Die Anderen sein lassen können und Haselnuss-Espresso-Makronen knuspern

Makronen und TretminenTretminen. Regelmäßig verwandelt sich das Thema Paleo-Ernährung dann doch wieder in eine Tretmine.  Auch wenn man versucht, die entsprechenden Diskussionen in schönen geselligen Momenten auf eine Minimum zu beschränken, ist es eben oft  ein Gegenüber,  dass das Thema nicht los lassen will und dann muss man sich kurz sortieren und überlegen, wie man das Ganze auflösen kann, wenn man merkt da ist eher Herbeireden von Stolpersteinen im Spiel, als ein neugieriges Interesse. Die Frage des gestrigen Abends war eigentlich recht interessant, denn sie zielte darauf ab, wie wir es denn mit der Ernährung halten würden, hätten wir Kinder… Das ist durchaus schon implizit Thema gewesen, zumeist in Form eines versteckten Vorwurfs, wenn uns gesagt wurde, ja  klar, wir können uns ja so ernähren, wir arbeiten zuhause und haben keine Kinder…

Und tatsächlich bleibt die Frage, wie wir es mit Kindern organisieren würden, das Essen, eine hypothetische. Kinder entwickeln letztlich ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was sie essen möchten und was eklig ist. Ich mochte früher keinen Vollkornreis und von Brötchen habe ich mir am liebsten die weiche Mitte rausgepickt und in Spinat mit Kartoffeln und Spiegelei habe ich lustlos gestochert, Eier waren eh eklig, genauso wie warme Milch und der Fettrand am Fleisch. Trotzdem wurden mir nicht unbegrenzt Extras aufgetischt, sondern es gab einfach Dinge, die ich lieber mochte als andere und die eein oder andere emotionale Diskussion.  Das ist dann vielleicht das Beste, was man Kindern mitgeben kann: Freude am Essen und Neugier auf Neues.  Und ganz ehrlich, ich würde versuchen auch in der kindlichen Ernährung das Paleo-Prinzip durchzusetzen. Es gibt genug Blogs von Müttern, die da auf wenig Probleme stoßen. Beziehungsweise die Probleme fangen dann dort an, wo sich eine dritte Partei meint in die Ernährungsdebatte einmischen zu müssen. Sicher, das ist eine Herausforderung, die eigene Ernährungsweise, etwa mit der Versorgung im Kindergarten, oder der Schule, oder bei Geburtstagen unter einen Hut zu bringen – aber ein Lohn ist sicherlich, dass man mit der richtigen Ernährung dazu beitragen kann, ein Kind auf den richtigen Weg zu bringen und für gute Startbedingungen zu sorgen. Zu oft hört man ja auch die Geschichten von kleinen Kindern, die schon im zartesten Alter von Unverträglichkeiten gebeutelt werden. Spätestens in der Pubertät verliert man ja eh an Einfluss, aber man hat ein Bewusstsein geschaffen.

