Keine Lust haben dürfen, verschlafene Morgenrituale und (Wirsing-)Kohlrouladen mit Ingwer und Meerrettich

Paleo_KohlrouladeAm besten arbeite ich, wenn man mich in unserem Dorf sein lässt. Ich mag unser Büro, die Ruhe und die Möglichkeit, in der Mittagspause einen Spaziergang zwischen den Feldern machen zu können. Wenn ich aber, wie momentan der Fall, regelmäßig ganze Tage woanders bin, habe ich das Gefühl, der Schweinehund wiegt 200 Kilo, wenn er es sich da morgens auf der Bettdecke bequem macht.

Das Gefühl ist allzu vertraut, die Augen zu kneifen und hoffen, dass die Aufstehzeit einen nicht sieht… Das war ja mit ein Grund, alles über den Haufen zu schmeißen und die Rahmenbedingungen neu zu definieren. Aber das Leben ist ja nicht nur Plüsch. Irgendwas muss den Lebensunterhalt schaffen, solange man nicht Erbe oder Privatier ist.  Und damit ich die meiste Zeit das alles so gestalten kann, wie ich es möchte, nehme ich gerne in Kauf ab und an auch einmal in die alte Mühle zurückzukehren: Pendelverkehr und Dauerrauschen im Großraumbüro, das Gehirn am Abend ausgelaugt und keine Lust, das zu wiederholen.

Wir haben uns wirklich unmenschliche Arbeitsbedingungen geschaffen. Zu viele Sinneseindrücke, die Augen an mindestens einen Bildschirm geklebt, immer achtsam, das Telefon nicht zu überhören, die Geräuschkulisse der Kollegen ausblenden für das nötige Maß an Konzentration, ohne dabei den sozialen Schmierstoff des Flurfunks zu verpassen.  Die Luft riecht nach Denken und das Licht ist allzu oft zu künstlich. Vielleicht noch gruppendynamische Herausforderung im Kollegenumfeld und nebenbei regelt so manch einer noch sein privates Leben im sozialen Netz und der Hinterkopf erstellt und aktualisiert Listen der Dinge, die wir tun müssen, wollen, sollen, plant den Einkauf nach Feierabend, das Wochenende oder das Abendessen – Stop! Wie vielen Reizen wir jeden Tag ausgesetzt sind, merke ich erst so richtig, seit wir uns bewusst ein ganzes Stück entzogen haben. Und es wird mir immer lieber, das Entziehen. Um in den Reizüberflutungen des urbanen Projektalltags nicht aus den Fugen zu geraten, sind mir die morgendlichen Rituale wichtig geworden. Ich stehe lieber früher auf als nötig, um dafür die Zeit zu haben, bewusst in den Tag zu starten.

Für mich besteht ein morgendliches Weckerverbot: seit sich herausgestellt hat, dass der Schweinehund mich dazu verleitet, den Wecker unter der Bettdecke zu verstecken, damit er nur leise klingelt und ich ihn heimlich schnell und unauffällig ausstellen kann, fällt die Weckerhoheit nicht mehr unter meine Aufgaben. Ist tatsächlich auch nicht sehr förderlich, das ewige Gesnooze am Morgen, immer noch zehn Minuten. Lieber einmal und dafür dann so richtig genossen, oder auch mal zweimal aber danach ist jetzt Schluss. Es hat sich eine morgendlichen Routine ergeben, die mich tatsächlich auch zu früher Uhrzeit wach kriegt. Und mir hilft, im Laufe stressiger Tage nicht buchstäblich verrückt zu werden, sondern im Gleichgewicht zu bleiben. Zwanzig Minuten Pilates, um einmal den ganzen Körper bewegt zu haben, vor allem den Rücken, der den Rest des Tages sitzen soll und dafür einfach nicht gemacht ist – egal wie teuer die Bürostühle sind. Wir sind keine Sitztiere. Wir sind anatomisch eh fragwürdigst konzipiert, aber darum scheren wir uns nicht, wir haben ja das äußere Erscheinungsbild zum ästhetischen  Krisengebiet erklärt, nicht die grundlegenden körperlichen Funktionsmöglichkeiten. Um diese Mängel aber auszugleichen, wird der müde Körper jetzt jeden Morgen bewegt und danach Atemübungen, so tief und durch den Bauch… Am Anfang hatte ich Berührungsängste, jetzt will ich es nicht mehr missen. Und das Highlight ist dann der Becher Bulletproof Kaffee, der  mir netterweise morgens gemacht wird. Ja, wir sind so: Der besondere Mensch absolviert morgens dasselbe Programm wie ich, hat es maßgeblich mit in Gang gesetzt und dafür bin ich sehr dankbar. Auch wenn ich mir vor einigen Jahren nie hätte träumen lassen, mal neben meinem Herzensmenschen auf der Pilatesmatte rumzuturnen. Ich dachte, gemeinsamer Sport wäre gleichbedeutend mit Funktionskleidung im abgestimmten Partnerlook und einem verbissenen Lauf, bei dem keiner zurückbleiben möchte. Weit gefehlt, es macht mir große Freude zu teilen, was Spaß macht. Es war eine schöne Entdeckung, wie viele Themen gemeinsamer Sport auch bieten kann. Das ist ein wenig das Gegenstück zum gemeinsamen Unternehmen. Auch hier motiviert man sich gegenseitig, aber vor einem völlig anderen Hintergrund. Ich kann es nur empfehlen, einmal neugierig zu sein, was der andere so mag und vielleicht noch etwas für sich zu entdecken, ist ja kein Muss, aber ein Schön.

