Herrlich unspektakulär und die vielen Rezepte der Buchmesse

Paleo lebenWandern, Lesen, Zeit haben. Herbstsonne genießen, Essen planen und durchatmen. An Menschen denken und ein Päckchen packen. Neue Träume auf ihre Realitätskompatibilität überprüfen. Versuchen, nicht so viel fotografieren zu wollen und mehr bewusst für die Erinnerung zu sehen… Eine kleine Rauszeit.
Denn am liebsten bin ich zwar daheim, aber die sonnigen Herbsttage ziehen einen noch weiter fort vom Schreibtisch mit dem Arbeitstelefon. Und das, was muss an Arbeit, kann bei dem veränderten Arbeitsmodell ja zum Glück einfach mal eingepackt und mitgenommen werden. Es geht tatsächlich und mein Kopf ist entspannt wie seit Jahren nicht. In den letzten Jahren hatte ich oft Probleme, schnell vom Alltags- in den Urlaubsmodus umzuschalten. Ein blödes Konzept, das einem da aufgedrängt wird. Rechtzeitig, also frühzeitig den Urlaub planen müssen und dann hoffen, dass alles gut wird. Zum ersten Mal ist es umgekehrt, sich Zeitfenster spontan nehmen, durchschlüpfen und sich überraschen lassen, da man gar nicht die Zeit hatte, sie mit Erwartungen zu überfrachten. Die Tendenz hatte ich durchaus. Mein Vorfreude-Konzept war oftmals ein stark ausgeprägter Wunsch nach Flucht aus dem Alltag. Ernüchternd war dann meist die Feststellung, dass die Rauszeit begrenzt und der wiedereinsetzende Alltag effektiv in der Zersetzung von Erholung war. Auch in arbeitsintensiven Zeiten versuche ich jetzt mir meine Momente zum Durchatmen zu nehmen und mir immer wieder bewusst zu machen, was ich möchte und was mir gut tut. Und manchmal heißt das nur, abends mal alle Telefone unbeachtet zu lassen, in der Mittagszeit einen kleinen Spaziergang zu machen oder eben schnell zu entschlüpfen, wenn es gerade geht. Sei es nur in den nächsten Wald oder für ein paar Tage in ein kleines Haus in einen ferner gelegenen Wald, mit anderem Licht und anderen Gerüchen und Raum für neue Gedankenimpulse.
Vor gut einem Jahr habe ich meinen Job in der großen Stadt Berlin in den Endspurt geschickt. Haben wir unsere Wohnung gekündigt, ohne genau zu wissen, ob es alles gut geht. Zwei Festanstellungen, die wir aufgegeben haben, eine grobe Vorstellung, wo wir hinwollen und eine intensive Gedankenwälzphase, wie man die eigenen Fähigkeiten in ein anderes Arbeitsmodell übertragen kann. Zugebenermaßen hatte ich oftmals unruhige Gedanken im Kopf rumpeln, ob das alles gut geht, ob ich mich nicht zu sehr an das Leben in der Stadt gewöhnt habe, ob wir genauso gut gemeinsam arbeiten wie leben können. Ob wir realistisch planen.
Ich habe Sicherheiten immer gemocht, aber das Leben beweist einem auch immer wieder, dass es wirkliche Sicherheiten nicht in der Form gibt, dass sie in Stein gemeißelt im Regal stehen und einfach bleiben, egal ob finanziell oder emotional, man muss immer auch selbst etwas dazu beitragen, dass es weiter geht, dass es gutgeht, dass sich immer ganz viel ändert und dass das gar nicht so verkehrt sein muss. Ich glaube diese Unsicherheiten auszuhalten und sich nicht an bestimmten Vorstellungen festzubeißen, ist die größte Sicherheit, die man sich selbst geben kann. Und wenn man sie sich nicht selbst gibt, sondern an bestimmten Zielen, seien sie materieller oder zwischenmenschlicher Natur, festmacht, dann wird man unweigerlich wieder in Unsicherheiten getrieben.
Das Umdenken ist anstrengend und ein andauernder Prozess, aber er befreit ungemein und macht viele Dinge plötzlich einfacher, denn man ist weniger getrieben und entwickelt eine neue Art der Bescheidenheit. Insofern bescheiden, dass man annimmt, was man erreicht hat und wertschätzt, was einem umgibt und nicht immer noch mehr oder anderes möchte, weil es einen vermeintlich eine neue Sicherheit bietet oder einen Schritt weiter in einem Plan bedeutet, der vielleicht gar nicht der eigene ist.
