Eine Perle aus dem Zettelkasten zum Wochenanfang und ein Lieblings Wintersalat: Feldsalat mit Apfel, Sellerie und Walnüssen

Genieanwärter und FeldsalatEine Perle aus dem Zettelkasten zum Wochenanfang und ein Lieblings Wintersalat: Feldsalat mit Apfel, Sellerie und Walnüssen.
Manche Dinge sezieren die Wahrheit auf so charmant gnadenlose Art, dass man sie am besten so stehen lässt. Sie sprechen zeitlos für sich und vieles.

Ratgeber für künstlerische Genieanwärter

Wenn Du in der gegenwärtigen Kulturszene möglichst rasch zu Publizität und Marktwert bringen willst, mußt du vor allem folgende drei Regeln beachten:

  1. Denke immer daran, daß wir in einer Mediengesellschaft leben. Ehe du dich also entscheidest, auf welchem gebiet der Kunst du als Genie fungieren willst, bedenke dein Outfit – und bedenke es gründlich! Du wirst es jahrelang und womöglich sogar bei Tag und Nacht tragen müssen. Es dient dir als Markenzeichen, und so etwas ist bei dem Überangebot an Originalität heutzutage absolut notwendig. Doch laß dich nicht entmutigen: Fast alles kann dazu dienen, z. B. Turnschuhe, die du immer, auch zum Smoking trägst, oder irgendein blödes Mützchen oder eine Unterwasserbrille oder auch einfach Kleidung in einer einzigen Farbe, alles – aber wirklich alles! – in Violett oder in Pink, ein Schnürleibchen, oder… Genug, du mußt es schon selber kreieren. Wenigstens das. Wichtig ist dabei allerdings in jedem Fall, daß dein Outfit irgendwie „garstig“ wirkt, um Himmels willen nicht gefällig! Durch diese Garstigkeit zeigst du, daß du eine ernstzunehmende Persönlichkeit bist, die alle bürgerlichen Konventionen verachtet und die das Elend der Welt kennt und selbst erleidet. Am bestem läßt du dich frierend vor umgestürzten Mülltonnen fotografieren oder eben im Gegenteil – provokativ – bei einem Festgelage mit goldenen Tellern voller Austern und Wildbret. Gelingt dir die Lösung des Outfit-Problems überdurchschnittlich gut, so kannst du die nächsten beiden Punkte weitgehend vernachlässigen, doch wirst du dich dann entschließen müssen, dich ab und zu öffentlich als Verrückter aufzuführen. Das ist sicherlich ein wenig mühsam, aber bedenke, daß dir als Lohn die Aufmerksamkeit der Medien zuteil wird.
  2. Du mußt einen gewissen Aufwand an kunst- oder kulturtheoretischer Absichtserklärung treiben. Merke: Wichtiger als das, was du machst, sind die Argumente, die du dafür lieferst. Denn nur über diese kann öffentlich diskutiert werden. Deine „statements“ sollen kurz und handlich sein, damit sie im Dreiminuten-Take einer kulturellen Funk- oder Fernsehsendung abgefragt werden können; dennoch müssen sie so beschaffen sein, daß sie den Horizont eines durchschnittlichen Bildungsbürgers ein klein wenig übersteigen. Je mehr er nämlich versteht, was du sagst, um so geringer wird er dich achten. Vermeide es also, dich allzu klar auszudrücken. Dein Vokabular soll deinen Zuhörer oder Gesprächspartner einschüchtern, ihm aber gleichzeitig Begriffe wie „progressiv“ oder „kritisch“ suggerieren. Das hört sich schwieriger an, als es ist – also verzage nicht. Fast jeder kann es, also wird es auch dir gelingen. Es gibt geeignete Literatur in Hülle und Fülle. Im Grunde genügt es, die Feuilletonseite einer großen Tageszeitung zwei, drei Wochen lang aufmerksam zu studieren, dann hast du alles zusammen, was du brauchst.
  3. Ganz ohne jedes „Werk“ geht es leider nicht, schon allein deshalb, weil ja irgend etwas von dir Geschaffenes auf dem Kunstmarkt Preise machen soll. Aber in diesem Punkt solltest du dir die geringsten Sorgen machen. Was zuvor gesagt wurde, gilt hier erst recht: Alles, aber auch wirklich alles, kann als Zeugnis deiner Kreativität dienen, angefangen von deinen alten zerrissenen Unterhosen, über deinen kaputten Kühlschrank, bis zu deinen abgeschnittenen Zehennägeln. Wichtig ist nur eines: Es muß in den zehn Sekunden, die dein Werk anfangs in den Fernsehsendungen zu sehen sein wird, auf irgendeine Weise „show“ machen, also den Charakter einer schrillen Schaufensterdekoration, eines Blickfangs haben. Werbung, die für sich selber wirbt! Sei dabei nicht zimperlich, Fragen des Geschmacks oder gar des Niveaus dürfen für dich als genialen Künstler keine Bedeutung haben.

