Mehr geht vielleicht nicht, anders und ein Anisplätzchen

Paleo Anis PlätzchenLernen, lernen, lernen….. das Thema für die nächsten zwölf Monate steht fest, die Anmeldung liegt ausgefüllt vor mir und dann heißt es bald jeden Samstag acht Stunden lernen für den Jagdschein. Eine gewisse Faszination hat das Jagen schon immer auf mich ausgeübt,  in den fast zwei Jahren, die wir jetzt schon mit der Paleo-Ernährung leben, wurden die Gedanken rund um den Jagdschein immer konkreter und auch der Wegzug aus der großen Stadt war beeinflusst von dem Gedanken, andere Möglichkeiten zu nutzen. Klar, einen Jagdschein kann man überall machen, aber mit dem Wald vor der Tür und einer großen Jägergemeinschaft im ländlichen Umfeld ist es einfach nochmal etwas anderes.

Und nach vielem Reden und sich einlesen war der Infotag im örtlichen Jagdclub die Gelegenheit, mal zu schauen, wie nah Vorstellung und Wirklichkeit beieinander liegen. Weder der besondere Mensch noch ich können auf familiäre Anknüpfungspunkte zur Jagd zurückgreifen, wir stolpern da einfach ähnlich unbedarft rein wie von der Stadt aufs Dorf – eine Einstellung, die sich bisher als recht reibungslos erwiesen hat. Es ist immer wieder spannend, durch neue Hobbies oder Tätigkeiten treffen wir hier Menschen, denen wir so sonst nicht begegnet wären. Recht vielfältig ist sie, die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet, da die nächste Großstadt nie so wirklich weit weg ist, ist man hier gefühlt gar nicht so sehr auf dem Lande wie vielleicht anderswo, wo dem städtischen Bewohner ein nostalgischer Hauch um die Nase weht und neben den Wochenendhaus-Phantasien auch die leise Angst mitschwingt, ob es nicht furchtbar miefig und rückständig ist, das Leben auf dem Dorf. Nein, ich bin einfach nur positiv überrascht, natürlich gibt es hier eine gewachsene dörfliche Struktur und einen harten Kern alteingesessener Familien, aber die Geschichte des Dorfes profitiert auch von den Zugezogenen, die sich rund um den Dorfkern ausgebreitet haben.
Meist zieht es mich raus aus dem Dorf, in die Felder und in den Wald, aber wenn ich dann im Sonnenschein durch den Ort zur Post laufe, nimmt mich die Stimmung doch immer wieder gefangen, ich habe das Gefühl in einer Sonnenstaub-warmen Erinnerungsblase zu wohnen, sobald ich aus dem Hof trete. Ruhig ist es, entspannt und wer sich auf der Straße trifft und kennt, nimmt sich Zeit und wer sich nicht kennt, nimmt sich zumindest wahr und grüßt freundlich. Und arbeitsam ist man, das ganze Jahr über sieht man die Menschen am Haus, im Garten, in den Feldern, beim Holz, auf dem Dach…. es gibt was zu tun und  es wird getan. Das fühlt sich irgendwie gut an. Und nach der ersten Eingewöhnung habe ich festgestellt, mir macht das Spaß, das umtriebig sein. In der großen Stadt habe ich mich lange immer nach freier Zeit gesehnt, ohne eine konkrete Vorstellung zu haben, wie ich diese dann füllen möchte. Meist war das Ergebnis kurzweiliger Natur, so langsam hat sich aber der Kopf vom vielen Ballast befreit und ich  fange an, Pläne anders zu schmieden.
Es ist immer noch zu viel, was ich gerne täte, aber statt tausend Dinge anzureißen, möchte ich gerne ein paar Dinge richtig machen und können. Für mich. Um weiter zu kommen. Mit mir und dadurch auch mit anderen. Und ich möchte gerne mehr praktische Dinge machen, ich verbringe den Großteil meines Tages vor dem Rechner und werde für Kopfleistungen bezahlt – im Endeffekt ist mir das aber zu wenig. Und auch wenn ich selber in dem Bereich arbeite – die Kommunikations- und Beratungsbranche ist mir oftmals suspekt. Zuviel Geschwurbel und ein sich selbst und seine Arbeit zu wichtig nehmen, künstlich konstruierte Sprachmonstereien, die exklusiv wirken und oftmals der Fähigkeit des verständlichen Erklärens zu wenig Wert beimessen. Nein, wer drin ist konzentriert sich auf die low hanging Fruits, sucht den quick Return, hat die Benefits immer im Blick und lean sollte der Ansatz auf jeden Fall sein – immer im Dialog, immer innovativ – die Trends im Blick. Es schüttelt mich.  Da hat sich ein ganzer Arbeitsbereich selbst geschaffen und bläst sich immer weiter auf. Am Ende des Tages sind das tatsächlich die Stellen, die wir vielleicht am wenigsten brauchen. Die Denkerstübchen, die da in intellektuellen Wattewölkchensphären schweben und die Bodenhaftung verloren haben.  Vielleicht bin  ich zu wenig objektiv, aber mir sind einfach zu viele Beispiele untergekommen, in denen die Selbstbeweihräucherung einfach unverhältnismäßig war. Nicht nur, aber oftmals. Warum dann weiter arbeiten in einem solchen Feld? Weil wir es gut können und weil man immer die Chance hat, es anders zu machen. Und es funktioniert und wir merken ganz stark, dass wir einen bestimmten Schlag Menschen als Kunden und Partner anziehen. Allen gemein ist Professionalität, Substanz und die herrlich realistische Einschätzung der eigenen Bedeutung – keine Schaumschläger. Die sollen auch bitte woanders hin gehen.
