Eine Perle aus dem Zettelkasten zum Wochenanfang und ein Lieblings Wintersalat: Feldsalat mit Apfel, Sellerie und Walnüssen

Genieanwärter und FeldsalatEine Perle aus dem Zettelkasten zum Wochenanfang und ein Lieblings Wintersalat: Feldsalat mit Apfel, Sellerie und Walnüssen.
Manche Dinge sezieren die Wahrheit auf so charmant gnadenlose Art, dass man sie am besten so stehen lässt. Sie sprechen zeitlos für sich und vieles.

Ratgeber für künstlerische Genieanwärter

Wenn Du in der gegenwärtigen Kulturszene möglichst rasch zu Publizität und Marktwert bringen willst, mußt du vor allem folgende drei Regeln beachten:

  1. Denke immer daran, daß wir in einer Mediengesellschaft leben. Ehe du dich also entscheidest, auf welchem gebiet der Kunst du als Genie fungieren willst, bedenke dein Outfit – und bedenke es gründlich! Du wirst es jahrelang und womöglich sogar bei Tag und Nacht tragen müssen. Es dient dir als Markenzeichen, und so etwas ist bei dem Überangebot an Originalität heutzutage absolut notwendig. Doch laß dich nicht entmutigen: Fast alles kann dazu dienen, z. B. Turnschuhe, die du immer, auch zum Smoking trägst, oder irgendein blödes Mützchen oder eine Unterwasserbrille oder auch einfach Kleidung in einer einzigen Farbe, alles – aber wirklich alles! – in Violett oder in Pink, ein Schnürleibchen, oder… Genug, du mußt es schon selber kreieren. Wenigstens das. Wichtig ist dabei allerdings in jedem Fall, daß dein Outfit irgendwie „garstig“ wirkt, um Himmels willen nicht gefällig! Durch diese Garstigkeit zeigst du, daß du eine ernstzunehmende Persönlichkeit bist, die alle bürgerlichen Konventionen verachtet und die das Elend der Welt kennt und selbst erleidet. Am bestem läßt du dich frierend vor umgestürzten Mülltonnen fotografieren oder eben im Gegenteil – provokativ – bei einem Festgelage mit goldenen Tellern voller Austern und Wildbret. Gelingt dir die Lösung des Outfit-Problems überdurchschnittlich gut, so kannst du die nächsten beiden Punkte weitgehend vernachlässigen, doch wirst du dich dann entschließen müssen, dich ab und zu öffentlich als Verrückter aufzuführen. Das ist sicherlich ein wenig mühsam, aber bedenke, daß dir als Lohn die Aufmerksamkeit der Medien zuteil wird.
  2. Du mußt einen gewissen Aufwand an kunst- oder kulturtheoretischer Absichtserklärung treiben. Merke: Wichtiger als das, was du machst, sind die Argumente, die du dafür lieferst. Denn nur über diese kann öffentlich diskutiert werden. Deine „statements“ sollen kurz und handlich sein, damit sie im Dreiminuten-Take einer kulturellen Funk- oder Fernsehsendung abgefragt werden können; dennoch müssen sie so beschaffen sein, daß sie den Horizont eines durchschnittlichen Bildungsbürgers ein klein wenig übersteigen. Je mehr er nämlich versteht, was du sagst, um so geringer wird er dich achten. Vermeide es also, dich allzu klar auszudrücken. Dein Vokabular soll deinen Zuhörer oder Gesprächspartner einschüchtern, ihm aber gleichzeitig Begriffe wie „progressiv“ oder „kritisch“ suggerieren. Das hört sich schwieriger an, als es ist – also verzage nicht. Fast jeder kann es, also wird es auch dir gelingen. Es gibt geeignete Literatur in Hülle und Fülle. Im Grunde genügt es, die Feuilletonseite einer großen Tageszeitung zwei, drei Wochen lang aufmerksam zu studieren, dann hast du alles zusammen, was du brauchst.
  3. Ganz ohne jedes „Werk“ geht es leider nicht, schon allein deshalb, weil ja irgend etwas von dir Geschaffenes auf dem Kunstmarkt Preise machen soll. Aber in diesem Punkt solltest du dir die geringsten Sorgen machen. Was zuvor gesagt wurde, gilt hier erst recht: Alles, aber auch wirklich alles, kann als Zeugnis deiner Kreativität dienen, angefangen von deinen alten zerrissenen Unterhosen, über deinen kaputten Kühlschrank, bis zu deinen abgeschnittenen Zehennägeln. Wichtig ist nur eines: Es muß in den zehn Sekunden, die dein Werk anfangs in den Fernsehsendungen zu sehen sein wird, auf irgendeine Weise „show“ machen, also den Charakter einer schrillen Schaufensterdekoration, eines Blickfangs haben. Werbung, die für sich selber wirbt! Sei dabei nicht zimperlich, Fragen des Geschmacks oder gar des Niveaus dürfen für dich als genialen Künstler keine Bedeutung haben.

