Lieblingswetter, Lieblingsstücke und Lieblingsessen: Eine Art Persischer (Blumenkohl) Juwelenreis mit Datteln, Feigen und Mandeln

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Herbstliebe: Juwelenreis aus Blumenkohl

Das goldene Herbstwetter versetzt mich alljährlich wieder in absolute Höchststimmungen. Die Luft bekommt eine knisternde kalte Note, die die Gedanken erfrischt, Morgende sind in Nebelkissen verpackt und scheint die Sonne, tut sie dies golden vor dem fast metallischen Blau eines Herbsthimmels.

Kaum eine Zeit im Jahr begeistert mich so sehr wie die Zeit, wenn die Luft nach Herbst riecht und sich beim Anblick der bunten Blätterpracht ein wenig angenehme Melancholie in die Freude mischt. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Oktoberkind bin oder dass ich mich auf die Leseabende am Ofen freue, auf Ausritte im Herbstwald und dick eingepackte Spazier- und Reviergänge. Vom Draußen scheine ich gerade nicht genug zu bekommen und habe, angesichts eines seltsamen Energieüberschusses, wieder vorsichtig mit der Lauferei begonnen. Vorsichtig, weil ich meine strapazierten Knie schonen will und auch deshalb, weil ich nie wieder an den Punkt kommen möchte, an dem meine Tageslaune davon abhängt, ob ich es zum Joggen und dabei zu dem mir gesetzten Pensum geschafft habe. Hallo Sportsucht. Da gleitet man wohl schneller rein, als einem bewusst wird, wenn man es zu verbissen angeht. Angesichts der Vielzahl an öffentlichen (Wettkampf) Läufen habe ich auch das Gefühl, dass immer mehr Menschen auch im Laufen den Wettbewerb, das Kräftemessen und die Leistung brauchen. Da kann dann auch der Gesundheitsaspekt abhanden kommen. Also bewege ich mich sehr entspannt und in meinem Tempo durch den herbstlichen Buchenwald, dessen hohe Stämme an eine lichtgesprenkelte grüne Kirche erinnern. Genieße Ein- und Ausblicke am Feldrand und gehe es bewusst an. Und bin überrascht, die morgendlichen Atemübungen und der veränderte Lebensstil sorgen für eine viel bessere Grundkondition als noch zu Zeiten in der großen Stadt, wo ich den Hochzeiten auch noch etwa 20 Kilo mehr auf die Laufstrecke gebracht habe. Der Kampf gegen mich selbst spielt diesmal weniger eine Rolle, die Entspannung steht im Vordergrund. So werde ich unverkrampft die überschüssige Energie los, die sich durch die langen Tage am Schreibtisch anstaut und die sich durch Betriebsamkeit anderer Art scheinbar nicht abbauen lässt.

Der Herbst ist auch die Zeit, in der ich mich wieder meiner Nähmaschine annähere. Seit einigen Monaten habe ich mir eine ziemliche Konsumverweigerung im Bezug auf Kleidung auferlegt. Schon beim letzten Ausräumen der Winterkleidung habe ich gemerkt, dass ich eigentlich alles habe. Auch nachdem ich jetzt ganz brutal durch meinen Schrank gegangen bin und vieles Gutes als Spenden weitergegeben habe, bleibt mir eine abwechslungsreiche Garderobe. Ich will noch freier werden von der medial verstärkten Vorgabe der Modeindustrie, zu jeder neuen Saison irgend etwas Neues anschaffen zu müssen. Das heißt nicht, dass man keine Freude am Schönen haben kann. Ich will es nur bewusster gestalten und mich freier machen von Trends, die nur dazu führen, dass im Zweifel seltsame Schrankleichen in den eigenen Besitz wandern, die vermeintlich mal total en vogue waren. Ich spreche aus Erfahrung. Der besondere Mensch meint immer eine Spur Exzentrik würde ich wohl nie aus meinem Stil kriegen, aber das finde ich ok, ich setze aber auf Stücke, die zeitlos sind. Auf bessere Verarbeitung und Materialien. Ich will Textilmüll vermeiden und die textilen Sklaventreiber nicht unterstützen.

Ein Schritt dahin ist auch, wieder mehr selbst zu machen. Das erste Lieblingsstück, das im Zuge der herbstlichen Nählust eingezogen ist, ist inspiriert von diesem sympathischen Blog. Ich habe einen dicken Wollstoff verwandt und noch Ärmel dran gesetzt und plötzlich hielt ich in den Händen, was ich mir gewünscht hatte: Eine super kuschelige, bequeme und dabei schöne Strickjacke für kalte Tage. Ganz wichtig: Mit Taschen. Der Vorteil am Selbstgemachten ist auch, dass man online mittlerweile eine gute Auswahl an Biostoffen bekommt. Weiter geht es für mich sicher mit einigen Modellen aus diesem netten und hilfreichen Buch, das meine Gebete erhört zu haben scheint und auf komplizierte, fiese Schnittmuster verzichtet. Das ermöglicht einen intuitiveren Zugang zum Nähen und mit etwas Verständnis dafür, wie Kleidungsstücke funktionieren, bietet es super Anleitungen, die sich noch weiter entwickeln lassen.
Das treibt mich gerade um. Und ist auch Ausgleich zu den Momenten, in denen die Last der Nachrichten unserer Zeit zu sehr drückt. Denn bei aller Achtsamkeit und Auseinandersetzung muss man auf eine gesunde Balance achten, damit einen die Schreckens- und Trauermeldungen nicht lähmen. Das ist die Kehrseite der ständig verfügbaren Information. Wir müssen bewusster filtern und uns auch ein Stück weit vor der Informationsflut schützen, ohne untätig zu werden und die Augen zu verschließen. Kein Leichtes.

Auch in der Küche hält Herbst Einzug. Meine Lieblingsgewürze sind die warmen Noten. Zimt, Anis, Muskat, Nelke, Ingwer, Cayennepfeffer – sie alles haben etwas Rundes, Beruhigendes, Wärmendes. Und so war es naheliegend, den Tausendsassa Blumenkohl geschmacklich ein herbstliches Upgrade zu geben. Inspiriert vom persischen Juwelenreis habe ich improvisiert und mit dem, was der Gewürzschrank hergab, ein neues Lieblingsgericht gekocht.