Aber eigentlich ist es auch müßig darüber zu spekulieren, denn für mich stellt sich die Frage nicht, bzw. bleibt  im Reich des Theoretischen. Und ganz ehrlich, ich werde mir zukünftig noch genauer überlegen, mit wem ich mich auf ein solch  tückisches Konversationsparkett begebe. Mit vielen Müttern geht es tatsächlich nicht. Wenn ich dann noch dazu sage, dass ich keine Kinder plane, oder will, dann ist für viele klar, dass ich keine Kinder mag und ich werde zur potentiellen Kinderquälerin, weil ich mir, so ganz theoretisch, anmaße zu wissen, was gut sein könnte. Dabei ist der andere Standpunkt nicht weniger anmaßend, ist er zwar erfahrungsgeprägt, aber eben auch mit subjektiven Scheuklappen versehen.
Aber es gibt so Themen, die wären interessant für erwachsene Diskussionen, sind aber schwer zu besprechen. Denn viel zu oft sind Diskussionen um solche Themen, die letztlich den eigenen Lebensentwurf betreffen, nicht sehr erwachsen. Wenn ich mit erwachsen eine Position meine, die auch mal nach rechts und links überlegt und nicht darauf versteift ist, den eigenen Standpunkt zu verteidigen.
Wähle ich einem Lebensentwurf, der etwas grundsätzlich anders macht, sei es eben über das Essen, die Kinderfrage, die Arbeitsform, die Beziehungsgestaltung, ist das eine persönliche Entscheidung, die in diesen Bereichen dann oftmals eine bewusst getroffene Entscheidung für etwas ist, nicht dagegen. Das heißt, als Transferleistung würden im Idealfall die Mitmenschen erkennen, dass ein Wunsch nach Kinderlosigkeit nicht automatisch heißt, dass man etwas gegen Kinder hat, dass eine Kritik an den Konsummustern unserer Gesellschaft nicht bedeutet, dass man jeden um sich herum verurteilt, der sich wohler fühlt mit dieser Maschinerie und das heißt auch nicht, dass man, wenn man sich dem Paleo-Prinzip gemäß ernährt, die Nase rümpft wenn sich jemand ein Brötchen schmiert, oder eine Pizza bestellt.
Auch diese Menschen gibt es, die den eigenen Lebensentwurf als Maßstab nehmen und  bewerten, wie sich das Umfeld so schlägt – das ist anmaßend. Kleinkariert und wenig produktiv.
Für mich persönlich hat sich aber tatsächlich gezeigt, dass ich bei Menschen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen etwas außerhalb dessen stehen, was man wohl allgemeinhin als Mainstream in all seinen Sinus-Milieu-Ausprägungen versteht, öfter auf ein ungetrübtes Interesse und auch auf Verständnis stoße. Und was ich ebenfalls denke ist, dass es traurig ist, dass der sich durchziehende, kommerzialisierte Individualismus in unserer Gesellschaft die Leute so gefangen nimmt und beschäftigt hält, dass dort, wo ein leise nagendes Gefühl spricht und den zarten Wunsch äußert, vielleicht etwas ändern zu wollen, dieser Wunsch oftmals betäubt wird durch die Sorgen, Ansprüche und Bedürfnisse, die einem der Lebensstil so aufzwängt. Und wenn man dann auf Menschen trifft, die etwas anders machen, kann dies eine Inspiration sein. Aber wenn die Angst vor Veränderungen zu groß, oder die Bequemlichkeit zu bequem ist, dann ist die Konfrontation mit anderen Lebensentwürfen ein Moment, indem man sich vielleicht selbst in Frage gestellt fühlt. Wobei man selber es ist, der sich dort in Frage stellt und kritisiert und dann beißt man zu, wo man vielleicht etwas hätte gewinnen können. Das ist nur allzu menschlich und nicht in diese Fallen zu tappen, erfordert eine Wachsamkeit den eigenen Gespenstern gegenüber und dem Mut, sich diese einmal ganz genau anzuschauen.

Oftmals sind es gar nicht die anderen, die uns enttäuschen, das sind wir nur zu oft selber, mit unseren Paketen an Erwartungen und Unsicherheiten. Das ist schade. Aber es kann einem helfen zu verstehen oder auch zu handeln, wenn man selber mit dieser Abwehr konfrontiert wird. Wir sind nicht verantwortlich für die Gedanken der anderen und dürfen dafür auch nicht bestraft werden. Kompliziert, diese Menschen. Merke ich tatsächlich immer öfter. Aber schön, dass so vieles möglich ist und man für sich immer wieder neue wundervolle menschliche Entdeckungen machen darf. Denn das ist nie schwarz und weiß, dazwischen ist ganz viel schönes unterschiedliches Grau. Gerne mit einer Note Flieder oder Blau.

Und wenn man sich manchmal mit sich oder der Welt versöhnen muss, dann ist ein Küchenabenteuer manchmal die perfekte Geste.

Haselnuss-Espresso-Makronen mit Schokocreme
Diese kleinen Dinger sind so unverschämt, dass ich sie tatsächlich eher als Dessert sehen, denn als Gebäck.

