Randerscheinungen, die den Appetit dämpfen, aber dennoch eine Beilage: Süßkartoffeln duchesse mit Speck

Süßkartoffel DuchesseMausetot. Eher fuchstot, denn es war ein wirklich schöner Fuchs, der einem da tot vom Straßenrand zu wedelte. Ziemlich makaber, der kleine Gruß mit dem buschigen Schwanz, verursacht durch die unaufhörlich vorbeiziehenden Autos. Auf beiden Seiten der Landstraße wunderschöner Wald – Fuchsgebiet sicherlich. Solche Anblicke machen mich traurig und begleiten mich dann immer noch ein Stück weit. Genauso wie Viehtransporter, die man immer mal wieder auf der Autobahn sieht. Arme Schweine. Wenn die sich da so an die Gitter pressen. Und von wegen lustiges Ringelschwänzchen – die haben sie sich im Stress längst gegenseitig abgekaut. Nicht vorzustellen, wie die armen Viecher die Fahrt, die Geräusche und den Gestank ertragen.

Schweine sind hochintelligente Tiere. Man weiß mittlerweile, dass sie sogar mehr Kommandos lernen können als Hunde und ja, auch wenn es irritierend klingen mag, ihre kognitiven Leistungen sind mit denen eines dreijährigen Kindes vergleichbar. Sie haben ein Ich-Bewusstsein.
Zudem sind sie für uns Fleischlieferant und Leder und Borsten kann man auch verwenden.

Und Schweine sind köstlich. Wenn sie richtig aufwachsen dürfen und ohne den Stress und die Entwürdigung der Schlachtbetriebe einen respektvolleren (Schlachtungs-)Tod erleiden.

Für mich stehen die Würdigung des Tieres und sein Verzehr in keinem Gegensatz. Ich finde es wichtig, mir darüber Gedanken zu machen, was da überhaupt auf meinem Teller landet. Und nicht nur meiner Gesundheit wegen, sondern auch aus Respekt den Tieren gegenüber finde ich sollte es eine Verantwortung dafür geben, sich eben Gedanken über die Aufzucht und das Sterben der Tiere zu machen, die man isst.  Wir sind mittlerweile so entfremdet von all diesen Dingen. Nahrungsmittel sind Konsumgüter, aber wir haben keinen direkten Bezug mehr zu den Herstellungsprozessen. Gerade bei den verarbeiteten Lebensmitteln ist es nicht mehr nachvollziehbar für den Laien, wie etwa aus dem saftigen Gemüse auf dem hübschen Foto das salzige Granulat werden konnte, das viele sich dann als Suppenbasis in den Topf schütten. Als ein willkürliches Beispiel. Oder die Tiefkühlgerichte, die einem das Fleisch in fertiger Panade und mit Füllung in die Pfanne bringen – was steckt dahinter und was ist da alles drin?

Immer wieder wird dann geheult, wenn der nächste Skandal aufgedeckt wird. Klar, niemand der Calamari gekauft hat, will Schweinedarm serviert bekommen.

Aber das überrascht doch bitte nicht wirklich noch jemanden, bei den Preisen, die wir uns immer noch leisten? Neulich meinte jemand beim gemeinsamen Abendessen, ein  sattes Volk bleibt ruhig, also warum sollte jemand Interesse haben an den Preisen etwas ändern? So deprimierend es ist, ich stimme dem zu. Wir sind gut erzogen von der Wirtschaft und die Politik packt zwischendurch den beschwichtigenden Staubwedel aus und räumt ein bisschen auf. Wie die Ergebnisse zeigen wohl eher halbherzig und pro forma, denn wieso sonst käme immer wieder ein neue Gruselgeschichte aus der Lebensmittelindustrie ans Licht. Mit viel Glück verlagert sich der Fokus dann eh wieder auf große globale Feindbilder wie Monsanto und dann erscheinen die Schweinereinen im eigenen Land ja verhältnismäßig harmlos.

Aber was da immer wieder zutage tritt (ich erinnere mich auch noch an Fleischskandale aus den 80ern, was wohl daran liegt, dass ich da anfangen konnte zu lesen), sind ja nie Einzelfälle. Immer und immer wieder wiederholt sich das Spektakel. Wer es sich leisten kann, entzieht sich dieser Gefahrenquelle und vertraut diversen Biosiegeln. Die, die es sich nicht leisten können, haben das Nachsehen oder sehen sich einem Mehr an Aufwand gegenüber um sich vor solchen  Ekligkeiten zu schützen.