Zudem bietet der moderne Alltag sonst auch viel zu wenig Momente für Gemeinsamkeit, wenn man ja auch noch so seine kleinen stillen Hobbies pflegen will. Zu wenig Zeit. Was bei mir konkret auch daran liegen mag, dass ich den Schlaf wiederentdeckt habe. Ich habe viele Jahre nicht gut geschlafen, unruhig und oft mit Einschlafstörungen, was sicher auch dem Lebenswandel geschuldet war, man geht dann eben nicht früh ins Bett, macht ja irgendwie keiner und der abendliche Alkoholkonsum trägt nicht bei zum gesunden Schlaf. Ja, ich hätte das früher als viel zu vernünftig empfunden, als nicht locker, aber mittlerweile trinke ich so selten Alkohol, dass ich mir jedes Mal überlege, ob der Anlass es wert ist, denn am nächsten Tag ist der Kopf einfach anders. Nicht verkatert, aber der Körper war über Nacht einfach beschäftigt und das merkt man. Und ich brauche mehr Schlaf. Ja, Schlafmuster sind individuell, aber ich denke es gibt schon ein paar Grundsätzlichkeiten, die uns prägen oder die uns gut tun. Raus mit dem Licht und rein ins Bett  mit der Dunkelheit – im Winter brauche ich mehr Schlaf als im hellen Sommer und wenn ich nicht mindestens sieben Stunden davon bekomme,  besser acht, wirkt sich das auf meine Leistungsspanne aus. Und es ist einfach gesund. Zu wenig Schlaf, Nachtarbeit und Rhythmen, die dem zu sehr zuwiderlaufen, tun dem Körper nicht gut, nehmen ihm die Möglichkeit zur Regenration, und dann wird das tatsächlich sichtbar. Das, was die Kosmetikwerbung uns als Glow und Frische verkauft, kann nur fahler Schein sein, wenn es in Form von Makeup  und Mittelchen und Cremes passiert. Das wirksamste Geheimnis sind einfach gutes, sauberes Essen, ein gesunder Schlafrhythmus und eine bewusste Lebensgestaltung auf allen Ebenen, nicht indem man sich beim Sport mit den falschen Intentionen quält, sondern vernünftig trainiert, auf den Körper hört und auch das emotionale, soziale Leben in die Lebensgestaltung mit einbezieht. Das ist meine persönliche Erfahrung, aber Stress, auch durch andere Menschen verursacht, sorgt einfach für Augenringe, die man nicht wegcremen kann.

Ich versuche mein Bestes. Ein schöner, praktischer Beitrag dazu war ein Hochzeitsgeschenk aus dem Umfeld – Alpaka-Bettdecken. Von kleinen flauschweichen Alpakas, die wir quasi persönlich kennen und die mit ihrem unglaublich leichten und perfekt isolierten Fell dafür sorgen, dass es im Sommer nicht zu heiß und im Winter nie zu kalt wird, keine zu schwere Decke, die über einem droht und kein Hitzestau.. das macht was aus.

