Kleine Rückzüge, Sonnenflecken und Küchenmomente: Kokos-Blumenkohl-Curry

Paleo-Kokos-Blumenkohl-Curry

Paleo-Kokos-BlumenkohlCurry mit Sonnenflecken

Sonnenflecken. Das ist das erste, was mir einfällt, wenn ich überlege, welche kleinen Beobachtungen des Alltags mir immer wieder Glücksmomente bescheren. Und  Sonnenflecken meint in diesem Fall nicht das hell strahlende Zentrum unseres Sonnensystems, sondern diese kleinen schüchternen Flecken Helligkeit, die sich mit dem fortschreitenden Frühjahr wieder unverhofft durch das Fenster über den Boden schieben und den Dingen für einen Moment einen ganz einzigartigen Zauber verleihen. Dann kann man kurz ganz still innehalten, die Nase in den Sonnenschein halten und sich freuen, dass sie wiederkehren, die langen lichten Tage, an denen die Sonne nicht mehr eine ferne kühle Scheibe ist, sondern einen einhüllt in die fast greifbare Wärme. Und je weiter es geht in Richtung Sommer, desto mehr Gold liegt auf den Sonnenflecken und am liebsten möchte ich es der Katze nachmachen und mir einen Fleck suchen und einfach ruhig sein und die Wärme genießen bis es prickelt.

Das macht mich glücklich.  Und dank wunderbarer Frühlingssonnentage, die in den Feldern schon die Ahnung von Sommergeruch wecken und die Bäume zum Blühen bringen, ist das Glücksgefühl dieser Tage recht ausgeprägt.

Allem Grübeln zum Trotz, denn irgendwie ist etwas in Bewegung geraten und viele Revisionen ziehen ihre gedanklichen Bahnen: Wenn ich all meine Essgewohnheiten und gelernten Nahrungsweisheiten überprüfen muss und es mir damit besser geht, was muss ich dann noch neu denken und anders betrachten, was ich lange nicht hinterfragt habe? Plötzlich hat sich ein ganzer Katalog von Themen aufgetan, die nach meiner Aufmerksamkeit heischen und an eingefahrenen gedanklichen Gerüsten rütteln. Sie bekommen ihren Platz und ihre Zeit. Gerade genieße ich die Lust am Kochen, die das intensive Nachdenken freisetzt und sammle Sonnenflecken, die tun mir gut. Bei Stress, Schwere und akuter Grübelei.
Beinahe Sonnengelb ist das neue Lieblingsessen:

Kokos-Blumenkohl-Curry (dazu gebratenes Lamm oder krosser Speck)

1 Blumenkohl waschen und in kleine Röschen teilen
1 große Zwiebel achteln
3-4 Zentimeter Ingwer fein hacken
2 Knoblauchzehen fein hacken
1 Dose Kokosmilch (je höher der Koksanteil, desto cremiger und Hände weg von fiesen E’s und Bindemitteln!)
2 Teelöffel schwarze/braune Senfkörner
1 Teelöffel fein gehackte Curryblätter
2 Teelöffel Kurkuma
Chilischoten nach Wahl , fein gehackt (ich mag es scharf und in Ermangelung frischer Schoten, war es eine fiese kleine getrocknete Chili)
Salz
Pfeffer
Kokosöl

Nach Wahl: Speck in Scheiben, kross gebraten oder am besten: Lammfleisch, in feinen Würfeln in Kokosöl scharf angebraten mit Ingwer, Chili und Salz!!!

  • Den Blumenkohl blanchieren.
  • 2-3 Esslöffel Kokosöl in einer Pfanne erhitzen, die Senfkörner darin erhitzen bis sie knistern.
  • Nun die Zwiebel, die Chili, den Knoblauch, den Ingwer, die Curryblätter und die Blumenkohlröschen in die Pfanne geben und anbraten, bis die Zwiebeln schön glasig sind.
  • Mit der Kokosmilch aufgießen, salzen, pfeffern und das Kurkumapulver dazugeben.
  • Ein wenig köcheln lasse, wer den Blumenkohl auch knackig mag, dem reichen 5-10 Minuten.

