Wie hätte ich es denn gerne: Von den lieben Zweifeln, schönen Vernunftsmomenten und Sonntagsverwöhnung mit Auberginen French Toast

Richtige Entscheidungen und Auberginen French Toast

Vernünftig sein, glücklich sein – und manchmal Auberginen French Toast

Zehn Tage Ausnahmezustand im Kopf. Da war sie, die charmante Anzeige im Internet, mit Bildern die uns irgendwie ansprachen und doch nichts sagten. Ein erster Besuch folgte: Ein Wohnhaus in einer Hofgemeinschaft auf dem Gelände einer alten Sägemühle. Ganz weit draußen, im Schatten einer Burg. Der wohl schönste Wohnraum, den ich jemals gesehen habe: Ein einziger Raum mit massiven Säulen, die für Gliederung sorgten, nicht zu hoch, damit man nicht verloren geht – in den Raum integriert die Küche, mein Lieblingsraum und absolutes Muss an jedem Wohnort, hier möchte ich die Freunde sitzen haben, während es aus den Töpfen dampft und mich unterhalten. Ein Wohn-Koch-Essraum irgendwo zwischen Industriecharme und Hobbithöhle. Im ersten Stock die Überraschung: Die Höhe Berliner Altbauten – da ließe es sich doch bestimmt schlafen und arbeiten, nicht wahr? Heizung über eine Holzheizung in Kombination mit einer Solartherme – so wie wir es am liebsten selber machen würden, wäre ein eignes Haus in Planung. Überall Dielenboden, eine Haustür, die das Licht von drinnen nach draußen und draußen nach drinnen durch bunte Scheiben schickt… Da wurde Inventur gemacht im Kopf – die Räume aufgeteilt und Ideen gesponnen…

Der besondere Mensch und ich wissen, dass wir gut darin sind, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Aus fixen Ideen und Spinnerei wird bei uns schnell ein Plan und an Mut mangelt es auch nicht – wir wissen, dass sich immer eine Lösung findet, wenn man bereit ist, etwas in Bewegung zu setzen. Eine Hochzeit nur für uns, mit der keiner gerechnet hat? Berlin verlassen? Die festen Jobs und Chancen aufgeben und etwas Eigenes auf die Beine stellen? Die Lebensgewohnheiten massiv umgestalten? Menschen ins Leben kommen und daraus gehen lassen? Ich bereue keinen dieser Schritte und manchmal wird mir schwindelig, wenn ich sehe, wie reich unser Leben geworden ist, wie viel wir machen und was für wichtige Impulse dadurch entstehen. Da darf ich nicht zu oft drüber nachdenken und ich klopfe mir dafür nicht extra auf die Schulter und will Lob – nein, ich bin unheimlich dankbar und auch ein wenig demütig. Ich finde, wenn es gut läuft, sollte man nicht aufhören daran zu arbeiten, immer noch eine bessere Version von sich selbst zu erarbeiten. Lernen fürs Leben und Arbeit am Selbst. Noch umsichtiger im Umgang mit Menschen sein und niemals die Bodenhaftung verlieren. Realistisch bleiben und genügsam. Das klingt so trocken und freudlos, nicht wahr? Ich bin überzeugt, dass eine gewisse Selbstgenügsamkeit und Bescheidenheit die wichtigsten Elemente sind, wenn man sich einfach und wahrhaft über das freuen möchte, was einem im Leben geschieht, was man möglich macht, was Andere schenken. Und das schafft wahre Zufriedenheit und nicht das Streben nach immer mehr.

