Alle Jahre wieder: Adventsmassaker und Kürbis-Quiche zum Wohlfühlen

AdventsmassakerFrost glitzert auf den Dächern… Aber bevor ich mich jetzt in einer kitschigen Vorweihnachtssentimentalität verliere, es ist ja so die Zeit wo allerorten verkitschte Behaglichkeitsbilder beschworen werden, greife ich nach dem Taschentuch und mache mir die nächste Tasse Ingwertee.  So wunderbar knackig kalt die Sonne da draußen strahlt, merke ich, dass es auch die perfekte Zeit für Erkältungen ist. Und obwohl ordentlich eingepackt, hat einen dann schnell so eine Abgeschlagenheit im Griff.

Es  mag auch daran liegen, dass ich in den letzten zehn Tagen einige Tausend Kilometer im Auto verbracht habe und irgendwie aus dem Tritt geraten bin, zwischen netten Begegnungen und zu viel Unterwegssein. Also wird das Pensum etwas zurück geschraubt, was mir eher nicht so leicht fällt, ich will zu viel machen. Die Nähmaschine rattern hören, neue Rezepte testen, aufräumen, umräumen, ausmisten und daneben Energie in die Arbeit stecken. Zum Ende des Jahres setzt bei mir das Bedürfnis ein, einen runden Abschluss zu schaffen. Also Dinge zu erledigen, die ich vielleicht vor mir her geschoben habe. Das Bedürfnis nach innen zu horchen, was einen gestört hat, an sich selbst und im Umfeld, wo man anders handeln möchte. Eine grüblerische Tendenz zur Selbstreflexion begleitet mich ja unabhängig von Jahreszeiten, aber wenn andernorts die Adventsstimmungsmaschinerie in Gang gesetzt wird, beschleicht mich neben der dezenten Sehnsucht nach Tannengeruch eine etwas ausgeprägtere gewisse Melancholie.  So ein wenig in Gedanken zu schweben, finde ich durchaus angenehm. Das passt zu kurzen Tagen und schönen Wintersonnenuntergängen und langen Morgendämmerungen. Das ist ein bisschen so wie der Geruch nach Holzfeuer, der den Winter über durch das Haus zieht – eine grüblerische Note zur Tagesform.

Bilanz ziehen – dieses Jahr möchte ich das mal so richtig machen und habe mich entschlossen alles einmal festzuhalten. Für mich, aber auch gemeinsam mit dem besonderen Menschen: Wo war man überall, was hat man erlebt, was hat mich besonders gefreut oder belastet, was war schön und was war traurig, welche Ideen sind Realität geworden, welche wabern weiter durch den Kopf, haben sich total verändert oder sind verschwunden.  Eine Art Großputz in der Gedankenkammer. Und diesmal habe ich das Gefühl, herrscht gar nicht so ein Chaos wie in manch anderem Jahr. Anscheinend klappt es immer besser, das innerliche Sortieren zwischendurch, dann kann sich gar nicht so viel ansammeln und man muss nicht in so vielen verschiedenen Erinnerungskisten wühlen und übersieht dabei die Hälfte.

Und natürlich darf es auch wenig adventlich sein. Wobei ich ja kein Freund aufwendiger Dekorationsinszenierungen bin, sondern mag, was sich schnell so ergibt. Das war schon immer so. Zuviel und zu betont, verursacht mir die Adventsdekoration ein leichtes Unbehagen. Denn wie lässt sich dieser unglaubliche Vorfreude-Spannungsbogen dann aufrechterhalten?
Jeder Supermarktbesuch in den nächsten drei Wochen wird zur aggressiven Stimmungsmache mit Hilfe gängiger Weihnachtsmusik-Konserven. Die  Weihnachtskekse liegen schon seit Wochen auf den Sonderverkaufsflächen aus, jetzt wird aber noch einmal nachgerüstet und überall blinkt es und stinkt und leuchtet und will besinnlich sein?! Auch innerstädtische Weihnachtsmärkte haben sich größtenteils in Glühwein-Saufmeilen mit Ramschangebot verwandelt. Ein bisschen billiger Glanz – zu viel, zu hell, zu grell.  Das, so wird es den Leuten verkauft, ist Weihnachten. Für den dezenteren Geschmack gibt es durchaus immer wieder kleine Weihnachtsmarktperlen, hier findet sich dann schönes Kunsthandwerk und Biokinderpunsch. Doch sind und bleiben sie alle Märkte und laden uns wieder zum Konsum ein.

