Pause machen, Beliebtheits-Wettbewerbe und mit Zimtsternen an der Weihnachtsstimmung arbeiten

Zimtsterne in FrankreichDa hatte ich mich wohl zu früh gefreut und die letzte vorweihnachtliche Woche schon im Geiste ganz entspannt verplant. Ein paar Karten schreiben, die Ruhe des Geschäfts nutzen und sich schon mal im Kopf auf die Zeit zwischen den Zeiten, dieses komische Gefühl zwischen Weihnachtsrummel und Sylvesterhysterie einzustimmen. Denkste. Wirbeln ist angesagt. In diesem Jahr begegnen wir dem Trubel durch völligen Entzug. Ab in die französischen Berge und genießen, dass die Franzosen ihr Jahr ohne Knallerei ausklingen lassen. Pause machen. Denn was da zu Ende geht, war mit Sicherheit eines der bewegtesten Jahre meines Lebens. Und da ich selber mittendrin stecke, mache ich mir das oftmals nicht bewusst.

Ich werde immer ganz verlegen, wenn jemand sagt, dass wir mutig seien, einfach so weg aus Berlin, aus der Festanstellung in das eigene Büro, auf dem Dorf… Das ist ein so liebes Kompliment, diesen Mut zu sehen. Ich nehme ihn persönlich gar nicht so wahr. Der kleine Mut, er hätte sicherlich auch manchmal mehr Aufmerksamkeit von mir selbst verdient. Aber solche Dinge fallen mir schwer. Ich tue Dinge, aber indem ich sie tue, erscheinen sie mir gar nicht mehr so groß und ich wundere mich dann mitunter, was für Themen manche Menschen da gut sichtbar für das Umfeld vor sich hertragen. Hätte ich gerne mehr davon? Ich glaube nicht. Der Grad ist mir zu schmal.  Aber es macht das Leben mitunter nicht einfacher, wenn man immer wieder auf diesen Typen Menschen trifft, der ja in unserer Gesellschaft besonders gepäppelt wird.

Tatsächlich ist eine ganz klare Erkenntnis dieses Jahres, dass ich deutlich weniger Menschen in meinem Leben brauche, als ich immer dachte. Ich bin ein sehr soziales Wesen. Ich liebe den Austausch und finde Menschen grundsätzlich faszinierend und spannend, aber einen großen Teil dieser Neugier stille ich durch die vielen Begegnungen, die sich zwangsläufig über meine Berufswahl ergeben und der Kreis der lieben menschlichen Konstanten um mich herum hat sich verändert, auch verdünnt und zum großen Teil intensiviert. Dafür bin ich dankbar.

Das war eine spannende Entwicklung und es ist wunderbar durch Veränderungen den Impuls zu bekommen, Freundschaften und Kontakte noch einmal anders zu pflegen. Pflege haben sie nämlich verdient, wenn sie Substanz haben.  Und das Thema loslassen spielt auch hier wieder mit hinein. Weniger, dafür enge Kontakte im persönlichen Umfeld heißt irgendwie auch, sich ein bisschen unabhängiger machen von dem, was andere denken mögen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht freundlich bin. Den zwischenmenschlichen Respekt eines zivilisierten und erwachsenen Umgangs setze ich mal voraus. Aber ich denke so langsam bin ich ja erwachsen geworden und die Beliebtheitswettkämpfe aus Schulhofzeiten dürfen bitte auch in jenen fernen Tagen bleiben, sie waren mitunter schmerzhaft und turbulent genug. Ein wenig befreiend ist dies auch, wenn man feststellt, dass einen gar nicht jeder mögen muss. Ich mag auch nicht jeden und lieber – statt immerzu gefällig zu sein (ich bin eine sehr ausgleichende Waage) – möchte ich lernen noch öfter auch mal Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen. Leicht fällt mir das tatsächlich nicht. Der andere Teil von mir ist da recht ausgeprägt. Aber es muss sein. Für sich selber. Denn erschreckend viele Menschen wissen, dass andere Menschen eher nicht laut und nach draußen sondern leise und nach innen sind und nutzen das aus. Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben ein komplexes Sozialverhalten. Aber das ist ein Thema für sich.

