Eine kleine Reflexion zur Paleo-Ernährung oder wie das heißt und asiatisch angehauchter Rindfleischsalat

Ein paar Gedanken zum "Paleo"-Etikett und ein asiatischer RindfleischsalatIch hadere ja schon länger mit dem Paleo-Etikett. Oder besser mit dem immer wieder auftauchenden Wunsch der Menschen, alles in Kategorien einzusortieren, die mit griffigen Namen versehen werden, und damit soll dann alles klar sein. So leicht ist es halt nicht. Und wenn man dann das Etikett benennt, wird vielleicht gar nicht weiter geschaut, experimentiert, versickert die Neugier, man hat ja ein Bild im Kopf.

Ich spreche zumeist von einer Paleo-Ernährung, weil es das einfacher macht und schneller geht als in Grundzügen meine Auseinandersetzung mit der Nahrungsaufnahme zu skizzieren. Aber was dann Paleo ist, das muss wohl jeder innerhalb eines gewissen Rahmens selber gestalten. Ein paar Grundsätze gibt es. Die sind andernorts gut dokumentiert. Aber dann geht es los: manch einer isst Primal, also mit Milchprodukten, manche trinken regelmäßig Alkohol oder erlauben sich Reis oder oder oder und dann gestaltet es mancher recht Low Carb und andere wieder nicht, denn Paleo ist nicht automatisch eine Low Carb-Ernährung, auch wenn man den Anteil an Kohlenhydraten deutlich reduziert gegenüber einer konventionellen Ernährung mit massig Getreideprodukten. Wieder andere leben in Ketose  und andere sagen, das hat seine Fallstricke. Wie bei so vielem im Leben oder besser: gerade hier heißt es wohl eine gewisse Disziplin und Ausdauer zu behalten und zu testen, was einem bekommt und wenn man weiß, dass bestimmte Erkrankungsbilder oder Symptome vorliegen, dann sollte man sich auf die Suche nach einem aufgeschlossenen Arzt begeben, der einem hilft und begleitet beim Feintuning der Ernährung.

Und man steht auch selbst in der Verantwortung, sich schlau zu machen. Das mag von außen wie eine Fixierung aufs Essen wahrgenommen werden, wobei es lustigerweise aber oftmals die Projektionen und nicht enden wollenden Fragen des Umfeldes sind, die das Essen zum Dauerthema machen. Missionieren sollte man nicht. Bringt auch nichts. Die Rolle kann man denen überlassen, die sich mit Mainstream-Argumentationsbrei dagegen wehren, dass man an den Grundsätzen scheinbar allgemein gültiger Ernährungsweisheiten rüttelt. Wie unbequem. Da sind die Argumente schnell zur Hand. Ich finde es aber wichtig, für einen selber, einmal zu verstehen, was da eigentlich passiert in dem Körper. Der ist ja keine Blackbox… Die Magic passiert woanders, in unserem Körper sind es biochemische Prozesse und ein so umfassender Zusammenhang von Ursachen und Wirkungen, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen und sich selbst den Gefallen zu tun, noch ein bisschen besser zu sich zu sein. Denn gesund zu sein und auszusehen und sich voller Energie zu füllen, das ist das Lebensgefühl, das wir alle verdient hätten. Das ermöglicht es uns, bei uns und in Balance anzukommen ohne die Ablenkungen, mit denen wir uns selber kleine und große Schädigungen zufügen.

