Der Blick nach Osten und zurück und vielleicht ein Rezept zur Meinungsbildung mit Buch und Film

baumManchmal verursacht der Lauf des Weltgeschehens einen solchen Frustrationsknoten, dass ich am liebsten gar nichts damit zu tun habe möchte, oder wünschte ich könnte zumindest das Nachdenken abstellen und mich in den Ersatzbefriedigungen unserer Zeit verlieren, statt ohnmächtig nach einem Ventil zu suchen.
Ich habe es mit einem ausgiebigen Spaziergang versucht, hat nicht geholfen. Also lasse ich mir nun schriftlich den Kragen platzen.
Und vielleicht sollten das ganz dringend noch viel mehr Menschen viel öfter tun! Ich maße mir nicht an, eine Expertin für ukrainische und russische Politik zu sein. Ich denke, so richtig kann das niemand von uns durch die westlich geprägte Medienbrille beurteilen.

Aber ich weiß, dass ich gerade nicht mit den Menschen in der Ukraine tauschen möchte, ich hoffe für sie, aus tiefstem Herzen. Und ich weiß, dass ich einfach nicht mehr schlucken möchte, was uns einmal mehr als Einheitsinformationsbrei vorgesetzt wird.

Erinnert sich jemand an das geleakte Telefongespräch, in dem Victoria Nuland die EU mit dem bösen „F…“ bedacht hat? Oh, was wurde sich echauffiert, über dieses unentschuldbare Entgleisen. Hallo? Es glaubt doch nicht ernsthaft jemand, dass wir uns aus amerikanischer Perspektive auf Augenhöhe bewegen? Aber die europäischen Polit-Schoßhündchen stellen sich brav auf die Hinterbeine… Ich persönlich finde es ja immer erfrischend, wenn man weiß, was wirklich über einen gedacht wird, auch wenn es vielleicht nicht schmeichelhaft ist. Das könnte ja auch auf dem politischen Parkett interessant sein, oder?

Aber darum geht es nicht, worum es geht ist die deutlich formulierte US-Agenda für die Ukraine, die in diesem Telefonat besprochen wird. Warum haben sich die Medien nicht mit deutschen Transkriptionen des Gesprächs überschlagen? Dort wird ganz klar formuliert, welchen Kandidaten die Amerikaner in der Ukraine an der Spitze sehen möchten… Und tata… Wer ist es geworden? Ja, die Faschisten der Swopoda.  Passenderweise deckt sich deren streng anti-russischer Kurs mit amerikanischen Interessen und dass die Amerikaner mit Demokratisierung eher die Destabilisierung ganzer Regionen zu ihren Gunsten meinen, ist nichts Neues, wenn man bedenkt, wen die Amerikaner in der Vergangenheit unterstützt haben, um Regime „demokratisch“ zu wechseln.  

Das Politik-Personal in Kiew wird dann schnell durch ein paar Berater ergänzt, die von Washingtoner ThinkTanks auf Linie getrimmt wurden und dann geht es an die reale Umsetzung der eigenen Interessen.  Ich übertreibe? Ja, wer den Brei weiter schlucken möchte, den die Leitmedien täglich wiederkäuen, mag das denken, denn wer die Fakten nicht sehen will, ganz ehrlich, mit dem möchte ich einfach nicht mehr über solche Themen reden. Ich bin es müde. Wen ein breiteres Bild interessiert, dem empfehle ich die Lektüre von Naomi Kleins Buch: Die Schockdoktrin. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Ein Buch, das Pflichtlektüre sein sollte, um der Welt von heute einmal in die gierige Fratze zu blicken.

