Liebster Discover Blog: Warum und wie mache ich das oder mein persönliches Blogger-Rezept

Discovery_BlogCaro, von  „Carola wird fit“, hat mir die Nachricht mit einer  Nominierung für den „Liebsten Discover Blog“ hinterlassen. Das freut mich natürlich und ich sage ganz herzlichen Dank, Caro! Und statt nur immer ehrfurchtsvoll auf ihr beeindruckendes Sportpensum zu schielen und mit Vergnügen ihren trockenen und ehrlichen Kommentaren zum Leben mit und um den Sport und dem ein oder anderen wunderbaren Aufreger zu folgen, nehme ich den Fragekatalog gerne auf und beantworte einmal Fragen ganz anderer Art. Einen Schritt zurück getreten: Warum ich das eigentlich mache, das Bloggen. Da hängt doch eine ganze Menge dran. Ein schöner Anlass zur Reflexion. Und ich gebe meinen Fragenkatalog gerne weiter. An einige kleinere Blogs, die ich bereits länger verfolge oder über die ich kürzlich gestolpert bin und die Anregungen ganz unterschiedlicher Art boten. Es ist schwer plötzlich eine Auswahl treffen zu müssen, diese ist also aus dem Moment heraus und könnte morgen ganz anders aussehen. In der Informationsflut des Internets fröne ich einem impulsiven Leseverhalten, das offen ist für Zufälle und oft bestimmt wird von den Themen, die mich interessieren und an denen ich gerade knabbre.

Eines vorweg: Wem angesichts von Fragebögen der Angstschweiß auf die Stirn und die Unlust in die tippenden Finger fährt – niemand muss. Ich freue mich einfach über jeden, der mitmacht und hoffe auf weitere spannende Entdeckungen feiner Blogs, die ich noch nicht kenne. Eine bunte Mischung folgt hier (ja, es sind keine 11):

http://konsumpf.de
http://ben83ian.wordpress.com
http://aboyfromstoneage.at
http://www.schlichte-gerichte.de
http://literatourismus.net
http://saetzeundschaetze.com
http://haifischchen.blogspot.de
http://langsamerleben.wordpress.com
http://kleinekleinigkeiten.wordpress.com

Liebe nominierte Blogger, solltet ihr die Kette fortsetzen wollen, sind das die Spielregeln:
Verlinkt die Person, die euch nominiert hat.
Beantwortet die 11 Fragen, die die Person euch gestellt hat.
Sucht euch 11 Blogger, die unter 200 Follower haben und nominiert sie (Das finde ich nicht immer eindeutig, ich habe einfach eine Auswahl getroffen und wer nur drei nennen mag, das finde ich auch ok).
Überlegt euch selbst Fragen für eure Nominierten. Meine Fragen findet ihr am Ende dieses Posts.

Warum hast du angefangen zu Bloggen?
Angefangen hat es für mich als kleine Schreibübung im Privaten. Ich texte beruflich im Auftrag für Kunden und wollte mein Lieblingsmedium Wort auch einmal wieder für mich nutzen und nicht im Rahmen einer beauftragen Kommunikationsstrategie. Praktischer Aufhänger waren dann Rezepte. Seit wir  die Ernährung vor fast zwei Jahren umgestellt haben und nach Paleo-Grundsätzen kochen, habe ich überlegt, wie ich all die Rezeptfundstücke, Inspirationen und Selbstversuche festhalten kann. Ein Blog bot sich an. Zumal ich dann nicht immer wieder Rezepte abschreiben und durch die Welt schicken muss.

Welches sind deine Lieblingsthemen?
Die thematische Klammer ist das Leben, das sich durch die Ernährungsumstellung grundlegend geändert hat. Es ist ein bisschen das Ventil, das nötig wurde bei dem Versuch ein Leben zu führen, das umsetzt woran ich glaube und was ich für mich als grundlegende Werte formuliert habe. Der Bedarf nach einem Ventil kam mit neuen Denkansätzen und Impulsen: Wer beginnt für sich nach sauberen Quellen für Lebensmittel zu suchen und sich intensiv mit dem Thema Nahrung und der daran angehängten Produktionskette zu beschäftigen, kann sich entweder Scheuklappen aufsetzen und sich oberflächlich wirkende Beruhigungsstrategien überlegen oder aber man muss in die Tiefe gehen und auch mal ehrlich zu sich selber sein und da mit dem Nach- und Umdenken ansetzen, wo man durch sein (Konsum-)Verhalten ein System mitträgt und legitimiert, das dem Menschen und dem Planeten, der unser Lebensraum ist, schon zu lange zu wenig Respekt entgegen bringt. An dem Punkt angelangt, haben sich die Themen für mich von alleine ergeben. Ergänzt werden sie durch schöne literarische Fundstücke und natürlich gutes Essen.

Woher kamen Deine ersten Leser?  
Die ersten Leser kamen aus der immer größer werdenden deutschsprachigen Paleo-Community. Die mit Facebookgruppen und Linksammlungen einen guten Einstieg in das Thema bietet. Um aktiver in einen Austausch einsteigen zu können, habe ich mich dort angehängt. Mittlerweile würde ich sagen, dass sich die Leser aber in zwei Gruppen unterscheiden lasen: Die Rezeptsucher, denen ich dankbar bin für Interesse an meiner recht schnörkellosen, laienhaften Kochpassion und den netten Köpfen, die mir durch ihr Feedback und ihre fleißigen Besuche auf meinem Blog zeigen, dass es viele gibt, die umdenken und nicht nur glücklich sind in der Welt, wie sie uns gestaltet wurde, und die nach Impulsen und Denkanstößen suchen. Er läuft mittlerweile einfach so vor sich hin, mein Blog. Und ich muss sagen, ich verfolge keine bestimmten Absichten, was Leserzahlen betrifft. Ich nehme es aber als eine wunderschöne Motivation zu sehen, dass sich immer neue Leser finden und viele auch wiederkehren.

Welche Blogs liest du am liebsten?
Das ist tatsächlich recht zufällig. Ich bin immer wie ein kleines Trüffelschwein, wenn mich ein Thema interessiert oder aufregt oder ich mehr wissen möchte, fange ich an mich durch das Unterholz des Internets zu wühlen und mache dabei wunderschöne und weniger schöne Entdeckungen. Grundsätzlich könnte man sagen, dass mich Substanz interessiert. Und was mich eher irritiert und mir mitunter echt negativ aufstößt ist zu sehen, wie sehr die Blogs als individuelle Plattformen der Kommerzialisierung anheimfallen und gerade im Bereich Mode, Einrichtung und Schnick-Schnack einem Materialismus frönen, den ich schade finde. Was früher als Weg zu Demokratisierung und Transparenz gefeiert wurde, ist mittlerweile in vielen Bereichen dankbares Instrument einer zeitgemäßen Marketingmaschinerie geworden. So wunderbar es ist, sich über Blogs auszutauschen, sind es natürlich auch Bühnen für Selbstdarsteller, es gibt so einen menschlichen Zug einfach herzeigen zu müssen, was man hat. Und das ist das Einfallstor für Marketingabteilungen. Da finde ich persönlich keine Themen, beobachte es nur aufmerksam, zumal ich lange selber auf Marketingseite so gearbeitet habe. Wenn ich merke, ein Blogger beginnt auf seine Zahlen zu schielen, finde ich, geht ein wenig die Unschuld verloren, da weicht das Herzblut etwas dem Schweiß des Ehrgeizes.

Schreibst du noch für weitere Blogs?
Berufsbedingt ja. Aber privat bin ich zufrieden, so wie es ist. In meinem Kopf zaudert das zarte Pflänzchen eines zweiten Projekts, aber ich möchte mich nicht überfrachten. Zu viele Dinge interessieren mich und vieles davon soll in der realen Welt verbleiben und ich möchte nicht in einer Schleife gefangen werden, die alles, was ich tue in Content übersetzt, um neue Posts zu schreiben. Nein, im Moment schreibe ich als Privatperson nur meine Teilstücke.

Wie gehst du mit fiesen Kommentaren um?
Die gab es bisher tatsächlich kaum. Wenn,dann würde ich mich damit auseinandersetzen und schauen, was mich stört an dem Kommentar, ob da wirklich berechtigte Kritik am Werke ist (die müsste dann ja aber nicht fies sein) und dann würde ich freuen, etwas gelernt zu haben und das auch offen kommunizieren. Wenn ich aber merke, dass da jemand seinen persönlichen Film fährt und eigene Themen auf mich projiziert, nehme ich mir die Freiheit nicht auf einem solchen Niveau einzusteigen – don’t feed the troll…. Manche Diskussionen sind nicht zielführend und wollen keine Klärung, sondern es gibt Menschen, die schmeißen einfach gerne mal ein Bömbchen, für die eigene narzisstische Befriedigung. Die Lektion habe ich gelernt.

Worüber würdest du niemals bloggen?
Ich glaube, thematisch würde ich über alles bloggen, was mich interessiert. Die Herangehensweise oder Motivation ist vielleicht entscheidend. Ich würde nicht über etwas bloggen um zu beweisen, dass ich etwas total gut kann oder um einen Materialismus zu zelebrieren. Oder um ein bestimmtes Bild von mir zu erzeugen. Ich würde somit nicht kommerziell bloggen.  Ich würde allerdings über die Kommerzialisierung des Bloggens schreiben. Aber bei mir braucht keine PR-Abteilung anzufragen. Daran habe ich kein Interesse – aber glücklicherweise bin ich dafür thematisch auch keine Zielgruppe.

Wie hat das Bloggen deinen Alltag beeinflusst?
Das Bloggen hat meinen Alltag sehr bereichert. Es ist schön, seine Gedanken einmal schriftlich zu sortieren und festzuhalten. Und es tut einfach gut über die Öffentlichkeit des Blogs auf ähnlich denkende Köpfe zu stoßen, denen man sonst nicht begegnen würde. Ich bin ein Kopfmensch, ich wälze Themen und Gedanken meist mehrgleisig und wusste bei vielen Themensträngen oftmals nicht so recht wohin damit, das Bloggen hat mich ruhiger gemacht, mir gezeigt, dass viele Themen, die mich umtreiben, zusammengehören.

Was hat sich seit dem du das Blog gestartet hast verändert?
Ich bin mutiger geworden im Schreiben. Waren es anfangs vor allem die Rezepte, ist die Gedankenpalette nun viel breiter und ich habe gemerkt, dass es mir tatsächlich egal sein kann, was andere Menschen von mir denken. Ich habe gemerkt, dass ich mit manchen Gedanken, so wie ich sie formuliere, bei anderen an Themen rührt, mit denen sie selbst nicht so ganz im Reinen sind. Ich will aber niemanden angreifen, das wäre anmaßend und deshalb ist es mir wichtig zu wissen, dass ich nicht schreibe um andere Menschen anzugreifen oder um mich in irgendeiner Form als überlegen zu positionieren. Ich bin keine moralische Instanz. Ich bin nur sehr aufmerksam geworden, was viele Themen im Alltag und im Zwischenmenschlichen betrifft. Das hat meinen Blick, gerade auch selbstkritisch auf mich selbst, stark verändert. Und es hat mich unabhängig gemacht.

