Der pinke Elefant im Raum: Kinderkriegen

Wie stehe ich zum Kinderkriegen

Wie stehe ich zum Kinderkriegen?

Nicht, dass der Kopf nicht schon genug in Bewegung wäre. In diesem Falle hat er lang Gedanken gewälzt und überlegt, ob es zu privat ist, diese zu teilen. Aber manchmal lohnt es sich über den eigenen Schatten zu springen.

Schwangerschaften im abgesteckten Zirkel eines Bekanntenkreises sind mitunter vergleichbar mit einer ansteckenden Krankheit – es bleibt meist nicht bei einer. Und man verzeihe mir das Bild, es lag so im Raum. Als Frau zwischen Ende zwanzig und Ende dreißig entkommt man dem Thema Schwangerschaft nicht. Freundeskreise verändern sich einfach, sobald kleine Kinder ins Spiel kommen und neben den schönen Neuerungen und der Freude für Freunde, muss man sich auch einiges gefallen lassen, wenn man die Entscheidung des Kinderkriegens für sich nicht so eindeutig und schnell mit „Ja“ beantworten kann oder will.

Es gibt die super entspannten Mütter, die sich freuen, dass da jemand für einen Moment das Kind abnimmt und die sich offen begeistern, mal nicht unter anderen Müttern zu sein. Da gibt es meist sehr unterhaltsame Geschichten, aber ganz ehrlich, es ist auch keine positive Werbung für den Mütterstand, wenn man erzählt bekommt, wie viel Wettbewerb über den Vergleich von Entwicklungsstadien bei Kleinkindern abläuft. Schlimm hört es sich auch an, wenn einem intelligente Frauen, die erfolgreich im Beruf sind, erzählen, dass sie sich unter Druck gesetzt fühlen, wenn sie sehen wie generalstabsmäßig andere Eltern den Entwicklungsprozess ihrer Kinder planen. Hier ein Instagram-Foto vom Klavierunterricht der leiben Kleinen, auf Facebook schnell das Bild vom Kinderchor oder dem Kreativ-Workshop der Kleinen geteilt. Nicht immer ohne Absicht wird hier bereits ein Wettbewerb geschürt, der natürlich auch auf die Kinder abfärbt und liebe Menschen fragen sich, ob sie ihr Kind für die Zukunft benachteiligen, wenn sie ihm einfach erst einmal ganz viel Raum lassen. Und natürlich fragt man sich in Gedanken, wie würde ich es lösen?

Dann gibt es Menschen, die gar nicht oft genug betonen können, wie unvergleichlich das Mutterglück ist und sie schaffen es leise Mitleid mitschwingen zu lassen, wenn man sagt, man sei sich nicht sicher, ob ein Leben mit Kind der eigene Weg ist. Natürlich respektiere man solche Entscheidungen, aber… Und im nächsten Moment, wenn sich der Goldschatz in eine kleine Heulboje verwandelt, weicht auch das Mutterglück für einen guten Moment der Angespanntheit, Genervtheit und das Gesicht strahlt nicht mehr vor mütterlicher Liebe, sondern wird hart. Und wieder die Frage, wie würde ich das wohl handhaben?

Und auch wenn allen meinen Bekannten ganz wunderbare kleine Menschen als Kinder beschert wurden, wer sagt denn, dass es immer so ist. Was ist, wenn sich da ein Wesen entfaltet, das mir so gar nicht liegt? Wenn es andere Kinder piesackt, lügt und manipuliert… Wenn es einen mir völlig fremden Lebensweg wählt, meine Werte und Bildungsziele nicht teilt?? Wie frei davon sind Eltern, Kinder nicht mit eigenen Wünschen, Ambitionen und Bildern zu besetzen. Wie viel Freiraum kann man ertragen, wie viel unabhängige Entwicklung hinnehmen, ohne sich in Kämpfen zu verausgaben, um das Kind in eine bestimmte Form zu pressen. Man will doch nur das Beste?

Und was ist mit all den äußeren Faktoren, denen ich einen kleinen Mensch aussetze? Wie stabil sind unsere gesellschaftlichen Strukturen? Wie lange noch, bis sich der Raubbau an unserem Planeten in Konflikten äußert, die auch uns in unserer westlichen Blase direkter stören?

Ich glaube, wer Momente reinen Glücks gespürt hat, kann sich auch ohne praktische Erfahrung in Grundzügen vorstellen, wie unfassbar intensiv viele Momente mit dem kleinen Wesen sind. Wobei dabei bei mir leider auch die Erklärungsstimme laut wird, das sind die Hormone, es muss die enge Bindung geben, da die kleinen Zwerge sonst überhaupt nicht lebensfähig sehen.

