Vom Puddeln: Hosenrock nähen und Burger interpretieren

Selber machen - Burger und Culottes

Sachen selber machen: Culottes und Burger

Manchmal ergeben sich Frei-Zeiten. Da war der Tag ganz anders geplant und der Morgen hatte mit einem gewissen Unwillen begonnen angesichts der vor einem liegenden Arbeit und dann plötzlich – freie Stunden! Unverhofft. Unverplant. Ein Geschenk.

Und ohne große Vorsätze bin ich im Gäste-/Nähzimmer verschwunden und habe geschaut, was da so rumliegt. Vielleicht eine Hose kürzen oder oder oder… Oder einfach mal was anfangen, ohne es sich großartig vorzunehmen. Stoff war da und der Schnitt auch.

Culottes sollten es werden – ein richtiger Hosenrock im Vintage-Schnitt. Ich habe lebhafte Erinnerungen an Fotos meiner Mutter, die in den 70ern/80ern gerne Hosenröcke trug und die haben mir immer gut gefallen und nachdem sie jetzt wieder überall auftauchten, war das ein gutes Projekt zum selber Nähen.

Meist fehlt mir die Zeit, oder zumindest bilde ich mir das ein, mich mal konzentriert am Stück an die Nähmaschine zu setzen. Aber vielleicht muss das gar nicht. Ich mag es nicht so gerne zu kleineteilig, dachte ich. Aber zum einen war dieser Schnitt wirklich anfängergerecht und zum anderen hat sich etwas verändert. Ich mag das Rumpuddeln und im Endeffekt stellte sich auch beim Zuschneiden und Nähen des Stoffes eine ähnliche Entspannung ein, wie ich sie sonst beim Experimentieren in der Küche finde.

Und jetzt bin ich ein bisschen stolz auf mein erstes, ganz alleine genähtes Kleidungsstück und freue mich auf das nächste Zeitfenster – da ist noch ein Schnitt für ein 60s Etuikleid, den ich wagen möchte.

Also: Einfach machen. Nicht lange überlegen, was kann schon schief gehen und wem will man was beweisen? Die Ausführung ist die Belohnung, nicht das Lob. Ich warte auf jeden Fall voll Vorfreude auf Hosenrock-Sommertage!

Und bei so viel Handarbeit, darf es mal Fastfood sein:

Burger Interpretationen – oder vielleicht sollte es heißen Burger-Reduktionen.

Ich habe einfach das Brötchen weggelassen und Burger -Patties aus reinem Rinderhack geformt, gesalzen, gepfeffert und im Ofen bei 200 Grad etwa 12 Minuten – 15 Minuten schön braun gebraten.

Diese Burger kommen dann auf ein Bett aus Radicchio und anderem Salat (Feldsalat, Endivien,…). Zusammen mit Gurken- und Tomatenscheiben, feinen Zwiebelringen und einer ordentlichen Portion Samba Oelek wird ein Festessen für Burgerfreunde draus.

Für leckere Variationen einfach Speck im Ofen auf dem Burger mitbraten und/oder ein Spiegelei on Top…

Guten Appetit!

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Altes neu entdecken: Peter, Paul & Mary und Feldsalat quasi Niçoise

Zwischen Stille und Musik

Zwischen Stille und Musik

Musik muss passen. Es gab eine Zeit, da bin ich selten ohne Musik im Ohr unterwegs gewesen. Auf dem Fahrrad durch den morgendlichen Verkehr (total dämlich, weil lebensgefährlich) oder beim Joggen durften es gerne Hip Hop oder Funk sein. In der S-Bahn oder auf Zugfahrten ließ sich wunderbar in Alben schwelgen – ich werde nie eine Zugfahrt durch den winterlichen Norden Richtung Dänemark vergessen: Verschneite Weiten und im Ohr das erste Album von The XX. Zu schön um es in Worte zu fassen… In der WG waren es eine Zeitlang die Kings of Leon, Bon Iver und Songs for Joy, die unsere Küche beschallten. Im Badezimmer war Mädchendikso und beim Ausgehen bildete immer Musik der Hintergrund für das Funkeln des Abends und auch bei der Arbeit in der Agentur wurde zwischendurch musikalisch Dampf abgelassen.

