Advents-Countdown auf allen Kanälen, Geschenkerausch und ein Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie

Paleo Brownie zu WeihnachtenWenn man den einschlägigen Magazinen derzeit glauben darf, sind Frauen recht einfach gestrickte Wesen. Ein bisschen Parfum, Unterwäsche oder etwas Glitzerschmuck unter den Baum gelegt und wir fangen an zu quietschen und dankbar mit den Wimpern zu klappern. Gerne nehmen wir auch etwas für die Porzellan-Sammlung oder einen schönen Bildband für die Inszenierung im Wohnraum. Praktisches bitte eher nicht, das hat so einen 50er-Jahre Hausfrau-Anstrich. Es sei denn es ist eine Kaffeemaschine, die mit gängig attraktiven Hollywood-Größen beworben wird und Unmengen an Aluminiummüll produziert… Aber diese ganzen schönen Frauchen-Dinge, die weibliche Attribute beschwören, die legt uns die Industrie gerne unter den Baum. Ernüchterung könnte eintreten, wenn die neue Kette nicht ebensolch einen Schwanenhals zaubert wie auf dem Hochglanz-Werbematerial, oder die Unterwäsche dann eben doch anders sitzt – Hey, Gummibänder schneiden gerne mal ein, egal wie viel oder wenig Speck sich darunter verbirgt. Und teure Image-Duftwässerchen verwandeln uns nicht in zarte Elfen, die durch die Gegend schweben und höchstens durch zarten Dufthauch auf sich aufmerksam machen. Kaschmirpullis vermitteln zwar haptische Freuden, aber lösen nicht unsere Sorgen und Ängste, genauso wenig wie die x-te Tasche, die ich unbedingt brauche, weil sie so gut zum neuen bunten Wintermantel passt, damit ich dann irgendwann in eine perfekt abgestimmte Uniform schlüpfen kann, die genau zeigt, wer ich bin.

Aaaah… Ne, die Weihnachtszeit liegt mir da dann nicht mehr, wo sie sich in eine Sehnsucht-Wunsch-Kauf-Lawine verwandelt. Man schaue sich nur um: Die Blog-Welt ist voll von Einkaufstipps für Vater, Mutter, Mann, Frau, Großeltern, Freunde, Katzen, Hunde und sich selber (damit wir auf Nummer sicher gehen und auch ganz bestimmt was unter dem Baum liegen haben). Seit Mitte November gibt es Geschenketipps im Wochentakt. Onlineshops machen es einem gleich ganz bequem: Entweder sucht man seine Geschenke direkt nach Preis gestaffelt oder verschlagwortet sie: Sprich, ordnet die Lieben, die bedacht werden sollen, schnell in greifbare Marketing-Kategorie-Kästchen ein und kriegt dann passende Vorschläge geliefert. Es ist einfach zu viel. Viel zu viel. Und da wir uns immer neue Kanäle erschließen, werden wir auf immer mehr Kanälen bombardiert. Magazine, Blogs, Instagram, Pinterest…. Mal ist es offensichtliche Werbung, mal sind es, diskreter verpackt, die persönlichen Lieblingsstücke all derer, die diese Kanäle bespielen, die einem um die Ohren gehauen werden. Sich zu entziehen wird schwer gemacht.
Geschenke auszupacken ist ein wunderschöner Moment, da stimme ich absolut zu, aber kann man da nicht wieder etwas Mäßigung reinbringen, statt die letzten Wochen des Jahres zwischen Adventsstress, Kopfrechnen, Einkaufslistenstress, zu vollen Läden, Schnappatmung unter kurzen Konsumkicks und dem unterdrückten Konsumkater zu leiden?
Ich möchte dieses Jahr nichts unter dem Baum. Im Ernst. Das ist nicht kokettiert und dann wird geschmollt, wenn niemand an mich denkt. Ne. Wer mich fragt, was ich mir wünsche, dem kann ich sagen: Vielen Dank für ein spannendes, schönes Jahr, bitte mach dir wunderschöne Feiertage, aber schenk mir nichts. Ich bin glücklich. Und so gerne ich auch selber Geschenke mache, würde ich auch hier gerne mal einen Gang runterschalten, die guten Wünsche und das an den anderen denken anders verpacken als in materieller Form unter dem Baum. Sind Briefe eine Lösung? Echte Briefe, per Post und von Herzen kommend, sind so selten geworden und eine so schöne Geste, finde ich. Ob man dieses Empfinden weitergeben kann? Die Beziehung in der man zu einem Menschen steht, sollte ja im besten Falle eh nicht an dem Wert oder der Ausgefallenheit des Geschenks gemessen werden (oft genug wird sie das aber leider).

Runterschrauben. Aus dem Weihnachtsfest vielleicht wirklich einen besinnlichen Tag machen und kein reines Pakete schlachten, zumindest für die Erwachsenen. Weg von den Bildern, wie es sein soll, alle zusammen unter dem Baum und bergeweise Glitzerpapier… so hätte es vor allem die Industrie gerne. Und der Druck landet beim Verbraucher. Und so werden jedes Jahr wieder, neben den Einkäufen, viele Rituale wiederholt, die so dazugehören und ein wenig Frustration setzt ein, wenn die Stimmung nicht aufkommen will. Wie soll sie das auch auf Knopfdruck, nach all den Wochen mit Weihnachtsfeiern und Einstimmungsstress? Wenn man mal genau hinhört, ist ein schönes Weihnachtsfest für viele dann auch nicht eines mit viel Getue und Tamtam, sondern eines, das entspannt und ohne Spannungen oder Weihnachtstretminen verläuft…. Das könnte doch von vorneherein ein Ansatz sein. Aber nichts ist schwieriger als mit alten Gewohnheiten zu brechen und das Weihnachtsfest ist in den meisten Fällen eine solch heilige Kuh, dass man sich kaum traut Änderungen vorzunehmen. Dabei kann doch auch hier, wie bei allem, immer mal wieder geschaut werden, ob es noch Sinn macht, so wie es ist oder ob man mit Neuerungen nicht auch etwas gewinnen kann, für alle Beteiligten.

Zwei Kerzen bleiben uns noch, bis wieder beschert wird. Zeit genug also, sich innerlich zu wappnen oder aber um mutig sein. Weihnachten kann so viel mehr sein als Coca-Cola-Weihnachts-Trucks. Geschenk-Pack-Stationen in Kaufhäusern und Abgespanntheit am heiligen Abend.