Ich kann mir nicht helfen und es tut mir auch nicht leid, aber ich kann die Frage nach dem Kinderkriegen nicht durch eine rosarote Blume und im Rama-Familien-Kontext sehen. Es wird dann ja oft behauptet, man würde sich der Verantwortung nicht stellen wollen, wäre egoistisch, nicht bereit Kompromisse einzugehen. Blablabla… Ich bin nicht am Hadern, weil ich denke, ich würde etwas aufgeben müssen. Es gibt so viele Beispiele, die zeigen, dass Familien gerade dann funktionieren, wenn sich die Eltern nicht der Selbstaufgabe verschreiben – sondern auch an sich und ihre vielen weiteren Rollen arbeiten (in der Partnerschaft, im Beruflichen) und die Elternrolle als eine weitere, bereichernde integrieren. Sind glückliche Eltern nicht auch gute Vorbilder? Ich würde es mir so wünschen.

Mir so wünschen, das ist der Punkt, mit dem ich hadere. Was möchte ich? Ich kann nicht mehr so knallhart sagen, dass ein Leben ohne Kinder einfach mein Modell ist. Es ist vielmehr so, dass es völlig ok ist, wenn es so bleibt, wie es bis hierher ist – kinderlos.

Und vielleicht sind es die Hormone (ich möchte mich ungern von chemischen Prozessen meines Körpers leiten lassen) oder es sind die erstaunlich vielen unerwarteten Kommentare von Freunden und Bekannten, die uns sagen, dass wir bestimmt entspannte Eltern wären. Oder es ist die Tatsache, dass angesichts des Umstands, dass ich mich im letzten Drittel der 30er bewege, die Entscheidung auch biologisch und auch moralisch zu einer endgültigen wird. Egal in welche Richtung. Ich kann nicht mehr klar nein sagen, aber ich kann auch nicht eindeutig ja sagen… Wenn ich mich dafür entscheide, falle ich voll und ganz in die Schreckgespenstgruppe der anstrengenden Spätgebärenden – ich muss die Klischees ja nicht erfüllen. Aber wie alt ist zu spät? Es ginge dann ja nicht mehr nur um mich und den besonderen Menschen, sondern um noch ein Leben.

Schön ist es, wie offen wir über dieses Thema sprechen können, ehrlich ohne Vorbehalte. Aber manchmal nagt da auch die Frage, ob sich das Thema der letztlich biologischen Funktion der Fortpflanzung mit rationalen Abwägungsmodellen lösen ist.

Ich weiß es nicht. Tatsächlich wusste ich noch nie etwas so sehr nicht. Naja, für den Moment ist der Kopf ja auch mit anderen Themen am Rotieren.

Vielen Dank.

Pause machen, Beliebtheits-Wettbewerbe und mit Zimtsternen an der Weihnachtsstimmung arbeiten

Zimtsterne in FrankreichDa hatte ich mich wohl zu früh gefreut und die letzte vorweihnachtliche Woche schon im Geiste ganz entspannt verplant. Ein paar Karten schreiben, die Ruhe des Geschäfts nutzen und sich schon mal im Kopf auf die Zeit zwischen den Zeiten, dieses komische Gefühl zwischen Weihnachtsrummel und Sylvesterhysterie einzustimmen. Denkste. Wirbeln ist angesagt. In diesem Jahr begegnen wir dem Trubel durch völligen Entzug. Ab in die französischen Berge und genießen, dass die Franzosen ihr Jahr ohne Knallerei ausklingen lassen. Pause machen. Denn was da zu Ende geht, war mit Sicherheit eines der bewegtesten Jahre meines Lebens. Und da ich selber mittendrin stecke, mache ich mir das oftmals nicht bewusst.

Ich werde immer ganz verlegen, wenn jemand sagt, dass wir mutig seien, einfach so weg aus Berlin, aus der Festanstellung in das eigene Büro, auf dem Dorf… Das ist ein so liebes Kompliment, diesen Mut zu sehen. Ich nehme ihn persönlich gar nicht so wahr. Der kleine Mut, er hätte sicherlich auch manchmal mehr Aufmerksamkeit von mir selbst verdient. Aber solche Dinge fallen mir schwer. Ich tue Dinge, aber indem ich sie tue, erscheinen sie mir gar nicht mehr so groß und ich wundere mich dann mitunter, was für Themen manche Menschen da gut sichtbar für das Umfeld vor sich hertragen. Hätte ich gerne mehr davon? Ich glaube nicht. Der Grad ist mir zu schmal.  Aber es macht das Leben mitunter nicht einfacher, wenn man immer wieder auf diesen Typen Menschen trifft, der ja in unserer Gesellschaft besonders gepäppelt wird.

