In den Morgen hinein und Rezepte gegen Hitze: Curry-Rohkostsalat mit Wildlachs

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Leichte Rezepte gegen die Hitze

Verheißungsvolles Grau zieht da vor dem Fenster auf. Verheißungsvoll, da es ein reinigendes Gewitter verspricht. Ich mag den Sommer. Sehr. Ich mag es, wenn der frühe Morgen schon nach flirrender Mittagshitze riecht. Ich mag es, wenn auch der Alltag plötzlich diesen Sommerferienschimmer bekommt, weil ich barfuß durchs Haus schleichen und die Winterpullis in eine Auszeit schicken kann. Deshalb bin ich diesem Sommer auch sehr dankbar, ich weiß nicht wann wir zuletzt so viele heiße Tage hatten? Schon jetzt haben sich im gedanklichen Augenblicksammelalbum wunderbar sommerliche Momente aus dem Taunus, aus Wiesbaden, Köln, Passau, München und den Vogesen angesammelt, die sich zu einem einzigen langen Sommereindruck verbinden.

Aber… Ja, was wären Gedanken über das Wetter ohne ein Aber? Die bleischweren Hitzenächte der letzten Zeit hinterlassen doch ihre Spuren und ein kühler Windhauch, der durchs Schlafzimmer zieht und die Decke noch gemütlicher macht, ist mehr als willkommen. Es sieht ganz danach aus, als würde diese Sehnsucht bald gestillt.

Bis es soweit ist, verlaufen Alltag und Leben im Sommerrhythmus. Der Wecker klingelt früher für einen Tee- und Lesemoment im Bett bei frühmorgendlicher Sommergeräuschkulisse vor den Fenstern. Auch die Arbeit beginnt früher. Es ist meine produktivste Zeit, die Stunden bevor in den anderen Büros nach und nach die Arbeit beginnt und irgendwann in Form von E-Mails und Anrufen zu mir findet. Der Kopf ist noch klar beisammen, die Hitze noch eine attraktive Ahnung, die sich erst am Nachmittag in eine gewisse Anstrengung verkehrt.

Momente zum Durchatmen und Kühle genießen, brachte in letzter Zeit der frühmorgendliche Ansitz im Revier. Wann immer die Verpflichtungen und Termine es zulassen (also tendenziell zu selten) zieht es uns auf den Hochsitz im Feld oder im Wald.  Die entscheidende Erfahrung des ersten Schusses fehlt dabei noch. Aber darum geht es auch gar nicht. Das wird sich ergeben (muss, ich habe ein großes Adventsessen geplant). Viel spannender ist es momentan, die verschiedenen Ecken des Reviers kennenzulernen und zu entdecken welches Wild sich wo gerne zeigt. Dabei hat sich für mich gezeigt, dass ich am allerliebsten am frühen Morgen unterwegs bin. Raus zu gehen, wenn es noch dunkel ist (im Sommer ist das schmerzhaft früh). Leise seinen Platz zu beziehen und in der Dunkelheit den noch ungewohnten Geräuschen zu lauschen. Wenn man nichts sieht, klingt auch eine Maus im trockenen Laub ziemlich laut. Das zunehmende Licht der Dämmerung zu genießen und den Vögeln zu lauschen, die frech ihren neuen Tag beginnen. So manche schöne Begegnung ergibt sich da und es ist keine Zeitverschwendung ein Bestimmungsbuch dabei zu haben. Und wenn es langsam heller wird, belohnt einen so manche Beobachtung. Sei es der junge Fuchs, der noch irgendwie unbedarft über die Wiese und am Feldrand entlangstakst, sich hinter den Ohren kratzt und völlig verpasst, dass 15 Meter von ihm entfernt ein leicht gestresster Hase sich seinen Weg durch das hohe Gras bahnt. Oder die Ricke, die laut schmatzend im Raps steht, bis irgendwann die Zwillingskitze aus der Deckung kommen und man ein geradezu liebevolles Wiedersehen beobachtet. Da sitzt dann der tiefbraune Baummarder, das Goldkehlchen, auf dem Weg und schaut mit Knopfaugen wachsam um sich bevor es mit kleinen Sprüngen im Raps verschwindet. Und natürlich das schlaue Schwarzwild, die Wildschweine, die man im Dunkeln noch neben sich im Feld hat grunzen und schmatzen hören und die plötzlich nur noch ein dickes Hinterteil sind, das geschwind in weiter Ferne in der Sicherheit des Feldes verschwindet. Oder der bisherige Höhepunkt, der Hirsch, der da mitten auf der morgendlcihen Wiese steht und einen anzuschauen scheint, bevor er das beeindruckende Haupt abwendetund zum klar murmelnden Bach zieht.

Auch im Hochsommer kann es des Morgens empfindlich kühl werden und mit der stärker werdenden Morgensonne legt man leise eine wärmende Schicht nach der anderen ab und freut sich über die Thermoskanne Tee. Dabei sein zu dürfen, wie der Tag die Nacht verdrängt und um einen herum alles zu erwachen beginnt, das Ganze alleine mit sich und den ungetrübten Sinneseindrücken – es hat etwas fast meditatives und unglaublich entspannendes. Dann langsam kommen die Menschen, mit ihren Hunden, auf der morgendlichen Laufrunde oder beim Spaziergang in der Kühle des Morgens und fast widerwillig packt man seine Sachen zusammen und hofft, bald wieder den Wecker früh stellen und hinausgehen zu können.