Welche Entwicklung wünschst du dir für dein Blog?
Ich wünsche mir einfach, dass die eigene Firma mir weiterhin die Luft zum Schreiben lässt, dass der Schweinehund sich nicht zu breit macht auf der Tastatur und dass ich mir die Unabhängigkeit vom Bloggen erhalten kann. Sprich zu schreiben, wenn es passt und nicht weil ich denke ich müsste.

Diese Fragen möchte ich gerne weiter geben:
Was hat dich zum Bloggen gebracht?
Seit wann gibt es deinen Blog und wie hat er sich im Lauf der Zeit entwickelt?
Wie pflegst du deinen Blog (schreibst du spontan oder mit Redaktionsplan?)?
Welche Blogs interessieren dich thematisch als Leser?
Wie wichtig sind dir persönlich Blogs als Informationsquelle?
Weiß dein Umfeld, dass du bloggst, wie geht es damit um?
Hast du Pläne, wohin die Bloggerreise für dich noch gehen soll?
Hat sich durch das Bloggen etwas für dich verändert, und wenn ja, was?

Ganz herzlichen Dank!

K(l)eine Liebesdienste und ein Favorit aus dem Ofen: Beinscheibe mit Ingwer

Beinscheibe mit IngwerSo, da der klebrige Valentinstagszuckerguss nun vom Tisch ist, stört man ja niemanden mehr in seinen rosaroten Befindlichkeiten.  Ich kann mir immer nicht helfen, ich finde, dieser Tag mit seinen absolut kommerzialisierten und fremdbestimmten Ritualen läuft all dem zuwider, wofür die Gefühle eigentlich stehen, die uns Einzelhandel und Werbung da so fleißig mit großen Sehnsüchten und materiellen Wünschen unterfüttern und aufblasen, bis wir sie glauben und ihm nachzueifern suchen, dem Bild davon, wie sie aussieht, die große Liebe.  Und ein erschreckendes Rollenverhalten zeigt sich da: er schenkt Blumen, Nippes, Schokolade und zahlt fürs Essen, sie macht sich hübsch, klappert artig dankbar mit den Wimpern und zahlt mit Sex… überspitzt vielleicht, aber darauf lässt es sich doch irgendwie reduzieren. Wer das dann romantisch findet und als Ausdruck tiefer Emotionen sieht (stimmt, tiefe, echte Emotionen sind in solchen vorgegeben Konstruktionen ja nicht vorgesehen, sie könnten emotional emanzipieren…),  dem kann man ein Aufwachen wünschen, aber der Großteil der Menschen scheint ja gerne in der Bequemlichkeit des Dauerschlafes verhaftet zu bleiben und führt dann entsprechende Beziehungen. Und  die funktionieren eben über die großen Gesten an Ego und Eitelkeit und die schnelle Befriedigung des eigenen Egos. Der Schritt darüber hinaus, das ist die Kür und das bedeutet Arbeit.  Und überhaupt – die, die gerade allein dastehen, mitten im Wirbelwind öffentlicher zelebrierter Zweisamkeit… Ja, die einsamen Herzen dürfen sich ein bisschen schlecht fühlen, müssen aber zumindest ein wildes Singleleben führen. Anleitung dazu und zum niemals an die wahren Gefühle herankommen bietet die gängige Medienlandschaft zu Genüge. Aber Vorsicht, gerade Frauen ab einem bestimmten Alter (das bestimmte Alter beginnt wohl etwa mit der 30, regional kann es aber auch früher sein…) geraten schnell  in Generalverdacht, da könne was nicht stimmen – wohingegen Mann sich weiter aufführen darf wie er mag. Wer es geschafft hat und das Leben mit den Jahren in die vorgesehenen Bahnen gelenkt hat, dem sind unendliche Möglichkeiten gegeben, die selbstgerechte Zufriedenheit des Erfolges öffentlich zu zelebrieren. Und so manch einer fühlt sich angepikst und der Neid zwackt ihn und er strampelt sich noch mehr ab um auch so zu sein, um noch ne Schippe oben drauf legen zu können.

Man könnte meinen wir seien weit gekommen, aber der Wettbewerb ist noch derselbe, wie ihn die Hausfrauen der 50er schon in adrett gestalteten Vorgärten ausgetragen haben, wo man sich unter leichtem Seufzen dazu hinreißen ließ die neueste Errungenschaft für den Haushalt ins Gespräch einfließen zu lassen oder die geplante Italienreise,  und die Männer mit ihrer beruflichen Sicherheit, dem Auto und dem streng hierarchischen Leben in so manch westdeutschem Verein…

Wie wunderbar, dass wir uns heute noch viel schamloser darstellen können, es ist ja im Zweifel die eigene kreative Ader und gelebte Individualität und wer bitte möchte da so kleinliche Hintergedanken haben und Narzissmus und Geltungssucht unterstellen. Ne, ist ja klar. Und völlig normal, dass wir plötzlich jedem ins Wohn-, Schlaf-, Esszimmer gucken können, durch den Kleiderschrank geführt werden und das hübsch inszenierte Essen bewundern dürfen. Food Styling, so machen das die ambitionierten unter den Essensbloggern, da wo das nette Rezept leider verschwindet hinter der inszenierten Bilderflut des kreativen Genies, das dort am Werke war.

Es ist im Grunde ziemlich erbärmlich, wie wir so beharrlich vorhersehbar ticken. Dank unserer Eitelkeiten und Ängste immer wieder offen für die Verlockungen, die uns da draußen das große Glück und eine Erfüllung versprechen.  Niemand ist wohl frei davon. Ich nehme mich da nicht aus. Aber einmal Augen aufgemacht und hingeschaut, ist es alles so viel Schein und Gestrampel und so wenig interessant. Und es sorgt für ein konstantes Rauschen, einen Strom von Eindrücken, der auf uns einprasselt, dass die kleinen hoffnungsvollen Lichter, die wirklich menschlichen Erlebnisse, darin fast untergehen.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Herausforderungen, zu lernen, auszublenden und in neue Richtungen zu schauen, damit man nicht vorbeigeht an den Schätzen am Wegesrand?  Auch wenn sie nicht immer so stark leuchten wie das aufgeblasene, substanzentleerte Wabern drum herum.

Und wenn dennoch die Sorge quält, den V-Day nicht genutzt zu haben, dem hilft vielleicht die simple Wahrheit, dass das Jahr 365 Tage hat und jeder dieser Tage unzählige Momente umfasst… da sollte sich doch eine Möglichkeit ergeben, dem Ausdruck zu verleihen, was da in einem strahlt?

Und das kann die Tasse Kaffee sein, die man morgens ans Bett bringt. Oder ein Abendessen nach einem anstrengenden Tag.

Das hat der besondere Mensch die Woche getan und die beste Beinscheibe der Welt gezaubert, so dass ich immer noch hin und weg und schwer verliebt bin…

Beinscheibe aus dem Ofen mit Ingwer
2 Beinscheiben (ca. 600 Gramm)
4 Zwiebeln, geviertelt
2 Möhren, in Scheiben
4-5 Zentimeter Ingwer
1 Zehe Knoblauch, gewürfelt
Rotwein
Thymian
Salz
Pfeffer
Schmalz

  • Die Beinscheiben salzen und pfeffern und in heißem Schmalz von beiden Seiten anbraten und in eine Auflaufform geben.
  • Die Zwiebeln, Möhren, den Ingwer und den Knoblauch im Bratensud kräftig anbraten, salzen, mit Thymian würzen und mit Rotwein angießen, so dass das Gemüse schwimmt.
  • Das Gemüse mit dem Wein zu den Beinscheiben in die Auflaufform geben und das ganze bei 180 Grad für ca. 2 Stunden im Ofen garen. Wer mag nimmt einen Bräter mit Deckel. Ich liebe krosses Fleisch und deshalb war die Auflaufform perfekt.

Dazu passt ein Feldsalat.

Guten Appetit

Alle Jahre wieder: Adventsmassaker und Kürbis-Quiche zum Wohlfühlen

AdventsmassakerFrost glitzert auf den Dächern… Aber bevor ich mich jetzt in einer kitschigen Vorweihnachtssentimentalität verliere, es ist ja so die Zeit wo allerorten verkitschte Behaglichkeitsbilder beschworen werden, greife ich nach dem Taschentuch und mache mir die nächste Tasse Ingwertee.  So wunderbar knackig kalt die Sonne da draußen strahlt, merke ich, dass es auch die perfekte Zeit für Erkältungen ist. Und obwohl ordentlich eingepackt, hat einen dann schnell so eine Abgeschlagenheit im Griff.

Es  mag auch daran liegen, dass ich in den letzten zehn Tagen einige Tausend Kilometer im Auto verbracht habe und irgendwie aus dem Tritt geraten bin, zwischen netten Begegnungen und zu viel Unterwegssein. Also wird das Pensum etwas zurück geschraubt, was mir eher nicht so leicht fällt, ich will zu viel machen. Die Nähmaschine rattern hören, neue Rezepte testen, aufräumen, umräumen, ausmisten und daneben Energie in die Arbeit stecken. Zum Ende des Jahres setzt bei mir das Bedürfnis ein, einen runden Abschluss zu schaffen. Also Dinge zu erledigen, die ich vielleicht vor mir her geschoben habe. Das Bedürfnis nach innen zu horchen, was einen gestört hat, an sich selbst und im Umfeld, wo man anders handeln möchte. Eine grüblerische Tendenz zur Selbstreflexion begleitet mich ja unabhängig von Jahreszeiten, aber wenn andernorts die Adventsstimmungsmaschinerie in Gang gesetzt wird, beschleicht mich neben der dezenten Sehnsucht nach Tannengeruch eine etwas ausgeprägtere gewisse Melancholie.  So ein wenig in Gedanken zu schweben, finde ich durchaus angenehm. Das passt zu kurzen Tagen und schönen Wintersonnenuntergängen und langen Morgendämmerungen. Das ist ein bisschen so wie der Geruch nach Holzfeuer, der den Winter über durch das Haus zieht – eine grüblerische Note zur Tagesform.

Bilanz ziehen – dieses Jahr möchte ich das mal so richtig machen und habe mich entschlossen alles einmal festzuhalten. Für mich, aber auch gemeinsam mit dem besonderen Menschen: Wo war man überall, was hat man erlebt, was hat mich besonders gefreut oder belastet, was war schön und was war traurig, welche Ideen sind Realität geworden, welche wabern weiter durch den Kopf, haben sich total verändert oder sind verschwunden.  Eine Art Großputz in der Gedankenkammer. Und diesmal habe ich das Gefühl, herrscht gar nicht so ein Chaos wie in manch anderem Jahr. Anscheinend klappt es immer besser, das innerliche Sortieren zwischendurch, dann kann sich gar nicht so viel ansammeln und man muss nicht in so vielen verschiedenen Erinnerungskisten wühlen und übersieht dabei die Hälfte.

