Die hellen Tage im Grau mit Zsuzsa Bánk und die perfekte Beilage in neuer Form: Hasselback Süßkartoffel

Süßkartoffel_HasselbackTaschen packen will ich gerade erst einmal nicht. Auch wenn das Grau vor dem Fenster einen mitunter sehnsüchtig in Richtung Sonne blicken lässt, irgendwie mag ich es auch, dieses trübe Grau. Gegen winterliches Weiß und ordentliche Kälte wäre auch nichts einzuwenden, ich bin ein großer Freund unser mitunter sehr verschrobenen Jahreszeiten. Frühlingsgrün, Sommersonnengeruch, Herbstgold und Winterklar… Ich möchte sie nicht missen und all die vielen Zwischentöne, die sich da verstecken.

Und was wären Gespräche ohne endlose Wetterbetrachtungen? Und das Klima verleiht einem Ort seinen ganz spezifischen Duft. Die Atlantikküste riecht für mich nach staubig warmen Pinienwäldern, die Vogesen und auch die Bretagne riechen noch im Nebel nach Honigginster und Heu, der Taunus riecht würzig klar nach feuchter Erde und Dänemark wird für mich immer nach Ferienhaus und Holzofen riechen. Berlin hat lange nach Kohlenofen-Realismus gerochen und in London hatte es oft etwas seltsam weiches Müffeliges… Mein Kopf scheint manchmal voller kleiner Glasflakons, in denen die Erinnerungen an Orte in Form von Gerüchen lagern. Situationen erinnere ich meistens in Zusammenhang mit Essen, zusammen genommen bleiben dann recht präsente liebe (Sinnes-)Eindrücke in den Kammern des persönlichen Erinnerungsarchivs haften.

Gerüche beeinflussen mich auch maßgeblich bei Menschen und an Orten. Starkes Parfüm oder dominante Gerüche verursachen mir Kopfschmerzen. Der Geruch neuer Autos, frisch renovierter, noch nicht lange belebter Wohnungen und ein Gang in die Parfümerie – da muss sich der Kopf einschalten und den Sinneseindruck erst einmal ausschalten um sich auf die Situation einzulassen. Damit zusammen hängt auch meine Abneigung gegen die ganzen Transportkisten, mit denen wir so unterwegs sind: lange Autofahrten, im Zug oder Flugzeug… Das alles verursacht mir eine Dumpfheit im Kopf und die Sehnsucht nach frischer Luft wächst.

Es lässt sich nicht immer ändern, aber ich bin bis heute kein Freund von langen Wegen für geschäftliche Treffen oder private, das bringt mich aus dem Tritt. Mal kurz nach Paris, Kopenhagen oder Düsseldorf für die Arbeit, das fand ich nie cool und wichtig, sondern immer eine Herausforderung für den Körper und eine Übung im Balance finden. Dann noch eine kurze Nacht in irgendeinem Hotel – das ist nicht meins. Ich mag einfach keine Hotels, egal wie einfach oder aufgehübscht oder durchgestylt – Hotels sind für mich kein Ort um wieder in die Balance zu kommen. Komischerweise gelingt mir das in Ferienwohnungen besser. Da packe ich alles aus, egal wie kurz ich da bin, breite mich aus und kann zumindest temporär ankommen. Und kann mich kurz dem Gedankenspiel hingeben, wie es wäre an dem Ort, an dem ich gerade bin, zu wohnen. Jeden Morgen aus der Wohnung auf diese Straße zu treten und diese Gerüche zu atmen und dieses Licht zu spüren und diese Nachbarn zu hören. Das sind immer wunderbare kleine intime Einblicke in den jeweiligen Aufenthaltsort. Die Nachbarin in Italien, die morgens um 9 Uhr das Fenster aufmacht und von da an nicht mehr den Mund hält, nur unterbrochen von der Espressokanne auf dem Herd – das wird immer einen netten kleinen Platz im Erinnerungsalbum haben…

Und dann ist da noch der praktische Aspekt – die Verpflegung. Mit dem Frühstück im Hotel kann ich nicht mehr viel anfangen und ich mag es dann die Möglichkeit zu haben, mich selber in meinem Sinne zu verpflegen. Durch fremde Supermärkte und Märkte zu streifen und improvisierte Neuigkeiten zu kochen oder ein Picknick zu machen. Wenn sich ein passendes Restaurant findet, fein, aber es ist nicht zwingend notwendig und es ist einfach schön neue Orte nicht nur durch die Konsumentenbrille zu erkunden.

Aber momentan bin ich einfach nur beschäftigt, die vielen Eindrücke dieses noch jungen Jahres zu sortieren und habe ein großes Bedürfnis einfach nur daheim zu sein.  Bitte gerade nicht unterwegs sein! Und bitte keine komischen Menschen, die einem Energie saugen. Die Zeit ist kostbar, auch hier auf dem Lande. Und ich bin froh, dass der Kopf nicht durch zu viele Sinneseindrücke betäubt wird, sondern in der momentan knappen Zeit zur Ruhe kommen kann.