Und wen da manchmal ein schlechtes Gewissen befällt, weil man vielleicht nicht so überlegt gekauft hat, wie man es sich vorgenommen hat, der hat vielleicht den 30. November  genutzt und sich am Kauf-Nix-Tag beteiligt. Bei uns ist dieser Tag noch nicht so verbreitet, entstammt er doch eher der Tradition eines amerikanischen Konsumkalenders. Und auch wenn er sich durchsetzt, hat das Datum eigentlich einen leichten Nebengeschmack – einen Tag bevor dann der Advents-Countdownmit all seinen Besorgungen startet, einen Tag lang den Konsum verweigern…  Das empfinde ich als Gewissenberuhigung, dann ich ja wieder, habe  ja gestern nicht… Das ist wie Konsum mit gutem Gewissen, weil etwas nachhaltig, grün, öko, regional, fair oder was auch immer ist. Verkannt wird, dass das Konsumverhalten an sich die Wurzel ist.
Es ist schade, wie wir so zunehmend durch (in der Regel PR-)  gesteuerte Initiativen auf Dinge aufmerksam gemacht werden, die dem menschlichen Verstand auch so auffallen sollten. Aber so ist es ja einfach: Heute ist Dingsbums-Tag, alle sind wir heute ganz betroffen, die Zeitungen schreiben ihre so tiefsinnigen Sonderartikel und dann machen wir weiter wie bisher. Kinder, Frauen, Flüchtlinge, AIDS, Brustkrebs, Essstörungen, gestörte Selbstbilder, der Wald, Robben… – unsere gesellschaftlichen Themen und Probleme werden immer wieder zum Zugpferd für umtriebige Marketingabteilungen, die dann einem Unternehmen den Anstrich gesellschaftlicher Verantwortung verpassen und Zuständigkeiten umverteilen und neu besetzen. Weiter gedacht ist dies eine Entwicklung, die mir persönlich Sorge macht und ich empfinde es als Entmündigung, wenn wir in unserer Bequemlichkeit zulassen, dass uns die Verantwortung immer noch ein Stückchen mehr aus den Händen genommen wird und von Strukturen vereinnahmt wird, die wir nicht überschauen können.

Und die  so viel beschworene Adventszeit mit ihren blinkenden Verlockungen ist längst eine der Lieblingszeiten der Wirtschaft. Und wehe die Kaufprognosen fallen nicht positiv genug aus, dann wird ein finsteres Szenario ausgemalt, stattdessen sollte man sagen: Gut so, lasst es sein. So viele von uns haben immer weniger und das wollen wir nicht noch der Industrie in den Rachen schmeißen.
So wirklich frei fühle ich mich manchmal nicht in meinem Handlungsspielraum, zu viel prasselt auf einen ein an Anregungen, Einflüssen und Aufforderungen. Und von vielen Seiten hört man kurz vor Weihnachten eher ein Aufstöhnen und die Hoffnungsäußerung, dass es ja bald überstanden ist und man die Kekse nicht mehr sehen kann und einen die Lieder aggressiv machen und man hätte so was tolles Gebasteltes gesehen, aber man weiß nicht, wann man das noch schaffen soll… Und eigentlich sollte man noch drei Sorten Kekse backen… und… Und so verzieht sich die Vorfreude geknickt in eine stille Ecke und hofft auf ihren Moment und stattdessen  wanzt sich hartnäckiger Stress heran, der nach Glühwein und sozialen Verpflichtungen und festlicher Stimmung duftet… Und mit ganz viel Glück entlädt sich der Stress der Adventszeit dann unter dem hübschen Baum, der noch in letzter Minute schön gemacht werden wollte, dann wird das Essen nicht gelobt, die Deko kriegt keinen Auftritt und die Geschenke sind zu einfallslos oder eh selbst ausgesucht oder zu schnell ausgepackt… Dann hilft mehr Glühwein für den Moment und ein schwerer Kopf schleppt sich durch die Feiertage und die Besinnlichkeit, die auf ihren großen Auftritt zum Jahresende wartet, hat schon keine Lust mehr, sondern hofft auf weitere Ablenkung zu Sylvester. Nächstes Jahr, so der gute Vorsatz, wird dann wirklich alles anders gemacht.

Zu schwarze Gedanken in dieser hell glitzernden Zeit? Vielleicht, aber nicht nur. Wer gibt schon gerne zu, dass das Weihnachtsfest emotional ein Minenfeld sein kann und die Feiertage mitunter nicht nur schön, sondern auch herausgeputzt mit alten Spannungen sind?