Und natürlich darf es auch wenig adventlich sein. Wobei ich ja kein Freund aufwendiger Dekorationsinszenierungen bin, sondern mag, was sich schnell so ergibt. Das war schon immer so. Zuviel und zu betont, verursacht mir die Adventsdekoration ein leichtes Unbehagen. Denn wie lässt sich dieser unglaubliche Vorfreude-Spannungsbogen dann aufrechterhalten?
Jeder Supermarktbesuch in den nächsten drei Wochen wird zur aggressiven Stimmungsmache mit Hilfe gängiger Weihnachtsmusik-Konserven. Die  Weihnachtskekse liegen schon seit Wochen auf den Sonderverkaufsflächen aus, jetzt wird aber noch einmal nachgerüstet und überall blinkt es und stinkt und leuchtet und will besinnlich sein?! Auch innerstädtische Weihnachtsmärkte haben sich größtenteils in Glühwein-Saufmeilen mit Ramschangebot verwandelt. Ein bisschen billiger Glanz – zu viel, zu hell, zu grell.  Das, so wird es den Leuten verkauft, ist Weihnachten. Für den dezenteren Geschmack gibt es durchaus immer wieder kleine Weihnachtsmarktperlen, hier findet sich dann schönes Kunsthandwerk und Biokinderpunsch. Doch sind und bleiben sie alle Märkte und laden uns wieder zum Konsum ein.

Und wen da manchmal ein schlechtes Gewissen befällt, weil man vielleicht nicht so überlegt gekauft hat, wie man es sich vorgenommen hat, der hat vielleicht den 30. November  genutzt und sich am Kauf-Nix-Tag beteiligt. Bei uns ist dieser Tag noch nicht so verbreitet, entstammt er doch eher der Tradition eines amerikanischen Konsumkalenders. Und auch wenn er sich durchsetzt, hat das Datum eigentlich einen leichten Nebengeschmack – einen Tag bevor dann der Advents-Countdownmit all seinen Besorgungen startet, einen Tag lang den Konsum verweigern…  Das empfinde ich als Gewissenberuhigung, dann ich ja wieder, habe  ja gestern nicht… Das ist wie Konsum mit gutem Gewissen, weil etwas nachhaltig, grün, öko, regional, fair oder was auch immer ist. Verkannt wird, dass das Konsumverhalten an sich die Wurzel ist.
Es ist schade, wie wir so zunehmend durch (in der Regel PR-)  gesteuerte Initiativen auf Dinge aufmerksam gemacht werden, die dem menschlichen Verstand auch so auffallen sollten. Aber so ist es ja einfach: Heute ist Dingsbums-Tag, alle sind wir heute ganz betroffen, die Zeitungen schreiben ihre so tiefsinnigen Sonderartikel und dann machen wir weiter wie bisher. Kinder, Frauen, Flüchtlinge, AIDS, Brustkrebs, Essstörungen, gestörte Selbstbilder, der Wald, Robben… – unsere gesellschaftlichen Themen und Probleme werden immer wieder zum Zugpferd für umtriebige Marketingabteilungen, die dann einem Unternehmen den Anstrich gesellschaftlicher Verantwortung verpassen und Zuständigkeiten umverteilen und neu besetzen. Weiter gedacht ist dies eine Entwicklung, die mir persönlich Sorge macht und ich empfinde es als Entmündigung, wenn wir in unserer Bequemlichkeit zulassen, dass uns die Verantwortung immer noch ein Stückchen mehr aus den Händen genommen wird und von Strukturen vereinnahmt wird, die wir nicht überschauen können.

Und die  so viel beschworene Adventszeit mit ihren blinkenden Verlockungen ist längst eine der Lieblingszeiten der Wirtschaft. Und wehe die Kaufprognosen fallen nicht positiv genug aus, dann wird ein finsteres Szenario ausgemalt, stattdessen sollte man sagen: Gut so, lasst es sein. So viele von uns haben immer weniger und das wollen wir nicht noch der Industrie in den Rachen schmeißen.
So wirklich frei fühle ich mich manchmal nicht in meinem Handlungsspielraum, zu viel prasselt auf einen ein an Anregungen, Einflüssen und Aufforderungen. Und von vielen Seiten hört man kurz vor Weihnachten eher ein Aufstöhnen und die Hoffnungsäußerung, dass es ja bald überstanden ist und man die Kekse nicht mehr sehen kann und einen die Lieder aggressiv machen und man hätte so was tolles Gebasteltes gesehen, aber man weiß nicht, wann man das noch schaffen soll… Und eigentlich sollte man noch drei Sorten Kekse backen… und… Und so verzieht sich die Vorfreude geknickt in eine stille Ecke und hofft auf ihren Moment und stattdessen  wanzt sich hartnäckiger Stress heran, der nach Glühwein und sozialen Verpflichtungen und festlicher Stimmung duftet… Und mit ganz viel Glück entlädt sich der Stress der Adventszeit dann unter dem hübschen Baum, der noch in letzter Minute schön gemacht werden wollte, dann wird das Essen nicht gelobt, die Deko kriegt keinen Auftritt und die Geschenke sind zu einfallslos oder eh selbst ausgesucht oder zu schnell ausgepackt… Dann hilft mehr Glühwein für den Moment und ein schwerer Kopf schleppt sich durch die Feiertage und die Besinnlichkeit, die auf ihren großen Auftritt zum Jahresende wartet, hat schon keine Lust mehr, sondern hofft auf weitere Ablenkung zu Sylvester. Nächstes Jahr, so der gute Vorsatz, wird dann wirklich alles anders gemacht.

Zu schwarze Gedanken in dieser hell glitzernden Zeit? Vielleicht, aber nicht nur. Wer gibt schon gerne zu, dass das Weihnachtsfest emotional ein Minenfeld sein kann und die Feiertage mitunter nicht nur schön, sondern auch herausgeputzt mit alten Spannungen sind?

Vielleicht deshalb, weil es eben nicht nur mildes Kerzenlicht und Bratapfelduft zum Fest der Feste gibt, macht sich das Bedürfnis breit aufzuräumen.
Und dabei kommt dann auch die Kiste mit den schönen Weihnachtserinnerungen ans Licht und in der raschelt es vielversprechend und  ich freue mich aufs Auspacken.

Und weil es nicht nur Kekse geben kann, etwas anderes, Herzhaftes aus dem Ofen.

Kürbis-Chorizo-Quiche

Für den Teig
200 Gramm Mandelmehl (wahlweise kann man 50 Gramm auch durch Walnussmehl ersetzen für eine andere Note)
1 großes Ei
50 weiche Gramm Butter
Salz
Pfeffer
Cayenne Pfeffer

Für den Belag
ca. 400 Gramm Hokkaido Kürbis in Spalten
2 mittlere Zwiebeln
150 Gramm Chorizo in Scheiben (ersatzweise eine andere scharfe Salami oder Speck)
2 Eier
Curry
Cayenne Pfeffer
Zimt
Salz
Pfeffer
Kokosöl

  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen
  • Das Mandelmehl mit der weichen Butter, dem Ei, einer Prise Salz, Cayenne Peffer und Pfeffer zu einem kompakten, klebrigen Teig kneten.
  • Eine Quicheform mit Butter einfetten, den Teig gleichmäßig dünn in der Form verteilen und am Rand leicht hochziehen, gleichmäßig mit der Gabel einstechen und für 15 Minuten bei mittlerer Schiene vorbacken.
  • Die Zwiebeln grob würfeln und mit den Kürbisspalten in etwas Kokosöl oder Butter anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind und der Kürbis etwas weicher. Vom Herd nehmen und großzügig salzen, pfeffern und mit Curry würzen
  • Nun den Kürbis, die Zwiebeln und die Chorizo auf dem Quiche-Boden verteilen.
  • Die Eier verquirlen, salzen, pfeffern und mit einer Prise Zimt sowie Cayenne-Pfeffer würzen.
  • Die Eimasse gleichmäßig über den Kürbis auf die Quiche gießen.
  • Die Quiche für ca. 30 Minuten in den Ofen, bis das Ei gestockt, der Rand aber nicht zu dunkel ist.

Dazu passt sehr gut ein schlichter Feldsalat mit Apfel und Walnüssen.

Guten Appetit!

Bittersüße Plastik-Strandromantik und lernen aus Filmen

Plastik StrandMan schleppt etwas schwerer. Das ist der Preis, den ich gerne zahle. Denn neben dem eigentlichen Gepäck aus dem Kleiderschrank ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Unterwegsseinausrüstung die Vorratsdose geworden. Und spätestens seit ich vor einiger Zeit den Film Plastic Planet von Werner Boote gesehen habe, sind diese Dosen, wann immer möglich, aus Glas. Das nervt. Sage ich ehrlich. Ebenso wie die Glasflasche fürs Wasser. Sie sind schwer und zerbrechlich… Da sind kleine Katastrophen im Gepäck vorprogrammiert (toi, toi, toi).Und ja, wenn es sein muss, trinke ich auch aus Plastik bevor ich verdurste, alles andere wäre bescheuert, aber ich versuche tatsächlich den Berg an Plastik in unserem Haushalt wo immer möglich zu reduzieren. Dank der Ernährungsumstellung fallen tatsächlich viele der gängigen Umverpackungen weg und besonders das Ausmisten von unnützer Kosmetika und zu vielen nutzlosen, da nie gebrauchten Badezimmerprodukten hat noch einmal dazu beigetragen, dass nun weniger kunterbunte, weiche, harte, folienhafte und wie auch immer geartete Kunststoffe den Weg zu uns finden. Mitunter eine etwas komplizierte Wahl, denn wenn man anfängt einmal nach kunststofffreien Alternativen zu suchen, wird es mitunter sehr teuer oder die Suche läuft ins Leere. Plastik vermeiden ist ganz schön schwer. Wir haben uns abhängig gemacht von einem Stoff, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Wir setzen uns über das Essen, die Kleidung und alle möglichen Gebrauchsgegenstände einem gesundheitlichen Risiko aus, das wir Laien nicht beurteilen können und weil wir Menschen eben auch kleine Idioten sind, landet all zu viel von dem Zeug eben nicht in einem Recyclingkreislauf sondern in der Natur.

Und so habe ich kürzlich bei einem eigentlich schönen Spaziergang entlang eines dänischen Strandes statt schöner Muscheln (gibt es kaum noch, zumindest nicht die, an die ich mich noch aus Kinderurlauben zu erinnern meine) die besondere Ästhetik von Seetangnestern voller Plastikfetzen bestaunt und einzelne Schuhe gezählt. Und Flaschen.  Und mich geärgert. Geärgert, dass wir so dumm sind und auch geärgert darüber, warum man nicht einfach mal einen Müllbeutel dabei hat, um als kleine Wiedergutmachung für den verursachten Müll am Ende eines jeden Spaziergangs zumindest einen Teil der Hinterlassenschaften zurück in einen Müllkreislauf zu führen. Ich empfinde es eigentlich als gerechte Strafe, dass wir dann wieder Fische essen, die Plastik gefressen haben. Obwohl die Fische das natürlich nicht verdient haben und es auch so wahnsinnig kompliziert geworden ist, welchen (See-)Fisch man noch unbeschwert essen kann, da wir ja auch dabei sind munter die Meere leer zu fischen, wenn wir nicht schon Lebensräume zerstört haben.

