Mehr geht vielleicht nicht, anders und ein Anisplätzchen

Paleo Anis PlätzchenLernen, lernen, lernen….. das Thema für die nächsten zwölf Monate steht fest, die Anmeldung liegt ausgefüllt vor mir und dann heißt es bald jeden Samstag acht Stunden lernen für den Jagdschein. Eine gewisse Faszination hat das Jagen schon immer auf mich ausgeübt,  in den fast zwei Jahren, die wir jetzt schon mit der Paleo-Ernährung leben, wurden die Gedanken rund um den Jagdschein immer konkreter und auch der Wegzug aus der großen Stadt war beeinflusst von dem Gedanken, andere Möglichkeiten zu nutzen. Klar, einen Jagdschein kann man überall machen, aber mit dem Wald vor der Tür und einer großen Jägergemeinschaft im ländlichen Umfeld ist es einfach nochmal etwas anderes.

Und nach vielem Reden und sich einlesen war der Infotag im örtlichen Jagdclub die Gelegenheit, mal zu schauen, wie nah Vorstellung und Wirklichkeit beieinander liegen. Weder der besondere Mensch noch ich können auf familiäre Anknüpfungspunkte zur Jagd zurückgreifen, wir stolpern da einfach ähnlich unbedarft rein wie von der Stadt aufs Dorf – eine Einstellung, die sich bisher als recht reibungslos erwiesen hat. Es ist immer wieder spannend, durch neue Hobbies oder Tätigkeiten treffen wir hier Menschen, denen wir so sonst nicht begegnet wären. Recht vielfältig ist sie, die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet, da die nächste Großstadt nie so wirklich weit weg ist, ist man hier gefühlt gar nicht so sehr auf dem Lande wie vielleicht anderswo, wo dem städtischen Bewohner ein nostalgischer Hauch um die Nase weht und neben den Wochenendhaus-Phantasien auch die leise Angst mitschwingt, ob es nicht furchtbar miefig und rückständig ist, das Leben auf dem Dorf. Nein, ich bin einfach nur positiv überrascht, natürlich gibt es hier eine gewachsene dörfliche Struktur und einen harten Kern alteingesessener Familien, aber die Geschichte des Dorfes profitiert auch von den Zugezogenen, die sich rund um den Dorfkern ausgebreitet haben.
Meist zieht es mich raus aus dem Dorf, in die Felder und in den Wald, aber wenn ich dann im Sonnenschein durch den Ort zur Post laufe, nimmt mich die Stimmung doch immer wieder gefangen, ich habe das Gefühl in einer Sonnenstaub-warmen Erinnerungsblase zu wohnen, sobald ich aus dem Hof trete. Ruhig ist es, entspannt und wer sich auf der Straße trifft und kennt, nimmt sich Zeit und wer sich nicht kennt, nimmt sich zumindest wahr und grüßt freundlich. Und arbeitsam ist man, das ganze Jahr über sieht man die Menschen am Haus, im Garten, in den Feldern, beim Holz, auf dem Dach…. es gibt was zu tun und  es wird getan. Das fühlt sich irgendwie gut an. Und nach der ersten Eingewöhnung habe ich festgestellt, mir macht das Spaß, das umtriebig sein. In der großen Stadt habe ich mich lange immer nach freier Zeit gesehnt, ohne eine konkrete Vorstellung zu haben, wie ich diese dann füllen möchte. Meist war das Ergebnis kurzweiliger Natur, so langsam hat sich aber der Kopf vom vielen Ballast befreit und ich  fange an, Pläne anders zu schmieden.
Es ist immer noch zu viel, was ich gerne täte, aber statt tausend Dinge anzureißen, möchte ich gerne ein paar Dinge richtig machen und können. Für mich. Um weiter zu kommen. Mit mir und dadurch auch mit anderen. Und ich möchte gerne mehr praktische Dinge machen, ich verbringe den Großteil meines Tages vor dem Rechner und werde für Kopfleistungen bezahlt – im Endeffekt ist mir das aber zu wenig. Und auch wenn ich selber in dem Bereich arbeite – die Kommunikations- und Beratungsbranche ist mir oftmals suspekt. Zuviel Geschwurbel und ein sich selbst und seine Arbeit zu wichtig nehmen, künstlich konstruierte Sprachmonstereien, die exklusiv wirken und oftmals der Fähigkeit des verständlichen Erklärens zu wenig Wert beimessen. Nein, wer drin ist konzentriert sich auf die low hanging Fruits, sucht den quick Return, hat die Benefits immer im Blick und lean sollte der Ansatz auf jeden Fall sein – immer im Dialog, immer innovativ – die Trends im Blick. Es schüttelt mich.  Da hat sich ein ganzer Arbeitsbereich selbst geschaffen und bläst sich immer weiter auf. Am Ende des Tages sind das tatsächlich die Stellen, die wir vielleicht am wenigsten brauchen. Die Denkerstübchen, die da in intellektuellen Wattewölkchensphären schweben und die Bodenhaftung verloren haben.  Vielleicht bin  ich zu wenig objektiv, aber mir sind einfach zu viele Beispiele untergekommen, in denen die Selbstbeweihräucherung einfach unverhältnismäßig war. Nicht nur, aber oftmals. Warum dann weiter arbeiten in einem solchen Feld? Weil wir es gut können und weil man immer die Chance hat, es anders zu machen. Und es funktioniert und wir merken ganz stark, dass wir einen bestimmten Schlag Menschen als Kunden und Partner anziehen. Allen gemein ist Professionalität, Substanz und die herrlich realistische Einschätzung der eigenen Bedeutung – keine Schaumschläger. Die sollen auch bitte woanders hin gehen.