Tatsächlich ist eine ganz klare Erkenntnis dieses Jahres, dass ich deutlich weniger Menschen in meinem Leben brauche, als ich immer dachte. Ich bin ein sehr soziales Wesen. Ich liebe den Austausch und finde Menschen grundsätzlich faszinierend und spannend, aber einen großen Teil dieser Neugier stille ich durch die vielen Begegnungen, die sich zwangsläufig über meine Berufswahl ergeben und der Kreis der lieben menschlichen Konstanten um mich herum hat sich verändert, auch verdünnt und zum großen Teil intensiviert. Dafür bin ich dankbar.

Das war eine spannende Entwicklung und es ist wunderbar durch Veränderungen den Impuls zu bekommen, Freundschaften und Kontakte noch einmal anders zu pflegen. Pflege haben sie nämlich verdient, wenn sie Substanz haben.  Und das Thema loslassen spielt auch hier wieder mit hinein. Weniger, dafür enge Kontakte im persönlichen Umfeld heißt irgendwie auch, sich ein bisschen unabhängiger machen von dem, was andere denken mögen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht freundlich bin. Den zwischenmenschlichen Respekt eines zivilisierten und erwachsenen Umgangs setze ich mal voraus. Aber ich denke so langsam bin ich ja erwachsen geworden und die Beliebtheitswettkämpfe aus Schulhofzeiten dürfen bitte auch in jenen fernen Tagen bleiben, sie waren mitunter schmerzhaft und turbulent genug. Ein wenig befreiend ist dies auch, wenn man feststellt, dass einen gar nicht jeder mögen muss. Ich mag auch nicht jeden und lieber – statt immerzu gefällig zu sein (ich bin eine sehr ausgleichende Waage) – möchte ich lernen noch öfter auch mal Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen. Leicht fällt mir das tatsächlich nicht. Der andere Teil von mir ist da recht ausgeprägt. Aber es muss sein. Für sich selber. Denn erschreckend viele Menschen wissen, dass andere Menschen eher nicht laut und nach draußen sondern leise und nach innen sind und nutzen das aus. Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben ein komplexes Sozialverhalten. Aber das ist ein Thema für sich.

Weniger ist also manchmal echt mehr und ich mache den Wert meiner Person auch nicht abhängig von Facebook-Kontakten oder Zugriffszahlen auf diesen Blog.  Abe es gibt sie da draußen, die Leute mir ihrer ganz persönlichen Social Media Strategie. Gruselig. Gruselig auch, weil da einfach soviel (falsche) Oberfläche aufgebaut wird. Und das führt mich zurück zu dem Weg durch dieses Jahr,  der hat sich so ergeben und alles, was wir getan haben, erschien irgendwie schlüssig und sinnvoll und die Unklarheiten und Wenns und Abers, die konnten das gute Gefühl, das der Bauch hatte, nicht aufwiegen. Und auch wenn nicht immer nur alles Sonnenschein über lieblichen Hügeln ist, sondern auch das ein oder andere Aushalten in auftragsärmeren Zeiten zu bewältigen ist, gibt das innere behagliche Stimmchen mir doch jeden Morgen recht, wenn es mit halboffenen Augen durchs Fenster gähnt und hinter den Häusern auf dem Hügel den Waldrand sieht, mal im Regen, mal verborgen im Nebel oder unter einem glasklaren Himmel. Dann fällt alles an den richtigen Platz. Es war der richtige Weg. Es ist der richtige Weg.

Und während ich hier schreibe fällt mir ein, wie ich vor dem Wegzug noch mit einer Freundin gespaßt hatte, ich könnte dann ja so einen „Raus aufs Land“-Blog schreiben, so Landlust-Phantasien und Ästhetik für müde Großstädter wie mich. Aber das war nicht dran und das war auch nicht ich, da wäre es weiter nur um Projektionen und Bilder gegangen. Ich mag Konzepte, die auch Raum zum Scheitern lassen. Und dieser Blog ist eigentlich mehr als Übung in Disziplin und private Schreibübung entstanden. Um den inneren Schweinehund zu überlisten.