Weniger ist also manchmal echt mehr und ich mache den Wert meiner Person auch nicht abhängig von Facebook-Kontakten oder Zugriffszahlen auf diesen Blog.  Abe es gibt sie da draußen, die Leute mir ihrer ganz persönlichen Social Media Strategie. Gruselig. Gruselig auch, weil da einfach soviel (falsche) Oberfläche aufgebaut wird. Und das führt mich zurück zu dem Weg durch dieses Jahr,  der hat sich so ergeben und alles, was wir getan haben, erschien irgendwie schlüssig und sinnvoll und die Unklarheiten und Wenns und Abers, die konnten das gute Gefühl, das der Bauch hatte, nicht aufwiegen. Und auch wenn nicht immer nur alles Sonnenschein über lieblichen Hügeln ist, sondern auch das ein oder andere Aushalten in auftragsärmeren Zeiten zu bewältigen ist, gibt das innere behagliche Stimmchen mir doch jeden Morgen recht, wenn es mit halboffenen Augen durchs Fenster gähnt und hinter den Häusern auf dem Hügel den Waldrand sieht, mal im Regen, mal verborgen im Nebel oder unter einem glasklaren Himmel. Dann fällt alles an den richtigen Platz. Es war der richtige Weg. Es ist der richtige Weg.

Und während ich hier schreibe fällt mir ein, wie ich vor dem Wegzug noch mit einer Freundin gespaßt hatte, ich könnte dann ja so einen „Raus aufs Land“-Blog schreiben, so Landlust-Phantasien und Ästhetik für müde Großstädter wie mich. Aber das war nicht dran und das war auch nicht ich, da wäre es weiter nur um Projektionen und Bilder gegangen. Ich mag Konzepte, die auch Raum zum Scheitern lassen. Und dieser Blog ist eigentlich mehr als Übung in Disziplin und private Schreibübung entstanden. Um den inneren Schweinehund zu überlisten.

Und dann hat er sich verselbstständigt, denn plötzlich war da sehr wohl ein „Raus aufs Land“-Konzept, nur völlig anders geartet, als ich es mir anfangs hätte vorstellen können. Die Rezepte, die für mich der Aufhänger waren, sind geblieben, so schreibe ich endlich einmal auf, was ich so koche.
Aber zu den Rezepten kamen all die Themen, die sich nah und fern so um das Essen ranken. Und die abstrahlen auf weitere Themenkreise, bis man plötzlich einen Schritt zurück tritt und sich bewusst macht, wie alles irgendwie immer zusammenhängt. Ja ja, wissen wir doch. Mmmh, aber denken wir es oft genug konsequent durch? Warum wir immer wieder Lebensmittelskandale serviert bekommen, wenn sich an den Produktionsweisen nichts ändert? Warum sich aber nur wenig ändern kann, wenn die Menschen in immer größerer Unsicherheit leben, was vermeintlichen Status und die schiere Existenz betrifft? Warum Chancengleichheit ein schlechter Scherz ist, wenn die mit Geld sich eigene Lösungen suchen und die ohne schon als Kinder Schei.. fressen müssen? Warum wir nichts ändern können, weil uns so wenig Zeit bleibt, weil wir so viele Träume und Wünsche haben, die uns durch eine feinsinnige Marketing-Industrie eingepflanzt werden, dass kaum noch Raum bleibt für die echten Wünsche und Bedürfnisse. Warum immer einer die Rechnung zahlt und allzu oft nicht wir, sondern Menschen und Natur an anderen Orten, schön weit weg, dann ist es nicht so real. Aber hey, wir tun ja auch ganz viel dafür, dass es denen besser geht. Ja, klar. Es ist eine Welt, die mir ehrlich gesagt nicht sehr gefällt. In der tatsächlich zu wenig getan wird um das Richtige zu fördern, das erschreckend oft das Uneigennützige, Mitdenkende ist. In der viel zu viele neue sozialengagierte und grün und nachhaltig gestrickte Mäntel von Beratungsunternehmen der Politik und großen PR-Akteuren entworfen werden, die hier ein Pflästerchen aufkleben, dort Aktivität erzeugen und ablenken, aber nichts so richtig ändern. Oftmals machen mich Artikel, die ich lese, wütend. So richtig. So, dass ich erst einmal raus muss mit dem Kopf. Weil dann genau das erzeugt wird, was beabsichtigt ist, ich fühle mich ohnmächtig.  Ich weiß nicht, wo ich als Einzelperson noch ansetzen kann, wenn so viele vermeintliche Handlungsspielräume kontrolliert geschaffen wurden und Engagement in seichte Wirkungsgewässer leiten. Radikalismus ist mir fremd. Fehlgeleitet. Aber  es gibt so viele Themen, die jeden von uns betreffen. Wenn wir im Endeffekt nicht einmal mehr über unser Körperbild eigenständig Urteile fällen können, wenn wir nur noch mit erheblichem Mehraufwand kontrollieren können, was wir essen. Wenn wir nicht nachvollziehen können, wie das, was wir in unserem Alltag nutzen, gefertigt wird, wenn wir nach jeder Wahl murren, dass sich nichts ändert, aber doch wieder losrennen wie die Schafe, wenn es darum geht ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen. Wenn Narzissmus und Egoismus belohnt und Empathie und Zurückhaltung hinderlich werden. Dann läuft doch etwas falsch. Aber dieses Bewusstsein sollte einen nicht davon abhalten, zu genießen, dass einem ein Leben als Spielraum bleibt und man sich darin seine eigenen Räume schaffen kann. Und jedes Stück eigener Weg, das man für sich entdeckt oder sich erkämpft, ist ein gutes Gefühl, ganz tief drinnen. Und außerdem gibt es immer noch so viele Menschen zu entdecken, die ähnlich denken, die etwas zu sagen haben, die inspirieren und Mut machen. Das versöhnt mich dann immer wieder.

