Liebster Discover Blog: Warum und wie mache ich das oder mein persönliches Blogger-Rezept

Discovery_BlogCaro, von  „Carola wird fit“, hat mir die Nachricht mit einer  Nominierung für den „Liebsten Discover Blog“ hinterlassen. Das freut mich natürlich und ich sage ganz herzlichen Dank, Caro! Und statt nur immer ehrfurchtsvoll auf ihr beeindruckendes Sportpensum zu schielen und mit Vergnügen ihren trockenen und ehrlichen Kommentaren zum Leben mit und um den Sport und dem ein oder anderen wunderbaren Aufreger zu folgen, nehme ich den Fragekatalog gerne auf und beantworte einmal Fragen ganz anderer Art. Einen Schritt zurück getreten: Warum ich das eigentlich mache, das Bloggen. Da hängt doch eine ganze Menge dran. Ein schöner Anlass zur Reflexion. Und ich gebe meinen Fragenkatalog gerne weiter. An einige kleinere Blogs, die ich bereits länger verfolge oder über die ich kürzlich gestolpert bin und die Anregungen ganz unterschiedlicher Art boten. Es ist schwer plötzlich eine Auswahl treffen zu müssen, diese ist also aus dem Moment heraus und könnte morgen ganz anders aussehen. In der Informationsflut des Internets fröne ich einem impulsiven Leseverhalten, das offen ist für Zufälle und oft bestimmt wird von den Themen, die mich interessieren und an denen ich gerade knabbre.

Eines vorweg: Wem angesichts von Fragebögen der Angstschweiß auf die Stirn und die Unlust in die tippenden Finger fährt – niemand muss. Ich freue mich einfach über jeden, der mitmacht und hoffe auf weitere spannende Entdeckungen feiner Blogs, die ich noch nicht kenne. Eine bunte Mischung folgt hier (ja, es sind keine 11):

http://konsumpf.de
http://ben83ian.wordpress.com
http://aboyfromstoneage.at
http://www.schlichte-gerichte.de
http://literatourismus.net
http://saetzeundschaetze.com
http://haifischchen.blogspot.de
http://langsamerleben.wordpress.com
http://kleinekleinigkeiten.wordpress.com

Liebe nominierte Blogger, solltet ihr die Kette fortsetzen wollen, sind das die Spielregeln:
Verlinkt die Person, die euch nominiert hat.
Beantwortet die 11 Fragen, die die Person euch gestellt hat.
Sucht euch 11 Blogger, die unter 200 Follower haben und nominiert sie (Das finde ich nicht immer eindeutig, ich habe einfach eine Auswahl getroffen und wer nur drei nennen mag, das finde ich auch ok).
Überlegt euch selbst Fragen für eure Nominierten. Meine Fragen findet ihr am Ende dieses Posts.

Warum hast du angefangen zu Bloggen?
Angefangen hat es für mich als kleine Schreibübung im Privaten. Ich texte beruflich im Auftrag für Kunden und wollte mein Lieblingsmedium Wort auch einmal wieder für mich nutzen und nicht im Rahmen einer beauftragen Kommunikationsstrategie. Praktischer Aufhänger waren dann Rezepte. Seit wir  die Ernährung vor fast zwei Jahren umgestellt haben und nach Paleo-Grundsätzen kochen, habe ich überlegt, wie ich all die Rezeptfundstücke, Inspirationen und Selbstversuche festhalten kann. Ein Blog bot sich an. Zumal ich dann nicht immer wieder Rezepte abschreiben und durch die Welt schicken muss.

Welches sind deine Lieblingsthemen?
Die thematische Klammer ist das Leben, das sich durch die Ernährungsumstellung grundlegend geändert hat. Es ist ein bisschen das Ventil, das nötig wurde bei dem Versuch ein Leben zu führen, das umsetzt woran ich glaube und was ich für mich als grundlegende Werte formuliert habe. Der Bedarf nach einem Ventil kam mit neuen Denkansätzen und Impulsen: Wer beginnt für sich nach sauberen Quellen für Lebensmittel zu suchen und sich intensiv mit dem Thema Nahrung und der daran angehängten Produktionskette zu beschäftigen, kann sich entweder Scheuklappen aufsetzen und sich oberflächlich wirkende Beruhigungsstrategien überlegen oder aber man muss in die Tiefe gehen und auch mal ehrlich zu sich selber sein und da mit dem Nach- und Umdenken ansetzen, wo man durch sein (Konsum-)Verhalten ein System mitträgt und legitimiert, das dem Menschen und dem Planeten, der unser Lebensraum ist, schon zu lange zu wenig Respekt entgegen bringt. An dem Punkt angelangt, haben sich die Themen für mich von alleine ergeben. Ergänzt werden sie durch schöne literarische Fundstücke und natürlich gutes Essen.