Und dann hat er sich verselbstständigt, denn plötzlich war da sehr wohl ein „Raus aufs Land“-Konzept, nur völlig anders geartet, als ich es mir anfangs hätte vorstellen können. Die Rezepte, die für mich der Aufhänger waren, sind geblieben, so schreibe ich endlich einmal auf, was ich so koche.
Aber zu den Rezepten kamen all die Themen, die sich nah und fern so um das Essen ranken. Und die abstrahlen auf weitere Themenkreise, bis man plötzlich einen Schritt zurück tritt und sich bewusst macht, wie alles irgendwie immer zusammenhängt. Ja ja, wissen wir doch. Mmmh, aber denken wir es oft genug konsequent durch? Warum wir immer wieder Lebensmittelskandale serviert bekommen, wenn sich an den Produktionsweisen nichts ändert? Warum sich aber nur wenig ändern kann, wenn die Menschen in immer größerer Unsicherheit leben, was vermeintlichen Status und die schiere Existenz betrifft? Warum Chancengleichheit ein schlechter Scherz ist, wenn die mit Geld sich eigene Lösungen suchen und die ohne schon als Kinder Schei.. fressen müssen? Warum wir nichts ändern können, weil uns so wenig Zeit bleibt, weil wir so viele Träume und Wünsche haben, die uns durch eine feinsinnige Marketing-Industrie eingepflanzt werden, dass kaum noch Raum bleibt für die echten Wünsche und Bedürfnisse. Warum immer einer die Rechnung zahlt und allzu oft nicht wir, sondern Menschen und Natur an anderen Orten, schön weit weg, dann ist es nicht so real. Aber hey, wir tun ja auch ganz viel dafür, dass es denen besser geht. Ja, klar. Es ist eine Welt, die mir ehrlich gesagt nicht sehr gefällt. In der tatsächlich zu wenig getan wird um das Richtige zu fördern, das erschreckend oft das Uneigennützige, Mitdenkende ist. In der viel zu viele neue sozialengagierte und grün und nachhaltig gestrickte Mäntel von Beratungsunternehmen der Politik und großen PR-Akteuren entworfen werden, die hier ein Pflästerchen aufkleben, dort Aktivität erzeugen und ablenken, aber nichts so richtig ändern. Oftmals machen mich Artikel, die ich lese, wütend. So richtig. So, dass ich erst einmal raus muss mit dem Kopf. Weil dann genau das erzeugt wird, was beabsichtigt ist, ich fühle mich ohnmächtig.  Ich weiß nicht, wo ich als Einzelperson noch ansetzen kann, wenn so viele vermeintliche Handlungsspielräume kontrolliert geschaffen wurden und Engagement in seichte Wirkungsgewässer leiten. Radikalismus ist mir fremd. Fehlgeleitet. Aber  es gibt so viele Themen, die jeden von uns betreffen. Wenn wir im Endeffekt nicht einmal mehr über unser Körperbild eigenständig Urteile fällen können, wenn wir nur noch mit erheblichem Mehraufwand kontrollieren können, was wir essen. Wenn wir nicht nachvollziehen können, wie das, was wir in unserem Alltag nutzen, gefertigt wird, wenn wir nach jeder Wahl murren, dass sich nichts ändert, aber doch wieder losrennen wie die Schafe, wenn es darum geht ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen. Wenn Narzissmus und Egoismus belohnt und Empathie und Zurückhaltung hinderlich werden. Dann läuft doch etwas falsch. Aber dieses Bewusstsein sollte einen nicht davon abhalten, zu genießen, dass einem ein Leben als Spielraum bleibt und man sich darin seine eigenen Räume schaffen kann. Und jedes Stück eigener Weg, das man für sich entdeckt oder sich erkämpft, ist ein gutes Gefühl, ganz tief drinnen. Und außerdem gibt es immer noch so viele Menschen zu entdecken, die ähnlich denken, die etwas zu sagen haben, die inspirieren und Mut machen. Das versöhnt mich dann immer wieder.

Und wenn ich schaue, wie viele Menschen sich in den wenigen Monaten seit dem Start diesen Blog angeschaut haben, dann bleibt mir der Mund offenstehen und ich empfinde ehrlich eine gewisse Demut, wenn ich feststelle, dass sich jemand die Zeit nimmt und liest, was mich ganz persönlich bewegt. Und das ist jedes Mal auch wieder ein Grund, den Schweinehund niederzuringen und sich hinzusetzen und zu schreiben. Und es ist schön zu sehen und auch zu lesen, dass man mit so mancher Frage und so manchem Gedankenweg nicht alleine ist. Das macht Mut. Dafür lieben Dank.

Und bevor ich mich nun hoffentlich die Tage mal endlich in einen Urlaub verabschiede, der mich weg vom Bildschirm bringt und hin zu frischer Luft und vielen Büchern und Zeit zum Denken, noch schnell ein blitzschnelles Rezept für die Weihnachtsstimmung in letzter Minute. Die Zimtsterne vom wunderbaren Paleowiki, das ich jedem Paleo-Interessierten nur empfehlen kann, als Informationsquelle! Ich habe ganz minimal andere Verhältnisse genommen und schreibe es  auf, aber mit dem Wiki liegt man auf jeden Fall richtig richtig.

Ich wünsche besinnliche Feiertage und freue mich auf ein spannendes neues Jahr.