Ich bin gerade mittendrin im Feinjustieren. Ich denke mir, da geht noch was, denn ich merke, was schon alles passiert ist. In meinen letzten zwei Jahren in Berlin war ich ständig krank, massiv unter Druck und Stress und ich denke ehrlich, hätte ich nicht einen deutlichen Einschnitt vorgenommen, ich hätte meine Batterien irgendwann ausgebrannt, wahrscheinlich ohne es selber zu merken. Es ging irgendwann nicht mehr, der Spagat zwischen Job und abendfüllendem Privatleben mit jeder Menge Alkohol und Essen, auf das man nicht acht gibt, weil das ist ja so der Cool-Girl-Feminismus, der uns Mädels so cool macht, weil wir Bier saufen, Burger fressen und keine Diät-Tussis sind – wir müssen dafür nur so aussehen, dass niemand die Burger sieht, also schön noch eine kleine Sportsucht dazu entwickelt gegen das schlechte Gewissen und der Körper ist im Dauerstress… In der Mühle ist man schnell. Ich musste da raus und habe es gemerkt, dafür bin ich mir heute immer öfter mal selber dankbar. Und stelle fest, ich war seit über einem Jahr nicht mehr krank. Jetzt, nach vier Wochen ohne Wochenende, mit viel Arbeit und emotionalen Achterbahnfahrten, merke ich eine gewisse Schlappheit, aber noch vor zwei Jahren hätte ich längst wieder mit einer Mandelentzündung (über Jahre meine ganz eigene Lieblingsreaktion auf Stress) im Bett gelegen und mich noch zusätzlich gestresst, weil ich krank auch nichts schaffe. Dieses Gesundsein soll ein Gesundbleiben werden. Ich will auf mich hören und auf mich achten. Auch als Entschuldigungsgeste an mich selbst, weil ich das Jahre lang zu wenig getan habe. Sich gesund fühlen, das ist Lebensqualität. Da eröffnen sich Energielevel, die ich so vorher nicht kannte. Und mit dem genaueren Blick auf die Nahrung und das, was in meinem Körper passiert, versteht man sie auch noch besser zu deuten, die kleinen Zeichen. Gerate ich doch einmal in die Versuchung zu vieler Kohlenhydrate, weil der („Paleo“-) Kuchen so lecker ist, dann bedankt sich der Körper, denn nach dem Zuckerpush folgt das unbefriedigende Tief, in dem immer noch was fehlt, und dann kommt das schlechte Gewissen und und und… Das passiert noch ab und an, aber immer seltener, der Carbs-Kater ist es nicht wert.

Früher habe ich versucht, das schlechte Gewissen mit Sport zu kompensieren. Bewegung ist wichtig und gut und gesund aber auch hier – warum fällt Mäßigung so schwer? Das wunderbare Hoch während einer erfolgreichen Joggingrunde schlug dann um in die Unausgewogenheit und schlechte Laune an den Tagen, an denen ich nicht dazu kam – wieder setzt man sich selbst unter Stress. In meiner Zeit in London, als ich stark am Kämpfen war gegen zu viele Pfunde, die daher kamen, dass ich nicht gut auf mich gehört habe, bin ich fünf Mal die Woche ins Fitnessstudio gegangen, immer in der Mittagspause. In der Agentur, in der ich zu der Zeit dort gearbeitet habe, machte man das so. Wer nicht zum Sport ging und vielleicht nicht ganz so erfolgsorientiert hager aussah, wurde als weniger erfolgreich wahrgenommen. Übrigens auch dort gab es überdurchschnittlich viele Langstreckenläufer. So sehr Bewegung und gerade Laufen auch befreien kann, es gibt ein Zuviel und es macht aus manchen Körpern etwas Zähes, das knapp neben dem Gesunden liegt. Ohne es zu merken, hängt die Laune nicht mehr an den Kilos sondern am Sportpensum und sorgt für Anhängigkeiten. Ich finde es bedenklich, aber wie soll man da rauskommen, wenn es fast schon erwartet wird?

Wenn ich nicht im Fitnessstudio war und manchmal auch noch an den Abenden der Sporttage, bin ich Joggen gegangen. Musik auf die Ohren und ab durch London, so lange es ging. In drei Monaten hatte ich zwei Mandelentzündungen und Schmerzen in den Gelenken und Schienbeinen, die mich schier wahnsinnig gemacht haben. Aber ich dachte, das muss sein. Das muss ich von mir verlangen können. Hätte ich stattdessen mal nicht jeden Donnerstag mit den Kollegen im Pub mitgehalten oder weniger Humus und keinen Porridge gegessen… das hätte mir die Frustration erspart, dass irgendwann nichts mehr ging beim Abnehmen. Zu dem Zeitpunkt hatte mich der Gewichtsverlust aber schon so sehr beflügelt, dass das eine ziemlich Keule war. Also doch mal Fish & Chips bei schlechter Laune und dann denken, man gleicht das aus, indem man nur Trockenobst frisst, denn das hat ja kein Fett und ein Fehler nach dem anderen.