Das soll nicht abgehoben klingen, es ist nur eine Erkenntnis, die sich durchsetzt in meinen Kopf und in dem, wie ich mein Leben gestalte. Fixe Ideen, können zu Träumen werden, können Gestalt annehmen. Wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun. So abgedroschen es klingen mag: Von nichts kommt nicht.
Zwei Stunden Yoga bedeuten keine wahre spirituelle Erfahrung und ein teures, schönes Kleid machen mich nicht zu einem schöneren Menschen.
Aber wir werden darauf trainiert, allen Bereichen in unserem Leben mit einem Konsumentenverhalten gegenüber zu treten. Bei dem man nimmt und einfordert und konsumiert aber nicht selber investiert und gibt.
Der besondere Mensch fragte mich an unserem ersten Tag in dem kleinen Haus, was ich dem Tag bringen möchte. Nachdem ich den Satzbau erst einmal in Gedanken hin und her gewendet habe, das klang so seltsam, machte es Klick und machte Sinn und ich fand es richtig. Was der Tag uns bringen soll… Immer sollen die Dinge und Menschen und Momente uns etwas bringen – wir sind einfach eine Spezies mit der Tendenz zu ausgeprägtem Egoismus. Und wir schaffen es ja sogar noch das Geben in eine narzisstische Handlung zu verdrehen. Da macht das Umdrehen Sinn. Was bringe ich dem Tag, der Zeit, die ich habe? Das heißt nicht, dass ich nun die Pläne für eine Revolution entwerfe, aber es kann in der persönlichen Konsequenz ganz einfach und einschneidend in der Frage enden: Habe ich meine Zeit sinnvoll genutzt? Habe ich etwas zurückgegeben? Man vergräbt solche Gedanken oftmals tief und in einer narzisstisch geprägten Gesellschaft wie der unseren werden viele für sich die Frage positiv beantworten, aber werden im Endeffekt nur ihren Egoismus befriedigt haben. Denn das lernen wir ja, konsumieren und erfüllte Konsumwünsche mit etwas Erreichtem gleichsetzen. Dabei kann es etwas kleines sein, wie sich zu überlegen, wem man vielleicht einmal besser zuhören sollte, oder wo man nicht so genervt oder fordernd sein sollte.
Würden wir in Zeiten und in einer Gesellschaft leben, die uns aus Prinzip im Nachdenken fördern und uns mehr Raum und Zeit zum reinen Denken lassen würde, wäre diese Gesellschaft sicher eine andere.
Und was dann auch überflüssig wäre, wären diese Regalmeter an Ratgebern, die einem auf der Buchmesse an allen Ecken ansprangen. Egal welches der dort ausstellenden Länder, die Tendenz war deutlich: Die Menschen wollen Antworten und Rückversicherung, weil sie tief drinnen eben doch spüren, dass etwas nicht in der Balance ist.
Aber sie wollen es schnell, sie wollen die schnelle vegetarische Küche, die 15 Minuten Yoga täglich, sie wollen in drei Dates zum finanzstarken Versorger-Traummann, mit zwanzig Tricks zum Manipulationsgenie im Meeting, in zwei Wochen zur Traumfigur, in drei Schritten zur perfekten Gastgeberin, mit simplen Kniffen schöner Wohnen, auf hundert Seiten zu perfekten Eltern und einen funktionierend Paar und in drei Bänden glücklich und zufrieden werden.
Statt all dieser Bücher, die Ausgeburt der Marketingmaschinerie einer Industrie sind, sollte man vielleicht kleine mentale Kneifzangen verteilen, die einem laut ins Hirn brüllen, bis ein Aufwachen einsetzt. Denn der leise Stupser wird nichts bringen. Aber man kann sich auch ganz gut immer mal wieder selber kneifen und Entscheidungen und Motive prüfen und sich vor allem frei machen von all dem, was und wie wir sein sollen. Und dann braucht es nicht die große Bühne oder den vor sich her getragenen Erfolg. Nein, dann lässt es sich ganz zufrieden, herrlich unspektakulär, leben.
Das ist einen Versuch wert.