Naja, es ist ein Lernen nicht wahr? Bei 200 Quadratmetern Wohntraum setzte bei uns kollektiv die Vernunft aus. Und die Schlaflosigkeit begann. Die Chancen standen gut für uns, aber wo blieb der letzte Funken, der sonst Treibstoff für die Verwirklichung unserer Pläne ist? Die Entscheidung war gefasst, wir machen das – wir richten uns ein offenes Haus ein. Aber warum hingen da nicht-greifbare Wolken über dem Kopf? Wir schlugen eine zweite Besichtigungs-Runde vor. Ein sehr nettes Gespräch mit dem Vermieter, in dieser Hinsicht ein gutes Gefühl, aber dann auf der Fahrt im Auto – Stille… Und nicht diese freudige Ich-kann-mein-Glück-nicht-fassen-Stille, sondern diese Wer-spricht-es-zuerst-aus-Stille.

Was sollen wir zu zweit mit dem grauen Katzenplüsch auf 200 Quadratmetern? Warum so viel Platz? Brauchen wir das? Ist das realistisch, geht man da nicht verloren? Möchten wir alle kreative Wohnraum-Gestaltungs-Energie mobilisieren und das Einrichtungsprojekt zum Mittelpunkt machen, das komische Gefühl im Bauch mit Geschäftigkeit betäuben und dann in einem Jahr wieder von vorn beginnen, weil wir merken, es passt nicht für uns? Ja klar, als Mieter hat man nicht viel zu verlieren – Umziehen geht ja immer. Aber es zahlt sich langfristig aus, aufs Bauchgefühl zu hören. Und das haben wir getan – wir haben abgesagt. Die Kisten im Kopf wieder ausgepackt und wir sind plötzlich erfüllt von einer neuen Zuneigung für das so nette alte Haus, in dem wir wohnen dürfen. Hier spiegelt sich auch die Sonne im Holz und der Kamin faucht und plötzlich zeigen sich Stellen, an denen sich noch etwas drehen lässt. Wie zur Bestätigung wurde mir prompt und unverhofft eine Lampe geschenkt, die eine völlig neue Stimmung in unserem sehr puristischen, fast mönchischem Schlafzimmer einziehen lässt. Mit etwas Glück können wir hier in der Gegend mit auf die Jagd gehen, nach den Prüfungen und hier in der Ecke gibt es den besten Reitunterricht, der uns jede Woche bei Wind und Wetter aufs kleine Pferd und in den wildschönen Wald bringt… Schätzen und neu bewerten, was man hat, ist manchmal vielleicht die wichtigste und schwerste Übung. Ich schlafe auch wieder ruhiger.

Noch etwas sei hinzugefügt: Umzüge sind immer auch das Einfallstor für wilde Konsummomente. Da muss ein neuer Teppich her, das alte Regal passt nicht zum neuen Boden oder oder oder… Gründe lassen sich immer finden. Wir versuchen dabei immer einen klaren Kopf zu behalten. Es muss nicht immer alles sein. Und wer wie wir alte Dinge mag und Möbel schätzt, die eine Geschichte hinter sich haben, der sollte sich den Wohnsitz außerhalb der Großstädte zu Nutze machen und einmal entdecken, was bei den Kleinanzeigen auf ebay alles verschenkt wird. Ich wollte es kaum glauben. Aber nur weil ich gerne eine Ottomane aus den 50ern hätte, werde ich nicht umziehen. Sie fehlt mir nicht zum Glück.

Und weil heute Sonntag ist und alles so aufregend war, habe ich ein neues Rezept getestet. Eines mit Sonntagsfrühstücksfaktor:

Auberginen French Toast

2 mittelgroße Auberginen
2 große Eier
Salz
Zimt
Vanille
Xylit
Ghee

  • Die Auberginen schälen und Scheiben schneiden (max. 0,5 cm).
  • Auf ein Backblech legen, leicht salzen, gute 2 Minuten liegen lassen, umdrehen und die andere Seite salzen.
  • Die Eier mit etwas Xylit, Vanille und Zimt quirlen.
  • Die Auberginenscheiben in die Eiermasse tauchen, dabei mit einer Gabel einstechen, damit das Ei einziehen kann.
  • Die Auberginen im heißen Ghee von beiden Seiten kräftig Goldbraun anbraten.