Zugegeben, der allererste Anfang deiner Karriere erfordert eine gewisse Anstrengung. Du mußt es, wie auch immer, fertigbringen, daß du selbst oder dein Werk mindestens zehnmal von einem der Massenmedien beachtet wird – doch da die Medien ihrerseits auf alles aus sind, was „show“ macht, wird es dir sicherlich gelingen. Danach tritt eine Art von Selbstzeugungsprozeß ein: Du oder deine Werke werden gezeigt, weil du oder deine Werke gezeigt worden sind. Damit hast du’s im Grunde schon geschafft und kannst den Rest der Entwicklung getrost abwarten. Bald werden sich die ersten Käufer einstellen, denn es gibt ja genügend betuchte Leute, die ihren Lebenssinn darin sehen, „in“ zu sein. Das wiederum bedeutet, daß der Kunsthandel sich für dich interessieren wird. Von ihm beauftragt, werden kluge Leute Artikel, Essays und schließlich Monographien über dich verfassen. Und schließlich werden sich dadurch die Museumsdirektoren davon überzeugen lassen, daß du ein „wichtiger Vertreter der Gegenwartskunst“ bist. Jede staatliche Galerie wird nicht umhinkönnen, eines deiner Werke zu erwerben, die inzwischen zu Höchstpreisen international gehandelt werden. Du hast ausgesorgt.  (Michael Ende, Zettelkasten. Skizzen & Notizen)

Und während der erschreckend aktuell-gültige Eindruck verdaut wird, noch eine Lieblingsbeilage oder Vorspeise.

Feldsalat mit Apfel, Stangensellerie und Walnüssen

Feldsalat (hier für drei Personen eine Schale mit 250 Gramm)
1 großen festen, säuerlichen Apfel (Elstar, Boskop..)
3 Stangen Sellerie
100 Gramm grob gehackte Walnüsse
Kürbsikernöl
Rotweinessig
Olivenöl
Salz und Pfeffer

  • Die Walnüsse ohne Öl in einer Pfanne anrösten bis sie duften. Dabei darauf achten, dass sie nicht anbrennen, das geht dann plötzlich sehr schnell.
  • Den Feldsalat putzen und waschen und richtig trocknen, am besten in der Salatschleuder, und zur Seite stellen.
  • Die Selleriestangen waschen und in schmale Stücke schneiden (so etwa 0,5 Zentimeter oder weniger), den Apfel waschen und in Stücke schneiden.
  • In einer Salatschüssel das Dressing anrühren. Dafür Kürbiskernöl, Olivenöl und Essig im Verhältnis 3:2:2 (großzügige Esslöffel) verrühren. Etwas Salz und Pfeffer dazu und dann die Sellerie, den Apfel und die Walnüsse unterrühren.
  • Den Feldsalat erst kurz vor dem Servieren unterheben. Die Salatqualität, die man so bekommt, hat ja leider die Tendenz total weich zu werden im Dressing.

Guten Appetit!