So begonnen, verlängert sich der Tag ungemein und mit der Zeit bekommt man auch das Müdigkeitsloch in den Griff. Das der Jagderfolg bisher ausblieb, ist dabei nebensächlich. Zu kostbar und schön sind die neuen Erfahrungen.

Und wenn der Tag sich dann langsam zu einem heißen klebrigen Klumpen verdichtet, braucht es ein leichtes Essen.

Lieblings-Curry-Rohkostsalat (mit Wildlachs)

1-2 mittlere bis große Kohlrabi
1 großes Bund große Radieschen
1 mittlere Zwiebel
1 kleiner säuerlich-süßer Apfel
optional: 1 Handvoll geröstet, gehackte Walnüsse
Olivenöl
Walnussöl
Apfelessig
(Dijon)Senf
Pfeffer
Salz
Currypulver
Zitrone

  • Die Kohlrabi schälen, vierteln und grob raspeln. Dann die Radieschen waschen und ebenfalls grob raspeln. Beides zusammen in ein nicht zu grobes Sieb geben, leicht salzen und dann mit den Händen großzügig die Flüssigkeit herauspressen. Ich mache  so vier Durchgänge, um zu verhindern, dass der Salat zu nass wird.
  • Wer sehr strikt Low-Carb isst, lässt den Apfel weg. Wer sich sicher fühlt, raspelt den Apfel, beträufelt ihn mit Zitronensaft und gibt ihn unter das Gemüse.
  • Nun die Zwiebel schälen, sehr fein hacken und unter den Salat mischen.
  • Aus Walnuss- und Olivenöl, Apfelessig, Senf, Salz, Pfeffer und einer großzügigen Portion Curry eine Vinaigrette zusammenrühren und unter den Salat mischen. Diesen dann ruhig etwas durchziehen lassen, dabei gelegentlich mischen. Wer Nüsse verträgt, gibt vor dem Servieren noch die gerösteten Walnüsse dazu.
  • Als Begleiter empfiehlt sich ein Wildlachsfilet. Ganz simpel, mit Zitrone beträufelt, gesalzen und gepfeffert und in der Pfanne in Kokosöl gebraten.

Tipp: Zum Kochen verwende ich sonst kein fertiges Currypulver, es empfiehlt sich genau auf die Inhaltsstoffe zu schauen, oft versteckt sich Traubenzucker oder anderes in Würzmischungen.

Guten Appetit!

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Zum Geburtstag ein Reisetipp mit viel Wald…und köstliche Tarte au Chocolat

VogesenGeburtstage sind mir irgendwie egal. Also meine eigenen. Ich mache nicht viel fest an der Zahl, die sich da jährlich ändert. Ich bin niemanden sauer, der ihn vergisst und ich werde verlegen, wenn man mir Geschenke macht, obwohl ich mich natürlich freue, es bereitet soviel Freude etwas auszupacken, von dem man nicht weiß, was es ist. Aber ich werde dann immer furchtbar verlegen und kriege einen roten Kopf. In der großen Stadt Berlin habe ich den Geburtstag nur immer als Vorwand genutz,t um einmal all die unterschiedlichen Leute zusammen zu kriegen, die einen so verstreut durch das Jahr begleiten. Denn dann kommen alle.

Dieses Jahr habe ich mir aber etwas anderes gewünscht und wir sind für ein paar herbstlich stürmische Tage in das kleine Haus in den Vogesen gefahren, das uns auch schon ein Sommer Highlight war.

Und ich kann gar nicht müde werden mich für diesen ganz wunderschönen Landstrich im Norden Frankreich zu begeistern. Gar nicht weit weg (aus dem Rhein-Main-Gebiet waren es knappe fünf Stunden Fahrzeit) liegt es deutlich näher als etwa Berlin, aber entführt einen in eine völlig andere Landschaft. Wer bei Strasbourg über den Rhein fährt schlängelt sich erst einmal durch den Elsass. Bis die Hügelkette am Horizont immer näher rückt.   

Eine seltsame Landschaft, die deutsch anmutenden Ortsnamen, die im Französischen recht putzig klingen, verweisen auf die turbulente Rolle, die dieser schmale Landstrich in der deutsch-französischen Vergangenheit oft innehatte. Neben unbestreitbar schönen Fleckchen, die die Region aufweist, geizen die Ortschaften entlang der Schnellstraßen mit ihren Reizen und strahlen selbst im Sommerlicht eine gewisse Tristesse aus. Also schnell durch gefahren und dann beginnt der Urlaub, sobald man bei St. Marie aux Mines  die Wahl zwischen Tunnel und Pass trifft. Wenn man sich bei guten Wetterbedingungen den Berg hinaufschraubt, wird man mit sattem Grün und wunderschönen Perspektiven belohnt.

Vogesen WälderDas ist es, womit dieser Landstrich mein Herz erobert hat, mit den ständig neuen Ausblicken, die sich dem Auge bieten. Sich scheinbar stapelnde Hügel und Berge, nicht einschüchternd hoch, aber doch Garant für ein paar schöne Steigungen, sommerliche Bergsonne sowie unprätentiöse kleine Skigebiete im Winter. Die Vogesen sind ein versteckter Schatz, die meisten Frankreichurlauber zieht es in den sonnigen Süden, an die markante Küste der Bretagne oder in die so beeindruckenden Städte Paris und Bordeaux, während die bescheidenen Berge der Vogesen zu unrecht mit einem trüben Bild assoziiert werden.