Es sind also eigentlich alle Zutaten da und ich arbeite hart dran, das zusammen und immer wieder neu weiterzuführen, damit sie sich dauerhaft niederlässt, die Zufriedenheit.

Das macht dann auch die Pendelei und das Großraumbüro erträglicher und lässt mich jeden Morgen dankbar sein, wenn ich die Fenster aufmache, die Hügel sehe und durchatmen kann. 

Und da das Essen so wichtig ist, hier ein altes Lieblingsrezept, neu  gemacht:

Kohlrouladen mit Meerrettich und Ingwer

8-9 große Wirsingkohlblätter
500 Gramm Hackfleisch
1 großen Apfel, gerieben
2 Zwiebeln, gehackt
5 Esslöffel frisch geriebener Meerrettich
3 Esslöffel frisch geriebener Ingwer
200 ml Kokosmilch
200 ml (fette) Brühe
Kurkuma
Piment gemahlen
Cayennepfeffer
Salz
Pfeffer
Schmalz oder Kokosöl

Die Kohlblätter blanchieren und die dicken Strungansätze einschneiden oder an der dicksten Stelle raus schneiden, damit die Blätter beweglicher sind,

Das Hackfleisch salzen und pfeffern, einen halben Teelöffel gemahlenes Piment dazu und den geriebenen Apfel, die Zwiebeln und 3 Esslöffel Meerrettich unter mischen.

Die Hackfleischmischung  in faustgroßen (kleine Fäuste) Portionen auf den Kohlblättern verteilen und diese drum herum klappen und mit Zahnstochern fixieren.

Die Kohlrouladen kurz von allen Seiten im Fett der Wahl anbraten, Kokosmilch und Brühe angießen und das Ganze gründlich salzen, etwas schwarzen Pfeffer, eine große Prise Cayennepfeffer, 1 Teelöffel Kurkuma sowie den Ingwer und den restlichen Meerrettich dazu geben und dann den Deckel drauf und für gut 1,5 Stunden sachte köcheln lassen.

Ich esse das ohne Beilagen, aber pürierte Süßkartoffel würde sich gut machen…

Guten Appetit

 

Durchatmen, loslassen, bewegen – Entspannungsrezepte

Entspannung und PaleoDurchatmen. Hilft. Simpel. Wenn also die Welt nervt, die Arbeit fordert oder die Menschen zu viel sind, entspanne ich mich. Irgendwann habe ich nämlich beschlossen, mir meine Stimmung nicht mehr so stark beeinflussen zu lassen von Dingen, die sich so unverhofft in die Gedanken krallen und einen zum Grübeln bringen. Sich gedanklich mit etwas beschäftigen  – ja. Sich davon bestimmen lassen – nein.  Eine Strategie war überfällig. Denn wenn man die Tendenz zum grüblerischen Gedankenspaziergang hat, kann einen das, was da in der Welt um einen herum geschieht ganz schön beuteln und mitunter lässt es einen, fiese kichernd, mit dem Gefühl zurück, dass man ja doch nichts ändern kann. Dann freut sich die gedankliche Bleikugel und der Schweinehund streckt wohlig seufzend die Krallen aus.

Das lähmt. Und das ist mir eine Zeitlang öfter widerfahren, etwa als ich damit begonnen habe einen Weg zu finden, mich so zu ernähren, dass ich nicht das Gefühl habe damit weiter Strukturen zu tragen, die Mensch und Umwelt schaden oder dem großen Ganzen. (Und von vielen anderen politischen Debatten ganz zu schweigen.) Aber das Verzweifeln an den Umständen ändert nichts, es verhindert eher noch, wenigstens für sich selbst einen eigenen Weg zu finden, mit dem es sich in dem Gerausche unseres Alltags leben lässt.