So lecker! Und bei dünnen Scheiben würde niemand die Aubergine durchschmecken. Etwas Xylit und Zimt mischen und oben drauf geben oder Kompott oder…

Guten Appetit!

Bulletproof ist überall und gerne mit Vanille

Bulletproof KaffeeManchmal stehe ich auf dem Schlauch. Das gibt niemand gerne zu,  wollen wir doch alle wieselflink und clever immer schnell alles wissen. Aber da ein Teil meines Kopfes permanent am Wälzen von Gedanken ist, während ein anderer Teil sich obsessiven Essen-Gedanken hingibt und wieder ein anderer Teil mit so profanen Dingen wie Tagesplanung beschäftigt ist, muss ich manchmal zweimal hinschauen. Vor allem wenn es mich betrifft. Oder ganz banale Alltagsdinge.
Und so hat es mich neulich wie der Schlag getroffen, als ich gerade mit einem konzentrierten Gedankenrunzeln vor dem Rechner saß und einem Kunden die passenden Worte verpasste, dass ich irgendwie dahin gekommen bin, wo ich immer hin wollte.

Wie zur Bestätigung trippelte in dem Moment ein laut schnurrendes Etwas über die Tasten und ich musste eine kleine Pause machen, um den Schaden zu begutachten und nutzte den Moment um dankbar zu sein.

Mit ungefähr Zwölf habe ich mal versucht einen Abenteuerroman zu schreiben. Die heimlich fabrizierten Seiten haben mich lange begleitet, aber ich habe sie nie jemanden gezeigt. Tatsächlich scheiterte ich damals am Essen – meine junge Heldin sollte aufbrechen in die Wildnis und ich verzweifelte schier an der Überlegung, was ich ihr an Proviant mit auf dem Weg geben sollte. Und so landeten die 25 mit Filzschreiber verfassten Seiten erst einmal in der Schublade. Irgendwann, vor wenigen Jahren, habe ich mich endgültig getrennt, da ich meine eigene Schrift nicht mehr lesen konnte. Ja, das mit dem Schönschreiben fand ich immer blöd, diese Mädchen, die saubere Kringel statt I-Punkten setzten. Als würde das den Inhalt besser machen. Das waren auch so Mädchen, die sich dann während meiner äußerlich etwas unangepassteren Phase darüber mokierten, dass ich mit Laufmasche ins Theater gehe – klar, kann ja dann auch schlechter denken. Manchmal schockiert es mich, wenn bei den Gerade-so-Erwachsenen schon die festzementierten unflexiblen Erwachsenen durchscheinen…Lasst Euch doch bitte etwas Flexibilität! Angepasstheit ist ein großer Druck…der erklärt vielleicht auch wieso dann so oft zur Seite gebissen wird, wenn diese durchbrochen wird. Ich verstehe das im Nachgang, aber traurig ist es schon, wenn man rückblickend sieht, wie sehr wir uns selbst und andere sich im Wege standen.
Ich war nie eine Rebellin, aber in manchen Dingen hatte ich meinen eignen Kopf und meine eignen Vorstellungen. Dazu gehörte auch uniforme Kleidungsregeln der Altersgenossen bewusst zu durchbrechen. Das war der Freiraum, den ich brauchte in dem Korsett von Schule und Heranwachsen.

Und wenn ich keine Rebellin war, so gehörte ich auch nicht zu der, mir bis heute unangenehmen Menschengruppe, die jede ihrer Fähigkeiten, Errungenschaften und jedes Talent permanent  vor sich her tragen. Nein, da war und ist viel eher eine Unsicherheit und wenn keine Unsicherheit, dann eine Bescheidenheit, mich niemals selbst zu ernst zu nehmen. Und dankbar zu sein.

Nun sitze ich nicht an der Vollendung eines großen Romans, dieses Ziel ist in den Hintergrund getreten, aber ich verbringe meine Tage mit dem, was mir nach dem Essen am liebsten ist: Worte. Geschriebene Worte. Für mich, aber vor allem für unsere Kunden. Es ist schön wenn man Sprache immer wieder neu denken und formulieren kann. Es gibt Wörter und Begrifflichkeiten, die habe ich so gern wie gute Freunde.