Und langsamer kreist… Und sich erinnert… Etwa an ein bestimmtes Buch, das ich schon vor längerem gelesen habe und seitdem nicht müde werde zu verschenken: Die hellen Tage, von Zsuzsa Bánk.  Ein ganz seltsam schönes Buch über Freundschaft, die Liebe, Mütter und die Bänder, die alles verbinden. Seltsam deshalb, weil das Buch in der Erinnerung selbst so ein heller Tag ist. So ein Tag, an dem die Sonne so intensiv strahlt, dass man gar nicht genau hinschauen kann und alles ein bisschen undefiniert bleibt, unwirklich.  So wie der Schein, der die Dinge umgibt, wenn man im Gegenlicht die Augen zusammenkneift. Und seltsam auch, weil es sich nicht sofort erschlossen hat,  ich habe hier tatsächlich mal zwei Anläufe gebraucht. Beim ersten Mal passte der Moment wohl nicht, denn das Buch wanderte zurück auf den Bücherstapel und da lag es dann, bis ich wieder drüber stolperte und dann wollte ich es einfach nicht enden lassen. Ein so stimmungsvolles Buch, dass sich die Erinnerung daran beinahe einreiht in die eigenen, persönlichen Erinnerungen und der Gedanke daran fast wie mit Gerüchen unterlegt ist. Ein ganz besonderes Buch und ein helles, in diesen grauen Tagen.

Und für die guten Gerüche und das damit verbundene Wohlbehagen kann man zum Glück etwas tun. Etwa Kochen…

Süßkartoffel Hasselback
Ein wunderbares Rezept, das ich auf dem netten Blog „A Boy from Stoneage“ fand, der immer wieder gute Inspirationen für neue Rezepte bietet, ohne den Leser mit zu viel Chi Chi zu überfordern.

Einziger Unterschied, ich habe in diesem Falle den Knoblauch weggelassen, weil ich eine neutralere Grundlage haben wollte.

2 mittelgroße Süßkartoffeln (ca. 400 Gramm)
2 Teelöffel gehackten Thymian
Salz
Olivenöl

  • Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffeln gründlich waschen und in feine, gleichmäßige Scheiben (ca. 2 Millimeter) anschneiden. Das heißt: Nicht komplett durchschneiden, sondern sie sollen unten verbunden bleiben.
  • Nun den Thymian und das Salz in die Spalten streuen und alles mit Olivenöl beträufeln.
  • Dann für 45-55 Minuten in den Ofen, bis die Süßkartoffel gar ist. Auf der Hälfte der Zeit die Scheiben etwas auffächern. Sieht schöner aus und man sieht besser ob sie durch sind.
  • Eine perfekte Beilage, die auch gut zu Pastete oder Ähnlichem passt.

Guten Appetit!

Neue Bücher finden: Taiye Selasi. Altbewährtes essen: gefüllter Kürbis

Gefüllter Kürbis und LektüreZwischenzeitlich habe ich den Atem angehalten und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Manchmal war da auch ein Klops und heimlich still, unbemerkt ein paar Tränchen. Diese Dinge geschehen nicht einfach so – war eines der Bücher, die über den Geburtstagstisch zu mir wanderten. Und ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet, hatte noch nichts von der Autorin Taiye Selasi gehört und auch der Titel war mir kein Begriff. Nach den ersten Seiten war es dann um mich geschehen. Eine Familie. Sechs Charaktere, irgendwo für sich verloren gegangen zwischen Ghana, USA und Europa. Erfahrungsdimensionen, die mir fremd sind und dazwischen aber zarte Bande, die jeder kennt. Die Unaussprechlichkeit, die so viele Beziehungen innerhalb von Familien prägt. Das warme und das elende Gefühl. Liebe und Geborgenheit, ebenso wie Eifersucht, Schmerz und Verlust. Kalaidoskopartig breitet sich die Geschichte der Familie  vor dem Leser aus. Fragmentiert, denn jeder der Betroffenen kommt zu Wort, setzt sich die Geschichte dieser Familie nach und nach zusammen und hüllt den Leser ein, dumpf angesichts der persönlichen Tiefen, die die handelnden Personen, durchmachen. Die vielen verschiedenen Perspektiven, lassen die Wortlosigkeit nur noch deutlicher werden und man möchte ihnen gerne zurufen „Redet miteinander!“ Und man liest weiter und weiter, wie in der Hoffnung sie dadurch an einen Tisch zu bringen. Und mehr zu sagen, wäre zu viel zu verraten.  Auf jeden Fall verbirgt sich hinter dem fröhlichen Einband ein bewegendes Buch. Eines von der Sorte, die man nach dem Lesen noch einen Moment zugeklappt in der Hand hält, um die Stimmung festzuhalten.

Und wieder ein Buch, das einen Erfahrungshorizont nutzt, den jeder kennt: das Familiengeflecht. Und damit findet jeder sein Seitchen in dem Buch, sein Erkennen eines Gefühls, wenn er nur selbst mal mit etwas ((selbst-)kritischer) Distanz auf die Familie um sich herum geschaut hat. Und das ist immer wieder das faszinierende, das Bücher schaffen – einen mitzunehmen auf unbekanntes Gelände, um einen genau dort etwas Altbekanntes finden zu lassen. Das bewegt, bleibt hängen und setzt etwas in Bewegung. Egal wie klein der Gedanke ist, der sich nach der Lektüre formt: Es hat sich etwas verändert.

Und es wirkt noch nach und lässt mich weiter nachdenken, über dieses Konstrukt Familie und wie seltsam es doch ist, dass egal wohin man oftmals blickt, einen dieselben (Familien-) Dynamiken und emotionalen Stereotypen entgegenblicken. Ich weiß nur noch nicht ob ich diesen Gedanken beruhigend oder verstörend finden soll. Interessant ist er allemal. Und so lange wir so komplex emotionalen Wesen, mit all unseren Themen, Ängsten, Wünschen und Freuden uns zusammentun, solange wird immer wieder spannender Stoff entstehen. Ich freue mich schon auf weitere Lektüren.