Und wenn ich schaue, wie viele Menschen sich in den wenigen Monaten seit dem Start diesen Blog angeschaut haben, dann bleibt mir der Mund offenstehen und ich empfinde ehrlich eine gewisse Demut, wenn ich feststelle, dass sich jemand die Zeit nimmt und liest, was mich ganz persönlich bewegt. Und das ist jedes Mal auch wieder ein Grund, den Schweinehund niederzuringen und sich hinzusetzen und zu schreiben. Und es ist schön zu sehen und auch zu lesen, dass man mit so mancher Frage und so manchem Gedankenweg nicht alleine ist. Das macht Mut. Dafür lieben Dank.

Und bevor ich mich nun hoffentlich die Tage mal endlich in einen Urlaub verabschiede, der mich weg vom Bildschirm bringt und hin zu frischer Luft und vielen Büchern und Zeit zum Denken, noch schnell ein blitzschnelles Rezept für die Weihnachtsstimmung in letzter Minute. Die Zimtsterne vom wunderbaren Paleowiki, das ich jedem Paleo-Interessierten nur empfehlen kann, als Informationsquelle! Ich habe ganz minimal andere Verhältnisse genommen und schreibe es  auf, aber mit dem Wiki liegt man auf jeden Fall richtig richtig.

Ich wünsche besinnliche Feiertage und freue mich auf ein spannendes neues Jahr.

 Zimtsterne

200 g gemahlene Mandeln
100 Gramm Mandelmehl
200 g gemahlene Haselnüsse
6 Esslöffel Xucker
3 Esslöffel Zimt (Ceylon)
4 Eiweiß
Prise Salz

  • Den Ofen auf 150 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schöne steif schlagen, bis man die Schüssel theoretisch auf den Kopf stellen könnte, ohne dass Eischnee rausfließt.
  • Nun noch einmal den Xucker unterschlagen, bis die Masse schön glänzt. Von dieser Masse nun 5 Esslöffel zur Seite stellen für den Guss.
  • Die Nüsse und den Zimt mit Sorgfalt und Vorsicht unterrühren, bis sich eine gleichmäßige Masse ergibt. Nicht mit dem Quirl, besser mit einem Löffel oder, wer hat, einem Teigschaber.
  • Den Teig zwischen zwei Lagen Backpapier ausrollen, die Sterne ausstechen, mit dem Eischnee bestreichen und bei 150 Grad ca. 30-40 Minuten auf mittlerer Schiene trocknen. Der Guss soll nicht zu dunkel werden.

Tipp: Am nächsten Tag ist der Guss dann fest und sie schmecken genau so, wieZimtsterne schmecken sollen. Und für die Lagerung empfiehlt sich eine Dose.

Guten Appetit!

 

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Dosenwurst, Schweine-Massaker und die französische Provinz

Rillettes RezeptDank der Frankreich Urlaube meiner Kindheit ist und bleibt das Land der Streik-freudigen, Baskenmütze tragenden, Gauloise rauchenden Brummelköpfe eines meiner Lieblingsziele. So viel zu den Klischees. Was aber stimmt ist, dass die Franzosen ein anderes Verhältnis zum Essen haben. Natürlich stehen auch dort in den Regalen die diversen Fertiggerichte, aber es gibt eine andere Wertschätzung von Essen und entsprechend wird dieses mitunter zelebriert.