Nebelig kann es durchaus sein, selten habe ich einen Landstrich mit soviel Wasser gesehen, bei jedem Spaziergang sprudelt und gurgelt es früher oder später neben dem Weg entlang und im Herbst verwandelt sich mancher Weg in einen eiligen kleinen Bachlauf, mit dem man sich eine Strecke teilt.

Aber wenn die Wolken aufreißen und die Sonne scheint, kann man staunen und beobachten, wie sich der Nebel in Wolken von den Wäldern hebt und wenn sich manchmal ein leichter Schleier vor den eigenen Blick legt, weiß man, dass man gerade mit dem Kopf in einer zarten Wolke wandert. Und damit man nicht verloren geht im Reiz der verwunschenen Wälder, hat der Club Vosgien für eine Beschilderung der Wanderwege gesorgt, die entsprechenden Karten gibt es vor Ort in den Supermärkten und in den meisten Tabakläden.

Vos_3_collageUnd dann liegt es nur noch an einem, sich feste Schuhe anzuziehen und los zu streifen durch sommerlich zirpende, herbstlich farbenfrohe oder frühlingsfrische Mischwälder.

Und wenn man die Wege abseits der Touristenmagnete wählt, kann man in ziemlicher Einsamkeit die Landschaft genießen und sich bei den vielen plötzlich auftauchenden kleinen Siedlungen in Tälern und auf Lichtungen fragen, wie es wohl wäre, das Leben auf so einem typischen kleinen Vogesen-Hof. So ganz und gar, durch alle Jahreszeiten?

Das war es, was ich für meinen Geburtstag wollte. Das und eine Paleo-Version einer Tarte au Chocolat, weil so dekadent-köstlicher Kuchen einen Anlass braucht. Dann habe ich auch kein Problem meinen eigenen Geburtstagskuchen zu backen. Wie auch anders. Es war ein Experiment und ich werde es wiederholen.

Tarte au Chocolat

Boden
150 Gramm fein gemahlenes Mandelmehl
75 Gramm gemahlene Mandeln
gute 75 Gramm Butter
4 Esslöffel Xucker
2 Teelöffel Vanille
1 großes Ei, gequirlt
1 Prise Salz

Belag
200 Gramm dunkle Schokolade (ab 85% Kakaoanteil)
140 ml Kokosmilch (schön gerührt, dass man sowohl die festen Teile und das Wasser hat)
Prise Vanille

  • Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Aus den Zutaten für den Teig ganz unkompliziert einem festen Teig Kneten. Ich mache es zumeist mit der Hand, um so die Butter besser einzuarbeiten.
  • Eine Tarte-Form buttern und den Teig darin gleichmäßig verstreichen, an den Rändern etwas hochziehen, mit einer Gabel ein paar Löcher in den Boden stechen und dann für ca. 20-25 Minuten durchbacken, bis er schön goldbraun ist. Zum Ende hin shcauen, dass er nicht zu dunkel wird.
  • Den Boden aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen.
  • Im Wasserbad die Schokolade in der Kokosmilch  schmelzen, die Vanille hinzugeben und alles schön glatt rühren.
  • Die Schokoladenmasse auf den Boden geben und die Tarte für ein/zwei Stunden in den Kühlschrank geben, damit der Belag sich setzt und hart wird.

Danach ist Selbstdisziplin gefragt. Schokoladiger geht es kaum!

Guten Appetit!

Heimat-Sein und Kuchenduft-Sicherheit mit Mandelkugeln

Mandel Kugeln Low CarbHeimat. Das rutschte mir heute so raus, als wir uns über die Autobahn, an Idstein vorbei, dem mittlerweile vertraut neuem Zuhause im Taunus näherten. So unattraktiv in ihrer Unbeirrbarkeit die Autobahn in ihrer grauen Geradlinigkeit auch war und so beängstigend dicht sich die Menschen in der Isolation ihrer  zu schnell fahrenden Autos auch drängten, war da doch auch der Blick über, dem Auge schmeichelnden Hügel in einen herbstlichen Himmel und es fühlte sich einfach an, wie sich nach Hause kommen anfühlt. Dabei war ich gar nicht lange weg, aber  die Freude, wieder dort anzukommen, wo ich am liebsten bin, war so eindeutig, dass ich kurz die Frage in den Raum stellte, ob das kleine Dorf jetzt eigentlich unser Zuhause oder doch schon Heimat ist.