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Herrlich unspektakulär und die vielen Rezepte der Buchmesse

Paleo lebenWandern, Lesen, Zeit haben. Herbstsonne genießen, Essen planen und durchatmen. An Menschen denken und ein Päckchen packen. Neue Träume auf ihre Realitätskompatibilität überprüfen. Versuchen, nicht so viel fotografieren zu wollen und mehr bewusst für die Erinnerung zu sehen… Eine kleine Rauszeit.
Denn am liebsten bin ich zwar daheim, aber die sonnigen Herbsttage ziehen einen noch weiter fort vom Schreibtisch mit dem Arbeitstelefon. Und das, was muss an Arbeit, kann bei dem veränderten Arbeitsmodell ja zum Glück einfach mal eingepackt und mitgenommen werden. Es geht tatsächlich und mein Kopf ist entspannt wie seit Jahren nicht. In den letzten Jahren hatte ich oft Probleme, schnell vom Alltags- in den Urlaubsmodus umzuschalten. Ein blödes Konzept, das einem da aufgedrängt wird. Rechtzeitig, also frühzeitig den Urlaub planen müssen und dann hoffen, dass alles gut wird. Zum ersten Mal ist es umgekehrt, sich Zeitfenster spontan nehmen, durchschlüpfen und sich überraschen lassen, da man gar nicht die Zeit hatte, sie mit Erwartungen zu überfrachten. Die Tendenz hatte ich durchaus. Mein Vorfreude-Konzept war oftmals ein stark ausgeprägter Wunsch nach Flucht aus dem Alltag. Ernüchternd war dann meist die Feststellung, dass die Rauszeit begrenzt und der wiedereinsetzende Alltag effektiv in der Zersetzung von Erholung war. Auch in arbeitsintensiven Zeiten versuche ich jetzt mir meine Momente zum Durchatmen zu nehmen und mir immer wieder bewusst zu machen, was ich möchte und was mir gut tut. Und manchmal heißt das nur, abends mal alle Telefone unbeachtet zu lassen, in der Mittagszeit einen kleinen Spaziergang zu machen oder eben schnell zu entschlüpfen, wenn es gerade geht. Sei es nur in den nächsten Wald oder für ein paar Tage in ein kleines Haus in einen ferner gelegenen Wald, mit anderem Licht und anderen Gerüchen und Raum für neue Gedankenimpulse.
Vor gut einem Jahr habe ich meinen Job in der großen Stadt Berlin in den Endspurt geschickt. Haben wir unsere Wohnung gekündigt, ohne genau zu wissen, ob es alles gut geht. Zwei Festanstellungen, die wir aufgegeben haben, eine grobe Vorstellung, wo wir hinwollen und eine intensive Gedankenwälzphase, wie man die eigenen Fähigkeiten in ein anderes Arbeitsmodell übertragen kann. Zugebenermaßen hatte ich oftmals unruhige Gedanken im Kopf rumpeln, ob das alles gut geht, ob ich mich nicht zu sehr an das Leben in der Stadt gewöhnt habe, ob wir genauso gut gemeinsam arbeiten wie leben können. Ob wir realistisch planen.
Ich habe Sicherheiten immer gemocht, aber das Leben beweist einem auch immer wieder, dass es wirkliche Sicherheiten nicht in der Form gibt, dass sie in Stein gemeißelt im Regal stehen und einfach bleiben, egal ob finanziell oder emotional, man muss immer auch selbst etwas dazu beitragen, dass es weiter geht, dass es gutgeht, dass sich immer ganz viel ändert und dass das gar nicht so verkehrt sein muss. Ich glaube diese Unsicherheiten auszuhalten und sich nicht an bestimmten Vorstellungen festzubeißen, ist die größte Sicherheit, die man sich selbst geben kann. Und wenn man sie sich nicht selbst gibt, sondern an bestimmten Zielen, seien sie materieller oder zwischenmenschlicher Natur, festmacht, dann wird man unweigerlich wieder in Unsicherheiten getrieben.
Das Umdenken ist anstrengend und ein andauernder Prozess, aber er befreit ungemein und macht viele Dinge plötzlich einfacher, denn man ist weniger getrieben und entwickelt eine neue Art der Bescheidenheit. Insofern bescheiden, dass man annimmt, was man erreicht hat und wertschätzt, was einem umgibt und nicht immer noch mehr oder anderes möchte, weil es einen vermeintlich eine neue Sicherheit bietet oder einen Schritt weiter in einem Plan bedeutet, der vielleicht gar nicht der eigene ist.