Ich werde es nicht vergessen, wie beeindruckt ich war, als ich zwei Semester in der Bretagne verbringen konnte. Der dortige Wochenmarkt  am Samstag war einer der größten der Region und ein echtes Ereignis. Anders als bei vielen gängigen Wochenmärkten bei uns, suchte man vergeblich nach den Ständen mit dem immer gleich aussehenden Angebot vom Großhändler. Stattdessenn gab es  alles, vom großen Stand der Kooperative bis zum winzigen Stehtisch, auf dem der hutzlige alte Bauer ungelogen 10 Eier und ein Huhn liegen hatte. Nun war dies kein ausgewiesener Bio-Markt, aber viele der regionalen Kleinbauern waren auch ohne Siegel wesentlich näher dran an der nachhaltigen Landwirtschaft, da sie einfach nicht im großen  Maßstab produzierten, sondern eher als Selbstversorger eine breiteres Spektrum anbauten, dessen Überschüsse dann auf den Markt gebracht wurden. Sicherlich waren diese Bauern finanziell weniger gut gestellt als industriell geprägte Großbetriebe, aber dort war der Mensch näher dran am Produkt, so wie es sein sollte und als Verbraucher kann man das nur unterstützen. Spannende Beispiele aus aller Welt, wie Landwirtschaft auch anders funktioniert, finden sich in der Dokumentation „Zukunft pflanzen“ von Marie Monique Robin, deren engagierte und fantastisch recherchierten Dokumentationen ich ja schon öfter erwähnt habe.

Ob ein Strukturwandel und ein Umdenken, wie sie für eine solche Veränderung im großen Stile  nötig wären, realistisch sind – wahrscheinlich eher nicht. Deshalb ist es umso wichtiger alternative Projekte zu unterstützen wo es einem möglich ist, um nicht in Schockstarre zu verfallen angesichts der Entmündigung, in die uns Politik und Industrie letztlich bringen. Denn wenn ich nicht einmal  mehr über das bestimmen kann, was  täglich auf meinem Teller landet, fühle ich mich entmündigt. Der Versuch ein selbstbestimmtes Konsumverhalten und generell Leben zu führen, zeigt mir immer deutlicher wie eingelullt wir längst sind. Jeder Versuch etwas zu ändern wird dann als alternativ gelabelt und wenn Ansätze vielleicht ernst zu nehmen sind, geraten sie oft ins Abseits und werden belächelt, mit unverhältnismäßiger Kritik bedacht und diese Meinung wird dann allgemein geschluckt und verinnerlicht. Dazu gehören Ernährungsweisen abseits der Richtlinien von Instituten, zu deren Geldgebern Konzerne aus der Nahrungsmittel Industrie gehören genauso wie Bildungseinrichtungen, die sich freieren, unabhängigeren Modellen verschrieben haben. Schule, so wie ich sie kennen gelernt habe und die Erfahrungen, die ich danach an der Universität, im Job und auf dem Arbeitsmarkt gemacht habe lassen mich zweifeln, ob die langsam mahlenden Reformmühlen in naher Zukunft mit der  bildungspolitischen Wollmilchsau um die Ecke kommen.

Aber sei es drum. Wann immer ich eigentlich über das Essen reden will, lande ich bei den gesellschaftlichen Aspekten, die ich kritisch sehe. Am Ende hängt ja alles zusammen und das sollte man, bei allem Genuss, nicht vergessen.

Aber zurück zu besseren Erinnerungen. Die an Urlaube an der französischen Atlantik-Küste. Leider kann ich diese lustig vergilbten Urlaubsfotos nur ausgewählten Bekannten zeigen, da meine Eltern und die Freunde, die oft dabei waren, in der Regel die Abgeschiedenheit der Strände für FKK Strandtage genutzt haben. Mit dem Ergebnis, dass ich im Besitz der Nackedei-Bildergalerie unserer Familien-Urlaube bin.

Zu diesem Thema, den Freiheit suchenden deutschen Campern der 70er und 80er, können die Franzosen derselben Generation übrigens so unnachahmlich vielsagend Augen und Nasenwinkel minimal verziehen, dass mehr nicht gesagt werden muss…

Was wir auf der langen Fahrt im VW-Bus oft dabei hatten, war die gute haltbare Dosenwurst. Ein Genuss, denn ich jetzt wiederentdecke auch wenn es schwer ist Produkte ohne Grusel-Zusätze zu finden.

Und bei Wurst und Brotaufstrichen können die Franzosen gut mithalten. Als wir in den Vogesen den Supermarkt unter die Lupe genommen haben um zu sehen, was es dort alles Paleo-Taugliches gibt, haben wir so manchen kulinarischen Schatz wieder entdeckt. Und einer davon heißt Rillettes, läuft bei uns privat auch unter Schweine-Massaker.

Und die habe ich jetzt mal nachgekocht und den Kühlschrank gefüllt.