Aber die gesundheitlichen Folgen des Plastiks, das da über unschuldige Parteien in unsere Nahrungskette gelangt, haben wir selber zu verantworten.

Neben Spaziergängen war Dänemark auch eine Zeit guter Gespräche und der Erkenntnis, dass einen das Leben in dieser Welt mit ihren Machtstrukturen und Mechanismen mitunter echt verzweifeln lässt, wenn man sich das intensive Nachdenken erlaubt. Ich gebe zu, ich war etwas vorbelastet. Die lange Zugfahrt in den Norden habe ich für die Lektüre unabhängigerer Magazine genutzt und neben dem ein oder anderen interessantem Artikel war auch da vor allem gut gemachte PR und die alte Konsummaschine am Werke, wenn auch etwas dezenter, für den vermeintlich intelligenteren Leser, der es nicht so mit der Holzkeule mag, sondern seine eigenen kleinen (Kauf-)Entdeckungen schätzt und wenn die dann noch nachhaltig, fair und überhaupt sind, gibt es den Heiligenschein für diesen Einkauf bestimmt direkt dazu geliefert. Aber es ist ja nicht nur schlimm, das alles, mit dem Leben. Man muss nur immer auch mal bewusst einen Schritt zurück tun, nicht vergessen oder die Augen zumachen, aber sich bewusst machen, das man sich selbst gegenüber eine Verantwortung hat und es einen nicht weiterbringt zu verbittern. Es ist vielleicht eine ziemlich große Aufgabe eine persönliche Balance zu bringen in die Ernüchterung, die sich immer häufiger einstellt und das Glück der Zufriedenheit, dass man für sich suchen sollte.
Also steht man irgendwo zwischen zauberhaftem Sonnenuntergang über dem Meer und knisternder Plastikfolie in den Dünen.
Ich arbeite an meinem Rezept.

Die Anderen sein lassen können und Haselnuss-Espresso-Makronen knuspern

Makronen und TretminenTretminen. Regelmäßig verwandelt sich das Thema Paleo-Ernährung dann doch wieder in eine Tretmine.  Auch wenn man versucht, die entsprechenden Diskussionen in schönen geselligen Momenten auf eine Minimum zu beschränken, ist es eben oft  ein Gegenüber,  dass das Thema nicht los lassen will und dann muss man sich kurz sortieren und überlegen, wie man das Ganze auflösen kann, wenn man merkt da ist eher Herbeireden von Stolpersteinen im Spiel, als ein neugieriges Interesse. Die Frage des gestrigen Abends war eigentlich recht interessant, denn sie zielte darauf ab, wie wir es denn mit der Ernährung halten würden, hätten wir Kinder… Das ist durchaus schon implizit Thema gewesen, zumeist in Form eines versteckten Vorwurfs, wenn uns gesagt wurde, ja  klar, wir können uns ja so ernähren, wir arbeiten zuhause und haben keine Kinder…

Und tatsächlich bleibt die Frage, wie wir es mit Kindern organisieren würden, das Essen, eine hypothetische. Kinder entwickeln letztlich ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was sie essen möchten und was eklig ist. Ich mochte früher keinen Vollkornreis und von Brötchen habe ich mir am liebsten die weiche Mitte rausgepickt und in Spinat mit Kartoffeln und Spiegelei habe ich lustlos gestochert, Eier waren eh eklig, genauso wie warme Milch und der Fettrand am Fleisch. Trotzdem wurden mir nicht unbegrenzt Extras aufgetischt, sondern es gab einfach Dinge, die ich lieber mochte als andere und die eein oder andere emotionale Diskussion.  Das ist dann vielleicht das Beste, was man Kindern mitgeben kann: Freude am Essen und Neugier auf Neues.  Und ganz ehrlich, ich würde versuchen auch in der kindlichen Ernährung das Paleo-Prinzip durchzusetzen. Es gibt genug Blogs von Müttern, die da auf wenig Probleme stoßen. Beziehungsweise die Probleme fangen dann dort an, wo sich eine dritte Partei meint in die Ernährungsdebatte einmischen zu müssen. Sicher, das ist eine Herausforderung, die eigene Ernährungsweise, etwa mit der Versorgung im Kindergarten, oder der Schule, oder bei Geburtstagen unter einen Hut zu bringen – aber ein Lohn ist sicherlich, dass man mit der richtigen Ernährung dazu beitragen kann, ein Kind auf den richtigen Weg zu bringen und für gute Startbedingungen zu sorgen. Zu oft hört man ja auch die Geschichten von kleinen Kindern, die schon im zartesten Alter von Unverträglichkeiten gebeutelt werden. Spätestens in der Pubertät verliert man ja eh an Einfluss, aber man hat ein Bewusstsein geschaffen.

Aber eigentlich ist es auch müßig darüber zu spekulieren, denn für mich stellt sich die Frage nicht, bzw. bleibt  im Reich des Theoretischen. Und ganz ehrlich, ich werde mir zukünftig noch genauer überlegen, mit wem ich mich auf ein solch  tückisches Konversationsparkett begebe. Mit vielen Müttern geht es tatsächlich nicht. Wenn ich dann noch dazu sage, dass ich keine Kinder plane, oder will, dann ist für viele klar, dass ich keine Kinder mag und ich werde zur potentiellen Kinderquälerin, weil ich mir, so ganz theoretisch, anmaße zu wissen, was gut sein könnte. Dabei ist der andere Standpunkt nicht weniger anmaßend, ist er zwar erfahrungsgeprägt, aber eben auch mit subjektiven Scheuklappen versehen.
Aber es gibt so Themen, die wären interessant für erwachsene Diskussionen, sind aber schwer zu besprechen. Denn viel zu oft sind Diskussionen um solche Themen, die letztlich den eigenen Lebensentwurf betreffen, nicht sehr erwachsen. Wenn ich mit erwachsen eine Position meine, die auch mal nach rechts und links überlegt und nicht darauf versteift ist, den eigenen Standpunkt zu verteidigen.
Wähle ich einem Lebensentwurf, der etwas grundsätzlich anders macht, sei es eben über das Essen, die Kinderfrage, die Arbeitsform, die Beziehungsgestaltung, ist das eine persönliche Entscheidung, die in diesen Bereichen dann oftmals eine bewusst getroffene Entscheidung für etwas ist, nicht dagegen. Das heißt, als Transferleistung würden im Idealfall die Mitmenschen erkennen, dass ein Wunsch nach Kinderlosigkeit nicht automatisch heißt, dass man etwas gegen Kinder hat, dass eine Kritik an den Konsummustern unserer Gesellschaft nicht bedeutet, dass man jeden um sich herum verurteilt, der sich wohler fühlt mit dieser Maschinerie und das heißt auch nicht, dass man, wenn man sich dem Paleo-Prinzip gemäß ernährt, die Nase rümpft wenn sich jemand ein Brötchen schmiert, oder eine Pizza bestellt.
Auch diese Menschen gibt es, die den eigenen Lebensentwurf als Maßstab nehmen und  bewerten, wie sich das Umfeld so schlägt – das ist anmaßend. Kleinkariert und wenig produktiv.
Für mich persönlich hat sich aber tatsächlich gezeigt, dass ich bei Menschen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen etwas außerhalb dessen stehen, was man wohl allgemeinhin als Mainstream in all seinen Sinus-Milieu-Ausprägungen versteht, öfter auf ein ungetrübtes Interesse und auch auf Verständnis stoße. Und was ich ebenfalls denke ist, dass es traurig ist, dass der sich durchziehende, kommerzialisierte Individualismus in unserer Gesellschaft die Leute so gefangen nimmt und beschäftigt hält, dass dort, wo ein leise nagendes Gefühl spricht und den zarten Wunsch äußert, vielleicht etwas ändern zu wollen, dieser Wunsch oftmals betäubt wird durch die Sorgen, Ansprüche und Bedürfnisse, die einem der Lebensstil so aufzwängt. Und wenn man dann auf Menschen trifft, die etwas anders machen, kann dies eine Inspiration sein. Aber wenn die Angst vor Veränderungen zu groß, oder die Bequemlichkeit zu bequem ist, dann ist die Konfrontation mit anderen Lebensentwürfen ein Moment, indem man sich vielleicht selbst in Frage gestellt fühlt. Wobei man selber es ist, der sich dort in Frage stellt und kritisiert und dann beißt man zu, wo man vielleicht etwas hätte gewinnen können. Das ist nur allzu menschlich und nicht in diese Fallen zu tappen, erfordert eine Wachsamkeit den eigenen Gespenstern gegenüber und dem Mut, sich diese einmal ganz genau anzuschauen.

Oftmals sind es gar nicht die anderen, die uns enttäuschen, das sind wir nur zu oft selber, mit unseren Paketen an Erwartungen und Unsicherheiten. Das ist schade. Aber es kann einem helfen zu verstehen oder auch zu handeln, wenn man selber mit dieser Abwehr konfrontiert wird. Wir sind nicht verantwortlich für die Gedanken der anderen und dürfen dafür auch nicht bestraft werden. Kompliziert, diese Menschen. Merke ich tatsächlich immer öfter. Aber schön, dass so vieles möglich ist und man für sich immer wieder neue wundervolle menschliche Entdeckungen machen darf. Denn das ist nie schwarz und weiß, dazwischen ist ganz viel schönes unterschiedliches Grau. Gerne mit einer Note Flieder oder Blau.

Und wenn man sich manchmal mit sich oder der Welt versöhnen muss, dann ist ein Küchenabenteuer manchmal die perfekte Geste.

Haselnuss-Espresso-Makronen mit Schokocreme
Diese kleinen Dinger sind so unverschämt, dass ich sie tatsächlich eher als Dessert sehen, denn als Gebäck.

200 Gramm gemahlene, geröstete Haselnüsse
150 Gramm gehackte, geröstete Haselnüsse (einfach Haselnüsse im Ofen rösten und mit dem Pürierstab etwas zerkleinern)
3 Eiweiß
1 Tässchen starker Espresso
5-6 Esslöffel Xucker
50 Gramm möglichst bittere Schokolade (85% und mehr)
Ca. 40 Gramm Butter
Salz
Vanille

  • Denn Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schön steif schlagen. Während des Schlagens, nach und nach den Xucker einrieseln lassen. Die Masse ist dann am Ende schön weiß glänzend und fest.
  • Nun die Haselnüsse, 5 Esslöffel Espresso und einen Teelöffel Vanille vorsichtig unterziehen bis eine luftige, gleichmäßige, kompakte Nuss-Masse entsteht, je fester sie ist, desto weniger zerläuft sie im Ofen
  • Die Masse mit Löffeln zu Häufchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und auf der mittleren Schiene ca. 20 Minuten backen. Sie sollen nicht zu dunkel werden aber dürfen auch nicht zu weich sein.
  • Das Backpapier mit den Makronen vorsichtig auf einen Tisch ziehen und dort auskühlen lassen.
  • Während die Makronen backen, die Schokolade mit der Butter und drei Esslöffeln Espresso im Wasserbad schmelzen und gründlich vermengen.
  • Die Schokoladenmasse nun für ca. 40 Minuten in den Kühlschrank geben, bis sie sich gut in einen Spritzbeutel geben lässt.
  • Auf jede Makronen etwas Schokocreme geben und dann die Plätzchen ruhig noch einmal in den Kühlschrank stellen um die Creme auszuhärten.