Auf jeden Fall kann Weihnachten einen Kuchen vertragen:

Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie
2 mittlere Süßkartoffeln
2 große Eier
60 Gramm Butter
2-3 Esslöffel Kokosmehl
3-4 Esslöffel Xucker (oder Süße nach Wahl)
1 Tasse Kakao
3 Teelöffel Lebkuchengewürz
1 Teelöffel Natron
1 Prise Salz

60 Gramm bittere Schokolade für den Überzug

  • Die Süßkartoffeln rund herum mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad im Ofen rösten, ca. 1 Stunde bis sei auf Druck nachgeben und die Schale Falten wirft, es soll sich ein feines Röstaroma entwickeln. Dann pellen, gründlich pürieren und etwas abkühlen lassen.
  • Die Eier verquirlen und mit dem Xucker und der Butter durch mixen bis sich eine schaumige Masse ergibt und diese  mit den Süßkartoffeln mixen.
  • Nun alle trockenen Zutaten vermengen, unter die Süßkartoffelmasse geben und gründlich mixen. Es soll ein kompakter klebriger Teig entstehen. Wir er zu trocken, hilft etwas Kokosmilch. Wird er zu flüssig, etwas Kokosmehl zugeben.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und auf mittlerer Schiene ca. 40 Minuten bei 180 Grad backen.
  • Das Innere soll feucht sein aber außen soll es eine leichte Kruste mit Rissen geben
  • Den Kuchen abkühlen lassen. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen und auf den Kuchen geben

Tipp: Außerhalb der Weihnachtszeit kann man das Lebkuchengewürz gut durch Vanille oder einen ordentlichen Schuss Espresso ersetzen und hat gleich einen anderen Geschmack.
Guten Appetit!

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Heimat-Sein und Kuchenduft-Sicherheit mit Mandelkugeln

Mandel Kugeln Low CarbHeimat. Das rutschte mir heute so raus, als wir uns über die Autobahn, an Idstein vorbei, dem mittlerweile vertraut neuem Zuhause im Taunus näherten. So unattraktiv in ihrer Unbeirrbarkeit die Autobahn in ihrer grauen Geradlinigkeit auch war und so beängstigend dicht sich die Menschen in der Isolation ihrer  zu schnell fahrenden Autos auch drängten, war da doch auch der Blick über, dem Auge schmeichelnden Hügel in einen herbstlichen Himmel und es fühlte sich einfach an, wie sich nach Hause kommen anfühlt. Dabei war ich gar nicht lange weg, aber  die Freude, wieder dort anzukommen, wo ich am liebsten bin, war so eindeutig, dass ich kurz die Frage in den Raum stellte, ob das kleine Dorf jetzt eigentlich unser Zuhause oder doch schon Heimat ist.

Ich habe mich mit Heimat immer schwer getan. Der Ort in dem ich aufwuchs, ist nicht mein Geburtstort, wir sind öfter umgezogen als andere und da mein Auszug sich mit räumlichen Veränderungen in den elterlichen Begebenheiten überschnitt, hatte ich fortan auch kein Kinderzimmer mehr, in das ich zurückkehren konnte. Das fand ich anfangs befremdlich und hatte so eine gewisse Sehnsucht, mit der Rückkehr in die Heimatstadt auch jedes Mal wieder in alte Rahmenbedingungen zurückkehren zu können. Wenn schon Erwachsenwerden, dann doch bitte mit der Sicherheit immer mal wieder zurück unter die Decke der eigenen Geschichte schlüpfen zu können und sich in der Sicherheit des Bettes aus Jugendtagen vom Taumel und den Schrecken der großen Welt erholen. Dachte ich.  Und in Ermangelung dieses imaginierten Horts der Sicherheit badete ich mich ein bisschen in dem Bild des aus dem Nest gefallenen Vogels.
Einige Jahre und Wohn- und Lebenserfahrungen später muss ich sagen, dass mir da eine dieser wertvollen Lektionen vermittelt wurde, die man erst im Nachhinein so richtig wahrnimmt, wenn überhaupt. Ich definierte für mich Heimat als etwas, das in etwa der Kuschel-Ästhetik der Rama-Familie entsprach, so mit Familienmittagessen am Sonntag, Hohes C zum Frühstück  und frisch gewaschenen, weichgespülten Wäschestapeln für die  Rückkehr in die Studentenwelt. Dabei war ich nicht in einem solch gekünstelten Arrangement groß geworden, woher dann also diese plötzliche Sehnsucht nach etwas, das mich erstickt hätte, wenn es sich plötzlich in die Realität verwandelt hätte. Meine Eltern haben mich immer ernstgenommen, ich habe, seit ich alt genug war, immer gerne eine Zigarette mit meinen Eltern geraucht und ich musste mir zwar Kritik gefallen lassen, aber meine Lebensweggestaltung lag ganz bei mir. Trotzdem, oder gerade deshalb, war da eine Zeitlang die Überzeugung, gar keine Heimat zu haben, da ich sie nicht an so oberflächlichen Maßstäben festmachen konnte. Irgendwann betonte ich dann Berlin als meine Heimat, stand ja dann auch im Ausweis – Und Du so? Ich bin aus Berlin…Obwohl auch das immer untermalt war mit dem Gefühl einer gewissen Endlichkeit – da musste noch mehr sein. Nur lange Jahre habe ich mir das nicht eingestanden. Hatte ich doch endlich einen benennbaren Ort, der noch dazu was hermachte. Mit einer gewissen Faszination begegnete ich immer wieder Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zum Ort und zu den Leuten ihrer Herkunft pflegten, auch über die Distanz hinweg. Jedes Jahr Weihnachten oder zu anderen Terminen war das Wiedersehen vorprogrammiert. Bei mir gestaltete sich das irgendwie anders. Ich dachte halt nur, immer diese Gewissheit der wiederkehrenden Routine sei Heimat und somit etwas, das ich vermisste.