Mein Rezept

850 Gramm Schweineschulter , wenn möglich mit Schwarte
500 Gramm Schmalz, je weißer und milder die Qualität, desto besser
4 Lorbeerblätter
1 kleines Sträußchen Thymian oder drei Teelöffel getrocknet
2 Knoblauchzehen, geschält
1 Teelöffel Pfefferkörner
50 ml trockenen Weißwein
Salz
Gemahlener schwarzer Pfeffer
Muskat

  • Den Ofen auf 130 Grad vorheizen.
  • Das Schmalz in einem Bräter schmelzen und dann die Knoblauchzehen, die Lorbeerblätter, Pfefferkörner und den Thymian unter das Fett rühren.
  • Das Fleisch in Würfel schneiden und leicht salzen und in einer Lage im Bräter verteilen, so dass alle mit Schmalz bedeckt sind und dann mit dem Weißwein angießen.
  • Deckel drauf und für 3-4 Stunden in den Ofen, dabei stündlich wenden. Das Fleisch ist gar wenn es sich ganz einfach mit der Gabel zerrupfen lässt.
  • Nun die Fleischwürfel aus dem Fett nehmen. Das Schmalz durch ein feines Sieb abgießen und aufbewahren. Das Fleisch, wenn nötig, von groben Fett reinigen und dann alles andere in einer Schüssel mit zwei Gabeln in Fasern rupfen.
  • Die Fleischmasse mit Schmalz aufgießen, so dass eine sehr saftige Masse entsteht – also nicht zu schüchtern mit dem Fett!
  • Dann großzügig mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Großzügig weil noch mehr Schmalz dazu kommt und den Geschmack wieder etwas neutralisiert.
  • Schraubdeckel-Gläser sterilisieren und bis zur Hälfte mir der Fleischmasse auffüllen. Nun eine dünne Schicht Schmalz auffüllen und die Gläser ruckeln, so dass Lufteinschlüsse verschwinden. Dann die Gläser bis fingerbreit und dem Rand mit Fleisch befüllen und zum Abschluss eine Schmalzschicht dazugeben, die alles bedeckt.

Im Kühlschrank halten die Gläser ca. 2 Wochen.

Vor dem Servieren ein bisschen frischen Schnittlauch unter das Rillettes rühren – super lecker!

Dazu schmeckt Paleo-Brot (dann puristisch ohne Oliven oder Kräuter), ein dünnes Schnittlauch-Omelette oder gebackene Süßkartoffel-Scheiben.

Guten Appetit – Vive la France!

Beeren-Tage im Kopf und auf dem Teller: Johannisbeeren-Tarte

Johannisbeeren-TarteGroseille – das ist die französische Johannisbeere. Und während ich mir im kurzen Frankreich Urlaub bei den Schildern am Wegesrand den Kopf zerbrach, was sich hinter diesem Wort verbirgt, macht es Sinn wenn ich an die Johannisbeeren-Pracht denke, die wir dort im Garten vorfanden. Aber mit Essens-Vokabeln ist das so ein Ding. Sie verschwinden immer doch recht schnell aus dem aktiven Wortschatz. Sei es drum. So verschwenderisch viele Johannisbeeren begrüßten uns im Garten, dass der Kopf sich gleich in Gang setzte und verschiedene Verarbeitungsformen durchspielte. Geworden ist es dann eine Tarte. Die habe ich auch direkt nach der Ankunft zuhause noch einmal nachgebacken um den Geschmack von Urlaub etwas zu erhalten.

Ich liebe Saures und so rangieren die roten Beeren ganz oben auf meiner Sommer-Freuden-Liste und selbst gepflückt aus dem Garten haben sie dann noch eine Süße, die sich eher erahnen lässt, die den Beeren aus dem Supermarkt oft fehlt.