Kaffee-Nougat lecker.

Guten Appetit!

Alternde Fräuleinwunder und (m)ein Rezept für Zufriedenheit

AltwerdenSo schnell geht ein Wochenende um, wenn es mit liebenswertem Besuch und guten Gesprächen gefüllt ist. Und ganz plötzlich wird einem wieder bewusst, was sich alles verändert hat innerhalb eines Jahres und wie gut es ist, wenn Beziehungen, das Netz an Kontakten, mitwächst und Bewegungen aushält. Das ist ja nicht selbstverständlich. Oft steht man Menschen nahe, fühlt sich eng und verbunden und stellt dann fest, dass diese Nähe vielleicht sogar lähmt oder eben zu keiner Seite hin eine Entwicklung zulässt. Das gehört dazu. Ein Abnabeln nicht nur von den Eltern, sondern mitunter auch von anderen Menschen im Leben.
Schöner ist es, wenn es anders ist. Oder wenn man die Chance einer Wiederentdeckung bekommt. Wenn da vielleicht ein Moment, ein Abschnitt der Zurückgezogenheit war, die Wege in unterschiedliche Richtungen liefen und man sich dann wieder begegnet und feststellt, dass man in eine ähnliche Richtung blickt.

Dank intensiver Medienberichterstattung über deutsche Fräuleinwunder-Exportschlager hat mein Hinterkopf während des Besuches angestrengt über das Alter nachgedacht. Ob es wirklich so ein Schreckgespenst ist, wie einem eine Halloween-Verkleidung vielleicht sagen will.
Und dabei fragte sich der Kopf vor allem, wie es sich wohl anfühlen wird, das Älterwerden? Und wann werde ich anfangen es zu fühlen? Wo stehe ich selber eigentlich gerade auf dieser Zeitschiene, die immerzu bemüht wird, um uns zu verorten.

Und  plötzlich dämmerte mir etwas: Erwachsen fühlte sich das an dieses Wochenende. Echt, ungekünstelt und da sich niemand produzieren musste, sondern echtes Interesse die Gespräche prägte, war es sehr inspirierend. Und so konnte Neues entstehen, das nicht in die langen Berliner Nächte gepasst hat, aber sich gut einfügt zwischen Waldwegen und Esstisch.

Und dann fühlt sich Erwachsensein anscheinend richtig gut an. Nun könnte man meinen, dass man mit über Mitte Dreißig ja mal bitte das Erwachsenwerden längst hingekriegt haben sollte, aber so ist das eben nicht. Es wäre furchtbar, wenn ich jetzt schon fertig wäre… Wo bliebe dann die Neugier auf die kommenden Jahre? Ich weiß nicht, was da alles kommt, wo ich in ein, zwei, drei,…zehn Jahren bin… Und das gefällt mir. Intensive Gespräche, wie die des Wochenendes, führen mir dann auch noch einmal vor Augen, dass ich und viele andere meiner Generation den Begriff Reife allzu leichtfertig negativ besetzt haben. Schön ist er, der Punkt, an dem man nicht mehr beweisen muss, dass man die ganze Nacht durchhält, an dem es ok ist, die Runde aufzulösen, wenn alle in zufriedenes, müdes Schweigen verfallen. Der Punkt, an dem man ganz selbstbewusst sagen kann, ich brauche bestimmte Dinge nicht mehr, will sie für mich so nicht mehr. Das macht die Erfahrungen der Vergangenheit nicht klein, es ordnet sie nur eben genau dort ein, wo sie hingehören, in der Vergangenheit. Ich muss und will mit Mitte Dreißig nicht mehr leben wie mit Mitte Zwanzig und ich muss auch nicht mehr reden, mich benehmen und mich kleiden wie das frühere Ich, das ich nicht mehr bin.

Und wenn man einmal innehält und so einen Moment der Veränderungen feststellt und ihn ohne Verlustangst hinnehmen kann und sieht, wie gut und wichtig es ist, dass sich die Dinge ebenso ändern wie die Menschen, dann macht auch der Blick in die ferne Zukunft neugierig und großen Spaß.

Er bereitet mir Vergnügen, aber ich frage mich dann auch, ob mein positiver Blick in die eigene, private Zukunft verknüpft werden kann mit einem eher skeptischen Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, die unseren zukünftigen Lebensraum mit prägen werden.

Wie kann denn eine Gesellschaft reifen und älter werden und im Alter wachsen und dadurch einen positiv besetzten Raum für die begründen, die nachkommen, wenn die erwachsenen, mündigen Geister der Stunde gesteuert sind von falschen Bildern? Das Heil im Konsum suchen, einer in allen Bereichen des Lebens angesiedelten Industriekrake Einflussnahme und Zuständigkeit einräumen und in ein Problem verkehren, was der natürlichste aller Prozesse ist: das Altern.

Wir sind endlich. Wir gehen und machen den Weg frei. In anderen Zeiten und anderen Kulturen gingen wir mit unseren Überresten in einen Kreislauf über, der neues Leben aus der Vergänglichkeit schuf. Heute muss man im Alter Best Ager sein.  Bekommt ein auf das Alter zugeschnittenes Angebot an Dienstleistungen und Produkten um die Ohren gehauen, das noch einmal die  ganze Klaviatur der Marketingmaschine abspielt, um abzugreifen, was geht, bevor die Finger vielleicht zu schwach werden zum Geld ausgeben.

Sicher, bis dahin ist es noch ein Stückchen Weg, aber man sieht am Rande schon welche Bilder uns in der  Zukunft aufgedrängt werden. Haben wir clever gespart? Können wir unsere Immobilie, unsere Enkelkinder, unser erfülltes Leben vorweisen? Eigentlich funktioniert das alles immer ganz einfach und ganz gleich mit dem Marketing: Identifiziere Deine Zielgruppe und dann locke sie mit dem, was intellektuell und im Bereich des Konsums genau einen Schritt außerhalb ihres Lebensrahmens liegt. Der Antrieb mehr sein zu wollen, aufzusteigen, treibt uns an. Denn es gibt ein Oben und ein Unten. Und egal wie intelligent und reflektiert wir auf die Welt um uns blicken, einen Trigger hat jeder von uns und der wird auch gedrückt, die Frage ist nur, ob man sich nicht lieber vorher bewusst machen will, dass es ihn gibt, oder man sich einfangen lassen will von Bildern und Versprechungen.

Und so wird der bekanntlich wachsende, älter werdende Teil der Bevölkerung, als Zielgruppe vermessen und mit Angeboten überhäuft, während in der nachfolgenden Generation das Alter noch in die Ferne gerückt und an der Jugend festgehalten wird. Man hat fast keine Entschuldigung mehr heutzutage mit 40 nicht auszusehen wie mit 30. Alles möglich. Und während man noch abwehrt und mit Dreißig nach außen hin verlacht, was einem die Kosmetikindustrie an Makeln aufzeigt (denn wofür bräuchte man all die Lösungen, wenn da nicht Fehler wären…), wird der Blick im Lauf der Jahre kritischer, hört das halbe Ohr vielleicht doch auf die Versprechungen und wünscht sich den Blick strahlender und den Teint frischer… Und zack, hat sie einen, die Mühle. Und statt anzunehmen, was unweigerlich passiert, wird das Ich wieder vor einen Zerrspiegel gestellt.

Sicher, wenn der eigene Körper dann nicht mehr alles mit der Kraft bewerkstelligt, die man jahrelang gewöhnt war, dann ist das ein Einschnitt. Aber sollte man sich nicht erst mal dafür in den Arm nehmen, dass man es bis dorthin geschafft hat, die Schritte als Siege und nicht als Niederlagen und die vergangenen Jahre als Gewinn an Erfahrung und nicht als Verlust an Jugend zu sehen?

Das ist meine, vielleicht naive Sicht, mein Wunsch an mich, meine , wie ich mir ein gesundes Älterwerden in Balance vorstelle.
Dazu gehört auch, mir heute schon darüber bewusst zu sein, dass ich älter werde, ohne mich ängstigen zu lassen.
Ich habe tatsächlich Alters-Kitsch-Fantasien, in denen ich irgendwo im ländlichen Raum gemeinsam mit dem besonderen Menschen mit dem Rollator zu einer Bank in der Herbstsonne schlurfe, ganz langsam, die Eile braucht man nicht mehr und mit einer erfüllenden Zufriedenheit. Einer Zufriedenheit, für die ich jetzt den Grundstein lege.
Dieses Bild lässt mich innerlich grinsen und was ich für seine Verwirklichung tun kann, werde ich tun. Und dazu gehört eben auch, das Jetzt zu genießen, nicht das „Wenn ich…-Dann“. Denn das rückt immer weiter in die Ferne, je länger ich warte, mein reiferes Ich ans Licht zu holen.

Dieses neue Ich, das fühlt sich nicht spießig an, sondern wunderbar befreiend.

Ich habe lange Jahre nie so ganz verstanden, ab wann man sich denn nun richtig erwachsen fühlen soll und wie das überhaupt aussieht. Dieses Wochenende bin ich dem quasi im Spaziergang ein ganzes Stück näher gekommen. Es sieht noch genauso aus wie früher, aber es fühlt sich ganz schön gut an.

Formloser Suppenkasper-Wochenstart – Steck(rüben)-Brief und die passende Curry-Apfel-Kokos-Suppe

Steckrüben Low CarbFussballgröße. Dem entspricht das Steckrübenmonster, das neben kleineren Vertretern gerade unsere Vorratskammer bewohnt und sich bei jedem Türöffnen in den Mittelpunkt schiebt. Ich gebe zu, dass ich beim letzten Marktbesuch einem kleinen Steckrüben-Kaufrausch erlegen bin. Und nun wälze ich bereits  eifrig Ideen, was so alles möglich ist mit dieser Neuentdeckung.

Nun ist mir ja auch ein Steckrübenwinter erspart geblieben, aber unsere Großelterngeneration muss, steckrübengepeinigt, unsere Eltern dahingehend beeinflusst haben, dass Steckrüben in den meisten Haushalten  vom Teller verschwunden sind (so wird man auch kulinarisch von der Geschichte beeinflusst).
Stattdessen erfreute sich der feinwürzige, süßlich scharfe  Schwedenimport  die letzten Jahrzehnte großer Beliebtheit im Schweinetrog. Nun sei den leckeren Tierchen nur feinste und  gesündeste Nahrung gegönnt, aber es ist auch mehr als verdient, dass die Steckrübe den Weg zurück in den Einkaufskorb findet. Das sich da noch was tun muss, wurde mir klar, als ich auf dem Markt nur zwei Stände mit Steckrüben fand. Und die hatten jeweils nur wenige Exemplare. Da musste ich also notgedrungen zuschlagen.  Und jetzt werden die Zubereitungsmöglichkeiten variiert, denn dieses unscheinbare Gemüse begleitet uns durch den ganzen Winter, erntefrisch bis etwa Dezember und danach als Lagerware. Wunderbar.