Und ich freue mich mal ganz unbescheiden darüber, dass man sich das Leben ganz wunderbar angenehm machen kann.

Und besonders freue ich mich darüber, dass ich seit der Heimarbeit im eigenen Büro einfach richtig gerne früh am Morgen am Schreibtisch sitze. Gerne auch mit einem Kaffee und seit wir neulich vergessen hatten Brühe zu kochen, am liebsten mit einem Bulletproof Kaffee….

Einem was….? Genau. So habe ich auch erst einmal geschaut und etwas gerätselt, als das Koffein anfing unter diesem Namen durch diverse Blogs zu geistern.
Erst dachte ich, das wäre eine fancy Kaffeemarke. Dann habe ich schnell quer gelesen und habe gesehen, dass es eine Erweiterung des Kokosöl-Kaffees ist und habe wie angegeben zusätzlich zum Kokosöl noch Butter in die Tasse gegeben. Das kam hier gar nicht gut an. Eine dicke Fettlache und irgendwo dann der Kaffee. Ja, wer in Ruhe liest ist klar im Vorteil. Das Geheimnis war das Mixen der Zutaten! Kokosöl, Butter und Kaffee. Ja, dass ist lecker und ihm werden gute Dinge nachgesagt.

Das mit dem Fettabbau stelle ich jetzt mal so in den Raum.  Ich habe nicht viel Fett, das ich abbauen möchte und trinke das Hype-Zeug erst seit wenigen Tagen. Aber was ich sagen muss, es ist ein fast so schöner Kickstart in den Tag wie Brühe. Und deshalb sehr zu empfehlen. Denn so richtig fettig starte ich am besten in Tag.

Das Rezept

250 ml Kaffee
80 Gramm Butter aus Weidemilch, dass ist wichtig, wegen der gesunden Fette und das macht es auch kompliziert denn die ist nicht immer leicht zu finden.
2 Esslöffel Kokosöl
1 Teelöffel Vanille

Ab in den Mixer oder mit dem Pürierstab verquirlt – et voilà: lecker, cremig…

Guten Appetit!

Morgengrumpeln, Speck und so

Bacon PancakesIch habe ja schon mehrmals erwähnt, dass es auf Facebook eine Paleo-/Primal-Gruppe gibt. Ich habe die Gruppe als echte Erleichterung empfunden, nachdem wir uns in den ersten Monaten unseres Paleo-Selbstversuches ein wenig, sagen wir, wunderlich vorkamen. Es war schön zu lesen, dass auch andere Menschen umgetrieben werden von der Suche nach Weidemilch-Butter-Quellen und sich über die optimale Fettzufuhr Gedanken machen.

Die Mitglieder in der Gruppe sind so unterschiedlich, wie die individuellen Beweggründe sich mit gesunder Ernährung zu beschäftigen. Viele kommen aus der Sport- und dort besonders aus der Cross Fit-Ecke (ich möchte auch mal! Gibt es hier vor Ort nur noch nicht und so kämpfe ich einmal die Woche auf der Freihantel-Fläche in einem Sportstudio rum), andere sind aus gesundheitlichen Gründen auf die Paleo-Ernährung gekommen oder wollen abnehmen, was ja auch unter gesundheitliche Aspekte fällt.  Und dank dieser unterschiedlichen Menschen bekommt man jede Menge Ideen, Inspirationen und Informationen. Denn kein Thema ist so abseitig, dass es nicht irgendwann in eine Frage verpackt wird. Und noch dazu ist das sehr informative Paleo Wiki entstanden.

Wunderbar. Denn nicht immer hat man Lust sich durch die vielen, informativen US-Blogs zum Thema zu wühlen.