Aber ich schweife ab, oder nein, es ist eine Erklärung – durch die Arbeit bewegen wir uns in einem fest gesetzten Kontext, der Kreis wird dann erweitert durch Freunde und Bekannte, die man an anderen Schnittstellen wie Uni, Ausbildung oder Hobby kennengelernt hat. Meist ohne große Überraschung. Wenn ich in Neukölln zum Yoga gegangen bin oder in Kreuzberg zum Pilates, konnte ich davon ausgehen dort einem bestimmten Schlag Menschen zu begegnen. Natürlich, wir suchen uns Orte, an denen wir uns wohl fühlen. Auch im Neuen wird irgendwie nach dem Vertrautem gesucht. Als Sicherheit und Orientierungswert. Davon ist einiges weggebrochen mit dem Wegzug aus der Stadt. Wir sind im Gesamtbild des Dorfes ein bisschen anders. Und irgendwann hat bei mir das Verständnis eingesetzt, dass es völlig unangemessen ist zu denken, die sind so anders, sondern vielleicht sind die sich alle vertraut und ich bin hier gerade die Belastung, weil ich verunsichert bin, weil ich andere Runden gewöhnt bin, und doch ziemlich festgefahrene Bewertungsmaßstäbe habe, dafür, dass ich mich immer für recht flexibel gehalten habe.
Wir erliegen da einer Illusion. Gerade in Großstädten wird sich ja gerne automatisch eine Weltoffenheit und –gewandtheit auf die Fahnen geschrieben, die dann auch eigentlich nie einem echten Realitätcheck unterzogen werden muss. Wir sind aufgeschlossen. Punkt. Nicht engstirnig, nicht spießig. Und suchen uns, aufgeschlossene Spießer, die wir sind, dann doch immer das Vertraute, das Gefällige. Aber im Grunde ziemlich anmaßend, wie ich rückblickend sagenmuss. Was macht meinen Bewertungsrahmen zu dem richtigen? Ich  nehme mich da nicht aus. Ich bin im Grunde ein schüchterner Mensch, ich möchte mich erst einmal umschauen, wenn ich irgendwo neu bin. Dann entscheiden, ob und wie ich mich einbringe. Eine Haltung, die nicht ganz passt, wenn einem die ständige Demonstration von Selbstbewusstsein und Kompetenz eingeimpft wird. Konterproduktiv ist das, denn in ihrer Unsicherheit überspielen viele ihre Schüchternheit oder ruhige Art allzu oft mit lautem Getöse, der aggressiven Demonstration von Kompetenz, einer unangreifbaren glatten Oberfläche oder einem unsozialen Gehabe, das im Mantel der sympathischen sozialen Gewandtheit, Rollen zuschreibt, Reviere absteckt, Konkurrenz im Griff behält. Anstrengend sind solche Menschen. Ich habe für mich lange den Weg des Kaspers genommen, schnelle Witze machen, sympathisch auftreten, flüssig reden können und wenig einschüchternd wirken. Hach, schön, kein Grund mich zu beißen.  Aber so lässt es sich nicht gut Widerstand leisten.
Jetzt bin ich lieber ruhig und genieße es.  Und es ist lustig zu beobachten, wer ruhig ist rückt in die zweite Reihe der Wahrnehmung, wird vielleicht erst einmal unter nicht wo wichtig eingeordnet – ich will nichts schönreden, ich habe oft genug selbst so gedacht und mich dann gerne vom Gegenteil überraschen lassen. Aber er ist spannend, der Blick in die zweite Reihe und wenn dann der ein oder andere ruhigere Kopf sich in einer Runde äußert, ist das oftmals auf den Punkt, überlegt und ohne die Selbstdarstellerei der Leute, die denken, sie müssten durch die ausdauernde Führungsrolle im Gespräch etwas beweisen. Halt nein, sie wissen es ja halt einfach besser. Menschen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, 15 ganz verschiedene Menschen saßen da beim Auftakt im Jagdclub. Das wird nicht nur das Lernen eines Handwerks, das wir auch das Lernen mit Menschen. Ich kann es kaum erwarten und werde derweil schon einmal das Bestimmungsbuch bemühen, damit ich nicht ganz bei Minus 10 in Sachen Wald, Flora und Fauna anfangen muss. Es dämmert mir nämlich so langsam, wie wenig ich eigentlich weiß über die Landschaft, in der ich so gerne lebe…. Also steht das Programm fest und jetzt muss der Kopf nur noch ein wenig loslassen, nicht alles wird möglich sein in den nächsten Monaten, wenn ich das Jungjäger-werden ernst nehmen will. Vielleicht ist das nicht der richtige Zeitpunkt für die erträumte Reitbeteiligung,   werde ich nicht die geplanten Kostüme nähen und auch nicht die vielen Fotoideen umsetzen, aber vielleicht werde ich dafür belohnt mit neuem Wissen und Können. Solide und nicht nur schnell-schnell, weil es gerade passt. Für manches muss man wohl einen längeren Atem haben….