Vielleicht deshalb, weil es eben nicht nur mildes Kerzenlicht und Bratapfelduft zum Fest der Feste gibt, macht sich das Bedürfnis breit aufzuräumen.
Und dabei kommt dann auch die Kiste mit den schönen Weihnachtserinnerungen ans Licht und in der raschelt es vielversprechend und  ich freue mich aufs Auspacken.

Und weil es nicht nur Kekse geben kann, etwas anderes, Herzhaftes aus dem Ofen.

Kürbis-Chorizo-Quiche

Für den Teig
200 Gramm Mandelmehl (wahlweise kann man 50 Gramm auch durch Walnussmehl ersetzen für eine andere Note)
1 großes Ei
50 weiche Gramm Butter
Salz
Pfeffer
Cayenne Pfeffer

Für den Belag
ca. 400 Gramm Hokkaido Kürbis in Spalten
2 mittlere Zwiebeln
150 Gramm Chorizo in Scheiben (ersatzweise eine andere scharfe Salami oder Speck)
2 Eier
Curry
Cayenne Pfeffer
Zimt
Salz
Pfeffer
Kokosöl

  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen
  • Das Mandelmehl mit der weichen Butter, dem Ei, einer Prise Salz, Cayenne Peffer und Pfeffer zu einem kompakten, klebrigen Teig kneten.
  • Eine Quicheform mit Butter einfetten, den Teig gleichmäßig dünn in der Form verteilen und am Rand leicht hochziehen, gleichmäßig mit der Gabel einstechen und für 15 Minuten bei mittlerer Schiene vorbacken.
  • Die Zwiebeln grob würfeln und mit den Kürbisspalten in etwas Kokosöl oder Butter anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind und der Kürbis etwas weicher. Vom Herd nehmen und großzügig salzen, pfeffern und mit Curry würzen
  • Nun den Kürbis, die Zwiebeln und die Chorizo auf dem Quiche-Boden verteilen.
  • Die Eier verquirlen, salzen, pfeffern und mit einer Prise Zimt sowie Cayenne-Pfeffer würzen.
  • Die Eimasse gleichmäßig über den Kürbis auf die Quiche gießen.
  • Die Quiche für ca. 30 Minuten in den Ofen, bis das Ei gestockt, der Rand aber nicht zu dunkel ist.

Dazu passt sehr gut ein schlichter Feldsalat mit Apfel und Walnüssen.

Guten Appetit!

Neue Bücher finden: Taiye Selasi. Altbewährtes essen: gefüllter Kürbis

Gefüllter Kürbis und LektüreZwischenzeitlich habe ich den Atem angehalten und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Manchmal war da auch ein Klops und heimlich still, unbemerkt ein paar Tränchen. Diese Dinge geschehen nicht einfach so – war eines der Bücher, die über den Geburtstagstisch zu mir wanderten. Und ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet, hatte noch nichts von der Autorin Taiye Selasi gehört und auch der Titel war mir kein Begriff. Nach den ersten Seiten war es dann um mich geschehen. Eine Familie. Sechs Charaktere, irgendwo für sich verloren gegangen zwischen Ghana, USA und Europa. Erfahrungsdimensionen, die mir fremd sind und dazwischen aber zarte Bande, die jeder kennt. Die Unaussprechlichkeit, die so viele Beziehungen innerhalb von Familien prägt. Das warme und das elende Gefühl. Liebe und Geborgenheit, ebenso wie Eifersucht, Schmerz und Verlust. Kalaidoskopartig breitet sich die Geschichte der Familie  vor dem Leser aus. Fragmentiert, denn jeder der Betroffenen kommt zu Wort, setzt sich die Geschichte dieser Familie nach und nach zusammen und hüllt den Leser ein, dumpf angesichts der persönlichen Tiefen, die die handelnden Personen, durchmachen. Die vielen verschiedenen Perspektiven, lassen die Wortlosigkeit nur noch deutlicher werden und man möchte ihnen gerne zurufen „Redet miteinander!“ Und man liest weiter und weiter, wie in der Hoffnung sie dadurch an einen Tisch zu bringen. Und mehr zu sagen, wäre zu viel zu verraten.  Auf jeden Fall verbirgt sich hinter dem fröhlichen Einband ein bewegendes Buch. Eines von der Sorte, die man nach dem Lesen noch einen Moment zugeklappt in der Hand hält, um die Stimmung festzuhalten.