Quasi Blumenkohl) Juwelenreis mit Datteln, Feigen und Mandeln
(ca 3-4 Portionen als Beilage)

1 großer Kopf Blumenkohl, gewaschen und entweder grob gerieben oder im Mixer auf Reiskorngröße gehackt
4-5 getrocknete Feigen, weich und ohne harten Stiel, in kleine Stücke geschnitten
5-6 getrocknete Datteln, entsteint und in kleine Stücke geschnitten
1 Handvoll Mandelstifte oder gehobelte Mandeln
Frisch geriebene Schale einer halben, ungespritzten Orange
Kurkuma
Lebkuchengewürz
Cayennepfeffer
Salz
schwarzer Pfeffer
Butter

  • Zwei Esslöffel Butter in einer großen Pfanne schmelzen, die Mandeln, Datteln und Feigen hinzugeben und sacht anrösten, bis die Mandeln eine leichte Farbe haben.
    Den geraspelten Blumenkohl dazugeben und mit zwei weiteren Esslöffeln Butter auf mittlerer Hitze regelmäßig rühren, damit nichts ansetzt. Die Orangenschale hinzugeben sowie etwa einen knappen Esslöffel Kurkuma, eine großzügige Prise Salz, etwas frischen schwarzen Pfeffer und einen Teelöffel Cayennepfeffer. Alles gründlich vermengen, bis die Masse eine gleichmäßig gelb-goldene Farbe hat.
  • Dann einmal abschmecken, um ein Gefühl für den Grundgeschmack zu bekommen. Nun nach und nach das Lebkuchengewürz hinzugeben, umrühren und immer wieder abschmecken, damit es nicht zu intensiv wird. Ich habe etwa einen Esslöffel genommen, aber es ist individuelle Geschmackssache, wie stark die Gewürze hervortreten sollen.
  • Der Reis sollte nicht zu schwer und weich-klebrig werden, sondern noch eine körnige Konsistenz mit buttriger Note haben.

Dazu gab es Wildbratwürste, aber auch Hühnerfleisch oder Lamm stelle ich mir gut vor. Ich werde weiter probieren.

Guten Appetit!

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In den Morgen hinein und Rezepte gegen Hitze: Curry-Rohkostsalat mit Wildlachs

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Leichte Rezepte gegen die Hitze

Verheißungsvolles Grau zieht da vor dem Fenster auf. Verheißungsvoll, da es ein reinigendes Gewitter verspricht. Ich mag den Sommer. Sehr. Ich mag es, wenn der frühe Morgen schon nach flirrender Mittagshitze riecht. Ich mag es, wenn auch der Alltag plötzlich diesen Sommerferienschimmer bekommt, weil ich barfuß durchs Haus schleichen und die Winterpullis in eine Auszeit schicken kann. Deshalb bin ich diesem Sommer auch sehr dankbar, ich weiß nicht wann wir zuletzt so viele heiße Tage hatten? Schon jetzt haben sich im gedanklichen Augenblicksammelalbum wunderbar sommerliche Momente aus dem Taunus, aus Wiesbaden, Köln, Passau, München und den Vogesen angesammelt, die sich zu einem einzigen langen Sommereindruck verbinden.

Aber… Ja, was wären Gedanken über das Wetter ohne ein Aber? Die bleischweren Hitzenächte der letzten Zeit hinterlassen doch ihre Spuren und ein kühler Windhauch, der durchs Schlafzimmer zieht und die Decke noch gemütlicher macht, ist mehr als willkommen. Es sieht ganz danach aus, als würde diese Sehnsucht bald gestillt.

Bis es soweit ist, verlaufen Alltag und Leben im Sommerrhythmus. Der Wecker klingelt früher für einen Tee- und Lesemoment im Bett bei frühmorgendlicher Sommergeräuschkulisse vor den Fenstern. Auch die Arbeit beginnt früher. Es ist meine produktivste Zeit, die Stunden bevor in den anderen Büros nach und nach die Arbeit beginnt und irgendwann in Form von E-Mails und Anrufen zu mir findet. Der Kopf ist noch klar beisammen, die Hitze noch eine attraktive Ahnung, die sich erst am Nachmittag in eine gewisse Anstrengung verkehrt.

Momente zum Durchatmen und Kühle genießen, brachte in letzter Zeit der frühmorgendliche Ansitz im Revier. Wann immer die Verpflichtungen und Termine es zulassen (also tendenziell zu selten) zieht es uns auf den Hochsitz im Feld oder im Wald.  Die entscheidende Erfahrung des ersten Schusses fehlt dabei noch. Aber darum geht es auch gar nicht. Das wird sich ergeben (muss, ich habe ein großes Adventsessen geplant). Viel spannender ist es momentan, die verschiedenen Ecken des Reviers kennenzulernen und zu entdecken welches Wild sich wo gerne zeigt. Dabei hat sich für mich gezeigt, dass ich am allerliebsten am frühen Morgen unterwegs bin. Raus zu gehen, wenn es noch dunkel ist (im Sommer ist das schmerzhaft früh). Leise seinen Platz zu beziehen und in der Dunkelheit den noch ungewohnten Geräuschen zu lauschen. Wenn man nichts sieht, klingt auch eine Maus im trockenen Laub ziemlich laut. Das zunehmende Licht der Dämmerung zu genießen und den Vögeln zu lauschen, die frech ihren neuen Tag beginnen. So manche schöne Begegnung ergibt sich da und es ist keine Zeitverschwendung ein Bestimmungsbuch dabei zu haben. Und wenn es langsam heller wird, belohnt einen so manche Beobachtung. Sei es der junge Fuchs, der noch irgendwie unbedarft über die Wiese und am Feldrand entlangstakst, sich hinter den Ohren kratzt und völlig verpasst, dass 15 Meter von ihm entfernt ein leicht gestresster Hase sich seinen Weg durch das hohe Gras bahnt. Oder die Ricke, die laut schmatzend im Raps steht, bis irgendwann die Zwillingskitze aus der Deckung kommen und man ein geradezu liebevolles Wiedersehen beobachtet. Da sitzt dann der tiefbraune Baummarder, das Goldkehlchen, auf dem Weg und schaut mit Knopfaugen wachsam um sich bevor es mit kleinen Sprüngen im Raps verschwindet. Und natürlich das schlaue Schwarzwild, die Wildschweine, die man im Dunkeln noch neben sich im Feld hat grunzen und schmatzen hören und die plötzlich nur noch ein dickes Hinterteil sind, das geschwind in weiter Ferne in der Sicherheit des Feldes verschwindet. Oder der bisherige Höhepunkt, der Hirsch, der da mitten auf der morgendlcihen Wiese steht und einen anzuschauen scheint, bevor er das beeindruckende Haupt abwendetund zum klar murmelnden Bach zieht.