Was ich dabei völlig verlernt hatte, war Stille zu genießen. So verkehrte sich das Hörverhalten für ein ganze Zeit in das Gegenteil, ich habe mir Musik-frei genommen. Außer im Auto auf langen Fahrten. Die wie ein Film vorbeirauschende Landschaft lechzt förmlich danach, Hintergrund für einen Soundtrack zu sein. Für diese Momente musste es aber etwas völlig anderes sein, etwas, was neben dem Klang der Musik noch den Klang der Gedanken zuließ, diese in Bewegung setze – das andere Musikerlebnis fand sich mit Music for the Movements von Gurdijeff und de Hartmann.

Und ich habe wieder gelernt Stille zu genießen und habe mir selbst den Raum gelassen, zu merken, dass ich Stille brauche, einfach, damit ich mich besser höre. Es hat sich stark verändert, das Musik hören. Ich mag Musik nicht mehr gerne unbewusst nebenbei hören, außer im Hintergrund eines Essens. Ich mag sie genießen, mich in Klang oder Texte verhören. Ich genieße Konzerte wieder viel mehr, wähle sie auch anders aus und genieße den Moment, mit einer Tasse Tee und einer Kerze nach der Lernerei in der Küche zu sitzen und alte Sachen neu zu entdecken. Sowie Peter, Paul & Mary.
Wunderschöner Folk. Musik, die man mitsingen möchte, der man zuhören will und die sich wunderbar weich um die Schultern legt, wie ein warmer Schal. Kein Kitsch, sondern kritisch und besorgt, aber eben auch hoffnungsvoll und  wunderbar selbstverständlich und selbstgenügsam. Reinhören lohnt sich.

Und nachdem wir neulich einmal wieder Besuch waren und es als Mittagessen Feldsalat mit Ei gab, dachte ich, es wäre doch an der Zeit mal wieder einen Salat Niçoise zu machen, nur eben mit Feldsalat. Feldsalat und Ei sind nämlich ziemlich dicke Freunde.

Alle paar Monate kaufe ich ein, zwei Dosen Thunfisch und hoffe, das auch wirklich der nachhaltig gefischte moralisch vertretbare Fisch drinsteckt, der draufsteht. Auch Fischessen wird dank der Überfischung ja zunehmend zu einem echten Standpunkt und stellt den Fischliebhaber vor lange Sucherei nach den richtigen Produkten.

Feldsalat quasi Niçoise
(4 Portionen)
(Ich sage quasi, weil die Grundzutaten ja auch variieren)

500g Feldsalat, wer findet, kauft ihn frisch vom Feld, auch wenn es mehr putzen bedeutet, haben die Blätter deutlich mehr Biss und werden nicht weich wie die abgepackten Winzlinge aus Frankreich
5 glückliche hartgekochte Eier
200 Gramm schwarze Oliven, die salzigen, die so schön trocken eingelegt sind
2 weiße oder rote Zwiebeln
3 Dosen Thunfisch, eingelegt ohne Öl (weil meist Sonnenblumenöl)
frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer
Salz
Olivenöl
Rotweinessig
Das ist die reduzierte Version, aber natürlich passen noch wunderbar Tomaten, Sardellen, Frühlingszwiebel,…

  • Feldsalat gründlich putzen, trocken schleudern und auf Teller verteilen.
  • Die Zwiebeln in feine Ringe schneiden und auf den Tellern verteilen.
  • Den Thunfisch abtropfen lassen, mit einer Gabel auflockern und auf die Portionen verteilen.
  • Die Oliven entsteinen und halbieren und auf die Teller verteilen.
  • Nun nur ganz unkompliziert mit Pfeffer, Olivenöl und Essig anmachen. Beim Salz vorsichtig sein, die Oliven und der Thunfisch sind meist schon sehr salzig, also Zurückhaltung üben.

Schnell gemacht und super lecker!

Guten Appetit!