Zugegeben, der allererste Anfang deiner Karriere erfordert eine gewisse Anstrengung. Du mußt es, wie auch immer, fertigbringen, daß du selbst oder dein Werk mindestens zehnmal von einem der Massenmedien beachtet wird – doch da die Medien ihrerseits auf alles aus sind, was „show“ macht, wird es dir sicherlich gelingen. Danach tritt eine Art von Selbstzeugungsprozeß ein: Du oder deine Werke werden gezeigt, weil du oder deine Werke gezeigt worden sind. Damit hast du’s im Grunde schon geschafft und kannst den Rest der Entwicklung getrost abwarten. Bald werden sich die ersten Käufer einstellen, denn es gibt ja genügend betuchte Leute, die ihren Lebenssinn darin sehen, „in“ zu sein. Das wiederum bedeutet, daß der Kunsthandel sich für dich interessieren wird. Von ihm beauftragt, werden kluge Leute Artikel, Essays und schließlich Monographien über dich verfassen. Und schließlich werden sich dadurch die Museumsdirektoren davon überzeugen lassen, daß du ein „wichtiger Vertreter der Gegenwartskunst“ bist. Jede staatliche Galerie wird nicht umhinkönnen, eines deiner Werke zu erwerben, die inzwischen zu Höchstpreisen international gehandelt werden. Du hast ausgesorgt.  (Michael Ende, Zettelkasten. Skizzen & Notizen)

Und während der erschreckend aktuell-gültige Eindruck verdaut wird, noch eine Lieblingsbeilage oder Vorspeise.

Feldsalat mit Apfel, Stangensellerie und Walnüssen

Feldsalat (hier für drei Personen eine Schale mit 250 Gramm)
1 großen festen, säuerlichen Apfel (Elstar, Boskop..)
3 Stangen Sellerie
100 Gramm grob gehackte Walnüsse
Kürbsikernöl
Rotweinessig
Olivenöl
Salz und Pfeffer

  • Die Walnüsse ohne Öl in einer Pfanne anrösten bis sie duften. Dabei darauf achten, dass sie nicht anbrennen, das geht dann plötzlich sehr schnell.
  • Den Feldsalat putzen und waschen und richtig trocknen, am besten in der Salatschleuder, und zur Seite stellen.
  • Die Selleriestangen waschen und in schmale Stücke schneiden (so etwa 0,5 Zentimeter oder weniger), den Apfel waschen und in Stücke schneiden.
  • In einer Salatschüssel das Dressing anrühren. Dafür Kürbiskernöl, Olivenöl und Essig im Verhältnis 3:2:2 (großzügige Esslöffel) verrühren. Etwas Salz und Pfeffer dazu und dann die Sellerie, den Apfel und die Walnüsse unterrühren.
  • Den Feldsalat erst kurz vor dem Servieren unterheben. Die Salatqualität, die man so bekommt, hat ja leider die Tendenz total weich zu werden im Dressing.

Guten Appetit!

Advertisements

Hasenweich, der Zettelkasten von Michael Ende und eine Kuchenlieben-Variation: Orangenkuchen

Paleo Orangenkuchen mit Michael EndeKeine Zeit, zu spät, zu spät…  Momentan bin ich voll im Modus des weißen Kaninchens aus Alice im Wunderland. Eine Lektüre, die ich Erwachsenen nur ans Herz legen kann! Der Kontakt  mit dem Disney Spielfilm brachte meine Eltern in die Bedrängnis, mir ein Kaninchen zu schenken, ich wollte einfach nicht mehr Ruhe geben. Weiß gab es nicht, dafür schwarz und hasenweich ist definitiv eine feststehende Messeinheit für die Flauschigkeit von Dingen.