Auch im Hochsommer kann es des Morgens empfindlich kühl werden und mit der stärker werdenden Morgensonne legt man leise eine wärmende Schicht nach der anderen ab und freut sich über die Thermoskanne Tee. Dabei sein zu dürfen, wie der Tag die Nacht verdrängt und um einen herum alles zu erwachen beginnt, das Ganze alleine mit sich und den ungetrübten Sinneseindrücken – es hat etwas fast meditatives und unglaublich entspannendes. Dann langsam kommen die Menschen, mit ihren Hunden, auf der morgendlichen Laufrunde oder beim Spaziergang in der Kühle des Morgens und fast widerwillig packt man seine Sachen zusammen und hofft, bald wieder den Wecker früh stellen und hinausgehen zu können.

So begonnen, verlängert sich der Tag ungemein und mit der Zeit bekommt man auch das Müdigkeitsloch in den Griff. Das der Jagderfolg bisher ausblieb, ist dabei nebensächlich. Zu kostbar und schön sind die neuen Erfahrungen.

Und wenn der Tag sich dann langsam zu einem heißen klebrigen Klumpen verdichtet, braucht es ein leichtes Essen.

Lieblings-Curry-Rohkostsalat (mit Wildlachs)

1-2 mittlere bis große Kohlrabi
1 großes Bund große Radieschen
1 mittlere Zwiebel
1 kleiner säuerlich-süßer Apfel
optional: 1 Handvoll geröstet, gehackte Walnüsse
Olivenöl
Walnussöl
Apfelessig
(Dijon)Senf
Pfeffer
Salz
Currypulver
Zitrone

  • Die Kohlrabi schälen, vierteln und grob raspeln. Dann die Radieschen waschen und ebenfalls grob raspeln. Beides zusammen in ein nicht zu grobes Sieb geben, leicht salzen und dann mit den Händen großzügig die Flüssigkeit herauspressen. Ich mache  so vier Durchgänge, um zu verhindern, dass der Salat zu nass wird.
  • Wer sehr strikt Low-Carb isst, lässt den Apfel weg. Wer sich sicher fühlt, raspelt den Apfel, beträufelt ihn mit Zitronensaft und gibt ihn unter das Gemüse.
  • Nun die Zwiebel schälen, sehr fein hacken und unter den Salat mischen.
  • Aus Walnuss- und Olivenöl, Apfelessig, Senf, Salz, Pfeffer und einer großzügigen Portion Curry eine Vinaigrette zusammenrühren und unter den Salat mischen. Diesen dann ruhig etwas durchziehen lassen, dabei gelegentlich mischen. Wer Nüsse verträgt, gibt vor dem Servieren noch die gerösteten Walnüsse dazu.
  • Als Begleiter empfiehlt sich ein Wildlachsfilet. Ganz simpel, mit Zitrone beträufelt, gesalzen und gepfeffert und in der Pfanne in Kokosöl gebraten.

Tipp: Zum Kochen verwende ich sonst kein fertiges Currypulver, es empfiehlt sich genau auf die Inhaltsstoffe zu schauen, oft versteckt sich Traubenzucker oder anderes in Würzmischungen.

Guten Appetit!

In die Praxis und am Essen feilen: allerlei knusprige low carb Fritten-Varianten

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Wertvolle Praxis und Fastfood Freuden: Low Carb Pommes

Fertig. Gebangt, gezittert und geschenkt gab es nichts, aber nach 11 Monaten, über 300 Stunden samstäglichen Unterrichts, diversen Abenden in der Lerngruppe und einem Privatleben, das dem Jagdschein untergeordnet wurde, haben sich die Energie und Mühe ausgezahlt – ich bin frischgebackene Jungjägerin.

So ganz glauben kann ich es noch nicht. Nach all der Lernerei liegt da nun diese Urkunde und wartet nur darauf mir den ersten Jagdschein einzulösen. Ein wenig unwirklich. Auch der erste Arbeitseinsatz im Revier liegt bereits hinter uns – wir sind untergekommen, werden ein wenig an der Hand genommen und müssen aber auch Einsatz zeigen. Mein rechter Arm hat sich beim in-den-Boden-Hämmern von Zaunstäben bereits an die Grenzen gebracht – trockene Erde kann sehr hart sein und so ein ordentlicher Hammer schwer. Bisher war ich auch noch nicht in der Verlegenheit mehr als kleine Nägel in Wände zu schlagen, warum auch. Das will ich jetzt ändern. Und ein wenig stolz ist man dann auch auf das Geschaffte und ich freue mich auf die regelmäßigen Arbeitsansätze.
Erst war mir der direkte Übergang in die praktische Arbeit gar nicht so recht, ich habe gemault und wollte erst einmal ein paar freie Samstage und Zeit und und. Warum eigentlich? Eigentlich liegt es mir viel mehr weiter zu machen, dann denke ich gar nicht erst zu viel nach, was ich alles kann und schaffe, sondern werde in die Situationen geworfen und kann weiter lernen und mir neue Dinge aneignen.

Denn zu unterschätzen ist es nicht, für jemanden wie mich ist es eine völlig andere Welt. Trotz aller Liebe zur Natur war mein Leben immer eher vom klein- und später großstädtischen Umfeld geprägt. Natur gab es nur in Dosen. Für die Erholung oder leichthändig bei Freunden im Schrebergarten. Jäger kannte ich nicht, auch wenn es da das heimliche Interesse gab – sie waren mir fremd und es ergaben sich keine Berührungspunkte. Bis eben vor einem Jahr. Und nach all der Lernerei ist man nun auf einmal mitten drin in einer ganz eigenen Gemeinschaft, wird beglückwünscht zum Jagdschein, bekommt Tipps und Hilfe angeboten und ist aufgefordert sich einzubringen und anzupacken.