Das soll nicht abgehoben klingen, es ist nur eine Erkenntnis, die sich durchsetzt in meinen Kopf und in dem, wie ich mein Leben gestalte. Fixe Ideen, können zu Träumen werden, können Gestalt annehmen. Wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun. So abgedroschen es klingen mag: Von nichts kommt nicht.
Zwei Stunden Yoga bedeuten keine wahre spirituelle Erfahrung und ein teures, schönes Kleid machen mich nicht zu einem schöneren Menschen.
Aber wir werden darauf trainiert, allen Bereichen in unserem Leben mit einem Konsumentenverhalten gegenüber zu treten. Bei dem man nimmt und einfordert und konsumiert aber nicht selber investiert und gibt.
Der besondere Mensch fragte mich an unserem ersten Tag in dem kleinen Haus, was ich dem Tag bringen möchte. Nachdem ich den Satzbau erst einmal in Gedanken hin und her gewendet habe, das klang so seltsam, machte es Klick und machte Sinn und ich fand es richtig. Was der Tag uns bringen soll… Immer sollen die Dinge und Menschen und Momente uns etwas bringen – wir sind einfach eine Spezies mit der Tendenz zu ausgeprägtem Egoismus. Und wir schaffen es ja sogar noch das Geben in eine narzisstische Handlung zu verdrehen. Da macht das Umdrehen Sinn. Was bringe ich dem Tag, der Zeit, die ich habe? Das heißt nicht, dass ich nun die Pläne für eine Revolution entwerfe, aber es kann in der persönlichen Konsequenz ganz einfach und einschneidend in der Frage enden: Habe ich meine Zeit sinnvoll genutzt? Habe ich etwas zurückgegeben? Man vergräbt solche Gedanken oftmals tief und in einer narzisstisch geprägten Gesellschaft wie der unseren werden viele für sich die Frage positiv beantworten, aber werden im Endeffekt nur ihren Egoismus befriedigt haben. Denn das lernen wir ja, konsumieren und erfüllte Konsumwünsche mit etwas Erreichtem gleichsetzen. Dabei kann es etwas kleines sein, wie sich zu überlegen, wem man vielleicht einmal besser zuhören sollte, oder wo man nicht so genervt oder fordernd sein sollte.
Würden wir in Zeiten und in einer Gesellschaft leben, die uns aus Prinzip im Nachdenken fördern und uns mehr Raum und Zeit zum reinen Denken lassen würde, wäre diese Gesellschaft sicher eine andere.
Und was dann auch überflüssig wäre, wären diese Regalmeter an Ratgebern, die einem auf der Buchmesse an allen Ecken ansprangen. Egal welches der dort ausstellenden Länder, die Tendenz war deutlich: Die Menschen wollen Antworten und Rückversicherung, weil sie tief drinnen eben doch spüren, dass etwas nicht in der Balance ist.
Aber sie wollen es schnell, sie wollen die schnelle vegetarische Küche, die 15 Minuten Yoga täglich, sie wollen in drei Dates zum finanzstarken Versorger-Traummann, mit zwanzig Tricks zum Manipulationsgenie im Meeting, in zwei Wochen zur Traumfigur, in drei Schritten zur perfekten Gastgeberin, mit simplen Kniffen schöner Wohnen, auf hundert Seiten zu perfekten Eltern und einen funktionierend Paar und in drei Bänden glücklich und zufrieden werden.
Statt all dieser Bücher, die Ausgeburt der Marketingmaschinerie einer Industrie sind, sollte man vielleicht kleine mentale Kneifzangen verteilen, die einem laut ins Hirn brüllen, bis ein Aufwachen einsetzt. Denn der leise Stupser wird nichts bringen. Aber man kann sich auch ganz gut immer mal wieder selber kneifen und Entscheidungen und Motive prüfen und sich vor allem frei machen von all dem, was und wie wir sein sollen. Und dann braucht es nicht die große Bühne oder den vor sich her getragenen Erfolg. Nein, dann lässt es sich ganz zufrieden, herrlich unspektakulär, leben.
Das ist einen Versuch wert.