200 Gramm gemahlene, geröstete Haselnüsse
150 Gramm gehackte, geröstete Haselnüsse (einfach Haselnüsse im Ofen rösten und mit dem Pürierstab etwas zerkleinern)
3 Eiweiß
1 Tässchen starker Espresso
5-6 Esslöffel Xucker
50 Gramm möglichst bittere Schokolade (85% und mehr)
Ca. 40 Gramm Butter
Salz
Vanille

  • Denn Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schön steif schlagen. Während des Schlagens, nach und nach den Xucker einrieseln lassen. Die Masse ist dann am Ende schön weiß glänzend und fest.
  • Nun die Haselnüsse, 5 Esslöffel Espresso und einen Teelöffel Vanille vorsichtig unterziehen bis eine luftige, gleichmäßige, kompakte Nuss-Masse entsteht, je fester sie ist, desto weniger zerläuft sie im Ofen
  • Die Masse mit Löffeln zu Häufchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und auf der mittleren Schiene ca. 20 Minuten backen. Sie sollen nicht zu dunkel werden aber dürfen auch nicht zu weich sein.
  • Das Backpapier mit den Makronen vorsichtig auf einen Tisch ziehen und dort auskühlen lassen.
  • Während die Makronen backen, die Schokolade mit der Butter und drei Esslöffeln Espresso im Wasserbad schmelzen und gründlich vermengen.
  • Die Schokoladenmasse nun für ca. 40 Minuten in den Kühlschrank geben, bis sie sich gut in einen Spritzbeutel geben lässt.
  • Auf jede Makronen etwas Schokocreme geben und dann die Plätzchen ruhig noch einmal in den Kühlschrank stellen um die Creme auszuhärten.

Kaffee-Nougat lecker.

Guten Appetit!

Buchmessen, unpopuläre Entscheidungen und Süßkartoffelgnocchi

Paleo GnocchiS. ist geschätzte vier Jahre alt und wir treffen ihn in der Warteschlange eines Bio Supermarktes. S. darf einen dieser kleinen Kindereinkaufswagen schieben, die es dort für gibt und er sieht ein bisschen aus, wie man sich Michel aus Lönneberga im städtischen Kontext vorstellt. Ganz entzückend in seinen Ringelstrick-Pulli. Aber um direkt bei dieser Lindgren-Figur zu bleiben, die ich irgendwie als Kind nicht so gerne mochte, ich habe dann noch festgestellt, dass die beiden ein gewisses enervierendes Element teilen. In diesem Fall war der kleine S. mit einer ins Schrille driftenden Stimme gesegnet und rannte zwischen den beiden Warteschlangen hin und her und Leuten in die Knie und wollte seinen kleinen Einkaufswagen nicht holen und…und seine Mutter, die so einen leicht verbissenen Zug hatte und sich erst einmal in eine wenig fruchtende Diskussion mit S. stürzte, dem das ziemlich egal war und der lieber eine Packung Bio-Spaghetti am Einkaufswagenrand in Stück schlug… Auch mal Nein sagen und deutliche Grenzen setzen (ohne Rohrstock und so Schreckgeschichten)? Macht man das noch, oder behindert das den individuellen Ausdruck des kostbaren Kindes? Ich gebe es zu, ich habe keine Ahnung und darf zu dem Thema eh nichts sagen, ohne Kind. Mit Katze. Und Ich will jetzt nicht unnötig Klischees bedienen oder Gräben aufreißen, aber es gibt Mütter, die sind echt nicht ganz einfach zu ertragen in ihrer Rolle als Mutter. Und da darf man schon mal den Mund aufmachen. Die tun das ja auch, bzw. leben sich aus und was das mit der Umwelt macht, ist erst einmal egal. Man kann da bei manchen Müttern eine gewisse Anspruchshaltung an ihre Umwelt feststellen, die ich nicht immer ok finde und die sich auch nicht dadurch rechtfertigen lässt, dass sie im Gegenzug mit kinderfeindlichen Idioten klarkommen müssen. Die gibt es, die Kinder am liebsten unsichtbar und unhörbar haben wollen, das ist schlimm, aber es gibt eben auch diese wandelnden Bildungsklischees, die sich auf dem Ergebnis ihres Zeugungsaktes ausruhen, in dem Sinne, damit allen auf die Nerven zu gehen. Dafür können die Kinder nichts. Die sind meist zuckersüß, weil auch noch nett angezogen und mit einem  ordentlichen Grundvokabular ausgestattet.  Es sind diese speziellen Mütter (die oftmals auch wenig Verständnis für Kinderlosigkeit aufbringen, was man alles verpasst Erfüllung. …Und Bla…). In diesem Fall, ganz dreist ins Blaue geraten, würde ich schätzen, war die Mutter Anfang Vierzig, akademischer Hintergrund, das erste Kind. Eine akademische Spätgebärende also, zu denen ich ja auch zählen würde, wenn mich noch die großen Mutterglückswünsche packen würden, was ich irgendwie nicht denke. Und Menschen, die wissen wie alt ich bin, werden sich da so ihren Teil denken, dass es ja nun langsam mal Zeit wird. Da wir erst im letzten Jahr geheiratet haben, gebe ich uns noch etwas Schonfrist bevor es spannend wird zu sehen, welche Bemerkungen und Reaktionen an uns heran getragen werden. Denn es geht ja schon los und es geht mir auf die Nerven. Dass es den Menschen auch so gar nicht einzufallen scheint, dass man glücklich ist, so wie es ist. Und was ist mit den Menschen, die gerne Kinder möchten, aber es aus vielfältigsten Gründen nicht können? Denen wird dann jedes Mal wieder ein kleiner Schmerz aufgedrängt. Es ist ein wahnsinnig persönliches Thema, dass die Menschen trotzdem oftmals alle Grenzen der Privatsphäre übertreten lässt. Vielleicht liegt es daran, dass Kinderkriegen vom Prinzip her machbar und nicht kompliziert ist, dafür braucht es keine besondere Ausbildung und weil  theoretisch jeder dazu beitragen kann, hat auch jeder was dazu zu sagen. Ich mag Kinder wirklich. Nur halt nicht für mich und die nächsten 18 Jahre. Und nicht in dieser Welt mit ihren Problemen. Nicht weil ich irgendeinem Egoismus frönen will, sondern weil es nicht passt für mich, für uns. Und weil es eben nicht sein muss. Weil wir das große Glück der Wahl haben und das für mich selbstbestimmtes Leben ist, solche Entscheidungen zu treffen.