Und gegen emotionale Achterbahnen literarischer Natur hilft ein vertrautes Essen:

Gefüllter Kürbis
Der wird auch nie langweilig.

1 Hokkaidokürbis (Ich nehme immer einen kleinen Kürbis (ca. 800-1000 Gramm für zwei Personen)
1 Bund Suppengrün
300-500 Gramm Hackfleisch (nach Größe des Kürbis)
1 mittlere Petersilienwurzel
2 Zwiebeln
Kokosöl
Salz
Pfeffer
1 scharfe Chilischote, gehackt
Curry
Cumin
Zimt

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Das Suppengrün, die Zwiebeln und die Petersilienwurzel pzuten und alles in kleine Würfel schneiden.
  • Das Gemüse in Kokosöl anbraten und großzügig würzen (Salz, Pfeffer, Curry, Chilischote, Cumin und eine Prise Zimt).
  • Den Kürbis waschen, halbieren und die Kerne entfernen.
  • Die Hälften salzen und pfeffern und auf ein Backblech legen.
  • Die Gemüsemischung mit dem Hackfleisch vermengen. Etwas salzen und pfeffern und nun die Füllung auf die Kürbishälften verteilen.
  • Für mindesten eine Stunde in den Ofen, bis der  Kürbis gar ist und die Füllung durchgebraten.

Für vegetarischen Besuch kann man das Hackfleisch einfach durch Schafskäse ersetzen. In jedem Fall schmeckt Chutney dazu!

Guten Appetit!

Herbstbücher und Essen nach Farben – Kürbis

Kürbis und LektüreNeulich hatte ich Bücher in der Post, die mir ein aufmerksamer Mensch als Lektüretipps einfach direkt geschickt hat, statt nur den Autor zu empfehlen. Da die dann folgenden grauen Tage auch wirklich keinen Grund boten, um mehr als die Nase aus der Tür zu stecken, habe ich mir die Zeit neben der Arbeit zwischen Rezepten und Büchern aufgeteilt. Bücherempfehlungen sind wie alles im Leben nie ein Garant dafür, dass man die Begeisterung teilt. Die Vorstellung vom Leseglück ist sehr persönlich und Geschmäcker sind verschieden.

Aber im besten Falle gewinnt neue Freunde und wenn man sie ausgelesen hat, möchte man diesen Büchern auch ein Zuhause geben, damit man sie wieder und wieder in die Hand nehmen kann. Es gibt ja so Filme, die manche Menschen wieder und wieder schauen, weil sie sie so mögen. So geht es mir mit manchen Büchern.  Es gibt Bücher, die hinterlassen ein so gutes Gefühl und stupsen irgend etwas in einem an, dass man sie gerne  wieder und wieder in die Hand nimmt und jedes Mal entdeckt man neue Facetten. Mitunter erlebt man dann auch einen gewissen Trennungsschmerz, wenn man merkt, die frühere Lieblingslektüre passt nicht mehr zu der veränderten Lebenssituation, aber genauso oft kann man sich auch über unbekannte neue Seiten freuen, die man vorher so nicht wahrgenommen hat.

Eines der Bücher, die sich da in der Post befanden, wird ganz sicher einen Platz in meinem Bücherregal finden. Es ist Der Duft des Regens von Frances Greenslade. Wieder ein Buch, bei dem ich kurz über den deutschen Titel stolperte. Hoffentlich ist es kein Kitsch, bitte keine falschen Sentimentalitäten. Nein, nicht Falsches und Gekünsteltes, dafür immer mal wieder einen echten Klops im Hals und ein paar Tränen. Ja, ich bin viel zu emotional beeinflussbar, was Filme und Bücher betrifft. Es kann der schlimmste Hollywood-Müll sein, wenn die dramatische Musik beginnt, kann ich schwer schlucken und wenn dann noch kleine Tiere sterben… Na ja, zum Glück sehe ich mir zunehmend so gut wie keinen Müll mehr an (inklusive Tatort, meine immer wiederkehrende Enttäuschung) und mittlerweile stehe ich zu dieser Sentimentalität. Blöd war sie nur bei intellektuell anspruchsvollen Kino-Verabredungen, wo ich dann im Dunkeln versuchen musste lautlos zu schniefen und hoffte, dass die Mascara nicht verwischt. Bloß keine Blöße geben.  Lieber schon mal die Argumente zu Inhalt und Ästhetik des Gesehenen zurecht legen. Die Zeiten sind vorbei und wenn ich jetzt schniefen muss, ist es mir egal, wer sich daran stört. Im Zweifel schaut nur die Katze seltsam konsterniert. Der besondere Mensch weiß Bescheid.

Aber wer sich nicht scheut, berührt zu werden, der sollte der Protagonistin unbedingt in ihr ganz besonderes Leben in die kanadischen Wälder und Kleinstädte der 70-er Jahre folgen.  Ein Leben, das sich so schmerzhaft, spannungsgeladen, intensiv und wunderschön vor dem Leser ausbreitet, dass es fast nicht möglich ist eine Lesepause einzulegen. Und neben der Rührung bleibt, zumindest bei mir, ein Gefühl der Sehnsucht, auch einmal einzutauchen in diese Landschaft mit ihrer Schönheit und ihren wunderlichen Menschen, die so haften bleiben. Und vielleicht ist der Titel gar nicht so verkehrt. Der Duft des Regens, den kennt jeder wie wohl den Duft des Herbstes, auch wenn man sich das vielleicht nicht immer bewusst macht. Und so wie man tief in der Erinnerung immer wieder durch diese Düfte angerührt wird, hallt das Buch noch lange nach, mit seiner schönen eindringlichen und wunderbar unsentimentalen Stimme.
Da möchte ich gerne noch einmal hinein gezogen werde.