Wir können so viel steuern über unsere Ernährung, unser Energielevel, unsere Gesundheit, unsere Erscheinung und Ausstrahlung, unsere Stimmungen… Wir können Raum schaffen für einen Blick, der einem nähergeht und vielleicht ganz andere Themen angeht als sonst möglich. Denn ich hätte jeden Tag laufen gehen und weiter eine Sportart nach der anderen ausprobieren können, es hätte mich nie zu mir gebracht, wenn ich nicht den Raum gefunden hätte, die Mechanismen hinter Denkmustern zu erkennen. Und weil die Welt voller seltsamer Menschen ist und voller Situationen und Dynamiken, die einen den ein oder anderen Stein in den Weg legen, möchte ich mir selber die Kraft dafür geben, dass mich das nicht aus der Bahn wirft. Und das kann ich tun, indem ich etwas für meine Gesundheit tue. Deshalb informiere ich mich weiter. Momentan mit dem Buch Keto Adapted von Maria Emmerich, deren Blog  ich sehr mag und deren Rezepte ich phänomenal finde. Und ja, das ist schon nicht mehr nur Paleo und manche Dinge teile ich nicht, denn mir geht es bei allem vor allem um die Qualität der Nahrungsmittel und ich möchte mich nicht abhängig machen von zu vielen Zusatzstoffen. Aber sie erklärt sehr schlüssig und fundiert, was da eigentlich so alles passiert und es ist für mich eine gute Grundlage, weiter zu feilen. Denn mir persönlich bekommt sie sehr gut, die Ketose. Tatsächlich bisher am besten.

Und das schließt den Genuss nicht aus. Im Gegenteil, wohl dosiert und bewusst genossen. Wie heute im Mammeo. In Frankfurt. Einem Café mit wunderbaren Kuchen und Mittagstisch und Sonntagsbrunch. Alles Paleo und alles hausgemacht. Noch dazu mit einer höchst sympathischen Betreiberin. Wen es nach Frankfurt verschlägt, dem empfehle ich einen Besuch! Der Bulletproof Kaffee dort ist gigantisch! Einfach mal irgendwo sitzen und Kuchen essen können, wer seine Ernährung so drastisch umgestellt hat, weiß wie selten diese Momente sind. Lustigerweise ergeben sich gerade im Café-Betrieb Schnittmengen mit Veganern… Aber über die möchte ich heute nicht sprechen. Die #-Veganer… Aaaaahh. Überall. Und auch nicht informiert. Zu großen Teilen.

Egal, wer sich über die Paleoernährung informiert, wird schnell an eine praktische Hürde stoßen: Wo kaufe ich ein? In Großstädten mag dies weniger ein Problem sein, aber wo zum Henker kriege ich auf dem Dorf Maniokmehl, um das wunderbare Cassavabrot von Svenja für Besuch und Ausnahmefälle zu backen? Es gibt auch da seit einiger Zeit eine Lösung: Den Onlineshop „Die kleine Steinzeit“– wunderbar sorgenfrei online bestellen und gleich richtig viel, damit sich der Versand rechtfertigt! Das ist eine enorme Erleichterung. Und kann so manchem helfen, den Einstieg reibungsloser zu gestalten. Denn das darf es auch sein: einfach. Wer sich grundsätzlich mit seiner Ernährung und der Lebensmittelproduktion unserer Tage auseinandersetzt, hat es tatsächlich schwer genug. Da darf es auch mal einfach sein, wir haben nirgendwo unterschrieben, dass wir es uns besonders schwer gestalten müssen. Keine Selbstverpflichtung außer zu einem bewussten Umgang mit uns und allem.

Und so freue ich mich über meine gerade eingetroffene Bestellung und die darin enthaltenen Coconut Aminos und setze die gleich ein:

Marinierter Rindfleischsalat mit Ingwer

Kalte Rindfleischreste
4 Zentimeter Ingwer, fein gewürfelt
1 Zwiebel, fein gewürfelt
Coconut Aminos
Apfelessig
Olivenöl
Salz
Chili
Wahlweise frischen Koriander und kalten gekochten Spargel (weiß und grün)

Das Rindfleisch für den Salat war die Hälfte eines anderen Rezeptes.