 Zimtsterne

200 g gemahlene Mandeln
100 Gramm Mandelmehl
200 g gemahlene Haselnüsse
6 Esslöffel Xucker
3 Esslöffel Zimt (Ceylon)
4 Eiweiß
Prise Salz

  • Den Ofen auf 150 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schöne steif schlagen, bis man die Schüssel theoretisch auf den Kopf stellen könnte, ohne dass Eischnee rausfließt.
  • Nun noch einmal den Xucker unterschlagen, bis die Masse schön glänzt. Von dieser Masse nun 5 Esslöffel zur Seite stellen für den Guss.
  • Die Nüsse und den Zimt mit Sorgfalt und Vorsicht unterrühren, bis sich eine gleichmäßige Masse ergibt. Nicht mit dem Quirl, besser mit einem Löffel oder, wer hat, einem Teigschaber.
  • Den Teig zwischen zwei Lagen Backpapier ausrollen, die Sterne ausstechen, mit dem Eischnee bestreichen und bei 150 Grad ca. 30-40 Minuten auf mittlerer Schiene trocknen. Der Guss soll nicht zu dunkel werden.

Tipp: Am nächsten Tag ist der Guss dann fest und sie schmecken genau so, wieZimtsterne schmecken sollen. Und für die Lagerung empfiehlt sich eine Dose.

Guten Appetit!

 

