Liebster Discover Blog: Warum und wie mache ich das oder mein persönliches Blogger-Rezept

Discovery_BlogCaro, von  „Carola wird fit“, hat mir die Nachricht mit einer  Nominierung für den „Liebsten Discover Blog“ hinterlassen. Das freut mich natürlich und ich sage ganz herzlichen Dank, Caro! Und statt nur immer ehrfurchtsvoll auf ihr beeindruckendes Sportpensum zu schielen und mit Vergnügen ihren trockenen und ehrlichen Kommentaren zum Leben mit und um den Sport und dem ein oder anderen wunderbaren Aufreger zu folgen, nehme ich den Fragekatalog gerne auf und beantworte einmal Fragen ganz anderer Art. Einen Schritt zurück getreten: Warum ich das eigentlich mache, das Bloggen. Da hängt doch eine ganze Menge dran. Ein schöner Anlass zur Reflexion. Und ich gebe meinen Fragenkatalog gerne weiter. An einige kleinere Blogs, die ich bereits länger verfolge oder über die ich kürzlich gestolpert bin und die Anregungen ganz unterschiedlicher Art boten. Es ist schwer plötzlich eine Auswahl treffen zu müssen, diese ist also aus dem Moment heraus und könnte morgen ganz anders aussehen. In der Informationsflut des Internets fröne ich einem impulsiven Leseverhalten, das offen ist für Zufälle und oft bestimmt wird von den Themen, die mich interessieren und an denen ich gerade knabbre.

Eines vorweg: Wem angesichts von Fragebögen der Angstschweiß auf die Stirn und die Unlust in die tippenden Finger fährt – niemand muss. Ich freue mich einfach über jeden, der mitmacht und hoffe auf weitere spannende Entdeckungen feiner Blogs, die ich noch nicht kenne. Eine bunte Mischung folgt hier (ja, es sind keine 11):

http://konsumpf.de
http://ben83ian.wordpress.com
http://aboyfromstoneage.at
http://www.schlichte-gerichte.de
http://literatourismus.net
http://saetzeundschaetze.com
http://haifischchen.blogspot.de
http://langsamerleben.wordpress.com
http://kleinekleinigkeiten.wordpress.com

Liebe nominierte Blogger, solltet ihr die Kette fortsetzen wollen, sind das die Spielregeln:
Verlinkt die Person, die euch nominiert hat.
Beantwortet die 11 Fragen, die die Person euch gestellt hat.
Sucht euch 11 Blogger, die unter 200 Follower haben und nominiert sie (Das finde ich nicht immer eindeutig, ich habe einfach eine Auswahl getroffen und wer nur drei nennen mag, das finde ich auch ok).
Überlegt euch selbst Fragen für eure Nominierten. Meine Fragen findet ihr am Ende dieses Posts.

Warum hast du angefangen zu Bloggen?
Angefangen hat es für mich als kleine Schreibübung im Privaten. Ich texte beruflich im Auftrag für Kunden und wollte mein Lieblingsmedium Wort auch einmal wieder für mich nutzen und nicht im Rahmen einer beauftragen Kommunikationsstrategie. Praktischer Aufhänger waren dann Rezepte. Seit wir  die Ernährung vor fast zwei Jahren umgestellt haben und nach Paleo-Grundsätzen kochen, habe ich überlegt, wie ich all die Rezeptfundstücke, Inspirationen und Selbstversuche festhalten kann. Ein Blog bot sich an. Zumal ich dann nicht immer wieder Rezepte abschreiben und durch die Welt schicken muss.

Welches sind deine Lieblingsthemen?
Die thematische Klammer ist das Leben, das sich durch die Ernährungsumstellung grundlegend geändert hat. Es ist ein bisschen das Ventil, das nötig wurde bei dem Versuch ein Leben zu führen, das umsetzt woran ich glaube und was ich für mich als grundlegende Werte formuliert habe. Der Bedarf nach einem Ventil kam mit neuen Denkansätzen und Impulsen: Wer beginnt für sich nach sauberen Quellen für Lebensmittel zu suchen und sich intensiv mit dem Thema Nahrung und der daran angehängten Produktionskette zu beschäftigen, kann sich entweder Scheuklappen aufsetzen und sich oberflächlich wirkende Beruhigungsstrategien überlegen oder aber man muss in die Tiefe gehen und auch mal ehrlich zu sich selber sein und da mit dem Nach- und Umdenken ansetzen, wo man durch sein (Konsum-)Verhalten ein System mitträgt und legitimiert, das dem Menschen und dem Planeten, der unser Lebensraum ist, schon zu lange zu wenig Respekt entgegen bringt. An dem Punkt angelangt, haben sich die Themen für mich von alleine ergeben. Ergänzt werden sie durch schöne literarische Fundstücke und natürlich gutes Essen.

Woher kamen Deine ersten Leser?  
Die ersten Leser kamen aus der immer größer werdenden deutschsprachigen Paleo-Community. Die mit Facebookgruppen und Linksammlungen einen guten Einstieg in das Thema bietet. Um aktiver in einen Austausch einsteigen zu können, habe ich mich dort angehängt. Mittlerweile würde ich sagen, dass sich die Leser aber in zwei Gruppen unterscheiden lasen: Die Rezeptsucher, denen ich dankbar bin für Interesse an meiner recht schnörkellosen, laienhaften Kochpassion und den netten Köpfen, die mir durch ihr Feedback und ihre fleißigen Besuche auf meinem Blog zeigen, dass es viele gibt, die umdenken und nicht nur glücklich sind in der Welt, wie sie uns gestaltet wurde, und die nach Impulsen und Denkanstößen suchen. Er läuft mittlerweile einfach so vor sich hin, mein Blog. Und ich muss sagen, ich verfolge keine bestimmten Absichten, was Leserzahlen betrifft. Ich nehme es aber als eine wunderschöne Motivation zu sehen, dass sich immer neue Leser finden und viele auch wiederkehren.

Welche Blogs liest du am liebsten?
Das ist tatsächlich recht zufällig. Ich bin immer wie ein kleines Trüffelschwein, wenn mich ein Thema interessiert oder aufregt oder ich mehr wissen möchte, fange ich an mich durch das Unterholz des Internets zu wühlen und mache dabei wunderschöne und weniger schöne Entdeckungen. Grundsätzlich könnte man sagen, dass mich Substanz interessiert. Und was mich eher irritiert und mir mitunter echt negativ aufstößt ist zu sehen, wie sehr die Blogs als individuelle Plattformen der Kommerzialisierung anheimfallen und gerade im Bereich Mode, Einrichtung und Schnick-Schnack einem Materialismus frönen, den ich schade finde. Was früher als Weg zu Demokratisierung und Transparenz gefeiert wurde, ist mittlerweile in vielen Bereichen dankbares Instrument einer zeitgemäßen Marketingmaschinerie geworden. So wunderbar es ist, sich über Blogs auszutauschen, sind es natürlich auch Bühnen für Selbstdarsteller, es gibt so einen menschlichen Zug einfach herzeigen zu müssen, was man hat. Und das ist das Einfallstor für Marketingabteilungen. Da finde ich persönlich keine Themen, beobachte es nur aufmerksam, zumal ich lange selber auf Marketingseite so gearbeitet habe. Wenn ich merke, ein Blogger beginnt auf seine Zahlen zu schielen, finde ich, geht ein wenig die Unschuld verloren, da weicht das Herzblut etwas dem Schweiß des Ehrgeizes.

Schreibst du noch für weitere Blogs?
Berufsbedingt ja. Aber privat bin ich zufrieden, so wie es ist. In meinem Kopf zaudert das zarte Pflänzchen eines zweiten Projekts, aber ich möchte mich nicht überfrachten. Zu viele Dinge interessieren mich und vieles davon soll in der realen Welt verbleiben und ich möchte nicht in einer Schleife gefangen werden, die alles, was ich tue in Content übersetzt, um neue Posts zu schreiben. Nein, im Moment schreibe ich als Privatperson nur meine Teilstücke.

Wie gehst du mit fiesen Kommentaren um?
Die gab es bisher tatsächlich kaum. Wenn,dann würde ich mich damit auseinandersetzen und schauen, was mich stört an dem Kommentar, ob da wirklich berechtigte Kritik am Werke ist (die müsste dann ja aber nicht fies sein) und dann würde ich freuen, etwas gelernt zu haben und das auch offen kommunizieren. Wenn ich aber merke, dass da jemand seinen persönlichen Film fährt und eigene Themen auf mich projiziert, nehme ich mir die Freiheit nicht auf einem solchen Niveau einzusteigen – don’t feed the troll…. Manche Diskussionen sind nicht zielführend und wollen keine Klärung, sondern es gibt Menschen, die schmeißen einfach gerne mal ein Bömbchen, für die eigene narzisstische Befriedigung. Die Lektion habe ich gelernt.