Aber wenn ich selber mal an solch wiederkehrenden Ritualen teilnahm merkte ich, dass es nicht so harmonisch war, wie ich mir das verklärt hatte. Natürlich, die Freude des Wiedersehens, aber oftmals auch der große heimliche Abgleich, wie sieht er sie aus, was machen die anderen Dolles und die eigene Inszenierung. Fühlte sich nicht so an wie sich Heimat anfühlen sollte. Dann die Momente mit den lieben Freunden in der großen Stadt Berlin, die gemeinsamen, ganz besonderen Entdeckungen und Erlebnisse, die sich so lebendig anfühlten, dass man sie nie wieder vergessen wollte, das behagliche Gefühl des Beisammen- und Aufgehobenseins. Heimelig, Aber schon Heimat? Immer noch geplagt von Heimat-Wohlfühl-Sehnsüchten dann weiterziehen durch dies seltsame Erwachsenwerden und den eigenen Weg finden. Entscheidungen treffen, Ziele definieren,  Abwägungen, mutig sein, sich aufmachen. Und dann plötzlich heute: Heimat. Laut ausgesprochen. Auf der Rückfahrt aus der Heimatstadt des besonderen Menschen und die wunderbar warme Erkenntnis, dass ich eine Heimat habe, schon eine ganze Zeit.

Diese Heimat ist bei diesem Menschen und das ist sie, weil sie in allererster Linie in mir selbst liegt. Und wenn ich mir selbst diese Heimat  gestalten kann, wenn ich mir selbst dieses heimelige und sichere Gefühl geben kann, dann ist die Heimat überall. Überall dort wo ich bin. Und sie ist nicht gebunden an einen Ort oder bestimmte Dinge. Denn im Prinzip kann ich erst dann selbst bestimmen, was und wo für mich Heimat ist, wenn ich die materiellen Dinge dafür gar nicht brauche. Erst dann ist mein Zuhause auch meine echte Heimat und dann kann es auch ein Mensch sein und ich für einen Menschen.

Und ganz ehrlich, Paleo hin oder her, wenn es Besucher glücklich macht, würde ich ihnen schweren Herzens auch ein Glas Hohes C hinstellen zum Frühstück.

Lieber aber backe ich etwas heimelig Duftendes für das extra bisschen Wohlfühl-Kitsch.

Mandelkugeln

200 Gramm feines Mandelmehl aus blanchierten Mandeln
5-6 gute Esslöffel Gucker
40 Gramm Butter
1 Eiweiß
Vanille
Zimt
Dunkle Schokolade (90%)
Gehackte Mandeln

  • Die Butter schmelzen und den Xucker hineinrühren.
  • Mandelmehl,  Vanille und Zimt mischen. Die Butter-Xucker-Masse hinzu geben, das Eiweiß unterrühren und nun alles schön gründlich mit den Knethaken kneten bis eine geschmeidige, Masse entsteht, die sich gut zu Kugeln formen lässt.
  • Die Kugeln in den Mandelsplittern wälzen und auf ein Backblech mit Backpapier geben.
  • Im vorgeheizten Ofen bei 190 Grad ca. 15 Minuten backen, sie sollen goldbraun aber nicht zu dunkel werden.
  • Abkühlen lassen, die Schokolade schmelzen und nun jeden Mandelball nach Geschmack mit Schokolade krönen.

Wenn diese fest ist: Guten Appetit!

 

Ich mach kein Kreuzchen – ich ess Kuchen –Castagnaccio

KastanienkuchenIm Wald kann ich nicht unglücklich sein. Geht einfach nicht. Egal zu welcher Jahreszeit, früher oder später befällt mich die Schwärmeritis angesichts der Schönheit um mich herum und es setzt ein sehr angenehmer Zufriedenheits-Kick ein.
Und tatsächlich kann Wald so schön sein, dass ich manchmal einfach innehalten und schauen, riechen und hören muss.
Bevor es soweit kommt, muss ich im Vorfeld aber oftmals einen harten Kampf antreten, das faule Schweinehund-Tier macht sich breit und breiter und legt sich direkt vor die Tür und zählt auf, was man alles machen könnte. Mittlerweile kann ich die Tritte aber gezielter setzen und das Vieh verkriecht sich und leckt die Wunden bis zur nächsten Schlacht.
Im Wald kann man zudem die wunderbarsten Gespräche führen, wobei auch in den Feldern, oder am Strand…im Gehen. Während man langsam in seinen Gehrhythmus verfällt, fallen auch langsam die Gedanken in einen eigenen Fluss und ordnen sich neu. Dabei tauchen Themen auf, die man wieder  vergessen hatte, aber besprechen wollte und Gedanken lassen sich viel besser in Worte fassen. Und auch die Gleichzeitigkeit funktioniert – während des Gesprächs im  Hinterkopf die vielen anderen Gedanken rollen zu lassen und einfach hinzuschauen, was an die Oberfläche steigt.

Bei der heutigen Waldbegehung hat es im Hinterkopf angefangen zu nagen. Zu viele Themen der verstörenden großen, miesen Politik haben irgendwie einen Schatten geworfen auf den Gedankenfluss.  Aber da muss ich wohl noch genauer hinschauen.

Ich weiß manchmal nicht so schnell, was ich zu Dingen sagen soll, dann nehme ich mir lieber Zeit, bevor ich Plattitüden bemühe.

Aber über ein Thema war ich mir unvermittelt im Klaren, als am Ende des Gedankenstroms ein Wahlplakat am Ortseingang in mein Blickfeld rückte: Ich werde dieses Jahr nicht wählen.

Das habe ich noch nie nicht getan. Und auch wenn ich aufgrund ausufernder Freizeitgestaltung in der großen Stadt mitunter erst auf den letzten Drücker ins Wahllokal kam, habe ich doch immer brav meine Stimme abgegeben.

Aber ich will nicht mehr. Ich will meine Stimme nicht hergeben, für wen oder was auch? Ich fühle mich nicht vertreten, sondern verzweifele zunehmend an dem scheinheiligen Spiel der Politik, das doch nur die Interessen intensiver Lobby-Arbeit vertritt und nicht die ach so kostbaren Bürger.

Ich habe das zweifelhafte Vergnügen gehabt, nach meinem Studium in einem Unternehmen zu arbeiten, das sich auf politische Analysen und strategische Kommunikation spezialisiert hat.  Ähm, ja, kurz gesagt: Lobbyismus. Konservativ und bestens vernetzt in der Politik und dieser aufgeblasenen Welt drum herum, die in Berlin ihr ganz eigenes Treibhaus gefunden hat. In der Hauptstadt kann man sich ja immer noch einen kreativen Sprenkel geben und so viel Geschichte, die bemüht werden kann…Wie wir da zusammen gekommen sind, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Teilweise lag es daran, dass ich selber noch so sehr auf der Suche war und erstmal geschaut habe…Irgendwann war aber klar, dass ich etwas anderes machen muss und das tat ich dann auch. Aber darum geht es nicht.