Dafür mag ich den Herbst. Für ausgedehnte Lesemomente. Und für Kürbis.

Kürbis vom Blech mit Bratwurst

1 Kilo Butternut-Kürbis
3 drei kleine scharfe Chilischoten, gehackt
1 Stück Ingwer (3 Zentimeter), gehackt
1 große Knoblauchzehe, gehackt
grobes Salz
Olivenöl
Grobe Bratwürste vom Weiderind

  • Den Offen auf 200 Grad vorheizen.
  • Den Kürbis schälen, die Kerne entfernen und das Kürbisfleisch in Spalten schneiden.
  • Die Spalten mit den Gewürzen, bis auf das Salz und dem Öl in einer Schüssel gut durchmischen und dann auf ein Backblech mit Backpapier geben.
  • Für 15-20 Minuten in den Ofen.
  • In der Zwischenzeit die Rinderwürste braten oder wahlweise mit auf das Backblech legen.
  • Zum Ende hin testen, ob der Kürbis schön weich und nicht zu dunkel ist.

Den Kürbis mit groben Salz bestreuen und fertig…Dazu passt neben Senf auch wunderbar etwas Pflaumen-Chutney.

Guten Appetit!

Herbstsonntage, Buchstaben-Familien und Frittierfreuden

Paleo Familienessen am SonntagUnbedingt raus da. Also in den sonnigen Herbst da draußen, wenn die Sonne einem beim Spaziergang nochmal schön den Rücken wärmt, während der Wind von vorne knisterkalt um die Ohren weht und der Himmel unfassbar klar ist. Ein wenig Sonntags-Schwärmerei ist da mehr als angebracht. Ein bisschen freue ich mich, in dieser Woche haben wir es immerhin auf zwei längere Spaziergänge inmitten von Feldern und Herbst und unverschämt üppigen Obstbäumen am Wegesrand gebracht. Eigentlich sollten es noch viel mehr sein, aber irgendwie kommen da immer noch die Anforderungen des Lebens dazwischen. Ich arbeite daran.

Und wenn man dann die widerstrebenden ersten 200 Meter hinter sich gebracht hat und die Häuser hinter einem liegen, wird die Lust am Gehen größer und der Schritt regelmäßiger und irgendwann ist man dann im Fluss. Im Gehen und in den Gedanken.  Und auch im Sprechen und währen da diese kühle Sonne die dunkle Jahreszeit nochmal etwas nach hinten geschoben hat im Kopf, haben die Gedanken den Spielraum genutzt und haben sich irgendwie  an der Familie aufgehängt. Nicht an meiner Familie im Besonderen, sondern eher allgemein an diesem speziellen Konstrukt, in das wir verwoben sind. Wir werden in einen Zusammenschluss von Menschen geboren, die wir vielleicht niemals getroffen hätten, wenn eben nicht über die Ebene der Blutsverwandtschaft. Und wir stehen zu all diesen Menschen in ganz vielfältigen Beziehungen, als Kinder, Eltern, Enkel, Onkel, Cousinen, …. Und die Menschen unter einander ja auch wieder. Nicht nur mit uns, sondern auch, wenn wir uns ausklammern würden. Da erscheint  vor meinem inneren Auge gleich ein furchtbar kompliziertes Muster an Verflechtungen…. Zusätzlich zu den Konstrukten, in denen wir uns dann noch selbstgewählt mit Freunden, Bekannten, Partnern und Kollegen bewegen… Da möchte man stehen bleiben um nicht über Fallstricke zu stolpern.

Und nicht nur diese familiär verzweigten Verbindungen machen dieses Geflecht so delikat, es sind vor allem die vielen Geschichten und Gefühle, die da mit hinein spielen: Das Verhältnis unserer Eltern zu ihren Eltern, unsere Geschichte mit unseren Eltern, unsere Geschwister mit den Großeltern und uns und und und..schwindelig…Es schwirrt, nicht nur der Kopf, wenn ich mir Familie als abstrahiertes Modell vorstelle, sondern auch dieses Modell, vor Dynamiken und Energien. Und alle stecken wir drin. Und das macht es so kompliziert, innerhalb dieses Systems etwas zu ändern. Innerhalb der vielen Rollen, die man innehat, möchte man ja niemanden weh tun, wobei, es gibt leider auch die Menschen, die sich innerhalb dieses Geflechts gekonnt bewegen und sicherstellen, dass ihre Bedürfnisse gestillt werden, ohne Rücksicht auf die Auswirkungen auf andere.

Es ist also nicht ganz einfach.  Aber es ist eine heilige Kuh und diese tumben Viecher werden nicht angerührt. Sollte man aber und vielleicht die ein oder andere auch einmal schlachten. Wir mögen innerhalb von Familien nur ungern kritisch gegenüber anderen Familienmitgliedern sein, also den ganz engen, die zweite Reihe Onkels und Tanten ist dann immer wieder gut für Geschichten und kleine verbindende Hetzkampagnen – wir Menschen sind streng genommen schon ein illoyales Pack. Und von außen sollte sich eh niemand anmaßen sich genötigt zu fühlen einen, vielleicht durchaus hilfreichen, Kommentar zuzusteuern. Das Rudel wird verteidigt und Kritik weggebissen. Situationen kennt jeder, jeder ist ja in irgendein spezielles Familiengeflecht verwoben. Und auch wenn man die Maschen ganz locker hält, kann es sein, dass einen das ein oder andere Thema oder Moment im Familienkontext plötzlich zusetzten. Aber wo setzt man mit dem Entwirren. Einfach wäre die Heckenschere, aber das bringt nichts, wer etwas ändern will, will sich ja nicht abschneiden. Wie bei den Freundschaften auch darf man aber Maschen fallen lassen oder Fäden ins Leere laufen lassen, man kann sie wieder aufgreifen, wenn man möchte, aber man muss nicht. Das sagt einem aber keiner. Familie ist irgendwie gesetzt und wir plötzlich geplagt von blinden Flecken.