Vielleicht ist sie nun nicht das schönste Element in den Gemüseinstallationen, die manche Leute gerne in ihren sorgsam arrangierten Küchen zaubern. So, als käme gleich Schöner Wohnen vorbei, aber da der Trend allerorten ins Nachhaltige, Regionale geht, wird das unscheinbar gelb-violette Knollen-Getüm sicher auch auf der ein oder anderen sorgsam behandelt-unbehandelten Holzarbeitsplatte oder dem entsprechenden Tisch dekorativ inszeniert.  Gemüse sieht oftmals ganz wunderschön aus, ich tue mich nur immer schwer, wenn man Lebensräumen die Inszenierung zu sehr ansieht. So, wie die ausgewählten Kunstmagazine unter dem Couch-Tisch (darf man den überhaupt noch Couch sagen?), die inszenierte Nachlässigkeit oder Zufälligkeit, die doch eben immer das bleibt: inszeniert.
Schön finde ich tatsächliche Zufälligkeiten, wenn Dinge einfach einen Platz finden, dadurch dass sie genutzt werden, aber eben keine Obstkörbe, die nach ästhetischen Gesichtspunkten zusammengestellt wurden. Die unterschwellige Botschaft, die da immer mitschwingt: Schau mich an und lobe mich!  Nicht immer aber eben auch. Und oftmals ist dass eben auch ein vor sich hertragen, quasi die gelebte, belebte Verlängerung des Outfits aus der Öffentlichkeit ins Private. Und dank diverser, von uns allen bespielter Kanäle, ist dieses Private eben nicht mehr richtig privat, sondern wird für mehr Augen als nur die eigenen hergerichtet. Das heißt nicht, dass ich generell gegen schöne Dinge im Wohnumfeld bin. Nein. Ich mag auch, dass es bei uns schön ist. Aber ich denke, dass in unserer Gesellschaft, das es schön haben zu eng verbunden ist mit dem, es fehlt noch was zum ganzen Glück und somit der Konsum den Stil beherrscht.  Nein, nein, mag mancher sagen, das ist halt alles ein Prozess, im Fluss und verändert sich. Ja, aber kann es denn nicht auch schön sein so, wie es ist? Und man wertschätzt mehr, was einen umgibt, statt weiter zu suchen, zu kaufen und nie richtig glücklich zu sein. Das treffen wir doch überall an: im Job, im Kleiderschrank, im Wohnzimmer, bei der Küchenausrüstung – immer ist da noch das eine Stück, das es perfekt machen würde. Aber dann geht es von vorne los. OK, ich seh es ein, dann sich lieber mit Gemüse-Arrangements austoben.
Wie kam ich eigentlich darauf? Ach ja, weil ich unglaublich viele amerikanische Paleo-Koch-Blogs durchstöbere und da sind die Fotos natürlich ansprechend in Szene gesetzt, aber viele der gezeigten Küchen strahlen eine solche unbelebte Stimmung aus. Unbeseelt. Egal. Das ist es der Steckrübe auch, was zählt ist, sie wird wieder gegessen.

Und da wir uns ja wieder darauf besinnen, was so in heimischen Gefilden wächst, übers Jahr,  wird sie uns nun wieder schmackhaft gemacht. Immer auch gerne mit dem Verweis, dass junge Sterneköche sie auch nutzen. Aha, das sind dann so die Informationen, die Leute brauchen, die sich rückversichern müssen, dass das cool ist was sie tun und so etwas wird dann gerne im Nebensatz angebracht, vor den Gästen, damit die nur ja richtig loben. Und dabei noch wie nebenbei an der geschnitzten Rübenvase gezupft oder das Herbstlaub auf dem Tisch zurecht gepflückt – ein Traum.

Aber mit Dekofragen halte ich mich hier nicht auf. Wer Steckrüben findet, sollte sie unbedingt einmal kaufen und probieren, was ihm schmeckt. Der wunderbare Nebeneffekt ist, dass Steckrüben kaum Kohlenhydrate haben, dafür Vitamin C und Kalium und und und…

Steckrüben-Kokos-Curry-Suppe, mit Apfel und Forellen mit Speck
Das klingt viel? Nein. Es geht schnell und schmeckt fantastisch.

Ca. 1,3 kg Steckrübe (je nach Menge mit den Flüssigkeiten variieren)
3 mittlere Zwiebeln
1 mittlerer Apfel (Boskoop  passt gut)
500 ml Rinderbrühe
500 ml Kokosmilch
50 Gramm Speckwürfel oder Streifen
50 Gramm geräucherte Forelle
4 Esslöffel Curry
3 Esslöffel Senfkörner
1 kleine , scharfe getrocknete Chilischote
Salz
Pfeffer
Kokosöl

  • Die Zwiebeln, schälen, schneiden und in Kokosöl glasig andünsten.
  • Die Steckrübe schälen und in gleichmäßige Würfel schneiden, dann zu den Zwiebeln geben.
  • Das Curry, die Senfkörner, und die gehackte Chilischote dazu geben und alles schön andünsten. Ruhig großzügig mit dem Curry. Es schmeckt! Ich nehme eine milde Curry-Mischung und habe deshalb eine sehr scharfe Chilischote ergänzt. Wer es milder mag, lässt diese weg oder nimmt ein schärferes Curry-Pulver.
  • Den Apfel entkernen und dazu geben. (Ruhig mit Schale, wird alle püriert)
  • Nun die Brühe und die Kokosmilch dazu geben und alles ca. 30 Minuten kochen, bis die Steckrüben weich genug um püriert zu werden.
  • Alles schön glatt pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Konsistenz muss jeder für sich abwägen, ich mag es tatsächlich gerne  fester und kompakter, wer es flüssiger haben will, gießt Brühe oder Wasser nach.
  • Denn Speck knusprig anbraten und mit der geräucherten Forelle vermischen. Vor dem Servieren als Einlage auf die Suppenteller verteilen.

Sehr Herbst und macht schön warm.

Guten Appetit!

Boulevard-Fitness, neue alte Körper und Curry-Speck-Bomben

Paleo, Essen und trainieren mit MadonnaMein Trizeps schmerzt. Aber wunderbarerweise weiß ich nun, dass auch ich einen Trizeps besitze. Und der wurde gestern mal wieder gequält, so wie der Rest meines Körpers. Ein großes Vergnügen, wenn ich denn erst einmal den wöchentlichen Schritt ins Sportstudio geschafft habe (das klappt seit über einem halben Jahr konsequent, aber immer dieser Kampf, obwohl ich weiß wie gut ich mich danach fühle). Nun war er also getan, der Schritt und meine Nase wollte gerne wieder raus in den Herbstregen. Irgendwie hängt auch Fitnessstudios oft eine Note an wie früher zu engen Turnhallen-Umkleidekabinen. Bleibt wohl nicht aus, wenn man die Leute so kämpfen sieht. Aber die Leute blende ich meistens aus. Ebenso wie die Musik, was mir schwer fällt, denn mit einer Penetranz wird man mit dem Schlechtesten beschallt, was das deutsche Radio zu bieten hat. Da ich solches nicht höre, bleibt der unbestätigte Verdacht, dass es ganz furchtbar viele dieser Sender da draußen gibt, die als Einstellungskriterium für Moderatoren die penetrante gute Laune und die hoch gepitchte Stimme noch vor die Fähigkeit des unablässigen Sinnlos-Gelabers stellen. Ich bin nicht die Zielgruppe und will auch gar nicht behaupten, dass früher alles besser war, aber das, was Sender wie big FM  ihrer jungen Zuhörerschaft den Tag über um die Ohren hauen, ist erschreckend. Und wenn mich jemand fragt, ob ich finde, dass Musik dumm machen kann, würde ich nach einer Stunde im Sportstudio sofort sagen: ja! Das ist Musik, die absolut widerspiegelt, was wir auch auf allen anderen Ebenen erleben: seicht, schnell austauschbar, schnell konsumiert, betäubend und mit falschen Bildern überfrachtet.
Ich mag Sport in der Stille. Aber das ist irgendwie nicht mehr so drin. Auch Jogger sieht man nicht mehr ohne Knöpfe im Ohr. Am besten mit Smartphone, dann kann man noch ein Sport-Selfie mitnehmen. Warum? Und dann noch sagen, man bekäme beim Laufen den Kopf so gut frei? Nö. Nicht wenn er dabei permanent beschallt wird und auch noch überlegen muss, was ein guter Foto-Spot wäre. Was wäre dann mal mit Laufen ohne alles? Nur Laufen und Kopf frei. Ich erinnere mich, dass mein Vater einen alten Fotoband von Fred Rohe aus den 70ern im Regal stehen hatte: The Zen of Running.  Da beseelte noch ein anderer Geist die Schritte. Keine unterstützende App, keine Suche nach den neuesten Nike Running Modellen… Aber ich schweife ab. Die Musik im Sportstudio ist ein Sch… Und ich empfinde sie als eine ähnliche Betäubung der Massen, wie das nachmittägliche Fernsehprogramm und diverse Webformate. Und es geht mir nicht darum zu beweisen, dass ich einen total anspruchsvollen, avantgardistischen, geschmackssicheren Musikgeschmack habe. Nö. Am allerliebsten sind mir tatsächlich Ruhe, Katzenschnurren und leisere Klänge. Und die aktuellen Klänge des Industrie-Mainstreams ängstigen mich. Auch und vor allem wegen der Maschinerie, die dahintersteht.

An Musik musste ich beim Sport auch denken, weil ich irgendwo auf ein ganz entsetzliches Bild von Madonna gestoßen bin. Heldin meiner frühen Jugend und das erste selbstgekaufte Album. Das Like a Prayer Album.
Heute mag man der Frau, die so gefangen scheint in einer Sportsucht und an einem recht bizarren Erscheinungsbild arbeitet, kaum mehr ins das maskengleiche Gesicht schauen. Im Text zum Bild stand, dass Madonna ein Fitnessstudio in Berlin eröffnet hat. Und dass man dort beim Trainieren überall Madonna-Bildnisse im Blick hat, ordentlich bildbearbeitet natürlich. Hätte ich keinen Bock drauf. Ich will mit 50 nicht aussehen wie Madonna. Ich will in Würde älter werden. Mit Respekt mir selbst gegenüber und nicht getrieben von  Werbeversprechen und Schönheitswahn. Das kann nur schief gehen, raubt kostbare Energien und lässt einen unbefriedigt zurück.
Und auch die Fotos von photogeshoppten Hintern, die bei uns im Fitnessstudio gerade als Werbeplakate hängen, nerven, ärgern mich. Zum einen hätte so einen Hintern nur ein geschätzt elfjähriges Mädchen und dann wäre die Pose mehr als fragwürdig und er ist so unglaublich bearbeitet, dass ich mich einmal mehr frage, für wie dumm wir uns eigentlich noch verkaufen lassen wollen. Frauen wird hier ein unerreichbares Ziel vor die Nase gehängt und die herrschende Unsicherheit dem eignen Körper gegenüber wird weiter befeuert, damit dann los rennt und sich wieder etwas kauft um ins Gleichgewicht und der Wunschfigur ein Stück näher zu kommen. Bei den Jungs und Männern wird der Porno-Ästhetik-Knopf gedrückt.

