung mit dem Thema sind, wie ich finde:

The Vegeterian Myth: Food, Justice and Sustainibility von Lierre Keith

Das Urgeschmack Kochbuch von Felix Olschewski, das, wie ich finde, einen guten Erläuterungsteil zu den Grundsätzen der Paleo-Küche bietet und das schon fleißig verschenkt wurde.

Wie bei allem, was ich lese gilt auch hier: Jeder ist angehalten, sich seine eigenen Gedanken zu machen und ich möchte drauf hinweisen, dass ich durchaus zu kritisch hinterfragenden Lesern gehöre. Ich empfehle keine Bücher, weil ich sie für unveränderlich feststehende Weisheit halte, sondern weil sie mich, ganz persönlich, zum Weiterdenken animiert haben.

Ich wünsche eine spannende Lektüre!