Herrlich unspektakulär und die vielen Rezepte der Buchmesse

Paleo lebenWandern, Lesen, Zeit haben. Herbstsonne genießen, Essen planen und durchatmen. An Menschen denken und ein Päckchen packen. Neue Träume auf ihre Realitätskompatibilität überprüfen. Versuchen, nicht so viel fotografieren zu wollen und mehr bewusst für die Erinnerung zu sehen… Eine kleine Rauszeit.
Denn am liebsten bin ich zwar daheim, aber die sonnigen Herbsttage ziehen einen noch weiter fort vom Schreibtisch mit dem Arbeitstelefon. Und das, was muss an Arbeit, kann bei dem veränderten Arbeitsmodell ja zum Glück einfach mal eingepackt und mitgenommen werden. Es geht tatsächlich und mein Kopf ist entspannt wie seit Jahren nicht. In den letzten Jahren hatte ich oft Probleme, schnell vom Alltags- in den Urlaubsmodus umzuschalten. Ein blödes Konzept, das einem da aufgedrängt wird. Rechtzeitig, also frühzeitig den Urlaub planen müssen und dann hoffen, dass alles gut wird. Zum ersten Mal ist es umgekehrt, sich Zeitfenster spontan nehmen, durchschlüpfen und sich überraschen lassen, da man gar nicht die Zeit hatte, sie mit Erwartungen zu überfrachten. Die Tendenz hatte ich durchaus. Mein Vorfreude-Konzept war oftmals ein stark ausgeprägter Wunsch nach Flucht aus dem Alltag. Ernüchternd war dann meist die Feststellung, dass die Rauszeit begrenzt und der wiedereinsetzende Alltag effektiv in der Zersetzung von Erholung war. Auch in arbeitsintensiven Zeiten versuche ich jetzt mir meine Momente zum Durchatmen zu nehmen und mir immer wieder bewusst zu machen, was ich möchte und was mir gut tut. Und manchmal heißt das nur, abends mal alle Telefone unbeachtet zu lassen, in der Mittagszeit einen kleinen Spaziergang zu machen oder eben schnell zu entschlüpfen, wenn es gerade geht. Sei es nur in den nächsten Wald oder für ein paar Tage in ein kleines Haus in einen ferner gelegenen Wald, mit anderem Licht und anderen Gerüchen und Raum für neue Gedankenimpulse.
Vor gut einem Jahr habe ich meinen Job in der großen Stadt Berlin in den Endspurt geschickt. Haben wir unsere Wohnung gekündigt, ohne genau zu wissen, ob es alles gut geht. Zwei Festanstellungen, die wir aufgegeben haben, eine grobe Vorstellung, wo wir hinwollen und eine intensive Gedankenwälzphase, wie man die eigenen Fähigkeiten in ein anderes Arbeitsmodell übertragen kann. Zugebenermaßen hatte ich oftmals unruhige Gedanken im Kopf rumpeln, ob das alles gut geht, ob ich mich nicht zu sehr an das Leben in der Stadt gewöhnt habe, ob wir genauso gut gemeinsam arbeiten wie leben können. Ob wir realistisch planen.
Ich habe Sicherheiten immer gemocht, aber das Leben beweist einem auch immer wieder, dass es wirkliche Sicherheiten nicht in der Form gibt, dass sie in Stein gemeißelt im Regal stehen und einfach bleiben, egal ob finanziell oder emotional, man muss immer auch selbst etwas dazu beitragen, dass es weiter geht, dass es gutgeht, dass sich immer ganz viel ändert und dass das gar nicht so verkehrt sein muss. Ich glaube diese Unsicherheiten auszuhalten und sich nicht an bestimmten Vorstellungen festzubeißen, ist die größte Sicherheit, die man sich selbst geben kann. Und wenn man sie sich nicht selbst gibt, sondern an bestimmten Zielen, seien sie materieller oder zwischenmenschlicher Natur, festmacht, dann wird man unweigerlich wieder in Unsicherheiten getrieben.
Das Umdenken ist anstrengend und ein andauernder Prozess, aber er befreit ungemein und macht viele Dinge plötzlich einfacher, denn man ist weniger getrieben und entwickelt eine neue Art der Bescheidenheit. Insofern bescheiden, dass man annimmt, was man erreicht hat und wertschätzt, was einem umgibt und nicht immer noch mehr oder anderes möchte, weil es einen vermeintlich eine neue Sicherheit bietet oder einen Schritt weiter in einem Plan bedeutet, der vielleicht gar nicht der eigene ist.
Das soll nicht abgehoben klingen, es ist nur eine Erkenntnis, die sich durchsetzt in meinen Kopf und in dem, wie ich mein Leben gestalte. Fixe Ideen, können zu Träumen werden, können Gestalt annehmen. Wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun. So abgedroschen es klingen mag: Von nichts kommt nicht.
Zwei Stunden Yoga bedeuten keine wahre spirituelle Erfahrung und ein teures, schönes Kleid machen mich nicht zu einem schöneren Menschen.
Aber wir werden darauf trainiert, allen Bereichen in unserem Leben mit einem Konsumentenverhalten gegenüber zu treten. Bei dem man nimmt und einfordert und konsumiert aber nicht selber investiert und gibt.
Der besondere Mensch fragte mich an unserem ersten Tag in dem kleinen Haus, was ich dem Tag bringen möchte. Nachdem ich den Satzbau erst einmal in Gedanken hin und her gewendet habe, das klang so seltsam, machte es Klick und machte Sinn und ich fand es richtig. Was der Tag uns bringen soll… Immer sollen die Dinge und Menschen und Momente uns etwas bringen – wir sind einfach eine Spezies mit der Tendenz zu ausgeprägtem Egoismus. Und wir schaffen es ja sogar noch das Geben in eine narzisstische Handlung zu verdrehen. Da macht das Umdrehen Sinn. Was bringe ich dem Tag, der Zeit, die ich habe? Das heißt nicht, dass ich nun die Pläne für eine Revolution entwerfe, aber es kann in der persönlichen Konsequenz ganz einfach und einschneidend in der Frage enden: Habe ich meine Zeit sinnvoll genutzt? Habe ich etwas zurückgegeben? Man vergräbt solche Gedanken oftmals tief und in einer narzisstisch geprägten Gesellschaft wie der unseren werden viele für sich die Frage positiv beantworten, aber werden im Endeffekt nur ihren Egoismus befriedigt haben. Denn das lernen wir ja, konsumieren und erfüllte Konsumwünsche mit etwas Erreichtem gleichsetzen. Dabei kann es etwas kleines sein, wie sich zu überlegen, wem man vielleicht einmal besser zuhören sollte, oder wo man nicht so genervt oder fordernd sein sollte.
Würden wir in Zeiten und in einer Gesellschaft leben, die uns aus Prinzip im Nachdenken fördern und uns mehr Raum und Zeit zum reinen Denken lassen würde, wäre diese Gesellschaft sicher eine andere.
Und was dann auch überflüssig wäre, wären diese Regalmeter an Ratgebern, die einem auf der Buchmesse an allen Ecken ansprangen. Egal welches der dort ausstellenden Länder, die Tendenz war deutlich: Die Menschen wollen Antworten und Rückversicherung, weil sie tief drinnen eben doch spüren, dass etwas nicht in der Balance ist.
Aber sie wollen es schnell, sie wollen die schnelle vegetarische Küche, die 15 Minuten Yoga täglich, sie wollen in drei Dates zum finanzstarken Versorger-Traummann, mit zwanzig Tricks zum Manipulationsgenie im Meeting, in zwei Wochen zur Traumfigur, in drei Schritten zur perfekten Gastgeberin, mit simplen Kniffen schöner Wohnen, auf hundert Seiten zu perfekten Eltern und einen funktionierend Paar und in drei Bänden glücklich und zufrieden werden.
Statt all dieser Bücher, die Ausgeburt der Marketingmaschinerie einer Industrie sind, sollte man vielleicht kleine mentale Kneifzangen verteilen, die einem laut ins Hirn brüllen, bis ein Aufwachen einsetzt. Denn der leise Stupser wird nichts bringen. Aber man kann sich auch ganz gut immer mal wieder selber kneifen und Entscheidungen und Motive prüfen und sich vor allem frei machen von all dem, was und wie wir sein sollen. Und dann braucht es nicht die große Bühne oder den vor sich her getragenen Erfolg. Nein, dann lässt es sich ganz zufrieden, herrlich unspektakulär, leben.
Das ist einen Versuch wert.