In meinem Leben bin ich noch nie in so kurzer Zeit in so viele neue Situationen gestürzt worden wie im letzten Jahr. Eine gute Schule und manchmal unbequem, habe ich doch mitunter Phasen einer seltsamen sozialen Unsicherheit, so Tage, an denen ich mich nichts Neuem aussetzen und nur vertrauten Ritualen und Gesprächen frönen möchte. Ja, diese Phasen setzen natürlich immer dann ein, wenn Neues anklopft und deshalb werden sie ignoriert, aber ich nehme sie kurz zur Kenntnis und frage mich, warum da anscheinend immer noch so Unsicherheiten sitzen. Was kann denn schon schief gehen? Man muss ja eigentlich niemandem etwas beweisen – außer eben sich selbst, gefühlt. Ich versuche einfach, mich offen in neue Situationen zu begeben, abzuwarten und hinzuschauen, wie die Menschen und Dinge so stehen. Ich muss nicht gleich den Kasper geben. Es ist angenehm sich in die Rolle der ruhigeren Zeitgenossen zu begeben, die nicht jede Situation wie eine Szene betreten und Reviere markieren wollen. Das findet sich ja auf allen Ebenen des Lebens, vom Hobby im Verein über den professionellen Kontext bis hin zum freundschaftlichen Zusammentreffen. Ich finde immer mehr Gefallen daran, vielleicht auch als unscheinbar wahrgenommen zu werden, will nicht so viel preisgeben. Möchte ganz in der Situation sein, aber stehe nicht für Spielchen zur Verfügung – das ist spannend und verschiebt mitunter Dynamiken und schafft Spannungen oder schönes Neues, wo man gar nicht damit gerechnet hätte.

Und ich höre hin, wenn ich Feedback bekomme. Denn so eine richtige Fremdeinschätzung ist ja selten. Man bekommt Lob oder Kritik und dazu oft die Agenda des Gegenübers, ob man will oder nicht. Aber so einen ersten Eindruck bekommt man nicht oft mitgeteilt und man sollte diese sammeln und ernst nehmen. In diesem Fall war es ein Mitjägerin aus dem Unterricht, die mir im Gespräch nach den Prüfungen erzählte, sie wäre anfangs irritiert gewesen und hätte gedacht, ich wäre so etwas wie eine vegane Jagdgegnerin, die den Kurs unterwandert (gemeinsam mit dem besonderen Menschen).

Das ist spannend, denn ich persönlich saß da ja mit meiner Binnensicht, die voll motiviert und sehr neugierig war. Aber ich war mir schon bewusst, dass wir vielleicht etwas aus dem Rahmen gefallen sind. Wobei ich mich nach wie vor schwer damit tue, das an Konkretem festzumachen. Es war das Gefühl, hier sind wir mal anders und nicht die anderen. Eine Lektion dieser Zeit war auf jeden Fall, dass ich mich bis zum Wegzug aus Berlin in einer recht homogenen sozialen Blase bewegt habe. Studium, Freundeskreis, Unternehmungen, Urlaub, Arbeitsumfeld, Kunden – das war, bei aller gelebten Individualität, schon recht übersichtlich in der Diversität. In der Hinsicht war das letzte Jahr mit all seinen neuen Bekanntschaften eine dringend notwendige und gute Schule, die sich hoffentlich fortsetzen wird. Wir sagen ja gerne von uns wie offen und kommunikativ wir sind, wie gut wir uns auf neue Situationen und Menschen einstellen können und wie wir so reden… Aber das sagen wir von uns, weil wir meist nicht so wirklich raus müssen aus der Komfortzone. Unsere Rollen sind meist klar definiert und aus denen heraus agieren wir. Das fühlt sich dann schon seltsam an, im Privaten plötzlich etwas zu tun, wo man sich völlig neu orientieren und mitunter auch das eigene Verhalten in Frage stellen muss. Die Lektion, mich nicht (ob bewusst oder unbewusst) aufs innere hohe Ross zu flüchten, möchte ich beherzigen. Gelegenheiten zeichnen sich genug am Horizont ab.

Und ich muss hinnehmen, dass dann auch erst einmal über meine zarte Hämmerei gescherzt wird – das muss auch echt dämlich ausgesehen haben. Wichtig ist, dass ich mich anstrenge einen Beitrag zu leisten und nach 40 Zaunstäben und drei Stunden Hammerschwingen dürfte es das nächste Mal auch schon leichter von der Hand gehen.

Weiter lernen und arbeiten am ich.

Neben all dem Neuen erhalte ich mir meine Kochzeiten. Ausprobieren und experimentieren am Herd entspannen mich so ungemein. Und nachdem wir vor kurzem die Burger wieder entdeckt haben, kamen nun die Fritten dran. Wenn auch nicht frittiert, sondern aus dem Ofen.

Aber nach einigen Versuchen tatsächlich knusprig und super lecker! Und sowohl paleotauglich als auch low carb.

Steckrüben und Knollensellerie-Fritten aus dem Ofen (Für 2 Personen)
Ich habe auch mit Süßkartoffel experimentiert, aber diese wird mir bei allem guten Geschmack dann doch zu weich.

1 mittlere Steckrübe (ca. 1 Kilo) oder Knollensellerie
Olivenöl
Salz
Scharfe Paprikaflocken
Zimt
Kreuzkümmel

  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Steckrüber oder Sellerie schälen, und in Scheiben von etwa einem 1 cm Dicke schneiden. Die Scheiben dann in Stifte schneiden (ca. 0,5- 1cm, nach Geschmack).
  • Die Stifte in eine Schüssel geben und mit großzügig Gewürzen und etwa 3 Esslöffeln Olivenöl mischen, so dass alle gleichmäßig mit Gewürzen und Öl bedeckt sind. Bei der Würzung kann man Schwerpunkte nach Geschmack setzen, ich betone gerne die Schärfe mit Extra viel Paprikaflocken und lasse die anderen Gewürze nur anklingen. Curry ist auch einen Versuch wert. Nur beim Salz bin ich generell großzügig.
  • Die gewürzten Stifte auf dem Backrost verteilen. Ganz ohne Backpapier einfach aufs Rost geben. Um Sauerei zu vermeiden, mache ich meist ein Backblech mit Burgern oder Frikadellen, das ich unter den Fritten in den Ofen schiebe und parallel mitbacke. So kann das Öl von den Fritten einfach auf das Blech tropfen und der Ofen bleibt verschont.
  • Darauf achten, dass das Blech nicht zu voll ist, die Fritten sollte nicht aneinander, sondern mit kleinen Abständen liegen.
  • Nun für 30-40 Minuten in den Ofen, bis die Oberfläche schön gebräunt und knusprig ist.
  • Wer die Muße hat, wendet die Fritten auf der Hälfte der Zeit, ich finde es tut nicht Not, da sie auf dem Rost nicht im Fett weich werden.