Übrigens habe ich das Gefühl, dass sich viele in der wild pubertierenden Schüler-Generation nicht nur gleich kleiden. Nein, sie trainieren sich auch ähnliche Körper an. Arme Jungs, die bloß nicht auffallen wollen. Und dasselbe bei den Mädels. Und nicht erst sei heute. Vor zwei Jahren saß ich im Sommer mit Freunden zusammen und wir sprachen über das Badeschiff in Berlin. Schon eine Besonderheit, aber an langen heißen Tagen zu klein, zu eng, zu voll und zu sehr Schaulaufen.
Ein Bekannter meinte in dem Gespräch, dass er auch das Gefühl habe auf zunehmend genormte Körper zu schauen, wenn er an solchen Orten ist. Viele Menschen würden sich wahrscheinlich gerne alles Natürliche, sprich Unangepasste, Individuelle, zu Gunsten einer gesellschaftlich akzeptierten Künstlichkeit abtrainieren und umgestalten.  Ich habe mit Erstaunen gelernt, dass man sich die Wimpern auf Zeit verlängern lassen kann. Für die perfekten Nägel gibt es künstliche Nägel, BHs, Kissen oder Implantate für den Busen oder Po. Shape Wear für das heiße neue Kleid, wenn man beim Sport faul war.  Extensions, wenn die Haare zu langsam wachsen, falsche Bräune eh… und und und…Ich komme mir ja fast schon schlecht vor, dass mein Maximum zur Zeit Mascara heißt. Da darf man sich ja kaum unter Leute trauen.
Ne, quatsch. Darf man und muss man. Ich hätte mich nur nie auf dieser Seite gewähnt und war lange, zu lange, anfällig für allerlei Versprechen. Und wenn man gerade dabei ist mit dem Großwerden klarzukommen, ist es nochmal schwerer, klar.
Aber es müsste nicht so sein. Damit kommen wir nicht auf die Welt, mit diesen Bildern. Aber wir kriegen es vom ersten Moment an rein gedrückt.
Wahr bleibt aber auch, dass man Ausstrahlung nicht kaufen und nicht erzwingen kann. Diese Kleinigkeiten, die gerade auch im Individuellen liegen, die den Charme eines Menschen ausmachen. Sein Aussehen viel mehr bestimmen, als jedes Paar Schuhe und jede neue Tasche oder oder oder…Wenn man sich das nun aber mühsam abtrainiert und es begräbt…  Dann bleibt nicht viel. Nicht viel was Interesse weckt. Aber vielleicht bekommt die Gesellschaft dann im Endeffekt endlich die austauschbaren, leicht konsumierbaren Konsumenten, die sie sich wünscht.

Und wenn man aufmerksam bleibt und das Sportstudio nicht zu einem weiteren Kampfplatz im Krieg mit dem Selbst macht, ist das durchaus ein Ort wo viele dieser Themen sichtbar werden. Wenn man hinschauen will.

Und abgesehen davon, dass immer mehr meiner Muskeln sich angenehm schmerzhaft an den gestrigen Tag erinnern, gab es auch was zu essen. Mit ganz viel Curry. Denn bei den Gewürzen finde ich, sollte man mitunter durchaus maßlos sein. Und schnell ging es auch. Für müde, zufriedene Menschen, die alles mögen, was ohne viel Aufwand in eine Form oder einen Topf passt.

Curry-Hackfleisch-Speck-Bällchen mit Süßkartoffeln aus dem Offen

250 Gramm Hackfleisch (ich mag am liebsten reines Rinderhack, hier war es gemischt)
1 Zwiebel
11 Streifen Speck (entsprechend der Anzahl der Bällchen)
2 mittel-kleine Süßkartoffeln
Olivenöl
Curry
1 scharfe Chilischote
Salz
Pfeffer
gemahlenen Ingwer

  • Die Zwiebel schälen und fein würfeln.
  • Das Hackfleisch mit großzügig (hier waren es drei große Löffel) Curry, den Zwiebeln, etwas Salz und Pfeffer verkneten.
  • 11 kleine feste Bällchen formen und diese in jeweils in einen Streifen Speck rollen.
  • Die Süßkartoffel schälen und in gleichmäßige Scheiben schneiden. IN einer Schüssel mit 1 Teelöffel Curry, der gehackten Chilischote, einem halben Teelöffel gemahlenen Inwger und etwas Salz sowie dem Öl vermischen.
  • Nun die Hackbällchen und die Süßkartoffeln in eine Form geben.
  • Bei 200 Grad um die 25 Minuten in den Ofen, bis der Speck kross und die Süßkartoffeln weich sind.

Dazu passt einmal mehr Chutney, ein Klacks Butter oder ein Löffel Jogurt, wer Joghurt verträgt.

Guten Appetit!

Mode macht mich oftmals sauer und Quitten-Chutney wohlig

Paleo Quitten-ChutneySo. Es ist also wieder ein aktueller Übeltäter der Stunde gefunden. Das ZDF hat in einer dramatisch investigativ vertonten Reportage mit dem Titel „Mode zum Wegwerfen“ das Kleidungsmonster Primark unter die Lupe genommen. Und zack regen sich alle auf und haben sich vorher nie gefragt, wie man T-Shirts für drei Euro verkaufen kann? Das wäre allerdings traurig.  Wer den Billiganbieter von Mainstreet Trends noch nicht kennt, wird langfristig nicht verschont bleiben: Eine wachsende Zahl an Immobilien in städtischer Bestlage sorgt dafür, dass Horden von nicht nur Teenager-Mädchen mit abstrus vollen und vielen braunen Papiertüten durch die Innenstädte ziehen. Den beseelten Glanz eines Einkaufsmarathons in den Augen.

Das ist das Geheimnis von Primark: Noch ein bisschen weiter runter in der Qualität und dann auch noch ein bisschen weiter runter im Preis. Gleichzeitig Neuerungen im Sortiment im Wochentakt. Da werden Trends noch schneller umgesetzt als bei den bisherigen bekannten Ketten, die  quasi vom Laufsteg der vermeintlich Kreativen, Großen weg fotografieren und in Produktion gehen.

Machen wir uns doch aber nichts vor, die Produktionsstätten sind dieselben wie auch bei den anderen Textilriesen und wenn nun Abkommen unterzeichnet werden , die bessere Arbeitsbedingungen schaffen sollen, entsprechen diese immer noch nicht dem Standard, den wir kennen und so lange, ganz ehrlich, bleibt es meiner Meinung nach Ausbeutung. Erkaufen wir uns etwas auf Kosten anderer. Und man ist ja auch nicht dumm in der Textilbranche, da sitzen ja keine  designverliebten Schöngeister in den Managementetagen, sondern knallharte Geschäftsleute, für die der Stoff ihrer Träume aus schwarzen steigenden Zahlen besteht. Schlimmer ist noch, dass die Marken so mit ihrem jeweiligen Image überfrachtet werden, dass sie eher wie individuelle Charaktere wahrgenommen werden, was ihnen quasi menschliche Empfindungen und Attribute  zugeschreibt, so dass die harten Fakten dabei nur zu gerne wieder in Vergessenheit geraten.

Bis wieder etwas passiert und wieder ein Konzern in die Kritik gerät. Und wird ein Produktionsstandort zu teuer und die Auflagen zu restriktiv (nach Auffassung der Konzerne), zieht man eben weiter. Der Westen hält dank demokratischer Interventionen immer genügend strukturschwache Staaten an der kurzen Subventionierungsleine, dass dort weiter gemacht werden kann. Und ja, das hängt eben alles zusammen. Und wir tragen dazu bei mit unserem Konsumverhalten.

Und das macht mich wütend, denn die vermeintlichen Glückskäufe, die wir so früh lernen und verinnerlichen, kriegt man schwer wieder raus.

Ich gebe es mit schlechtem Gewissen zu, dass auch ich bei Primark an der Kasse stand, das war 2009 in London und so abgestoßen ich von der Größe und dem herrschenden Einkaufswahnsinn in dem Laden war, so sehr entsprachen die Preise meinem armen London-gebeuteltem Volontärinnen-Geldbeutel. Nun ertrage ich solche Geschäfte nicht mehr und lasse es einfach. Zumal der niedrige Preis zu einem völlig unbewussten Konsum verführt. Ebenso bedenkenlos wird schnell wieder aussortiert und weggeschmissen. Und wohin mit den Tonnen chemiegetränkten Textilmülls? Das ist auch was ich denke, wenn im Wandel der Jahreszeiten die Mode-Blogs überquellen mit Bildern von den kommenden Kollektionen. Finger weg von diesen besonderen Stücken, das mag die Neon-Jeans, oder die Schößchen-Bluse, oder das total untypische Muster sein – wenn es keine guten Freunde findet, die schon lange in Deinem Schrank leben, ist es ein Fehlkauf, etwas was Dir eingeflüstert wurde, dass Du es brauchst, aber es ist nicht Dein Stil. Und ein fair produzierter Pulli wiegt nicht alle Einkäufe bei großen Ketten auf. Es ist ein guter Ansatz, aber auch hier sollte man sich immer fragen, was man sich da gerade kauft und warum. Es ist verdammt schwer. Ich persönlich bin, wie schon einmal erwähnt ,momentan in einer seltsamen Konsum-Unlust-Phase. Bzw. ich will Kaufentscheidungen tätigen, ohne dabei irgendwelchen Einflüssen ausgesetzt zu sein, denn dass bin ich auch, wenn ich teure, faire Seidenhemdchen aus dem Öko-Fair-Wohlfühl-Loha-Katalog bestelle, die geben mir nur ein besseres Gefühl.

Und auch wenn bestimmte Medien einen Weg des kritischeren Konsumverhaltens propagieren, Leute sich monatelang ein Kaufverbot auferlegen (so gelesen auf diversen Blogs) und dann stolz darüber berichten (und dann weiter zu viel konsumieren) und es von Ratgebern für ein simples Leben nur so wimmelt, dann mag ich die Menschen manchmal nicht mehr ernstnehmen. Nicht, weil ich mich für besser oder weiser halte. Oh nein, ich merke ja auch, wo so ein Fallstrick verfängt. Aber, weil mir die Scheinheiligkeit manches Mal zum Halse raushängt. Klingt das zu hart? Ich nehme es oftmals so war und bin auch selbstkritisch genug, entsprechende Fehler bei mir selbst zu sehen und mit mir ins Gericht zu gehen. Aber die Reflexionsebene scheint zu verkümmern in unserer Gesellschaft, bzw. wird durch eine antrainierte oberflächliche ersetzt, die nicht dahin schaut wo es weh tut, sondern milde kritisiert und uns bequeme andere Wege aufzeigt.

So wird sich nichts ändern. Und manch fehl geleiteter Mensch denkt nach einer Reportage wie der oben genannten vielleicht, es wäre damit legitimer wieder bei anderen Ketten zu kaufen. Die  gezeigte Investigativ-Reporterin war zum großen Teil auch perfekt auf der Höhe diverser Trends gekleidet, ich hoffe die Bilder haben auch bei ihr bewirkt umzudenken.