Ich finde Familienkonstrukte auf jeden Fall hochspannend. Nicht in dem Sinne, dass ich alle Menschen meines Umfelds ausfrage, Onkel Erwin und Tante Friede sind mir ehrlich recht egal, wenn ich sie nicht kenne, aber der Stoff Familie gibt so viel her. Und deshalb liebe ich Bücher, die Familien zum Thema haben. Im allerbesten Falle geben sie einem etwas mit auf dem Weg: Verständnis , einen veränderten Blickwinkel oder Freude. Im beklemmenden Fall lassen sie einen seltsam verwirrt und bedrückt zurück und man sollte dann das Warnlicht nutzen zu schauen, was einen da so aufgewühlt hat. Und ganz nebenbei kann man sich als unsichtbarer Voyeur in die (Un-)Tiefen anderer Leute Verstrickungen begeben, ohne selbst handeln zu müssen.

Eine ganz fantastische Familiengeschichte hat Jonathan Franzen geschrieben. Diese eine heißt Freiheit. Wobei Freiheit nicht das ist, was dem Leser während der Lektüre durch den Kopf geht. Es ist ein eher beklemmendes Familienportrait. Nicht geschmückt mit attraktiven Protagonisten, sondern verzweifelt bemühten Mittelklasse Charakteren, das Kopfschütteln ist vorprogrammiert. Aber es ist auch eine spannende Lektüre, herrlich nüchtern und schnörkellos – ein Portrait einer amerikanischen Familie und ihrer komplizierten Verflechtungen und emotionalen Verbindungen. Ganz ohne Weichzeichner und eher mal mit einer Falte und Augenringen behaftet. Das macht es neben der Spannung phasenweise echt bedrückend und deshalb liest man weiter und weiter, denn der  unerbittliche Blick macht die Geschichte so real.

Eine Familie, die man an den langen Herbstabenden gut einmal besuchen kann.

Und wenn man dann auch einmal ganz real mit der eigenen Familie zusammen sitzt und nicht das Porzellan zerschlägt, oder in redundante Diskussionen über die immer gleichen Themen verfällt und die immer selben  Handlungsmuster abspult, wenn man also ganz bescheiden das Beisammensein genießt, sollte man diesen Moment mit etwas Leckerem versehen und Genuss teilen.

Rouladen mit Rotkohl und  frittierter Süßkartoffel

4 Rouladen
12 Scheiben Speck (nicht zu dünn)
Chutney, Cornichons oder eingelegtes Obst nach Wahl
1 kleiner Kopf Rotkohl
5 mittlere Zwiebeln
4 Süßkartoffeln
2 Eier
Schmalz
Pfeilwurzelstärke
Salz
Pfeffer
Senf (Dijon ist mein Favorit aber scharf und körnig ist auch eine gute Wahl)
Rotwein
4 Lorbeerblätter

  • Die Rouladen abspülen und trocken tupfen.
  • Nun ausrollen und salzen, pfeffern und mit Senf bestreichen.
  • Jede Roulade mit drei Scheiben Speck belegen.
  • Für die Füllung, nach Geschmack , an einem Ende einen Klacks Chutney oder eine Cornichon auf den Speck legen, die Roulade nun um diese Füllung herum aufrollen und am Ende entweder einem Faden wickeln oder mit Zahnstochern feststecken.
  • Die Rouladen im Bräter von allen Seiten scharf anbraten.
  • Die Zwiebeln schälen und vierteln und zu den Rouladen geben.
  • Den Rotkohl vom Strunk befreien, vierteln und in breite Streifen schneiden und ebenfalls in den Bräter geben. Nun das Ganze mit einem großzügigen halben Liter Rotwein angießen, salzen, pfeffern und die Lorbeerblätter dazu geben. Deckel drauf und gut zwei Stunden köcheln lassen. Am besten schmecken sie, wenn man die Rouladen schon am Vortag vorbereitet und dann das Ganze noch einmal aufwärmt.
  • Die Süßkartoffeln schälen und wie klassische Pommes in schlanke Streifen schneiden.
  • Die beiden Eier gründlich verquirlen und Pfeilwurzelstärke (etwa 4-5 Esslöffel) unterrühren bis sich ein flüssiger Teig ohne Klümpchen gebildet hat. Diesen großzügig salzen und pfeffern.
  • In Ermangelung einer Fritteuse nun ein gutes Töpfchen Schmalz in einem kleineren Topf erhitzen und die Süßkartoffeln portionsweise im Teig wenden, abtropfen und im Schmalz frittieren bis sie gut goldbraun sind, dabei in Bewegung halten, damit sich nicht zusammenkleben.
  • Kurz auf Küchenkrepp abtropfen, damit sie nicht zu labbrig sind und mit etwas groben Salz mischen.

Eine Neuinterpretation von Fleisch mit Rotkohl und Pommes – super.

Guten Appetit!