 

 

Schwein gehabt: Wildschweingulasch mit Kürbispüree und Jagdscheinstress

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Jagdscheinstress und Kochpausen: Wildschweingulasch mit Kürbispüree

Die Zeit rast. Und mit immer größeren, beängstigend zügigen Schritt nähern sich die Prüfungen für den Jagdschein. So viel ist noch zu lernen, so viel wurde aber auch schon gelernt. Es ist ein intensives Wissenerwerben, eine zeitraubende Ausbildung, eine Bereicherung. Ich bin froh, dass ich das immer wieder beschworene Pensum zu Anfang nicht so richtig ernst genommen habe. Eine Einstellung, die sich spätestens nach Monat zwei mal schnell selbst revidierte und mittlerweile von der Erkenntnis ersetzt wurde, wie viel Spaß das Lernen macht. Dran bleiben. Ein Aufschieben in die letzten Tage vor der Prüfung ist bei der Menge des Stoffes nicht einmal in Betracht zu ziehen. Stattdessen gehören die Samstage dem Unterricht und dem Schießstand, unter der Woche die Lerngruppe zum Wiederholen und die Momente, in denen man selber noch einmal über den Büchern sitzt. Und da sind die Zusatztermine noch nicht dabei. Statt ins Kino geht es jetzt mit dem Kurs ins Schießkino, und und und… Das geschrumpfte Wochenende macht sich bemerkbar, das Lernpensum neben dem Arbeitspensum und anderen Teilen des Privatlebens halten einen seit Monaten in einem konstanten Zustand der leichten Angespanntheit. Aber nicht schlecht, sondern auf eine seltsam befriedigende Art. Wissen befriedigt ungemein, mich tatsächlich mehr als so vieles anderes. Kenntnisse erwerben, Zusammenhänge verstehen, den Blick erweitern und – ein ganz wichtiges Argument – ein wenig Unabhängigkeit über das eigene Essen zurück erlangen.

Ich würde jedem, der sich für den Wald und das Draußen begeistert, der mehr wissen und sehen möchte, der ein echtes Stück näher an die Natur rücken möchte und der auch auf den feinen Geschmack von Wild gekommen ist, einen Jagdschein nur empfehlen. Modelle der Ausbildung gibt es viele, je nach Bundesland. Und auch wenn ich mitunter stöhne angesichts der knappen freien Zeit, würde ich immer eine Lanze brechen für den mühsamen Weg der 10-monatigen Ausbildung im Jagd-Club. Es lohnt sich und man kann Seiten an sich entdecken, von denen man gar nichts geahnt hat und denen man in seinen gewohnten Lebensbahnen auch nicht unbedingt begegnet. Der Jagdschein ist eine Bereicherung fürs Leben. Er vermittelt ein Wissen, das in der praktischen Zeit danach nur weiter wächst und durch Erfahrung bereichert wird. Ich freu mich drauf. Aber erst einmal muss ich die Prüfungen hinter mich bringen. Und bis dahin kann ich gut Prioritäten setzen, es muss nicht immer alles auf einmal sein, erst einmal möchte ich diesen Abschnitt richtig würdigen und erfolgreich beenden.

Und deshalb noch schnell, bevor die Jagdzeit hier in Hessen für vieles Wild zu Ende ist, ein Wildschweingulasch.

Wildschweingulasch mit Speck und Kürbispüree und Birnen Feldsalat
(4 Personen)
Ich mariniere das Fleisch 24 Stunden und räume großzügig Zeit zum Köcheln ein, etwa 4-5 Stunden.

1kg Wildschweingulasch in gabelgerechten Stücken, ohne Sehnen
200g gewürfelten Speck
1 Liter Primitivo
200 Gramm Tomatenmark
6 Möhren gewürfelt
300 Gramm Schalotten in groben Würfeln
Lorbeeren
Nelken
Lorbeerblätter
Zimtstange
Pfeffer
Salz
Cayenne
Pfeffer
Ghee

1 Hokkaidokürbis (400-500g)
1 Bund Frühlingsziebeln
Butter
Muskatnuss
Salz
Pfeffer

Feldsalat (400 Gramm)
1 große Birne gewürfelt
Walnüsse, geröstet und gehakt
Olivenöl
Apfelessig
Kürbiskernöl
Salz
Pfeffer