Aber nicht immer ist das Leben hasenweich, dann würde man sich vor wohlbehaglicher Trägheit kaum rühren. Gerade ist es umtriebig. Der quasi Beamtenjob unter den Texter-Aufträgen, der Einsatz auf Unternehmensseite, treibt mich für die Dauer eines Projektes regelmäßig in die 80er Jahre Kälte einer Ansammlung steriler Frankfurter Bürobauten. Pendler-Alltag, den ich gerade nur überstehe, weil er temporär ist. Und dann denke ich, dass das Jammern auf zu hohem Niveau ist. Immerhin können wir vom Texten leben und haben es schon ganz schön.  Und so wird tief durchgeatmet, die Zeit daheim zwischen den Hügeln genutzt, auch wenn das Schreiben etwas kurz kommt. Aber ich habe mir von Anfang an vorgenommen, mich niemals treiben zu lassen von dieser privaten Beschäftigung. Also läuft es so, wie der Fluss des Lebens es gerade hergibt.

Und dieser Lebensfluss hat mich gerade mitten in die Gefilde der grauen Herren gespült.  So geht es mir, wenn ich morgens in Frankfurt den Massen ausweiche, die nur keinen Schritt ausweichen wollen um auf kürzestem Weg in die weiterführende S-Bahn zu gelangen. Zeit sparen, effizient ein, den Blick aufs Smartphone oder energisch nach vorne gerichtet. Keine Zeit für ein freundliches Lächeln nach rechts oder links. Schade, wenn man bedenkt, dass der Spruch doch stimmt: Das Lächeln, das Du aussendest kehrt stets zu Dir zurück. Ich versuche mich darin zu üben, die Menschen um mich herum bewusst wahrzunehmen, was tatsächlich dadurch erschwert wird, dass die meisten damit beschäftigt sind, sich hinter ihren Mausern und Masken zu verstecken. Wie oft erlebt man direkte Blickkontakte? Die fühlen sich schon befremdlich an. Wie schade. Die zu vielen Männer in dunklen Geschäftsanzügen, die mehr oder weniger fit das Tempo durchziehen, das signalisieren soll: Hier kommt ein Macher. Die Frauen, weniger im Kostüm, aber dafür öfter auf Absätzen. Wobei Schuh und Absatzhöhe so einiges über das Selbstbild oder die eingenommene Rolle der Schuhträgerin zeigen. Besonders schwierig, die resoluten Frauen mit Biss, die der Welt zeigen, dass sie dazu gehören und ihre Kompetenz unter den Füssen zu tragen scheinen und mitunter schwer daran tragen, wie es aussieht. Das sind die Schritte, die man schon aus der Entfernung durch Flure hallen hört, die aufdringlich die Räume betreten und wahrgenommen werden wollen.

All diese Menschen verteilen sich dann morgens hinter spiegelnden Scheiben, die so wirken als wollten sie den Himmel draußen halten und ihn nicht hineinlassen, in ihre immer sterilen und leblosen Flure, egal wie viel persönlichen Krempel die Kollegin hortet und egal, ob das Unternehmen kreative Spielräume und Ruhezonen oder Sitzinseln integriert. Es bleibt  Arbeitsraum. Raum, der den Großteil des Tages schluckt und uns irgendwann wieder entlässt in die verbleibenden freien Stunden. Die Schritte sind dann  ebenfalls schnell, es geht mit der Bahn ins nächste Kästchen,  Zuhause genannt, aber weniger Energie schwingt mit.  Der Nachhauseweg ist die Zeit, die der Metamorphose vom Arbeitstier-Lohnsklaven zum Privatmenschen gehört.

Nicht immer muss es so sein, aber viel zu oft ist es so.  Und ich habe da keine Lust mehr drauf und mache es anders. Aber der temporäre Einblick in die Alltagsrealität so vieler Büros ist doch immer wieder lehrreich. Und lässt mich dankbar sein.

Und der Gedanke an die grauen Herren lässt mich zurück daheim nach einem anderen Buch von Michael Ende greifen: Seinem Zettelkasten. Kein weiterer Roman, aber eine Sammlung von Stoffen, Skizzen und Notizen, die voller Wahrheiten stecken und das Bild eines Autors und Menschen zeichnen, der ganz genau hingeschaut und verstanden hat. Nicht immer mit dem Strom geschwommen ist und in seiner verzaubernden feinen Sprache einen Ausdruck gefunden hat, der nicht aufmerksamkeitsheischend daherkommt, sondern durch die Wahrhaftigkeit, den klaren Blick und die reiche Fantasie so berührt und bewegt.