Aber manchmal ecke ich innerlich etwas an, wenn ich mich in dieser Facebook-Gruppe rumtreibe und das immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dass der ein oder andere versierte Steinzeit-Esser sich päpstlicher als der Papst benimmt. Was nicht ausbleibt, wenn sich über 2000 Menschen zu einem Thema austauschen, das Hintergrundwissen erfordert. Es steckt in vielen von uns sich zu Experten aufzuschwingen, ob gefragt oder nicht. Ich freue mich lieber über jeden in dieser schnell wachsenden Community, der beginnt seine Essgewohnheiten zu überdenken und mehr auf sich zu achten. Was dann jeder daraus macht, wer dabei bleibt, das will und sollte ich mir nicht anmaßen zu bewerten.

Eines der Themen, die ab und zu für Diskussionen sorgen, ist der Food Porn  bezogen auf Comfort Food und da fühle ich mich angesprochen, denn ich überlege auch jedes Mal ob ich das nächste Kuchen-Rezept posten soll oder nicht. Aber ganz ehrlich – wir sind alle erwachsen und wer sich denkt, er könne den ganzen Tag Paleo Kuchen und Gebäck in sich hineinstopfen und gesund und dünn oder was auch immer werden – der hat noch nicht richtig nachgedacht, hat der Bequemlichkeit noch nicht den Kampf angesagt.

Wer sich aber bewusst mit seiner Ernährung auseinandersetzt, kommt automatisch an den Punkt wo er Gewohnheiten unter die Lupe nimmt und sich selbst davor schützt, ungesunde Essens-Rituale einfach nur zu verschieben.

So viel eigenes Bemühen und Bewusstsein vorausgesetzt, habe ich heute eine Frühstücks-Alternative zur obligatorischen Brühe – Speck-Pfannkuchen…

Mein Rezept

3 Eier
2 gestrichene Esslöffel
Kokosmehl
Bacon in Streifen
Gemahlener Pfeffer
Salz
Schnittlauch
Schmalz
Butter

  • Die Eier gründlich quirlen  (ich bin da etwas zwanghaft und bearbeite sie ausgiebig mit den Schneebesen).
  • Die Eimasse mit Salz Pfeffer würzen und Schnittlauch unterrühren.
  • Nach und nach das Kokosmehl unterrühren bis die Konsistenz etwas klebrig wird.
  • Großzügig Schmalz in der Pfanne schmelzen.
  • Den Teig in die Pfanne geben, dass sich ein runder, nicht verlaufender Fladen ergibt und nun von jeder Seite etwa 5 Minuten knusprig anbraten. Den Pfannkuchen an die Seite schieben und Speck nach Wahl und Bedarf im Schmalz mit anbraten.
  • Der Pfannkuchen reicht gut für zwei Personen.

Also ab auf den Teller und noch etwas extra Butter und Pfeffer obendrauf!

Guten Appetit!

Sonntägliche Frühstücks-Freunde

souffle_collageImmer wieder nehme ich mir vor, am Wochenende mal auf den Süßkram zum Frühstück zu verzichten. Denn auch wenn das Gebäck in der Paleo-Version sicherlich besser ist als konventionell mit Weißmehl und Industrie-Zucker, möchte ich eine Gewöhnung an das Comfort-Food einfach vermeiden.

Womit ich mich in einem ständigen Dilemma befinde: Das Backen als Hobby und die Stimme der Vernunft. Vernunft zu üben, wenn einen Kuchen und Kekse von der Anrichte her anlachen, ist eine kleine Übung in Willenskraft.  Denn mir geht es nicht um eine Angst vor Gewichtszunahme ( das ist irgendwie gar kein Thema seit Umstellung der Ernährung) sondern wirklich darum, dass ich ganz bewusst mit meinem Essen und den damit verbundenen Mechanismen umgehen möchte.

Um so mehr Freude bereitet es mir dann, mich selbst mit stichhaltigen Argumenten zum Comfort-Food-Genuss zu ermuntern.