  • Ursprünglich habe ich 1,5 Kilo Rinderbraten (ohne Knochen) mit einer Tasse Brühe und einer knappen halben Tasse Balsamico sowie Salz und Pfeffer für 6 Stunden bei 150 Grad im Schmortopf im Ofen gegart, bis sich das zarte Fleisch mit der Gabel auseinanderziehen ließ – Köstlich. Mehr braucht es bei einem guten Fleisch nicht. Vielleicht noch etwas rosa Pfeffer zum Schluss und ein-zwei Lorbeerblätter.
  • Die Reste über Nacht kalt stellen.
  • Am nächsten Tag ein Dressing aus Coconut Aminos, Apfelessig, Olivenöl, Ingwer, Zwiebel, Salz und Chili anrühren und die Reste vom Rindfleisch darin gut durchziehen lassen.
  • Wer hat und mag, gibt vor dem Servieren frisches Koriandergrün dazu.

Und besonders köstlich schmeckt eine Verlängerung des Rindfleischsalates mit Spargel!

Guten Appetit

Bombenstimmung am Kaffeetisch

Lemon BarEs gibt so einige üppigere Rezepte aus der Paleo-Küche, bei denen traue ich mich kaum sie weiterzugeben. Zu hoch ist das Sucht-Potential, da ich ja eigentlich nur schreibe um einen Einblick in einen ganz unspektakulär einfachen Paleo-Alltag zu geben, der ein normales Leben mit einer bewussten Lebensweise vereint. Aber es schmeckt so gut!

Persönlich bin ich anfangs bei so manchen durchdesignten US Paleo-Blogs vor Ehrfurcht in die Knie gegangen und habe mich gefragt wie machen die das? Soviel Kochen und Backen und immer appetitlich präsentiert und nebenbei noch Fermentieren und Dehydrieren und eEnkochen und Kosmetik selber herstellen und ein wahnsinniges Sport-Pensum absolvieren und und und…das hat mich erstmal wieder zurück getrieben in das innere Gedankenreich und mich Abstand nehmen lassen von einem Blog-Projekt.

Aber irgendwann dachte ich dann, warum nicht zeigen dass es auch anders geht. Oder was heißt anders –  einfach machen und sich nicht so sehr darum scheren, was andere denken. So wunderbar die Paleo-Lebensweise ist – für viele ist sie ein Randthema und wenn es dann noch weitergeht und man auch anfängt andere Produkte wie Kosmetik selber herzustellen und immer mehr gesunde alternative Lösungen für konventionelle Produkte sucht, wird man mitunter sanft belächelt und in die Sonderling-Schublade gesteckt.

Man kann dem sicherlich entgegensteuern wenn man sich ganz viel Mühe mit der Präsentation der Rezepte und dem Design des Blogs gibt, aber ich glaube mein Schwerpunkt liegt einfach auf dem Erzählen der kleinen Dinge, die so rund herum um das Kernthema Essen passieren.

Ach ja, eine solche Sache, die dem Umfeld auf der Seele zu brennen scheint, ist mein Gewicht. Ich weiß nicht was ich wiege, seit meiner Waagen-Abhängigkeit in Teenager-Jahren mache ich einen Bogen um die Dinger, denn es ist letztlich egal für meinen Alltag. Seit sich allerdings im Zuge der Ernährungsumstellung doch deutlich etwas an meinem Erscheinungsbild geändert hat oder zu haben scheint, man selbst steckt ja drin und sieht sich jeden Tag, gilt nun häufig eine der ersten Bemerkungen bei einem Wiedersehen meinem Gewicht, ob ich schmaler, kräftiger, gesünder, fiter oder mitgenommen aussehe. Und dann frage ich mich manchmal schon, was die Intention ist, denn natürlich, auch ich mache anderen Menschen Komplimente, aber die klingen anders und nicht so feststellend. Wenn ich keinen guten Tag habe, weil auch ich schlafe manchmal zu wenig dann ist es so als hätte ich damit dem Gegenüber den Beweis geliefert, das die Paleo-Ernährung nicht so gesund ist, wie ich immer behaupte. Dasselbe gilt für  vermeintliche Gewichtsschwankungen, die ich selber gar nicht registriere, denn alles passt, nichts kneift. Es verändert sich höchstens noch der Körper durch den regelmäßigen Sport.