Aber ich schweife ab, oder nein, es ist eine Erklärung – durch die Arbeit bewegen wir uns in einem fest gesetzten Kontext, der Kreis wird dann erweitert durch Freunde und Bekannte, die man an anderen Schnittstellen wie Uni, Ausbildung oder Hobby kennengelernt hat. Meist ohne große Überraschung. Wenn ich in Neukölln zum Yoga gegangen bin oder in Kreuzberg zum Pilates, konnte ich davon ausgehen dort einem bestimmten Schlag Menschen zu begegnen. Natürlich, wir suchen uns Orte, an denen wir uns wohl fühlen. Auch im Neuen wird irgendwie nach dem Vertrautem gesucht. Als Sicherheit und Orientierungswert. Davon ist einiges weggebrochen mit dem Wegzug aus der Stadt. Wir sind im Gesamtbild des Dorfes ein bisschen anders. Und irgendwann hat bei mir das Verständnis eingesetzt, dass es völlig unangemessen ist zu denken, die sind so anders, sondern vielleicht sind die sich alle vertraut und ich bin hier gerade die Belastung, weil ich verunsichert bin, weil ich andere Runden gewöhnt bin, und doch ziemlich festgefahrene Bewertungsmaßstäbe habe, dafür, dass ich mich immer für recht flexibel gehalten habe.
Wir erliegen da einer Illusion. Gerade in Großstädten wird sich ja gerne automatisch eine Weltoffenheit und –gewandtheit auf die Fahnen geschrieben, die dann auch eigentlich nie einem echten Realitätcheck unterzogen werden muss. Wir sind aufgeschlossen. Punkt. Nicht engstirnig, nicht spießig. Und suchen uns, aufgeschlossene Spießer, die wir sind, dann doch immer das Vertraute, das Gefällige. Aber im Grunde ziemlich anmaßend, wie ich rückblickend sagenmuss. Was macht meinen Bewertungsrahmen zu dem richtigen? Ich  nehme mich da nicht aus. Ich bin im Grunde ein schüchterner Mensch, ich möchte mich erst einmal umschauen, wenn ich irgendwo neu bin. Dann entscheiden, ob und wie ich mich einbringe. Eine Haltung, die nicht ganz passt, wenn einem die ständige Demonstration von Selbstbewusstsein und Kompetenz eingeimpft wird. Konterproduktiv ist das, denn in ihrer Unsicherheit überspielen viele ihre Schüchternheit oder ruhige Art allzu oft mit lautem Getöse, der aggressiven Demonstration von Kompetenz, einer unangreifbaren glatten Oberfläche oder einem unsozialen Gehabe, das im Mantel der sympathischen sozialen Gewandtheit, Rollen zuschreibt, Reviere absteckt, Konkurrenz im Griff behält. Anstrengend sind solche Menschen. Ich habe für mich lange den Weg des Kaspers genommen, schnelle Witze machen, sympathisch auftreten, flüssig reden können und wenig einschüchternd wirken. Hach, schön, kein Grund mich zu beißen.  Aber so lässt es sich nicht gut Widerstand leisten.
Jetzt bin ich lieber ruhig und genieße es.  Und es ist lustig zu beobachten, wer ruhig ist rückt in die zweite Reihe der Wahrnehmung, wird vielleicht erst einmal unter nicht wo wichtig eingeordnet – ich will nichts schönreden, ich habe oft genug selbst so gedacht und mich dann gerne vom Gegenteil überraschen lassen. Aber er ist spannend, der Blick in die zweite Reihe und wenn dann der ein oder andere ruhigere Kopf sich in einer Runde äußert, ist das oftmals auf den Punkt, überlegt und ohne die Selbstdarstellerei der Leute, die denken, sie müssten durch die ausdauernde Führungsrolle im Gespräch etwas beweisen. Halt nein, sie wissen es ja halt einfach besser. Menschen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, 15 ganz verschiedene Menschen saßen da beim Auftakt im Jagdclub. Das wird nicht nur das Lernen eines Handwerks, das wir auch das Lernen mit Menschen. Ich kann es kaum erwarten und werde derweil schon einmal das Bestimmungsbuch bemühen, damit ich nicht ganz bei Minus 10 in Sachen Wald, Flora und Fauna anfangen muss. Es dämmert mir nämlich so langsam, wie wenig ich eigentlich weiß über die Landschaft, in der ich so gerne lebe…. Also steht das Programm fest und jetzt muss der Kopf nur noch ein wenig loslassen, nicht alles wird möglich sein in den nächsten Monaten, wenn ich das Jungjäger-werden ernst nehmen will. Vielleicht ist das nicht der richtige Zeitpunkt für die erträumte Reitbeteiligung,   werde ich nicht die geplanten Kostüme nähen und auch nicht die vielen Fotoideen umsetzen, aber vielleicht werde ich dafür belohnt mit neuem Wissen und Können. Solide und nicht nur schnell-schnell, weil es gerade passt. Für manches muss man wohl einen längeren Atem haben….