Ich habe mich mit Heimat immer schwer getan. Der Ort in dem ich aufwuchs, ist nicht mein Geburtstort, wir sind öfter umgezogen als andere und da mein Auszug sich mit räumlichen Veränderungen in den elterlichen Begebenheiten überschnitt, hatte ich fortan auch kein Kinderzimmer mehr, in das ich zurückkehren konnte. Das fand ich anfangs befremdlich und hatte so eine gewisse Sehnsucht, mit der Rückkehr in die Heimatstadt auch jedes Mal wieder in alte Rahmenbedingungen zurückkehren zu können. Wenn schon Erwachsenwerden, dann doch bitte mit der Sicherheit immer mal wieder zurück unter die Decke der eigenen Geschichte schlüpfen zu können und sich in der Sicherheit des Bettes aus Jugendtagen vom Taumel und den Schrecken der großen Welt erholen. Dachte ich.  Und in Ermangelung dieses imaginierten Horts der Sicherheit badete ich mich ein bisschen in dem Bild des aus dem Nest gefallenen Vogels.
Einige Jahre und Wohn- und Lebenserfahrungen später muss ich sagen, dass mir da eine dieser wertvollen Lektionen vermittelt wurde, die man erst im Nachhinein so richtig wahrnimmt, wenn überhaupt. Ich definierte für mich Heimat als etwas, das in etwa der Kuschel-Ästhetik der Rama-Familie entsprach, so mit Familienmittagessen am Sonntag, Hohes C zum Frühstück  und frisch gewaschenen, weichgespülten Wäschestapeln für die  Rückkehr in die Studentenwelt. Dabei war ich nicht in einem solch gekünstelten Arrangement groß geworden, woher dann also diese plötzliche Sehnsucht nach etwas, das mich erstickt hätte, wenn es sich plötzlich in die Realität verwandelt hätte. Meine Eltern haben mich immer ernstgenommen, ich habe, seit ich alt genug war, immer gerne eine Zigarette mit meinen Eltern geraucht und ich musste mir zwar Kritik gefallen lassen, aber meine Lebensweggestaltung lag ganz bei mir. Trotzdem, oder gerade deshalb, war da eine Zeitlang die Überzeugung, gar keine Heimat zu haben, da ich sie nicht an so oberflächlichen Maßstäben festmachen konnte. Irgendwann betonte ich dann Berlin als meine Heimat, stand ja dann auch im Ausweis – Und Du so? Ich bin aus Berlin…Obwohl auch das immer untermalt war mit dem Gefühl einer gewissen Endlichkeit – da musste noch mehr sein. Nur lange Jahre habe ich mir das nicht eingestanden. Hatte ich doch endlich einen benennbaren Ort, der noch dazu was hermachte. Mit einer gewissen Faszination begegnete ich immer wieder Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zum Ort und zu den Leuten ihrer Herkunft pflegten, auch über die Distanz hinweg. Jedes Jahr Weihnachten oder zu anderen Terminen war das Wiedersehen vorprogrammiert. Bei mir gestaltete sich das irgendwie anders. Ich dachte halt nur, immer diese Gewissheit der wiederkehrenden Routine sei Heimat und somit etwas, das ich vermisste.

Aber wenn ich selber mal an solch wiederkehrenden Ritualen teilnahm merkte ich, dass es nicht so harmonisch war, wie ich mir das verklärt hatte. Natürlich, die Freude des Wiedersehens, aber oftmals auch der große heimliche Abgleich, wie sieht er sie aus, was machen die anderen Dolles und die eigene Inszenierung. Fühlte sich nicht so an wie sich Heimat anfühlen sollte. Dann die Momente mit den lieben Freunden in der großen Stadt Berlin, die gemeinsamen, ganz besonderen Entdeckungen und Erlebnisse, die sich so lebendig anfühlten, dass man sie nie wieder vergessen wollte, das behagliche Gefühl des Beisammen- und Aufgehobenseins. Heimelig, Aber schon Heimat? Immer noch geplagt von Heimat-Wohlfühl-Sehnsüchten dann weiterziehen durch dies seltsame Erwachsenwerden und den eigenen Weg finden. Entscheidungen treffen, Ziele definieren,  Abwägungen, mutig sein, sich aufmachen. Und dann plötzlich heute: Heimat. Laut ausgesprochen. Auf der Rückfahrt aus der Heimatstadt des besonderen Menschen und die wunderbar warme Erkenntnis, dass ich eine Heimat habe, schon eine ganze Zeit.

Diese Heimat ist bei diesem Menschen und das ist sie, weil sie in allererster Linie in mir selbst liegt. Und wenn ich mir selbst diese Heimat  gestalten kann, wenn ich mir selbst dieses heimelige und sichere Gefühl geben kann, dann ist die Heimat überall. Überall dort wo ich bin. Und sie ist nicht gebunden an einen Ort oder bestimmte Dinge. Denn im Prinzip kann ich erst dann selbst bestimmen, was und wo für mich Heimat ist, wenn ich die materiellen Dinge dafür gar nicht brauche. Erst dann ist mein Zuhause auch meine echte Heimat und dann kann es auch ein Mensch sein und ich für einen Menschen.

Und ganz ehrlich, Paleo hin oder her, wenn es Besucher glücklich macht, würde ich ihnen schweren Herzens auch ein Glas Hohes C hinstellen zum Frühstück.

Lieber aber backe ich etwas heimelig Duftendes für das extra bisschen Wohlfühl-Kitsch.

Mandelkugeln

200 Gramm feines Mandelmehl aus blanchierten Mandeln
5-6 gute Esslöffel Gucker
40 Gramm Butter
1 Eiweiß
Vanille
Zimt
Dunkle Schokolade (90%)
Gehackte Mandeln

  • Die Butter schmelzen und den Xucker hineinrühren.
  • Mandelmehl,  Vanille und Zimt mischen. Die Butter-Xucker-Masse hinzu geben, das Eiweiß unterrühren und nun alles schön gründlich mit den Knethaken kneten bis eine geschmeidige, Masse entsteht, die sich gut zu Kugeln formen lässt.
  • Die Kugeln in den Mandelsplittern wälzen und auf ein Backblech mit Backpapier geben.
  • Im vorgeheizten Ofen bei 190 Grad ca. 15 Minuten backen, sie sollen goldbraun aber nicht zu dunkel werden.
  • Abkühlen lassen, die Schokolade schmelzen und nun jeden Mandelball nach Geschmack mit Schokolade krönen.