Worüber würdest du niemals bloggen?
Ich glaube, thematisch würde ich über alles bloggen, was mich interessiert. Die Herangehensweise oder Motivation ist vielleicht entscheidend. Ich würde nicht über etwas bloggen um zu beweisen, dass ich etwas total gut kann oder um einen Materialismus zu zelebrieren. Oder um ein bestimmtes Bild von mir zu erzeugen. Ich würde somit nicht kommerziell bloggen.  Ich würde allerdings über die Kommerzialisierung des Bloggens schreiben. Aber bei mir braucht keine PR-Abteilung anzufragen. Daran habe ich kein Interesse – aber glücklicherweise bin ich dafür thematisch auch keine Zielgruppe.

Wie hat das Bloggen deinen Alltag beeinflusst?
Das Bloggen hat meinen Alltag sehr bereichert. Es ist schön, seine Gedanken einmal schriftlich zu sortieren und festzuhalten. Und es tut einfach gut über die Öffentlichkeit des Blogs auf ähnlich denkende Köpfe zu stoßen, denen man sonst nicht begegnen würde. Ich bin ein Kopfmensch, ich wälze Themen und Gedanken meist mehrgleisig und wusste bei vielen Themensträngen oftmals nicht so recht wohin damit, das Bloggen hat mich ruhiger gemacht, mir gezeigt, dass viele Themen, die mich umtreiben, zusammengehören.

Was hat sich seit dem du das Blog gestartet hast verändert?
Ich bin mutiger geworden im Schreiben. Waren es anfangs vor allem die Rezepte, ist die Gedankenpalette nun viel breiter und ich habe gemerkt, dass es mir tatsächlich egal sein kann, was andere Menschen von mir denken. Ich habe gemerkt, dass ich mit manchen Gedanken, so wie ich sie formuliere, bei anderen an Themen rührt, mit denen sie selbst nicht so ganz im Reinen sind. Ich will aber niemanden angreifen, das wäre anmaßend und deshalb ist es mir wichtig zu wissen, dass ich nicht schreibe um andere Menschen anzugreifen oder um mich in irgendeiner Form als überlegen zu positionieren. Ich bin keine moralische Instanz. Ich bin nur sehr aufmerksam geworden, was viele Themen im Alltag und im Zwischenmenschlichen betrifft. Das hat meinen Blick, gerade auch selbstkritisch auf mich selbst, stark verändert. Und es hat mich unabhängig gemacht.

Welche Entwicklung wünschst du dir für dein Blog?
Ich wünsche mir einfach, dass die eigene Firma mir weiterhin die Luft zum Schreiben lässt, dass der Schweinehund sich nicht zu breit macht auf der Tastatur und dass ich mir die Unabhängigkeit vom Bloggen erhalten kann. Sprich zu schreiben, wenn es passt und nicht weil ich denke ich müsste.

Diese Fragen möchte ich gerne weiter geben:
Was hat dich zum Bloggen gebracht?
Seit wann gibt es deinen Blog und wie hat er sich im Lauf der Zeit entwickelt?
Wie pflegst du deinen Blog (schreibst du spontan oder mit Redaktionsplan?)?
Welche Blogs interessieren dich thematisch als Leser?
Wie wichtig sind dir persönlich Blogs als Informationsquelle?
Weiß dein Umfeld, dass du bloggst, wie geht es damit um?
Hast du Pläne, wohin die Bloggerreise für dich noch gehen soll?
Hat sich durch das Bloggen etwas für dich verändert, und wenn ja, was?

Ganz herzlichen Dank!

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Neofeudalismus zum Wochenende und ein Glücksschwein mit Ingwer und Orange

Schwein mit Ingwer und OrangeZurück aus dem Tritt. Die viele Unterwegsseierei bringt mich ins Stolpern. Dasselbe passiert mir aber auch, wenn ich auf menschliche Wesen treffe, die sich soweit abseits meines eignen Wertesystems und Verständnisses bewegen, dass ich hart kämpfen muss, verständnisvoll zu bleiben. In diesem speziellen Falle bin ich tatsächlich einfach mal der festen Überzeugung mich in einem gesünderen Rahmen zu bewegen, mit dem was mich antreibt, wie ich anderen Menschen begegne und was mich beeinflusst bestimmte Entscheidungen zu treffen.

Der Einblick in den Abgrund war selbst gewählt. Im Rahmen eines Projektes, in dem wir uns engagieren, hatten wir das zweifelsohne zweifelhafte Vergnügen an der Netzwerkveranstaltung einer größeren Stiftung teilzunehmen. All das in der bayerischen Hauptstadt.

Diese elegant spießige Schickeria-Perle unter den Landeshauptstädten, die ich immer nur im Rahmen der Arbeit besucht habe und dabei Eindrucksfetzen eingesammelt habe, die mich privat nicht wiederkommen ließen. Sicher zu unrecht, aber manchmal geht es so – man wird nicht warm und trifft sich immer im falschen Moment, auf dem falschen Fuß, das setzt sich fest.

Also ab gen Süden, emotional weit entfernt liegt dieser mittlerweile deutlich näher als die Hauptstadt, ein Fakt, über den ich noch immer stolpere. Die geographische Wahrnehmung hatte sich emotional verzerrt während der langen Jahre im gefühlten Dreh- und Angelpunkt Berlin.

Während meiner Zeit in der Hauptstadt und im nervenzehrenden Prozess, nach der Uni einen Fuß auf den unebenen Boden der Berufstätigkeit zu bekommen, gab es eine Zeit, in der ich dachte, es wäre erstrebenswert dazu zu gehören. Zu den besagten Netzwerken. Denn auch im Dunstkreis von Politik und Wirtschaft merkt man schnell, dass die richtigen Kontakte und Seilschaften ein Karriere-Antrieb sein können, der in der Wirkung recht konkurrenzlos ist.  Hat man sie nicht, strampelt man sich dann jahrelang im gutbezahlten Mittelbau ab, betraut mit vermeintlicher Verantwortung und wichtigen Aufgaben, aber über eine bestimmte Linie wird man ihn nur schwer heben können, den Kopf. Mit der Erkenntnis, dass das erfolgreich beendete Studium und die richtige Auswahl an Nebentätigkeiten eben nicht alles ist, setzte erst einmal ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit ein. Wie unfair! So wird das nichts… Die anderen… Und schon haben sie einen da, wo man uns haben will. In der 50-60 Stundenwoche. In der jede Gehaltsverhandlung unseren Wert bemisst und das berufliche Vorankommen sich vor allem daran bemisst, dass die Gegenstände um einen herum immer kostspieliger werden. Wir haben uns das jetzt verdient, arbeiten hart und konsumieren mit ruhigem Gewissen. Und mit jedem Paar Schuhe, das preislich eine neue Kategorie aufmacht (nur eine Ausnahme, Belohnung,…) und jeder neuen Tasche fürs Büro und jedem Gadget, das zeigen soll, wer wir sind und wo wir stehen, werden wir unbeweglicher und unflexibler… Denn wer möchte das aufgeben? Das definiert doch ganz stark, wie weit wir gekommen sind, was sollen die anderen denken, unsere finanzielle Sicherheit ist tatsächlich ein Verwobensein in Abhängigkeiten. Und so wird weiter gebuckelt und nur all zu viele werden zu bereitwilligen Stiefelleckern, für ein paar Krumen Status, die man vor sich hertragen kann. Wir können gar nicht anders. Wir gehören dazu. Vor allem in den Städten, in denen Politik und Wirtschaft, die Elite unseres neofeudalistischen Systems, ihre Bühnen haben.