Und ja, das ist ein Thema, das mich wütend macht, weil es jeden von uns persönlich betrifft und es erschreckend ist zu merken, an wie vielen Stellen wir unbewusst konsumieren um uns etwas glücklicher zu machen oder vermeintlich etwas brauchen (wir haben ja nichts). Das wird deutlich, wenn man sich mal etwas zurückzieht und diese Mechanismen überdenkt. Und das ist nicht nur schön und man findet schnell Ausreden, warum dann doch, denn man möchte ja nicht vor sich selber schlecht da stehen. Aber wenn man in diese Richtung geht, befreit es auch ungemein. Und es macht einen ein ganze Stück unabhängiger von Meinungen und Bildern anderer, die man aufgedrückt bekommt und bringt einen im besten Falle dahin zu sehen, was man wirklich möchte. Und das ist vielleicht gar kein Teil für den Kleiderschrank oder die Wohnung.

So. Und noch was Saures, wenn auch scharf und süß  – Chutney.

Quitten-Chutney

Ca. 4 Kilo Quitten
1 knappes Kilo Boskoop Äpfel
600 Gramm rote Zwiebeln
300 Gramm Xucker
350 ml Apfelessig
1 großes Stück Ingwer (ca. 8 cm)
4 Lorbeerblätter
6-8 Lorbeeren
6 Nelken
5-6 Esslöffel Senfkörner
3 kleine, richtig scharfe Chilischoten
Gläser mit Schraubdeckel

  • Die Birnen schälen und klein schneiden.
  • Zwiebeln, Ingwer schälen und fein hacken, ebenso die Chilis.
  • Den Xucker in einem Topf mit etwas Fett schmelzen, dann Zwiebeln, Chilis und Ingwer darin karamellisieren.
  • Alle anderen Gewürze dazu geben. Dann die Quitten, die Äpfel und den Essig, erst einmal 300 ml und dann noch einmal nach 10 Minuten abschmecken und entsprechend mit etwas Xucker oder Essig nachwürzen.
  • Alles 30-40 Minuten köcheln lassen, bis im Mus noch Stücke erkennbar sind.
  • Die Gläser und Deckel auskochen, abtrocknen und bis einen Fingerbreit unter dem Rand füllen. Denn  Rand mit einem Tuch säubern, die Deckel festschrauben und die Gläser auf den Kopf 10 Minuten abkühlen lassen, dann umdrehen.

Und das passt zu Fleisch,Wurst, Käse,  Speck, Schokoladenkuchen, Omelette oder ein Löffel in der Brühe!

Guten Appetit!

Herrlich unspektakulär und die vielen Rezepte der Buchmesse

Paleo lebenWandern, Lesen, Zeit haben. Herbstsonne genießen, Essen planen und durchatmen. An Menschen denken und ein Päckchen packen. Neue Träume auf ihre Realitätskompatibilität überprüfen. Versuchen, nicht so viel fotografieren zu wollen und mehr bewusst für die Erinnerung zu sehen… Eine kleine Rauszeit.
Denn am liebsten bin ich zwar daheim, aber die sonnigen Herbsttage ziehen einen noch weiter fort vom Schreibtisch mit dem Arbeitstelefon. Und das, was muss an Arbeit, kann bei dem veränderten Arbeitsmodell ja zum Glück einfach mal eingepackt und mitgenommen werden. Es geht tatsächlich und mein Kopf ist entspannt wie seit Jahren nicht. In den letzten Jahren hatte ich oft Probleme, schnell vom Alltags- in den Urlaubsmodus umzuschalten. Ein blödes Konzept, das einem da aufgedrängt wird. Rechtzeitig, also frühzeitig den Urlaub planen müssen und dann hoffen, dass alles gut wird. Zum ersten Mal ist es umgekehrt, sich Zeitfenster spontan nehmen, durchschlüpfen und sich überraschen lassen, da man gar nicht die Zeit hatte, sie mit Erwartungen zu überfrachten. Die Tendenz hatte ich durchaus. Mein Vorfreude-Konzept war oftmals ein stark ausgeprägter Wunsch nach Flucht aus dem Alltag. Ernüchternd war dann meist die Feststellung, dass die Rauszeit begrenzt und der wiedereinsetzende Alltag effektiv in der Zersetzung von Erholung war. Auch in arbeitsintensiven Zeiten versuche ich jetzt mir meine Momente zum Durchatmen zu nehmen und mir immer wieder bewusst zu machen, was ich möchte und was mir gut tut. Und manchmal heißt das nur, abends mal alle Telefone unbeachtet zu lassen, in der Mittagszeit einen kleinen Spaziergang zu machen oder eben schnell zu entschlüpfen, wenn es gerade geht. Sei es nur in den nächsten Wald oder für ein paar Tage in ein kleines Haus in einen ferner gelegenen Wald, mit anderem Licht und anderen Gerüchen und Raum für neue Gedankenimpulse.
Vor gut einem Jahr habe ich meinen Job in der großen Stadt Berlin in den Endspurt geschickt. Haben wir unsere Wohnung gekündigt, ohne genau zu wissen, ob es alles gut geht. Zwei Festanstellungen, die wir aufgegeben haben, eine grobe Vorstellung, wo wir hinwollen und eine intensive Gedankenwälzphase, wie man die eigenen Fähigkeiten in ein anderes Arbeitsmodell übertragen kann. Zugebenermaßen hatte ich oftmals unruhige Gedanken im Kopf rumpeln, ob das alles gut geht, ob ich mich nicht zu sehr an das Leben in der Stadt gewöhnt habe, ob wir genauso gut gemeinsam arbeiten wie leben können. Ob wir realistisch planen.
Ich habe Sicherheiten immer gemocht, aber das Leben beweist einem auch immer wieder, dass es wirkliche Sicherheiten nicht in der Form gibt, dass sie in Stein gemeißelt im Regal stehen und einfach bleiben, egal ob finanziell oder emotional, man muss immer auch selbst etwas dazu beitragen, dass es weiter geht, dass es gutgeht, dass sich immer ganz viel ändert und dass das gar nicht so verkehrt sein muss. Ich glaube diese Unsicherheiten auszuhalten und sich nicht an bestimmten Vorstellungen festzubeißen, ist die größte Sicherheit, die man sich selbst geben kann. Und wenn man sie sich nicht selbst gibt, sondern an bestimmten Zielen, seien sie materieller oder zwischenmenschlicher Natur, festmacht, dann wird man unweigerlich wieder in Unsicherheiten getrieben.
Das Umdenken ist anstrengend und ein andauernder Prozess, aber er befreit ungemein und macht viele Dinge plötzlich einfacher, denn man ist weniger getrieben und entwickelt eine neue Art der Bescheidenheit. Insofern bescheiden, dass man annimmt, was man erreicht hat und wertschätzt, was einem umgibt und nicht immer noch mehr oder anderes möchte, weil es einen vermeintlich eine neue Sicherheit bietet oder einen Schritt weiter in einem Plan bedeutet, der vielleicht gar nicht der eigene ist.
Das soll nicht abgehoben klingen, es ist nur eine Erkenntnis, die sich durchsetzt in meinen Kopf und in dem, wie ich mein Leben gestalte. Fixe Ideen, können zu Träumen werden, können Gestalt annehmen. Wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun. So abgedroschen es klingen mag: Von nichts kommt nicht.
Zwei Stunden Yoga bedeuten keine wahre spirituelle Erfahrung und ein teures, schönes Kleid machen mich nicht zu einem schöneren Menschen.
Aber wir werden darauf trainiert, allen Bereichen in unserem Leben mit einem Konsumentenverhalten gegenüber zu treten. Bei dem man nimmt und einfordert und konsumiert aber nicht selber investiert und gibt.
Der besondere Mensch fragte mich an unserem ersten Tag in dem kleinen Haus, was ich dem Tag bringen möchte. Nachdem ich den Satzbau erst einmal in Gedanken hin und her gewendet habe, das klang so seltsam, machte es Klick und machte Sinn und ich fand es richtig. Was der Tag uns bringen soll… Immer sollen die Dinge und Menschen und Momente uns etwas bringen – wir sind einfach eine Spezies mit der Tendenz zu ausgeprägtem Egoismus. Und wir schaffen es ja sogar noch das Geben in eine narzisstische Handlung zu verdrehen. Da macht das Umdrehen Sinn. Was bringe ich dem Tag, der Zeit, die ich habe? Das heißt nicht, dass ich nun die Pläne für eine Revolution entwerfe, aber es kann in der persönlichen Konsequenz ganz einfach und einschneidend in der Frage enden: Habe ich meine Zeit sinnvoll genutzt? Habe ich etwas zurückgegeben? Man vergräbt solche Gedanken oftmals tief und in einer narzisstisch geprägten Gesellschaft wie der unseren werden viele für sich die Frage positiv beantworten, aber werden im Endeffekt nur ihren Egoismus befriedigt haben. Denn das lernen wir ja, konsumieren und erfüllte Konsumwünsche mit etwas Erreichtem gleichsetzen. Dabei kann es etwas kleines sein, wie sich zu überlegen, wem man vielleicht einmal besser zuhören sollte, oder wo man nicht so genervt oder fordernd sein sollte.
Würden wir in Zeiten und in einer Gesellschaft leben, die uns aus Prinzip im Nachdenken fördern und uns mehr Raum und Zeit zum reinen Denken lassen würde, wäre diese Gesellschaft sicher eine andere.
Und was dann auch überflüssig wäre, wären diese Regalmeter an Ratgebern, die einem auf der Buchmesse an allen Ecken ansprangen. Egal welches der dort ausstellenden Länder, die Tendenz war deutlich: Die Menschen wollen Antworten und Rückversicherung, weil sie tief drinnen eben doch spüren, dass etwas nicht in der Balance ist.
Aber sie wollen es schnell, sie wollen die schnelle vegetarische Küche, die 15 Minuten Yoga täglich, sie wollen in drei Dates zum finanzstarken Versorger-Traummann, mit zwanzig Tricks zum Manipulationsgenie im Meeting, in zwei Wochen zur Traumfigur, in drei Schritten zur perfekten Gastgeberin, mit simplen Kniffen schöner Wohnen, auf hundert Seiten zu perfekten Eltern und einen funktionierend Paar und in drei Bänden glücklich und zufrieden werden.
Statt all dieser Bücher, die Ausgeburt der Marketingmaschinerie einer Industrie sind, sollte man vielleicht kleine mentale Kneifzangen verteilen, die einem laut ins Hirn brüllen, bis ein Aufwachen einsetzt. Denn der leise Stupser wird nichts bringen. Aber man kann sich auch ganz gut immer mal wieder selber kneifen und Entscheidungen und Motive prüfen und sich vor allem frei machen von all dem, was und wie wir sein sollen. Und dann braucht es nicht die große Bühne oder den vor sich her getragenen Erfolg. Nein, dann lässt es sich ganz zufrieden, herrlich unspektakulär, leben.
Das ist einen Versuch wert.