  • Das Gulasch kalt abspülen, trocken tupfen und für gute 24 Stunden in Rotwein mit zerstoßenen Lorbeeren und Nelken sowie Lorbeerblättern und einer Zimtstange marinieren, dabei regelmäßig umrühren.
  • Die Gulaschstücke aus der Marinade nehmen und diese durch ein Sieb gießen und zur Seite stellen, die Lorbeerblätter und die Zimtstange aufbewahren.
  • Das Gulasch nun im Ghee scharf anbraten, die Speckwürfel, Schalotten und Möhrenstücke dazu geben und mit der Marinade aufgießen, Lorbeerblätter und Zimtstange dazu geben, salzen und mit Pfeffer und Cayennepfeffer würden.
  • Das Tomatenmark unterrühren und nun einmal kräftig aufkochen, bevor das Gulasch dann für 4-5 Stunden leise vor sich hin köchelt.
  • Zum Essen den Kürbis in Stücke schneiden und in etwas Flüssigkeit weich kochen. Ich nehme gerne Wildfond aber im Zweifel tut es auch Wasser mit einer Prise Salz.
  • Den weichgekochten Kürbis mit Butterstücken pürieren, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken und die Frühlingszwiebeln in Ringen drunter heben.
  • Die Birnenstücke in der Pfanne mit etwas Olivenöl leicht andünsten und mit dem geputzten Feldsalat und den gerösteten Walnüssen vermengen und nur leicht mit Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer anmachen.
  • Dazu passt auch ein schnelles Kompott aus Cranberries und Apfel. Dazu 200 Gramm Cranberries waschen und mit einem geschälten, gewürfelten Boskop-Apfel mit wenigen Esslöffeln aufsetzen. Etwa zwei knappe Esslöffel Xylith hinzu und zu einem Kompott einkochen, dann abkühlen lassen.

Guten Appetit!

Wohin schauen? Die temporäre Zuflucht Küche: Blumenkohl aus dem Ofen, irgendwie mediterran

Blumenkohl aus dem Ofen

Von der Zuflucht in der Küche in unruhigen Zeiten: Blumenkohl aus dem Ofen

Wohin schauen? Mit einem Kloss im Hals und mehr als sprachlos nach Paris? Von Mitgefühl bewegt auf die leidenden Menschen in Gaza oder Westafrika? Entgeistert in die Städte der USA, wo der Glauben an demokratische Werte von staatlicher Gewalt kaputt geprügelt wird? Verwirrt von zu vielen, zu lauten und zu unreflektierten Stimmen in Richtung Ukraine? Entgeistert und von Unbehagen erfüllt auf die Pegida-Bewegung und ihre zu vielen Schäfchen? Enttäuscht und entzaubert auf die erschreckend flache Landschaft der Mainstream-Medien?

Soll man den Kopf ausschalten und zur Ablenkung den Verlockungen des Konsums folgen? Super Sale überall, weil trotz weihnachtlicher Bescherung doch immer noch was fehlt zum Glück? Man könnte sich auch medienübegreifend auf allen Kanälen zu Tode amüsieren.

Nein, es ist nicht egal, das eigene kleine Leben mit seinen Fallstricken und Hürden, bietet es doch die befreienden Momente großen Glücks, mutiger Verrücktheit und innerer Wärme, die einen bestehen lassen im großen Rauschen. Kostbar und überlebensnotwendig sind sie, die Momente, in denen wir ganz bei uns sind, ausbalanciert, zufrieden, im großen kleinen Glück. Und je mehr sich alles bewegt, desto wichtiger finde ich, diese Momente aus mir heraus zu schaffen, allein und mit anderen. Aber sie nicht zu konsumieren, wie alles andere, sondern zu versuchen, immer etwas Aufmerksamkeit für sie zu bewahren.

Ich möchte zufrieden sein, mit mir und allem, was ich tue. Und ich glaube, damit habe ich mir eine ziemlich komplexe Aufgabe gestellt, die mich mein Leben lang ausfüllen wird. Denn so richtig fertig sind wir ja (zum Glück) nie, mit dem Lernen, Leiden und Freuen. Und es geht mir gar nicht darum in einer endgültigen Zufriedenheit anzukommen und dort in einem behaglich plüschig-warmen Nest zu erstarren. Es ist der Weg, der mich reizt. Mit all seinen Begebenheiten und Begegnungen. Ich mag Neues und ich mag irgendwie auch, nicht um die nächste Kurve schauen zu können – grundsätzlich sehe ich das Leben positiv. Es ist schön und es ist das, was ich habe. Und darum muss ich es in die Hand nehmen. Und auch die Menschen mag ich. Freundschaften und Austausch sind die schönste und größte Inspiration und Bereicherung. Eine Kostbarkeit. Aber bei allem, was leuchtet und gut tut, manchmal legt es sich einem so schwer auf die Schulter, das Treiben der Welt, dass es schwer fällt nicht ins Straucheln zu kommen.