Aber das Kochen, das hört nicht auf. Im Gegenteil – ich freue mich schon auf frisches Wildbret. Bis dahin duften andere Dinge durchs Haus:

Mandel-Walnuss-Anis-Kekse
(ich habe jetzt ziemlich lange nicht mehr gebacken, ich wollte Abstand nehmen, von zu viel versteckten Belohnungsmechanismen, aber manchmal passt er gut zum Frühlingssamstagsgrau, der Duft nach Keksen)

250 Gramm gemahlene Mandeln
80 Gramm weiche Butter
100 Gramm gehakte Walnüsse
2 gestrichene Teelöffel gehakten  Anis
Prise Salz
4 Esslöffel Xucker
Frischhaltefolie 

  • Die weiche Butter mit dem Anis, Salz und dem Xucker aufschlagen, dann die Mandeln und Walnüsse untermixen bis ein klebriger Teig entsteht.
  • Den Teig auf der Frischhaltefolie zu einer Rolle formen (ca. 3 cm Durchmesser) in die Folie einschlagen und für eine Stunde in das Tiefkühlfach legen.
  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen, die Teigrolle in Scheiben schneiden (gute 0,5 cm dick) und auf ein Backblech mit Backpapier geben. Etwas Abstand lassen, da sie noch in die Breite gehen,
  • Dann 10-15 Minuten backen, bis die Ränder Farbe zeigen, dann noch für 10 Minuten im angeschalteten Backofen lassen.