Buchmessen, unpopuläre Entscheidungen und Süßkartoffelgnocchi

Paleo GnocchiS. ist geschätzte vier Jahre alt und wir treffen ihn in der Warteschlange eines Bio Supermarktes. S. darf einen dieser kleinen Kindereinkaufswagen schieben, die es dort für gibt und er sieht ein bisschen aus, wie man sich Michel aus Lönneberga im städtischen Kontext vorstellt. Ganz entzückend in seinen Ringelstrick-Pulli. Aber um direkt bei dieser Lindgren-Figur zu bleiben, die ich irgendwie als Kind nicht so gerne mochte, ich habe dann noch festgestellt, dass die beiden ein gewisses enervierendes Element teilen. In diesem Fall war der kleine S. mit einer ins Schrille driftenden Stimme gesegnet und rannte zwischen den beiden Warteschlangen hin und her und Leuten in die Knie und wollte seinen kleinen Einkaufswagen nicht holen und…und seine Mutter, die so einen leicht verbissenen Zug hatte und sich erst einmal in eine wenig fruchtende Diskussion mit S. stürzte, dem das ziemlich egal war und der lieber eine Packung Bio-Spaghetti am Einkaufswagenrand in Stück schlug… Auch mal Nein sagen und deutliche Grenzen setzen (ohne Rohrstock und so Schreckgeschichten)? Macht man das noch, oder behindert das den individuellen Ausdruck des kostbaren Kindes? Ich gebe es zu, ich habe keine Ahnung und darf zu dem Thema eh nichts sagen, ohne Kind. Mit Katze. Und Ich will jetzt nicht unnötig Klischees bedienen oder Gräben aufreißen, aber es gibt Mütter, die sind echt nicht ganz einfach zu ertragen in ihrer Rolle als Mutter. Und da darf man schon mal den Mund aufmachen. Die tun das ja auch, bzw. leben sich aus und was das mit der Umwelt macht, ist erst einmal egal. Man kann da bei manchen Müttern eine gewisse Anspruchshaltung an ihre Umwelt feststellen, die ich nicht immer ok finde und die sich auch nicht dadurch rechtfertigen lässt, dass sie im Gegenzug mit kinderfeindlichen Idioten klarkommen müssen. Die gibt es, die Kinder am liebsten unsichtbar und unhörbar haben wollen, das ist schlimm, aber es gibt eben auch diese wandelnden Bildungsklischees, die sich auf dem Ergebnis ihres Zeugungsaktes ausruhen, in dem Sinne, damit allen auf die Nerven zu gehen. Dafür können die Kinder nichts. Die sind meist zuckersüß, weil auch noch nett angezogen und mit einem  ordentlichen Grundvokabular ausgestattet.  Es sind diese speziellen Mütter (die oftmals auch wenig Verständnis für Kinderlosigkeit aufbringen, was man alles verpasst Erfüllung. …Und Bla…). In diesem Fall, ganz dreist ins Blaue geraten, würde ich schätzen, war die Mutter Anfang Vierzig, akademischer Hintergrund, das erste Kind. Eine akademische Spätgebärende also, zu denen ich ja auch zählen würde, wenn mich noch die großen Mutterglückswünsche packen würden, was ich irgendwie nicht denke. Und Menschen, die wissen wie alt ich bin, werden sich da so ihren Teil denken, dass es ja nun langsam mal Zeit wird. Da wir erst im letzten Jahr geheiratet haben, gebe ich uns noch etwas Schonfrist bevor es spannend wird zu sehen, welche Bemerkungen und Reaktionen an uns heran getragen werden. Denn es geht ja schon los und es geht mir auf die Nerven. Dass es den Menschen auch so gar nicht einzufallen scheint, dass man glücklich ist, so wie es ist. Und was ist mit den Menschen, die gerne Kinder möchten, aber es aus vielfältigsten Gründen nicht können? Denen wird dann jedes Mal wieder ein kleiner Schmerz aufgedrängt. Es ist ein wahnsinnig persönliches Thema, dass die Menschen trotzdem oftmals alle Grenzen der Privatsphäre übertreten lässt. Vielleicht liegt es daran, dass Kinderkriegen vom Prinzip her machbar und nicht kompliziert ist, dafür braucht es keine besondere Ausbildung und weil  theoretisch jeder dazu beitragen kann, hat auch jeder was dazu zu sagen. Ich mag Kinder wirklich. Nur halt nicht für mich und die nächsten 18 Jahre. Und nicht in dieser Welt mit ihren Problemen. Nicht weil ich irgendeinem Egoismus frönen will, sondern weil es nicht passt für mich, für uns. Und weil es eben nicht sein muss. Weil wir das große Glück der Wahl haben und das für mich selbstbestimmtes Leben ist, solche Entscheidungen zu treffen.