In all diesen Skandalen zeigen Politik und Wirtschaft doch aber auch, wo sie den Verbraucher sehen, der als Zielgruppe für diese Nahrungsmittel identifiziert wurde.  Diese Verbraucher sind dann aber alle vier Jahre auch Publikum wahlkämpferischer Heilsversprechen. OK, nicht in so großem Stil, aber da zählt die Stimme der großen betäubten Mehrheit dann.

Das ist ein Gesamtbild, das mich in seinen zynischen Nuancen mitunter fast krank macht. Und ja, die Informationen zu diesen Themen und auch viele Lösungsansätze sind da draußen, aber den Menschen wird die Zeit und die Muße genommen, wirklich radikal umzudenken. Denn wer darauf angewiesen ist, dass der Dreck in den Regalen und Tiefkühltruhen weiterhin im Niedrigpreissegment verfügbar ist, der wird hart genug zu kämpfen zu haben, um über die Runden zu kommen. Da bleibt wenig Raum für anderes und das Andere, das dann erstmal bedient wird, sind die anderen Konsumgüter, die wir so brauchen – für das Dazugehören und für das gute Gefühl. Und das sind ganz oft die Gadgets der Unterhaltungselektronik, die den Kopf noch weiter lähmen, oder das neue Auto, das einen noch schneller am Fuchs vorbei oder auch mal drüber fährt. Also bleiben die zu ruhig, die Zugang zu den Informationen haben und für sich andere Wege suchen und sich über das Mehr an Geld entziehen und die tatsächlich Leidtragenden werden in einer Mühle gefangen gehalten, die noch zu gut läuft, als dass sich etwas ändern würde. Und dann immer der Einwand: Was ist den die Lösung? Sag doch mal…  Mit den Leuten rede ich nicht. Wer Patentlösungen präsentiert, ist mir suspekt. So geht das nicht. Es geht hier um gesellschaftliche Missstände, die nur aus ebendieser Gesellschaft heraus gelöst werden können. Aber die ist längst so segmentiert und mit ihren jeweiligen Problemen und (oftmals industriegefertigten) Lösungen beschäftigt, dass es wohl erst mal schön so weitergehen kann.

Ich sehe zu schwarz? Jeder ist frei sich ein paar solidarische Tintenfischringe warm zu machen. Uns geht es ja eigentlich auch richtig gut hier.

Wenn der Kopf dann nicht mehr pocht, muss man irgendwann wieder essen. Aber dann kann man selber kochen und entscheiden und wissen, was man da vor sich auf dem Teller hat.

Süßkartoffel duchesse mit Speck
Ja, ja, das heißt eigentlich Pomme duchesse aber hier ist die Herzogin nun einmal eine Süßkartoffel

1 große Süßkartoffel (diese war ca. 500 Gramm schwer)
1 großes Ei, gequirlt
100 Gramm Speck in Würfeln (der Speck war aus (ein Graus) und ich habe Mettenden genommen – super!)
1 Tasse Frühlingszwiebeln in Ringen
3-5 Esslöffel Kokosmehl
1 Teelöffel Natron
Salz
Pfeffer

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffel mit einer Gabel rundherum einstechen und dann im Ofen für ca. eine Stunde rösten, bis Haut schrumpelt und  sie auf Fingerdruck nachgibt.
  • Nun die Süßkartoffel pellen, pürieren und etwas abkühlen lassen. Nach und nach das Kokosmehl, das Ei und das Natron mit der Süßkartoffel vermengen. Nur so viel Kokosmehl zugeben, dass die Masse fest ist und sich mit dem Löffel formen lässt ohne zu verlaufen. Es soll nicht zu trocken werden.
  • Die Speckwürfel in der Pfanne auslassen und mit dem Bratenfett zur Süßkartoffel geben.
  • Die Frühlingszwiebeln unterheben und nun alles gründlich pfeffern und salzen (hier vorher testen wie salzig der Speck ist), die Süßkartoffel macht ihren Namen alle Ehre und die Süße verträgt etwas Schärfe.
  • Nun die Masse mit zwei Löffeln in Häufchen auf ein Backblech mit Backpapier setzen. Wer es richtig duchesse haben will, nimmt einen Spritzbeutel.  Bei mir waren es 9 Stück.
  • Das Backblech auf der mittleren Schiene für gute 30 Minuten in den Ofen geben. Die Oberfläche soll nicht zu dunkel bräunen, aber eine leicht weiche Kruste bilden.