Und wieder ein Buch, das einen Erfahrungshorizont nutzt, den jeder kennt: das Familiengeflecht. Und damit findet jeder sein Seitchen in dem Buch, sein Erkennen eines Gefühls, wenn er nur selbst mal mit etwas ((selbst-)kritischer) Distanz auf die Familie um sich herum geschaut hat. Und das ist immer wieder das faszinierende, das Bücher schaffen – einen mitzunehmen auf unbekanntes Gelände, um einen genau dort etwas Altbekanntes finden zu lassen. Das bewegt, bleibt hängen und setzt etwas in Bewegung. Egal wie klein der Gedanke ist, der sich nach der Lektüre formt: Es hat sich etwas verändert.

Und es wirkt noch nach und lässt mich weiter nachdenken, über dieses Konstrukt Familie und wie seltsam es doch ist, dass egal wohin man oftmals blickt, einen dieselben (Familien-) Dynamiken und emotionalen Stereotypen entgegenblicken. Ich weiß nur noch nicht ob ich diesen Gedanken beruhigend oder verstörend finden soll. Interessant ist er allemal. Und so lange wir so komplex emotionalen Wesen, mit all unseren Themen, Ängsten, Wünschen und Freuden uns zusammentun, solange wird immer wieder spannender Stoff entstehen. Ich freue mich schon auf weitere Lektüren.

Und gegen emotionale Achterbahnen literarischer Natur hilft ein vertrautes Essen:

Gefüllter Kürbis
Der wird auch nie langweilig.

1 Hokkaidokürbis (Ich nehme immer einen kleinen Kürbis (ca. 800-1000 Gramm für zwei Personen)
1 Bund Suppengrün
300-500 Gramm Hackfleisch (nach Größe des Kürbis)
1 mittlere Petersilienwurzel
2 Zwiebeln
Kokosöl
Salz
Pfeffer
1 scharfe Chilischote, gehackt
Curry
Cumin
Zimt

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Das Suppengrün, die Zwiebeln und die Petersilienwurzel pzuten und alles in kleine Würfel schneiden.
  • Das Gemüse in Kokosöl anbraten und großzügig würzen (Salz, Pfeffer, Curry, Chilischote, Cumin und eine Prise Zimt).
  • Den Kürbis waschen, halbieren und die Kerne entfernen.
  • Die Hälften salzen und pfeffern und auf ein Backblech legen.
  • Die Gemüsemischung mit dem Hackfleisch vermengen. Etwas salzen und pfeffern und nun die Füllung auf die Kürbishälften verteilen.
  • Für mindesten eine Stunde in den Ofen, bis der  Kürbis gar ist und die Füllung durchgebraten.

Für vegetarischen Besuch kann man das Hackfleisch einfach durch Schafskäse ersetzen. In jedem Fall schmeckt Chutney dazu!

Guten Appetit!

Das Runde will auf den Tisch – Kokos-Kürbis-Taler und das Gemüse-Desaster

Paleo FladenMan könnte meinen, es gibt nur Kürbisse  und Süßkartoffeln  in den Tiefen meinen Vorratsschrankes. Hmm, nein. Aber ich mag beides sehr gerne und man kann wunderbar vielfältig damit kochen.  Zudem sind sie fantastische Nährstoff-Lieferanten und, was ich besonders wichtig finde bei einer Kohlenhydrat-reduzierten Ernährung: Sie halten den Blutzucker-Spiegel stabil  – also keine Heißhunger-Attacken obwohl doch erst eine Stunde zuvor ordentlich gegessen hatte.

Das mit dem Gemüse, auch wenn ich bei Süßkartoffeln und Kürbissen im Hinblick auf die Gattung wohl nicht von Gemüse sprechen kann, aber ich bin keine Botanikerin, finde ich nach wie vor verwirrend. Manche scheiden aus, einfach wegen ihres Kohlenhydrat-Gehalts, andere mag ich nicht essen, da ich mich frage ob saubere Landwirtschaft dahinter steckt.  Wir scheinen als Spezies ja viel Energie darin zu investieren, den Planeten von unserer belastenden Existenz zu befreien.

Dann wieder gibt es Gemüsesorten, die vertrage ich nicht mehr so ohne weiteres: Von Paprika rülpse ich, dass es nicht mehr zu entschuldigen ist und Tomaten sorgen mitunter für juckende Spannungen der Haut rund um den Mund. Und warum soll ich  mich wieder an etwas gewöhnen, das mir anscheinend nicht gut tut?