Liebe Leute, Komplimente sind etwas wunderbares, von Herzen kommend, sind sie kleinen Geschenke des Alltags, die man seinen Mitmenschen machen sollte, wenn sie ehrlich sind. Das zeugt von Aufmerksamkeit und Respekt. Aber eine ständige Thematisierung meines Gewichts/Körpers – muss nicht sein. Und ganz ehrlich: Jemanden, der unsicherer ist, kann man mit solchen Kommentaren auch in üble Gedankengänge und Selbstzweifel schicken. Das ist nicht nett. Ich kommentiere ja auch nicht das Hautbild oder die Haarstruktur oder oder oder…suche mir irgendeinen blöden Aufhänger um irgendwie zu piksen.

So, das wollte mal raus. Und weil es so gut passt kann man sich ja nun gedanklich  wieder an die Kaffee-Tafel begeben, zu einer wirklich unverschämt lecker-sommerlichen Kuchen-Bombe: Lemon Bars

Das Rezept

Teig

2 Eier
¼ Tasse weiche Butter
3 Teelöffel Xucker
¼ Tasse Kokosmehl
¼ Tasse Kokosraspeln
½ Tasse Kokoschips
Prise Salz
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eier mit dem Xucker und der Butter schaumig rühren.
  • Kokosmehl. Kokosraspeln, Kokoschips, Vanille und Salz unter die Eiermischung rühren bis sich ein klebriger Teig bildet. Aufpassen, dass man die Kokoschips nicht zu klein rührt, sie dürfen ruhig etwas größer sein, das sorgt für eine schöne Konsistenz des Boden.
  • Nun den Teig in einer gefetteten Form mit höherem Rand verteilen, dass sich eine gleichmäßige Teigschicht bildet.
  • Die Form für ca. 20 Minuten in den Ofen geben. Der Boden soll einmal durchbacken und darf ruhig etwas gold-braun auf der Oberfläche sein.

Die Creme

1 Tasse Zitronensaft (ca. 7-8 mittlere Zitronen)
6 Eier
4 Esslöffel Xucker
1/2 Tasse geschmolzene Butter
Prise Salz

  • Zitronen auspressen und den Saft durchsieben, damit keine Teilchen zurückbleiben.
  • Nun den Zitronensaft zusammen mit den 6 gequirlten Eier, dem Xucker und der Prise Salz in einer Rührschüssel über Wasserdampf (nicht im Wasserbad, zwischen Schüssel und Wasser soll etwas Luft bleiben langsam erhitzen.
  • Dabei ständig mit dem Schneebesen  weiterrühren, damit sich keine Klümpchen bilden!
  • Wenn die Ei-Masse sich langsam erwärmt, die geschmolzene Butter unterrühren und weiter mit dem Schneebesen dabeibleiben bis sich die Masse beim Rühren langsam verdickt.
  • Weiterrühren bis sich ein dickliche Pudding/Creme-Konsistenz ergeben hat.
  • Nun d die Zitronencreme auf dem fertig gebackenen Boden verteilen und die Form in Kühlschrank geben bis alles komplett durch gekühlt ist (ca. 3-4 Stunden).

Tipp: Der Kuchen schmeckt durch die vielen Eier am ersten Tag am besten und eignet sich auch hervorragend als Dessert!

Einfach noch  mit etwas Kokoschips garnieren und in Stücke schneiden – und  Sommer schmecken!

Guten Appetit!

Paleo Snack Attack

crackerSchön, wenn man Lösungen für die ganz eigenen Luxus-Probleme findet. In diesem Fall für Paleo Snacks.

Ich war nie so ein überzeugter Süß-Esser, zu Junk-Food-Zeiten waren Chips und alles Salzige viel attraktiver für mich und das waren auch die Sachen, die ich in der Anfangszeit der Ernährungs-Umstellung vermisst habe. Wohlwissend, dass sie voller Sch… stecken.
Aber Vernunft und Gier  mussten erst das neue Kräfte-Verhältnis testen.