Advertisements

Rezepte für das Leben oder Fertigmischung

Rezepte fürs LebenIch  habe mir wohl oft genug gewünscht, an irgendeinem Punkt in meinem Leben hätte mir mal jemand eine Gebrauchsanleitung in die Hand gedrückt. Oder besser noch: Ein einfaches Rezept. Überschaubare Zutaten und klar definierte Handlungsschritte und tatataa: ein Ergebnis. Aber das wäre wohl auch nicht das Wahre. Die ganzen Irrungen und Wirrungen, in die wir uns Tag für Tag wieder stürzen, gehören wohl dazu. Wobei ich den Verdacht nicht los werde, dass es Menschen gibt, die sich einfach eingerichtet haben und sich nicht stören lassen in diesem selbstgesetzten Rahmen. Ein solcher Lebensentwurf wird ja auch wunderbar unterstützt in unserer Gesellschaft. Dir geht es nicht gut? Lies einen der gefühlten 10 000 Ratgeber und kauf direkt den Folgeband dazu und wenn das nicht hilft, mach ne entspannte Reise oder kauf dir was Schönes. Immer noch nicht genug? Such Dir Ablenkung, erfülle Deine sozialen Pflichten, bilde Dich weiter, achte auf Dich, mach dich hübsch, mach ne Detox-Kur, meditier, geh aus, schlaf regelmäßig, trink weniger Alkohol und mehr Wasser, iss vernünftig und gesünder… Du möchtest tiefer vordringen? Dann such Dir nen Coach – Therapeuten sind so was von gestern, töpfer oder mal was, sing oder tanz, tu Gutes und und und….

Wie kriege ich alles unter einen Hut, was mir da so an Möglichkeiten geboten wird und wie zur Hölle geht das eigentlich mit dem berühmten eigenen Weg?  Selbstfindung – so ein wahres Wort und leider mit Klischees überladen. Ob das Zufall ist? Finden, sprich Suchen, erfordert Konzentration. Wo finde ich die in dem Hin und Her und den Anforderungen von mir und anderen an mich? Und warum geht alles immer schneller?

Ich finde, man kann sich ganz wunderbar selbst in einen Gedankenstrudel hinein schrauben, der am Ende total unproduktiv und destruktiv ist. Ich weiß aber auch, wie schnell so etwas gehen kann. Wie es quasi in unserem westlich-modernen Erwerbs-Lebensentwurf angelegt ist, sich immer mal wieder zu verlieren. Und dann probiert man all die Wege aus, die der Mode der Zeit entsprechend gerade durch den Mainstream geistern, oder man ist mutiger und sucht am Rande, auf die Gefahr hin belächelt zu werden,  wenn man mit spirituellen Lösungsansätzen daher kommt. Nein, nein – weg damit.