Eines der Argumente ist der Sonntagmorgen. Dieser besondere Tag, in der schwer  definierbaren Grauzone zwischen alter und neuer Woche gelegen, der ein ganz eigenes Sonntags-Gefühl besitzt und die persönliche Stimmung beeinflussen kann wie kein zweiter Tag.
Dieser Tag hat ein besonderes Frühstück verdient und so stehe ich meist irgendwann am Freitag in der Küche und beginne zu wirbeln.

Auf der Suche nach Inspirationen bin ich neulich bei dem wunderbaren Blog Swiss Paleo auf ein perfektes Sonntags-Rezept gestoßen: Ein Frühstücks-Soufflé!!

Wunderbar! Zur Abwechslung ohne Nuss-Mehl und eine wunderbar neue Form der Frühstücks-Eierspeise für alle, die das Rührei etwas über haben.

In Ermangelung der perfekten Back-Form ist mein Soufflé nicht so richtig aufgegangen aber es war nichts destotrotz ganz beerig köstlich!

Das Rezept

4-5 Eier
Xucker
Vanille
Zimt
1 Tasse Obst nach Wahl (Ich habe Beeren und Äpfel gemischt)
Kokosöl

  • Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Das Obst waschen, schälen und in Stücke schneiden (es geht auch tiefgefroren), mit einem Esslöffel Xucker und etwas Vanille mischen, mit 1-2 Esslöffel Kokosöl in die Form geben und im Ofen weich werden lassen (ca. 10 Minuten).
  • Die Eier trennen und die Eiweiß mit einer Prise Salz steifschlagen. 3-4 Esslöffel Xucker, ein Teelöffel Zimt, ein Teelöffel Vanille vorsichtig unter den steifen Eischnee heben.
  • Die Eiweiß-Masse auf dem Obst verteilen und das Ganze für ca. 20 Minuten in den Ofen, bis der Eischnee eine golden-bräunliche Färbung hat.

Ein Rezept mit Nachnehm-Gefahr!

Guten Appetit!

Sommer-Frühstücks-Liebe: Lemon Bread

LemonUnter der Woche steht zum Frühstück Brühe auf dem Plan aber am Wochenende ist es schön, die Routine zu durchbrechen und so tobe ich mich gegen Ende der Woche meist mit neuen Rezept-Ideen aus dem Internet oder Freestyle-Versuchen aus.
Nun mag der ein oder andere denken, was ein Stress, aber das ist Ansichtssache und man muss ja nicht tun was man nicht mag. Für mich sind Kochen und Backen, zum Glück, sehr entspannende Tätigkeiten, bei denen ich gut nachdenken kann.
Backen war tatsächlich früher nie meine Stärke. Über Jahre gab es bei mir nur einen Kuchen. Mit der Ernährungsumstellung wurde es dann noch komplizierter – komische neue Zutaten, Nussmehle mit anderen Eigenschaften als Getreide. Es war tatsächlich im Ergebnis manchmal frustrierend, was da in der Anfangszeit entstand.

Was aber sicherlich auch daran lag, dass ich mit bestimmten Geschmacks -Erwartungen an die Ergebnisse meiner Experimente herangegangen bin und diese natürlich nicht erfüllt wurden.

Ungezählte Kuchen  und Kekse später wird es immer besser und auch Gäste merken nicht mehr, dass mit dem Kuchen „etwas nicht stimmt“.

Ein Rezept aus der Anfangszeit, das sich mir als besonders furchtbar eingebrannt hat, war ein Zitronen-Mohn-Kuchen. Die Stevia-Süße schmeckte zu sehr durch, das alles war zu trocken und und es brauchte literweise Tee um den Hals wieder frei zu bekommen. Damit war Zitronenkuchen erst einmal von der Liste.

Bis dieser wankelmütige Sommer begann und ich Lust auf etwas Frisches hatte. Zitrone – das schmeckt irgendwie wie Sonne, die durchs Fenster scheint. Das wollte ich. In Paleo-konformer Form. Zum Frühstück.