Zurück gebracht auf dieses Thema hat mich aber eigentlich nicht der kleine S., dem ich viele Pfützen für seine gelben Gummistiefel wünsche und weniger Anstehen-müssen im Supermarkt.
Ein Besuch auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt hat das Thema in den Vordergrund gerückt.  Lustigerweise, oder besser wunderbarerweise, sind wir uns so klar über unsere Lebensweise, dass das Thema tatsächlich immer nur von außen an den Tisch findet.

Wie ein kurzer Blick in die Regale der Buchmesse gezeigt hat, wird der Markt an Ratgebern für Eltern wohl nie versiegen. Eine wahre Schwemme. Und je nach Zielgruppe entsprechend gestaltet in Tonfall und Ästhetik. Das geht von viel Hochglanzbild und beruhigender Weichspül-Rhetorik bis hin zu denen, die den Eltern mit mehr Text und weniger Bild das sagen, was sie wohl seit der eigenen Kindheit vergessen haben, wie sehr sich die Kinder selber fördern können, wenn man sie in eine gesunde Umgebung setzt. Waldstunden statt der zweiten oder dritten frühkindlichen Förderungsbeschäftigung.

Letztere Ratgeber sind mir lieber, aber traurig ist es auch, dass sich in den Fragestellungen und Ratgebern manifestiert, wie sehr wir durch den Verlust eines sicheren Kontakts zu uns selbst auch eine Unsicherheit auf Kinder übertragen.

Mit so vielen Ratgeberbildern im Kopf habe ich dann auch ein Buch für Menschen wie mich entdeckt. Es heißt: „Ich will kein Kind. 13 Geschichten über eine unpopuläre Entscheidung.“  von Sonja Siegert und Anja Uhling.  Das ist bereits bestellt und ich bin gespannt, denn nicht nur Frauen ohne Kinderwunsch, sondern auch Männer die ebenso denken , schwul und heterosexuell, kommen darin zu Wort.

Wichtige Stimmen in einem oft sehr einseitig geführten Dialog.

Und da fühlt es sich schon ganz gut an zu sehen, dass man nicht alleine ist mit dieser Einstellung und auch kein egoistischerer Mensch als die Kinderkriegenden. Und zum Thema egoistische Eltern könnte man sicher noch etwas sagen, aber lieber sollen sich alle an einen  Tisch setzen, gerne auch mit Kindern. Für die gibt es auch tolle kindertaugliche Paleorezepte.  Und für die Großen gibt es Süßkartoffelgnocchi. Mit Bratwurst, den wir haben gerade so viele da und die sind so gut!