Woher kamen Deine ersten Leser?  
Die ersten Leser kamen aus der immer größer werdenden deutschsprachigen Paleo-Community. Die mit Facebookgruppen und Linksammlungen einen guten Einstieg in das Thema bietet. Um aktiver in einen Austausch einsteigen zu können, habe ich mich dort angehängt. Mittlerweile würde ich sagen, dass sich die Leser aber in zwei Gruppen unterscheiden lasen: Die Rezeptsucher, denen ich dankbar bin für Interesse an meiner recht schnörkellosen, laienhaften Kochpassion und den netten Köpfen, die mir durch ihr Feedback und ihre fleißigen Besuche auf meinem Blog zeigen, dass es viele gibt, die umdenken und nicht nur glücklich sind in der Welt, wie sie uns gestaltet wurde, und die nach Impulsen und Denkanstößen suchen. Er läuft mittlerweile einfach so vor sich hin, mein Blog. Und ich muss sagen, ich verfolge keine bestimmten Absichten, was Leserzahlen betrifft. Ich nehme es aber als eine wunderschöne Motivation zu sehen, dass sich immer neue Leser finden und viele auch wiederkehren.

Welche Blogs liest du am liebsten?
Das ist tatsächlich recht zufällig. Ich bin immer wie ein kleines Trüffelschwein, wenn mich ein Thema interessiert oder aufregt oder ich mehr wissen möchte, fange ich an mich durch das Unterholz des Internets zu wühlen und mache dabei wunderschöne und weniger schöne Entdeckungen. Grundsätzlich könnte man sagen, dass mich Substanz interessiert. Und was mich eher irritiert und mir mitunter echt negativ aufstößt ist zu sehen, wie sehr die Blogs als individuelle Plattformen der Kommerzialisierung anheimfallen und gerade im Bereich Mode, Einrichtung und Schnick-Schnack einem Materialismus frönen, den ich schade finde. Was früher als Weg zu Demokratisierung und Transparenz gefeiert wurde, ist mittlerweile in vielen Bereichen dankbares Instrument einer zeitgemäßen Marketingmaschinerie geworden. So wunderbar es ist, sich über Blogs auszutauschen, sind es natürlich auch Bühnen für Selbstdarsteller, es gibt so einen menschlichen Zug einfach herzeigen zu müssen, was man hat. Und das ist das Einfallstor für Marketingabteilungen. Da finde ich persönlich keine Themen, beobachte es nur aufmerksam, zumal ich lange selber auf Marketingseite so gearbeitet habe. Wenn ich merke, ein Blogger beginnt auf seine Zahlen zu schielen, finde ich, geht ein wenig die Unschuld verloren, da weicht das Herzblut etwas dem Schweiß des Ehrgeizes.

Schreibst du noch für weitere Blogs?
Berufsbedingt ja. Aber privat bin ich zufrieden, so wie es ist. In meinem Kopf zaudert das zarte Pflänzchen eines zweiten Projekts, aber ich möchte mich nicht überfrachten. Zu viele Dinge interessieren mich und vieles davon soll in der realen Welt verbleiben und ich möchte nicht in einer Schleife gefangen werden, die alles, was ich tue in Content übersetzt, um neue Posts zu schreiben. Nein, im Moment schreibe ich als Privatperson nur meine Teilstücke.