Und dann stolperte ich auf meiner Suche einmal mehr über das Blog Primally Inspired  und da war es, das Rezept! Ich habe die amerikanischen Mengenangaben einmal umgerechnet und jetzt steht der letzte Rest vom Schätzchen im Kühlschrank und wartet auf die nächste Kanne Earl Grey.

Und wie immer gilt: Kuchen ersetzt keine Mahlzeit! Ich lege immer wieder Tage ein, an denen ich komplett auf das süße Zeug und anderes Comfort Food verzichte und faste einmal in der Woche. Essen soll etwas Bewusstes sein und bleiben und man sollte sich niemals stimmungsmäßig von Essen abhängig machen, auch wenn dieses „gesund“ ist.

Aber für die besonderen Momente hier das Rezept:

Teig

6 Eier
40 Gramm Butter
Zesten von zwei (ungespritzten) Zitronen
Saft von zwei Zitronen plus Flüssigkeit nach Wahl (Wasser, Kokosmilch) um auf ca. 220 ml zu kommen
2 Teelöffel Vanille
5-6 Esslöffel Xucker
ca. 80 Gramm Kokosmehl

Glasur

2 großzügige Teelöffel Butter
3 großzügige Teelöffel Xucker
Zesten und Saft von einer Zitrone
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 18o Grad vorheizen.
  • Eier, Butter und Xucker schaumig schlagen.
  • Zitronen-Zesten, Zitronensaft + Flüssigkeit und Vanille dazugeben und weiter rühren.
  • Das Kokosmehl dazu geben und kneten. Der Teig hat eine feste, aber buttrig-geschmeidige Konsistenz. Wenn er zu krümelig wird, etwas Flüssigkeit nachgießen.
  • Den Teig in eine gebutterte Kastenform geben und im Ofen ca. 40 Minuten backen, bis der Kuchen an der Oberfläche schön gebräunt ist.
  • In der Zwischenzeit die Zutaten für die Glasur in einem kleinen Top erhitzen, bis der Xucker mit der Butter verschmolzen ist.
  • Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen, dann die Glasur verteilen und den Kuchen in das Gefrierfach (wenn es schnell gehen soll) oder in den Kühlschrank stellen, bis er komplett gut durchgekühlt ist.

Dazu passt perfekt ein leichter Earl Grey oder ein frischer Grüner Tee!

Guten Appetit!

Kickstart in den Tag – Wundermittel Knochenbrühe

collage.brüheEine häufige Frage für viele ist, was wir eigentlich zum Frühstück essen – da diese Mahlzeit ja traditionell mit Getreide besetzt ist. Ganz einfach: Bei uns ist das Frühstück zur Suppen-Mahlzeit geworden.

Ich war anfangs recht skeptisch was das Hantieren mit den Knochen betraf  und deshalb stammt das Rezept auch nicht von mir, sondern von meinem Mann. Rückblickend muss ich sagen, dass ich froh bin über die Hartnäckigkeit, mit der die Suppe bei uns eingeführt wurde. Anfangs hat mich der Geruch der vor sich hin siedenden Knochen echt gestört. Heute brauche ich meine tägliche Dosis Knochenbrühe. Und würde tatsächlich nicht mehr zu Instant-Brühe greifen. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sehr die Lebensmittel-Industrie über Jahre unsere Sinne trainiert hat. Wir lehnen Neues oft erst einmal ab, wenn es in seiner Ursprünglichkeit nicht dem gewohntem Geschmack des Fertig-Produkt-Gegenstücks entspricht.

Aber damit ist ja zum Glück Schluss. Zurück zum lieben Suppentopf: Die Brühe sättigt nachhaltig und steckt voller wichtiger Mineralstoffe. Einen besseren Start gibt es  kaum. Und wie bei allem ist es hier nur eine kurze Umstellungszeit, bis man die lange trainierte Süß-Croissant-Marmeladen-Brot-Konditionierung durchbrochen hat! Und keine Sorge: Morgendliche Süß-Junkies essen nach der Brühe einfach noch einen Paleo-Keks.