Ein Rezept also. Und zwar bitte frühzeitig, dann kann man seinen Weg gehen ohne das ein oder andere rückblickend unnötige Drama. Ein Rezept, das einen etwas mehr zu sich selbst führt und entspannter werden lässt inmitten von Anforderungen, Bildern und Projektionen, die jeden Aspekt des Lebens in den Krallen halten. Denn es gibt sie nicht umsonst, die Rama-Familie,  die Erfolgsstories, die Vorher-Nachher-Styling-Geschichten, die Beschwörung von Beziehungsidealen mit ihren öffentlichen Traumpaaren, das Bild der Geselligkeit inmitten anderer gutgelaunter attraktiver Menschen – es kostet eine unglaubliche Anstrengung, sie abzustreifen, diese eingeimpften Bilder. Und ja, auch wer nun die Brauen runzelt und sich frei von Manipulation wähnt, wird seine Fallen finden. Und sei es dem Schönheitsversprechen der Kosmetik zu glauben oder beim Klamottenkauf den Bauch einzuziehen….oder vielleicht doch im Gespräch mit anderen die ein oder andere Leistung noch etwas hervorzuheben…man gehört ja dazu und funktioniert. Ein Kampf gegen Windmühlen. Und da jeder ihn führt, liegt eine Lösung vielleicht in den Menschen.

Jeder hat seine kleinen Kämpfe und Ticks und Marotten und das soll auch nicht anders sein… Aber jeder geht damit anders um und ich bin einfach der festen Überzeugung, dass nicht jeder Mensch mit unschuldigen Ambitionen durch die Welt läuft. Wer kennt sie nicht, die kleinen Sticheleien unter Freunden. Man kennt sich so gut, eine kleine Spitze verpackt als Witz  – wir haben doch Humor! Ein Gespräch über Personen in deren Abwesenheit, natürlich ganz im Vertrauen und mit den besten Absichten – das macht so viel Spaß, ich weiß. Ein Spielchen mit den Gefühlen anderer. Nicht immer bewusst, aber manchmal schon, wenn man merkt, was man tun muss um zu kriegen was man will. Das klappt als heulende Dreijährige ebenso gut wie als sturer Vierzigjähriger oder als exaltierte Zwanzigjährige. Wenn man mal ganz ganz ehrlich ist, kennt jeder solche Menschen, zumindest einen – sich selber… Und wer da jetzt nein sagt, ist ein besonders heißer Kandidat! Aber das Gute ist ja, dass wir die Fähigkeit zur Reflexion haben, wir können unsere Handlungen reflektieren, wir haben emotionale und moralische Maßstäbe. Wir besitzen Empathie. Psychopathen nun einmal ausgenommen. Wir haben selbst in der Hand unser Verhalten zu ändern und wir können uns mit Menschen umgeben, die genauso denken wie wir, die unsere Wertvorstellungen teilen, die uns Gutes wollen und ehrlich sind in dem, was sie uns spiegeln. Die Freundschaften, die wir pflegen und das Gespinst an Dynamiken, die diese bedeuten, sagen viel über uns aus. Eine neue Liebe? Dann ist der beste Freund, die beste Freundin eigentlich das  herausforderndere Treffen als das mit den Eltern… Und  weil das mit den Menschen unter einander nicht immer ganz einfach ist, denn auch wenn man versucht der Welt mit Respekt zu begegnen, bekommt man diesen nicht immer zurück, hat man auch hier die Wahl: Man darf Menschen aus seinem Leben verabschieden, wenn sie einem nicht gut tun. Wenn sie einen nicht wachsen lassen, oder die Treffen und Gespräche zu oft ein seltsames Gefühl der Unsicherheit oder des Unbehagens hinterlassen.  Das fällt so schwer zu sehen und sich einzugestehen, aber es gibt sie viel zu oft, die destruktiven Mechanismen, die uns Energie kosten. Die Menschen, die uns ausbremsen und zurechtstutzen, Neid hinter falschen Komplimenten verstecken oder leere Versprechen auftürmen… egal ob in Freundschaften oder anderen Beziehungen. Wir dürfen kritisch sein, wenn wir es zu allererst uns selbst gegenüber sind.  Da ist das Schwerste von allem.