Wohin schauen? Die Frage wird für mich immer drängender. Und was tun? Die Passivität, die die meisten von uns in der Komfortzone festhält, muss ein Auslaufmodell werden, wenn sich der Optimismus einen Platz in der Zukunft sichern soll.

Was tun? Es gärt in mir und setzt sich in Bewegung. Wenn ich zufrieden sein will, dann darf ich nicht nur auf mich schauen. Ich muss anfangen mich zu bewegen. Nicht gefällig und so dass es immer gut passt. Nein, ich glaube, um etwas in Bewegung zu setzen, muss man wachsen, auch mal über die eigene Bequemlichkeit und Furcht hinaus. So stark möchte ich gern sein und den richtigen Weg finden, aus der Lautlosigkeit zu treten. Denn einfach so weitermachen – das dürfen wir doch eigentlich nicht.

Und wenn es zu sehr drückt und mir die Welt den Blick versperrt, dann ist ein gutes Rezept die Bewegung, der Gang an die frische Luft oder das Wirbeln in der Küche, um im Duft und in den vielen Handgriffen wieder zu mir zu finden.

Ein schnelles Rezept aus dem Ofen (wunderbar auch für vegetarischen Besuch):

Ganzer Blumenkohl aus dem Ofen – mediterran

1 Blumenkohl
400 ml passierte Tomaten
2 Knoblauchzehen, fein gehakt
1 mittlere Zwiebel, gewürfelt
120 Gramm weiche Butter
Pfeffer
Salz
Cayenne Pfeffer
Prise Zimt
Prise Nelkenpulver
Prise Cumin
Thymian
Salbei
100 Gramm schwarze griechische Oliven, halbiert, ohne Stein

  • Den Blumenkohl von den Blättern befreien, waschen und den Strunk so kürzen, dass der Blumenkohl in einer Auflaufform sitzen kann, ohne umzufallen.
  • Die weiche Butter mit der Hälfte des Knoblauchs, dem Nelkenpulver, Cayenne Pfeffer, Zimt und Cumin, Salz und etwas Salbei vermengen und den gesamten Blumenkohl damit einstreichen.
  • Den restlichen Knoblauch, die Zwiebel, Thymian, Salbei, Pfeffer und die Oliven mit den passierten Tomaten in einer Auflaufform verrühren und den Blumenkohl darauf setzen.
  • Nun für eine gute Stunde bei 180 Grad in den Ofen.

Ein Tipp: Vorsicht mit dem Salz in der Tomatensoße, die griechischen Oliven haben es in sich und schnell wird es zu viel. Wer es fleischig mag, schneidet noch schnell grobe Bratwürste oder Mettenden in die Tomatensoße, das macht das Ganze herzhaft.

Guten Appetit!

Herbstmomente im Wildpark Weilburg und ein schnörkelloses Gericht: Lauch-Pilzpfanne

Wildpark und Low Carb Pilz-Lauch-PfanneDie letzten Morgende blieb er einem verwehrt – der Blick hinauf zum Waldrand. Die Welt schien verschluckt von dickem grauen Nebel, der langsam seine Finger durch das geöffnete Fenster zu schieben schien. Ein ruhiges Wetter, gedämpft und mit der Fähigkeit, einem auf Dauer aufs Gemüt zu schlagen. Aber nach wenigen Stunden musste sich der Nebel der warmen Herbstsonne ergeben und löste sich einfach auf. Bei der Fahrt durch den Taunus sah man, wie sich die Nebelfetzen widerspenstig auch aus den letzten dunklen Tälern hoben. Ein wenig sieht es immer aus, als würden sich Wolken vom Boden erheben.