Die Zeit, die ich in diese Arbeit gesteckt habe, war eine wertvolle Erfahrung. Eine Erfahrung darin, was für Mechanismen hinter der Politik stecken und was für Menschen unsere politische Elite bilden.  Auch eine Szene, in der sich alle viel zu ernst nehmen, das ist klar, anders kommt nicht weiter. Bedenkt man, was ein erfolgreicher Lebenslauf so alles vorweisen sollte, wird auch schnell klar, dass vor allem der Beratungszirkus rund ums politische Geschäft in vielerlei Hinsicht ein elitärer Sch…Laden ist, indem man schnell merkt, ob man den richtigen Stallgeruch hat, an den richtigen Unis war, wenn möglich länger und international renommiert  im Ausland – Washington wäre eine gute Wahl oder Paris.  Unbezahlte Praktika im Bundestag oder bei internationalen Organisationen….Ja ja, ich weiß es gibt Ausnahmen. Natürlich, die muss es auch geben, sonst wäre der Zirkus ja zu offensichtlich und solange man noch jemand nach vorne schieben kann, der mit einem individuellen Lebenslauf aufwartet, kann es ja nicht so schlimm sein. Das ist das Feigenblatt und wer mag, soll diese Rolle spielen. Für mich verdeckt es nicht, dass da Ideenpapiere aus einer Geisteshaltung entstehen, die weiter weg vom Bürger nichts ein kann.

Ein Beispiel, ein persönliches, aber ich werde es mir immer wieder vor Augen halten, damit ich kritisch bleibe. Ich habe mich die letzten Jahre meines Studiums selbst finanziert und dafür viel gearbeitet. Mit dem obligatorischen Praktikum nach Studienende war an ein Jobben nicht mehr zu denken, ich war ja de facto am Arbeiten. Ich hatte einen sehr guten Abschluss hingelegt, innerhalb von zwei Wochen nach Exmatrikulation einen Vertrag unterschrieben und hatte kein Geld. Von einem Praktikum kann man nicht leben. Die Lösung: das Horror-Amt. Abgesehen von den Kämpfen und kafkaesken Situationen, die es gekostet hat, habe ich meinem Berater bei der Agentur für Arbeit zugesetzt und durchgesetzt Hartz IV weiter zu bekommen und das Praktikum bei dem besagten Unternehmen absolvieren zu dürfen. Mit eingeschränktem Verdienst, das musste ich dann mit meinen Chefs besprechen und einen Praktikumsnachweis beim Amt abliefern.

Ein tolles Gefühl, wenn man eigentlich gerade bemüht ist den Studentenstempel abzulegen und sich das Selbstbewusstsein des ersten potentiellen Jobs erarbeiten will und dann zum Objekt der Neugier der Führungsetage und dort zum ersten Kontakt der politischen Denker mit Hartz IV wird. Man kann sich vorstellen, dass andere Bewerber über andere Netzwerke kamen und anders gesponsert worden.  Ich fand es nur erschreckend, wie weit weg der Elfenbeinturm der politischen Kommunikation doch ist von den Menschen, für die Politik doch angeblich gemacht wird.

Aber dieser gedankliche Exkurs ist nicht der Grund für mich nicht zu wählen. Aber er sit mit ei Faktor für meine Desillusionierung. Tausend andere Kleinigkeiten und Skandale sind es, die mir das Gefühl geben, nicht teilhaben zu wollen. Wenn ich im September zur Wahl gehen würde, würde ich dadurch signalisieren, dass ich diese Farce unterstütze – tue ich aber nicht. Und wenn mir das von anders Denkenden angekreidet wird: Dann ist es so. Wer weiterhin glauben möchte, Wechsel an der politischen Spitze würden etwas grundlegend ändern, der soll sich diese Naivität erhalten. Und ich gehen noch einen Schritt weiter: Ich würde mir wünschen, es gäbe eine katastrophal niedrige Wahlbeteiligung, damit der Deckmantel „Im Interesse des Wählers“ riesige Mottenlöcher bekommt.  Ja ja, und dann immer die Frage, was denn die Lösung ist, das sei ja eine so destruktive Haltung – hmmm, immerhin ist es eine Haltung. Und die Lösung? Vielleicht den Maßstab erste einmal kleiner setzen: Ich werde nicht plötzlich auf das Parkett der Politik schlittern und alles umschmeißen können, aber ich kann mein Leben an Werten orientieren und anderen so begegnen, wie ich es mir selber wünsche.

Wäre das nicht vielleicht ein kleiner Anfang? Und wenn ganz viele Menschen ganz viele kleine Änderungen vornehmen würden…Die kleinen Änderungen im Persönlichen – das ist der Spielraum, der uns nämlich oft verschwiegen wird. Die Messlatte wird hochgehängt. Und wir ducken uns drunter weg.

An diesem speziellen Sonntag werde ich daheim bleiben, vielleicht durch den Wald laufen, einen herbstlichen Kastanienkuchen essen…

Castagnaccio-Rezept

300 Gramm Kastanienmehl
1-2 Tassen Wasser
4 und 2 Esslöffel Olivenöl
1 großzügige Handvoll gehackter Walnüsse
1 großzügige Handvoll getrockneter Aprikosen, erst in Wasser eingeweicht und dann klein gehackt
1 Handvoll Pinienkerne
1 Zweig Rosmarin
2-3 Esslöffel Xucker nach Geschmack

  • Das Mehl und den Xucker in eine Schüssel geben und nach und nach das Wasser nachgießen bis der Teig  flüssig aber nicht wässrig ist. Er lässt sich gut gießen. Den Teig schön glatt rühren, bis alle Klümpchen raus sind.
  • Dann  4 Esslöffel Olivenöl, die Walnüsse und die meisten Aprikosen unterrühren und den Teig in eine geölte Form gießen.
  • Die Rosmarin Blätter, die restlichen Aprikosen und die Pinienkerne über den Teig verteilen und mit dem übrigen Olivenöl besprenkeln.
  • Bei 180 Grad ca. 30 Minuten in den Ofen, zum Ende hin prüfen: Wenn die Kruste aufbricht und trocken ist, ist der Kuchen fertig.

Der Geschmack mutet beim ersten Bissen fremd an aber danach…zu Tee, zu Wein…..

Guten Appetit!

Pop-Massaker oder (Süßkartoffel) Kuchen-Kultur

VMA versus Kuchen-KulturEs ist also soweit, dass ich der Pop-Kultur entwachsen bin. Oder, bevor sich jemand am Begriff Pop-Kultur aufhängt: Die Konsum-Botschaft der gängigen Medien-Formate erreicht mich oftmals nur auf Umwegen.