Wenn diese fest ist: Guten Appetit!

 

Ich mach kein Kreuzchen – ich ess Kuchen –Castagnaccio

KastanienkuchenIm Wald kann ich nicht unglücklich sein. Geht einfach nicht. Egal zu welcher Jahreszeit, früher oder später befällt mich die Schwärmeritis angesichts der Schönheit um mich herum und es setzt ein sehr angenehmer Zufriedenheits-Kick ein.
Und tatsächlich kann Wald so schön sein, dass ich manchmal einfach innehalten und schauen, riechen und hören muss.
Bevor es soweit kommt, muss ich im Vorfeld aber oftmals einen harten Kampf antreten, das faule Schweinehund-Tier macht sich breit und breiter und legt sich direkt vor die Tür und zählt auf, was man alles machen könnte. Mittlerweile kann ich die Tritte aber gezielter setzen und das Vieh verkriecht sich und leckt die Wunden bis zur nächsten Schlacht.
Im Wald kann man zudem die wunderbarsten Gespräche führen, wobei auch in den Feldern, oder am Strand…im Gehen. Während man langsam in seinen Gehrhythmus verfällt, fallen auch langsam die Gedanken in einen eigenen Fluss und ordnen sich neu. Dabei tauchen Themen auf, die man wieder  vergessen hatte, aber besprechen wollte und Gedanken lassen sich viel besser in Worte fassen. Und auch die Gleichzeitigkeit funktioniert – während des Gesprächs im  Hinterkopf die vielen anderen Gedanken rollen zu lassen und einfach hinzuschauen, was an die Oberfläche steigt.

Bei der heutigen Waldbegehung hat es im Hinterkopf angefangen zu nagen. Zu viele Themen der verstörenden großen, miesen Politik haben irgendwie einen Schatten geworfen auf den Gedankenfluss.  Aber da muss ich wohl noch genauer hinschauen.

Ich weiß manchmal nicht so schnell, was ich zu Dingen sagen soll, dann nehme ich mir lieber Zeit, bevor ich Plattitüden bemühe.

Aber über ein Thema war ich mir unvermittelt im Klaren, als am Ende des Gedankenstroms ein Wahlplakat am Ortseingang in mein Blickfeld rückte: Ich werde dieses Jahr nicht wählen.

Das habe ich noch nie nicht getan. Und auch wenn ich aufgrund ausufernder Freizeitgestaltung in der großen Stadt mitunter erst auf den letzten Drücker ins Wahllokal kam, habe ich doch immer brav meine Stimme abgegeben.

Aber ich will nicht mehr. Ich will meine Stimme nicht hergeben, für wen oder was auch? Ich fühle mich nicht vertreten, sondern verzweifele zunehmend an dem scheinheiligen Spiel der Politik, das doch nur die Interessen intensiver Lobby-Arbeit vertritt und nicht die ach so kostbaren Bürger.

Ich habe das zweifelhafte Vergnügen gehabt, nach meinem Studium in einem Unternehmen zu arbeiten, das sich auf politische Analysen und strategische Kommunikation spezialisiert hat.  Ähm, ja, kurz gesagt: Lobbyismus. Konservativ und bestens vernetzt in der Politik und dieser aufgeblasenen Welt drum herum, die in Berlin ihr ganz eigenes Treibhaus gefunden hat. In der Hauptstadt kann man sich ja immer noch einen kreativen Sprenkel geben und so viel Geschichte, die bemüht werden kann…Wie wir da zusammen gekommen sind, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Teilweise lag es daran, dass ich selber noch so sehr auf der Suche war und erstmal geschaut habe…Irgendwann war aber klar, dass ich etwas anderes machen muss und das tat ich dann auch. Aber darum geht es nicht.

Die Zeit, die ich in diese Arbeit gesteckt habe, war eine wertvolle Erfahrung. Eine Erfahrung darin, was für Mechanismen hinter der Politik stecken und was für Menschen unsere politische Elite bilden.  Auch eine Szene, in der sich alle viel zu ernst nehmen, das ist klar, anders kommt nicht weiter. Bedenkt man, was ein erfolgreicher Lebenslauf so alles vorweisen sollte, wird auch schnell klar, dass vor allem der Beratungszirkus rund ums politische Geschäft in vielerlei Hinsicht ein elitärer Sch…Laden ist, indem man schnell merkt, ob man den richtigen Stallgeruch hat, an den richtigen Unis war, wenn möglich länger und international renommiert  im Ausland – Washington wäre eine gute Wahl oder Paris.  Unbezahlte Praktika im Bundestag oder bei internationalen Organisationen….Ja ja, ich weiß es gibt Ausnahmen. Natürlich, die muss es auch geben, sonst wäre der Zirkus ja zu offensichtlich und solange man noch jemand nach vorne schieben kann, der mit einem individuellen Lebenslauf aufwartet, kann es ja nicht so schlimm sein. Das ist das Feigenblatt und wer mag, soll diese Rolle spielen. Für mich verdeckt es nicht, dass da Ideenpapiere aus einer Geisteshaltung entstehen, die weiter weg vom Bürger nichts ein kann.