Ich muss sagen, ich war ganz schön abhängig vom konventionellen Essen und seinen vielfältigen Erscheinungsformen.
Als, nach den haarsträubenden Informationen zu den Negativ-Wirkungen von Gluten, klar war, dass Getreide nun keinen Platz mehr im Nahrungsplan hat, wurde ich zwei Wochen lang von Laugen-Brezel-Fantasien gepeinigt und hätte mich am liebsten in der S-Bahn festgeschnallt um  sicher zu gehen, dass ich nicht einen der (miesen) Berliner Bahnsteig-Bäcker überfalle. Ich bin tatsächlich stark geblieben.

Und nachdem in der ersten Zeit in erst einmal ein Sortieren angesagt war: Was darf in der Küche bleiben und was kommt weg. Und nach den ersten, zugegebenermaßen, grausigen, Backversuchen hielten dann neue Rezepte sowie Sicherheit im Umgang mit neuen Zutaten und große Experimentierfreude bei uns Einzug.

Eines Tages stolperte ich dann über ein Rezept für Paleo Cracker! Mittlerweile sind diese in verschiedenen Variationen erfolgreich getestet worden und auch Normal-Esser waren begeistert. Sie sind schnell gemacht, zu schnell, was es schwer macht, sie nicht öfter zu produzieren und Maß zu halten.  Aber die Vernunft siegt (immer öfter).

Die Cracker schmecken einfach so oder zum Essen. Und sie eignen sich super als Reise-Proviant!

Das Rezept (ein Blech)

200 Gramm Mandelmehl
½ Teelöffel Salz
großzügig Kräuter nach Wahl (ich bevorzuge zwei Variationen: Oregano/Chili oder Curry/Cayenne-Pfeffer)
1 Eiweiß
2+1 Telöffel Olivenöl
1 Teelöffel grobes Salz

  • Backofen auf 190 Grad vorheizen.
  • Alle Zutaten mit 2 Teelöffeln Olivenöl zu einem festen Teig kneten.
  • Den Teig zwischen zwei Lagen Backpapier gleichmäßig dünn ausrollen und auf ein Backblech legen.
  • Die obere Lage Backpapier entfernen, den Teig mit einer dünnen Klinge in Cracker-Form vorschneiden.
  • Das restliche Olivenöl über den Teig träufeln und das grobe Salz verstreuen.
  • Nun für 8-10 Minuten in den Ofen (nicht zu dunkel werden lassen) und dann die Hitze abstellen und die Cracker weitere 10 Minuten im Ofen lassen.

Wer es schafft das Backblech abkühlen zu lassen ohne, dass es dann halb leer ist, ist gut!

Die Cracker schmecken auch sehr gut mit etwas Butter oder zu Guacamole.

Also dann, mäßigt Euch!

Guten Appetit!

Coming out – Paleo und das liebe Umfeld

IMG_3502Es ist nie einfach, wenn man scheinbar feststehende Gegebenheiten umschmeißt und plötzlich etwas völlig Neues wagt.
Das gilt für Lebensentwürfe, die sich plötzlich ändern können, etwa weil man sich trennt, verheiratet, die Stadt verlässt oder den Job wechselt. Das gilt ebenso für Hobbies, die man lange geteilt hat und sich dann etwas Neuem zuwendet.
Ganz besonders aber scheint es das Umfeld zu verstören, wenn dies sich auf so Grundsätzliches wie das Essen bezieht.

Wenn jemand heute plötzlich seine Ernährung umstellen muss, weil er Allergien hat oder Unverträglichkeiten, wird dies akzeptiert – auch wenn im Hinterkopf sicher oftmals der Gedanke mitschwingt: „Da stellt sich jemand an.“ Wenn plötzlich Diäten probiert werden, lächelt mancher innerlich, lässt es aber zu, tut dort doch jemand etwas für seine Gesundheit.

Was aber, wenn man sich plötzlich in ganz vielen Fragen des Essens außerhalb des Mainstreams stellt? Was, wenn man sich entscheidet, einen Weg zu gehen, der das gemeinsame Essen mit Anderen etwas schwieriger gestaltet, da man auf vieles (freiwillig) verzichtet, nicht weil man es muss, sondern weil man sich besser ohne fühlt?