Tipp: Ich werde die Süßkartoffeln demnächst so in ein Adventsessen einbinden, als Ersatz für klassische Kroketten.  Dazu dann Rouladen oder Schweinebraten und ein Rotkohlsalat… Wenn etwas übrig bleibt, kann man die Reste wunderbar mit etwas Schmalz in der Pfanne anbraten!

Guten Appetit!

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Der Elefant und das Mädchen – etwas von Peta und eine Geschichte

ElefantenGanz unbedarft klickte ich heute morgen auf einen Link, den mir eine befreundeter Mensch ohne Kommentar hatte zukommen lassen. Im Kampf gegen letzte Schlafwolken im Kopf setzte schnell Ernüchterung ein und er war da der Klops im Hals. Nun bin ich kein so überzeugter Fan von Peta. Klar, sie haben einen guten Weg gefunden über prominente Gesichter eine Öffentlichkeit zu erreichen, aber Kampagnen wie etwa die Vegetarier-Motive sind mir zu flach, zu kurz gedacht. Aber das ist momentan eh mein Problem mit dem Vegetarier-Hype. Der Fleisch-Verzichter als Vorbild…. Nein, auch ich möchte ein artgerechte Tierhaltung, aber ich möchte eben auch, dass moralisch vertretbare Maßstäbe in der Landwirtschaft angesetzt werden. Und diese Diskussion wird bei diesen öffentlichkeitswirksamen Promi-Kampagnen eben nicht geführt. Und ich finde auch, dass da so manch einer mal viel zu schnell sein Gesicht in die Kamera hält, ist ja ein schöner Kontext, ohne soweit zu gehen, auch die eigene Lebensweise einmal konsequent zu durchdenken.
Aber das Vegetarier-Erlöser-Gehabe ist eine Diskussion für sich. Der Peta-Link um den es mir geht, gehört zu einer Kampagne gegen Wildtiere im Showgeschäft.  Aufhänger ist der zwanzigste Todestag eines Zirkuselefanten, der in den 90ern in Hawaii während der Vorstellung seinen Trainer angriff und aus dem Zirkus floh, um dann auf der Straße erschossen zu werden. Ein eindringliche Form der Dokumentation, die andere Zirkustiere als quasi Zeugen befragt und den Zuschauer schwer schlucken lässt.  Ich bin immer wieder erstaunt zu welchen grausamen Höchstleistungen es Menschen immer wieder bringen, sich selbst, der Umwelt und den Tieren gegenüber. Manchmal vergisst man, dass Respekt leider nicht die selbstverständliche Grundlage für menschliches Handeln ist. Wie anders würde unsere Welt aussehen. Und da ich realistisch bin, bleibt nur immer wieder sich selbst zu ermahnen, dass man es selber anders machen kann.
Aber heute ging es mir um das Video und um die Elefantin Tyke. Denn warum mich das Video so sehr berührt hat, liegt auch in meiner persönlichen Geschichte. Und ich habe das große Glück, dass mein Vater mir diese Episode als Geschichte geschenkt hat, so werde ich sie nicht vergessen. Und heute möchte ich diese Geschichte gerne erzählen und bediene mich der Worte meines Vaters.