Wenn ich nun also auf Themen oder Situationen stoße, die mich nachhaltig beschäftigen und mir Energie saugen, dann lasse ich sie kurz los und atme tief durch. So geraten sie oftmals in Bewegung, kleben mir nicht vor dem Blick sondern rücken in eine Ecke, in der ich sie besser überschauen kann und so bleibt der Blick frei um Lösungen zu entdecken. Manchmal verstecken sich diese eine Zeitlang effektiv, aber wer anfängt zu kramen, findet auch.  Und die simpelste Lösung liegt meistens erst einmal bei mir.  Ja, ich bin tatsächlich ein großer Fan, der allgemein sträflich vernachlässigten Selbstreflexion. Und nicht nur im Sinne vom sich selber auf die Schulter klopfen (was auch unbedingt wichtig und nötig ist), sondern auch der selbstkritischen Stimme, die einen ertappt und auch mal unangenehm klingt. Keine Selbstkasteiung, aber Selbstbeobachtung. Denn wir alle liegen nicht immer richtig, oder folgen dem subjektiven Wegabschnitt unserer ganz eigenen Scheuklappen.

Wenn es also kneift im Knopf dann Fenster auf und dreimal zehn tiefe, bewusste Atemzüge. Schön durch den Bauch, der sich ausdehnt beim Einatmen und einzieht beim Ausatmen. So sollten wir nämlich eigentlich atmen: Bauchatmung.
Machen wir aber nicht, da wir nicht zuletzt die Vorstellung eines einfach zufrieden ausgedehnten Bauches befremdlich finden. Also wird der brav eingezogen für das grazilere Erscheinungsbild  und das Resultat ist, dass man den Körper über die flache Atmung durch den Brustkorb in einem permanenten Zustand der Anspannung hält. Ein Stresssignal, konstant. Das kann nicht gut sein.

Also: Atmen lernen. Unbedingt! Sehr schön ist das auch draußen in der Natur, beim Spaziergang. Und wer die Möglichkeit hat einmal einen menschenleeren Strand entlang zu gehen, am besten bei unfreundlichen, windigen Wetter, dem empfehle ich den Moment der Einsamkeit zu nutzen, sich ans Wasser zu stellen und einfach mal schön ungehemmt zu Brüllen.  Das geht natürlich auch überall, aber irgendwie ist es eine beruhigende Vorstellung, dass das Wasser fortträgt, was man da von sich gegeben hat. Und mit Brüllen meine ich so richtig. Loslassen und sich nicht selbst kontrollieren, weil es seltsam klingt. Das ist ganz schön anstrengend, man merkt es körperlich, aber ich finde immer wieder, dass es ganz wunderbar Bewegung in den Kopf bringt. Leider ist die Gegend hier dicht besiedelt und es würde andere Spaziergänger wohl arg verstören, wenn ich anfangen würde durch den Taunus zu brüllen, aber ich freue mich, wann immer sich so eine Gelegenheit ergibt.  Zumal ich sonst nicht so sehr zu den Leuten gehöre, die laut werden.

Aber so groß muss es gar nicht immer sein. Manchmal reichen ein paar unauffällige Atemzüge, bewusst und durch den Bauch. Vor einer Präsentation, bei Nervosität,  in unangenehmen oder angespannten Gesprächssituationen oder einfach während eines stressigen Tages.

Und wenn der Stress zu tief sitzt oder die Anspannung einen nicht loslassen will, dann hilft immer der Weg über den Körper, wenn die Gedanken sich festkrallen und den Körper verspannen.  Für mich persönlich ist das dann Pilates. Weil ich dort so konzentriert bin richtig zu atmen und mein Powerhouse aktiviert zu halten, muss ich alle anderen Gedanken loslassen und während der Körper  bewegt wird, entspannt sich der Geist.  Andere Bewegungsabläufe, wie etwa Gehen, helfen mir hingegen immer dann, wenn ich meine Gedanken lösen möchte. Schwimmen hat eine ähnliche Wirkung. Im Fluss sein. Und wenn man einmal gemerkt hat, was einem wann gut tut, dann kann man auch bewusster schauen, wann ein steifer Nacken oder verspannte Schultern nicht vielleicht aus einer  intensiven Kopfarbeit resultieren.