Guten Appetit! Mich hat es geschmacklich umgehauen und ich bin einer lieben Freundin sehr dankbar, die mir ihr Curry-Grundrezept verraten hat, mit dem ich dann improvisiert habe.

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Formloser Suppenkasper-Wochenstart – Steck(rüben)-Brief und die passende Curry-Apfel-Kokos-Suppe

Steckrüben Low CarbFussballgröße. Dem entspricht das Steckrübenmonster, das neben kleineren Vertretern gerade unsere Vorratskammer bewohnt und sich bei jedem Türöffnen in den Mittelpunkt schiebt. Ich gebe zu, dass ich beim letzten Marktbesuch einem kleinen Steckrüben-Kaufrausch erlegen bin. Und nun wälze ich bereits  eifrig Ideen, was so alles möglich ist mit dieser Neuentdeckung.

Nun ist mir ja auch ein Steckrübenwinter erspart geblieben, aber unsere Großelterngeneration muss, steckrübengepeinigt, unsere Eltern dahingehend beeinflusst haben, dass Steckrüben in den meisten Haushalten  vom Teller verschwunden sind (so wird man auch kulinarisch von der Geschichte beeinflusst).
Stattdessen erfreute sich der feinwürzige, süßlich scharfe  Schwedenimport  die letzten Jahrzehnte großer Beliebtheit im Schweinetrog. Nun sei den leckeren Tierchen nur feinste und  gesündeste Nahrung gegönnt, aber es ist auch mehr als verdient, dass die Steckrübe den Weg zurück in den Einkaufskorb findet. Das sich da noch was tun muss, wurde mir klar, als ich auf dem Markt nur zwei Stände mit Steckrüben fand. Und die hatten jeweils nur wenige Exemplare. Da musste ich also notgedrungen zuschlagen.  Und jetzt werden die Zubereitungsmöglichkeiten variiert, denn dieses unscheinbare Gemüse begleitet uns durch den ganzen Winter, erntefrisch bis etwa Dezember und danach als Lagerware. Wunderbar.

Vielleicht ist sie nun nicht das schönste Element in den Gemüseinstallationen, die manche Leute gerne in ihren sorgsam arrangierten Küchen zaubern. So, als käme gleich Schöner Wohnen vorbei, aber da der Trend allerorten ins Nachhaltige, Regionale geht, wird das unscheinbar gelb-violette Knollen-Getüm sicher auch auf der ein oder anderen sorgsam behandelt-unbehandelten Holzarbeitsplatte oder dem entsprechenden Tisch dekorativ inszeniert.  Gemüse sieht oftmals ganz wunderschön aus, ich tue mich nur immer schwer, wenn man Lebensräumen die Inszenierung zu sehr ansieht. So, wie die ausgewählten Kunstmagazine unter dem Couch-Tisch (darf man den überhaupt noch Couch sagen?), die inszenierte Nachlässigkeit oder Zufälligkeit, die doch eben immer das bleibt: inszeniert.
Schön finde ich tatsächliche Zufälligkeiten, wenn Dinge einfach einen Platz finden, dadurch dass sie genutzt werden, aber eben keine Obstkörbe, die nach ästhetischen Gesichtspunkten zusammengestellt wurden. Die unterschwellige Botschaft, die da immer mitschwingt: Schau mich an und lobe mich!  Nicht immer aber eben auch. Und oftmals ist dass eben auch ein vor sich hertragen, quasi die gelebte, belebte Verlängerung des Outfits aus der Öffentlichkeit ins Private. Und dank diverser, von uns allen bespielter Kanäle, ist dieses Private eben nicht mehr richtig privat, sondern wird für mehr Augen als nur die eigenen hergerichtet. Das heißt nicht, dass ich generell gegen schöne Dinge im Wohnumfeld bin. Nein. Ich mag auch, dass es bei uns schön ist. Aber ich denke, dass in unserer Gesellschaft, das es schön haben zu eng verbunden ist mit dem, es fehlt noch was zum ganzen Glück und somit der Konsum den Stil beherrscht.  Nein, nein, mag mancher sagen, das ist halt alles ein Prozess, im Fluss und verändert sich. Ja, aber kann es denn nicht auch schön sein so, wie es ist? Und man wertschätzt mehr, was einen umgibt, statt weiter zu suchen, zu kaufen und nie richtig glücklich zu sein. Das treffen wir doch überall an: im Job, im Kleiderschrank, im Wohnzimmer, bei der Küchenausrüstung – immer ist da noch das eine Stück, das es perfekt machen würde. Aber dann geht es von vorne los. OK, ich seh es ein, dann sich lieber mit Gemüse-Arrangements austoben.
Wie kam ich eigentlich darauf? Ach ja, weil ich unglaublich viele amerikanische Paleo-Koch-Blogs durchstöbere und da sind die Fotos natürlich ansprechend in Szene gesetzt, aber viele der gezeigten Küchen strahlen eine solche unbelebte Stimmung aus. Unbeseelt. Egal. Das ist es der Steckrübe auch, was zählt ist, sie wird wieder gegessen.