Und weil das alles so kompliziert ist, ist er da, der Wunsch nach dem Patent-Rezept. Ich weiß nicht was anderen so schmeckt in dieser Hinsicht, aber für mich hat sich eine kleine Lösung aufgetan. Simpel aber klar. Ein Mensch, der sich obsessiv mit dem Thema Essen beschäftigt, sollte vielleicht beginnen Analogien zwischen den Bereichen des Lebens zu bilden. Denn letztlich hängt es alles tatsächlich zusammen.

Warum nicht die Grundsätze und Anforderungen, die ich an mein Essen stelle, auch an die Gefühlsnahrung stellen.

Keine Zusätze, keine unverständlichen und schädlichen Zusatzstoffe, keine künstlichen Farbstoffe und Geschmacksverstärker. Was schlecht ist, kommt weg. Und hinschauen, ob man erkennen kann, was man sieht. Ehrlich, mit gutem Geschmack, Substanz und voller guter Nährstoffe…vielleicht ist das ein erster Schritt, einen weiteren Faden etwas zu entwirren in diesem seltsamen Gespinst, in dem man so steckt.

Guten Appetit!

Bombenstimmung am Kaffeetisch

Lemon BarEs gibt so einige üppigere Rezepte aus der Paleo-Küche, bei denen traue ich mich kaum sie weiterzugeben. Zu hoch ist das Sucht-Potential, da ich ja eigentlich nur schreibe um einen Einblick in einen ganz unspektakulär einfachen Paleo-Alltag zu geben, der ein normales Leben mit einer bewussten Lebensweise vereint. Aber es schmeckt so gut!

Persönlich bin ich anfangs bei so manchen durchdesignten US Paleo-Blogs vor Ehrfurcht in die Knie gegangen und habe mich gefragt wie machen die das? Soviel Kochen und Backen und immer appetitlich präsentiert und nebenbei noch Fermentieren und Dehydrieren und eEnkochen und Kosmetik selber herstellen und ein wahnsinniges Sport-Pensum absolvieren und und und…das hat mich erstmal wieder zurück getrieben in das innere Gedankenreich und mich Abstand nehmen lassen von einem Blog-Projekt.

Aber irgendwann dachte ich dann, warum nicht zeigen dass es auch anders geht. Oder was heißt anders –  einfach machen und sich nicht so sehr darum scheren, was andere denken. So wunderbar die Paleo-Lebensweise ist – für viele ist sie ein Randthema und wenn es dann noch weitergeht und man auch anfängt andere Produkte wie Kosmetik selber herzustellen und immer mehr gesunde alternative Lösungen für konventionelle Produkte sucht, wird man mitunter sanft belächelt und in die Sonderling-Schublade gesteckt.

Man kann dem sicherlich entgegensteuern wenn man sich ganz viel Mühe mit der Präsentation der Rezepte und dem Design des Blogs gibt, aber ich glaube mein Schwerpunkt liegt einfach auf dem Erzählen der kleinen Dinge, die so rund herum um das Kernthema Essen passieren.

Ach ja, eine solche Sache, die dem Umfeld auf der Seele zu brennen scheint, ist mein Gewicht. Ich weiß nicht was ich wiege, seit meiner Waagen-Abhängigkeit in Teenager-Jahren mache ich einen Bogen um die Dinger, denn es ist letztlich egal für meinen Alltag. Seit sich allerdings im Zuge der Ernährungsumstellung doch deutlich etwas an meinem Erscheinungsbild geändert hat oder zu haben scheint, man selbst steckt ja drin und sieht sich jeden Tag, gilt nun häufig eine der ersten Bemerkungen bei einem Wiedersehen meinem Gewicht, ob ich schmaler, kräftiger, gesünder, fiter oder mitgenommen aussehe. Und dann frage ich mich manchmal schon, was die Intention ist, denn natürlich, auch ich mache anderen Menschen Komplimente, aber die klingen anders und nicht so feststellend. Wenn ich keinen guten Tag habe, weil auch ich schlafe manchmal zu wenig dann ist es so als hätte ich damit dem Gegenüber den Beweis geliefert, das die Paleo-Ernährung nicht so gesund ist, wie ich immer behaupte. Dasselbe gilt für  vermeintliche Gewichtsschwankungen, die ich selber gar nicht registriere, denn alles passt, nichts kneift. Es verändert sich höchstens noch der Körper durch den regelmäßigen Sport.