Wie gehst du mit fiesen Kommentaren um?
Die gab es bisher tatsächlich kaum. Wenn,dann würde ich mich damit auseinandersetzen und schauen, was mich stört an dem Kommentar, ob da wirklich berechtigte Kritik am Werke ist (die müsste dann ja aber nicht fies sein) und dann würde ich freuen, etwas gelernt zu haben und das auch offen kommunizieren. Wenn ich aber merke, dass da jemand seinen persönlichen Film fährt und eigene Themen auf mich projiziert, nehme ich mir die Freiheit nicht auf einem solchen Niveau einzusteigen – don’t feed the troll…. Manche Diskussionen sind nicht zielführend und wollen keine Klärung, sondern es gibt Menschen, die schmeißen einfach gerne mal ein Bömbchen, für die eigene narzisstische Befriedigung. Die Lektion habe ich gelernt.

Worüber würdest du niemals bloggen?
Ich glaube, thematisch würde ich über alles bloggen, was mich interessiert. Die Herangehensweise oder Motivation ist vielleicht entscheidend. Ich würde nicht über etwas bloggen um zu beweisen, dass ich etwas total gut kann oder um einen Materialismus zu zelebrieren. Oder um ein bestimmtes Bild von mir zu erzeugen. Ich würde somit nicht kommerziell bloggen.  Ich würde allerdings über die Kommerzialisierung des Bloggens schreiben. Aber bei mir braucht keine PR-Abteilung anzufragen. Daran habe ich kein Interesse – aber glücklicherweise bin ich dafür thematisch auch keine Zielgruppe.

Wie hat das Bloggen deinen Alltag beeinflusst?
Das Bloggen hat meinen Alltag sehr bereichert. Es ist schön, seine Gedanken einmal schriftlich zu sortieren und festzuhalten. Und es tut einfach gut über die Öffentlichkeit des Blogs auf ähnlich denkende Köpfe zu stoßen, denen man sonst nicht begegnen würde. Ich bin ein Kopfmensch, ich wälze Themen und Gedanken meist mehrgleisig und wusste bei vielen Themensträngen oftmals nicht so recht wohin damit, das Bloggen hat mich ruhiger gemacht, mir gezeigt, dass viele Themen, die mich umtreiben, zusammengehören.

Was hat sich seit dem du das Blog gestartet hast verändert?
Ich bin mutiger geworden im Schreiben. Waren es anfangs vor allem die Rezepte, ist die Gedankenpalette nun viel breiter und ich habe gemerkt, dass es mir tatsächlich egal sein kann, was andere Menschen von mir denken. Ich habe gemerkt, dass ich mit manchen Gedanken, so wie ich sie formuliere, bei anderen an Themen rührt, mit denen sie selbst nicht so ganz im Reinen sind. Ich will aber niemanden angreifen, das wäre anmaßend und deshalb ist es mir wichtig zu wissen, dass ich nicht schreibe um andere Menschen anzugreifen oder um mich in irgendeiner Form als überlegen zu positionieren. Ich bin keine moralische Instanz. Ich bin nur sehr aufmerksam geworden, was viele Themen im Alltag und im Zwischenmenschlichen betrifft. Das hat meinen Blick, gerade auch selbstkritisch auf mich selbst, stark verändert. Und es hat mich unabhängig gemacht.

Welche Entwicklung wünschst du dir für dein Blog?
Ich wünsche mir einfach, dass die eigene Firma mir weiterhin die Luft zum Schreiben lässt, dass der Schweinehund sich nicht zu breit macht auf der Tastatur und dass ich mir die Unabhängigkeit vom Bloggen erhalten kann. Sprich zu schreiben, wenn es passt und nicht weil ich denke ich müsste.

Diese Fragen möchte ich gerne weiter geben:
Was hat dich zum Bloggen gebracht?
Seit wann gibt es deinen Blog und wie hat er sich im Lauf der Zeit entwickelt?
Wie pflegst du deinen Blog (schreibst du spontan oder mit Redaktionsplan?)?
Welche Blogs interessieren dich thematisch als Leser?
Wie wichtig sind dir persönlich Blogs als Informationsquelle?
Weiß dein Umfeld, dass du bloggst, wie geht es damit um?
Hast du Pläne, wohin die Bloggerreise für dich noch gehen soll?
Hat sich durch das Bloggen etwas für dich verändert, und wenn ja, was?

Ganz herzlichen Dank!