Die Akteure, die diese Bühnen bevölkern, konnten wir nun ausgiebigst und ganz unverblümt am Wochenende erleben. Führungspersönlichkeiten sind sie und sie dürfen sich auch noch mit dem Attribut der vorbildhaften Verantwortlichkeit schmücken. Wenn das unsere gesellschaftlichen Leitfiguren sein sollen, ach ja, sie sind es bereits. Dann gibt es mehr als genug Grund zum Gruseln. Auch Gäste waren anwesend, Fach und Führungskräfte und alle unter der inhaltlichen Klammer, jungen Projekten mit gesellschaftlichem Mehrwert auf die Beine zu helfen. Damit auch klar ist, dass starke Ideen gleich in der richtigen Ecke stehen. So viele erfolgreiche Menschen, von wem möchte ich lernen? Dem Berater, der freudestrahlend erzählt, wie er den Privatisierungsgeier durch deutsche Landschaften jagte?  Ach ja, nach 60.000 innerdeutschen Flugmeilen weiß man ja erst so richtig, was man geleistet hat… Oder vielleicht lässt man sich vom blaublütigen Schmierblattpersonal noch mal etwas mehr über Demokratieverständnis, Volksparteien und Verantwortung erzählen, der deutsche Adel ist ja bekannt für seine historische Bedeutung als Rückgrat der Demokratie (verdammt, was hätte man ohne eine positive Stauffenberg-Rezeption bloß getan). Oder hänge ich mich an den Wirtschaftspsychologen, der  mit kalten Augen lachend erzählt, sein Spezialgebiet wären Verhandlungen und Manipulation. Oder doch die Marketingverantworliche des Saatgutherstellers, der ein Gewissen fremd sein dürfte und wenn doch etwas piekst, wandert eben die nächste namhafte Tasche ins Regal und menschliche Regungen werden in Marketing-Floskeln aufgelöst. Und überhaupt, man ist ja jetzt hier und bringt sich ein… Herzlichen Dank auch, ich gehe beruhigt schlafen, wenn ich solch sympathisch narzisstische Persönlichkeiten an gesellschaftlichen Schaltstellen weiß. Und wenn dazwischen noch grünlich schillernde Politikhoffnungen den Stiefellecker geben und Jungunternehmer ihre Arbeitnehmer in Ressourcen denken, während sie sich gelangweilt die Rolex ums Handgelenk drehen und so mancher Teilnehmer leise die Hoffnung äußert, die Teilnahme wäre der erste Schritt zur Aufnahme ins erlauchte Netzwerk. Nein, da möchte ich nicht dazugehören. Nicht, dass man von Interesse wäre, die Leute haben gelernt über Körpersprache in Gesprächsrunden schnell deutlich zu machen wer interessant ist, hofiert wird, und wer nicht von Belang isr. Das kratzt mich nicht. Aber das unhöfliche Benehmen stößt mir auf, ebenso wie die dezent versteckten Witze, die nur die machen können, die wissen, dass sie nicht fallen werden und denen es auch weiterhin gut gehen wird, weil sie dafür sorgen.

Und wenn es einen innerlich dann fast explodieren lässt, denn so viel Scheinheiligkeit, Kaltschnäuzigkeit und Menschenverachtung in einem Raum sind schwer auszuhalten, wenn man es zulässt darüber nachzudenken, dann bleibt die Flucht vor die Tür und ein kleiner Zigarettenmoment.

Dann bliebe dieser Moment, stünde man nicht gerade vor einem der traditionsreichen Hotels der Stadt, dessen Nachtclub die Schickeria anzieht. Und statt durchzuatmen und dem Kopf einen Moment der Flucht zu erlauben, bleibt der Blick ungläubig an schmierlappigen, aufgedunsenen Männern Ende 40 hängen, denen es quasi aus der Nase staubt und deren austauschbaren kleinen Freundinnen, die auf höchsten Hacken ihr Revier verteidigen und sich gegenseitig  schonungslos vermessen. Zu welchen Zugeständnissen bringt einen die Aussicht auf eine gewisse Sorglosigkeit? Und sehen die nicht die Austauschbarkeit ihrer Rolle? Aber in  traditionsreichen Hallen findet dann eben zusammen, was zusammengehört, Männer, an denen nichts attraktiv scheint (Charme, Intelligenz und eine positive Ausstrahlung sind hier nur sehr versteckt anzutreffen) außer einem gewissen Spielraum und dem Ausblick auf die nächste Designerhandtasche und die Perspektive Ski-Urlaub in angemessenem Rahmen und als Gegenstück die zurecht gemachten Weibchen, die sich an das Vergänglichste klammern, was sie haben, das Äußere, und deren teures Parfüm nicht ankommt gegen die Aura des inhaltsleeren Abziehbilds mit eisernem Willen.

Und als der Kopf dann nicht mehr wollte und die Höflichkeit es erlaubte, wurde der Rückzug angetreten und der bedeutete eine große Prise willkommener Realitätscheck. Dank umfassender Ortsunkenntnis befand sich die Ferienwohnung für das Wochenende im Münchener Osten und dort in dem, was wohl Münchner Sozialbau entspricht. Gepflegt, aber eben 35 Einzimmerapartments auf einem Flur. Kleine Kaninchenställe, Heimat von Menschen und nicht immer nur einem. Bonjour Tristesse, das heißt es für die Bewohner bei jedem Gang vor die Tür und jeder Heimkehr nach einem Arbeitstag. Da bleibt kein Platz sich in den eigenen vier Wänden auszuleben. Da herrscht ein Mangel an Raum und es bleibt der Blick aus dem einen Fenster, das zu jeder dieser Wohnungen gehört.  Mir fällt es schwer in solchen Moment ein Argument dafür zu finden, warum ich mehr Raum verdient haben sollte als all diese Menschen. (Habe ich nicht.) Und ich weiß, dass nur allzu viele Menschen sich solche Fragen gar nicht erst stellen. Mehr, mehr, mehr … zuallererst für sich und dann irgendwann der Blick über den Tellerrand (natürlich im Rahmen), denn der gehört ja dazu. Architektonisch bewandert, würde  dieser fragwürdige Bau, der Wohnstatt erschreckend vieler Menschen ist, dann noch einer bestimmten architektonischen Schule zugeordnet werden. Ein interessierter Blick von der unberührten Metaebene und zurück in die eigene Behaglichkeit.

Das fällt mir schwer nach solchen Eindrücken. Umso wichtiger finde ich es solche Dinge immer wieder einmal zu erleben. Wach zu bleiben. Und es mir nicht zu bequem zu machen hinter den Scheuklappen der Behaglichkeit.

Wenn der Kopf dann wieder aufnehmen kann, und sich der Knoten etwas gelöst hat, heißt es nicht stagnieren und sich nicht lähmen lassen, sondern es weiter und anders machen und neue Wege finden.

Und manchmal reicht so eine herzerfrischende Kleinigkeit wie ein Essen mit lieben Menschen, um aus dem Stolpern zu kommen.

Glückliches Ingwer-Orangen-Schwein mit Weißwein
Ich habe lange Zeit kein Schwein gegessen. Zu oft war da dieser unangenehme Beigeschmack und Geruch. Das war Haltung und Schlachtung geschuldet. Glückliche Schweine hingegen waren eine echte Wiederentdeckung. Stressfrei geschlachtet, mit sozialen Kontakten und Bewegungsmöglichkeiten. Und vor allem einer entspannten Aufzucht ohne Kraftfutter und Wachstumshormone, die einfach nur für schnelle Fleischberge sorgen. Aber für den Geschmack und für die Verantwortung den Tieren  gegenüber und auch aus Respekt vor den Bauern, lohnt es sich zu suchen (auf Märkten und im Internet) und sich eine vertrauenswürdige Quelle zu suchen.

1 Kilo Schweineschulter
Ein großes Stück Ingwer (7 Zentimeter)
3-4 Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch, gehackt
4-5 große Lorbeerblätter
2 Teelöffel Senfkörner
2 Teelöffel Koriandersamen
Saft von zwei Orangen
0,5 Liter trockenen Riesling 
Salz
Pfeffer
Eine halbe getrocknete Chilischote
Kokosöl

  • Das Fleisch salzen und Pfeffern und im heißen Kokosöl im Bräter von allen Seiten scharf anbraten.
  • Die Zwiebeln vierteln und den Ingwer und den Knoblauch fein hacken und mit den Zwiebeln ins heiße Öl zum Fleisch geben und anbraten, bis die Zwiebeln leicht glasig sind.
  • Nun mit dem Weißwein ablöschen, den Orangensaft dazugeben, sowie die Lorbeerblätter, den Koriander und die Senfkörner. Noch etwas pfeffern und salzen und eine halbe Chilischote dazu.
  • Denn Deckel auf den Bräter und gute zwei Stunden schmoren passen.

Dazu passen Petersilienwurzeln und Möhren mit Thymian aus dem Ofen und ein schlichter Feldsalat.

Guten Appetit!