Ich mag dieses wechselhafte Herbstwetter. Herbst ist wie das Durchatmen nach einem langen heißen Tag. Mit dem Wissen, dass der Winter nicht mehr weit ist und sich heranschleicht. Aber noch hängen rote Äpfel in den Bäumen und es ist die Jahreszeit mit den wärmsten Farben. Ich bin ein Herbstkind. Vielleicht liegt es daran. Ich bin eine Oktober-Waage, wenn man dem Bedeutung beimisst. Und tatsächlich finde ich mich in vielen der Eigenschaften wieder, die man den Waagen zuschreibt. Und ich mag es so gar nicht, wenn ich aus der Balance gerate. Tatsächlich bin ich bemüht bei allem, was ich tue, bei mir zu bleiben. Was die Welt einem nicht immer einfach macht, aber ich arbeite daran. Ich habe keine hochfliegenden Ziele, sondern suche in allem Zufriedenheit. Nicht die schnellen Kicks, sondern das anhaltende warme Glücksgefühl, das hilft, bei sich zu bleiben und mit sich zufrieden zu sein. Das einem hilft nicht darauf zu hören, wenn es um einen herum höher, schneller, weiter, besser schreit. Sich nicht beweisen zu müssen ist eine Tugend, an der man wohl ein Leben lang feilen muss. An jeder Ecke wird einem der Wettbewerb doch förmlich aufgedrängt. Jeder kann nur für sich sprechen und ich habe einfach stark gemerkt, wie viel leichter und glücklicher und zufriedener ich bin, seit ich die Meinung anderer Menschen nicht mehr zum Maßstab mache, an dem mein Glück hängt. Nun ist vielen vieles sch..egal. Das meine ich nicht. Man soll nicht brüskieren oder willentlich verletzen. Aber wer eine Waage ist wie ich, wird das Gefühl kennen, ständig am ausbalancieren zu ein, damit alle rund herum zufrieden sind. Nur sich selbst vergisst man dabei. Und begibt sich in eine sehr angreifbare Position, wenn man auf Menschen trifft, die eigentlich nur ihre eigene Agenda sehen. Menschen sind so. Unterschiedlich. Und nicht nur Harmoniekekse. Sondern auch egoistisch und verletzend und nach Aufmerksamkeit heischend. Da halte ich inne und wenn es geht, nehme ich einen anderen Weg. Und versuche es anders zu machen. Nicht immer ganz einfach.
Gerade mache ich das Innehalten zur täglichen Pflichtübung. Zu viel ist in Bewegung geraten. Wir haben ganz sachte begonnen, nach dem nächsten Wohn-Modell zu schauen. Und das ist ein guter Grund, sich immer mal wieder zu fragen, was suche ich und warum?

Und so entdecken wir gerade die Heimat neu, bei Fahrten durch kleine Dörfer im Naturpark Nassau, die wie vergessen wirken und einem kurz das Gefühl geben, aus der Zeit zu fallen. Sehen Schönes, Skurriles und weniger Schönes und wissen zu schätzen, wie gut wir es für den Moment getroffen haben. Aber wir wollen weniger. Weniger Raum und weniger Miete. Und da heißt es dann ehrlich sein, auch wenn man das wunderschön renovierte Fachwerkhaus sieht, das dieselbe Größe hat wie unser jetziges Zuhause, aber 300 Euro weniger kostet.

Da hätte man das Geld gespart und würde wieder in einem zu großen Anzug stecken, der nicht so richtig sitzt, auch wenn er eigentlich schön ist. Nein. Nichts übereilen. Ehrlich sein. Und die Ruhe behalten. Wer kann, nimmt sich zwischendurch eine Rauszeit. Und wer in der Nähe wohnt, sollte einen der sonnigen Herbsttage nutzen und den Wildpark Weilburg besuchen. Alleine landschaftlich schon ein Genuß zum Spazierengehen, aber obendrauf gibt es noch heimische Fauna, wie man ihr selten so nah kommt. Lux, Damwild, Wölfe, Wildkatzen und ganz entzückende Otter. Majestätisches Rotwild und melancholische Wisente. Die Zeit verfliegt und so manchem Tier kommt man näher als gedacht und zuckt schon mal zusammen, wenn ein tiefenentspannter Sikahirsch neben dem Weg döst (ohne Zaun). Diese Entdeckung müssen wir teilen und werden zukünftig das kinderreiche Umfeld mit in den Wildpark nehmen. Hier bleibt es einem erspart, das triste Gefühl, das einen oft in Zoos angesichts stinkender, kleiner Gehege befällt. Natürlich ist Wildpark nicht Freiheit, aber hier wurde mit viel Liebe zu den Geschöpfen auf die Gestaltung der Gehegeflächen geachtet. Und so ergibt sich ein Spaziergang für Kopf und Wohlbefinden.