Mode macht mich oftmals sauer und Quitten-Chutney wohlig

Paleo Quitten-ChutneySo. Es ist also wieder ein aktueller Übeltäter der Stunde gefunden. Das ZDF hat in einer dramatisch investigativ vertonten Reportage mit dem Titel „Mode zum Wegwerfen“ das Kleidungsmonster Primark unter die Lupe genommen. Und zack regen sich alle auf und haben sich vorher nie gefragt, wie man T-Shirts für drei Euro verkaufen kann? Das wäre allerdings traurig.  Wer den Billiganbieter von Mainstreet Trends noch nicht kennt, wird langfristig nicht verschont bleiben: Eine wachsende Zahl an Immobilien in städtischer Bestlage sorgt dafür, dass Horden von nicht nur Teenager-Mädchen mit abstrus vollen und vielen braunen Papiertüten durch die Innenstädte ziehen. Den beseelten Glanz eines Einkaufsmarathons in den Augen.

Das ist das Geheimnis von Primark: Noch ein bisschen weiter runter in der Qualität und dann auch noch ein bisschen weiter runter im Preis. Gleichzeitig Neuerungen im Sortiment im Wochentakt. Da werden Trends noch schneller umgesetzt als bei den bisherigen bekannten Ketten, die  quasi vom Laufsteg der vermeintlich Kreativen, Großen weg fotografieren und in Produktion gehen.

Machen wir uns doch aber nichts vor, die Produktionsstätten sind dieselben wie auch bei den anderen Textilriesen und wenn nun Abkommen unterzeichnet werden , die bessere Arbeitsbedingungen schaffen sollen, entsprechen diese immer noch nicht dem Standard, den wir kennen und so lange, ganz ehrlich, bleibt es meiner Meinung nach Ausbeutung. Erkaufen wir uns etwas auf Kosten anderer. Und man ist ja auch nicht dumm in der Textilbranche, da sitzen ja keine  designverliebten Schöngeister in den Managementetagen, sondern knallharte Geschäftsleute, für die der Stoff ihrer Träume aus schwarzen steigenden Zahlen besteht. Schlimmer ist noch, dass die Marken so mit ihrem jeweiligen Image überfrachtet werden, dass sie eher wie individuelle Charaktere wahrgenommen werden, was ihnen quasi menschliche Empfindungen und Attribute  zugeschreibt, so dass die harten Fakten dabei nur zu gerne wieder in Vergessenheit geraten.

Bis wieder etwas passiert und wieder ein Konzern in die Kritik gerät. Und wird ein Produktionsstandort zu teuer und die Auflagen zu restriktiv (nach Auffassung der Konzerne), zieht man eben weiter. Der Westen hält dank demokratischer Interventionen immer genügend strukturschwache Staaten an der kurzen Subventionierungsleine, dass dort weiter gemacht werden kann. Und ja, das hängt eben alles zusammen. Und wir tragen dazu bei mit unserem Konsumverhalten.

Und das macht mich wütend, denn die vermeintlichen Glückskäufe, die wir so früh lernen und verinnerlichen, kriegt man schwer wieder raus.

Ich gebe es mit schlechtem Gewissen zu, dass auch ich bei Primark an der Kasse stand, das war 2009 in London und so abgestoßen ich von der Größe und dem herrschenden Einkaufswahnsinn in dem Laden war, so sehr entsprachen die Preise meinem armen London-gebeuteltem Volontärinnen-Geldbeutel. Nun ertrage ich solche Geschäfte nicht mehr und lasse es einfach. Zumal der niedrige Preis zu einem völlig unbewussten Konsum verführt. Ebenso bedenkenlos wird schnell wieder aussortiert und weggeschmissen. Und wohin mit den Tonnen chemiegetränkten Textilmülls? Das ist auch was ich denke, wenn im Wandel der Jahreszeiten die Mode-Blogs überquellen mit Bildern von den kommenden Kollektionen. Finger weg von diesen besonderen Stücken, das mag die Neon-Jeans, oder die Schößchen-Bluse, oder das total untypische Muster sein – wenn es keine guten Freunde findet, die schon lange in Deinem Schrank leben, ist es ein Fehlkauf, etwas was Dir eingeflüstert wurde, dass Du es brauchst, aber es ist nicht Dein Stil. Und ein fair produzierter Pulli wiegt nicht alle Einkäufe bei großen Ketten auf. Es ist ein guter Ansatz, aber auch hier sollte man sich immer fragen, was man sich da gerade kauft und warum. Es ist verdammt schwer. Ich persönlich bin, wie schon einmal erwähnt ,momentan in einer seltsamen Konsum-Unlust-Phase. Bzw. ich will Kaufentscheidungen tätigen, ohne dabei irgendwelchen Einflüssen ausgesetzt zu sein, denn dass bin ich auch, wenn ich teure, faire Seidenhemdchen aus dem Öko-Fair-Wohlfühl-Loha-Katalog bestelle, die geben mir nur ein besseres Gefühl.