Dazu passt ein Dip nach Wahl oder einfach Butter.

Guten Appetit!

Nervenflattern – Nerven stärken und Ablenkungsmanöver: Koriander-Minz-Butter-Wildlachs mit grünem Spargel vom Blech

Lachs vom Blech

Nervennahrung: Wildlachs mit grünem Spargel vom Blech

Am Wochenende, da gab es diesen zauberhaften Moment, da wollte ich mir das Essen am allerliebsten so als Bild an die Wand hängen. Die Freude wäre von kurzer Dauer gewesen – es war Wildlachs, und seit ich einmal in einer befreundeten WG Nahrungskunst als „Work in Progress“ beim verfallenden Entstehen zuschauen konnte/musste/durfte, habe ich für mich beschlossen eine Grenze zu ziehen, zwischen leiblichem und Kunstgenuss.

Sei es drum – er war nicht nur vorher schön anzusehen, sondern auch nach dem Ofen eine Freude. Eine Wonne. Und hat sich ganz weit oben platziert auf der Liste der Gerichte, die ich gerne für liebe Menschen koche. Und das elegante Filetieren schaffe ich mir durch Wiederholung sicherlich auch noch drauf. Momentan ist es eher der Lachs-Massaker-Teller, der den Gast erreicht, aber Freunde verzeihen so etwas. Und die wollen ja auch keine Berührungsängste vor der Inszenierung, sondern einen schönen Abend und was in den Magen.

Aber gerne doch. Ein weiterer Vorteil: Mal abgesehen von einem begleitendem Salat und einem netten Dessert, kommen hier alle Bestandteile des Essens auf ein Blech und gemeinsam in den Ofen, dadurch ist man gleich viel ungeteilter in seiner Aufmerksamkeit und somit entspannter und sitzt mit am Tisch, statt mit einem halben Ohr im Gespräch und zwei Händen zwischen Herd und Arbeitsfläche zu tänzeln.

Deshalb bin ich ein solcher großer Fan von Eintöpfen, Backblechgerichten, Schmortöpfen… Ab einem gewissen Punkt macht sich dieses Essen quasi von alleine.

Und schnell geht es zudem, das Vorbereiten des Fisches. Fast zu schnell, denn momentan sind Rezeptideen vor allem Ablenkungsmanöver für die Kopfmaschine. Denn da läuft es sich gerade heiß und die Aufregung wächst, dabei möchte ich so gerne entspannt sein. Muss entspannt sein. Am Samstag ist Schießprüfung. Die letzte Etappe im Prüfungsmarathon für den Jagdschein. Schriftliche und mündliche Prüfung sowie Praxis liegen erfolgreich hinter uns (der besondere Mensch teilt die Begeisterung ja) und nun folgt der eine Teil, auf den man sich nicht mit Lernen vorbereiten kann, sondern wo man sich unter Kontrolle haben muss. Ich möchte es so gerne schaffen! Die Motivation ist da. Voll und ganz. Umso mehr seit wir das traumhafte Revier besucht haben, in dem wir eventuell als Jungjäger unterkommen könnten. Ich möchte raus und anfangen in der Praxis zu lernen. Außerdem möchte ich so gerne ein Wurst-Seminar machen. Eigene Wildwurst herstellen… Ich glaube tatsächlich, ich habe mir selten etwas so sehr gewünscht wie den erfolgreichen Abschluss dieser Prüfung. Wenn es nicht klappt, ist es ok, muss es ok sein, das macht ja eigentlich nichts mit mir als Mensch. Aber nach einem knappen Jahr Lernerei möchte ich raus. Also koche ich und backe und überlege mir Rezepte und Variationen und tue mir körperlich Gutes, in der Hoffnung, so auch meine Nerven zu verwöhnen. Und am Samstag vor der Prüfung werde ich extra früh aufstehen. Ein wenig Pilates machen, um dem Körper Nervosität zu nehmen, Atemübungen machen für die Konzentration und ordentlich frühstücken, auch wenn er flattert, der Prüfungsmagen. Und dann werde ich mich der Situation stellen und egal, wie es ausgeht, so oder so bin ich schon jetzt ein bisschen stolz auf das, was ich da neben Arbeit und Privatem geleistet habe. Das kann man ruhig mit gutem Essen belohnen.

Koriander-Minz-Butter-Wildlachs mit grünem Spargel
(für 4 Personen)

Ein Wildlachs (ohne Kopf), ca. 1,3 kg
1 kg grüner Spargel
1 Bund Frühlingszwiebeln
5 Esslöffel frischer Koriander, gehackt
Salz
Pfeffer
Olivenöl

Tomaten-Minz-Butter
150 g Butter, Zimmertemperatur, weich
2 Esslöffel Tomatenmark
2 Esslöffel Minze, gehackt (getrocknet oder frisch)
1-2 Esslöffel scharfe Paprikaflocken
etwas schwarzer Pfeffer
Salz

  • Als erstes die Butter zubereiten, indem alle Gewürze und das Tomatenmark in eine Schüssel zur Butter gegeben werden und das Ganze dann mit einer Gabel durchgedrückt wird, bis sich eine gleichmäßige Masse ergeben hat. Die fertige Butter ruhig etwas ziehen lassen.
  • Den Fisch unter kaltem Wasser abspülen, trockentupfen und auf ein leicht eingeöltes Backblech legen. Von innen salzen und pfeffern, 2-3 Esslöffel des Korianders in den Fisch geben, sowie die knappe Hälfte der Minz-Butter im Fisch verteilen.
  • Den Fisch zuklappen und noch ein paar Butterflocken oben auf die Haut geben.
  • Den Spargel waschen und die Enden einen knappen Zentimeter abschneiden, je nachdem, wie frisch er ist, reicht auch die Hälfte. Sind die Enden sehr holzig, hier einen Zentimeter schälen.
  • Die Frühlingszwiebel waschen und in Ringe schneiden, mit dem Spargel, dem restlichen Koriander sowie Flocken der Minzbutter vermischen und zu dem Fisch auf das Blech geben, vermischen und zu dem Fisch auf das Blech geben.
  • Ofen auf 180 Grad vorheizen und großzügige 35-45 Minuten im Ofen garen, bis die Haut des Fisches knusprig ist und Falten bildet.
  • Nun nur noch filetieren und mit dem Spargel servieren.