Ich kann Pilates nur wärmstens empfehlen, ganz sanft und sehr effektiv, wird hier der ganze Körper bewegt. Gerade bei Leuten die, wie ich, die Tendenz haben angesichts der Welt gerne mal die Schultern hochziehen, um sich abzuschirmen von allem was da prasselt, wird der Unterschied in der Haltung schnell auffallen. Angefangen habe ich mit dem Pilates in einem Studio in Berlin. Ein halbes Jahr lang, zwei Mal die Woche, in kleinen Gruppen. Das war ein guter und wichtiger Einstieg um ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen und um die saubere Ausführung der Bewegungen zu lernen. Mittlerweile mache ich das Pilatestraining zuhause und merke, dass dies nicht minder anstrengend und fordernd ist. Da mir nur eine DVD zu wenig Abwechslung war, habe ich im Internet gesucht und bin bei einem Youtube-Kanal fündig geworden. Die Auswahl der Videos ist sehr breit und die Anleitung super. Nur von den teilweise sehr frauenmagazinmäßigen Titeln der Übungsserien sollte man sich frei machen, die sind sicher einer breiten Zielgruppe geschuldet und zeigen all zu deutlich, was die Leute an Körperbildern zu verwirklichen suchen.

Also, wenn man schon den Themen und Paketen, die einem die Welt und die Menschheit so auf die Schultern schnallen, nicht einfach so entgehen kann, so kann man ihnen doch Entspannung entgegensetzen. Und diese führt einen oftmals auch zu Wegen, wie man diesen Situationen begegnen, sie verlassen oder aber sie lösen kann.

Einen entspannten Abend wünsche ich.

Eis, das – Eso-Skepsis, die

Paleo EisOh ja, Die Gewohnheiten sind träge Tierchen. Ich nehme mir jeden Morgen vor der Snooze-Taste die kalte Schulter zu zeigen und einfach mal direkt aufzustehen aber die erschlichenen zehn Minuten unter der Decke sind so kostbar, gerade weil man weiß, dass sie gleich vor bei sind. Und deshalb haue ich auf den Wecker und keife die Augen noch einmal extra fest zu.

Ein anderes Ritual, das etwas seltsam klingt auf den ersten Blick, ist, dass der Tag hier in der Regel mit Atem-Übungen beginnt.  Ich hatte tatsächlich starke innere Widerstände zu überwinden. Ein Blick auf das zugegebenerweise kitschige CD-Cover und ich begab mich in die totale Verweigerungshaltung und habe erst einmal losgepoltert, dass ich keinen Bock auf irgendeinen halbgaren Esoterik- Spiritualitäts-Kram habe. Da bin ich raus. Das war dann ok, aber als der besondere Mensch, mit dem ich lebe und den ich gerade auch für seinen kritischen Geist schätze, in der Folge immer entspannter wurde, wenn er sich zum Atmen zurückzog, wurde ich neugierig. Das wollte ich erst nicht zugeben, aber nach und nach habe ich mitgemacht. Und ich merke, dass es mir hilft morgens anzukommen. Fokussiert in den Tag zu starten und mich auch schneller entspannen zu können. Die Konzentration auf das Atmen ist auch ein guter Gradmesser um zu schauen, ob ich mich gerade innerlich mit irgendwelchen Reizthemen rumschlage und diese vom Schweinehund in die Verdrängungskiste gewühlt werden. Denn wenn ich innerlich angespannt bin und auf irgendwelchen Themen rum kaue fällt es mir schwerer mich davon frei zu machen und nur auf das Atmen zu konzentrieren. Wenn ich diese Hürde aber überwinde, hilft es mir in der Regel auch, um mich dann zu einem späteren Zeitpunkt hinzusetzen und zu überlegen, was mich da eigentlich stresst. Wie bei allem ist es eine Kopfhürde, die uns oft zurückschrecken lässt vor dem, was uns fremd ist. Und gerade Meditations- und Atemtechniken, wenn sie nicht gerade aus dem gesellschaftlich akzeptierten Yoga-Mainstream kommen, sind ja leichtes Ziel für Spott, Häme und Misstrauen. Ich denke bei allem was man tut, ist die beste Bewertung die persönliche, ehrliche Einschätzung ob es mir gut tut oder nicht. Wenn diese Bewertung positiv ausfällt, sollte es einem auch egal sein, was andere sagen.