Und auch wenn bestimmte Medien einen Weg des kritischeren Konsumverhaltens propagieren, Leute sich monatelang ein Kaufverbot auferlegen (so gelesen auf diversen Blogs) und dann stolz darüber berichten (und dann weiter zu viel konsumieren) und es von Ratgebern für ein simples Leben nur so wimmelt, dann mag ich die Menschen manchmal nicht mehr ernstnehmen. Nicht, weil ich mich für besser oder weiser halte. Oh nein, ich merke ja auch, wo so ein Fallstrick verfängt. Aber, weil mir die Scheinheiligkeit manches Mal zum Halse raushängt. Klingt das zu hart? Ich nehme es oftmals so war und bin auch selbstkritisch genug, entsprechende Fehler bei mir selbst zu sehen und mit mir ins Gericht zu gehen. Aber die Reflexionsebene scheint zu verkümmern in unserer Gesellschaft, bzw. wird durch eine antrainierte oberflächliche ersetzt, die nicht dahin schaut wo es weh tut, sondern milde kritisiert und uns bequeme andere Wege aufzeigt.

So wird sich nichts ändern. Und manch fehl geleiteter Mensch denkt nach einer Reportage wie der oben genannten vielleicht, es wäre damit legitimer wieder bei anderen Ketten zu kaufen. Die  gezeigte Investigativ-Reporterin war zum großen Teil auch perfekt auf der Höhe diverser Trends gekleidet, ich hoffe die Bilder haben auch bei ihr bewirkt umzudenken.

Und ja, das ist ein Thema, das mich wütend macht, weil es jeden von uns persönlich betrifft und es erschreckend ist zu merken, an wie vielen Stellen wir unbewusst konsumieren um uns etwas glücklicher zu machen oder vermeintlich etwas brauchen (wir haben ja nichts). Das wird deutlich, wenn man sich mal etwas zurückzieht und diese Mechanismen überdenkt. Und das ist nicht nur schön und man findet schnell Ausreden, warum dann doch, denn man möchte ja nicht vor sich selber schlecht da stehen. Aber wenn man in diese Richtung geht, befreit es auch ungemein. Und es macht einen ein ganze Stück unabhängiger von Meinungen und Bildern anderer, die man aufgedrückt bekommt und bringt einen im besten Falle dahin zu sehen, was man wirklich möchte. Und das ist vielleicht gar kein Teil für den Kleiderschrank oder die Wohnung.

So. Und noch was Saures, wenn auch scharf und süß  – Chutney.

Quitten-Chutney

Ca. 4 Kilo Quitten
1 knappes Kilo Boskoop Äpfel
600 Gramm rote Zwiebeln
300 Gramm Xucker
350 ml Apfelessig
1 großes Stück Ingwer (ca. 8 cm)
4 Lorbeerblätter
6-8 Lorbeeren
6 Nelken
5-6 Esslöffel Senfkörner
3 kleine, richtig scharfe Chilischoten
Gläser mit Schraubdeckel

  • Die Birnen schälen und klein schneiden.
  • Zwiebeln, Ingwer schälen und fein hacken, ebenso die Chilis.
  • Den Xucker in einem Topf mit etwas Fett schmelzen, dann Zwiebeln, Chilis und Ingwer darin karamellisieren.
  • Alle anderen Gewürze dazu geben. Dann die Quitten, die Äpfel und den Essig, erst einmal 300 ml und dann noch einmal nach 10 Minuten abschmecken und entsprechend mit etwas Xucker oder Essig nachwürzen.
  • Alles 30-40 Minuten köcheln lassen, bis im Mus noch Stücke erkennbar sind.
  • Die Gläser und Deckel auskochen, abtrocknen und bis einen Fingerbreit unter dem Rand füllen. Denn  Rand mit einem Tuch säubern, die Deckel festschrauben und die Gläser auf den Kopf 10 Minuten abkühlen lassen, dann umdrehen.