Buchmessen, unpopuläre Entscheidungen und Süßkartoffelgnocchi

Paleo GnocchiS. ist geschätzte vier Jahre alt und wir treffen ihn in der Warteschlange eines Bio Supermarktes. S. darf einen dieser kleinen Kindereinkaufswagen schieben, die es dort für gibt und er sieht ein bisschen aus, wie man sich Michel aus Lönneberga im städtischen Kontext vorstellt. Ganz entzückend in seinen Ringelstrick-Pulli. Aber um direkt bei dieser Lindgren-Figur zu bleiben, die ich irgendwie als Kind nicht so gerne mochte, ich habe dann noch festgestellt, dass die beiden ein gewisses enervierendes Element teilen. In diesem Fall war der kleine S. mit einer ins Schrille driftenden Stimme gesegnet und rannte zwischen den beiden Warteschlangen hin und her und Leuten in die Knie und wollte seinen kleinen Einkaufswagen nicht holen und…und seine Mutter, die so einen leicht verbissenen Zug hatte und sich erst einmal in eine wenig fruchtende Diskussion mit S. stürzte, dem das ziemlich egal war und der lieber eine Packung Bio-Spaghetti am Einkaufswagenrand in Stück schlug… Auch mal Nein sagen und deutliche Grenzen setzen (ohne Rohrstock und so Schreckgeschichten)? Macht man das noch, oder behindert das den individuellen Ausdruck des kostbaren Kindes? Ich gebe es zu, ich habe keine Ahnung und darf zu dem Thema eh nichts sagen, ohne Kind. Mit Katze. Und Ich will jetzt nicht unnötig Klischees bedienen oder Gräben aufreißen, aber es gibt Mütter, die sind echt nicht ganz einfach zu ertragen in ihrer Rolle als Mutter. Und da darf man schon mal den Mund aufmachen. Die tun das ja auch, bzw. leben sich aus und was das mit der Umwelt macht, ist erst einmal egal. Man kann da bei manchen Müttern eine gewisse Anspruchshaltung an ihre Umwelt feststellen, die ich nicht immer ok finde und die sich auch nicht dadurch rechtfertigen lässt, dass sie im Gegenzug mit kinderfeindlichen Idioten klarkommen müssen. Die gibt es, die Kinder am liebsten unsichtbar und unhörbar haben wollen, das ist schlimm, aber es gibt eben auch diese wandelnden Bildungsklischees, die sich auf dem Ergebnis ihres Zeugungsaktes ausruhen, in dem Sinne, damit allen auf die Nerven zu gehen. Dafür können die Kinder nichts. Die sind meist zuckersüß, weil auch noch nett angezogen und mit einem  ordentlichen Grundvokabular ausgestattet.  Es sind diese speziellen Mütter (die oftmals auch wenig Verständnis für Kinderlosigkeit aufbringen, was man alles verpasst Erfüllung. …Und Bla…). In diesem Fall, ganz dreist ins Blaue geraten, würde ich schätzen, war die Mutter Anfang Vierzig, akademischer Hintergrund, das erste Kind. Eine akademische Spätgebärende also, zu denen ich ja auch zählen würde, wenn mich noch die großen Mutterglückswünsche packen würden, was ich irgendwie nicht denke. Und Menschen, die wissen wie alt ich bin, werden sich da so ihren Teil denken, dass es ja nun langsam mal Zeit wird. Da wir erst im letzten Jahr geheiratet haben, gebe ich uns noch etwas Schonfrist bevor es spannend wird zu sehen, welche Bemerkungen und Reaktionen an uns heran getragen werden. Denn es geht ja schon los und es geht mir auf die Nerven. Dass es den Menschen auch so gar nicht einzufallen scheint, dass man glücklich ist, so wie es ist. Und was ist mit den Menschen, die gerne Kinder möchten, aber es aus vielfältigsten Gründen nicht können? Denen wird dann jedes Mal wieder ein kleiner Schmerz aufgedrängt. Es ist ein wahnsinnig persönliches Thema, dass die Menschen trotzdem oftmals alle Grenzen der Privatsphäre übertreten lässt. Vielleicht liegt es daran, dass Kinderkriegen vom Prinzip her machbar und nicht kompliziert ist, dafür braucht es keine besondere Ausbildung und weil  theoretisch jeder dazu beitragen kann, hat auch jeder was dazu zu sagen. Ich mag Kinder wirklich. Nur halt nicht für mich und die nächsten 18 Jahre. Und nicht in dieser Welt mit ihren Problemen. Nicht weil ich irgendeinem Egoismus frönen will, sondern weil es nicht passt für mich, für uns. Und weil es eben nicht sein muss. Weil wir das große Glück der Wahl haben und das für mich selbstbestimmtes Leben ist, solche Entscheidungen zu treffen.

