Ein bisschen kritisch mit mir und fix in der Küche: Chicorée-Lieblingssalat

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Der pinke Elefant und der unkomplizierte Salat.

Ganz ehrlich, so ein wenig samstägliche Selbstkritik tut mitunter not und ziemlich gut. Manchmal wüsste ich gerne, wie das Unbewusste es dann doch schafft sich einen Schleichweg zu suchen. Es ist immer derselbe Mechanismus. Mann nehme einen pinken Elefanten der persönlichen Wahl und der Versuch, ihn aufs Nichtzubedenken-Gleis zu schieben, führt unweigerlich dazu, dass er ganz sicherlich unfassbar leise angeschlichen kommt und einen erschrickt. Danke auch.

Der pinke Elefant der mir gerade kurz einen halben Herzstillstand bescherte hat, heißt Konsum. Der ist extra fies. Der kann nämlich das Kostüm wechseln und verkleidet sich gerne als kluge Entscheidung, echtes Schnäppchen oder kluge Investition – die Argumentationsvielfalt kennt da keine Grenzen und nur zu gerne kneifen wir mal ein Auge zu.

Selbstkasteiung und Selbstverleugnung im Verzicht – darum sollte es nicht gehen. Für mich war nur Ende letzten Jahres deutlich zu erkennen, wie gut es mir geht. Nachdem so viel Gutes in die Kleidersammlung gewandert war, blieb mir noch immer mehr als genug und das waren nur die Sachen für die kühleren und kalten Tage. Wenn der Frühling seine zarten Bande wieder wehen lässt, werde ich sicherlich die nächste Ausräumrunde starten und bin mir sicher, es bleibt mir mehr als genug. Es mangelt also nicht. Warum ertappte ich mich dann im Sale beim Blick auf ein wunderschönes Seidenkleid, das ich gar nicht brauche (und ein entsprechendes – gut gehegt – eh noch auf seinen Einsatz in diesem Sommer wartet) und war schon fast überzeugt von der Argumentation, dass knappe 80% Rabatt eine solche Investition nun wirklich lohnend machen. Denn eigentlich hatte ich mir ein paar Rezepte zur Inspiration angeschaut und überlegt, ob es heute ein Filmabend sein könnte und zack – „Willkommen in Ihrem Einkaufswagen“. Das war ein kurzer Schreck. Zumal ich mir im Januar irgendwann vorgenommen hatte, dass ich für die nächsten Monate keinen Euro für Klamotten ausgeben und stattdessen meinen Kleiderschrankinhalt neu lieben lernen möchte. Menschen schreiben ja ganze Bücher über ihre „Shopping-Diät“, was an sich ja fast schon wieder ein wenig traurig ist, dass Verzicht so aus der Regel fällt. Aber es ist gut. Und eigentlich auch sehr befreiend. Gerade, wenn man eh nicht wahllos kauft, sondern schon bewusst konsumiert und somit schon viel Denken in Kaufentscheidungen steckt, kann es gut tun, diese einmal völlig hintenan zu stellen. Mache ich es oder nicht – fällt aus, und stattdessen wird neu gewertschätzt, was man besitzt. So die Theorie. Bis zur Karambolage mit besagtem pinken Elefanten. Aber zum Glück hat sich meine Vernunft wie ein Airbag dazwischen geschaltet, statt mich dem kurzem Moment des „Gekauft“-Highs zu überlassen. Also Seite wieder zugemacht. Kopf geschüttelt, Katze gekrault, Muffins gebacken und mir selbst nen Vogel gezeigt.

Aber trotzdem bleibt der Ärger darüber, wie beeinflussbar man doch ist, auch wenn wir es gerne abstreiten. So sehe ich einen engen Zusammenhang damit, dass ich momentan berufsbedingt wieder sehr mit dem schwierigen Thema Mode und der damit verknüpften Welt der oft hohlen Begehrlichkeiten beschäftigt bin. Das hatte mich eigentlich zusätzlich darin bestärkt, mein eigenes Ding mehr zu würdigen, aber der ständige Blick auf Outfits und Produktvorstellungen scheint auch bei mir den Pawlowschen Konsumenten-Reflex loszutreten. Auch wenn ich nach Jahren der Veränderungen und des bewussteren Handelns gerne sagen würde, dass es anders ist. Ist es nicht. Also weiter dran bleiben. Und auch wenn es weh tut im Kopf – immer wieder mal ehrlich hinterfragen, warum man was kaufen möchte. Denn im Ernst: Ich mag zwar meinen eigenen Stil, aber ich liebe das Revierleben in Gummistiefeln, den Matsch der Pferdeweide und die entspannte Kleiderordnung des Homeoffice. Wie oft käme er da zum Einsatz, der Pastelltraum? Eben. Habe ich mir auch gesagt.

Und auch wenn es gerade noch wunderbar apfelkuchig durchs Haus duftet, liebe ich momentan kleine Mahlzeiten, die ich gut im Voraus oder ohne viel Aufwand zubereiten kann. Es ist zu viel anderes im Gange, da bleibt die Küchenmuße mal etwas im Hintergrund. Das ist ok.

Schneller Chicorée-Salat

(2 Portionen)

  • Zwei nicht zu kleine Chicorée waschen und in Streifen schneiden.
  • Einen festen sauer-süßen Apfel in kleine Würfel schneiden.
  • Eine großzügige Handvoll Walnusskerne in Stücke hacken und in der Pfanne rösten bis sie duften.
  • 100 Gramm Speckwürfel in der Pfanne knusprig rösten.
  • Alles vermengen und mit Olivenöl, Kürbiskernöl, dem ausgelassenen Fett vom Speck, Apfelessig sowie Pfeffer und Salz abschmecken.

Das könnte ich gerade immerzu essen. Es ist ein guter Salat zum Winterende. Er macht satt und irgendwie warm (auf der Gefühlsebene), durch den Apfel klingt aber schon etwas Neues, Frisches mit. Das mag ich.

Guten Appetit

 

 

 

 

 

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