Liebe Leute, Komplimente sind etwas wunderbares, von Herzen kommend, sind sie kleinen Geschenke des Alltags, die man seinen Mitmenschen machen sollte, wenn sie ehrlich sind. Das zeugt von Aufmerksamkeit und Respekt. Aber eine ständige Thematisierung meines Gewichts/Körpers – muss nicht sein. Und ganz ehrlich: Jemanden, der unsicherer ist, kann man mit solchen Kommentaren auch in üble Gedankengänge und Selbstzweifel schicken. Das ist nicht nett. Ich kommentiere ja auch nicht das Hautbild oder die Haarstruktur oder oder oder…suche mir irgendeinen blöden Aufhänger um irgendwie zu piksen.

So, das wollte mal raus. Und weil es so gut passt kann man sich ja nun gedanklich  wieder an die Kaffee-Tafel begeben, zu einer wirklich unverschämt lecker-sommerlichen Kuchen-Bombe: Lemon Bars

Das Rezept

Teig

2 Eier
¼ Tasse weiche Butter
3 Teelöffel Xucker
¼ Tasse Kokosmehl
¼ Tasse Kokosraspeln
½ Tasse Kokoschips
Prise Salz
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Eier mit dem Xucker und der Butter schaumig rühren.
  • Kokosmehl. Kokosraspeln, Kokoschips, Vanille und Salz unter die Eiermischung rühren bis sich ein klebriger Teig bildet. Aufpassen, dass man die Kokoschips nicht zu klein rührt, sie dürfen ruhig etwas größer sein, das sorgt für eine schöne Konsistenz des Boden.
  • Nun den Teig in einer gefetteten Form mit höherem Rand verteilen, dass sich eine gleichmäßige Teigschicht bildet.
  • Die Form für ca. 20 Minuten in den Ofen geben. Der Boden soll einmal durchbacken und darf ruhig etwas gold-braun auf der Oberfläche sein.

Die Creme

1 Tasse Zitronensaft (ca. 7-8 mittlere Zitronen)
6 Eier
4 Esslöffel Xucker
1/2 Tasse geschmolzene Butter
Prise Salz

  • Zitronen auspressen und den Saft durchsieben, damit keine Teilchen zurückbleiben.
  • Nun den Zitronensaft zusammen mit den 6 gequirlten Eier, dem Xucker und der Prise Salz in einer Rührschüssel über Wasserdampf (nicht im Wasserbad, zwischen Schüssel und Wasser soll etwas Luft bleiben langsam erhitzen.
  • Dabei ständig mit dem Schneebesen  weiterrühren, damit sich keine Klümpchen bilden!
  • Wenn die Ei-Masse sich langsam erwärmt, die geschmolzene Butter unterrühren und weiter mit dem Schneebesen dabeibleiben bis sich die Masse beim Rühren langsam verdickt.
  • Weiterrühren bis sich ein dickliche Pudding/Creme-Konsistenz ergeben hat.
  • Nun d die Zitronencreme auf dem fertig gebackenen Boden verteilen und die Form in Kühlschrank geben bis alles komplett durch gekühlt ist (ca. 3-4 Stunden).

Tipp: Der Kuchen schmeckt durch die vielen Eier am ersten Tag am besten und eignet sich auch hervorragend als Dessert!

Einfach noch  mit etwas Kokoschips garnieren und in Stücke schneiden – und  Sommer schmecken!

Guten Appetit!