Die Ukraine ist traurigerweise nur das neueste Glied in einer langen Reihe von Staaten, von Südamerika, über Südafrika, Russland und Syrien… Es wird immer wieder das gleiche Schema wiederholt, in leichten Variationen, aber es gibt einen Schock und es erfolgt eine Destabilisierung der politischen und somit meist wirtschaftlichen Verhältnisse vor Ort und was folgt, zeigt was für eine Farce der Begriff staatlicher Souveränität aus amerikanischer Sicht ist.  Hierzu passt auch, Yeah, dass mit der neuen Führung auch der IMF sofort positivere Zeichen sendet, der Ukraine mit einem Geldfluss unter die schwachen Arme zu greifen. Ah ja, man kann sich vielleicht denken in welchem Sinne die Geldverteilung erfolgt und bitte, es glaubt doch niemand, dass damit nicht konkrete Forderungen und eine etwas verstecktere Agenda einhergehen? There is no free lunch.  Aber da schaut gerade niemand hin. Es wird genug geboten. Das Schauspiel für die Medien ist perfekte PR. Das Internet wird geflutet von anrührenden ukrainischen Hilferufen attraktiver junger und bewegender Bilder alter Frauen. Blogartikel werden ohne Überlegung geteilt, die aus vermeintlich authentischer Sicht die Lage vor Ort beschreiben. Wir Tölpel – nicht alles ist echt, ist wahr, nur weil es so vermeintlich unabhängig daherkommt: Nichts ist verlockender oder lädt mehr zur Identifizierung ein, als die Geschichte eines persönlich Betroffenen. Wie die Wahrnehmung der Öffentlichkeit über das Internet verdreht und manipuliert wird und wie einfach es ist dieses vermeintlich demokratische Werkzeug für die Zerstörung von Reputationen zu missbrauchen, lässt sich sehr spannend bei Glenn Greenwald nachlesen. 

Und wer nicht lesen mag, der versteht es vielleicht über das bewegte Bild und schaut sich Wag the Dog an.  Immer und immer wieder. Und sieht vielleicht dann, wie schädlich eine so einseitige Berichterstattung wie im Falle der Ukraine ist. Wenn sich FAZ und Bild nicht mehr in Nachrichten sondern nur noch in der Explizität ihrer Schlagzeilen unterscheiden, sollte man misstrauisch werden. Zum Glück mehren sich die kritischen Kommentare zu dieser einseitigen Form der Berichterstattung. Es wächst ein Unmut heran, der dringend nötig ist. Es mag daran liegen, dass die Ukraine gefühlt ein Stück näher ist als etwa Syrien, oder vielleicht sind Politik und Medien auch einfach mal einen Schritt zu weit gegangen in der Annahme, das betäubte Volk würde immer alles brav schlucken und weiter durch das eigene kleine Leben hasten und darin so gefangen gehalten, dass man nicht über den Tellerrand blickt. Ich hoffe, sie liegen falsch in dieser Annahme.  

Mein Kopf rotiert und ein wenig ohnmächtig fühlt man sich. Aber ich weiß, dass viele so denken und das macht Mut. Und deshalb finde ich es wichtig, sich nicht einlullen zu lassen, es geht nicht, sich sein Leben durch den nüchternen Blick auf die Realität lähmen zu lassen, aber bewusst sollte man sein, denken, handeln.

Sebastian Haffner hat gut erkannt:

Es ist typisch wenigstens für die ersten Jahre der Nazizeit, daß die ganze Façade des normalen Lebens kaum verändert stehen blieb: volle Kinos, Theater, Cafés, tanzende Paare in Gärten und Dielen, Spaziergänger harmlos flanierend auf den Straßen, junge Leute glücklich ausgestreckt an den Badestränden. Die Nazis haben das auch in ihrer Propaganda weidlich ausgenutzt: »Kommt und seht unser normales, ruhiges, fröhliches Land. Kommt und seht, wie gut es sogar die Juden bei uns noch haben.« Den geheimen Zug von Wahnsinn, von Angst und Spannung, von »heute ist heut« und Totentanzstimmung konnte man freilich nicht sehen – so wenig man es dem Bilde des prächtigen, sieghaft lächelnden jungen Mannes, das heute noch auf den Berliner Untergrundbahnhöfen mit der Unterschrift »Gut rasiert – gut gelaunt« Reklame für eine Rasierklinge macht, ansehen kann, daß ebendiesem jungen Mann, den es darstellt, bereits vor vier Jahren wegen Hochverrats oder was man heute so nennt im Hof des Plötzenseer Gefängnisses der Kopf vom Rumpfe rasiert worden ist.