Dazu ein Earl Grey……Wochenende…

Guten Appetit!

Pause machen, Beliebtheits-Wettbewerbe und mit Zimtsternen an der Weihnachtsstimmung arbeiten

Zimtsterne in FrankreichDa hatte ich mich wohl zu früh gefreut und die letzte vorweihnachtliche Woche schon im Geiste ganz entspannt verplant. Ein paar Karten schreiben, die Ruhe des Geschäfts nutzen und sich schon mal im Kopf auf die Zeit zwischen den Zeiten, dieses komische Gefühl zwischen Weihnachtsrummel und Sylvesterhysterie einzustimmen. Denkste. Wirbeln ist angesagt. In diesem Jahr begegnen wir dem Trubel durch völligen Entzug. Ab in die französischen Berge und genießen, dass die Franzosen ihr Jahr ohne Knallerei ausklingen lassen. Pause machen. Denn was da zu Ende geht, war mit Sicherheit eines der bewegtesten Jahre meines Lebens. Und da ich selber mittendrin stecke, mache ich mir das oftmals nicht bewusst.

Ich werde immer ganz verlegen, wenn jemand sagt, dass wir mutig seien, einfach so weg aus Berlin, aus der Festanstellung in das eigene Büro, auf dem Dorf… Das ist ein so liebes Kompliment, diesen Mut zu sehen. Ich nehme ihn persönlich gar nicht so wahr. Der kleine Mut, er hätte sicherlich auch manchmal mehr Aufmerksamkeit von mir selbst verdient. Aber solche Dinge fallen mir schwer. Ich tue Dinge, aber indem ich sie tue, erscheinen sie mir gar nicht mehr so groß und ich wundere mich dann mitunter, was für Themen manche Menschen da gut sichtbar für das Umfeld vor sich hertragen. Hätte ich gerne mehr davon? Ich glaube nicht. Der Grad ist mir zu schmal.  Aber es macht das Leben mitunter nicht einfacher, wenn man immer wieder auf diesen Typen Menschen trifft, der ja in unserer Gesellschaft besonders gepäppelt wird.

Tatsächlich ist eine ganz klare Erkenntnis dieses Jahres, dass ich deutlich weniger Menschen in meinem Leben brauche, als ich immer dachte. Ich bin ein sehr soziales Wesen. Ich liebe den Austausch und finde Menschen grundsätzlich faszinierend und spannend, aber einen großen Teil dieser Neugier stille ich durch die vielen Begegnungen, die sich zwangsläufig über meine Berufswahl ergeben und der Kreis der lieben menschlichen Konstanten um mich herum hat sich verändert, auch verdünnt und zum großen Teil intensiviert. Dafür bin ich dankbar.

Das war eine spannende Entwicklung und es ist wunderbar durch Veränderungen den Impuls zu bekommen, Freundschaften und Kontakte noch einmal anders zu pflegen. Pflege haben sie nämlich verdient, wenn sie Substanz haben.  Und das Thema loslassen spielt auch hier wieder mit hinein. Weniger, dafür enge Kontakte im persönlichen Umfeld heißt irgendwie auch, sich ein bisschen unabhängiger machen von dem, was andere denken mögen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht freundlich bin. Den zwischenmenschlichen Respekt eines zivilisierten und erwachsenen Umgangs setze ich mal voraus. Aber ich denke so langsam bin ich ja erwachsen geworden und die Beliebtheitswettkämpfe aus Schulhofzeiten dürfen bitte auch in jenen fernen Tagen bleiben, sie waren mitunter schmerzhaft und turbulent genug. Ein wenig befreiend ist dies auch, wenn man feststellt, dass einen gar nicht jeder mögen muss. Ich mag auch nicht jeden und lieber – statt immerzu gefällig zu sein (ich bin eine sehr ausgleichende Waage) – möchte ich lernen noch öfter auch mal Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen. Leicht fällt mir das tatsächlich nicht. Der andere Teil von mir ist da recht ausgeprägt. Aber es muss sein. Für sich selber. Denn erschreckend viele Menschen wissen, dass andere Menschen eher nicht laut und nach draußen sondern leise und nach innen sind und nutzen das aus. Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben ein komplexes Sozialverhalten. Aber das ist ein Thema für sich.