Aber das Kochen, das hört nicht auf. Im Gegenteil – ich freue mich schon auf frisches Wildbret. Bis dahin duften andere Dinge durchs Haus:

Mandel-Walnuss-Anis-Kekse
(ich habe jetzt ziemlich lange nicht mehr gebacken, ich wollte Abstand nehmen, von zu viel versteckten Belohnungsmechanismen, aber manchmal passt er gut zum Frühlingssamstagsgrau, der Duft nach Keksen)

250 Gramm gemahlene Mandeln
80 Gramm weiche Butter
100 Gramm gehakte Walnüsse
2 gestrichene Teelöffel gehakten  Anis
Prise Salz
4 Esslöffel Xucker
Frischhaltefolie 

  • Die weiche Butter mit dem Anis, Salz und dem Xucker aufschlagen, dann die Mandeln und Walnüsse untermixen bis ein klebriger Teig entsteht.
  • Den Teig auf der Frischhaltefolie zu einer Rolle formen (ca. 3 cm Durchmesser) in die Folie einschlagen und für eine Stunde in das Tiefkühlfach legen.
  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen, die Teigrolle in Scheiben schneiden (gute 0,5 cm dick) und auf ein Backblech mit Backpapier geben. Etwas Abstand lassen, da sie noch in die Breite gehen,
  • Dann 10-15 Minuten backen, bis die Ränder Farbe zeigen, dann noch für 10 Minuten im angeschalteten Backofen lassen.

Dazu ein Earl Grey……Wochenende…

Guten Appetit!

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Keine Lust haben dürfen, verschlafene Morgenrituale und (Wirsing-)Kohlrouladen mit Ingwer und Meerrettich

Paleo_KohlrouladeAm besten arbeite ich, wenn man mich in unserem Dorf sein lässt. Ich mag unser Büro, die Ruhe und die Möglichkeit, in der Mittagspause einen Spaziergang zwischen den Feldern machen zu können. Wenn ich aber, wie momentan der Fall, regelmäßig ganze Tage woanders bin, habe ich das Gefühl, der Schweinehund wiegt 200 Kilo, wenn er es sich da morgens auf der Bettdecke bequem macht.

Das Gefühl ist allzu vertraut, die Augen zu kneifen und hoffen, dass die Aufstehzeit einen nicht sieht… Das war ja mit ein Grund, alles über den Haufen zu schmeißen und die Rahmenbedingungen neu zu definieren. Aber das Leben ist ja nicht nur Plüsch. Irgendwas muss den Lebensunterhalt schaffen, solange man nicht Erbe oder Privatier ist.  Und damit ich die meiste Zeit das alles so gestalten kann, wie ich es möchte, nehme ich gerne in Kauf ab und an auch einmal in die alte Mühle zurückzukehren: Pendelverkehr und Dauerrauschen im Großraumbüro, das Gehirn am Abend ausgelaugt und keine Lust, das zu wiederholen.

Wir haben uns wirklich unmenschliche Arbeitsbedingungen geschaffen. Zu viele Sinneseindrücke, die Augen an mindestens einen Bildschirm geklebt, immer achtsam, das Telefon nicht zu überhören, die Geräuschkulisse der Kollegen ausblenden für das nötige Maß an Konzentration, ohne dabei den sozialen Schmierstoff des Flurfunks zu verpassen.  Die Luft riecht nach Denken und das Licht ist allzu oft zu künstlich. Vielleicht noch gruppendynamische Herausforderung im Kollegenumfeld und nebenbei regelt so manch einer noch sein privates Leben im sozialen Netz und der Hinterkopf erstellt und aktualisiert Listen der Dinge, die wir tun müssen, wollen, sollen, plant den Einkauf nach Feierabend, das Wochenende oder das Abendessen – Stop! Wie vielen Reizen wir jeden Tag ausgesetzt sind, merke ich erst so richtig, seit wir uns bewusst ein ganzes Stück entzogen haben. Und es wird mir immer lieber, das Entziehen. Um in den Reizüberflutungen des urbanen Projektalltags nicht aus den Fugen zu geraten, sind mir die morgendlichen Rituale wichtig geworden. Ich stehe lieber früher auf als nötig, um dafür die Zeit zu haben, bewusst in den Tag zu starten.