Zurück gebracht auf dieses Thema hat mich aber eigentlich nicht der kleine S., dem ich viele Pfützen für seine gelben Gummistiefel wünsche und weniger Anstehen-müssen im Supermarkt.
Ein Besuch auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt hat das Thema in den Vordergrund gerückt.  Lustigerweise, oder besser wunderbarerweise, sind wir uns so klar über unsere Lebensweise, dass das Thema tatsächlich immer nur von außen an den Tisch findet.

Wie ein kurzer Blick in die Regale der Buchmesse gezeigt hat, wird der Markt an Ratgebern für Eltern wohl nie versiegen. Eine wahre Schwemme. Und je nach Zielgruppe entsprechend gestaltet in Tonfall und Ästhetik. Das geht von viel Hochglanzbild und beruhigender Weichspül-Rhetorik bis hin zu denen, die den Eltern mit mehr Text und weniger Bild das sagen, was sie wohl seit der eigenen Kindheit vergessen haben, wie sehr sich die Kinder selber fördern können, wenn man sie in eine gesunde Umgebung setzt. Waldstunden statt der zweiten oder dritten frühkindlichen Förderungsbeschäftigung.

Letztere Ratgeber sind mir lieber, aber traurig ist es auch, dass sich in den Fragestellungen und Ratgebern manifestiert, wie sehr wir durch den Verlust eines sicheren Kontakts zu uns selbst auch eine Unsicherheit auf Kinder übertragen.

Mit so vielen Ratgeberbildern im Kopf habe ich dann auch ein Buch für Menschen wie mich entdeckt. Es heißt: „Ich will kein Kind. 13 Geschichten über eine unpopuläre Entscheidung.“  von Sonja Siegert und Anja Uhling.  Das ist bereits bestellt und ich bin gespannt, denn nicht nur Frauen ohne Kinderwunsch, sondern auch Männer die ebenso denken , schwul und heterosexuell, kommen darin zu Wort.

Wichtige Stimmen in einem oft sehr einseitig geführten Dialog.

Und da fühlt es sich schon ganz gut an zu sehen, dass man nicht alleine ist mit dieser Einstellung und auch kein egoistischerer Mensch als die Kinderkriegenden. Und zum Thema egoistische Eltern könnte man sicher noch etwas sagen, aber lieber sollen sich alle an einen  Tisch setzen, gerne auch mit Kindern. Für die gibt es auch tolle kindertaugliche Paleorezepte.  Und für die Großen gibt es Süßkartoffelgnocchi. Mit Bratwurst, den wir haben gerade so viele da und die sind so gut!

Süßkartoffelgnocchi mit Bratwurst, Zwiebeln und Birne

2 mittlere Süßkartoffeln
1 Ei, verquirlt
Ca. 80 Gramm Pfeilwurzelstärke
Ca. 4 Esslöffel Kokosmehl
Salz
Pfeffer
Curry
3 Bratwürste
2 kleine Zwiebeln
2 KleineBirnen
Butter

  • Die Süßkartoffeln schälen und in Stücke schneiden. In Wasser kochen bis sie richtig weich sind.
  • Die Kartoffeln abkühlen lassen und dann mit dem verquirlten Ei, der Pfeilwuzelstärke, dem Salz und dem Pfeffer schön verquirlen bis alle Klümpchen beseitig sind. Nun nach Geschmack einen kleinen halben Teelöffel Curry dazu geben.
  • Das Kokosmehl nach und nach unterrühren, bis der Teig eine gute klebrige Konsistenz hat und sich zu kleinen Rollen formen lässt.
  • Ein Backblech mit Papier auslegen und die Rollen in ca. 1 cm große Stücke schneiden, diese auf dem Blech verteilen und mit der Gabel flach drücken.
  • Das Blech für ca. 15 Minuten bei 200 Grad in den Ofen, bis die Konsistenz schön fest ist, etwas wie Gummi. Ein Blech hat für drei Mahlzeiten für Zwei gereicht.
  • Die Zwiebel und die Birnen würfeln, die Bratwürste in Scheiben schneiden und alles schön in Butter anbraten. Salzen und Pfeffern und für die letzten paar Minuten die Gnocchi mit braten.

Guten Appetit!