Und bei allem was man tut sollte man Zwänge vermeiden. So gibt es zum Beispiel auch Tage, an denen ich lieber Pilates mache statt zu meditieren. Dann mache ich das. Und da sind auch Tage wo die Snooze-Taste ganz besonders extra verlockend daher kommt, aber an denen nehme ich den Kampf mit dem Schweinehund auf und freue mich.

Diese fiese kleine Stimme versuche ich auch dann zur Rede zu stellen, wenn sie versucht mir wieder ein Comfort Food schmackhaft zu machen. Denn, das gibt es einfach nicht in komplett gesund – das ist einfach eine Spielart des Essens, die Mäßigung verlangt, wenn man nicht dem Selbstbetrug erliegen will.

Dessen bin ich mir bewusst. Meistens. Neulich wohl nicht. Denn als ich wieder klar denken konnte, stand Karamel-Walnuss-Eis im Gefrierschrank…

Das Rezept

Zwei Dosen Kokosmilch
200 Gramm Walnüsse
Pfeilwurzelstärke
Butter
Xucker
Salz
Vanille

  • Drei bis vier Esslöffel Xucker in zwei gehäuften Esslöffeln Butter mit einer Prise Salz (ich nehme gerne etwas mehr) und etwas Vanille in einem Topf schmelzen und karamellisieren lassen. Dabei regelmäßig rühren und drauf achten, dass das Karamell nicht zu dunkel und somit bitter wird.
  • Das Karamell mit der Kokosmilch aufgießen.
  • Drei Esslöffel Pfeilwurzelstärke mit drei Esslöffeln Wasser glattrühren und unter die Kokos-Karamell-Milch rühren zum Binden/Andicken.
  • Nach Geschmack noch etwas Vanille und Xucker einrühren und alles kurz sieden lassen und dann unter Rühren abkühlen lassen bis es in einer Form in den Gefrierschrank wandern kann.
  • Nun die Walnüsse in einem Esslöffel Butter anrösten. Vom Herd nehmen und in der Pfanne noch einmal vier Esslöffel Xucker mit drei Esslöffeln Butter, Salz und Vanille karamellisieren lassen. Die Walnüsse in das Karamell rühren bis es eine schöne Mischung gibt und diese zum Aushärten kaltstellen.
  • Das Eis, in Ermangelung einer Eismaschine, regelmäßig durchrühren. Wenn es beginnt an den Rändern zu gefrieren, die karamellisierten Walnüsse etwas zerhacken und in die Eismasse rühren. Ein paar der Nusssplitter aufheben.

Das Eis braucht bei uns ca. drei Stunden bis es komplett gefroren ist.

Nun Servieren und mit ein paar karamellisierten Nusssplittern bestreuen.

Wenn möglich – mäßigen!

Guten Appetit!

 

Von großen und kleinen Pferdemädchen und dem lieben Sport

ReitsportIch habe es getan: Kaum raus aus der großen Stadt habe ich das Reiten wiederentdeckt.

In meiner Kindheit hatte er mich bereits fest im Griff – der Pferde-Virus und ich muss mich rückblickend bei meine Eltern bedanken für die starken Nerven mit denen sie diverse Pferde-Dramen durchgestanden haben.

Tauchte im Urlaub irgendwo ein Reiterhof am Wegesrand auf, war es schwer mich davon zu überzeugen, dass ich das Reiten auf den heimatlichen Reitstall verschieben soll.  Nein! Ich wollte an irgendwelchen Stränden entlang galoppieren und überhaupt war doch jedes Pferd mein bester Freund und hatte gerade zu mir eine ganz besondere Beziehung! Mit ungefähr 13 Jahren war dann aber erst einmal Schluss mit diesem Lebensinhalt.

Meine Freundinnen und ich verlagerten das Leben raus aus dem Reitstall und so verschwanden die Pferde erst einmal in der Erinnerung. Nur, irgendwann drängten sie sich wieder in den Vordergrund. Und plötzlich musste ich wieder an jeder Pferde-Weide am Wegesrand stehenbleiben und Hallo sagen.