Und da wir uns ja wieder darauf besinnen, was so in heimischen Gefilden wächst, übers Jahr,  wird sie uns nun wieder schmackhaft gemacht. Immer auch gerne mit dem Verweis, dass junge Sterneköche sie auch nutzen. Aha, das sind dann so die Informationen, die Leute brauchen, die sich rückversichern müssen, dass das cool ist was sie tun und so etwas wird dann gerne im Nebensatz angebracht, vor den Gästen, damit die nur ja richtig loben. Und dabei noch wie nebenbei an der geschnitzten Rübenvase gezupft oder das Herbstlaub auf dem Tisch zurecht gepflückt – ein Traum.

Aber mit Dekofragen halte ich mich hier nicht auf. Wer Steckrüben findet, sollte sie unbedingt einmal kaufen und probieren, was ihm schmeckt. Der wunderbare Nebeneffekt ist, dass Steckrüben kaum Kohlenhydrate haben, dafür Vitamin C und Kalium und und und…

Steckrüben-Kokos-Curry-Suppe, mit Apfel und Forellen mit Speck
Das klingt viel? Nein. Es geht schnell und schmeckt fantastisch.

Ca. 1,3 kg Steckrübe (je nach Menge mit den Flüssigkeiten variieren)
3 mittlere Zwiebeln
1 mittlerer Apfel (Boskoop  passt gut)
500 ml Rinderbrühe
500 ml Kokosmilch
50 Gramm Speckwürfel oder Streifen
50 Gramm geräucherte Forelle
4 Esslöffel Curry
3 Esslöffel Senfkörner
1 kleine , scharfe getrocknete Chilischote
Salz
Pfeffer
Kokosöl

  • Die Zwiebeln, schälen, schneiden und in Kokosöl glasig andünsten.
  • Die Steckrübe schälen und in gleichmäßige Würfel schneiden, dann zu den Zwiebeln geben.
  • Das Curry, die Senfkörner, und die gehackte Chilischote dazu geben und alles schön andünsten. Ruhig großzügig mit dem Curry. Es schmeckt! Ich nehme eine milde Curry-Mischung und habe deshalb eine sehr scharfe Chilischote ergänzt. Wer es milder mag, lässt diese weg oder nimmt ein schärferes Curry-Pulver.
  • Den Apfel entkernen und dazu geben. (Ruhig mit Schale, wird alle püriert)
  • Nun die Brühe und die Kokosmilch dazu geben und alles ca. 30 Minuten kochen, bis die Steckrüben weich genug um püriert zu werden.
  • Alles schön glatt pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Konsistenz muss jeder für sich abwägen, ich mag es tatsächlich gerne  fester und kompakter, wer es flüssiger haben will, gießt Brühe oder Wasser nach.
  • Denn Speck knusprig anbraten und mit der geräucherten Forelle vermischen. Vor dem Servieren als Einlage auf die Suppenteller verteilen.

Sehr Herbst und macht schön warm.

Guten Appetit!