 

Bücher für die anderen, Rituale und zwei schnelle Freuden (herzhaft und süß)

Lesen und EssenLesen. Wenn mich jemand fragt, womit ich mich, neben der gedanklichen und praktischen Auseinandersetzung mit Essen, am liebsten beschäftige, dann ist die Antwort eindeutig für mich: lesen.
Bücher sind mein liebster Ort neben dem schönen Zuhause, wenn die Sonne durchs Fenster scheint, die Katze schnurrt, der besondere Mensch anwesend ist und alles für den Moment so schön ist, dass man kurz die Luft anhält, damit es nicht weg geht. Oh, ich schweife ab in Freitags-Harmonie.

Als Kind habe ich allabendlich darum gebettelt, dass die Vorlesezeit ausgeweitet wird und kaum ordneten sich die Buchstaben des Alphabets für mich zu Worten, habe ich selber angefangen Bücher zu verschlingen. Und dann konnte es schon mal vorkommen, dass meine Mutter mich beim blöden Blockflöten-Unterricht wähnte (das einzige was mir daran gefiel war, dass ich zum Vorspiel Rüschensocken durchsetzen konnte), während ich in Wahrheit vergessen hatte loszugehen und auf dem Boden lag und las.  Und diese Faszination für geschriebene Welten zieht sich durch mein Leben, wobei ich dabei einige Wandel durchgemacht habe. Als Kind habe ich viel zu früh auch immer mal in das elterliche Bücherregal gegriffen und Sachen gelesen, die sich meinem Erfahrungshorizont entzogen und deren Schnipsel mir heute manchmal noch einfallen. Da war ein Buch über ein Gehirn in einem Tank in einem Labor…ich weiß es nicht, aber das war es, was es mich immer fasziniert hat: dass Bücher einem Bekanntes ganz neu und Unbekanntes ganz vertraut zeigen können. Sie geben Antworten oder hinterlassen Fragen und treiben einen so an sich mit bestimmten Themen weiter auseinander zu setzten und aufs ganz Wunderbarste wächst man so an seiner Lektüre.

Und ja, das hängt natürlich auch von der Lektüre ab. Und das meine ich jetzt nicht mit intellektuell-bildungsbürgerlich erhobenem Umblätter-Zeigefinger, der mahnend auf den Kanon der 100 wichtigsten Bücher verweist, die einem bekannte Leitmedien in regelmäßigen Abständen immer wieder zusammenstellen und dabei am Besten noch den Untergang aller Kultur proklamieren, wenn die Jugend die literarischen Pappenheimer nicht mehr aus dem Effeff zitieren kann. Davon halte ich nicht viel. Zu lesen, was man gemeinhin halt lesen sollte, nur um zu sagen, dass man es gelesen hat, ist sinnlos. Ich glaube nicht, dass dann viel hängen bleibt. Neugier ist der wohl schönste Motor, der einen in der Büchervielfalt vorantreiben kann.

Neugier, Interesse und eine offene Einstellung. Dann können einem ganz wunderbare Begegnungen mit Büchern passieren und es werden einem Geschichten geschenkt, die berühren, denn auch wenn es kitschig klingt: Es liest halt mehr als nur der Kopf. Und manche Bücher bleiben bei einem, weil ihre Geschichte so wundervoll ist oder ihre Sprache so besonders und fesselnd. Leider gibt es da aber auch Unmengen von Büchern, die sind wie Fernsehen an einem Nachmittag unter der Woche. Nach einem Baukastenprinzip an der Zielgruppe ausgerichtet. Auf Spannung, Voyeurismus und  Ersatzbefriedigung, Betäubung ausgelegt. Das sind Bücher, die man wohl kein zweites Mal in die Hand nimmt, die die falsche Form von Abtauchen bringen und den Leser auch etwas unbefriedigt zurücklassen. Beispiele kennt wohl jeder: schnell gestrickte Krimis, peinliche Romantik- ,Erotik- oder Historienschmonzetten… Jeder hat doch Buchleichen in der nicht so auffälligen Ecke seines Regal versteckt. Ja, ich stehe jetzt einfach mal dazu. Ich habe eine Zeitlang gerne skandinavische Krimis (und da gibt es sehr gute, aber nicht nur) und auch mal einen Baukasten Stephen King gelesen.

Und, als Studentin der Geisteswissenschaften und einem gewissen intellektuellen Druck verspürend, lagen diese Bücher nicht ganz so offensichtlich rum wie die französische Ausgabe der Monde Diplomatique. Die ich natürlich im Original lesen konnte. Und mit dieser Verschleierungs- und Gaukel-Taktik stand ich sicherlich nicht allein da. Gerade in der großen Stadt Berlin wird nicht nur darauf geachtet, was Du trägst, sondern auch das Buch, das während der U-Bahnfahrt gezückt und  mit angemessen attraktiv geknautschter Stirn gelesen wird, ist ein Statement, das Gleichgesinnten zuzwinkerte „Hey, ich gehöre auch dazu!“ und Anderslesenden das geschriebene Brauenrümpfen zeigte. Rückblickend tut es mir leid, dass ich mich von diesem betont intellektuellen Getue, in das man als Student allzu schnell gerät, so habe hinreißen lassen.  Traurig, dass das nötig war und viele bleiben darin verhaftet, da wird dann mit Namen um sich geschmissen, die man dem letzten Wochenend-Feuilleton entnommen hat und die Spielregeln sehen vor, nicht zu genau nachzufragen. Denn Vorsicht: Nicht jedes beeindruckend gefüllte Buchregal wurde auch gelesen! Und wenn man dann in ehrlich gemeinter Bewunderung als Gast vor dem Regal steht und Interesse äußert, das über Bewunderung hinausgeht, ist der arme Gastgeber vielleicht genötigt leise vor sich hin zu grummeln, dass man das Buch noch nicht gelesen hat, oder ihm nichts abgewinnen konnte. Das ist nicht gut und sorgt für unangenehme kleine Momente. So sollte es nicht sein! Ich würde mich freuen, wenn mir dann mal jemand sagen würde: „Ganz ehrlich, ich dachte dass muss man haben und fand es so unverständlich und pfurztrocken im Vorwort, dass ich es nicht gelesen habe.“ Das wäre schön und eine Erleichterung und ich würde dieser Ehrlichkeit tiefsten Respekt zollen, ich würde es auch sagen. Mittlerweile, aber das war auch ein Prozess. Heimlich „Schund“ lesen – ein schlimmes Laster, nicht wahr? Nein, durchaus verzeihbar.
Die Lesegewohnheiten haben sich mittlerweile geändert. Belletristik und Krimis müssen mich heute deutlicher überzeugen als früher. Immer öfter greife ich nach Sachbüchern, da es einfach so vieles gibt, was ich wissen, lernen und verstehen möchte.