Der Elefant und das Mädchen

Als sie vom Campingplatz durch den Pinienwald zum Strand gehen wollten, hörte M. Musik. Natürlich mussten alle, Vater, Mutter, Bruder, mit ihr in diese Richtung gehen. Es sollte der erste Badetag am großen Meer, am Atlantik sein. Am Abend zuvor war die Familie angekommen, nach langer Fahrt, mit dünnen Nerven und viel Gepäck. Als dann die Zelte aufgebaut waren – die Eltern hatten das größte Zelt, der Bruder ein kleines und M. ihre Hundehütte, wie die Familie dieses Zelt nannte – waren alle froh und geschafft in ihre Stühle gesunken.
Die Musik kam von gegenüber, von der anderen Seite des Strandweges. Ein altes klappriges Kinderkarussell, ein dicker Mann mit einem Affen, eine Frau mit einem Kind auf dem Arm und ein alter Lastwagen, das wars schon.
Vor dem Lastwagen lag Heu, ein Wassereimer lag umgefallen daneben und in einem Korb sah M. gammelige Äpfel und verschrumpelte Möhren. Aber erst einmal wollte sie nun einige Fahrten mit dem Karussell machen. Ihr Bruder war zwar nicht davon angetan, denn er wollte zum Strand und die Eltern eigentlich auch. Papa ließ sich erweichen, Mama stimmte zu und während M. ihre Runden drehte, schaute der Vater sich um, wo er denn wohl eine Zeitung kaufen könnte.
Endlich war die Familie so weit – endlich zum Strand! Doch plötzlich wackelte der Lastwagen! Alle blieben stehen. In dem Wagen war ein Tier. Der Mann mit dem Affen ließ eine Seitenwand herunter und da stand er, groß, mit schrumpeliger, rissiger Haut, mit großen hängenden Ohren, von denen eines verletzt war. Fliegen saßen auf der Wunde. Und an einem der großen, runden Füße hatte die Kette die Haut abgescheuert. Welch ein erbärmlicher Anblick! Was war aus dem stolzen und starken Elefanten geworden? Seine Stoßzähne waren kurze Stummel und die Augen, ja, die Augen, sie gingen M. ins Herz. Der Blick dieser Augen! „Schau, Papa, wie traurig der uns anschaut!“ Der Vater konnte gar nicht richtig antworten. Alle Familienmitglieder waren entsetzt. Am schlimmsten aber war es dem Elefanten in die Augen zu sehen. Das tat richtig weh. M. konnte auf dem Weg zum Strand nur noch an den Elefanten denken. Auch als sie an die letzte Düne kam, hinter der das große Meer zu sehen war, dachte sie an den traurigen Elefanten. Sie stellte den Eltern ständig Fragen: „Warum ist der Elefant allein? Hat er keine Freunde? Ist der Mann böse? Schlägt er den Elefanten? Können wir dem Elefanten nicht frisches Wasser und richtige, gute Äpfel bringen?“
Je näher sie alle auf dem Rückweg dem Elefantenauto kamen, umso bedrückter wurden die Eltern, M. und auch der Bruder. Aber das Mädchen hatte unterwegs eine tolle Idee gehabt. Sie erinnerte sich an den Kinderzauberer, an den ja nur die Kinder glauben können. Und nur, wenn Kinder ihn rufen, antwortet er. Und er antwortet so, dass er meistens gleich etwas tut. Er redet erst gar nicht. Aber wenn er redet, kann seine Sprache nur von Kinderohren gehört werden.
Kurz vor dem kleinen Platz mit dem Elefanten blieb M. zurück und drehte sich in die Richtung, in der sie den Kinderzauberer vermutete. Er würde sie schon hören. Als sie sich neulich über ihren Vater beschwert hatte, weil der so mit dem Bruder gemeckert hatte, da hatte sich unmittelbar danach der Vater den Inhalt der Kaffeetasse über die Hose gegossen. Nur M. wusste damals, dass da der Kinderzauberer dahinter steckte. „Bitte, lieber Kinderzauberer, hilf mir, Dass ich dem Elefanten helfen kann.“ Sie hörte genau in die Richtung und tatsächlich: Durch alle Geräusche glaubte sie seine Antwort zu hören. „M. nun komm endlich!“ rief die Mutter, „was bleibst Du denn da hinten stehen. Wir möchten zum Duschen auf den Campingplatz und dann fahren wir noch raus.“ „Ja ja, ich komme schon.“ Langsam ging sie am Gitter vorbei und tatsächlich: Der Elefant, der eben noch mit dem Rücken fast die Autoplane berührt hatte, wurde kleiner und kleiner. Niemand außer ihr schien das zu bemerken. Sie ging näher an das Gitter: Tatsächlich! Er hatte die Größe ihres Stoffelefanten. Blitzschnell griff sie durch das Gitter und nahm ihn heraus. Er war gar nicht schwer, aber es war der Elefant aus dem Wagen. Seine winzige Stelle am Ohr und die kleine Schramme am Bein konnte sie gerade noch sehen.