Die logische Konsequenz war dann Reitunterricht. In der großen Stadt Berlin gestaltete sich das noch schwer, ohne Auto und ohne Zeit, und ich wollte nicht lange Fahrten in Kauf nehmen, um dann am Stadtrand auf  abgestumpften Groß-Pferden durch eine Reithalle zu zuckeln.

Also wartete ich ab und hier im Taunus fand sich dann die Lösung – ein Hof mit Islandpferden. Und nun geht es einmal die Woche aufs Pferd und ich stelle fest – es hat sich einiges verändert.

Statt die großen Tiere unbedarft mit der ganzen Tier-Liebe zu überfordern, zu der kleine Mädchen fähig sind, ist da jetzt ein großer Respekt vor den großen schönen Tieren, die einem auch jede Woche wieder zeigen, dass man noch eine Menge lernen muss. Aber jedes kleine Erfolgs-Erlebnis wird belohnt und allein der Umgang mit den Tieren sorgt für eine Entspannung und innere Ruhe, die man sonst schwer findet. Denn man ist gezwungen ganz im Moment und konzentriert auf das Tier zu sein. Der eigene Stress und die eigene Unruhe werden oftmals direkt gespiegelt durch ein genervtes Pferd. Und dann haben beide Seiten keinen Spaß.

Wenn man sich aber drauf einlässt und sich selbst zurück nimmt und sich einfach auf das Tier und das Reiten konzentriert, wird man mit einem echten Glücksgefühl belohnt.

Und so ist die Reitstunde nun fester Bestandteil des wöchentlichen Sportprogramms. Denn obwohl das Reiten auf manchen Ebenen über Sport hinausgeht, sollte man auch nicht unterschätzen, welche Vielzahl unbekannter Muskeln im Sattel aktiv wird.

Das ist der eine fixe Wochentermin, der andere Termin führt jede Woche einmal zum Krafttraining  ins Sportstudio. High Intensity Training – niemals wollte ich früher mit den Geräten eines Sportstudios in Berührung kommen.  Und dann auch noch mit Gewichten. Am Anfang hatte ich Angst, dass am Ende der Reise ein Ich in der Figur einer 80-er Jahre  Kugelstoßerin steht.  Weit gefehlt und völlig unbegründet.

Die Haltung ist deutlich besser, es sieht alles irgendwie besser aus und das allgemeine Wohlbefinden hat zugenommen.

Wenn man einmal anfängt, das Internet zum Thema Paleo zu durchforsten, fällt schnell auf, dass viele sich dieser Ernährungs- und Lebensweise über den Sport genähert haben. Wer also mehr Informationen zu der Wechselwirkung Ernährung und Trainingsleistung sucht, der wird mit Google glücklich.

Mein Ansatz war ein anderer, über das bewusster essen und leben wollen landete ich bei der steinzeitlichen Ernährung und der Sport kam dann in einem zweiten Schritt dazu.

Neben dem Reiten und dem Krafttraining  versuche ich noch zwei Pilates-Einheiten in der Woche unterzubringen. Diese kann man mit etwas Übung wunderbar zuhause absolvieren und ich finde es eine schöne Unterstützung des Krafttrainings, denn das Pilates zwingt einen zu sehr kontrollierten, gezielten Bewegungen, was einem mit einer verbesserten Körperbeherrschung bei allen anderen Sportarten zu Gute kommt.

Und wenn uns dann nicht das Leben durch die Republik treibt, werden die Wochenenden für Wanderungen im Taunus genutzt. Ich glaube, ich habe noch nie zuvor so viel Sport so mühelos in meinen Alltag integriert, was einfach auch daran liegt, dass ich mehr Energie habe und Prioritäten anders lege.

Es gibt da einfach ein Bewegungsbedürfnis, aber nicht aus dem Unwohlsein heraus, dass man schlechte Ernährung kompensieren möchte, sondern einfach, weil da ein angenehmer Energie-Überschuss und Freude an der Bewegung sind, die ausgelebt werden wollen.

Und der innere Schweinehund, der hält tatsächlich meist die Klappe, wo er mir früher halbe Tage lang Argumente ins Ohr gebrüllt hat, warum ich meinen Sport ausfallen lassen kann.

In Bewegung kommen!