Ein Zettelkasten, der so reich ist, dass ich wohl noch öfter hineingreifen werde.

Hier ein kleiner Gedanke, den ich sehr groß finde und der mir aus der Seele spricht in seiner Sicht auf die Schreiber dieser Welt, die uns als Publikum suchen:

Stilistische Mätzchen

Bei manchen Autoren kann ich den Eindruck nicht loswerden, dass sie beim Schreiben ständig den kleinen Finger abspreizen und ein feines Mündchen machen. Meist werden sie von der Kritik als bedeutende Stilisten gefeiert. Mich verärgert das eher. Wenn sich mir beim Lesen immer wieder das Gefühl aufdrängt, dass der Autor mich durch seine Zeilen hindurch mit hochgezogenen Augenbrauen anblickt, als wolle er fragen: „Hast du auch gemerkt, wie ungewöhnlich und feinsinnig ich das wieder formuliert habe?“, dann verliere ich jede Lust und klappe das Buch zu. (Michael Ende)

Recht hat er. Und leider finden sich diese Mätzchen ja nicht nur unter den Autoren.

Aber neben den Autoren, die man, wenn man könnte gerne mal am Tisch sitzen hätte, gibt es ja auch noch andere menschliche Lichtblicke und denen sollte man ab und zu einen Kuchen backen.

Aus Lemon Bread wird Orangenkuchen

Als Lemon Bread hat der Kuchen mitunter unseren Frühstückstisch bereichert.  In Ermangelung von Zitronen sind in diese Version Orangen gewandert.

Zu Recht.

Teig

6 Eier
40 Gramm geschmolzene Butter
Zesten von zwei (ungespritzten) Orangen
Saft von 1,5 Orangen plus Flüssigkeit nach Wahl (Wasser, Kokosmilch) um auf ca. 220 ml zu kommen
2 Teelöffel Vanille
5-6 Esslöffel Zucker
ca. 80-100  Gramm Kokosmehl

Glasur
3 großzügige Teelöffel Butter
3 großzügige Teelöffel Xucker
Zesten und Saft von einer halbe Orange
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 18o Grad vorheizen.
  • Eier, Butter und Xucker schaumig schlagen.
  • Orangen-Zesten, Orangensaft, die Butter sowie Flüssigkeit und Vanille dazugeben und mit dem Xucker verquirlen. Es entsteht eine leicht cremige Konsistenz, die aber noch läuft.
  • Das Kokosmehl dazu geben und quirlen. Mit dem Kokosmehl ruhig eher geizig sein. Der Teig sollte eine cremige Konsistenz haben, nicht zu trocken sein. Wenn er zu krümelig wird, etwas Flüssigkeit nachgießen.
  • Den Teig in eine gebutterte Kastenform geben und im Ofen ca. 40 Minuten backen, bis der Kuchen an der Oberfläche schön gebräunt ist.
  • In der Zwischenzeit die Zutaten für die Glasur in einem kleinen Topf erhitzen, bis der Xucker mit der Butter verschmolzen ist.
  • Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen, dann die Glasur verteilen und den Kuchen in das Gefrierfach (wenn es schnell gehen soll) oder in den Kühlschrank stellen, bis er komplett gut abgekühlt ist und die Glasur angezogen hat.

Tipp: Den Kuchen abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren.

Guten Appetit!

Bücher für die anderen, Rituale und zwei schnelle Freuden (herzhaft und süß)

Lesen und EssenLesen. Wenn mich jemand fragt, womit ich mich, neben der gedanklichen und praktischen Auseinandersetzung mit Essen, am liebsten beschäftige, dann ist die Antwort eindeutig für mich: lesen.
Bücher sind mein liebster Ort neben dem schönen Zuhause, wenn die Sonne durchs Fenster scheint, die Katze schnurrt, der besondere Mensch anwesend ist und alles für den Moment so schön ist, dass man kurz die Luft anhält, damit es nicht weg geht. Oh, ich schweife ab in Freitags-Harmonie.