Pause machen, Beliebtheits-Wettbewerbe und mit Zimtsternen an der Weihnachtsstimmung arbeiten

Zimtsterne in FrankreichDa hatte ich mich wohl zu früh gefreut und die letzte vorweihnachtliche Woche schon im Geiste ganz entspannt verplant. Ein paar Karten schreiben, die Ruhe des Geschäfts nutzen und sich schon mal im Kopf auf die Zeit zwischen den Zeiten, dieses komische Gefühl zwischen Weihnachtsrummel und Sylvesterhysterie einzustimmen. Denkste. Wirbeln ist angesagt. In diesem Jahr begegnen wir dem Trubel durch völligen Entzug. Ab in die französischen Berge und genießen, dass die Franzosen ihr Jahr ohne Knallerei ausklingen lassen. Pause machen. Denn was da zu Ende geht, war mit Sicherheit eines der bewegtesten Jahre meines Lebens. Und da ich selber mittendrin stecke, mache ich mir das oftmals nicht bewusst.

Ich werde immer ganz verlegen, wenn jemand sagt, dass wir mutig seien, einfach so weg aus Berlin, aus der Festanstellung in das eigene Büro, auf dem Dorf… Das ist ein so liebes Kompliment, diesen Mut zu sehen. Ich nehme ihn persönlich gar nicht so wahr. Der kleine Mut, er hätte sicherlich auch manchmal mehr Aufmerksamkeit von mir selbst verdient. Aber solche Dinge fallen mir schwer. Ich tue Dinge, aber indem ich sie tue, erscheinen sie mir gar nicht mehr so groß und ich wundere mich dann mitunter, was für Themen manche Menschen da gut sichtbar für das Umfeld vor sich hertragen. Hätte ich gerne mehr davon? Ich glaube nicht. Der Grad ist mir zu schmal.  Aber es macht das Leben mitunter nicht einfacher, wenn man immer wieder auf diesen Typen Menschen trifft, der ja in unserer Gesellschaft besonders gepäppelt wird.

Tatsächlich ist eine ganz klare Erkenntnis dieses Jahres, dass ich deutlich weniger Menschen in meinem Leben brauche, als ich immer dachte. Ich bin ein sehr soziales Wesen. Ich liebe den Austausch und finde Menschen grundsätzlich faszinierend und spannend, aber einen großen Teil dieser Neugier stille ich durch die vielen Begegnungen, die sich zwangsläufig über meine Berufswahl ergeben und der Kreis der lieben menschlichen Konstanten um mich herum hat sich verändert, auch verdünnt und zum großen Teil intensiviert. Dafür bin ich dankbar.

Das war eine spannende Entwicklung und es ist wunderbar durch Veränderungen den Impuls zu bekommen, Freundschaften und Kontakte noch einmal anders zu pflegen. Pflege haben sie nämlich verdient, wenn sie Substanz haben.  Und das Thema loslassen spielt auch hier wieder mit hinein. Weniger, dafür enge Kontakte im persönlichen Umfeld heißt irgendwie auch, sich ein bisschen unabhängiger machen von dem, was andere denken mögen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht freundlich bin. Den zwischenmenschlichen Respekt eines zivilisierten und erwachsenen Umgangs setze ich mal voraus. Aber ich denke so langsam bin ich ja erwachsen geworden und die Beliebtheitswettkämpfe aus Schulhofzeiten dürfen bitte auch in jenen fernen Tagen bleiben, sie waren mitunter schmerzhaft und turbulent genug. Ein wenig befreiend ist dies auch, wenn man feststellt, dass einen gar nicht jeder mögen muss. Ich mag auch nicht jeden und lieber – statt immerzu gefällig zu sein (ich bin eine sehr ausgleichende Waage) – möchte ich lernen noch öfter auch mal Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen. Leicht fällt mir das tatsächlich nicht. Der andere Teil von mir ist da recht ausgeprägt. Aber es muss sein. Für sich selber. Denn erschreckend viele Menschen wissen, dass andere Menschen eher nicht laut und nach draußen sondern leise und nach innen sind und nutzen das aus. Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben ein komplexes Sozialverhalten. Aber das ist ein Thema für sich.

Weniger ist also manchmal echt mehr und ich mache den Wert meiner Person auch nicht abhängig von Facebook-Kontakten oder Zugriffszahlen auf diesen Blog.  Abe es gibt sie da draußen, die Leute mir ihrer ganz persönlichen Social Media Strategie. Gruselig. Gruselig auch, weil da einfach soviel (falsche) Oberfläche aufgebaut wird. Und das führt mich zurück zu dem Weg durch dieses Jahr,  der hat sich so ergeben und alles, was wir getan haben, erschien irgendwie schlüssig und sinnvoll und die Unklarheiten und Wenns und Abers, die konnten das gute Gefühl, das der Bauch hatte, nicht aufwiegen. Und auch wenn nicht immer nur alles Sonnenschein über lieblichen Hügeln ist, sondern auch das ein oder andere Aushalten in auftragsärmeren Zeiten zu bewältigen ist, gibt das innere behagliche Stimmchen mir doch jeden Morgen recht, wenn es mit halboffenen Augen durchs Fenster gähnt und hinter den Häusern auf dem Hügel den Waldrand sieht, mal im Regen, mal verborgen im Nebel oder unter einem glasklaren Himmel. Dann fällt alles an den richtigen Platz. Es war der richtige Weg. Es ist der richtige Weg.

Und während ich hier schreibe fällt mir ein, wie ich vor dem Wegzug noch mit einer Freundin gespaßt hatte, ich könnte dann ja so einen „Raus aufs Land“-Blog schreiben, so Landlust-Phantasien und Ästhetik für müde Großstädter wie mich. Aber das war nicht dran und das war auch nicht ich, da wäre es weiter nur um Projektionen und Bilder gegangen. Ich mag Konzepte, die auch Raum zum Scheitern lassen. Und dieser Blog ist eigentlich mehr als Übung in Disziplin und private Schreibübung entstanden. Um den inneren Schweinehund zu überlisten.

Und dann hat er sich verselbstständigt, denn plötzlich war da sehr wohl ein „Raus aufs Land“-Konzept, nur völlig anders geartet, als ich es mir anfangs hätte vorstellen können. Die Rezepte, die für mich der Aufhänger waren, sind geblieben, so schreibe ich endlich einmal auf, was ich so koche.
Aber zu den Rezepten kamen all die Themen, die sich nah und fern so um das Essen ranken. Und die abstrahlen auf weitere Themenkreise, bis man plötzlich einen Schritt zurück tritt und sich bewusst macht, wie alles irgendwie immer zusammenhängt. Ja ja, wissen wir doch. Mmmh, aber denken wir es oft genug konsequent durch? Warum wir immer wieder Lebensmittelskandale serviert bekommen, wenn sich an den Produktionsweisen nichts ändert? Warum sich aber nur wenig ändern kann, wenn die Menschen in immer größerer Unsicherheit leben, was vermeintlichen Status und die schiere Existenz betrifft? Warum Chancengleichheit ein schlechter Scherz ist, wenn die mit Geld sich eigene Lösungen suchen und die ohne schon als Kinder Schei.. fressen müssen? Warum wir nichts ändern können, weil uns so wenig Zeit bleibt, weil wir so viele Träume und Wünsche haben, die uns durch eine feinsinnige Marketing-Industrie eingepflanzt werden, dass kaum noch Raum bleibt für die echten Wünsche und Bedürfnisse. Warum immer einer die Rechnung zahlt und allzu oft nicht wir, sondern Menschen und Natur an anderen Orten, schön weit weg, dann ist es nicht so real. Aber hey, wir tun ja auch ganz viel dafür, dass es denen besser geht. Ja, klar. Es ist eine Welt, die mir ehrlich gesagt nicht sehr gefällt. In der tatsächlich zu wenig getan wird um das Richtige zu fördern, das erschreckend oft das Uneigennützige, Mitdenkende ist. In der viel zu viele neue sozialengagierte und grün und nachhaltig gestrickte Mäntel von Beratungsunternehmen der Politik und großen PR-Akteuren entworfen werden, die hier ein Pflästerchen aufkleben, dort Aktivität erzeugen und ablenken, aber nichts so richtig ändern. Oftmals machen mich Artikel, die ich lese, wütend. So richtig. So, dass ich erst einmal raus muss mit dem Kopf. Weil dann genau das erzeugt wird, was beabsichtigt ist, ich fühle mich ohnmächtig.  Ich weiß nicht, wo ich als Einzelperson noch ansetzen kann, wenn so viele vermeintliche Handlungsspielräume kontrolliert geschaffen wurden und Engagement in seichte Wirkungsgewässer leiten. Radikalismus ist mir fremd. Fehlgeleitet. Aber  es gibt so viele Themen, die jeden von uns betreffen. Wenn wir im Endeffekt nicht einmal mehr über unser Körperbild eigenständig Urteile fällen können, wenn wir nur noch mit erheblichem Mehraufwand kontrollieren können, was wir essen. Wenn wir nicht nachvollziehen können, wie das, was wir in unserem Alltag nutzen, gefertigt wird, wenn wir nach jeder Wahl murren, dass sich nichts ändert, aber doch wieder losrennen wie die Schafe, wenn es darum geht ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen. Wenn Narzissmus und Egoismus belohnt und Empathie und Zurückhaltung hinderlich werden. Dann läuft doch etwas falsch. Aber dieses Bewusstsein sollte einen nicht davon abhalten, zu genießen, dass einem ein Leben als Spielraum bleibt und man sich darin seine eigenen Räume schaffen kann. Und jedes Stück eigener Weg, das man für sich entdeckt oder sich erkämpft, ist ein gutes Gefühl, ganz tief drinnen. Und außerdem gibt es immer noch so viele Menschen zu entdecken, die ähnlich denken, die etwas zu sagen haben, die inspirieren und Mut machen. Das versöhnt mich dann immer wieder.