Sackgasse Bequemlichkeit – Where the Magic happens

ComfortzoneNach einem halben Jahr in einer neuen Lebenssituation klopft mir die Reflektion an den Kopf und will ein wenig Rückschau geleistet bekommen. Wie geht es mir denn so, jetzt hier, ohne die große Stadt, mit der eigenen Firma, gemeinsam mit dem Mann, auf dem Dorf, in einer völlig anderen Ecke Deutschlands?

Vorab, liebes rückschauendes Ich – es geht mir sehr gut! Und auch wenn ich nicht so genau sagen kann, was in 6 Monaten sein wird, würde ich den Schritt raus aus dem Gewohnten immer wieder gehen. Und weil die Gedanken inmitten der Hügel so ungezwungen schweifen, lasse ich ihnen mal freien Lauf. Denn es treibt mich wirklich um, was es ist, das uns abhält vom ehrlichen Glück.

Nun, mag man sich denken, das war ja kein Auswandern in ein Land jenseits unserer Bequemlichkeits-Maßstäbe. Das mag stimmen, aber es war der Schritt raus aus einem Leben in der großen Stadt Berlin, mit einem dieser coolen Jobs, einem gesichertem Einkommen, dem Freundeskreis vor der Tür und einer gewissen Planungssicherheit.

Rein in das Landleben, in einer Gegend, die man nicht kennt, wo man sich alles, inklusive des eigenen Unternehmens neu aufbaut.  Abends keine Bars direkt vor der Tür, eine sehr reduzierte gastronomische Landschaft  und keine immer neuen Konsum-Impulse, die helfen sollen, das Bild vom Ich zu komplettieren. Oh, es klingt wohl durch, dass ich es mag auf dem Land.  Auf dem Land – dabei sind wir so schnell in zahlreichen Städten aber doch reicht der urbane Würgegriff nicht ganz bis in die Felder.  Aber Stopp, statt mich in Lobeshymnen ob der neuen Heimat zu ergehen, wollte ich mich den Veränderungen der letzten Monate stellen.

Veränderungen sind ja so eine zweischneidige Sache: Auf der einen Seite fürchten wir den Stillstand, wenn dieser bedeutet, dass wir stagnieren und uns nicht weiterentwickeln. Auf der anderen Seite sind Veränderungen immer auch etwas nicht ganz Kalkulierbares. Wir können nie sicher sein ob das, was wir uns vorgenommen haben auch genauso passieren wird.

Das Besondere an den Veränderungen ist: Es verändert sich eh immer alles und  wir bleiben vielleicht vermeintlich verhaftet im Gewohnten aber dann wird das Bleibende durch äußere Faktoren verändert.

Es ist also an uns, die Spielräume zu nutzen, die wir haben. Ich kann durch mein Leben stolpern und lamentieren über Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren und um mich herum verständnisvolle Mitgefühlsbekundungen einholen oder ich kann mich hinsetzen und überlegen was ich ändern kann. Und ich lasse da jetzt Gegenargumente, die Existenzsicherung  etc. betreffend, nicht gelten. Wenn es dir nicht gut geht, dann musst Du etwas ändern. Wenn Du nichts änderst – dann mach es mit Dir selber aus aber das Gefühl wird nicht vergehen bzw. immer wieder kehren, dass etwas falsch läuft. Ich kann mir immer wieder Argumente zurechtlegen, die durchgreifende Wechsel verhindern aber dann  muss ich mich auch mit einer gewissen wiederkehrenden Frustration arrangieren. Ich meine jetzt nicht die kleinen Unzufriedenheiten des Alltags, die sind Teil des Lebens, in dem wir uns jeden Tag wieder neu sammeln und motivieren müssen. Ich meine die Lebenssituationen, in denen man merkt, dass man an seinen Fähigkeiten vorbei lebt, nicht gut mit seiner Gesundheit haushaltet und sich im falschen Lebensentwurf wähnt. Da darf man auf Dauer keine Entschuldigung gelten lassen.