Ein Beispiel, ein persönliches, aber ich werde es mir immer wieder vor Augen halten, damit ich kritisch bleibe. Ich habe mich die letzten Jahre meines Studiums selbst finanziert und dafür viel gearbeitet. Mit dem obligatorischen Praktikum nach Studienende war an ein Jobben nicht mehr zu denken, ich war ja de facto am Arbeiten. Ich hatte einen sehr guten Abschluss hingelegt, innerhalb von zwei Wochen nach Exmatrikulation einen Vertrag unterschrieben und hatte kein Geld. Von einem Praktikum kann man nicht leben. Die Lösung: das Horror-Amt. Abgesehen von den Kämpfen und kafkaesken Situationen, die es gekostet hat, habe ich meinem Berater bei der Agentur für Arbeit zugesetzt und durchgesetzt Hartz IV weiter zu bekommen und das Praktikum bei dem besagten Unternehmen absolvieren zu dürfen. Mit eingeschränktem Verdienst, das musste ich dann mit meinen Chefs besprechen und einen Praktikumsnachweis beim Amt abliefern.

Ein tolles Gefühl, wenn man eigentlich gerade bemüht ist den Studentenstempel abzulegen und sich das Selbstbewusstsein des ersten potentiellen Jobs erarbeiten will und dann zum Objekt der Neugier der Führungsetage und dort zum ersten Kontakt der politischen Denker mit Hartz IV wird. Man kann sich vorstellen, dass andere Bewerber über andere Netzwerke kamen und anders gesponsert worden.  Ich fand es nur erschreckend, wie weit weg der Elfenbeinturm der politischen Kommunikation doch ist von den Menschen, für die Politik doch angeblich gemacht wird.

Aber dieser gedankliche Exkurs ist nicht der Grund für mich nicht zu wählen. Aber er sit mit ei Faktor für meine Desillusionierung. Tausend andere Kleinigkeiten und Skandale sind es, die mir das Gefühl geben, nicht teilhaben zu wollen. Wenn ich im September zur Wahl gehen würde, würde ich dadurch signalisieren, dass ich diese Farce unterstütze – tue ich aber nicht. Und wenn mir das von anders Denkenden angekreidet wird: Dann ist es so. Wer weiterhin glauben möchte, Wechsel an der politischen Spitze würden etwas grundlegend ändern, der soll sich diese Naivität erhalten. Und ich gehen noch einen Schritt weiter: Ich würde mir wünschen, es gäbe eine katastrophal niedrige Wahlbeteiligung, damit der Deckmantel „Im Interesse des Wählers“ riesige Mottenlöcher bekommt.  Ja ja, und dann immer die Frage, was denn die Lösung ist, das sei ja eine so destruktive Haltung – hmmm, immerhin ist es eine Haltung. Und die Lösung? Vielleicht den Maßstab erste einmal kleiner setzen: Ich werde nicht plötzlich auf das Parkett der Politik schlittern und alles umschmeißen können, aber ich kann mein Leben an Werten orientieren und anderen so begegnen, wie ich es mir selber wünsche.

Wäre das nicht vielleicht ein kleiner Anfang? Und wenn ganz viele Menschen ganz viele kleine Änderungen vornehmen würden…Die kleinen Änderungen im Persönlichen – das ist der Spielraum, der uns nämlich oft verschwiegen wird. Die Messlatte wird hochgehängt. Und wir ducken uns drunter weg.

An diesem speziellen Sonntag werde ich daheim bleiben, vielleicht durch den Wald laufen, einen herbstlichen Kastanienkuchen essen…

Castagnaccio-Rezept

300 Gramm Kastanienmehl
1-2 Tassen Wasser
4 und 2 Esslöffel Olivenöl
1 großzügige Handvoll gehackter Walnüsse
1 großzügige Handvoll getrockneter Aprikosen, erst in Wasser eingeweicht und dann klein gehackt
1 Handvoll Pinienkerne
1 Zweig Rosmarin
2-3 Esslöffel Xucker nach Geschmack

  • Das Mehl und den Xucker in eine Schüssel geben und nach und nach das Wasser nachgießen bis der Teig  flüssig aber nicht wässrig ist. Er lässt sich gut gießen. Den Teig schön glatt rühren, bis alle Klümpchen raus sind.
  • Dann  4 Esslöffel Olivenöl, die Walnüsse und die meisten Aprikosen unterrühren und den Teig in eine geölte Form gießen.
  • Die Rosmarin Blätter, die restlichen Aprikosen und die Pinienkerne über den Teig verteilen und mit dem übrigen Olivenöl besprenkeln.
  • Bei 180 Grad ca. 30 Minuten in den Ofen, zum Ende hin prüfen: Wenn die Kruste aufbricht und trocken ist, ist der Kuchen fertig.

Der Geschmack mutet beim ersten Bissen fremd an aber danach…zu Tee, zu Wein…..

Guten Appetit!

Pop-Massaker oder (Süßkartoffel) Kuchen-Kultur

VMA versus Kuchen-KulturEs ist also soweit, dass ich der Pop-Kultur entwachsen bin. Oder, bevor sich jemand am Begriff Pop-Kultur aufhängt: Die Konsum-Botschaft der gängigen Medien-Formate erreicht mich oftmals nur auf Umwegen.

Ich lasse quasi andere konsumieren und wenn mich das Urteil interessiert, beginne ich vielleicht selbst zu lesen. Oder zu schauen oder zu hören… Mitunter wird mir diese Entscheidung aber gänzlich aus der Hand genommen: Dann nämlich, wenn einfach alle Medien nur über ein Thema berichten. In diesem Falle die VMAs.