Das mit schönste Lesen für mich aber ist das Vorlesen. Ein Ritual, das sich vor gut zwei Jahren eingeschlichen hat und immer mehr Raum einnahm. Es ist so ein schöner Moment, Geschichten mit jemanden teilen zu können und über Bücher zu reden und im Lesen einfach eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, in Geschichten einzutauchen und diese in der Erinnerung zu teilen, wie einen gemeinsam verbrachten Urlaub. Ich kann nur für viel mehr Vorlesen plädieren!

Und beim Vorlesen wird noch einmal ganz neu auf die Auswahl der Lektüre geblickt. Geschichten und Erzählkunst stehen hier im Vordergrund. Wer vorlesen möchte, dem kann ich als Einstieg nur Michael Ende oder Rafik Schami  empfehlen.  Allein das Erlebnis, einen Kindheitsbegleiter wie Momo noch einmal zu lesen, jetzt wo man in der Welt der erwachsenen grauen Herren angekommen ist – es lohnt jeden Buchstaben.
Und manchmal verfliegt dann so viel Zeit mit den Büchern, dass es mit dem Essen ganz schnell gehen muss. Deshalb ein Abendessen und etwas nur halbvernünftiges Süsses für zwischendurch zum Lesetee.

Bohnen mit Speck (Eine bereits erwähnte Beilage, die mit mehr Speck eine Hauptrolle verdient hat)

500 Gramm grüne Bohnen
Schmalz
2 mittelgroße Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
150-200 Gramm Speck in Würfeln
Salz
Pfeffer
Rotweinessig

  • Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln.
  • Mit dem Speck in großzügig Schmalz andünsten, bis der Speck knusprig wird.
  • Nun die Bohnen dazugeben, guten salzen und pfeffern und etwa 12-15 Minuten knackig dünsten.
  • Zum Ende noch einen Schuss Essig dazu: Fertig.

Ganz wunderbar schmecken die Bohnen auch lauwarm bis kalt,  mit noch etwas extra Olivenöl und einem Löffel Chutney …Oder zu Fleisch.

Aprikosen-Kokos-Konfekt (ganz köstliche kleine Kugeln, aber bitte nicht zur Gewohnheit werden lassen! Ich stehe dem massiven Fruchtzucker kritisch gegenüber, aber ab und zu und wohl dosiert…..)

200 Gramm getrocknete, unbehandelte Aprikosen
75 Gramm Kokoschips
1 Teelöffel reineVanille
Kakaopulver
Kokosraspeln

  • Die Aprikosen zwei – drei Stunden in lauwarmen Wasser einweichen (sonst fängt der Pürierstab schon mal an zu qualmen..).
  • Die Aprikosen abgießen und mit den Kokoschips und der Vanille schön mit dem Pürierstab bearbeiten, bis die Stücke immer feiner werden und sich aus der Masse schöne Kugeln formen lassen.
  • Diese nun einfach pur belassen oder wahlweise in Kokosflocken oder Kakao wälzen.

Guten Appetit!

 

Sonntägliches Wohlbehagen, Lesestunden und Herbststimmung in Gläsern: Pflaumen-Chutney

Pflaumen ChutneyNein, ich muss da nicht raus. Ich darf auch mal einfach ganz faul drinnen bleiben und den grauen Himmel grau sein lassen. Der Schweinehund schnurrt und lässt sich den Bauch kraulen. Ein Tag nach seinem Geschmack. Keine Tritte von meinem Motivations-Motor, sondern zelebriertes Faulsein und die Früchte der gestrigen Küchen-Wirbelei genießen.

Denn jetzt ist endlich die Zeit angebrochen meine Pläne der großangelegten Bevorraterei für die dunklen Monate in die Tat umzusetzen. Die Bäume am Wegesrand hängen voller Pflaumen, Birnen und Äpfel, die Kürbisse wachsen und auch auf Quitten darf man hoffen – nein, kein Neid: nicht im eigenen Garten, ich habe einen ins Schwarze tendierenden Daumen, aber einfach mal geschaut, wer selbst zu Faul ist, sein Obst zu verarbeiten und ansonsten regional gekauft.