Ich lasse quasi andere konsumieren und wenn mich das Urteil interessiert, beginne ich vielleicht selbst zu lesen. Oder zu schauen oder zu hören… Mitunter wird mir diese Entscheidung aber gänzlich aus der Hand genommen: Dann nämlich, wenn einfach alle Medien nur über ein Thema berichten. In diesem Falle die VMAs.

Ein Event-Format des früheren Jugendbegleiters MTV. Zumindest zu meiner Zeit war das so. Die Freiheit, dass gegen Mittag kein Erwachsener anwesend war und ich nach der Schule eintauchen konnte in die schnelle laute Bilderwelt des Musikfernsehens. Meine Zeit – das kommt mir so lang nun auch noch nicht her vor, aber trotzdem liegen Verständniswelten zwischen mir und dem, was da heute als scheinbar abgebrühtes Moderations- und Glitzer-Sternchen-Volk die Teppiche füllt und sich in die immer wieder gleichen Posen wirft.

Hier feiert sich die Industrie gesättigt selber, für die richtige Atmosphäre werden ein paar frenetisch jubelnde Fan-Statisten an der Bühne platziert und dann wird ein Wahnsinnsgeld für die Show ausgegeben.

Ich verfolge dem Zirkus nicht aktiv, aber an der Austauschbarkeit der Gesichter lässt sich erahnen, wie kurzlebig viele der präsentierten Künstler sein werden. Aber keine Sorge, der Nachwuchs wackelt bestimmt schon bei Disney mit dem Popo und der Abstieg der Prominenz lässt sich in seinen verschiedenen Stufen wunderbar noch in den unterschiedlichen Fernsehformaten nachvollziehen. Zynismus ist immer für ein Publikum gut. Und auch in Deutschland hat man gelernt, wenn der Trubel zu sehr drückt und auch die intimsten Abhängigkeits-Problematiken zu offen zu Tage treten, dann lassen sich damit noch ein paar Tränchen und Euros pressen. Die Puppenspieler freuts und so wird der Zoo bunt glitzernd durch die Manege getrieben, bis es wieder in den teuren Käfig geht.

Und dank des bunten Spektakels weiß seit dieser Woche nun wohl auch jeder was Twerking ist.

Wer sich noch in schützende Unwissenheit hüllt und Stärke besitzt, Fremdschämen auszuhalten und der industriell gefertigten Vorstellung von Unterhaltung ins Auge zu blicken, der kann sich einen Ausschnitt Miley Cyrus antun.

Und nein, nicht merken. Dieser Name taugt höchstens für intellektuell geprägten Party Flachschnack, wenn man ihn in Sätze einbindet, die das Entsetzen angesichts des kulturellen Niedergangs in Worte fassen. Nur so viel sei gesagt: Ein Disney Kinder-Star, man sollte sagen einer mehr, der in aller Öffentlichkeit das Erwachsenwerden vollzieht. Wobei Erwachsenwerden dann einmal mehr missverstanden wird, als bemühte Provokation und eine seltsam beschämende, öffentliche Sexualisierung der eigenen Person, die alle Klischees erfüllt und dann noch als selbstbewusst verkauft wird. Es tut einem weh und leid und trotzdem taucht es heute hier auf, weil es mir förmlich ins Gesicht sprang auf zig Seiten.

Ich finde, auch auf der Bühne gehört der Hintern einer 20-Jährigen nicht am Schoss eines 36-Jährigen gerieben (oder tue ich dem anderen Künstler da Unrecht?) oder sagen wir nicht so. Es ist so anstrengend aufreizend, dass es sich schon wieder selbst widerspricht. Ich finde es nur traurig, wenn ich mir überlege wie viele viel zu junge Hintern jetzt daheim das Wackeln üben – bitte nicht!

Das war meine heutiger Ausflug in die Bilderwelt des Glitzer-Biz…das reicht. Ich lehne mich lieber wieder zurück und  pflege ein ganz einfaches Verständnis von Unterhaltung und Kultur, das nicht um jeden Preis die Provokation als dann sinnentleertes Thema wählt.

Zum Musik hören mit sich und auch zum Buch passt Süßkartoffel-Kuchen sehr gut. Denn, auch wenn der Sommer tagsüber noch kämpft, riechen die Abende bald schon nach Herbst und es wird Zeit für die warmen Gewürze, die einem zumindest ein inneres Wohlbehagen schenken.

Mein Rezept

2 mittlere Süßkartoffeln
80 Gramm Mandelmehl oder gemahlene Mandeln (schmeckt mit beidem, finde ich)
60 Gramm Butter + 1 Esslöffel
2 große Eier
Zimt
Vanille
Xucker
Salz
Natron
Lebkuchengewürz
100 Gramm ganze Mandeln

  • Die Süßkartoffeln mehrfach mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad ca. 50-60 Minuten im Ofen rösten, bis die Haut schrumpelig und die Süßkartoffel weich ist.
  • Die Eier mit 60 Gramm Butter und 4 Esslöffeln Xucker sowie den geschälten Süßkartoffeln mit dem Handmixer glattrühren.
  • Das Mandelmehl, eine Prise Salz, 1 Teelöffel Zimt, 1 Teelöffel Lebkuchengewürz, 1 Teelöffel Vanille und einen 1 Teelöffel Natron unterrühren.
  • Die Mandeln in einer Pfanne anrösten bis sie leicht duften. Nun einen Esslöffel Butter und zwei Esslöffel Xucker sowie eine Prise Salz und etwas Zimt dazu geben und schön karamellisieren lassen. Dabei gut rühren und vom Herd nehmen, bevor Karamell und Mandeln zu dunkel werden.
  • Nun die Mandeln mit dem Karamell in den Teig geben und unterrühren.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und bei 200 grad ca. 25-30 Minuten in den Ofen geben, bis der Rand sich leicht vom Rand gelöst hat.

Schmeckt auch warm köstlich und spendet innere Wärme in finsteren Zeiten.

Guten Appetit!

Karnismus, ein Flohbiss am Hintern und Futter fürs Gehirn

KarnismusDer liebe Besuch des Wochenendes ist abgefahren. Der Kühlschrank beherbergt noch Besuchs-Bewirtungs-Leckerlis wie Erdbeertorte. Eigentlich perfekt um sich mit Tee und Kuchen ein Stündchen hinzusetzen und durch die Lieblings-Blogs und Seiten zu klicken.
Denkste –  gleich zu Anfang stieß ich auf die Verlinkung zu einem kontroversen Artikel aus dem immer wieder heiteren aber leider meinungsbildenden Medium spiegel.online.