Für mich besteht ein morgendliches Weckerverbot: seit sich herausgestellt hat, dass der Schweinehund mich dazu verleitet, den Wecker unter der Bettdecke zu verstecken, damit er nur leise klingelt und ich ihn heimlich schnell und unauffällig ausstellen kann, fällt die Weckerhoheit nicht mehr unter meine Aufgaben. Ist tatsächlich auch nicht sehr förderlich, das ewige Gesnooze am Morgen, immer noch zehn Minuten. Lieber einmal und dafür dann so richtig genossen, oder auch mal zweimal aber danach ist jetzt Schluss. Es hat sich eine morgendlichen Routine ergeben, die mich tatsächlich auch zu früher Uhrzeit wach kriegt. Und mir hilft, im Laufe stressiger Tage nicht buchstäblich verrückt zu werden, sondern im Gleichgewicht zu bleiben. Zwanzig Minuten Pilates, um einmal den ganzen Körper bewegt zu haben, vor allem den Rücken, der den Rest des Tages sitzen soll und dafür einfach nicht gemacht ist – egal wie teuer die Bürostühle sind. Wir sind keine Sitztiere. Wir sind anatomisch eh fragwürdigst konzipiert, aber darum scheren wir uns nicht, wir haben ja das äußere Erscheinungsbild zum ästhetischen  Krisengebiet erklärt, nicht die grundlegenden körperlichen Funktionsmöglichkeiten. Um diese Mängel aber auszugleichen, wird der müde Körper jetzt jeden Morgen bewegt und danach Atemübungen, so tief und durch den Bauch… Am Anfang hatte ich Berührungsängste, jetzt will ich es nicht mehr missen. Und das Highlight ist dann der Becher Bulletproof Kaffee, der  mir netterweise morgens gemacht wird. Ja, wir sind so: Der besondere Mensch absolviert morgens dasselbe Programm wie ich, hat es maßgeblich mit in Gang gesetzt und dafür bin ich sehr dankbar. Auch wenn ich mir vor einigen Jahren nie hätte träumen lassen, mal neben meinem Herzensmenschen auf der Pilatesmatte rumzuturnen. Ich dachte, gemeinsamer Sport wäre gleichbedeutend mit Funktionskleidung im abgestimmten Partnerlook und einem verbissenen Lauf, bei dem keiner zurückbleiben möchte. Weit gefehlt, es macht mir große Freude zu teilen, was Spaß macht. Es war eine schöne Entdeckung, wie viele Themen gemeinsamer Sport auch bieten kann. Das ist ein wenig das Gegenstück zum gemeinsamen Unternehmen. Auch hier motiviert man sich gegenseitig, aber vor einem völlig anderen Hintergrund. Ich kann es nur empfehlen, einmal neugierig zu sein, was der andere so mag und vielleicht noch etwas für sich zu entdecken, ist ja kein Muss, aber ein Schön.

Zudem bietet der moderne Alltag sonst auch viel zu wenig Momente für Gemeinsamkeit, wenn man ja auch noch so seine kleinen stillen Hobbies pflegen will. Zu wenig Zeit. Was bei mir konkret auch daran liegen mag, dass ich den Schlaf wiederentdeckt habe. Ich habe viele Jahre nicht gut geschlafen, unruhig und oft mit Einschlafstörungen, was sicher auch dem Lebenswandel geschuldet war, man geht dann eben nicht früh ins Bett, macht ja irgendwie keiner und der abendliche Alkoholkonsum trägt nicht bei zum gesunden Schlaf. Ja, ich hätte das früher als viel zu vernünftig empfunden, als nicht locker, aber mittlerweile trinke ich so selten Alkohol, dass ich mir jedes Mal überlege, ob der Anlass es wert ist, denn am nächsten Tag ist der Kopf einfach anders. Nicht verkatert, aber der Körper war über Nacht einfach beschäftigt und das merkt man. Und ich brauche mehr Schlaf. Ja, Schlafmuster sind individuell, aber ich denke es gibt schon ein paar Grundsätzlichkeiten, die uns prägen oder die uns gut tun. Raus mit dem Licht und rein ins Bett  mit der Dunkelheit – im Winter brauche ich mehr Schlaf als im hellen Sommer und wenn ich nicht mindestens sieben Stunden davon bekomme,  besser acht, wirkt sich das auf meine Leistungsspanne aus. Und es ist einfach gesund. Zu wenig Schlaf, Nachtarbeit und Rhythmen, die dem zu sehr zuwiderlaufen, tun dem Körper nicht gut, nehmen ihm die Möglichkeit zur Regenration, und dann wird das tatsächlich sichtbar. Das, was die Kosmetikwerbung uns als Glow und Frische verkauft, kann nur fahler Schein sein, wenn es in Form von Makeup  und Mittelchen und Cremes passiert. Das wirksamste Geheimnis sind einfach gutes, sauberes Essen, ein gesunder Schlafrhythmus und eine bewusste Lebensgestaltung auf allen Ebenen, nicht indem man sich beim Sport mit den falschen Intentionen quält, sondern vernünftig trainiert, auf den Körper hört und auch das emotionale, soziale Leben in die Lebensgestaltung mit einbezieht. Das ist meine persönliche Erfahrung, aber Stress, auch durch andere Menschen verursacht, sorgt einfach für Augenringe, die man nicht wegcremen kann.