Dazu passt ein schlichter Salat, mit einem Spritzer Zitrone.

Guten Appetit!

Kleiner Tipp: Von der Minzbutter mache ich gerne mehr, sie schmeckt nämlich auch vorzüglich zu Lamm oder auf Burgern, aufs Omelett oder oder….

Es schaffen wollen und das Grillen planen: Low Carb Blumenkohlsalat mit Bacon-Mayo

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Lernen und genießen: Low Carb Blumenkohlsalat mit Bacon Mayonnaise

Seit 10 Monaten beherrscht die Jungjägerausbildung die Wochenenden und seit Jahresanfang auch diverse Abende unter Woche. Heute war er plötzlich da, der letzte reguläre Unterrichtstag. Ein Gefühl, wie früher kurz vor den großen Ferien. Nur statt der Zeugnisse steht nun der Prüfungsmonat an. Vier Teile sind es, nächsten Samstag geht es in schriftlicher Form los. Wie viel Wissen hat sich verfangen im letzten Jahr? Welche Lücken müssen noch gestopft werden, neben der intensiven Kopfarbeit im Arbeitsalltag? Wo lässt sich noch ein Stündchen abzweigen für einen Blick in die Bücher und die Bearbeitung alter Prüfungen zur Selbstkontrolle? Kann ich mein Lernen auf den letzten Metern noch effektiver gestalten. Ist das Nervosität, die da wie ein kleines Nagetier in meinem Hinterkopf sitzt und leise vor sich hinraspelt?

Wer sich Prüfungen jedweder Art stellt, nimmt auch die Möglichkeit des Scheiterns in Kauf. Wer immer nur auf Nummer sicher geht, kann auf eine Kette von Erfolgen zurückblicken, aber testet nicht den eigenen Mut. Bin ich auch bereit zu scheitern? Würde ein Misserfolg mich in Frage stellen? Einer unserer Ausbilder meinte, wir sollten uns nicht verrückt machen, es wäre die unwichtigste Prüfung unseres Lebens. Ich finde, das stimmt nur bedingt. Denn keine andere Prüfungssituation in meinem Leben ist so sehr einer freien Entscheidung entsprungen. Ihr liegen keine äußeren oder institutionellen Zwänge und Vorgaben zugrunde. Sie ist etwas, was ich für mich gewählt habe. Jetzt bin ich gespannt, was ich daraus mache oder ob ich in eine zweite Runde muss. In einem Monat weiß ich mehr, bin entweder etwas gedämpft oder unglaublich erleichtert.

Und wenn es läuft wie geplant, was dann? Dann kommen wir hoffentlich in einem tollen Revier unter. Zarte Bande sind geknüpft. Die Zeit der Jungjägerausbildung ist eigentlich in Wahrheit die Befugnis, das Lernen in der Praxis zu beginnen. Dann wird die Theorie der Praxis ausgesetzt. Ich kann es kaum erwarten und habe einen tiefen Respekt vor diesem Prozess.

Aber davor heißt es lernen, lernen, verstehen, diskutieren, bestimmen. Der Kopf ist gerade in Hochform. Lernen kann einen in einen ähnlichen Rausch versetzen wie ein erfolgreicher langer Lauf. Es lohnt, sich selbst im Auge zu behalten. Den Druck rauszunehmen, die Freude zu behalten.

Mache ich mir zu viel Stress, steige ich kurz aus. Gehe raus in den Frühling vor der Tür, der einen momentan in himmelblaue Stimmungen versetzt.

Oder ich koche. Gutes Lernen hat viel mit guter Ernährung zu tun. Wir können unsere Energie und damit auch unsere (Denk-)Leistung steigern, wenn wir genau hinhören und in Belastungszeiten sorgsam mit uns umgehen, statt auf schnelle Kicks und Glücklichmacher zu setzen.

Ein Rezept der letzten Tage, ein Übungslauf fürs Grillen nach den Prüfungen:

Blumenkohlsalat
Der Blumenkohl ist der Tausendsassa der Low Carb-Küche. Wie Kartoffeln oder Reis besticht er durch eine gewisse Neutralität im Geschmack und lässt sich wunderbar in diversen Formen integrieren. Hier vertreibt er die Kartoffeln für eine leichtere Variante des geliebten Mayonnaise Salats zum Grillen.

1 großer Blumenkohl
1-2 Bund Frühlingszwiebeln
1 Bund Radieschen
körniger Senf
Salz
Pfeffer
8 – 10 ausgebackene Baconstreifen (das Fett auffangen)

Mayonnaise:
2 große oder 3 kleine Eigelb
1 TL Senf (Dijon)
250 sehr mildes Olivenöl
Baconfett
1-2 TL Zitronensaft
Salz
Prise Xylit
Den Salat am Vorabend zubereiten und an einem kühlen Ort durchziehen lassen!

  • Blumenkohl in kleine Röschen schneiden, gut waschen und ruhig etwas weicher als bissfest blanchieren.
  • Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Die Radieschen in feinere halbe Scheiben schneiden.
  • Den Bacon ausbraten und das Fett auffangen.
  • Für die Mayonnaise, die Eigelbe mit dem Rührgerät in einem hohen Becher kurz aufschlagen, den Senf dazugeben und wieder aufschlagen.
  • Das ÖL mit dem noch weichen Baconfett mischen und 1/5 tröpfchenweise zur Ei-Senf-Mischung geben, bis sich eine glatte Creme ergibt.
  • Das restliche Öl-Fett-Gemisch langsam unter ständigem Rühren zugießen, bis die Mayonnaise die gewünschte dickcremige Konsistenz hat.
  • Zitronensaft dazu geben und mit Salz und Xylit abschmecken.
  • 1-2 Esslöffel körnigen Senf unter die Mayonnaise rühren und nach Belieben salzen und pfeffern.
  • Blumenkohl, Frühlingsgszwiebeln und Radieschen in eine Schüssel geben und die Mayonnaise unterheben. Zum Schluss den knusprigen Bacon in Stücken untermengen.

Der Salat schreit nach Bratwurst und ersetzt jeden traditionellen Grill-Begleiter mit Leichtigkeit!

Guten Appetit!