Immer wieder muss ich den Kopf schütteln, wie einseitig und tendenziös Berichterstattung doch passiert bei uns. Unsre Zensur ist eine sanfte. Indem man manchen Dingen mehr Platz einräumt als anderen, kann man auch zensieren und die Öffentlichkeit manipulieren.
Starke Unterstützung erfahren aktuell ja Vertreter der vegetarischen Lebensweise und auch der ein oder andere sozial-verträgliche Veganer. Sie sind, scheint es, die besseren Menschen und bekommen viel medialen Spielraum eingeräumt. Ja, Vegetarier (ich fasse die Veganer der Kürze halber mit ein, ich weiß um die Feinheiten der einzelnen Ernährungsformen) haben die Totschlag-Wohlfühl-Argumente auf ihrer Seite, wenn Sie gegen die Tierschlachtung ins Felde ziehen.
Und ja, ich denke es steht außer Frage, dass die industriell betriebene Tierhaltung und die damit verbundenen Schlachtungs-Fabriken absolut pervertiert sind und verboten gehören. Und ich würde mir wünschen, es würde diesen mentalen Ruck geben, der uns unsere Nahrungsmittelproduktion im großen Stile überdenken lässt. Das ist nämlich das, wo ich manchmal leise anfange angespannt zu schnauben, wenn ich den Argumentationsketten gegen den Fleischverzehr folge – es wird dann doch etwas kurz gedacht.
Ein ethischer Umgang mit unserer Nahrung ist möglich. Und diese Nahrung schließt für mich tierische Produkte mit ein, aber sie umfasst eben auch andere Lebensmittel und bei denen sollten wir die selben moralischen Maßstäbe anlegen wie bei der Tierhaltung. Wie rechtfertigen wir die moderne Landwirtschaft und ihren rücksichtlosen Umgang mit der Ressource Boden? Wer im Sommer durch staubtrockene goldene Weizenfelder fährt, sollte nicht in Romantik schwelgen, sondern sich über die gesundheitlichen Auswirkungen vom Gluten-Verzehr Gedanken machen und sich einmal genau umschauen, was da denn noch wächst, außer Reihe um Reihe absolut symmetrisch wachsenden Korns. Was ist daran natürlich und im respektvollen Umgang mit der Natur? Wo finden die lokalen Vertreter von Flora und Fauna da noch Unterschlupf? Und dasselbe gilt für andere Getreidesorten und Mais und Soja…Und nicht nur, dass wir Raubbau vor der eigenen Haustür betreiben, unter dem Deckmantel der Hilfe zur Selbsthilfe und des humanitären Einsatzes haben wir längst die Dritte Welt erobert. Statt einen an lokalen Traditionen orientierten Landbau zu stützen, nutzen wir deren beschränkte Ressourcen um noch mehr noch mehr billiger anzubauen und schaffen es sogar noch, die dadurch entstehenden Engpässe in der lokalen Versorgungskette mit eigenen Exporten aufzufüllen.

Das möchte ich nicht. Und viele andere auch nicht. Einen Beitrag über den ich in diesem Zusammenhang gestolpert bin, kann ich nur zur Lektüre empfehlen. Heidi S. spricht mir aus dem Herzen.

Und es ist verständlich, dass man sich im Bewusstsein des globalen Maßstabes der Industrie-Praktiken an den Kopf fasst und lieber wieder die Augen schließen möchte, da man nicht weiß wo man als Einzelner ansetzen soll.
Die Antwort ist so simpel wie kompliziert: Jeder bei sich selber. Kritisch sein, immer. Sich selbst und den Produkten gegenüber. Wissen erwerben über das, was da wie produziert wird und vor allem wer daran verdient. Dieses Wissen ist das Stück  Selbstbestimmung, das wir uns von der Industrie in Ernährungsfragen zurückholen können. Unterstützen, nicht indem jeder gleich auf den eigenen Hof zieht und Selbstversorger wird, das liegt nicht jedem. Aber in jeder Kaufentscheidung: Indem man lokale Produzenten fördert, die in der eigenen Region auf eine tatsächlich nachhaltigere und ursprünglichere Bewirtschaftung setzen. Sich informiert, wie etwa die Tiere gehalten werden, deren Fleisch man isst und wie sie gefüttert wurden.

Die Bequemlichkeit überwindet und die Ausnahmen vermeidet. Konsequenz ist eine eigene Entscheidung. Und wer einmal anfängt sich so intensiv in die Thematik Nahrungsmittelproduktion reinzuknien, wird schnell auf andere Bereiche im Leben stoßen, wo sich etwas verändern lässt, wo man sich Entscheidungsspielraum schaffen kann. Dass ist das, was jeder ganz im Stillen tun kann. Und man kann offene Ohren nutzen um Impulse zu geben.
Aber was man vermeiden sollte, ist die Missionskeule zu schwingen oder in die halsstarrige Ego-Falle des besseren Wissens zu tappen. Wähle Deine Schlachten weise – dieses so persönliche Thema des eigenen Lebensentwurfes kann ein Schritt sein zu sagen, ich mache nicht mit bei dem, was mir aufgedrängt wird. Ein gelebtes Bewusstsein ist auch echter Respekt, sich selbst und diesem einen Planeten gegenüber. Dem wir letztlich so angenehm sind wie ein Flohbiss am Hinten und in Maßstäben der Evolution gedacht, werden wir auch genau so schnell wieder weg sein. Wäre es da nicht nett etwas Demut und Haltung zu beweisen und das humanoide Intermezzo mit Stil zu gestalten?

Eine wunderbare Lektüre zu diesem Thema ist das Buch „Ethisch essen mit Fleisch. Eine Streitschrift über ethische Ernährung mit Fleisch und Risiken einer streng vegetarischen und veganen Lebensweise“ von von Lierre Keith.

Allein ein Blick in die Kommentare zeigt, dass die Einstellung zur Ernährungsweise schnell in das Aufeinanderprallen moralischer Erlebniswelten führt.
Aber neben der Polemik drum herum ist das Buch mehr als eine Lektüre wert. Sowohl im Original als auch in der Übersetzung, die das sehr kurzweilige Sprachgefühl der Autorin einfängt und den Leser wachrüttelt bis ihm das Lachen im Halse stecken bleibt.