Ich versuche mein Bestes. Ein schöner, praktischer Beitrag dazu war ein Hochzeitsgeschenk aus dem Umfeld – Alpaka-Bettdecken. Von kleinen flauschweichen Alpakas, die wir quasi persönlich kennen und die mit ihrem unglaublich leichten und perfekt isolierten Fell dafür sorgen, dass es im Sommer nicht zu heiß und im Winter nie zu kalt wird, keine zu schwere Decke, die über einem droht und kein Hitzestau.. das macht was aus.

Es sind also eigentlich alle Zutaten da und ich arbeite hart dran, das zusammen und immer wieder neu weiterzuführen, damit sie sich dauerhaft niederlässt, die Zufriedenheit.

Das macht dann auch die Pendelei und das Großraumbüro erträglicher und lässt mich jeden Morgen dankbar sein, wenn ich die Fenster aufmache, die Hügel sehe und durchatmen kann. 

Und da das Essen so wichtig ist, hier ein altes Lieblingsrezept, neu  gemacht:

Kohlrouladen mit Meerrettich und Ingwer

8-9 große Wirsingkohlblätter
500 Gramm Hackfleisch
1 großen Apfel, gerieben
2 Zwiebeln, gehackt
5 Esslöffel frisch geriebener Meerrettich
3 Esslöffel frisch geriebener Ingwer
200 ml Kokosmilch
200 ml (fette) Brühe
Kurkuma
Piment gemahlen
Cayennepfeffer
Salz
Pfeffer
Schmalz oder Kokosöl

Die Kohlblätter blanchieren und die dicken Strungansätze einschneiden oder an der dicksten Stelle raus schneiden, damit die Blätter beweglicher sind,

Das Hackfleisch salzen und pfeffern, einen halben Teelöffel gemahlenes Piment dazu und den geriebenen Apfel, die Zwiebeln und 3 Esslöffel Meerrettich unter mischen.

Die Hackfleischmischung  in faustgroßen (kleine Fäuste) Portionen auf den Kohlblättern verteilen und diese drum herum klappen und mit Zahnstochern fixieren.

Die Kohlrouladen kurz von allen Seiten im Fett der Wahl anbraten, Kokosmilch und Brühe angießen und das Ganze gründlich salzen, etwas schwarzen Pfeffer, eine große Prise Cayennepfeffer, 1 Teelöffel Kurkuma sowie den Ingwer und den restlichen Meerrettich dazu geben und dann den Deckel drauf und für gut 1,5 Stunden sachte köcheln lassen.

Ich esse das ohne Beilagen, aber pürierte Süßkartoffel würde sich gut machen…

Guten Appetit

 

Obsoleszenz im Überfluss, neue Netzwerke bilden und winterliche Begleiter: Rosenkohl aus der Pfanne mit Knoblauch

Rosenkohl mit KnoblauchMan kann dann gar nicht anders, als sich kurz dem Wutknoten hinzugeben. Wohlwissend, dass das so ziemlich das unproduktivste Verhalten ist, aber für einen kurzen Moment darf das Überhand nehmen.  So geht es mir zumindest immer, wenn ich irgendwo auf engagierte Menschen stoße, die mit ihrer Arbeit, seien es Artikel, Dokumentationen oder Bücher, doch erschreckend ungehört bleiben im ausdauernd rieselnden Strom der Informationshäppchen, die uns um die Ohren geweht werden. Klug gemacht, nicht wahr? Es ist alles da, aber es wird uns im Alltags-Hamsterrad zunehmend erschwert, die kleinen schwierig aufzufindenden Wahrheitstrüffel von den vielen Gedankenstücken zu trennen, die uns wie Brotkrumen hingeworfen werden, um uns zu informieren oder eher um uns anzuleiten in der Meinungsbildung und der vermeintlich so freien Sicht auf die Welt.