Und wenn ich schaue, wie viele Menschen sich in den wenigen Monaten seit dem Start diesen Blog angeschaut haben, dann bleibt mir der Mund offenstehen und ich empfinde ehrlich eine gewisse Demut, wenn ich feststelle, dass sich jemand die Zeit nimmt und liest, was mich ganz persönlich bewegt. Und das ist jedes Mal auch wieder ein Grund, den Schweinehund niederzuringen und sich hinzusetzen und zu schreiben. Und es ist schön zu sehen und auch zu lesen, dass man mit so mancher Frage und so manchem Gedankenweg nicht alleine ist. Das macht Mut. Dafür lieben Dank.

Und bevor ich mich nun hoffentlich die Tage mal endlich in einen Urlaub verabschiede, der mich weg vom Bildschirm bringt und hin zu frischer Luft und vielen Büchern und Zeit zum Denken, noch schnell ein blitzschnelles Rezept für die Weihnachtsstimmung in letzter Minute. Die Zimtsterne vom wunderbaren Paleowiki, das ich jedem Paleo-Interessierten nur empfehlen kann, als Informationsquelle! Ich habe ganz minimal andere Verhältnisse genommen und schreibe es  auf, aber mit dem Wiki liegt man auf jeden Fall richtig richtig.

Ich wünsche besinnliche Feiertage und freue mich auf ein spannendes neues Jahr.

 Zimtsterne

200 g gemahlene Mandeln
100 Gramm Mandelmehl
200 g gemahlene Haselnüsse
6 Esslöffel Xucker
3 Esslöffel Zimt (Ceylon)
4 Eiweiß
Prise Salz

  • Den Ofen auf 150 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schöne steif schlagen, bis man die Schüssel theoretisch auf den Kopf stellen könnte, ohne dass Eischnee rausfließt.
  • Nun noch einmal den Xucker unterschlagen, bis die Masse schön glänzt. Von dieser Masse nun 5 Esslöffel zur Seite stellen für den Guss.
  • Die Nüsse und den Zimt mit Sorgfalt und Vorsicht unterrühren, bis sich eine gleichmäßige Masse ergibt. Nicht mit dem Quirl, besser mit einem Löffel oder, wer hat, einem Teigschaber.
  • Den Teig zwischen zwei Lagen Backpapier ausrollen, die Sterne ausstechen, mit dem Eischnee bestreichen und bei 150 Grad ca. 30-40 Minuten auf mittlerer Schiene trocknen. Der Guss soll nicht zu dunkel werden.

Tipp: Am nächsten Tag ist der Guss dann fest und sie schmecken genau so, wieZimtsterne schmecken sollen. Und für die Lagerung empfiehlt sich eine Dose.

Guten Appetit!

 

Zwei: ganz schön viel und ganz schön schön. Und manchmal einfach schnell und fettig: Bauchscheiben mit Bohnen

Bauchscheiben mit BohnenDoppelpack. Meinte der nette Agenturpartner grinsend, als wir zusammensaßen, Projekte besprachen und noch einmal drauf zu sprechen kamen, was uns ins Rhein-Main-Gebiet getrieben hat und wie unser spezifisches Geschäftsmodell aussieht. Und er hatte vollkommen Recht. Der besondere Mensch und ich leben zusammen und arbeiten zusammen. Und da wir uns da besonders gut ergänzen, haben wir aus diesem Mehrwert ein Geschäftsmodell gemacht. Es funktioniert.
Das heißt aber auch, dass wir auf uns und unsere Beziehung Acht geben müssen. Privates gehört nicht ins Büro und fachliche Auseinandersetzungen dürfen nicht Stellvertreterscharmützel für tiefergehende Themen sein. Es funktioniert auch, weil wir eine Beziehung auf Augenhöhe führen, in der keine Spielchen gespielt werden und keine manipulativen Knöpfe gedrückt werden. Ohne Neid, wer was besser kann und ohne das Gefühl stehen zu bleiben, wenn der andere vorwärts geht.
So schön das ist, geschenkt gibt es das nicht.

Aber das Ergebnis ist es wert. Und da es nach ehrlichem Durchspielen des Gedankens tatsächlich verblüffend leicht war, neben dem Leben auch das Arbeiten zusammen zu legen, irritieren mich die Nachfragen, die wir doch öfter bekamen, ob das nicht zu eng sei und die Feststellung: „Ich würde das nicht wollen“. Beziehungen sind etwas Persönliches, ebenso die Entscheidung, wie man diese führt und ich kann nur für mich sprechen, aber ich fände es schade, wenn ich den Arbeitsplatz bräuchte um Zeit für mich zu haben. Hat man da ja auch nicht und wenn man so sehr raus muss aus dem Zusammensein, ist vielleicht die mitunter schmerzhafte Frage angebracht, was einen forttreibt.

Das man Dinge rein für sich und ohne den Partner tut, ist doch völlig klar, man ist ja glücklicherweise kein siamesischer Zwilling, aber tatsächlich geht es Beziehungen zu führen ohne ständig Kompensation zu brauchen. Wer mit einem Partner an seiner Seite dennoch immer wieder los zieht um sich Bestätigung für äußerliche Zuschreibungen wie Attraktivität, Leistungen oder etwas Abwechslung sucht, der macht sich das Leben unnötig kompliziert und sollte sich hinsetzen und überlegen, was er wirklich sucht und wen.  Wer ständig mit Freunden das Gespräch über den Partner führt und eine Liste von Kritikpunkten mit sich herumträgt, sollte mutig sein und mit der betroffenen Person sprechen und vielleicht auch mit sich selber. Wer das Gefühl hat zu stagnieren, ist gefragt sich hinzusetzen und zu überlegen, was man ändern kann und ob es in dem Beziehungsgeflecht möglich ist. Und man muss reden, den anderen mit ins Boot holen. Gedankenlesen bleibt schwer, auch wenn man sich sehr gut kennt und ich persönlich finde es fatal, wenn Menschen ihrem Umfeld mit der Haltung begegnen, die anderen müssten ihre Wünsche erraten und wenn sie dies nicht tun, ist man furchtbar verletzt und enttäuscht. Enttäuschung – das ist eh eines der Tretminen-Totschlag-Worte schlechthin. Wer enttäuscht ist und dieses so weitergibt, impliziert damit auch, dass er die Rollen und eventuellen Schuldzuweisungen schon verteilt hat. Ein Knopf wird da gedrückt, der mächtig wirken kann, denn niemand mit einem Mindestmaß an Empathie und Selbstreflexion enttäuscht gerne andere Menschen. Enttäuschung ist ein wahrer Diskussionskiller und mitunter  ist es lohnenswert, dann einfach still zu sein oder dieser Diskussion nicht zu folgen. Aber weil es so ein machtvolles Wort ist, wird es so häufig benutzt. Und der Empfänger sitzt da und im für ihn zumeist wenig lohnenswerten Fall des Bemühens, die Enttäuschung ungeschehen zu machen, wird man in ein Hamsterrad geschickt, das nur zu oft wieder bei der nächsten Enttäuschung stockt…und von vorne…Dann ist es vielleicht Zeit aufzuräumen, oder auszusteigen. Stilles Leiden, das kommt oft noch hinzu und lässt das Gegenüber ebenso ratlos zurück, im Versuch den Glitzerstatus wiederherzustellen. Es gibt so viele Mechanismen, wie man sich gegenseitig das Leben schwer machen und eine Beziehung in bewusste oder unbewusste Machtkämpfe oder Energiesaugorgien verwandeln kann. Die plötzlichen Stimmungswechsel, die am Horizont lauernden, abwertenden Bemerkungen, enervierender Tonfall, Respektlosigkeit, überzogene Anspruchshaltungen… eine endlose Liste an Manipulations- und Verteidigungsmöglichkeiten, die wir uns zurechtgelegt haben. Gepaart mit einer weit verbreiteten Wortlosigkeit, oder dem vermeintlich klärenden Gespräch, das oftmals nur zur Bühne der narzisstischen Anspruchshaltung eines oder aller Beteiligten wird.