Lesen! Und immer mehr lesen und sich schlau machen. Diesen selbstauferlegten Bildungsauftrag sind wir uns schuldig, wenn wir nicht länger wegschauen wollen.

Und wenn sich mein Wutknoten etwas gelöst hat, kann ich vielleicht noch ein Stück Kuchen essen und vielleicht das Rezept nachvollziehen.

Einen besinnlichen Sonntag.

Beeren-Tage im Kopf und auf dem Teller: Johannisbeeren-Tarte

Johannisbeeren-TarteGroseille – das ist die französische Johannisbeere. Und während ich mir im kurzen Frankreich Urlaub bei den Schildern am Wegesrand den Kopf zerbrach, was sich hinter diesem Wort verbirgt, macht es Sinn wenn ich an die Johannisbeeren-Pracht denke, die wir dort im Garten vorfanden. Aber mit Essens-Vokabeln ist das so ein Ding. Sie verschwinden immer doch recht schnell aus dem aktiven Wortschatz. Sei es drum. So verschwenderisch viele Johannisbeeren begrüßten uns im Garten, dass der Kopf sich gleich in Gang setzte und verschiedene Verarbeitungsformen durchspielte. Geworden ist es dann eine Tarte. Die habe ich auch direkt nach der Ankunft zuhause noch einmal nachgebacken um den Geschmack von Urlaub etwas zu erhalten.

Ich liebe Saures und so rangieren die roten Beeren ganz oben auf meiner Sommer-Freuden-Liste und selbst gepflückt aus dem Garten haben sie dann noch eine Süße, die sich eher erahnen lässt, die den Beeren aus dem Supermarkt oft fehlt.

Ja aber Urlaub…und dann in der Küche stehen und Sachen machen? Ja, unbedingt! Aus mehreren Gründen: Kochen ist für mich eh grundsätzlich Entspannung, egal ob ich gerade vor mich hin murmle und leicht panike…einfach nicht beachten oder in einem ruhigen Tonfall Zuarbeiten anbieten. Denn ich liebe alles in, auf und um den Herd. Und das ist auch ein Grund warum ich gerne ein Plädoyer für Urlaub in Ferienwohnungen und -häusern halten würde: Das Abenteuer fremder Küchen. Daheim, inmitten des eigenen Sammelsuriums an Kochgerätschaften (zumindest bei mir ist es ein wirklich stümperhaftes Durcheinander an teilweise uraltem Handwerkszeug) sind die meisten Handgriffe ja oft schon unbewusst und selbstverständlich, aber ein unbekannter Herd kann eine echte Herausforderung sein. Und neben den fremden Küchen ist es einfach das Vergnügen sich durch fremde Supermarktsortimente zu wühlen oder am Wegesrand in Hofläden zu stöbern und zu erkunden, was andere Länder an Paleo-Tauglichem bieten.  In Frankreich hat das besonders viel Spaß gemacht. Die traditionelle französische Küche ist ja Gott sei Dank nicht dem Fehler des Fett-Verzichts aufgesessen und so gibt es im Supermarkt herrlich fettes Confit de Canard, und Rilletes  und und und….Über Essen lässt es sich auch wunderbar eintauchen in andere Länder. Und warum nicht das Abenteuer wagen und einfach auch selber kochen. Zumal ich in der Hinsicht Essengehen echt eigen geworden bin, das gebe ich unumwunden zu. Aber es ist nun einmal so, dass ich gerne weiß, was ich auf dem Teller habe und lieber selber koche, bevor ich zweifelhaftes Fleisch und Gemüse esse und es mir nachher schlecht geht, weil da doch Mehl oder Maisstärke an der Soße war.Und gerade in touristisch stark frequentierten Gegenden heißt es auch erst einmal suchen, bevor man dann eine Küche findet, die sich nicht auf Massenabfertigung verlegt hat sondern Qualität bietet.  Aber für den nächsten Streifzug durch die Vogesen steht durchaus eine Auberge auf dem Programm, denn dort wird zumeist die elsässische Spezialität Choucrute Garnie  serviert, ohne Kartoffeln eine ganz hervorragende Paleo-Mahlzeit in Hunger entfachender Bergluft. Da das Elsass an die Vogesen grenzt und man daher nie so genau weiß wo man gerade ist, finde ich  kann diese Spezialität auch durchaus in den Vogesen verortet werden.

Beim ersten Urlaub nach der Essens-Umstellung im letzten Jahr wanderte noch der eine oder andere wehmütige Blick in Richtung des französischen Kuchenangebots, da ich aber einfach weiß und erfahren habe, wie besch… es mir geht wenn ich ein kulinarisches Auge zukneifen würde, haben die Dinge den Reiz verloren und für die Urlaubs-Extras backe ich lieber selber. In diesem Falle eine Tarte, mit den Beeren aus dem Garten. Die gelebte Landhaus-Idylle – gruselig schön. Wunderbar.

Streng genommen ist die französische Tarte ein Mürbeteig-Kuchen ohne Zucker. Ich habe aber ein Ei und anderes unter gemogelt und nenne es Tarte vor allem wegen der Dünne des Bodens.

Johannisbeeren-Tarte

Teig
120 Gramm Mandelmehl
60 Gramm gemahlene Mandeln
1 Ei
70 Gramm Butter
2 Esslöffel Xucker
Prise Salz
1 Teelöffel Vanille

Belag
3-4 große Tassen Johannisbeeren
4 Esslöffel Xucker
2 Teelöffel Vanille

  • Die Beeren mit dem Xucker und der Vanille erhitzen und einkochen bis ein schön saftiges Mus entsteht, in dem die Beeren noch erkennbar sind.
  • Den Ofen auf 180 Grad erhitzen.
  • Die Zutaten für den Teig in eine Schüssel geben und in Ermangelung eines Rührgeräts mit den Händen gründlcih verkneten. Duch die Körperwärme wird die Butter weich und es entsteht ein klebriger weicher Teig.
  • Eine Tarte-Form großzügig buttern und den Teig in der Form  gleichmäßig flach festdrücken, an den Rändern etwas hochziehen.
  • Das Beerenmus auf dem Boden verteilen.
  • Für ca. 20-30 Minuten in den Ofen geben, bis der Rand schön durchgebacken ist. Ich mag es tatsächlich wenn das Braun in Dunkle tendiert.

Ein Nachbacken empfiehlt sich ebenso wie das gesunde Maß.

Guten Appetit!