So vieles liegt auf der Hand und doch nehmen wir lieber in Kauf, ein Auge zu zudrücken, wenn es drauf ankommt. Oh, was können wir klug diskutieren am Esstisch unter Freunden und Kollegen, Bücher, Studien und aktuelle Artikel von großen Tagesblättern mit Anspruch zitieren, ohne dabei einen einzigen eigenen Gedanken zu formulieren. Wir merken das nicht einmal. Wer hierzulande ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert hat, lernt es ja auch nicht anders. Belegstellen, Zitate und Definitionen, die beweisen, untermauern und unsere Aussage legitimieren sollen. Das Ganze noch geschmiert mit ein bisschen Eitelkeit und ganz schnell ist man drin in der intellektuellen Nabelschau, der geistigen Selbstdarstellung, führt einen Diskurs anstelle eines Gespräches – kaum auszuhalten. Was dabei verschwindet und sich lieber in die stille Ecke drückt, ist das unbedarfte Argumentieren aus dem Bauch heraus, das Ausdruck eines gesunden Menschenverstandes ist.  So richtig auftauen und unverstellt die eigene Meinung sagen, tun die wenigsten. Bei so manchen Themen scheint das Risiko zu hoch in eine seltsame Schublade gesteckt zu werden, und das will ja keiner. Also macht sich auch in den Diskussionen allzu oft ein Argumentationsspektrum breit, das auf Dauer so interessant wie trockener Toast ist und keine Risiken eingeht.  Für unbequeme oder abweichende Meinungen gibt es auch das schnell bereit gestellte Kästchen der Verschwörungstheorien, dazu ein kleines Zusatzetikett auf dem steht: Spinner, Miesmacher, Schwarzseher.
Und meist findet sich irgendwer in der Runde, der dem mutigen Menschen, der sich da vielleicht argumentativ aus der Ecke getraut hat, den intellektuellen Genickschuss gibt,  indem noch schnell eine Belegstelle herbeigezaubert wird, die den vorsichtigen Bauchgedanken in seine Schranken verweisen soll. Leider ist das keine Diskussionskultur, auch wenn die praktizierenden Köpfe sicherlich anders denken werden, meinen sie doch die Geisteskultur hinter sich versammelt zu wissen, mit all ihren gängigen Quellen und Argumenten. Nein, da wird sich nicht ausgetauscht, da wird die Keule geschwungen und niedergemäht, was nicht passt.
Entweder, weil es die eigene Meinung in Frage stellt (was sich ja durchaus auch als Bereicherung herausstellen könnte, aber gewisse Unabwägbarkeiten beinhaltet, die zu unbequem sind) oder aber, weil das eigene Ego einmal mehr mit einem durchgeht und die Diskussion als Bühne braucht, um den eigenen Verstand in den Mittelpunkt zu stellen. So ist es. Viel zu oft. Man ist ja letztlich unter Menschen. Fast immer gibt es einen in der Runde, der den Ton angeben muss und alle anderen an den Rand spielt. Manchmal sind es auch mehrere Köpfe, die da das vermeintliche Publikum genießen und zu Höchstformen auflaufen und ohne jedes Bewusstsein für das Drumherum so manche spannende Diskussion ersticken und die Lust nehmen, weiterzureden.

Und so fallen viele Themen unter den Tisch oder werden einseitig diskutiert. Und einseitig heißt nur allzu oft, im Sinne der vielfach politischen oder wirtschaftlichen Agenda unserer Meinungsbildner im Hintergrund. Das betrifft so ziemlich alle Bereiche unseres Lebens.
Wo es mich immer wieder echt wie der Schlag trifft, ist, wenn es um das weite Feld des Konsums geht. Dass Unternehmen und Wirtschaft Politik bestimmen, kann man mittlerweile ja in so mancher Runde durchaus äußern, aber man kriegt doch immer mal wieder ein mitleidiges Lächeln, das Etikett des Schwarzseher und Spinners verpasst oder trifft auf Menschen, die zwar Dinge sehen und wahrnehmen, aber einfach nicht in der Lage sind, für ihr eigenes Leben Entscheidungen zu treffen und etwas zu ändern.
Ein Film, der mir das wieder deutlich vor Augen geführt hat, ist die Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ von Cosima Dannoritzer, die sich um die geplante Obsoleszenz dreht.

Auch wer die Augen ganz fest zukneift, um nicht in seiner einfachen Vorstellung unserer Welt gestört zu werden, wird sich schon einmal Gedanken über die fragwürde Lebensdauer von Konsumgütern gemacht haben. Da geht es dem Konsumenten ja mal direkt an den Geldbeutel. Da tut es schon mal weh.

Aber ändern tut sich nichts oder viel zu wenig. Wir wollen doch immer wieder das Neue, denn das zeigt, dass wir uns das leisten können und dass wir wissen, was das Neueste ist. Wir wollen kein altes Auto, wir wollen neue technische Gadgets, wir wollen aktuelle Mode und Einrichtungsgegenstände. Was kaputt geht, ersetzen wir. Wir haben ja gar nicht mehr die Fähigkeiten, die es braucht Dinge zu reparieren. Und wo wir gerne selbst Hand anlegen würden, sind die betreffenden Güter heutzutage derart gestaltet, dass wir nicht mehr selber ran können. Man muss nur mal einem älteren Auto unter die Motorhaube schauen und einem Neuwagen – mit Schrauben in der Freizeit ist da nicht mehr viel.  Und dann ist da kurz der Ärger über die kurzen Lebensspannen vieler Dinge, aber wir ziehen nicht die richtigen Schlüsse und konsumieren weiter.  Das gibt ja auch so eine schöne kleine Befriedigung, wenn da etwas neu Glitzerndes Einzug hält in unser Leben.