Die Brühe ist auch immer eine optimale Grundlage wenn man einen Fasten-Tag einlegen möchte oder wieder ins Essen einsteigt: Ohne zu belasten, sorgt die Brühe für ein langanhaltend konstantes Energie-Level und es entstehen keine Energielöcher. Das ist meine Erfahrung. Diese Energielöcher (gerne am späten Vormittag und nach dem Mittagessen) haben mich früher wirklich beeinträchtigt und zu oft wurden sie kompensiert mit Zucker in jeder Form (Haribo,Kekse, etc.).

Mit einer vernünftigen Essens-Grundlage merkt man auf einmal, wie viele dieser oft unnötigen Zwischenmahlzeiten überflüssig sind.

Aber am besten probiert man es einmal selber aus! Die Brühe ist zudem eine super Grundlage für andere Rezepte wie etwa Gulasch. Wir haben immer eine Ration Brühe im Kühlschrank stehen, die für ca. eine Woche reicht. Man kann die Brühe auch portionieren und einfrieren.
Und nicht erschrecken- je nach Knochen geliert sie ganz wunderbar fest zu einem Suppenpudding!

Das Rezept

1,5 Kg frische Knochen vom Weide-Rind
1 großes Bund Suppengemüse (Möhren, Sellerie, Petersilienwurzel, Petersilie, Lauch)
1 großzügiges Stück Ingwer
1 Schuss Apfelessig (löst die Mineralstoffe aus den Knochen)
Gewürze (Kreuzkümmel, Senfkörner, Lorbeerblätter, gemahlener Koriander, Piment, Pfeffer, Paprika) – nach Belieben und Geschmack

KEIN SALZ während des Kochens!! Gesalzen wird erst am Ende bzw. wir salzen die einzelnen Portionen vor dem Servieren.

  • Die Knochen waschen und in einem großen Topf mit kaltem Wasser und dem Schuss Apfelessig bedeckt zum Kochen bringen. Wir nehmen nach der begrenzten Haltbarkeit unseres Schnellkochtopfes mittlerweile einen normalen, großen Topf aber es geht auch sehr gut und kürzer (3-4 Stunden) im Schnellkochtopf.
  • Die Knochen aufkochen und den Schaum, der sich auf der Oberfläche bildet, abschöpfen. Manche lassen ihn drin. Er trübt letztlich nur das Aussehen der Brühe.
  • Nun das geputzte und kleingeschnittene Suppengemüse, den kleingeschnittenen Ingwer und die Gewürze dazugeben. Man kann auch noch etwas Wasser angießen.
  • Alles einmal zum Sieden bringen und dann mindestens 24 Stunden auf kleinster Stufe weiterkochen. Wir haben aktuell einen Elektroherd aber haben die Suppe auch bedenkenlos auf dem Gasherd stehenlassen und sind zur Arbeit gegangen.
  • Wer nicht warten mag, kann sich zwischendurch eine Portion Brühe abschöpfen, Wasser nachgießen und die Brühe weiterköcheln lassen. Auch 48 Stunden schaden ihr nicht, sondern machen sie nur intensiver!
  • Am Ende die Brühe durch ein feines Sieb gießen und kurz zum Abkühlen in kaltes Wassers stellen. Dann ab damit in den Kühlschrank.

Man kann sich die Brühe pur mit einem Stück extra Butter und etwas frischen Kräutern oder etwas Wurst sowie Gemüse nach Wahl schmecken lassen. Ich bin eher puristisch und mag sie am liebsten pur oder mit Wurst und mit extra Butter und etwas Schnittlauch.

Und wer es vermeintlich eleganter mag, kann von seiner Bouillon schwärmen. Das ist nämlich nichts anderes.

Guten Appetit!