Und das passt zu Fleisch,Wurst, Käse,  Speck, Schokoladenkuchen, Omelette oder ein Löffel in der Brühe!

Guten Appetit!

Die Sau der Stunde – die Unabhängigkeit und die Modeblogs

SommerschuheIch habe ja ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Blogs – etwas schwierig, wenn man selber schreibt, ich weiß. Muss man als Blogger solidarisch sein mit allen anderen, die das Netz mit ihren Blogs fluten? Einerseits bin ich ja dankbar, dass ich all meine Informationen von zuhause und auch unterwegs über das Internet  bekomme und es ist die einzige Quelle, die noch bleibt, wenn man Informationen jenseits der Mainstream-Medien mit den letztlich immer gleichen Meinungen sucht, aber andererseits ist es auch zu einem Tummelplatz fragwürdiger Selbstdarstellungs-Modelle geworden.

Arbeitsbedingt habe ich in den letzten Jahren einige Zeit auf Mode-Blogs verbracht. Und ja, darunter gibt es auch anspruchsvollere, die ich durchaus interessant finde, aber dann ist da diese Kategorie Bloggerinnen, bei der ich mir nur an den Kopf fassen kann: Outfit-Posts. Was bringt einen dazu jeden Tag sein Outfit zu fotografieren und online zu stellen? Denn ja, das ist etwas anderes als jede Mahlzeit zu fotografieren. Irgendwie scheint es mir, dass der Austausch über Rezepte und Paleo-Themen einen Mehrwert bietet. Wohingegen der tägliche Abgleich von Outfit-Posts mir ein Unbehagen verpasst. Ich finde es beängstigend, wie markenfixiert große Teile dieser Blog-Puppen sind. Es ist beeindruckend, wie viele Handtaschen und Sonnenbrillen so manche 20-Jährige auffahren kann. Ich finde es muss nicht sein und den Eltern darf herzlich gratuliert werden, dass sie ihren Sprössling mit vollem Erfolg  auf Konsum getrimmt haben. Mitunter frage ich mich auch wie so ein Lebensstil sich weiterentwickelt – einen ernsthaften Job, wo es weniger um Äußerlichkeiten als um Kompetenzen und Persönlichkeit geht, sehe ich da nicht.  Tut mir leid, das mag man überzogen finden, aber die erfolgreichen intelligenten Frauen, die ich kenne, sind auf eine substantiellere Art attraktiv. Und ja, Attraktivität liegt im Auge des Betrachters. Aber ich finde es traurig und irgendwie befremdlich wenn sich da ein  Frauen/Mädchen-Typ beharrlich reproduziert, der irgendwie nicht viel vorzuweisen hat außer oberflächlicher Attraktivität. So mancher nennt sie Pferdeschwanz-Mädchen oder Perl-Hühner, sie selber sehen sich als trendbewusst und eingebettet in ein internationales Mode-Blog-Konglomerat von selbsternannten Fashionistas und „Wasauchimmer“-Girls. Von stilbewusst mag ich nicht reden – Stil ist etwas Eigenes, Gewachsenes und nichts was sich einfach so durch den Erwerb aktueller Kollektionen erzielen lässt. Und dennoch scharen diese Blogs zahlreiche Fans um sich. Leser, die sich überschlagen mit Komplimenten und als „Lovelies“ die Rückversicherung bilden für den Narzissmus oder auch die im wahrsten Sinne des Wortes verkleidete Unsicherheit der Bloggerin.

Was den Leserinnen geboten wird, ist wenig Inhalt, nur Schein. Oftmals sind es die Freunde der Bloggerinnen, die dann mittelfristig zu Fotografen avancieren und ihre Freundinnen in den immer wieder gleichen, austauschbaren Posen und Gesichtern für die Leserschaft festhalten. Welche Männer diesen Typus Frau an ihrer Seite wünschen – ich will es mir gar nicht vorstellen.

Ich bin keine geifernde Feministin, aber bei dem Blick auf diese Blogs (ja, es ist eine Unverständnis-Faszination, die einen immer mal wieder schauen lässt und dann reicht die Dosis wieder für Wochen) frage ich mich schon, wie man das Konzept des Selbstverständnisses und der Emanzipierung so ignorieren kann.