Was macht man, wenn man kein Getreide (auch keinen Reis oder Mais), keine Milchprodukte, keine Kohlenhydrat-Bomben wie Kartoffeln, keinen Zucker (weder Industrie noch Rohrzucker) und nur noch wenig Obst und ausgewähltes Gemüse isst? Viel gutes Fett und viel Fleisch – und das eigentlich bevorzugt aus artgerechter, sprich Weidehaltung. Keinen oder nur noch wenig Alkohol trinken möchte und verträgt. Dann wird man am Essenstisch oft unfreiwillig zum Gesprächsthema und gilt vielleicht auch als zu extrem oder verschroben. Und der Moment, in dem man dann öffentlich damit rausrückt, dass man sich steinzeitlich ernährt fällt nicht immer leicht. Der Begriff löst einfach einen Klischee-Automatismus aus, den man dann erst einmal wieder durchbrechen muss.
Eine Situation, die viele, die sich entschließen nach Paleo-Prinzipien zu essen/leben, sicher teilen werden.

Ich hoffe immer auf das Verständnis der Mitmenschen und versuche so wenig Umstände wie möglich zu machen, aber dennoch scheint man gerade beim Thema Ernährung immer wieder, und ohne dies zu wollen,  an wunde Punkte zu rühren.
Denn da offenbart sich die ganze zwiegespaltene Haltung zum Essen, die wir in unserer Auswahl-Gesellschaft entwickelt haben – die einen beäugen argwöhnisch, dass man plötzlich abnimmt ohne Diät zu machen und fühlen sich bedrängt, weil es vielleicht ein persönliches Thema ist, die anderen fühlen sich in ihrer Komfort-Zone hinterfragt, weil sie informiert sind über industrielle Lebensmittelproduktion, aber doch aus Bequemlichkeit und Genuss auch Kompromisse eingehen.  Mitmenschen, die tierische Produkte für sich ablehnen, werden oft sehr offensiv und ablehnend in ihrer Argumentation. Andere wiederum verweisen auf die Kosten einer solchen Ernährung und werfen einem indirekt vor, sich damit elitär zu verhalten, da es nicht jedem möglich sei, sich entsprechend zu ernähren und dass so etwas angesichts der wachsenden Weltbevölkerung gar nicht flächendeckend umsetzbar wäre. Wieder andere sind, natürlich, geprägt von Ernährungsgrundsätzen, die – nicht zuletzt gesteuert von der Industrie – bestimmte Ernährungsrichtlinien propagieren. Und diese werden plötzlich hinterfragt.

Es ist dann nicht immer einfach nur ruhig zu bleiben, aber ich bin wahrlich kein missionarischer Charakter. Das Wunderbare ist ja, dass der Mensch mit der Fähigkeit ausgestattet wurde, Entscheidungen zu treffen. Und das soll auch bitte jeder für sich tun, aber dabei auch ehrlich zu sich selber sein, welche Motivation den eigenen Entscheidungen zugrunde liegt. Oftmals ist es nämlich auch eine gewisse Bequemlichkeit, sich mit bestimmten Themen nur oberflächlich auseinanderzusetzen.

Ich persönlich bin einfach überzeugt von den Fakten. Davon, dass ich gesund und ausgeglichen bin und auch so aussehe. Davon, dass Einkäufe vielleicht neu koordiniert werden aber tatsächlich gar nicht teurer sind. Davon, dass ich meiner Liebe für gutes Essen und Koch-Experimente noch einmal neu nachgehen kann und nicht zuletzt davon, dass ich mich deutlich unabhängiger fühle von der Nahrungsmittelindustrie und ihrer Einflussnahme.

Zwei schöne Bücher für den Start und die Auseinandersetzung mit dem Thema sind, wie ich finde:

The Vegeterian Myth: Food, Justice and Sustainibility von Lierre Keith

Das Urgeschmack Kochbuch von Felix Olschewski, das, wie ich finde, einen guten Erläuterungsteil zu den Grundsätzen der Paleo-Küche bietet und das schon fleißig verschenkt wurde.

Wie bei allem, was ich lese gilt auch hier: Jeder ist angehalten, sich seine eigenen Gedanken zu machen und ich möchte drauf hinweisen, dass ich durchaus zu kritisch hinterfragenden Lesern gehöre. Ich empfehle keine Bücher, weil ich sie für unveränderlich feststehende Weisheit halte, sondern weil sie mich, ganz persönlich, zum Weiterdenken animiert haben.

Ich wünsche eine spannende Lektüre!