Es spricht freilich auch ein wenig gegen uns, daß wir mit dem Erlebnis der Todesangst und der letzten Ausgeliefertheit nichts Besseres anzufangen wußten als es, so gut wir konnten, zu ignorieren und uns in unsern Vergnügen nicht stören zu lassen. Ich glaube, ein junges Paar von vor hundert Jahren hätte mehr daraus zu machen gewußt – sei es selbst nur eine große Liebesnacht, gewürzt von Gefahr und Verlorenheit. Wir kamen nicht darauf, etwas Besonderes daraus zu machen, und fuhren eben ins Kabarett, da uns keiner daran hinderte: erstens weil wir es sowieso getan hätten, zweitens, um so wenig wie möglich an das Unangenehme zu denken. Das mag sehr kaltblütig und unerschrocken aussehen, ist aber wahrscheinlich doch ein Zeichen einer gewissen Gefühlsschwäche und zeigt, daß wir, wenn auch nur im Leiden, nicht auf der Höhe der Situation waren. Es ist, wenn man mir diese Verallgemeinerung hier schon gestatten will, überhaupt einer der unheimlichsten Züge des neuen deutschen Geschehens, daß zu seinen Taten die Täter, zu seinen Leiden die Märtyrer fehlen, daß alles in einer Art von halber Narkose geschieht, mit einer dünnen, kümmerlichen Gefühlssubstanz hinter dem objektiv Ungeheuerlichen: daß Morde begangen werden aus der Stimmung eines Dumme–Jungen–Streichs, daß Selbsterniedrigung und moralischer Tod hingenommen werden wie ein kleiner störender Zwischenfall, und selbst der physische Martertod nur ungefähr bedeutet »Pech gehabt«.
(Sebastian Haffner, Geschichte eines Deutschen)

Die inneren Werte – Sommerkuchen

Paleo SommerkuchenDas mit dem Jagen und Sammeln finde ich gerade im Hinblick auf saisonale Produkte ein gutes Prinzip. Es passt zum Schlagwort „regional“. Es wird dem verantwortungsbewussten Konsumenten ja immer schwerer gemacht sich vernünftig und nachhaltig zu ernähren.  Wir wissen nie mit Sicherheit, mit welchen Spielarten der Chemie unser Essen auf dem Weg auf unseren Teller alles in Berührung kam. Und immer das Abwägen ob es sinnvoll ist Obst aus Südamerika zu kaufen. Denn, wie nachhaltig ist das? Bei ein paar wenigen Produkten muss ich den langen Lieferweg in Kauf nehmen, da sie irgendwie zu den Grundlagen meiner Paleo-Küche gehören. Damit meine ich vor allem Süßkartoffeln, Kokos-Öl, Tee und Kaffee. Klar ist, dass ich diese Produkte nur aus biologischem Anbau und wo möglich aus Fair Trade-Projekten kaufe, die die Interessen der Menschen in den Herstellungsländern wahren.

Und ansonsten überlege ich es mir tatsächlich dreimal, was in den Korb kommt. Ich liebe Ananas und Papaya – aber da sie in Deutschland als Import-Ware eh nicht schmecken, lebe ich auch gut ohne sie. Bananen sind mir zu süß und seit ich vor Jahren einen Artikel über die großen Obst-Konzerne wie Chiquita und Del Monte gelesen habe, hat es mir dahingehend echt den Appetit verdorben. Standardisierte Bananenpflanzen, die eine Monokultur geschaffen haben, die  für die lokalen Arten ein Schlag ins Gesicht ist. Das Ganze unter schön klingenden, fragwürdigen Siegeln verkauft – ein PR-Coup. Und von den sozialen Bedingungen vor Ort ganz zu schweigen.