Dann Salat: Mag ich nach wie vor sehr gerne, aber ich habe immer etwas Sorge was drin steckt, auch bei Bio und mein Magen verträgt die rohe Struktur auch nur in Maßen. So verringert sich die Liste von ganz alleine und trotzdem ist eigentlich immer etwas Gemüse dabei – nur halt viel weniger. Wo ich früher zwei Zucchini, eine Aubergine und zwei Tomaten angebraten hätte, als Beilage für zwei Personen, reicht heute eine Zucchini voll und ganz. Total abgefahren, manchmal denke ich ich müsste mehr essen, aber einfach nur weil ich es jahrelang so gemacht habe.

Und eine ganz neue Erfahrung ist es auch unterwegs zu sein. Ein Grund für den Wegzug aus der großen Stadt war ja die Sehnsucht nach dem weiten Grün. Hier im Taunus haben wir es gefunden und so machen wir uns regelmäßig bei wunderschönen Wanderungen kaputt oder gehen Paddeln oder oder…der Rucksack ist viel leichter, wenn man nicht noch den nächsten Fix für den Blutzuckerspiegel mitschleppen muss. Manchmal nehme ich pro Forma etwas Kleines mit, denn da ist die heimliche innere Sorge man könnte in der Wildnis Mitteldeutschlands, fern ab jeder Zivilisation, verhungern. Und dann stelle ich meistens fest, dass ich den Proviant zuhause wieder auspacke. Und wer nun mault, dass man dann ja nirgendwo einkehren kann, dem muss ich sagen, dass ich kulinarisch unterwegs selten vom Hocker gehauen wurde und nichts spricht dagegen in der Manier guter alte Ausflugslokale einen fiesen schwarzen Kaffee  oder einen Teebeutel-Tee zu trinken. Das sorgt auch für gedankliche Zeitreisen. Und ganz selten findet man auch kleine Perlen, die dann auch die Geschmacks-Snobs unter den Wanderern (zu denen ich mich oftmals zähle) glücklich machen, mit einer italienischen Kaffeemaschine oder  losem Tee.

Aber zurück zudem was bleibt, wenn man durch eine Ernährungsumstellung sein Nahrungspalette neu sortiert. Es ist mir ein großes Vergnügen zu schauen, was alles möglich ist mit den Dingen, die ich mag. Süßkartoffel-Schoko-Brownie, Rote-Beete-Schoko-Kuchen…lecker oder nomnom wie man wohl sagt.

Ich habe mein Kürbisbrot abgewandelt und eine trockenere Version in Form von Talern oder kleinen Fladen daraus gemacht.

Mein Rezept

1,5 Tasse Kürbiswürfel (ca 250 ml)
100 Gramm  Butter
3-4 Esslöffel Kokosmehl
2-3 Eier (drei, falls der Teig mit zweien zu trocken ist)
Salz
Pfeffer
Cayenne Pfeffer
Getrocknete Korianderblätter

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen
  • Die Kürbiswürfel in der Butter weich schmoren und dann pürieren.
  • 2 Eier quirlen und unter die etwas abgekühlte Kürbismischung rühren.
  • Das Kokosmehl nach und nach unterrühren, der Teig soll fest aber nicht zu bröselig sein – im Zweifel das dritte Eier hinzufügen
  • Nun nach Geschmack mit den Gewürzen abrunden. Ich empfehle etwas mehr Schärfe, die passt gut zu der buttrigen Süße des Kürbis.
  • Aus dem Teig 4-5 gleichmäßige Kugeln formen und auf dem Backpapier ausgekleideten Backblech zu Fladen drücken.
  • Für ca. 20-25 Minuten in den Ofen. Die Konsistenz sollte am Ende eher etwas trocken und die Oberfläche angebräunt sein.

Tipp: Dazu passen wunderbar krosser Bacon (auf dem Bild ist es gebratener Schweinebauch) und eine Curry-Butter!

Guten Appetit

Gute Begleiter – Kürbis-Brot

Kürbis-BrotSo, ich will unbedingt noch einen zuverlässigen kulinarischen Begleiter vorstellen, bevor ich  mich dem totalen Koch-Wahnsinn hingebe – das Wochenende steht in Form von Gästen vor der Haustür und ich habe eine irgendwo in mir tief verwurzelte Sorge, es könnte jemand nicht satt nachhause gehen.