Zurück gebracht auf dieses Thema hat mich aber eigentlich nicht der kleine S., dem ich viele Pfützen für seine gelben Gummistiefel wünsche und weniger Anstehen-müssen im Supermarkt.
Ein Besuch auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt hat das Thema in den Vordergrund gerückt.  Lustigerweise, oder besser wunderbarerweise, sind wir uns so klar über unsere Lebensweise, dass das Thema tatsächlich immer nur von außen an den Tisch findet.

Wie ein kurzer Blick in die Regale der Buchmesse gezeigt hat, wird der Markt an Ratgebern für Eltern wohl nie versiegen. Eine wahre Schwemme. Und je nach Zielgruppe entsprechend gestaltet in Tonfall und Ästhetik. Das geht von viel Hochglanzbild und beruhigender Weichspül-Rhetorik bis hin zu denen, die den Eltern mit mehr Text und weniger Bild das sagen, was sie wohl seit der eigenen Kindheit vergessen haben, wie sehr sich die Kinder selber fördern können, wenn man sie in eine gesunde Umgebung setzt. Waldstunden statt der zweiten oder dritten frühkindlichen Förderungsbeschäftigung.

Letztere Ratgeber sind mir lieber, aber traurig ist es auch, dass sich in den Fragestellungen und Ratgebern manifestiert, wie sehr wir durch den Verlust eines sicheren Kontakts zu uns selbst auch eine Unsicherheit auf Kinder übertragen.

Mit so vielen Ratgeberbildern im Kopf habe ich dann auch ein Buch für Menschen wie mich entdeckt. Es heißt: „Ich will kein Kind. 13 Geschichten über eine unpopuläre Entscheidung.“  von Sonja Siegert und Anja Uhling.  Das ist bereits bestellt und ich bin gespannt, denn nicht nur Frauen ohne Kinderwunsch, sondern auch Männer die ebenso denken , schwul und heterosexuell, kommen darin zu Wort.

Wichtige Stimmen in einem oft sehr einseitig geführten Dialog.

Und da fühlt es sich schon ganz gut an zu sehen, dass man nicht alleine ist mit dieser Einstellung und auch kein egoistischerer Mensch als die Kinderkriegenden. Und zum Thema egoistische Eltern könnte man sicher noch etwas sagen, aber lieber sollen sich alle an einen  Tisch setzen, gerne auch mit Kindern. Für die gibt es auch tolle kindertaugliche Paleorezepte.  Und für die Großen gibt es Süßkartoffelgnocchi. Mit Bratwurst, den wir haben gerade so viele da und die sind so gut!

Süßkartoffelgnocchi mit Bratwurst, Zwiebeln und Birne

2 mittlere Süßkartoffeln
1 Ei, verquirlt
Ca. 80 Gramm Pfeilwurzelstärke
Ca. 4 Esslöffel Kokosmehl
Salz
Pfeffer
Curry
3 Bratwürste
2 kleine Zwiebeln
2 KleineBirnen
Butter

  • Die Süßkartoffeln schälen und in Stücke schneiden. In Wasser kochen bis sie richtig weich sind.
  • Die Kartoffeln abkühlen lassen und dann mit dem verquirlten Ei, der Pfeilwuzelstärke, dem Salz und dem Pfeffer schön verquirlen bis alle Klümpchen beseitig sind. Nun nach Geschmack einen kleinen halben Teelöffel Curry dazu geben.
  • Das Kokosmehl nach und nach unterrühren, bis der Teig eine gute klebrige Konsistenz hat und sich zu kleinen Rollen formen lässt.
  • Ein Backblech mit Papier auslegen und die Rollen in ca. 1 cm große Stücke schneiden, diese auf dem Blech verteilen und mit der Gabel flach drücken.
  • Das Blech für ca. 15 Minuten bei 200 Grad in den Ofen, bis die Konsistenz schön fest ist, etwas wie Gummi. Ein Blech hat für drei Mahlzeiten für Zwei gereicht.
  • Die Zwiebel und die Birnen würfeln, die Bratwürste in Scheiben schneiden und alles schön in Butter anbraten. Salzen und Pfeffern und für die letzten paar Minuten die Gnocchi mit braten.

Guten Appetit!