Nach Ausflugstagen mag ich dann nicht gerne lange in der Küche stehen. Eine herbstlich deftige Kombination, die sich sowohl als Beilage oder Hauptgericht gut macht:

Herbstliche Lauch-Pilz-Pfanne  ohne viel Tamtam   
(hier als Beilage für zwei)

2 große Lauchstangen
250 Gramm braune Champignons (oder selbst Gesuchtes)
Butter
Salz
Pfeffer
Muskatnuss
Wahlweise: Speckwürfel

  • Den Lauch in Ringe schneiden (etwa 0,5cm) und gründlich waschen.
  • Die Pilze abziehen und in Scheiben schneiden.
  • In einer geräumigen Pfanne Großzügig Butter zerlassen und den Lauch sanft darin garen. Nicht zu heiß, lieber mit Ruhe, bis der Lauch weicher aber nicht matschig ist.
  • Nun den Lauch an die Seite schieben und Speckwürfel auslassen, dann die Pilze dazu geben und dünsten, bis diese durch aber nicht zu weich sind.
  • Alles vermengen. Großzügig salzen und pfeffern und Muskatnuss darüber reiben. Vor dem Servieren noch ein kleines Stück Butter untermengen.

Dazu passt auch sehr gut ein Rumpsteak oder man schlägt Eier drüber für ein formloses Omelette.

Schnell und schörkellos.

Guten Appetit!

 

 

 

 

 

 

Eine verschwommene Lektüre und Herbstküche: Die Geschwister des Wassers und Achard (Kohlgemüse mit Ingwer und Essig)

Achard und alte Heimat CelleEr rast, der September. Vielleicht ein wenig bedingt durch das Schauspiel, das sich jeden Tag vor der Haustür abspielt: Von der morgennebeligen Waschküchen-Atmosphäre über T-Shirt-Momente, die an den Sommer erinnern und einen Abend, der nicht nur oft noch Regen, sondern auch eine täglich früher ums Haus schleichende Dunkelheit mit sich bringt. Eine seltsam anmutende Regelmäßigkeit hat sich da im Wetter breit gemacht. Und so fahren wir morgens im Nebel im Taunus los, erleben gegen Mittag sommerliche Temperaturen in Hannover, genießen Spätsommerduft im Wendland, feuchtwarme, herbstduftige Abende in Celle und Nebelspaziergänge in Braunschweig… Und dann sind es nicht nur schöne (Wieder-) Begegnungen an zu vielen Orten in vier Tagen gewesen, sondern die Vielfalt wird verstärkt durch ein Wetter, das einfach keinen roten Faden für die vollgepackten Tage liefern wollte. Und während der Alltag sich am Schreibtisch zurechtgerückt hat, macht sich ein wenig angenehme Erschöpfung breit. Die Eindrücke des verlängerten Wochenendes bräuchten etwas Leerlauf, um sich zu festigen. Nur ein Wochenende entfernt lockt die Auszeit für den vielgereisten und nicht minder bewegten Kopf der letzten Zeit. Wandern in den Vogesen mit lieben Freunden… und so heißt es einige wenige Tage noch diszipliniert sein, weiter unterwegs sein, das Jetzt und das Hier genießen, wenn auch durch einen leichten Nebel der Erschöpfung und dann wieder Taschen packen und natürlich die Lektüre nicht vergessen.

Ein Buch, das ich einpacken würde, hätte ich es nicht gerade wie in einem Lesefieberanfall verschlungen, ist: Die Geschwister des Wassers von der Brasilianerin Andréa Del Fuego.

Die ersten Seiten war ich mir tatsächlich nicht sicher, ob der Moment für die Lektüre passt und während ich noch überlegte, ertappte ich mich dabei, wie ich mir neue Lesefenster im Tagesablauf schuf und ehe ich es mich versah, war ich auf der letzten Seite angekommen und ganz verzaubert vom Schicksal der Familie Malaquais und vor allem aber von der Sprache, die einen entrückt zurück lässt. Ein bisschen schaut man beim Lesen wie durch eine milchige Scheibe oder einen Regenschleier auf die Geschichte, die sich immer weiter spinnt: Etwas bleibt im Verborgenen, aber die Ungenauigkeit öffnet die Räume im Kopf macht den Reiz aus und zieht einen hinein in die Geschichte, bis man mit der Nase ganz platt an der trennenden Scheibe steht, um einfach noch mehr zu entdecken. Eines dieser Bücher, für deren Empfehlung ich sehr dankbar bin und das sicherlich noch an den einen oder anderen Menschen weitergeschenkt wird.