Ja aber Urlaub…und dann in der Küche stehen und Sachen machen? Ja, unbedingt! Aus mehreren Gründen: Kochen ist für mich eh grundsätzlich Entspannung, egal ob ich gerade vor mich hin murmle und leicht panike…einfach nicht beachten oder in einem ruhigen Tonfall Zuarbeiten anbieten. Denn ich liebe alles in, auf und um den Herd. Und das ist auch ein Grund warum ich gerne ein Plädoyer für Urlaub in Ferienwohnungen und -häusern halten würde: Das Abenteuer fremder Küchen. Daheim, inmitten des eigenen Sammelsuriums an Kochgerätschaften (zumindest bei mir ist es ein wirklich stümperhaftes Durcheinander an teilweise uraltem Handwerkszeug) sind die meisten Handgriffe ja oft schon unbewusst und selbstverständlich, aber ein unbekannter Herd kann eine echte Herausforderung sein. Und neben den fremden Küchen ist es einfach das Vergnügen sich durch fremde Supermarktsortimente zu wühlen oder am Wegesrand in Hofläden zu stöbern und zu erkunden, was andere Länder an Paleo-Tauglichem bieten.  In Frankreich hat das besonders viel Spaß gemacht. Die traditionelle französische Küche ist ja Gott sei Dank nicht dem Fehler des Fett-Verzichts aufgesessen und so gibt es im Supermarkt herrlich fettes Confit de Canard, und Rilletes  und und und….Über Essen lässt es sich auch wunderbar eintauchen in andere Länder. Und warum nicht das Abenteuer wagen und einfach auch selber kochen. Zumal ich in der Hinsicht Essengehen echt eigen geworden bin, das gebe ich unumwunden zu. Aber es ist nun einmal so, dass ich gerne weiß, was ich auf dem Teller habe und lieber selber koche, bevor ich zweifelhaftes Fleisch und Gemüse esse und es mir nachher schlecht geht, weil da doch Mehl oder Maisstärke an der Soße war.Und gerade in touristisch stark frequentierten Gegenden heißt es auch erst einmal suchen, bevor man dann eine Küche findet, die sich nicht auf Massenabfertigung verlegt hat sondern Qualität bietet.  Aber für den nächsten Streifzug durch die Vogesen steht durchaus eine Auberge auf dem Programm, denn dort wird zumeist die elsässische Spezialität Choucrute Garnie  serviert, ohne Kartoffeln eine ganz hervorragende Paleo-Mahlzeit in Hunger entfachender Bergluft. Da das Elsass an die Vogesen grenzt und man daher nie so genau weiß wo man gerade ist, finde ich  kann diese Spezialität auch durchaus in den Vogesen verortet werden.

Beim ersten Urlaub nach der Essens-Umstellung im letzten Jahr wanderte noch der eine oder andere wehmütige Blick in Richtung des französischen Kuchenangebots, da ich aber einfach weiß und erfahren habe, wie besch… es mir geht wenn ich ein kulinarisches Auge zukneifen würde, haben die Dinge den Reiz verloren und für die Urlaubs-Extras backe ich lieber selber. In diesem Falle eine Tarte, mit den Beeren aus dem Garten. Die gelebte Landhaus-Idylle – gruselig schön. Wunderbar.

Streng genommen ist die französische Tarte ein Mürbeteig-Kuchen ohne Zucker. Ich habe aber ein Ei und anderes unter gemogelt und nenne es Tarte vor allem wegen der Dünne des Bodens.

Johannisbeeren-Tarte

Teig
120 Gramm Mandelmehl
60 Gramm gemahlene Mandeln
1 Ei
70 Gramm Butter
2 Esslöffel Xucker
Prise Salz
1 Teelöffel Vanille

Belag
3-4 große Tassen Johannisbeeren
4 Esslöffel Xucker
2 Teelöffel Vanille

  • Die Beeren mit dem Xucker und der Vanille erhitzen und einkochen bis ein schön saftiges Mus entsteht, in dem die Beeren noch erkennbar sind.
  • Den Ofen auf 180 Grad erhitzen.
  • Die Zutaten für den Teig in eine Schüssel geben und in Ermangelung eines Rührgeräts mit den Händen gründlcih verkneten. Duch die Körperwärme wird die Butter weich und es entsteht ein klebriger weicher Teig.
  • Eine Tarte-Form großzügig buttern und den Teig in der Form  gleichmäßig flach festdrücken, an den Rändern etwas hochziehen.
  • Das Beerenmus auf dem Boden verteilen.
  • Für ca. 20-30 Minuten in den Ofen geben, bis der Rand schön durchgebacken ist. Ich mag es tatsächlich wenn das Braun in Dunkle tendiert.

Ein Nachbacken empfiehlt sich ebenso wie das gesunde Maß.

Guten Appetit!

Idyllen, rote Beeren, bunte Seiten und schöner scheinen

Lektüre und Genuss Für ein paar Tage haben wir die dörfliche Idylle im Taunus mit der noch abgeschiedeneren Idylle eines kleinen Dorfes in den Vogesen getauscht. Eine Handvoll Häuser auf einem Hoch-Plateau, Vogel-Gezwitscher-Stille, Sonnenschein über Heugeruch und ein Garten voller Johannisbeeren.

Tage zwischen Faulenzen am See, Wanderungen durch die Berge und Abende am Grill mit Blick über die Felder. Es gibt so Orte und Stimmungen, die möchte festhalten und hineinschlüpfen wie in einen kuscheligen Lieblings-Pulli, damit das Wohlbehagen weiter anhält.  Und gleichzeitig ist da die innere Stimme, die einem sagt, dass das so einfach nicht ist.