Süßkartoffelgnocchi mit Bratwurst, Zwiebeln und Birne

2 mittlere Süßkartoffeln
1 Ei, verquirlt
Ca. 80 Gramm Pfeilwurzelstärke
Ca. 4 Esslöffel Kokosmehl
Salz
Pfeffer
Curry
3 Bratwürste
2 kleine Zwiebeln
2 KleineBirnen
Butter

  • Die Süßkartoffeln schälen und in Stücke schneiden. In Wasser kochen bis sie richtig weich sind.
  • Die Kartoffeln abkühlen lassen und dann mit dem verquirlten Ei, der Pfeilwuzelstärke, dem Salz und dem Pfeffer schön verquirlen bis alle Klümpchen beseitig sind. Nun nach Geschmack einen kleinen halben Teelöffel Curry dazu geben.
  • Das Kokosmehl nach und nach unterrühren, bis der Teig eine gute klebrige Konsistenz hat und sich zu kleinen Rollen formen lässt.
  • Ein Backblech mit Papier auslegen und die Rollen in ca. 1 cm große Stücke schneiden, diese auf dem Blech verteilen und mit der Gabel flach drücken.
  • Das Blech für ca. 15 Minuten bei 200 Grad in den Ofen, bis die Konsistenz schön fest ist, etwas wie Gummi. Ein Blech hat für drei Mahlzeiten für Zwei gereicht.
  • Die Zwiebel und die Birnen würfeln, die Bratwürste in Scheiben schneiden und alles schön in Butter anbraten. Salzen und Pfeffern und für die letzten paar Minuten die Gnocchi mit braten.

Guten Appetit!

Die Katzen Ladies und die zu vielen anderen

Bevölkerungswachstum

Ich muss einmal unumwunden zugeben: Ich bin Mitte 30 und gehöre einer Randgruppe an. Also, so ein wenig. Denn wenn ich mich so umschaue, sehe ich, dass zunehmend mehr Frauen meiner Altersgruppe und meines Umfelds sich fleißig um ihren Nachwuchs kümmern. Und während ich mit Interesse beobachte, wie viele bezaubernde Wunderkinder sich da in ein Leben wachsen, muss ich für mich sagen: Ich weiß nicht ob ich das will.

Als wir im letzten Jahr ganz überraschend und ganz heimlich geheirate haben, dachten viele, der Anlass wäre eine Schwangerschaft. Dabei bin ich mit dem verheiratet sein tatsächlich auch in einer Minderheit (ich kann es nur empfehlen und ich kann auch nur empfehlen, diesen besonderen Tag so zu gestalten, wie man selbst das möchte ohne Rücksicht auf Wunschbilder von Verwandtschaft und Gesellschaft!). Als wir dann die Stadt verlassen haben um aufs Dorf zu ziehen, bekam die Gerüchteküche neues Futter. Denn klar, was gibt es Schöneres als sein Kind auf dem Land, jenseits zu vieler fragwürdiger Einflüsse und mitten in echter Natur großzuziehen. Dem stimme ich absolut zu. Würde ich Kinder wollen, würde ich sie nicht in der großen Stadt aufwachsen lassen wollen. Sicher ist dort die Infrastruktur in vielerlei Hinsicht äußert hilfreich, aber ich würde ihnen die Jahre in überschaubarerer Umgebung wünschen.

Aber für den Moment will ich gar nicht.

Da tickt nichts. Und ich führe ein Leben, das mich völlig erfüllt und empfinde keine Leerstelle – falls jemand dies als Argument geltend machen will.  Die Medien vermitteln das Bild einer gespaltenen Gesellschaft, die einerseits Möglichkeiten und Räume für Kinder schaffen will und in der diese Kinder aber oftmals bitte unsichtbar und unheimlich leise sein sollen um niemanden zu stören. Ja, ich kann verstehen, dass es viele Eltern erzürnt wenn sie  mit einem Kleinkind in der Trotzphase blöden Bemerkungen ausgesetzt sind. Das nervt und ist anmaßend.

Genauso anmaßend ist es aber auch jede Frau ab Mitte Ende Zwanzig immer wieder auf die Nachwuchsplanung zu stoßen. Arbeitgeber haben Angst, die tickende Zeitbombe Kinderwunsch könnte plötzlich für einen Ausfall sorgen oder sehen sich nicht in der Lage flexibler auf arbeitende, hoch motivierte Mütter zu reagieren. Nicht nur, ich weiß, aber Realität ist und bleibt es.  Das ist auf jeden Fall ein deutlicher Nachteil, den die Herren der Schöpfung sich in diesem Abschnitt nicht ausgesetzt sehen.