„Hattest Du Kasperina (so hieß ihr Stoff-Elefant zuhause) mit am Strand?“ fragte der Vater, „ich habe sie gar nicht bemerkt.“ M. antwortete nicht direkt. Sie sagte nur:“ Ich habe den Elefanten, weil ich mich um ihn kümmern muss.“ Die anderen konnten ja nicht sehen, was sie sehen konnte. Als die Eltern und der Bruder schon zum Duschen waren – M. hatte gesagt, sie könne ja auch später noch duschen – kümmerte sie sich erst einmal um den Elefanten. Vorsichtig tupfte sie das kranke Ohr mit Sonnenschutzcreme und auch die Schramme am Bein behandelte sie damit.
Die Familie wunderte sich sehr, dass M. nicht aus dem Zelt kam und statt dessen im Zelt leise murmelte und redete. Keiner konnte sie verstehen, aber es hatte den Anschein, als spiele sie dort mit ihren Puppen. Noch mehr verwundert war die Familie, dass M., statt Eis zu kaufen für ihr Taschengeld, Möhren und Äpfel kaufte und dass sie sich ständig Sonnenöl auslieh, mit dem sie ins Zelt ging, wo sie die rissige Haut des Elefanten behandelte. Allmählich wurde der Elefant gesund. Aber nun war die Frage: Was mit ihm tun? Zurück durfte er auf keinen Fall. Nicht wieder in diesen dunklen Autokäfig. Wohin dann? Wieder ging M. zum Kinderzauberer und der wusste auch wieder eine Antwort. Nur die Erwachsenen hatten davon keine Ahnung.
Die Ferien gingen zu Ende und die Familie packte die ganze Zeltausrüstung zusammen. Eng wurde es im Wagen. Dennoch fand der Elefant zwischen den Füssen von M. Platz. So konnte sie ihn während der Fahrt drücken und auch mal streicheln und ihm ab und zu etwas zu fressen geben.
Mitten im Land übernachteten alle in einem Hotel. Auf dem alten Marktplatz vor dem Hotel konnte man unter großen Platanen zu Abend essen. Es war eine wunderschöne Stimmung und sehr ruhig beim Essen. Die Zweige der Platanen leuchteten in verschiedenen Farben, weil Glühlampen-Girlanden in ihnen befestigt waren.
Auf einmal war Musik zu hören. Diese Musik kam immer näher und dann marschierten Zirkusmenschen und Tiere über den Platz. Sie kündigten an, dass die abendliche Zirkusvorstellung bald beginnen würde. M. wurde ganz unruhig. Unbemerkt von den anderen holte sie ihren kleinen Elefanten aus der Tasche, die über ihre Stuhllehne hing. Dann stand sie ruhig auf und ging auf die Zirkusmenschen und Tiere zu. Sie wartete bis die Tiere kamen, darunter auch zwei riesengroße Elefanten. Schnell setzte sie ihren kleinen Elefanten auf den Boden. Und was geschah? Er bewegte sich und wurde größer und größer. Jetzt sah er schon aus wie ein richtiges Elefantenkind im Vergleich zu den Zirkuselefanten. Und er wuchs noch weiter. M. musste schon zu ihm aufschauen. Während er größer wurde, wurde M. glücklich und traurig zugleich.
Glücklich, weil sie ihm so sehr wünschte in die Gemeinschaft der Zirkuselefanten zu kommen und dort einen Platz zu finden und traurig, weil sie sich nun von ihm verabschieden musste. Mit Freude sah sie, dass die Verletzung am Ohr ausgeheilt war und dass auch die Kettenschramme am Bein verschwunden war.
Nun war der Augenblick des Abschieds gekommen. Der Elefant wollte schon zu den beiden anderen Elefanten gehen, als er innehielt und auf M. zuging. Langsam und bedächtig, mit einem freundlichen Blick, senkte und hob er den Kopf. „Danke“ hieß das. M. blickte zurück. Sagen konnte sie nichts, aber sie wusste: Der Elefant hatte verstanden. So ist das, wenn Freunde sich verabschieden.