Diese ganz idyllischen Momente und Orte werden ja so besonders dadurch, nicht Teil des Alltags zu sein, sondern Abstand von eben diesen. Deshalb sollte man diese Momente für das genießen, was sie sind und sich nicht zu sehr darauf versteifen, sie festhalten zu wollen. Ich glaube dieses Ausblenden der Alltags-Realität lässt auch so manchen modernen Easy-Jet-Auswanderer scheitern, der plötzlich feststellt, dass das Leben im Lieblings-Urlaubs-Domizil im Alltag ein anderes ist.

Aber egal. Auswandern will ich nicht. Nicht im Moment und obwohl Frankreich einfach mein erklärtes Lieblingsland ist. Ich stehe einfach noch unter eine watteweichen Idylle-Schock weil alles so wunderschön war, dass es einem fast unangenehm ist.

Und in dieser Idylle habe ich die Chance genutzt ein wenig zu blättern – in ein paar der einschlägigen Einrichtungs-Magazinen, die dort lagen und da war er wieder der leichte Wut-Knoten angesichts der Dreistigkeit, mit der uns Marketing-Abteilungen und Redaktionen zu fortwährendem Konsum anhalten wollen.  Aber das sind doch so schöne Inspirationen…Ja, das bestreite ich auch gar nicht und ertappe mich selbst dabei, wie die Überlegungen kreiseln ob man das ein oder andere Regal vielleicht nachbauen kann. Aber da ist nicht nur der Faktor Inspiration, da ist einfach auch das Bild, das einem sagt, wie ein schönes Zuhause auszusehen hat und was es dafür braucht und ich denke nur zu oft, hängt dann das Glück an der Anschaffung des nächsten Teppichs, Beistelltischchens, Sessels….und ja, so eine Einrichtung wird dann schnell ein Konsum-Kreislauf, passt doch der alte Tisch dann nicht mehr so recht zu den Stühlen, braucht es hier noch weitere Anschaffungen oder dort.

Ich verstehe das. Auch ich mag es schön. Heißt: Ich will mich in meinem Zuhause wohlfühlen, nicht erschlagen werden von Möblierung sondern mit der Einrichtung unterstützen, was ich in den Räumen tue. Ich lebe in diesen Räumen.  Aber ich finde es gibt Grenzen. Ich finde es immer am schönsten, wenn Dinge nach und nach ihren Weg und ihren Platz finden und was ich dabei vermeide, ist in die Preis-Falle zu tappen. Denn seien wir ehrlich, so manch einer kauft sich mit dem Designer-Sofa die offizielle Bestätigung seines guten Geschmacks.  Denn, wer weiß, was ich da Namhaftes im Wohnzimmer stehen habe, ordnet mich dann automatisch/unbewusst ein in die Kategorie der Connaisseure und Design-Liebhaber. Und ja, Design-Handwerk wird mit einem Preis beziffert und ist eine kreative Leistung, aber ich finde es mitunter überzogen und ich glaube nicht, dass man dann noch so ganz ungezwungen diese Möbel bewohnt.

Nur mal als Gedankenspiel: Wenn ich auf die hypothetische einsame Insel gehe und nur drei Gegenstände mitnehmen darf, dann wird wohl kaum  ein Möbelstück dabei sein oder besser: Es sollte nicht. Denn was gibt es mir langfristig?

Wir sind tendenziell zu verhaftet im Materiellen. Wir schreiben uns zwar oftmals eine Bescheidenheit auf die Fahnen und kaufen regional und ökologisch und teilen Autos und engagieren uns, aber ich finde gerade in den Bereichen Einrichtung und Mode, schlägt es dann manchmal durch: Diese falsche kleine Stimme, die uns sagt, wie gut es uns ansteht ein Paar Schuhe für 500 Euro oder einen Tisch für 3000 Euro zu besitzen. Dass wir das wert sind.  Und da sind wir wieder bei den von mir so geschätzten Outfit-Posts, ich glaube Einrichtungen rangieren kurz danach.  Wir sollten es einfach nicht nötig haben. Unser guter Geschmack ist nicht mehr wert, wenn wir ihn in teuren Zahlen materialisieren, wir machen ihn nur scheinbar unangreifbar und merken nicht wie wir uns in einer Konsum-Schleife verstricken. Denn es werden immer neue Moden und Impulse kommen und uns wieder am Geldbeutel kitzeln. Und ich denke dann an die vielen Wohnzimmer in denen die oft belächelte Vitrine oder Pressholz-Schrankwand steht… Das ist das Gegenstück zum Convinience-Essen für mich. Wir müssen das nicht schön finden oder gut heißen, aber wir dürfen uns nicht anmaßen den Geschmack anderer Leute abzuwerten. Denn andersrum verstehen diese es vielleicht auch nicht, was sich manch einer da mühsam auf dem Flohmarkt erjagt hat.  Und auch hier klafft die Gesellschaft auseinander zwischen denen, die sich etwas leisten können und wollen und denen die es oftmals nicht können. Und so wird das Bild der Einrichtung eines Menschen blitzschnell in die Verortung des Person mit einbezogen, die wir immer wieder und ständig betreiben. Und dann sind wir manchmal positiv überrascht und registrieren das volle Bücherregal oder machen innerlich Abstriche weil wir den Teppich eine unverständliche Wahl finden.