Man muss sich selbst zuliebe Mut beweisen. Die einschlägigen Magazine sind doch voll solcher kreativer Erfolgsgeschichten von Menschen, die ihr Leben umgekrempelt haben, um etwas anderes zu tun, sich selbst näher zu kommen. Sei es mit bunt gefärbter Schafwolle aus Neuseeland, Papier-Fliegern oder einem neu gelernten Handwerk. Diese Geschichten kitzeln eine Sehnsucht in uns wach. Wir lesen sie voller Bewunderung für die Leistung dieser Menschen und auch ein bisschen mit dem kleinen Gedanken daran, was man selber alles auf die Beine stellen könnte, wenn nicht …Und doch haben wir wieder Argumente griffbereit warum wir nicht..,und außerdem, man sieht ja wie wenige solcher Geschichten es gibt.

Stopp! Es gibt so wenige solcher Geschichten, weil so wenige den Schritt raus aus dem Gewohnten wagen. Das ist absolut verständlich aber es lähmt uns und limitiert uns selbst in dem, was wir können und vielleicht ganz innen drin wollen. Diese Stimme, die dann angesichts solcher Erfolgsgeschichten etwas drängender wird. Dieses sehnsuchtsvolle Gefühl, das einen drängt zu schauen, was es noch gibt.  Nachgeben! Nichts ist trauriger, als sich am Ende seines Lebens der Momente zu erinnern, in denen man die Möglichkeit verpasst hat, für sich selbst und andere etwas Wahrhaftiges zu tun. Etwas wagen, für sich einstehen. Das heißt eben nicht grenzenloser Egoismus.

Sich verändern ohne Angst zu haben vor dem, was man verliert. Denn Veränderungen kleiden sich oft in Verluste. Da wird es Freunde geben, die den Wechsel vielleicht nicht verstehen und plötzlich ist die Beziehung verändert aber man darf diese Menschen gehen lassen, es werden neue kommen.

Es ist nicht einfach wenn man etwas ändert, das in den Mitmenschen auf ein ganz subjektives Echo trifft. Ändere ich meine Lebensweise und lebe eine konsequente gesunde Ernährung, kann ich schnell zur Projektionsfläche werden für jemanden, der mit diesem Thema zu kämpfen hat aber eher bereit ist die Veränderungen ins Lächerliche zu ziehen als hinzuschauen, was es bei ihm ausgelöst hat.

Verlasse ich die große Stadt, den gewohnten „Lifestyle“ und gehe plötzlich früh schlafen um früh aufzustehen und berausche mich lieber an Natur als in Bars, bin ich vielleicht total öde  und irgendwie etwas versponnen geworden für Leute, die mich jederzeit betrunken im Nachtleben in die Arme geschlossen hätten. Aber dann sind es vielleicht deren eigene Sehnsüchte, die sie schnell im Urteil werden lassen. Solange es sie nicht zwingt selbst etwas überdenken zu müssen. Wer neue Wege gehen will, darf keine Angst vor Unangepasstheit haben. Everybodys Darling und die coolste Sau der Party können nicht für sich allein glücklich im Selbst sein.

Veränderungen sind nicht bequem. Kein Instant-Lösungen für das schnelle Glück. Aber wer das sucht, muss nicht viel ändern – Konsum in all seinen Ausprägungen ist da die Droge. Genauso wie die permanente Selbstbestätigung von Außen für Narzissten.

Aber wenn ich in Kauf nehme, etwas für mein Glück zu riskieren dann werde ich belohnt.

Belohnt mit Energie und Motivation für neue Projekte, denn wenn der erste Schritt getan ist – was kann mich dann noch stoppen? Belohnt mit neuen wertvollen Begegnungen. Und belohnt mit der Gelegenheit mich selber und meine Talente und Ansichten noch einmal neu kennenzulernen.

Ich mag das.