Weniger ist also manchmal echt mehr und ich mache den Wert meiner Person auch nicht abhängig von Facebook-Kontakten oder Zugriffszahlen auf diesen Blog.  Abe es gibt sie da draußen, die Leute mir ihrer ganz persönlichen Social Media Strategie. Gruselig. Gruselig auch, weil da einfach soviel (falsche) Oberfläche aufgebaut wird. Und das führt mich zurück zu dem Weg durch dieses Jahr,  der hat sich so ergeben und alles, was wir getan haben, erschien irgendwie schlüssig und sinnvoll und die Unklarheiten und Wenns und Abers, die konnten das gute Gefühl, das der Bauch hatte, nicht aufwiegen. Und auch wenn nicht immer nur alles Sonnenschein über lieblichen Hügeln ist, sondern auch das ein oder andere Aushalten in auftragsärmeren Zeiten zu bewältigen ist, gibt das innere behagliche Stimmchen mir doch jeden Morgen recht, wenn es mit halboffenen Augen durchs Fenster gähnt und hinter den Häusern auf dem Hügel den Waldrand sieht, mal im Regen, mal verborgen im Nebel oder unter einem glasklaren Himmel. Dann fällt alles an den richtigen Platz. Es war der richtige Weg. Es ist der richtige Weg.

Und während ich hier schreibe fällt mir ein, wie ich vor dem Wegzug noch mit einer Freundin gespaßt hatte, ich könnte dann ja so einen „Raus aufs Land“-Blog schreiben, so Landlust-Phantasien und Ästhetik für müde Großstädter wie mich. Aber das war nicht dran und das war auch nicht ich, da wäre es weiter nur um Projektionen und Bilder gegangen. Ich mag Konzepte, die auch Raum zum Scheitern lassen. Und dieser Blog ist eigentlich mehr als Übung in Disziplin und private Schreibübung entstanden. Um den inneren Schweinehund zu überlisten.