Aber ist ja auch klar, im erwachsenen Alter begegnet man sich eben nicht mehr im Zustand emotionaler Unversehrtheit. Da wurden  Herzen, das eigene und das anderer, bereits verletzt. Hat man sich Taktiken angewöhnt und sucht. Und weil wir ja lernen nach außen hin zu suchen und nicht zuerst in uns selbst, scheint diese Suche nie zu enden. Und natürlich werden wir nur all zu oft enttäuscht. Und egal wie abgeklärt und aufgeklärt wir sind, sie sitzen irgendwo in unseren Hinterköpfen, die Stereotypen der perfekten, märchenhaften Beziehungen. Und die Ausdrucksformen, wie sich diese große Liebe ausdrücken lässt. Ganze Wirtschaftszweige laufen rund, dank  großer Träume vom vermeintlich großen Glück. Und während die meisten von uns sich mühsam eh bereits durch eine Suche quälen, nämlich die nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen und dem eignen Weg, der daraus resultiert, muss man sich noch durch diese zusätzlichen Berge wühlen, die einem den Blick darauf verstellen, dass man in allererster Linie für sich selbst der beste Partner sein sollte, bevor man es für jemand anders sein kann. Das ist nicht ohne. Mit mir selbst bin ich ja ununterbrochen zusammen und denke da kann mich nichts überraschen, aber mal genau hinzusehen und sich vielleicht mal selber kritisieren wo es angebracht ist, die Maßstäbe, die man bei anderen anlegt zu allererst bei sich selbst erfüllen – da kann einiges zutage kommen.  Muss nicht, aber wenn, muss das nicht das Schlechteste sein. Und ganz nebenbei wird auch der Blick auf andere ganz unverstellt und begegnet man sich neu. Und dann kann es ganz schön inspirierend sein zwei Leben zu teilen und muss keine lähmenden Kompromisse bedeuten.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls ein großer Fan von diesem speziellen Doppelpack und beobachte einfach mit Neugier, wohin der eine den anderen noch bringt.
Und wenn mir dann allzu glitzerbunt zumute ist, findet die Liebe den Weg eben ganz prosaisch durch den Magen. Und ich koche was. Mit Liebe. Und gutem Fett.

Ganz schnell aus einer Form: Bauchscheiben mit Bohnen
Denn manchmal soll es einfach nur schnell auf den Tisch und schön satt machen. Und manchmal braucht es gar nicht viel um gut zu sein.

400 Gramm Bauchscheiben vom Schwein (wobei die vom Lamm ebenso köstlich sind, wenn man sie bekommt)
300-400 Gramm grüne Bohnen
2 Knoblauchzehen, gehackt
Salz
Pfeffer
Schmalz oder Butter

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Bauchscheiben großzügig salzen und pfeffern und in eine Auflaufform legen.
  • Die Bohnen putzen und nach Geschmack zurecht schneiden, zu den Bauchscheiben geben und ebenfalls großzügig salzen und pfeffern, den gehackten Knoblauch auf den Bohnen verteilen und ein paar Teelöffel Schmalz oder Butter darauf geben.
  • Nun alles für rund 30-40 Minuten in den Ofen, bis die Bauchscheiben schön kross sind.

Guten Appetit!

Herrlich unspektakulär und die vielen Rezepte der Buchmesse

Paleo lebenWandern, Lesen, Zeit haben. Herbstsonne genießen, Essen planen und durchatmen. An Menschen denken und ein Päckchen packen. Neue Träume auf ihre Realitätskompatibilität überprüfen. Versuchen, nicht so viel fotografieren zu wollen und mehr bewusst für die Erinnerung zu sehen… Eine kleine Rauszeit.
Denn am liebsten bin ich zwar daheim, aber die sonnigen Herbsttage ziehen einen noch weiter fort vom Schreibtisch mit dem Arbeitstelefon. Und das, was muss an Arbeit, kann bei dem veränderten Arbeitsmodell ja zum Glück einfach mal eingepackt und mitgenommen werden. Es geht tatsächlich und mein Kopf ist entspannt wie seit Jahren nicht. In den letzten Jahren hatte ich oft Probleme, schnell vom Alltags- in den Urlaubsmodus umzuschalten. Ein blödes Konzept, das einem da aufgedrängt wird. Rechtzeitig, also frühzeitig den Urlaub planen müssen und dann hoffen, dass alles gut wird. Zum ersten Mal ist es umgekehrt, sich Zeitfenster spontan nehmen, durchschlüpfen und sich überraschen lassen, da man gar nicht die Zeit hatte, sie mit Erwartungen zu überfrachten. Die Tendenz hatte ich durchaus. Mein Vorfreude-Konzept war oftmals ein stark ausgeprägter Wunsch nach Flucht aus dem Alltag. Ernüchternd war dann meist die Feststellung, dass die Rauszeit begrenzt und der wiedereinsetzende Alltag effektiv in der Zersetzung von Erholung war. Auch in arbeitsintensiven Zeiten versuche ich jetzt mir meine Momente zum Durchatmen zu nehmen und mir immer wieder bewusst zu machen, was ich möchte und was mir gut tut. Und manchmal heißt das nur, abends mal alle Telefone unbeachtet zu lassen, in der Mittagszeit einen kleinen Spaziergang zu machen oder eben schnell zu entschlüpfen, wenn es gerade geht. Sei es nur in den nächsten Wald oder für ein paar Tage in ein kleines Haus in einen ferner gelegenen Wald, mit anderem Licht und anderen Gerüchen und Raum für neue Gedankenimpulse.
Vor gut einem Jahr habe ich meinen Job in der großen Stadt Berlin in den Endspurt geschickt. Haben wir unsere Wohnung gekündigt, ohne genau zu wissen, ob es alles gut geht. Zwei Festanstellungen, die wir aufgegeben haben, eine grobe Vorstellung, wo wir hinwollen und eine intensive Gedankenwälzphase, wie man die eigenen Fähigkeiten in ein anderes Arbeitsmodell übertragen kann. Zugebenermaßen hatte ich oftmals unruhige Gedanken im Kopf rumpeln, ob das alles gut geht, ob ich mich nicht zu sehr an das Leben in der Stadt gewöhnt habe, ob wir genauso gut gemeinsam arbeiten wie leben können. Ob wir realistisch planen.
Ich habe Sicherheiten immer gemocht, aber das Leben beweist einem auch immer wieder, dass es wirkliche Sicherheiten nicht in der Form gibt, dass sie in Stein gemeißelt im Regal stehen und einfach bleiben, egal ob finanziell oder emotional, man muss immer auch selbst etwas dazu beitragen, dass es weiter geht, dass es gutgeht, dass sich immer ganz viel ändert und dass das gar nicht so verkehrt sein muss. Ich glaube diese Unsicherheiten auszuhalten und sich nicht an bestimmten Vorstellungen festzubeißen, ist die größte Sicherheit, die man sich selbst geben kann. Und wenn man sie sich nicht selbst gibt, sondern an bestimmten Zielen, seien sie materieller oder zwischenmenschlicher Natur, festmacht, dann wird man unweigerlich wieder in Unsicherheiten getrieben.
Das Umdenken ist anstrengend und ein andauernder Prozess, aber er befreit ungemein und macht viele Dinge plötzlich einfacher, denn man ist weniger getrieben und entwickelt eine neue Art der Bescheidenheit. Insofern bescheiden, dass man annimmt, was man erreicht hat und wertschätzt, was einem umgibt und nicht immer noch mehr oder anderes möchte, weil es einen vermeintlich eine neue Sicherheit bietet oder einen Schritt weiter in einem Plan bedeutet, der vielleicht gar nicht der eigene ist.
Das soll nicht abgehoben klingen, es ist nur eine Erkenntnis, die sich durchsetzt in meinen Kopf und in dem, wie ich mein Leben gestalte. Fixe Ideen, können zu Träumen werden, können Gestalt annehmen. Wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun. So abgedroschen es klingen mag: Von nichts kommt nicht.
Zwei Stunden Yoga bedeuten keine wahre spirituelle Erfahrung und ein teures, schönes Kleid machen mich nicht zu einem schöneren Menschen.
Aber wir werden darauf trainiert, allen Bereichen in unserem Leben mit einem Konsumentenverhalten gegenüber zu treten. Bei dem man nimmt und einfordert und konsumiert aber nicht selber investiert und gibt.
Der besondere Mensch fragte mich an unserem ersten Tag in dem kleinen Haus, was ich dem Tag bringen möchte. Nachdem ich den Satzbau erst einmal in Gedanken hin und her gewendet habe, das klang so seltsam, machte es Klick und machte Sinn und ich fand es richtig. Was der Tag uns bringen soll… Immer sollen die Dinge und Menschen und Momente uns etwas bringen – wir sind einfach eine Spezies mit der Tendenz zu ausgeprägtem Egoismus. Und wir schaffen es ja sogar noch das Geben in eine narzisstische Handlung zu verdrehen. Da macht das Umdrehen Sinn. Was bringe ich dem Tag, der Zeit, die ich habe? Das heißt nicht, dass ich nun die Pläne für eine Revolution entwerfe, aber es kann in der persönlichen Konsequenz ganz einfach und einschneidend in der Frage enden: Habe ich meine Zeit sinnvoll genutzt? Habe ich etwas zurückgegeben? Man vergräbt solche Gedanken oftmals tief und in einer narzisstisch geprägten Gesellschaft wie der unseren werden viele für sich die Frage positiv beantworten, aber werden im Endeffekt nur ihren Egoismus befriedigt haben. Denn das lernen wir ja, konsumieren und erfüllte Konsumwünsche mit etwas Erreichtem gleichsetzen. Dabei kann es etwas kleines sein, wie sich zu überlegen, wem man vielleicht einmal besser zuhören sollte, oder wo man nicht so genervt oder fordernd sein sollte.
Würden wir in Zeiten und in einer Gesellschaft leben, die uns aus Prinzip im Nachdenken fördern und uns mehr Raum und Zeit zum reinen Denken lassen würde, wäre diese Gesellschaft sicher eine andere.
Und was dann auch überflüssig wäre, wären diese Regalmeter an Ratgebern, die einem auf der Buchmesse an allen Ecken ansprangen. Egal welches der dort ausstellenden Länder, die Tendenz war deutlich: Die Menschen wollen Antworten und Rückversicherung, weil sie tief drinnen eben doch spüren, dass etwas nicht in der Balance ist.
Aber sie wollen es schnell, sie wollen die schnelle vegetarische Küche, die 15 Minuten Yoga täglich, sie wollen in drei Dates zum finanzstarken Versorger-Traummann, mit zwanzig Tricks zum Manipulationsgenie im Meeting, in zwei Wochen zur Traumfigur, in drei Schritten zur perfekten Gastgeberin, mit simplen Kniffen schöner Wohnen, auf hundert Seiten zu perfekten Eltern und einen funktionierend Paar und in drei Bänden glücklich und zufrieden werden.
Statt all dieser Bücher, die Ausgeburt der Marketingmaschinerie einer Industrie sind, sollte man vielleicht kleine mentale Kneifzangen verteilen, die einem laut ins Hirn brüllen, bis ein Aufwachen einsetzt. Denn der leise Stupser wird nichts bringen. Aber man kann sich auch ganz gut immer mal wieder selber kneifen und Entscheidungen und Motive prüfen und sich vor allem frei machen von all dem, was und wie wir sein sollen. Und dann braucht es nicht die große Bühne oder den vor sich her getragenen Erfolg. Nein, dann lässt es sich ganz zufrieden, herrlich unspektakulär, leben.
Das ist einen Versuch wert.