Kurz verweilt und genossen: Kokos-Panna Cotta für das schnelle Vergnügen

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Inspiration Nichtstun – schnelles Dessert: Kokos-Panna-Cotta

Vier Tage frei! Daheim! Naja, drei Tage, wenn der Unterricht für den Jagdschein abgezogen wird, aber dennoch vier Tage, in denen das Telefon still steht und der Kopf sich erholen kann von der immer wieder neu zu denkenden strategischen Sprachgestaltung. Kreativität braucht Raum, braucht Platz und Luft und zwischendurch einfach mal Ruhe. Süßes Nichtstun, das sich dann blitzschnell in Inspirationen und Schaffensdrang verkehrt. Ich liebe das. Nichts war geplant und plötzlich möchten Rezepte getestet, Hosen genäht und Bücher gelesen werden. Ein unbekannter Wald lockt zum Osterspaziergang und ganz ohne Zwang finden sich plötzlich wunderbare Lösungen für die fortwährende Herausforderung, die uns in Form der eigenwilligen alten Bauernhausküche beschäftigt. Wände schief und krumm und ein Schlauch und niedrig, aber mit Charme, Terrazzo, Sonnenflecken und einem bodentiefen Fenster, das im Frühling und Sommer die Wärme hereinlässt und dem grauen Getüm als liebster Beobachtungsposten dient. Die Mittel sind begrenzt und überhaupt haben wir beschlossen, nicht anfangen zu wollen, mit Geld auf Probleme zu schmeißen, damit sie verschwinden. Es gibt ganz wunderbare Küchenträume, die sich mit viel Geld anpacken ließen – die Beton-Holz-Variante fände ich schön, aber es muss eben nicht sein und wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, sind wir hier im kleinen Haus große Freunde der gelebten Improvisation. Das passt zu uns und fühlt sich an wie Zuhause und wird belebt.

Also von einem vermeintlichen Idealbild verabschiedet und Ideen gesponnen, sobald die Arbeitsdenkmaschine einmal still steht. Das hat sie diesmal super gut geschafft, quasi über Nacht war es da, das Kleine-Ferien-Gefühl. Sofort fühlte sich der Karfreitagsspaziergang ganz anders an und die Herausforderung der Ostertorte konnte nicht schwer genug sein. Sie war etwas unterdrückt, die Lust Dinge zu tun. Vergraben unter drängenden Terminen und einem anhaltenden Gefühl des Unterwegssein. Dänemark, Berlin, Heidelberg, Frankfurt, Gießen, Köln – zu viele Orte in zu kurzer Zeit, das tut dem Kopf nicht gut. Also zurück. Ruhig vor Anker gegangen im Heimathafen und die gedanklichen Beine extra lang ausgestreckt, tief durchgeatmet und die Inspirationen genossen, die sich aus dem Nichtstun ergeben. Danke lieber Kopf, Du hast mir gezeigt, dass auf Dich Verlass ist und so gönne ich Dir kleine Fluchten, Spinnereien und mäandernde Gedankengänge, am Ende überraschst Du mich wieder mit einem Einfall. Und da ist es dann, das kleine große Glück des im Moment seins und des Schaffens aus mir selbst. Dafür braucht es das immer mal wieder, das Nichts. Nicht das Hinterherrennen und Hetzen durch Pläne und Projekte. Ich hoffe, die Lektion vergesse ich nicht so bald.

Und damit der Kopf viel Zeit hat, habe ich die freien Tage mit einer schnellen Leckerei begonnen, einfacher geht es in Sachen Dessert kaum.

Kokos-Panna-Cotta
(Ja, Panna heißt Sahne, aber da ich die nicht immer so vertrage, ersetze ich sie wo es geht durch möglichst cremige Kokosmilch ohne Zusätze. Mit einer Kokosmilch, die sich in Kokoscreme und Wasser trennt, hat es bei mir nicht geklappt)

400 ml cremige Kokosmilch
10 Blatt Gelatine
150 g gefrorene Himbeeren
20 g bittere Schokolade (85-90%)
1 Teelöffel geriebene Zitronenschale
Kokosmilch zum Glattrühren
Mark einer Vanilleschote, ausgekratzt
½ geriebene Tonkabohne
5 Esslöffel Xylit für die Panna Cotta + 2 Esslöffel für die Himbeeren

  • Die Gelatine für 5-10 min in kaltem Wasser einweichen.
  • In der Zwischenzeit die Kokosmilch mit der Vanille, der gemahlenen Tonkabohne, dem Xylit und der Zitronenschale kurz aufkochen und glatt rühren.
  • Die Gelatine ausdrücken und in die heiße Kokosmilch rühren. In eine Form oder Schale geben (je nachdem ob man die Panna Cotta später stürzen möchte) und über Nacht im Kühlschrank völlig fest werden lassen.
  • Die Panna Cotta vor dem Servieren wieder auf Zimmertemperatur bringen, dann schmeckt man die Vanille besser durch. Entweder portionieren oder die Form kurz in heißes Wasser halten und dann stürzen.
  • Die Himbeeren mit etwas Xylit zu einer Soße einkochen und nach Geschmack warm oder kalt zur Panna Cotta servieren.
  • Schokolade im Wasserbad schmelzen und mit Kokosmilch dickflüssig glatt rühren, ebenfalls über die Panna Cotta geben.

Das geht schnell und schmeckt nicht nur zum Nachtisch nach Frühling…

Guten Appetit und frohe Ostern!

Lieblingshausmittel zum Durchatmen und vom falschen Pflichtgefühl: Zwiebelsaft und Kranksein können

kranksein dürfen und Hausmittel

Gute Besserung: Kranksein aushalten und Zwiebelsud

Man sollte sich bewusst sein, dass es im Leben immer Dinge gibt, die man nicht so gut kann. Für mich gehört Kranksein auf jeden Fall auf die Liste der Dinge, die ich nur schlecht beherrsche. Solange mich nicht ein heftiges Fieber ans Bett fesselt (zum Glück war dies nicht so oft der Fall), muss man mich regelmäßig zurück ins Bett scheuchen, denn irgendwie treibt es mich immer wieder mit irgendeiner Ausrede auf die Beine und ich beginne zu werkeln. Sei es das schlechte Gewissen, dem besonderen Menschen bei Krankheit doppelt mit Mehrarbeit zu belasten: Er muss dann sowohl das Büro als auch den Haushalt schmeißen oder mir fallen alle Telefonate und E-Mails ein, denen ich mich so gerne mal wieder widmen wollte.