Und dann hat er sich verselbstständigt, denn plötzlich war da sehr wohl ein „Raus aufs Land“-Konzept, nur völlig anders geartet, als ich es mir anfangs hätte vorstellen können. Die Rezepte, die für mich der Aufhänger waren, sind geblieben, so schreibe ich endlich einmal auf, was ich so koche.
Aber zu den Rezepten kamen all die Themen, die sich nah und fern so um das Essen ranken. Und die abstrahlen auf weitere Themenkreise, bis man plötzlich einen Schritt zurück tritt und sich bewusst macht, wie alles irgendwie immer zusammenhängt. Ja ja, wissen wir doch. Mmmh, aber denken wir es oft genug konsequent durch? Warum wir immer wieder Lebensmittelskandale serviert bekommen, wenn sich an den Produktionsweisen nichts ändert? Warum sich aber nur wenig ändern kann, wenn die Menschen in immer größerer Unsicherheit leben, was vermeintlichen Status und die schiere Existenz betrifft? Warum Chancengleichheit ein schlechter Scherz ist, wenn die mit Geld sich eigene Lösungen suchen und die ohne schon als Kinder Schei.. fressen müssen? Warum wir nichts ändern können, weil uns so wenig Zeit bleibt, weil wir so viele Träume und Wünsche haben, die uns durch eine feinsinnige Marketing-Industrie eingepflanzt werden, dass kaum noch Raum bleibt für die echten Wünsche und Bedürfnisse. Warum immer einer die Rechnung zahlt und allzu oft nicht wir, sondern Menschen und Natur an anderen Orten, schön weit weg, dann ist es nicht so real. Aber hey, wir tun ja auch ganz viel dafür, dass es denen besser geht. Ja, klar. Es ist eine Welt, die mir ehrlich gesagt nicht sehr gefällt. In der tatsächlich zu wenig getan wird um das Richtige zu fördern, das erschreckend oft das Uneigennützige, Mitdenkende ist. In der viel zu viele neue sozialengagierte und grün und nachhaltig gestrickte Mäntel von Beratungsunternehmen der Politik und großen PR-Akteuren entworfen werden, die hier ein Pflästerchen aufkleben, dort Aktivität erzeugen und ablenken, aber nichts so richtig ändern. Oftmals machen mich Artikel, die ich lese, wütend. So richtig. So, dass ich erst einmal raus muss mit dem Kopf. Weil dann genau das erzeugt wird, was beabsichtigt ist, ich fühle mich ohnmächtig.  Ich weiß nicht, wo ich als Einzelperson noch ansetzen kann, wenn so viele vermeintliche Handlungsspielräume kontrolliert geschaffen wurden und Engagement in seichte Wirkungsgewässer leiten. Radikalismus ist mir fremd. Fehlgeleitet. Aber  es gibt so viele Themen, die jeden von uns betreffen. Wenn wir im Endeffekt nicht einmal mehr über unser Körperbild eigenständig Urteile fällen können, wenn wir nur noch mit erheblichem Mehraufwand kontrollieren können, was wir essen. Wenn wir nicht nachvollziehen können, wie das, was wir in unserem Alltag nutzen, gefertigt wird, wenn wir nach jeder Wahl murren, dass sich nichts ändert, aber doch wieder losrennen wie die Schafe, wenn es darum geht ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen. Wenn Narzissmus und Egoismus belohnt und Empathie und Zurückhaltung hinderlich werden. Dann läuft doch etwas falsch. Aber dieses Bewusstsein sollte einen nicht davon abhalten, zu genießen, dass einem ein Leben als Spielraum bleibt und man sich darin seine eigenen Räume schaffen kann. Und jedes Stück eigener Weg, das man für sich entdeckt oder sich erkämpft, ist ein gutes Gefühl, ganz tief drinnen. Und außerdem gibt es immer noch so viele Menschen zu entdecken, die ähnlich denken, die etwas zu sagen haben, die inspirieren und Mut machen. Das versöhnt mich dann immer wieder.

Und wenn ich schaue, wie viele Menschen sich in den wenigen Monaten seit dem Start diesen Blog angeschaut haben, dann bleibt mir der Mund offenstehen und ich empfinde ehrlich eine gewisse Demut, wenn ich feststelle, dass sich jemand die Zeit nimmt und liest, was mich ganz persönlich bewegt. Und das ist jedes Mal auch wieder ein Grund, den Schweinehund niederzuringen und sich hinzusetzen und zu schreiben. Und es ist schön zu sehen und auch zu lesen, dass man mit so mancher Frage und so manchem Gedankenweg nicht alleine ist. Das macht Mut. Dafür lieben Dank.

Und bevor ich mich nun hoffentlich die Tage mal endlich in einen Urlaub verabschiede, der mich weg vom Bildschirm bringt und hin zu frischer Luft und vielen Büchern und Zeit zum Denken, noch schnell ein blitzschnelles Rezept für die Weihnachtsstimmung in letzter Minute. Die Zimtsterne vom wunderbaren Paleowiki, das ich jedem Paleo-Interessierten nur empfehlen kann, als Informationsquelle! Ich habe ganz minimal andere Verhältnisse genommen und schreibe es  auf, aber mit dem Wiki liegt man auf jeden Fall richtig richtig.

Ich wünsche besinnliche Feiertage und freue mich auf ein spannendes neues Jahr.