Und da es wirbelt und reist und drängt und liest, versuche ich mich im effizienten Kochen, sprich Kochen auf Vorrat.

Achard-Variation  

Mitgebracht haben wir das Rezept aus Mauritius, wo es eine typische Beilage zum Curry ist. Neben Weißkohl passen Paprika, grüne Bohnen und Möhren wunderbar in die Mischung, alles einfach immer fein in Streifen geschnitten. Ich habe genommen, was da war, das war der Kohl – ein gern gesehener Gast bei uns.

1 Kopf Weißkohl (ca. 800 Gramm), in Streifen geschnitten
2 mittlere Zwiebeln, gewürfelt
8-10 Zentimeter Inger, gehakt
2 große Knoblauchzehen, fein gehackt
4-5 Esslöffel Senfkörner
2 scharfe Chilischoten, gehakt
3 Teelöffel Kurkuma
Salz
Kokosöl
Apfelessig

  • Zwiebeln, Ingwer, Knoblauch, Senfkörner, Kurkuma und Chilis in großzügig Kokosöl in einem großen Topf andünsten, bis die Zwiebeln glasig sind.
  • Den Kohl und nach Geschmack weiteres Gemüse dazu geben, ordentlich salzen und unter regelmäßigem Rühren weiterdünsten, bis auch der Kohl glasig und nicht mehr ganz knackig ist.
  • Den Topf vom Herd nehmen und zum Schluss noch einen großzügigen Schwung Apfelessig dazu (hier kann jeder vorsichtig anfangen, je nachdem, wie stark der Essiggeschmack sein soll).
  • Das Kohl-Ingwer-Gemüse schmeckt lauwarm, aber ich mag es ab Tag zwei immer lieber, wenn die Mischung im Kühlschrank weiter zieht und der Ingwer einem den Kopf klärt.

Dazu passt ganz traditionell ein Curry, oder auch ein Rührei/Omelett oder etwas gebratener Speck… ich esse es aber auch einfach mal gerne so als Mittagssnack.

Guten Appetit!

 

Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm – Kästner für die Seele und eingelegte Eier für die Nostalgie

Eingelegte EierEs gibt wenige Lebenslagen, zu denen man nicht ein paar wohlgefasste Worte beim verehrten Herrn Kästner findet. Nichts Menschliches war ihm fremd und viele Themen ähneln sich damals wie heute. Auch die Sehnsüchte, wie es scheint. Heute wie damals ein Sehnsuchts- und ein Lieblingsort: Der Wald.

Grund genug,, das Vergnügen immer einmal wieder zu teilen.

Passend zum sonntäglichen Gang durch den Wald vor der Tür und der immer wieder wunderbaren Erkenntnis, dass es eben oft nicht mehr braucht um durchzuatmen und runterzufahren, als diese (scheinbar) stillen Riesen, deren hohe Stämme einen mitunter sanft in ein Gefühl der Andacht stupsen, wie es nur die Natur vermag (und mitunter sakrale Bauten) und der Bereitschaft sich darauf einzulassen.

Die Wälder schweigen
Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

(Erich Kästner)

 

Und wieder daheim möchte ich Faul sein genießen. Und habe deshalb eine Lieblingsspeise auf Vorrat eingelegt, die irgendwie aus der Mode gekommen ist…

Eingelegte Eier

Glückliche Eier (hier waren es 13)
0,5 l Apfelessig
0,5 l Wasser
4 Esslöffel Senfkörner
1 TL Chilis, gehakt
1 TL Nelken
6-7 Lorbeerblätter
1 TL Salz
1 gestrichener Esslöffel Xylith
Gläser mit Deckel

  • Eier hart kochen, abschrecken, pellen und auf die kochen heiß ausgespülten Gläser verteilen.
  • Wasser und Apfelessig mit den Gewürzen aufkochen und für den Geschmack des Suds knapp 10 Minuten köcheln lassen. (Der Flüssigkeitsanteil ist abhängig von der Gläsergröße, wichtig ist nur das Verhältnis 1:1)
  • Den Sud dann auf die Gläser verteilen, abkühlen lassen und ab in den Kühlschrank, sie halten sich einige Wochen, können sich durch den Essig aber verfärben. Bei uns sind sie meist eh nach 2-drei Wochen weg.

Guten Appetit!