Noch schöner kann es aber sein, zu überlegen, wie man etwas ändern kann. Was kann ich? Und sei es nur die Hose zu stopfen und selber zu kürzen statt sie wegzutun. Und wenn ich das gut kann, dann kann ich es auch für andere tun. Und die können vielleicht im Gegenzug einen Stecker an meinem alten Küchengadget austauschen oder haben andere Fähigkeiten. Das geht schon in ganz kleinem Maßstab. Man kann im engen Umfeld anfangen und lernt ganz nebenbei etwas Spannendes über die Menschen, mit denen man sich austauscht und über sich selber. Und man erobert sich ein kleines Stück Unabhängigkeit zurück. Und dann vielleicht noch eines und noch eines und…

Eines meiner Wunschprojekte ist eines Tages ein kleiner Gemüsegarten, da fehlen mir echt noch die Fähigkeiten und der entsprechende Boden. Aber der Plan ist da und wenn es soweit ist, werde ich mich nicht scheuen, mir kluge und patente Menschen zu suchen, die mir Tipps geben können. Auch die Bepflanzung steht fest. Ein ganz kleiner Nutzgarten, so wie man sie im ländlichen Raum oft sieht, mit einer Bepflanzung und Fruchtfolge, die das ganze Jahr abdeckt. Ein kleines Stück Unabhängigkeit, die Arbeit bedeutet aber Ergebnisse schenkt.

Und tatsächlich würde ich auch Rosenkohl pflanzen. Mochte ich früher nie, aber man darf sich ja neu begegnen. Es geht nämlich auch anders als in Form weich verkochter Kugeln…

Beilage: Gebratener Rosenkohl mit Knoblauch
500 Gramm Rosenkohl
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Kokosöl oder Schmalz
Salz
Pfeffer
Butter

  • Den Rosenkohl vom Strunk befreien und die einzelnen Blätter ablösen (die mühselige Arbeit wird durch den Geschmack belohnt) und dann gründlich waschen.
  • Die Kohlblätter blanchieren und dann in einem Sieb gut abtropfen lassen.
  • Das Fett der Wahl (Schmalz für eine deftigere Note, Kokosöl, wer es feiner mag) in einer Pfanne gut erhitzen, den Knoblauch zart anbräunen und dann für zwei bis drei Minuten die Rosenkohlblätter hinzugeben und kurz anbraten.
  • Zum Abschluss salzen, pfeffern und noch ein Stück Butter unterrühren.
  • Dazu passt sehr gut ein Stück Kassler oder eine deftige Rinderbratwurst…

Guten Appetit!

Pause machen, Beliebtheits-Wettbewerbe und mit Zimtsternen an der Weihnachtsstimmung arbeiten

Zimtsterne in FrankreichDa hatte ich mich wohl zu früh gefreut und die letzte vorweihnachtliche Woche schon im Geiste ganz entspannt verplant. Ein paar Karten schreiben, die Ruhe des Geschäfts nutzen und sich schon mal im Kopf auf die Zeit zwischen den Zeiten, dieses komische Gefühl zwischen Weihnachtsrummel und Sylvesterhysterie einzustimmen. Denkste. Wirbeln ist angesagt. In diesem Jahr begegnen wir dem Trubel durch völligen Entzug. Ab in die französischen Berge und genießen, dass die Franzosen ihr Jahr ohne Knallerei ausklingen lassen. Pause machen. Denn was da zu Ende geht, war mit Sicherheit eines der bewegtesten Jahre meines Lebens. Und da ich selber mittendrin stecke, mache ich mir das oftmals nicht bewusst.

Ich werde immer ganz verlegen, wenn jemand sagt, dass wir mutig seien, einfach so weg aus Berlin, aus der Festanstellung in das eigene Büro, auf dem Dorf… Das ist ein so liebes Kompliment, diesen Mut zu sehen. Ich nehme ihn persönlich gar nicht so wahr. Der kleine Mut, er hätte sicherlich auch manchmal mehr Aufmerksamkeit von mir selbst verdient. Aber solche Dinge fallen mir schwer. Ich tue Dinge, aber indem ich sie tue, erscheinen sie mir gar nicht mehr so groß und ich wundere mich dann mitunter, was für Themen manche Menschen da gut sichtbar für das Umfeld vor sich hertragen. Hätte ich gerne mehr davon? Ich glaube nicht. Der Grad ist mir zu schmal.  Aber es macht das Leben mitunter nicht einfacher, wenn man immer wieder auf diesen Typen Menschen trifft, der ja in unserer Gesellschaft besonders gepäppelt wird.

Tatsächlich ist eine ganz klare Erkenntnis dieses Jahres, dass ich deutlich weniger Menschen in meinem Leben brauche, als ich immer dachte. Ich bin ein sehr soziales Wesen. Ich liebe den Austausch und finde Menschen grundsätzlich faszinierend und spannend, aber einen großen Teil dieser Neugier stille ich durch die vielen Begegnungen, die sich zwangsläufig über meine Berufswahl ergeben und der Kreis der lieben menschlichen Konstanten um mich herum hat sich verändert, auch verdünnt und zum großen Teil intensiviert. Dafür bin ich dankbar.