Der Fisch stinkt vom Kopf oder kommt auf den Tisch – Zitronen-Wildlachs mit Zucchini-Knoblauch-Spaghetti

Zitronen Wildlachs mit Zucchini SpaghettiDass sich mit der Umstellung der Ernährung auch so einiges anderes an meiner Sicht auf die Welt geändert hat, werde ich ja nicht müde zu betonen. Die Welt unterlässt es ja auch nicht einem immer wieder unter die Nase zu reiben, was alles seltsam läuft.
Auf der Suche nach unbelasteten Lebensmitteln, die keine Spur der landwirtschaftlichen und sozialen Verwüstung hinter sich her ziehen, fällt einem zwangsläufig das ein oder andere ins Auge. Und wenn man schon bei der Nahrungsmittelsuche auf Informationsquellen abseits der Mainstream-Medien zurückgreift, warum sollte man das nicht auch in anderen Bereichen tun?
Leider haben die Leitmedien  in unserem Land allein durch ihren Namen und ihre Strahlkraft ein Etikett der aufklärenden, unabhängigen Berichterstattung aufgedrückt bekommen.

Es empfiehlt sich, allein schon der geistigen Flexibilität wegen, auch im  vermeintlichen Abseits zu stöbern und sich selbst eine Meinung zu bilden.
Ich halte einfach nichts davon etwas zu lesen und zu schlucken und dann ohne kritische Fragen meinem Argumentations-Repertoire hinzu zu fügen. Denn so läuft es doch meist mit der Meinungsbildung. Wir schmücken uns mit einer offenen Geisteshaltung und schrecken aber innerlich davor zurück uns in Diskussionen auf unsicheres Gelände zu begeben, wo wir vielleicht nicht auf die üblichen, bestens vorbereiteten Argumentationskonserven zurück greifen können. Unter dem Deckmantel der objektiven Urteilsbildung suchen wir doch unbewusst immer nur nach den Argumenten und Fakten, die unsere Haltung untermauern.  Das lohnt ein genaueres Hinsehen. Wenn man sich des Öfteren in ähnlicher Besetzung zusammenfindet, wird man feststellen, dass die meisten Menschen ein paar Lieblingsthemen haben, über die sie gerne sprechen und man muss leider konstatieren, dass da oftmals Narzissmus hineinspielt, denn viele erliegen dann der Versuchung andere auf das eigene Themen-Spielfeld zu ziehen und ihnen argumentativ die Haut abzuziehen. Das ist kein guter Stil, sondern Manipulation. Der Gesprächspartner war dann Profilierungswerkzeug und um Austausch ging es nie. Ich steige mittlerweile aus solchen Diskussionen aus. Man erkennt recht leicht, wem an einem Austausch gelegen ist: Nachfragen und vielleicht auch einmal Recht geben oder die eigene Position revidieren führt zu inspirierenden Gesprächen, wohingegen das intellektuelle Sezieren des Gegenüber einen Sch…bringt. Aber so ist es halt, wir scheinen irgendwann im großen Stile eingeimpft bekommen zu haben, dass eine eigene Meinung zur Grundausstattung gehört, aber bitte nicht zu eigen daher kommen sollte.

Sieht man die politischen Ränkeleien zu kritisch und äußert zu wenig Optimismus, gilt man als fatalistischer Pessimist und es wird dezent mit den Augen gerollt, befindet sich dort doch jemand auf dem falschen Weg.  Und das  denke ich mir nicht aus, sondern kenne es durchaus. Aber ich finde manchmal darf der Bauch mit diskutieren und wenn wir nun schon oftmals im so großen Stil die ernsten Themen beackern, sollte einem doch die Transferleistung zugetraut werden eigene Schlüsse zu ziehen aus dem, was man sich an Informationen zugeführt hat. Ich bin es leid immer nur die Rechtfertigungsfloskel „Das habe ich in der FAZ/SZ/… gelesen“ zu hören. Das ist zu einfach und zu  mutlos.

Ich plädiere für ein bisschen mehr Leidenschaft.