Bombenstimmung am Kaffeetisch

Lemon BarEs gibt so einige üppigere Rezepte aus der Paleo-Küche, bei denen traue ich mich kaum sie weiterzugeben. Zu hoch ist das Sucht-Potential, da ich ja eigentlich nur schreibe um einen Einblick in einen ganz unspektakulär einfachen Paleo-Alltag zu geben, der ein normales Leben mit einer bewussten Lebensweise vereint. Aber es schmeckt so gut!

Persönlich bin ich anfangs bei so manchen durchdesignten US Paleo-Blogs vor Ehrfurcht in die Knie gegangen und habe mich gefragt wie machen die das? Soviel Kochen und Backen und immer appetitlich präsentiert und nebenbei noch Fermentieren und Dehydrieren und eEnkochen und Kosmetik selber herstellen und ein wahnsinniges Sport-Pensum absolvieren und und und…das hat mich erstmal wieder zurück getrieben in das innere Gedankenreich und mich Abstand nehmen lassen von einem Blog-Projekt.

Aber irgendwann dachte ich dann, warum nicht zeigen dass es auch anders geht. Oder was heißt anders –  einfach machen und sich nicht so sehr darum scheren, was andere denken. So wunderbar die Paleo-Lebensweise ist – für viele ist sie ein Randthema und wenn es dann noch weitergeht und man auch anfängt andere Produkte wie Kosmetik selber herzustellen und immer mehr gesunde alternative Lösungen für konventionelle Produkte sucht, wird man mitunter sanft belächelt und in die Sonderling-Schublade gesteckt.

Man kann dem sicherlich entgegensteuern wenn man sich ganz viel Mühe mit der Präsentation der Rezepte und dem Design des Blogs gibt, aber ich glaube mein Schwerpunkt liegt einfach auf dem Erzählen der kleinen Dinge, die so rund herum um das Kernthema Essen passieren.

Ach ja, eine solche Sache, die dem Umfeld auf der Seele zu brennen scheint, ist mein Gewicht. Ich weiß nicht was ich wiege, seit meiner Waagen-Abhängigkeit in Teenager-Jahren mache ich einen Bogen um die Dinger, denn es ist letztlich egal für meinen Alltag. Seit sich allerdings im Zuge der Ernährungsumstellung doch deutlich etwas an meinem Erscheinungsbild geändert hat oder zu haben scheint, man selbst steckt ja drin und sieht sich jeden Tag, gilt nun häufig eine der ersten Bemerkungen bei einem Wiedersehen meinem Gewicht, ob ich schmaler, kräftiger, gesünder, fiter oder mitgenommen aussehe. Und dann frage ich mich manchmal schon, was die Intention ist, denn natürlich, auch ich mache anderen Menschen Komplimente, aber die klingen anders und nicht so feststellend. Wenn ich keinen guten Tag habe, weil auch ich schlafe manchmal zu wenig dann ist es so als hätte ich damit dem Gegenüber den Beweis geliefert, das die Paleo-Ernährung nicht so gesund ist, wie ich immer behaupte. Dasselbe gilt für  vermeintliche Gewichtsschwankungen, die ich selber gar nicht registriere, denn alles passt, nichts kneift. Es verändert sich höchstens noch der Körper durch den regelmäßigen Sport.

Liebe Leute, Komplimente sind etwas wunderbares, von Herzen kommend, sind sie kleinen Geschenke des Alltags, die man seinen Mitmenschen machen sollte, wenn sie ehrlich sind. Das zeugt von Aufmerksamkeit und Respekt. Aber eine ständige Thematisierung meines Gewichts/Körpers – muss nicht sein. Und ganz ehrlich: Jemanden, der unsicherer ist, kann man mit solchen Kommentaren auch in üble Gedankengänge und Selbstzweifel schicken. Das ist nicht nett. Ich kommentiere ja auch nicht das Hautbild oder die Haarstruktur oder oder oder…suche mir irgendeinen blöden Aufhänger um irgendwie zu piksen.

So, das wollte mal raus. Und weil es so gut passt kann man sich ja nun gedanklich  wieder an die Kaffee-Tafel begeben, zu einer wirklich unverschämt lecker-sommerlichen Kuchen-Bombe: Lemon Bars

Das Rezept

Teig

2 Eier
¼ Tasse weiche Butter
3 Teelöffel Xucker
¼ Tasse Kokosmehl
¼ Tasse Kokosraspeln
½ Tasse Kokoschips
Prise Salz
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eier mit dem Xucker und der Butter schaumig rühren.
  • Kokosmehl. Kokosraspeln, Kokoschips, Vanille und Salz unter die Eiermischung rühren bis sich ein klebriger Teig bildet. Aufpassen, dass man die Kokoschips nicht zu klein rührt, sie dürfen ruhig etwas größer sein, das sorgt für eine schöne Konsistenz des Boden.
  • Nun den Teig in einer gefetteten Form mit höherem Rand verteilen, dass sich eine gleichmäßige Teigschicht bildet.
  • Die Form für ca. 20 Minuten in den Ofen geben. Der Boden soll einmal durchbacken und darf ruhig etwas gold-braun auf der Oberfläche sein.

Die Creme

1 Tasse Zitronensaft (ca. 7-8 mittlere Zitronen)
6 Eier
4 Esslöffel Xucker
1/2 Tasse geschmolzene Butter
Prise Salz

  • Zitronen auspressen und den Saft durchsieben, damit keine Teilchen zurückbleiben.
  • Nun den Zitronensaft zusammen mit den 6 gequirlten Eier, dem Xucker und der Prise Salz in einer Rührschüssel über Wasserdampf (nicht im Wasserbad, zwischen Schüssel und Wasser soll etwas Luft bleiben langsam erhitzen.
  • Dabei ständig mit dem Schneebesen  weiterrühren, damit sich keine Klümpchen bilden!
  • Wenn die Ei-Masse sich langsam erwärmt, die geschmolzene Butter unterrühren und weiter mit dem Schneebesen dabeibleiben bis sich die Masse beim Rühren langsam verdickt.
  • Weiterrühren bis sich ein dickliche Pudding/Creme-Konsistenz ergeben hat.
  • Nun d die Zitronencreme auf dem fertig gebackenen Boden verteilen und die Form in Kühlschrank geben bis alles komplett durch gekühlt ist (ca. 3-4 Stunden).

Tipp: Der Kuchen schmeckt durch die vielen Eier am ersten Tag am besten und eignet sich auch hervorragend als Dessert!

Einfach noch  mit etwas Kokoschips garnieren und in Stücke schneiden – und  Sommer schmecken!

Guten Appetit!