Als Kind habe ich allabendlich darum gebettelt, dass die Vorlesezeit ausgeweitet wird und kaum ordneten sich die Buchstaben des Alphabets für mich zu Worten, habe ich selber angefangen Bücher zu verschlingen. Und dann konnte es schon mal vorkommen, dass meine Mutter mich beim blöden Blockflöten-Unterricht wähnte (das einzige was mir daran gefiel war, dass ich zum Vorspiel Rüschensocken durchsetzen konnte), während ich in Wahrheit vergessen hatte loszugehen und auf dem Boden lag und las.  Und diese Faszination für geschriebene Welten zieht sich durch mein Leben, wobei ich dabei einige Wandel durchgemacht habe. Als Kind habe ich viel zu früh auch immer mal in das elterliche Bücherregal gegriffen und Sachen gelesen, die sich meinem Erfahrungshorizont entzogen und deren Schnipsel mir heute manchmal noch einfallen. Da war ein Buch über ein Gehirn in einem Tank in einem Labor…ich weiß es nicht, aber das war es, was es mich immer fasziniert hat: dass Bücher einem Bekanntes ganz neu und Unbekanntes ganz vertraut zeigen können. Sie geben Antworten oder hinterlassen Fragen und treiben einen so an sich mit bestimmten Themen weiter auseinander zu setzten und aufs ganz Wunderbarste wächst man so an seiner Lektüre.

Und ja, das hängt natürlich auch von der Lektüre ab. Und das meine ich jetzt nicht mit intellektuell-bildungsbürgerlich erhobenem Umblätter-Zeigefinger, der mahnend auf den Kanon der 100 wichtigsten Bücher verweist, die einem bekannte Leitmedien in regelmäßigen Abständen immer wieder zusammenstellen und dabei am Besten noch den Untergang aller Kultur proklamieren, wenn die Jugend die literarischen Pappenheimer nicht mehr aus dem Effeff zitieren kann. Davon halte ich nicht viel. Zu lesen, was man gemeinhin halt lesen sollte, nur um zu sagen, dass man es gelesen hat, ist sinnlos. Ich glaube nicht, dass dann viel hängen bleibt. Neugier ist der wohl schönste Motor, der einen in der Büchervielfalt vorantreiben kann.

Neugier, Interesse und eine offene Einstellung. Dann können einem ganz wunderbare Begegnungen mit Büchern passieren und es werden einem Geschichten geschenkt, die berühren, denn auch wenn es kitschig klingt: Es liest halt mehr als nur der Kopf. Und manche Bücher bleiben bei einem, weil ihre Geschichte so wundervoll ist oder ihre Sprache so besonders und fesselnd. Leider gibt es da aber auch Unmengen von Büchern, die sind wie Fernsehen an einem Nachmittag unter der Woche. Nach einem Baukastenprinzip an der Zielgruppe ausgerichtet. Auf Spannung, Voyeurismus und  Ersatzbefriedigung, Betäubung ausgelegt. Das sind Bücher, die man wohl kein zweites Mal in die Hand nimmt, die die falsche Form von Abtauchen bringen und den Leser auch etwas unbefriedigt zurücklassen. Beispiele kennt wohl jeder: schnell gestrickte Krimis, peinliche Romantik- ,Erotik- oder Historienschmonzetten… Jeder hat doch Buchleichen in der nicht so auffälligen Ecke seines Regal versteckt. Ja, ich stehe jetzt einfach mal dazu. Ich habe eine Zeitlang gerne skandinavische Krimis (und da gibt es sehr gute, aber nicht nur) und auch mal einen Baukasten Stephen King gelesen.