Ein wunderbares Beispiel für Geistesgröße und ein einen Intellekt, der von Herzen kommt, ist der amerikanische Politologe und Autor Dr. Michael Parenti. Jedem der mag, kann ich nur empfehlen sich einen seiner Vorträge auf Youtube anzuschauen.
Haarscharfe politische Analysen, beeindruckender Wortwitz und Perspektiven, die zum Nachdenken anregen – so etwas hätte ich mir von meinen Professoren in der Uni gewünscht…

Eines meines Leidenschaftsthemen ist, wer hätte das gedacht, natürlich das Essen. Aber was im Zusammenhang mit unserer Nahrung alles an  Skandalen und Ungerechtigkeiten verübt wird, ist zum Verzweifeln.
Was ist das für eine Gesellschaft, die ganze Supermärkte voller Tierbedarf nötig zu haben scheint, wo man zwischen gefühlten 60 Sorten Katzenfutter wählen kann, mit dem guten Gewissen, die liebe Mieze in den meisten Fällen von irgendwelchen Lockstoffen abhängig zu machen.
Und das eigene Essen – ich mag Fisch, aber welchen kann ich noch ruhigen Gewissens kaufen?
Und das gilt ja nicht nur für Fisch, für zu viele Lebensmittel stellt sich diese Frage, aber das ist ein Thema für sich.
In diesem Fall war der Fang der Wahl Wildlachs.
Und im Ergebnis kam der Spiralschneider zum Einsatz für ein perfektes Sommeressen:

Zitronen-Wildlachs mit Zucchini-Knoblauch-Spaghetti (hier für drei Personen)

Das Rezept

500-600 Gramm Wildlachs-Filet
5 mittlere Zucchinis
1 große Zitrone
2 große Knoblauchzehen
Frühlingszwiebeln
Butter
Olivenöl
Salz
Pfeffer

  • Den Fisch in großzügig Butter mit Salz, Pfeffer und dem Saft der Zitrone andünsten und in Gabel-große Stücke teilen, sobald er gar ist.
  • Parallel die Zucchinis mit dem Spiralschneider in Streifen raspeln. Den Knoblauch in viel Olivenöl andünsten, nun die Zucchini dazugeben und mit etwas Salz und Pfeffer und gelegentlichem Rühren in wenigen Minuten gar dünsten, bis die Zucchini gar und etwas glasig ist.
  • Die Frühlingszwiebel in feine Streifen schneiden und direkt vor dem Servieren undter den Fisch heben
  • Die Zucchini-Spaghetti auf den Tellern anrichten und den Fisch dazu geben.
  • Noch ein paar zusätzliche Spritzer Zitrone und etwas Olivenöl darüber geben…Fertig…

Guten Appetit!

Sommer am Grill – einfacher geht es nicht

Paleo GrillenIm Grunde ist es ja gar nicht so schwer für Gäste zu kochen, die selber nicht Anhänger der Paleo-Küche sind. Nach Abfragen der gängigsten Unverträglichkeiten und Allergien bildet sich zumeist rasch eine gemeinsame Schnittstelle an Lebensmitteln, die für ein gemeinsames Essen in Frage kommen.  Mit etwas Kreativität hat man dann die Chance dem Besuch praktisch vor Augen zu führen, dass man als Moderner Steinzeit-Esser nicht mit der Keule im Schoss am rußenden Feuer sitzt und mit den Zähnen das rohe Fleisch von den Knochen reißt!

Nein! Und ich möchte manche Errungenschaften  unserer modernen Gesellschaft nicht missen. Sie machen das Leben so bequem.  Ich finde zwar im zwischenmenschlichen Bereich, auf der gesellschaftlichen Ebene, haben wir uns eher zurück als weiter  entwickelt:  Ich denke nicht, dass die vielfältigen narzisstischen Störrungen, an die wir uns heute als normal gewöhnt haben, in früheren Gesellschaften tragfähig gewesen waren.  Naja, sie haben sie letztlich verdrängt. Aber das ist wieder ein Abschweifen. Eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich meinen Gefrierschrank sehr mag. Der steckt mitunter voller Köstlichkeiten, die ein glückliches Weideleben hinter sich haben.

Und das sind die Produkte, dich ich Besuch gerne vorsetze. Denn etwas zu Essen findet sich immer,  ich habe es am Anfang der Paleo-Reise einfach als schwer empfunden für andere zu kochen, weil ich mir selber Druck gemacht habe und dachte ich müsste irgendjemanden durch besonders unkompliziertes Essen seine Vorurteile nehmen. Also so etwas wie ein kleiner missionarischer Auftrag.

Ganz ehrlich – das ist mir mittlerweile egal. Gäste werden bei uns gut satt und wir sind auch bereit Brot auf den Tisch zu stellen und es gibt Alkohol und und und…und in der der Regel ist das Essen gar kein Problem und die interessierten Nachfragen beantworte ich gerne. Ich finde halt nur nicht, dass die Diskussion lohnt wenn man merkt, da sitzt jemand mit seiner total festgelegten Überzeugung und stellt die Fragen nur um sich darüber lustig zu machen oder um seine Widerlegungs-Argumentation einzuleiten. Das ist ermüdend auf die Dauer. Und auch nichts sehr nett als Gast, finde ich, irgendwie.

Ich habe es an anderer Stelle schon einmal gesagt, das Internet ist voll mit gut recherchierter Quellen zum Thema Steinzeit-Diät.

Und meist ist es einfach der Name, der die Menschen zurückschrecken lässt oder sie komisch schauen lässt. Wir tragen keine Aluminium-Trichter auf dem Kopf und ich tanze auch nicht für gutes Wetter.  Aber ich finde Mediation, eine heutzutage zu wenig beachtetet und zu sehr kommerzialisierte Form des „Zeit für sich Nehmens“ wichtig und ich empfinde einen tiefen Respekt vor dem was uns umgibt. Wer das spinnert finden mag – bitte, gerne. Ist mir ehrlich gesagt egal.

Aber warum ich für mich diese eine Ernährungsform als optimal empfinde, fasse ich gerne kurz zusammen und wer dann hellhörig wird, liest in der Regel selber weiter.  Wie gesagt, die Zusammenfassung ist meine persönliche Bewertung und dem geschuldet, dass ich mich nach über einem Jahr Paleo-Küche so gesund wie nie zuvor fühle und mich freue, wenn ich mit 35 nach meinem Schülerausweis gefragt werde.

Und bei allem Verständnis für Vorurteile was ist verkehrt an:

  • Dem Verzicht auf Industrie-Zucker und Süßstoffe?
  • Dem Verzicht auf industriell verarbeitete Lebensmittel und die darin enthaltenen unzähligen Zusatzstoffe (Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, künstliche Aromen)?
  • Dem Verzehr von Fleisch von Tieren, die ausschließlich in Weidehaltung gehalten werden (was die einzig artgerechte Haltung und Fütterung ist)?
  • Dem Verzicht auf landwirtschaftliche Produkte, die in industriellen Maßstäben erwirtschaftet werden und Lebensräume zerstören und keine guten Nahrungsmittel sind (ich denke da an Monsanto, Pestizide und  lokale Arbeitsbedingungen der Feldarbeiter)?
  • Dem Verzicht auf Milchprodukte (außer Butter)?
  • Dem Verzehr hochwertiger Fetter und Öle als Hauptenergiequelle – sowie es die längste Zeit in der Geschichte der Menschheit der Fall war?

Das sind für mich ein paar der Gründe, die auf der Hand liegen. Ich möchte mich gesund ernähren und ich möchte meine Nahrungsmittel nicht aus einer Landwirtschaft beziehen, die verantwortungslos und zerstörerisch mit Natur, Tier und Mensch umgeht und nur auf den Profit schaut. Eigentlich ein verständliches Anliegen, erschreckend nur, dass man dann anfangen muss, sich seine Quellen zu suchen. Aber keine Sorge! Es gibt sie! Die Kette an Argumenten geht noch weiter und jeder kann dort seine persönlichen Erfahrungen einfügen, für viele gibt es eindeutige gesundheitliche Vorteile aber da kann ich nur ermutigen, sich einmal etwas Zeit zu nehmen und zu recherchieren, es ist schon erstaunlich, aus welch unterschiedlicher Motivation heraus die Menschen bei dieser Ernährung landen und (größtenteils) auch bleiben.

Und wer den Segen des Mainstream braucht: Auch die Bild hat die Steinzeit entdeckt. Und das erstaunlich gut zusammengefasst!

So, nun ist es mir etwas leichter ums Herz, aber was ich eigentlich sagen wollte kam noch gar nicht zur Sprache. Nutzt den Sommer! Ladet Freunde und liebe Menschen ein und versammelt Euch um den Grill! Denn zu keinem anderen Zeitpunkt lässt die Steinzeit-Diät  sich unproblematischer einführen als bei einem abwechslungsreichen Grillen, das eh schon immer für eine absolut entspannte und somit tolerantere Grundhaltung sorgt. Und es gibt so vieles, was man auf den Grill legen und dazu essen kann!

Kohle kaufen!