Pose und Outfit bedienen zumeist älteste Frauchen-Klischees, hilflos in High Heels und Flatterkleid oder gewollt sexy angehaucht, dass einen das Fremdschämen befällt.

Ganz besonders schmerzt es mich, wenn diese Bloggerinnen noch so jung sind, dass sie sich nicht mal ein Bier kaufen dürften und dann aber betont abgebrüht in Heerscharen das Zelt der Mercedes Benz Fashion Week bevölkern.  So junge Gesichter sollten nicht so geübt sein in einem dermaßen zur Schau gestellten Ausdruck der Langeweile.  Kleine Mädchen mit zu viel Kajal auf zu hohen Schuhen und in zu kurzen Kleidern – das geht über das Experimentieren dieses Alters hinaus. Das ist die Kommerzialisierung einer Phase der Unsicherheit, in der ein wenig Naivität erlaubt sein sollte. Aber die Unternehmen haben es längst erkannt – Bloggerinnen werden gezielt durch Produkt-Seeding als Marketing-Instrument eingesetzt. Für die Mädchen ist es eine kostenlose Aufstockung der Requisite, für die Leserinnen eine Kaufempfehlung. Und nicht nur Produkte, auch Events werden genutzt um diesen Kanal der scheinbar unkommerzielleren Produkt-Kommunikation zu bespielen. Und dann sieht man auf vielen Blog die immer gleichen Bilder der immer gleichen giggelnden Mädchen mit ihrem Foto-Flunsch, in Pose geworfen, neben wahlweise zuckerbunten Cupcakes oder Smoothie-Flaschen. Langweilig!!! Und doch geht es immer noch weiter. Obwohl die sich wiederholenden Inhalte doch längst zeigen, dass hier massiv gepusht wird von Unternehmensseite.

Ein Beispiel: Birkenstock (trage ich selber gern, Modell Madrid wer es wissen möchte). Seit ein paar Jahren schleicht sich der Schuh den Weg zurück auf die Straßen und dann plötzlich schreiben die coolen Säue unter den Blogs darüber. Die sind nochmal etwas anderes als die Blogger-Puppen, hier will man nicht gefällig sein und hier findet sich mitunter sogar Inhalt mit Substanz, auch wenn es traurig macht wie die Autorinnen zerrissen sind zwischen Konsum und Konsum-Kritik, aber das führt zu weit.

Birkenstock: So ganz von alleine tritt sich so ein Trend nicht los und wenn zeitnah so viele Blogs die Schuhe hochjubeln (und sie sind auch wirklich toll!), dann hat die Birkenstock PR-Abteilung Gas gegeben und es sind mindestens Schuhe geflossen.

Und so verliert sich die Demokratisierung der Mode, die den Blogs vor nicht allzu langer Zeit noch jubelnd auf die Fahnen geschrieben wurde.  Hier löst sich die vermeintliche Durchlässigkeit auf, die dem Internet in Bezug auf die exklusive Mode-Industrie anfangs attestiert wurde. Der Markt ist gesättigt, die alten Hasen der ersten Blogstunden sind  zum Teil gut im Geschäft und den meisten, die nachkommen, fällt es schwer einen eigenen unabhängigen Weg zu gehen. Die Fußfallen und –fesseln, welche die Industrie auslegt, sind zu perfide.

Für mich ist die Zahl der Blogs im Bereich Mode, die vielleicht wirklich noch eine Bereicherung darstellen indem sie mit Kreativität und Meinung punkten, extrem zusammengeschrumpft. Stattdessen wächst ein narzisstisches, zerrissenes Panoptikum heran, das mich ängstigt.  Die totale Kommerzialisierung. Dann bleibt wachsam zu beobachten, welche Bereiche den nächsten Hype erleben. Auch bei den Koch-Blogs gibt es Produktplatzierungen und nicht nur sinnvolle.

Wie viel zu oft verkehrt sich der Genuss, die unschuldige Freude an etwas, plötzlich in eine kritische Haltung. Aufmerksam sein, hinschauen und hinterfragen, was einem so serviert wird. Denn die Augen wieder zu schließen, wenn sie einmal geöffnet wurden, wäre ein Akt der Selbstverleumdung.

Kritisch sein!