Ein Event-Format des früheren Jugendbegleiters MTV. Zumindest zu meiner Zeit war das so. Die Freiheit, dass gegen Mittag kein Erwachsener anwesend war und ich nach der Schule eintauchen konnte in die schnelle laute Bilderwelt des Musikfernsehens. Meine Zeit – das kommt mir so lang nun auch noch nicht her vor, aber trotzdem liegen Verständniswelten zwischen mir und dem, was da heute als scheinbar abgebrühtes Moderations- und Glitzer-Sternchen-Volk die Teppiche füllt und sich in die immer wieder gleichen Posen wirft.

Hier feiert sich die Industrie gesättigt selber, für die richtige Atmosphäre werden ein paar frenetisch jubelnde Fan-Statisten an der Bühne platziert und dann wird ein Wahnsinnsgeld für die Show ausgegeben.

Ich verfolge dem Zirkus nicht aktiv, aber an der Austauschbarkeit der Gesichter lässt sich erahnen, wie kurzlebig viele der präsentierten Künstler sein werden. Aber keine Sorge, der Nachwuchs wackelt bestimmt schon bei Disney mit dem Popo und der Abstieg der Prominenz lässt sich in seinen verschiedenen Stufen wunderbar noch in den unterschiedlichen Fernsehformaten nachvollziehen. Zynismus ist immer für ein Publikum gut. Und auch in Deutschland hat man gelernt, wenn der Trubel zu sehr drückt und auch die intimsten Abhängigkeits-Problematiken zu offen zu Tage treten, dann lassen sich damit noch ein paar Tränchen und Euros pressen. Die Puppenspieler freuts und so wird der Zoo bunt glitzernd durch die Manege getrieben, bis es wieder in den teuren Käfig geht.

Und dank des bunten Spektakels weiß seit dieser Woche nun wohl auch jeder was Twerking ist.

Wer sich noch in schützende Unwissenheit hüllt und Stärke besitzt, Fremdschämen auszuhalten und der industriell gefertigten Vorstellung von Unterhaltung ins Auge zu blicken, der kann sich einen Ausschnitt Miley Cyrus antun.

Und nein, nicht merken. Dieser Name taugt höchstens für intellektuell geprägten Party Flachschnack, wenn man ihn in Sätze einbindet, die das Entsetzen angesichts des kulturellen Niedergangs in Worte fassen. Nur so viel sei gesagt: Ein Disney Kinder-Star, man sollte sagen einer mehr, der in aller Öffentlichkeit das Erwachsenwerden vollzieht. Wobei Erwachsenwerden dann einmal mehr missverstanden wird, als bemühte Provokation und eine seltsam beschämende, öffentliche Sexualisierung der eigenen Person, die alle Klischees erfüllt und dann noch als selbstbewusst verkauft wird. Es tut einem weh und leid und trotzdem taucht es heute hier auf, weil es mir förmlich ins Gesicht sprang auf zig Seiten.

Ich finde, auch auf der Bühne gehört der Hintern einer 20-Jährigen nicht am Schoss eines 36-Jährigen gerieben (oder tue ich dem anderen Künstler da Unrecht?) oder sagen wir nicht so. Es ist so anstrengend aufreizend, dass es sich schon wieder selbst widerspricht. Ich finde es nur traurig, wenn ich mir überlege wie viele viel zu junge Hintern jetzt daheim das Wackeln üben – bitte nicht!

Das war meine heutiger Ausflug in die Bilderwelt des Glitzer-Biz…das reicht. Ich lehne mich lieber wieder zurück und  pflege ein ganz einfaches Verständnis von Unterhaltung und Kultur, das nicht um jeden Preis die Provokation als dann sinnentleertes Thema wählt.

Zum Musik hören mit sich und auch zum Buch passt Süßkartoffel-Kuchen sehr gut. Denn, auch wenn der Sommer tagsüber noch kämpft, riechen die Abende bald schon nach Herbst und es wird Zeit für die warmen Gewürze, die einem zumindest ein inneres Wohlbehagen schenken.

Mein Rezept

2 mittlere Süßkartoffeln
80 Gramm Mandelmehl oder gemahlene Mandeln (schmeckt mit beidem, finde ich)
60 Gramm Butter + 1 Esslöffel
2 große Eier
Zimt
Vanille
Xucker
Salz
Natron
Lebkuchengewürz
100 Gramm ganze Mandeln

  • Die Süßkartoffeln mehrfach mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad ca. 50-60 Minuten im Ofen rösten, bis die Haut schrumpelig und die Süßkartoffel weich ist.
  • Die Eier mit 60 Gramm Butter und 4 Esslöffeln Xucker sowie den geschälten Süßkartoffeln mit dem Handmixer glattrühren.
  • Das Mandelmehl, eine Prise Salz, 1 Teelöffel Zimt, 1 Teelöffel Lebkuchengewürz, 1 Teelöffel Vanille und einen 1 Teelöffel Natron unterrühren.
  • Die Mandeln in einer Pfanne anrösten bis sie leicht duften. Nun einen Esslöffel Butter und zwei Esslöffel Xucker sowie eine Prise Salz und etwas Zimt dazu geben und schön karamellisieren lassen. Dabei gut rühren und vom Herd nehmen, bevor Karamell und Mandeln zu dunkel werden.
  • Nun die Mandeln mit dem Karamell in den Teig geben und unterrühren.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und bei 200 grad ca. 25-30 Minuten in den Ofen geben, bis der Rand sich leicht vom Rand gelöst hat.

Schmeckt auch warm köstlich und spendet innere Wärme in finsteren Zeiten.

Guten Appetit!