Es fällt mir so schwer, das loszulassen. Mit dem Ergebnis, dass ich zu einer miserablen Patientin mutiere, die ständiger Ermahnung bedarf, was ein Mehr an Arbeit bedeutet. Das möchte ich nicht. Deshalb arbeite ich am Kranksein-können. Die letzten Tage hatte ich Gelegenheit dazu. Ein paar Tage an der dänischen Nordsee, ungewohnter Weingenuss, zu wenig Schlaf dank zu schöner langer Gespräche und eine zusätzliche körperliche Belastung für den müden Körper durch Joggingeinheiten im Küstenwind – was als Erholung gedacht war, führte dazu, dass ich vier Tage im Bett lag und statt motiviert in die nächste Projektphase bei unserer Arbeit zu springen, türmten sich die Informationen und E-Mails und die Unruhe wuchs.

Nicht gut. Und überhaupt nicht gesund. In der Regel ist es immer möglich mal zu sagen: „Ich bin krank, ich schaffe das heute nicht.“ Vielleicht ist danach mehr zu tun, aber es ist möglich. Gerade, wenn man als gewissenhaft und zuverlässig eingeschätzt wird, legen einem vernünftig denkende Menschen keine Steine in den Weg. Aber was ist es dann, was die meisten Menschen noch krank ins Büro treibt? Hustend und röchelnd, belästigen wir unsere Kollegen und stecken mitunter noch andere um uns herum an, was dann für noch mehr Arbeit sorgt.

Es gibt die schlimmen Arbeitssituationen, in denen einem vermittelt wird, dass eine Abwesenheit durch Krankheit nicht gern gesehen wird. Ich habe das selbst erlebt, bin ohne Stimme und mit Fieber, vollgestopft mit Medikamenten quer durch die Republik geflogen, um Journalisten auf Presseveranstaltungen Rede und Antwort zu stehen. Was für ein Bild gibt das ab? Von mir und dem Arbeitgeber. Eine befreundete Journalistin zog mich schließlich mit spitzen Fingern beiseite, ich war eine mehr als offensichtliche Ansteckungsquelle und sagte: „Geh ins Hotel. Es tut mir weh mit Dir zu sprechen. Du tust Dir keinen Gefallen.“ Zwei weitere Tage dauerte es, bis ich das ok hatte, heim zu fahren. Zu dem Zeitpunkt war aus einer Mandelentzündung eine Bronchitis geworden, die auf dem besten Weg war, eine Lungenentzündung zu werden. Der Arzt war mehr als schockiert mich erst zu diesem Zeitpunkt zu sehen und schrieb mich krank. Krank wurde ich vor allem deshalb, weil der Reiserei eine intensive Phase der Eventplanung vorrausgegangen war. Das Ganze in einer zu der Zeit wenig entspannten Arbeitsatmosphäre. Eine schlechte Kombination. Was hängenblieb, war der Eindruck, nicht belastbar zu sein. Denn neben Genesungswünschen war da auch die versteckte Frage, ob ich meiner leitenden Position gewachsen bin. Übersetzt: Wer durchhält, wird belohnt, wer schwächelt, zeigt zu wenig Ehrgeiz. Aber was für ein Vorbild möchte man abgeben? Gerade auch gegenüber Mitarbeitern, für die man verantwortlich ist? Ich will doch auch, dass jeder, der sich nicht gut fühlt weiß, dass er krank sein darf. Dass dies keine Gefährdung der Position bedeutet. Das ist menschlich und normal und eine solche Einstellung hält die Leute langfristig gesund.

Aber es gibt sie, die fiesen Mechanismen der Arbeitswelt, die viele antreiben, noch mehr zu geben, wenn der Körper einem längst sagt: „Bitte lass mich Pause machen. Ich kann nicht mehr.“ Kein Job ist es wert, sich gesundheitlich zu ruinieren. Die eigene Gesundheit ist nicht auswechsel- und ersetzbar. Arbeitssituationen lassen sich, auch wenn es manchmal schwer vorstellbar ist, neu definieren, neue Perspektiven finden sich. Ich habe kurz nach der Krankheitsphase für mich die Konsequenzen gezogen, den Job gekündigt und den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Kurz zuvor wurde mir ein Posten in der Geschäftsführung in Aussicht gestellt, mit der Bemerkung: „Das sind drei vier Jahre harte Arbeit und dann kannst Du Dich zurücklehnen und machen lassen.“ Was für eine unrealistische Einschätzung und was für ein beleidigender Schwachsinn. Drei Jahre weiter im Volldampfmodus und ich hätte mich kaputt gearbeitet und es gibt nie eine Garantie, wie man sich in der Anstellung weiterentwickelt. Man arbeitet immer noch für jemand anderen.

Jetzt haben wir unser eigenes Büro. Das ist auch stressvoll. Und ich bin natürlich getrieben von einem Verantwortungsgefühl Kunden und Partnern gegenüber. Aber wenn ich krank bin, bin ich krank und wenn ich das äußere, stoße ich auf Verständnis, ernst gemeinte gute Wünsche und den Wunsch, erst wieder von mir hören zu wollen, wenn ich gesund bin.

Das ist gesund. Wir sind es unserer Gesundheit schuldig, auf uns zu hören und uns ein dickes Fell zuzulegen gegen subtile Beeinflussungen von außen, die uns immer weiter treiben, wenn es eigentlich nicht mehr geht. Das kann man lernen. Genauso wie man lernen kann, den verlockenden Fehler zu vermeiden, zu denken, man wäre unersetzlich. Jeder kennt die Kollegen, die offensichtlich still leidend zur Arbeit erscheinen und sich im entgegengebrachten Mitgefühl baden und kommunizieren: „Ohne mich läuft es nicht“. Das ist nicht gesund. Das macht krank und kostet all zu oft die Energie der anderen.

Also ab unter die Decke und ausgeruht!

Bei Husten, der nicht locker werden will, hilft eine Hausmittel:

Zwiebelsud

Zwei bis vier Zwiebeln in Ringe schneiden und in 0,75 l Wasser aufkochen. Dann eine halbe Stunde köcheln lassen. Mit Xylit oder Honig süßen und mehrmals am Tag eine Tasse heiß trinken.

Gute Besserung!