Und da hört es ja nicht auf, ohne Kinder gehörst Du nicht zum Club der Mütter. Und obwohl es durchaus auch befreundete Mütter gibt, die da keinen Unterscheid machen und den eigenen, eher kinderfreien Lebensentwurf einfach ganz natürlich als gegeben hinnehmen und auch schon mal sagen, dass ihnen manchmal die Zeit für sich selbst fehlt, gibt es die anderen, die durchaus mit leichtem Unverständnis reagieren und einen immer wieder darauf hinweisen wie reich das Leben mit Kindern ist. Das freut mich, wirklich. Denn jeder sollte ein Leben führen, das einen dazu bringt abends ins Bettchen zu steigen und zufrieden zu grinsen, weil einem wieder einfällt, wie reich beschenkt man ist. Aber nochmal – ich habe das. So wie alles ist.  Und ich muss ehrlich sagen, dass ich bei manch einem Kinderwunsch die Motivation in Frage stelle. Wer eine Leerstelle in seinem Leben füllen möchte, sollte dazu nicht ein kleines Menschlein zwangsverpflichten. Kinder sollten kein Lebenszweck sein.  Und ihnen die Verantwortung für die eigene Selbstverwirklichung aufzubürden ist unfair und  ein narzisstischer Beweggrund.

Und auch wenn ich Kinder sehr mag – tatsächlich ja. Vor allem ab dem Alter wo sie Argumenten zugänglich sind und man ihnen vorlesen kann – ich gerate nicht in Verzückung angesichts von Säuglingen.

Es geht sogar noch einen Schritt weiter, so sehr ich mein Leben schätze, so viele Zweifel habe ich aber auch an den globalen, ökologischen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die am Zuge sind. Besser wird das nicht. Seid fruchtbar und mehret Euch – das war lange bevor 7 Milliarden vermeintlich vernunftgesteuerte menschliche Individuen diesen Planeten bevölkerten. Nur mal so als Denkanstoß: Um 1800 war es noch eine kleine Milliarde…Es wird langsam etwas eng  hier nicht wahr? Und gleichzeitig tun wir alles dafür, unsere begrenzten Ressourcen  weiter zu schröpfen, unseren Lebensraum zu zerstören, unsere Mitbewohner in Flora und Fauna zu dezimieren.

Wer mir nun eine unbequeme negative Haltung unterstellen mag – bitte, dann sein es so. Ich sehe mich durchaus als positiv eingestellten Menschen und kann dem Leben auf dieser Erde einiges abgewinnen. Aber ich bin eben auch realistisch und mache die Augen auf – ich weiß nicht ob ich es verantworten könnte, ein kleines Leben der Bürde der Herausforderungen auszusetzen, die auf zukünftige Generationen zukommen. Und es wird schon unsere Kinder betreffen. Das Problem ist, kaum äußere ich unachtsam diesen Gedanken, eingelullt in die Behaglichkeit einer Gesprächsrunde, fühlen sich viele Mütter angegriffen. Aber darum geht es mir gar nicht. Ich maße mir nicht an jemanden für seinen Lebensentwurf zu kritisieren aber darf ich dann nicht bitte auch eben dieses Verständnis für meine Entscheidungen erwarten? Nur ist es halt leider so, wenn es um eine vermeintliche Kritik an den persönlichen Entscheidungen geht, verlieren die Menschen gerne die Fähigkeit zum klaren Denken und der zur Verfügung stehende Betrachtunsghorizont schränkt sich bedenklich ein.

Aber mal was anderes: Statt Kind wuselt seit wenigen Tagen eine kleine Katze durch unser Haus und stellt alles auf den Kopf. Das ist ein Maß an Verantwortung, das ich tragen kann. Und ich empfinde die Schnurrmaschine auf vier Beinen in ihrer Unabhängigkeit als echte Bereicherung. Und ja, wer weiß, wenn die anderen eines Tages im Altersheim sitzen und auf den seltenen Besuch der Kinder warten, bin ich vielleicht eine alte Katzen Lady mit drei Stubentigern.

Und dann ist das auch ok.