Eis, das – Eso-Skepsis, die

Paleo EisOh ja, Die Gewohnheiten sind träge Tierchen. Ich nehme mir jeden Morgen vor der Snooze-Taste die kalte Schulter zu zeigen und einfach mal direkt aufzustehen aber die erschlichenen zehn Minuten unter der Decke sind so kostbar, gerade weil man weiß, dass sie gleich vor bei sind. Und deshalb haue ich auf den Wecker und keife die Augen noch einmal extra fest zu.

Ein anderes Ritual, das etwas seltsam klingt auf den ersten Blick, ist, dass der Tag hier in der Regel mit Atem-Übungen beginnt.  Ich hatte tatsächlich starke innere Widerstände zu überwinden. Ein Blick auf das zugegebenerweise kitschige CD-Cover und ich begab mich in die totale Verweigerungshaltung und habe erst einmal losgepoltert, dass ich keinen Bock auf irgendeinen halbgaren Esoterik- Spiritualitäts-Kram habe. Da bin ich raus. Das war dann ok, aber als der besondere Mensch, mit dem ich lebe und den ich gerade auch für seinen kritischen Geist schätze, in der Folge immer entspannter wurde, wenn er sich zum Atmen zurückzog, wurde ich neugierig. Das wollte ich erst nicht zugeben, aber nach und nach habe ich mitgemacht. Und ich merke, dass es mir hilft morgens anzukommen. Fokussiert in den Tag zu starten und mich auch schneller entspannen zu können. Die Konzentration auf das Atmen ist auch ein guter Gradmesser um zu schauen, ob ich mich gerade innerlich mit irgendwelchen Reizthemen rumschlage und diese vom Schweinehund in die Verdrängungskiste gewühlt werden. Denn wenn ich innerlich angespannt bin und auf irgendwelchen Themen rum kaue fällt es mir schwerer mich davon frei zu machen und nur auf das Atmen zu konzentrieren. Wenn ich diese Hürde aber überwinde, hilft es mir in der Regel auch, um mich dann zu einem späteren Zeitpunkt hinzusetzen und zu überlegen, was mich da eigentlich stresst. Wie bei allem ist es eine Kopfhürde, die uns oft zurückschrecken lässt vor dem, was uns fremd ist. Und gerade Meditations- und Atemtechniken, wenn sie nicht gerade aus dem gesellschaftlich akzeptierten Yoga-Mainstream kommen, sind ja leichtes Ziel für Spott, Häme und Misstrauen. Ich denke bei allem was man tut, ist die beste Bewertung die persönliche, ehrliche Einschätzung ob es mir gut tut oder nicht. Wenn diese Bewertung positiv ausfällt, sollte es einem auch egal sein, was andere sagen.

Und bei allem was man tut sollte man Zwänge vermeiden. So gibt es zum Beispiel auch Tage, an denen ich lieber Pilates mache statt zu meditieren. Dann mache ich das. Und da sind auch Tage wo die Snooze-Taste ganz besonders extra verlockend daher kommt, aber an denen nehme ich den Kampf mit dem Schweinehund auf und freue mich.

Diese fiese kleine Stimme versuche ich auch dann zur Rede zu stellen, wenn sie versucht mir wieder ein Comfort Food schmackhaft zu machen. Denn, das gibt es einfach nicht in komplett gesund – das ist einfach eine Spielart des Essens, die Mäßigung verlangt, wenn man nicht dem Selbstbetrug erliegen will.

Dessen bin ich mir bewusst. Meistens. Neulich wohl nicht. Denn als ich wieder klar denken konnte, stand Karamel-Walnuss-Eis im Gefrierschrank…

Das Rezept

Zwei Dosen Kokosmilch
200 Gramm Walnüsse
Pfeilwurzelstärke
Butter
Xucker
Salz
Vanille

  • Drei bis vier Esslöffel Xucker in zwei gehäuften Esslöffeln Butter mit einer Prise Salz (ich nehme gerne etwas mehr) und etwas Vanille in einem Topf schmelzen und karamellisieren lassen. Dabei regelmäßig rühren und drauf achten, dass das Karamell nicht zu dunkel und somit bitter wird.
  • Das Karamell mit der Kokosmilch aufgießen.
  • Drei Esslöffel Pfeilwurzelstärke mit drei Esslöffeln Wasser glattrühren und unter die Kokos-Karamell-Milch rühren zum Binden/Andicken.
  • Nach Geschmack noch etwas Vanille und Xucker einrühren und alles kurz sieden lassen und dann unter Rühren abkühlen lassen bis es in einer Form in den Gefrierschrank wandern kann.
  • Nun die Walnüsse in einem Esslöffel Butter anrösten. Vom Herd nehmen und in der Pfanne noch einmal vier Esslöffel Xucker mit drei Esslöffeln Butter, Salz und Vanille karamellisieren lassen. Die Walnüsse in das Karamell rühren bis es eine schöne Mischung gibt und diese zum Aushärten kaltstellen.
  • Das Eis, in Ermangelung einer Eismaschine, regelmäßig durchrühren. Wenn es beginnt an den Rändern zu gefrieren, die karamellisierten Walnüsse etwas zerhacken und in die Eismasse rühren. Ein paar der Nusssplitter aufheben.

Das Eis braucht bei uns ca. drei Stunden bis es komplett gefroren ist.

Nun Servieren und mit ein paar karamellisierten Nusssplittern bestreuen.

Wenn möglich – mäßigen!

Guten Appetit!