Und, als Studentin der Geisteswissenschaften und einem gewissen intellektuellen Druck verspürend, lagen diese Bücher nicht ganz so offensichtlich rum wie die französische Ausgabe der Monde Diplomatique. Die ich natürlich im Original lesen konnte. Und mit dieser Verschleierungs- und Gaukel-Taktik stand ich sicherlich nicht allein da. Gerade in der großen Stadt Berlin wird nicht nur darauf geachtet, was Du trägst, sondern auch das Buch, das während der U-Bahnfahrt gezückt und  mit angemessen attraktiv geknautschter Stirn gelesen wird, ist ein Statement, das Gleichgesinnten zuzwinkerte „Hey, ich gehöre auch dazu!“ und Anderslesenden das geschriebene Brauenrümpfen zeigte. Rückblickend tut es mir leid, dass ich mich von diesem betont intellektuellen Getue, in das man als Student allzu schnell gerät, so habe hinreißen lassen.  Traurig, dass das nötig war und viele bleiben darin verhaftet, da wird dann mit Namen um sich geschmissen, die man dem letzten Wochenend-Feuilleton entnommen hat und die Spielregeln sehen vor, nicht zu genau nachzufragen. Denn Vorsicht: Nicht jedes beeindruckend gefüllte Buchregal wurde auch gelesen! Und wenn man dann in ehrlich gemeinter Bewunderung als Gast vor dem Regal steht und Interesse äußert, das über Bewunderung hinausgeht, ist der arme Gastgeber vielleicht genötigt leise vor sich hin zu grummeln, dass man das Buch noch nicht gelesen hat, oder ihm nichts abgewinnen konnte. Das ist nicht gut und sorgt für unangenehme kleine Momente. So sollte es nicht sein! Ich würde mich freuen, wenn mir dann mal jemand sagen würde: „Ganz ehrlich, ich dachte dass muss man haben und fand es so unverständlich und pfurztrocken im Vorwort, dass ich es nicht gelesen habe.“ Das wäre schön und eine Erleichterung und ich würde dieser Ehrlichkeit tiefsten Respekt zollen, ich würde es auch sagen. Mittlerweile, aber das war auch ein Prozess. Heimlich „Schund“ lesen – ein schlimmes Laster, nicht wahr? Nein, durchaus verzeihbar.
Die Lesegewohnheiten haben sich mittlerweile geändert. Belletristik und Krimis müssen mich heute deutlicher überzeugen als früher. Immer öfter greife ich nach Sachbüchern, da es einfach so vieles gibt, was ich wissen, lernen und verstehen möchte.

Das mit schönste Lesen für mich aber ist das Vorlesen. Ein Ritual, das sich vor gut zwei Jahren eingeschlichen hat und immer mehr Raum einnahm. Es ist so ein schöner Moment, Geschichten mit jemanden teilen zu können und über Bücher zu reden und im Lesen einfach eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, in Geschichten einzutauchen und diese in der Erinnerung zu teilen, wie einen gemeinsam verbrachten Urlaub. Ich kann nur für viel mehr Vorlesen plädieren!

Und beim Vorlesen wird noch einmal ganz neu auf die Auswahl der Lektüre geblickt. Geschichten und Erzählkunst stehen hier im Vordergrund. Wer vorlesen möchte, dem kann ich als Einstieg nur Michael Ende oder Rafik Schami  empfehlen.  Allein das Erlebnis, einen Kindheitsbegleiter wie Momo noch einmal zu lesen, jetzt wo man in der Welt der erwachsenen grauen Herren angekommen ist – es lohnt jeden Buchstaben.
Und manchmal verfliegt dann so viel Zeit mit den Büchern, dass es mit dem Essen ganz schnell gehen muss. Deshalb ein Abendessen und etwas nur halbvernünftiges Süsses für zwischendurch zum Lesetee.

Bohnen mit Speck (Eine bereits erwähnte Beilage, die mit mehr Speck eine Hauptrolle verdient hat)

500 Gramm grüne Bohnen
Schmalz
2 mittelgroße Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
150-200 Gramm Speck in Würfeln
Salz
Pfeffer
Rotweinessig

  • Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln.
  • Mit dem Speck in großzügig Schmalz andünsten, bis der Speck knusprig wird.
  • Nun die Bohnen dazugeben, guten salzen und pfeffern und etwa 12-15 Minuten knackig dünsten.
  • Zum Ende noch einen Schuss Essig dazu: Fertig.

Ganz wunderbar schmecken die Bohnen auch lauwarm bis kalt,  mit noch etwas extra Olivenöl und einem Löffel Chutney …Oder zu Fleisch.

Aprikosen-Kokos-Konfekt (ganz köstliche kleine Kugeln, aber bitte nicht zur Gewohnheit werden lassen! Ich stehe dem massiven Fruchtzucker kritisch gegenüber, aber ab und zu und wohl dosiert…..)

200 Gramm getrocknete, unbehandelte Aprikosen
75 Gramm Kokoschips
1 Teelöffel reineVanille
Kakaopulver
Kokosraspeln

  • Die Aprikosen zwei – drei Stunden in lauwarmen Wasser einweichen (sonst fängt der Pürierstab schon mal an zu qualmen..).
  • Die Aprikosen abgießen und mit den Kokoschips und der Vanille schön mit dem Pürierstab bearbeiten, bis die Stücke immer feiner werden und sich aus der Masse schöne Kugeln formen lassen.
  • Diese nun einfach pur belassen oder wahlweise in Kokosflocken oder Kakao wälzen.

Guten Appetit!