Seit man als Kind bei den Verabredungen der Erwachsenen etwas vom besonderen Essen probieren durfte, ist dieser Zusammenhang fest verwurzelt: Ein schöner Abend bedeutet gutes Essen und Gastgeber-Sein. Beides Dinge, die ich sehr mag. Auch wenn es da kurz immer den Moment gibt, in dem ich denke, das schaffe ich alles nicht.  Dieses Gefühl resultiert meist aus dem Blick auf die umfangreiche Einkaufsliste, die einen kritischen Gedanken auf den Weg schickt – muss das sein? Ja, für mich muss das sein. Kochen bis zum Umfallen und dann in einem Zustand seliger Zufriedenheit zu fallen wenn Gäste über dem Essen ins Gespräch kommen. Dazu kommt, dass ich aus dem Alter raus bin, in dem die Menge des vorhandenen Alkohols über den Gelungenheits-Grad eines Abends entschied. Erwachsen-Sein kann so lecker sein!

Und dabei geht es auch nicht um ein Fischen nach Komplimenten : Haut rein und seid glücklich und wenn sich schmatzendes Schweigen ausbreitet, dann ist das größte Kompliment! Alles andere wäre Narzissmus, ausgetragen auf dem Rücken der Gäste. D s gibt es auch, aber dann schmeckt es halb so gut.  Und wenn ich ganz ehrlich bin, ich liebe die Vorbereitungen im Vorfeld – wenn aus einem Haufen Einkäufe ganz viele unterschiedliche Mahlzeiten entstehen, wenn man merkt, dass das Zeit-Management immer besser wird und man über viele Handgriffe nicht mehr so lange nachdenken muss. Und weil ich das Wirbeln beim Kochen so genieße, tue ich mich immer schwer Zuarbeiten zu delegieren – am liebsten mache ich alles selber. Das ist etwas, woran ich noch arbeiten werde. Denn helfende Hände sind ja angenehm.  Das Selbst ist halt auch eine sogenannte „Work in Progress“.

Damit den nicht Paleo-Essern unter den Gästen (was alle betrifft) nichts fehlt, gibt es immer auch Brot auf dem Buffet. Niemanden soll etwas aufgedrängt werden. Aber ich mache meistens noch eine Paleo-Variante. Im Prinzip ist es ja am sinnvollsten, sich den Automatismus „Ich brauche Brot zum Essen“ abzugewöhnen, denn Paleo-Brot bedeutet immer viel Nuss-Mehl. Aber für Ausnahmen finde ich das absolut ok. Man sollte halt einfach nicht das konventionelle Essen 1:1 übertragen und sich täglich ein halbes Paleo-„Brot“ reinziehen.

Ein brotiger Begleiter für diverse Essen ist das Kürbis-Brot. Ich habe es mir irgendwann aus einem amerikanischen Halloween-Menu geklaut. Ich weiß leider nicht mehr wo. Durch die süßliche Note ist es ein interessanter Kontrast zu vielen Speisen und ist wunderbar wandelbar in Würzung. Ich habe es abgewandelt und eher herzhaft gemacht

Mein Rezept

2,5 Tassen Mandelmehl (ich habe es nicht in Gramm umgewandelt sondern einfach dieselbe Tasse genommen, ca. 220 ml, um das Verhältnis beizubehalten)
1-1,5 Tassen Kürbis-Mus (aus gekochten oder gerösteten Kürbis, diesen einfach pürieren)
3 große Eier
0,5 Teelöffel Natron
große Prise Muskat
1 Teelöffel geriebenen Ingwer
2 Teelöffel Curry
1 Teelöffel Cayenne-Pfeffer (ich mag es scharf)
0,5 Teelöffel Salz

  • Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Alle Zutaten mit dem Hand-Rühgerät mixen. Ist der Teig zu flüssig, etwas Mandelmehl hinzu. Ist er zu trocken etwas mehr Kürbis und eventuell ein Schluck Wasser. Es soll ein kompakter fester Brei sein.
  • Eine Auflaufform großzügig fetten.
  • Teig einfüllen, glatt streichen und für 25-30 Minuten in den Ofen. Es bildet sich eine leichte Kruste und die Masse leistet leichten Widerstand wenn drauf drückt aber es soll nicht zu trocken sein.

Raus auf den Ofen und in Stücke schneiden – am besten ein Stück Butter auf das warme Kürbis-Brot und sofort genießen.

Guten Appetit!