Zu den Obst-Riesen kann ich zudem nur die  Lektüre von Naomi Kleins „ Die Schock Strategie“ empfehlen – ein spannender Blick (nicht nur) hinter die Kulissen der katastrophalen Umwälzungen  in Südamerika ab den 60er Jahren, der einen tatsächlich geschockt zurück lässt.

Dazu muss ich sagen, dass ich wahrhaftig keine glühende Aktivistin in irgendeiner Form bin. Wie die meisten Menschen kämpfe auch ich jeden Tag mit meinem inneren Schweinehund und setze viel Energie ein, um das Faultier aus seiner Komfort-Zone zu bewegen. Die wenigsten überwinden ihre inneren Faultiere ohne Anstrengung. Wichtig ist mir nur, dass ich mich jedem Tag diesen Herausforderungen bewusst stelle und eben nachdenke über das, was ich tue. Und da das Essen ein ganz wesentlicher Bestandteil dessen ist, was ich für mich als Lebensqualität sehe und ich finde, dass die Tatsache in einer westlichen Industrienation zu leben und nicht am Hungertuch zu nagen einem eine gewisse Verpflichtung auferlegt,  schaue ich, wo sich vielleicht immer noch was ändern lässt. Denn mein Leben ist ja der Bereich, in dem ich am meisten Einfluss besitze und am ehesten Veränderungen erreichen kann. Und so wird dreimal überlegt ob die geliebte Avocado oder die leckere Kiwi mitkommen oder nicht – sie sind tatsächlich die Ausnahme geworden.

Nun wandert der Aufruf zur saisonalen und regionalen Küche ja schon länger durch die Lande, ich denke nur manchmal, dass vielen von uns mittlerweile ein Bewusstsein dafür fehlt, was eigentlich saisonale Produkte sind.

Das sind zum Glück Informationen, die sich einholen lassen. Und wenn es dann, wie jetzt im Sommer, regionale Köstlichkeiten wie diverse Beeren gibt, schlage ich zu und friere zu Hause einen großen Vorrat ein. Dann kann ich mich auch in dunkleren Monaten ein wenig an den letzten Sommer erinnern. Und ich kann plötzlichen Kuchen-Back-Attacken nachkommen!

Denn das war es, was ich eigentlich schreiben wollte:

Ein Rezept. Für einen Rhabarber-Erdbeer-Kuchen. Der ist vielleicht keine Schönheits-Königin aber er ist eine köstliche Ausnahme im gesunden Alltag!

Das Rezept

Der Teig
100 Gramm Mandelmehl
2 Eier
60 Gramm Butter
1 gestrichener Teelöffel Natron
1 gehäufter Teelöffel Vanille
1 Prise Salz
3 Esslöffel Xucker

Der Belag
1 Tasse Rhabarberstücke
½ Tasse Erdbeeren
2,5 Esslöffel Xucker
2 Teelöffel Vanille
3  gehäufteTeelöffel Butter
1 Hand Kokos-Chips

  • Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Den Rhabarber und die Erdbeeren mit zwei Esslöffeln Xucker, der Vanille und zwei Teelöffeln Butter erhitzen und zu einem groben Mus (mit Stücken) einkochen.
  • Die Eier mit der Butter und dem Xucker schaumig rühren. Mandelmehl, Vanille, Salz und Natron unterrühren.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und das Obst_Mus darauf verteilen. Für ca. 25 Minuten in den Ofen schieben.
  • Nun die Kokos-Chips in einem Teelöffel Butter mit etwas Xucker anrösten. Aufpassen, dass sie nicht zu dunkel werden! Wer mag, gibt noch etwas Vanille und eine Prise Salz dazu. Die Kokoschips für die letzten 10 Minuten der Backzeit auf dem Kuchen verteilen und mit backen.
  • Den Kuchen gut auskühlen lassen. Im Sommer schmeckt er am besten direkt aus dem Kühlschrank!

Guten Appetit!