Und dann sollen in der Küche in den nächsten Wochen regalbretterweise Chutneys, Kompott und eingelegter Kürbis entstehen. Das ist der Plan. Schauen wir mal. Auf jeden Fall mag ich es, Selbstgekochtes zu verschenken und bin selber großer Freund von Gläsern, die einem schnell das einfachste Essen noch spannender machen. Also muss wohl einiges produziert werden, damit alle Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können.

Ganz nebenbei befriedigen diese ganze Einkocherei und Hantiererei mit Gewürzen ja auch so tief vergrabene Landhaus-Idyllen-Phantasien, die ich sonst abstreite. Aber eine Auswahl an Gläsern mit krakelig geschriebenen Etiketten (denn ich werde nicht noch dem Zeitgeist verfallen, gefällige Etiketten mit putzigen Namen zu produzieren) muten immer so Klischee-Geschichten-Haarknoten-Großmutter-Blumenschürzen-mäßig an. Meine Oma habe ich nie einkochen sehen, aber ich wurde mit genug Kinderliteratur und medialen Stereotypen geimpft um empfänglich zu sein für diese Wohlfühl-Klischees. Muss auch mal sein. Ich bin mir dessen bewusst.

Und da die erste Fuhre Pflaumen gestern schon einmal probeweise in den Topf wanderte und das Haus heute noch so lecker nach Gewürzen riecht, hat der Schweinehund Glück gehabt. Er sollte es sich nur nicht zu bequem machen.

Also gute Voraussetzungen für so einen Tag mit viel Tee und dem völligen Abtauchen in geschriebene Welten.

Meine eigentliche Lektüre im Moment ist  eher verstörend endzeitlicher Natur und so fantastisch geschrieben, dass ich sie nur widerstrebend aus der Hand lege, aber ich habe heute das unbestimmte Verlangen etwas auf etwas Berührendes. Oder zumindest etwas, das einen kurz verschnaufen lässt, angesichts der gnadenlos mahlenden Mühlen des Weltgeschehens. Eine Art bewusster, zeitlich begrenzter Eskapismus ohne fiese Verdrängungsmechanismen.  Das sollte man sich durchaus regelmäßig gönnen.

Und da passt eine andere Lektüre viel besser. Ein Buch, an das ich seit der Lektüre immer mal wieder denken muss: Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss.

Zuerst tat ich mich schwer mit dem Titel und ja, auch mit der Umschlaggestaltung. Ich glaube am liebsten sind mir Bucheinbände neutralerer Natur, aber ich weiß auch, dass das kein Bewertungskriterium sein sollte.

Auf jeden Fall sollte es einen nicht davon abhalten dieses zarte Buch zu lesen! Ich habe es im Gehen zu Bahn, in der U-Bahn und einfach überall gelesen. Habe beim Frisör gesessen und fast geweint vor Rührung, habe Seiten zurück geblättert und Sätze wieder und wieder gelesen um ihre Schönheit festzuhalten.  Habe mein Lesetempo verflucht um so lange wie möglich dabei sein zu können und habe wieder und wieder geblättert und immer wieder dem besonderen Menschen Passagen vorgelesen um zu Teilen, was dieses Buch an Zauber schafft. Ganz sachte wachsen einem die Protagonisten ans Herz und die schicksalshaften Verknüpfen, die alles zusammenfügen, nehmen einen auf Schönste gefangen.

Ja, ich bin total anfällig für emotionale Inszenierungen und habe schnell mal einen Klops im Hals. Aber hier war es anders. Die Geschichte der Liebe ist eines der seltenen Bücher, für die man noch lange Zeit unendlich dankbar ist.  Dankbar dafür, dass man aufrichtig emotional erschüttert wurde und dankbar, dass dort draußen Menschen ihre Schweinehunde bekämpfen und mit ihrer Sprache Geschichtenkonstrukte erschaffen, die ein Gefühl von Ehrfurcht auslösen. So oft trifft man diese Bücher nicht.
Und wer sich nicht vor einem heimlichen Tränchen scheut, dem kann ich Die Geschichte der Liebe nur an Herz legen. Und zwar genau dorthin.

Und weil man neben dem Lesen auch essen muss:

Pflaumen Chutney

Ca. 2,5 Kilo reife Pflaumen
400 Gramm rote Zwiebeln
5-6 mittlere Knoblauchzehen
120 Gramm Xucker
150-200ml Apfelessig
1 großes Stück Ingwer (ca. 7 cm)
4 Lorbeerblätter
6 Lorbeeren
8 Nelken
3 Esslöffel Senfkörner
3- 4 mittelscharfe Chilischoten

Gläser mit Schraubdeckel

  • Die Pflaumen waschen und vierteln.
  • Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch schälen und fein hacken.
  • Denn Xucker in einem Topf mit etwas Fett schmelzen, dann Zwiebeln. Knoblauch und Ingwer darin karamellisieren.
  • Alle anderen Gewürze dazu geben. Dann die Pflaumen und den Essig, erst einmal 150 ml und dann noch einmal nach 10 Minuten abschmecken und entsprechend mit etwas Xucker oder Essig nachwürzen.
  • Alles 30-40 Minuten köcheln lassen, bis im Mus noch Stücke erkennbar sind.
  • Die Gläser und Deckel mit kochendem Wasser spülen, abtrocknen und bis einen Fingerbreit unter dem Rand befüllen. Denn  Rand mit einem Tuch säubern, die Deckel festschrauben und die Gläser auf den Kopf gestellt abkühlen lassen. Sie knacken dann beim ersten Öffnen und halten sich monatelang – aber bis dahin ist es hier leer…

Passt hervorragend zu Braten, Lamm-Koteletts, Schinken, Omelette mit Speck……..

Guten Appetit!