Und um zurück an den Aufgangspunkt zu kommen: Mich stören die Bilder, die diese Deko- und Wohn-Magazine vermitteln. Sie generalisieren und schaffen eine Art gemeinhin anerkannten guten Geschmack und dieses Verständnis sickert uns Konsumenten durch und durch und ehe wir uns versehen, machen wir uns wieder einmal abhängig.  Abhängig von durch-inszenierten Räumen und Vorstellungen. Denn neben den reinen Produktvorstellungen sind da ja oft noch die Blicke hinter private Gardinen und da sieht man dann die stolzen Designer des Privaten, die den Magazinen ihre zwanglos kreativ-chaotisch inszenierte Wohnung/Haus/… zeigen und wir kriegen dann gleich noch die nächste unterschwellige Botschaft mit dem Samtkissen reingehämmert, denn huch, die haben ja alle auch so schöne Berufe und Kinder und einen Mann und lieben es Gäste zu bewirten und das Haus zu gestalten und und und…Tja, eigentlich sollte uns das also auch alles möglich sein also schnell her mit dem Einrichtungs-Hobby auch wenn wir vier linke Daumen und Zehen haben.  Und wenn wir keine Kinder haben, dann müssen wir zumindest sehr sehr erfolgreich sein oder in verantwortungsvoller Position arbeiten, gerne mit kreativer Komponente.  Mit den bekannten Einrichtungsmagazinen großer Verlage aber auch mit den kleinen, unabhängigeren, kriegen sie die intelligente,  stilbewusste Frau, die ihnen als Zielgruppe bei den Frauenmagazinen durch die Lappen gegangen ist.  Und ja, man selber sagt sich, man suche nur eine Inspiration.

Nein, ich denke es ist wichtig, wenn man auch in seinen Kaufentscheidungen unabhängig bleiben will, öfter einen Schritt zurückzutreten.  Sich einmal kritisch zu fragen warum und für wen solche Zeitschriften geschrieben werden. Nein, tatsächlich sitzen da nicht nur farbverliebte Menschenfreunde in den Verlagen und sind total unabhängig von der Marketing-Abteilung. Leider sind die Botschaften oft so subtil, dass sie selbst gut gemeinte Vorsätze aushöhlen. Also lieber  eine  nüchterne Bescheidenheit als Grundlage meiner Kaufentscheidungen – das schließt die Schönheit des Zuhauses nicht aus. Und bei größeren Anschaffungen vielleicht auch einmal die schwierige selbstkritische Frage, was ich mir da eigentlich gerade kaufe: Design, Qualität oder um die einschlägigen Argumente  mal zu provozieren, vielleicht doch ein Stück Status oder Sicherheit? Dann, ist das keine gute Kaufentscheidung und jeder Kauf wird nur die Brücke zum nächsten sein.

Nun, wir brauchen zwar tatsächlich dringend Stühle in der Küche aber diese vermeintlich leichte Lektüre bunter Magazine hat mich so aufgewühlt, dass das eine sehr nüchterne Entscheidung werden wird.

Aber statt in Konsum-Kritik möchte ich lieber noch in Erinnerungen an Garten-Stunden und rote Beeren schwelgen.

Deshalb hier ein schnelles Rezept für Zauberwasser

1 große Handvoll Johannisbeeren
1 gestrichener Esslöffel Xucker
1 Liter kaltes Wasser (je nach Karaffe)
2 Stängel Minzblätter

  • Die Johannisbeeren kalt abwaschen und durch ein ganz feines Sieb in eine Karaffe pressen. Nun durch das Sieb mit dem Beerenmus, den Liter Wasser in Karaffe gießen, so dass auch der letzte Saft ausgespült wird und nur die festen Teile zurückbleiben.
  • Denn Xucker in das Beerenwasser rühren, die Minzblätter zugeben, etwa 5-10 Minuten kaltstellen und durchziehen lassen.
  • Vor dem Trinken noch einmal aufrühren und kalt genießen.

Das Sauer macht auf jeden Fall fröhlich!