 Zimtsterne

200 g gemahlene Mandeln
100 Gramm Mandelmehl
200 g gemahlene Haselnüsse
6 Esslöffel Xucker
3 Esslöffel Zimt (Ceylon)
4 Eiweiß
Prise Salz

  • Den Ofen auf 150 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schöne steif schlagen, bis man die Schüssel theoretisch auf den Kopf stellen könnte, ohne dass Eischnee rausfließt.
  • Nun noch einmal den Xucker unterschlagen, bis die Masse schön glänzt. Von dieser Masse nun 5 Esslöffel zur Seite stellen für den Guss.
  • Die Nüsse und den Zimt mit Sorgfalt und Vorsicht unterrühren, bis sich eine gleichmäßige Masse ergibt. Nicht mit dem Quirl, besser mit einem Löffel oder, wer hat, einem Teigschaber.
  • Den Teig zwischen zwei Lagen Backpapier ausrollen, die Sterne ausstechen, mit dem Eischnee bestreichen und bei 150 Grad ca. 30-40 Minuten auf mittlerer Schiene trocknen. Der Guss soll nicht zu dunkel werden.

Tipp: Am nächsten Tag ist der Guss dann fest und sie schmecken genau so, wieZimtsterne schmecken sollen. Und für die Lagerung empfiehlt sich eine Dose.

Guten Appetit!

 

Schoko-Tage-in-Berlin-Cookies

Natürlich könnte man es sich einfach machen und auf Reisen „cheaten“ . Aber die zweimal, die ich das gemacht habe, wurden umgehend vom Körper kommentiert. Ja klar, das ist doch nur eingebildet und herbeigeredet – nein, es ist tatsächlich so, dass der Körper sensibilisiert wird und plötzlich „Dreck“ als solchen erkennt.
Deshalb bleibe ich konsequent, auch wenn dies mitunter bedeutet, dass einem Außenstehende einen Spleen attestieren oder es als unangenehm empfinden, wenn man im Restaurant genau nachfragt, was in den Saucen ist und darum bittet die  Kartoffeln wegzulassen. Ganz ehrlich – das ist nicht mein Problem, da projizieren die Leute dann ihre eigenen Unsicherheiten und fühlen sich unwohl, weil man vermeintlich unbequem ist. Nicht alle, aber viele reagieren so. Was schade ist. Denn freundlich nachgefragt, ist dies kein Affront gegen Kellner, sondern kann auch ein netter Einstieg in ein Gespräch sein.

Aber das ist ein Thema für sich.

Morgen geht es also wieder in die große Stadt Berlin, die alte Heimat. Sicher, es gibt das wunderbare Sauvage Restaurant, das köstliche Paleo-Küche bietet aber da waren wir schon oft und die Preise sind, bei aller Qualität, nicht für jeden Anlass passend. Ich würde es dennoch jedem empfehlen, der die Vielseitigkeit „steinzeitlicher“ Ernährung kennenlernen möchte.  Es ist für mich immer noch eines der Highlights im ausufernden Berliner Restaurant-Betrieb und ein Erlebnis für Freunde hochwertiger Küche, egal ob Paleo oder nicht.
Also diesmal nicht Sauvage,  sondern eine kleine Vorratstasche und weil wir so lange Auto fahren, gibt es ein Ausnahme-Goody für unterwegs. Ich bin übrigens gut im Ausnahmen finden. Irgendwie muss der Back-Wahn ja gerechtfertigt werden:
Paleo-Schoko-Kokos-Cookies!!

Mein Rezept

100 Gramm Mandelmehl
1 Esslöffel Kokosmehl
3 großzügige Esslöffel reines Kakao-Pulver
½ Tafel bittere Schokolade, gehackt (mind. 85% Kakao)
60 Gramm Butter
1 Prise Salz
3-4 Esslöffel Xucker
2 Teelöffel Vanille
1-2 Handvoll Kokos-Chips

  • Ofen auf 190 Grad vorheizen.
  • Alle Zutaten zu einem geschmeidigen festen Teig kneten.
  • Kleine Kugeln formen (etwa 16 Stücke), auf einem Backblech mit Backpapier verteilen und zu Plätzchen drücken.
  • Für ca. 10-12 Minuten in den Ofen (sie sollen nicht zu dunkel werden!) Dann den Ofen ausschalten und noch weitere 5 Minuten darin ruhen lassen.
  • Jetzt die Cookies aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.

Wer kann, wartet einen Tag! Es lohnt sich.

Guten Appetit!