Das war eine spannende Entwicklung und es ist wunderbar durch Veränderungen den Impuls zu bekommen, Freundschaften und Kontakte noch einmal anders zu pflegen. Pflege haben sie nämlich verdient, wenn sie Substanz haben.  Und das Thema loslassen spielt auch hier wieder mit hinein. Weniger, dafür enge Kontakte im persönlichen Umfeld heißt irgendwie auch, sich ein bisschen unabhängiger machen von dem, was andere denken mögen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht freundlich bin. Den zwischenmenschlichen Respekt eines zivilisierten und erwachsenen Umgangs setze ich mal voraus. Aber ich denke so langsam bin ich ja erwachsen geworden und die Beliebtheitswettkämpfe aus Schulhofzeiten dürfen bitte auch in jenen fernen Tagen bleiben, sie waren mitunter schmerzhaft und turbulent genug. Ein wenig befreiend ist dies auch, wenn man feststellt, dass einen gar nicht jeder mögen muss. Ich mag auch nicht jeden und lieber – statt immerzu gefällig zu sein (ich bin eine sehr ausgleichende Waage) – möchte ich lernen noch öfter auch mal Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen. Leicht fällt mir das tatsächlich nicht. Der andere Teil von mir ist da recht ausgeprägt. Aber es muss sein. Für sich selber. Denn erschreckend viele Menschen wissen, dass andere Menschen eher nicht laut und nach draußen sondern leise und nach innen sind und nutzen das aus. Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben ein komplexes Sozialverhalten. Aber das ist ein Thema für sich.

Weniger ist also manchmal echt mehr und ich mache den Wert meiner Person auch nicht abhängig von Facebook-Kontakten oder Zugriffszahlen auf diesen Blog.  Abe es gibt sie da draußen, die Leute mir ihrer ganz persönlichen Social Media Strategie. Gruselig. Gruselig auch, weil da einfach soviel (falsche) Oberfläche aufgebaut wird. Und das führt mich zurück zu dem Weg durch dieses Jahr,  der hat sich so ergeben und alles, was wir getan haben, erschien irgendwie schlüssig und sinnvoll und die Unklarheiten und Wenns und Abers, die konnten das gute Gefühl, das der Bauch hatte, nicht aufwiegen. Und auch wenn nicht immer nur alles Sonnenschein über lieblichen Hügeln ist, sondern auch das ein oder andere Aushalten in auftragsärmeren Zeiten zu bewältigen ist, gibt das innere behagliche Stimmchen mir doch jeden Morgen recht, wenn es mit halboffenen Augen durchs Fenster gähnt und hinter den Häusern auf dem Hügel den Waldrand sieht, mal im Regen, mal verborgen im Nebel oder unter einem glasklaren Himmel. Dann fällt alles an den richtigen Platz. Es war der richtige Weg. Es ist der richtige Weg.

Und während ich hier schreibe fällt mir ein, wie ich vor dem Wegzug noch mit einer Freundin gespaßt hatte, ich könnte dann ja so einen „Raus aufs Land“-Blog schreiben, so Landlust-Phantasien und Ästhetik für müde Großstädter wie mich. Aber das war nicht dran und das war auch nicht ich, da wäre es weiter nur um Projektionen und Bilder gegangen. Ich mag Konzepte, die auch Raum zum Scheitern lassen. Und dieser Blog ist eigentlich mehr als Übung in Disziplin und private Schreibübung entstanden. Um den inneren Schweinehund zu überlisten.

Und dann hat er sich verselbstständigt, denn plötzlich war da sehr wohl ein „Raus aufs Land“-Konzept, nur völlig anders geartet, als ich es mir anfangs hätte vorstellen können. Die Rezepte, die für mich der Aufhänger waren, sind geblieben, so schreibe ich endlich einmal auf, was ich so koche.
Aber zu den Rezepten kamen all die Themen, die sich nah und fern so um das Essen ranken. Und die abstrahlen auf weitere Themenkreise, bis man plötzlich einen Schritt zurück tritt und sich bewusst macht, wie alles irgendwie immer zusammenhängt. Ja ja, wissen wir doch. Mmmh, aber denken wir es oft genug konsequent durch? Warum wir immer wieder Lebensmittelskandale serviert bekommen, wenn sich an den Produktionsweisen nichts ändert? Warum sich aber nur wenig ändern kann, wenn die Menschen in immer größerer Unsicherheit leben, was vermeintlichen Status und die schiere Existenz betrifft? Warum Chancengleichheit ein schlechter Scherz ist, wenn die mit Geld sich eigene Lösungen suchen und die ohne schon als Kinder Schei.. fressen müssen? Warum wir nichts ändern können, weil uns so wenig Zeit bleibt, weil wir so viele Träume und Wünsche haben, die uns durch eine feinsinnige Marketing-Industrie eingepflanzt werden, dass kaum noch Raum bleibt für die echten Wünsche und Bedürfnisse. Warum immer einer die Rechnung zahlt und allzu oft nicht wir, sondern Menschen und Natur an anderen Orten, schön weit weg, dann ist es nicht so real. Aber hey, wir tun ja auch ganz viel dafür, dass es denen besser geht. Ja, klar. Es ist eine Welt, die mir ehrlich gesagt nicht sehr gefällt. In der tatsächlich zu wenig getan wird um das Richtige zu fördern, das erschreckend oft das Uneigennützige, Mitdenkende ist. In der viel zu viele neue sozialengagierte und grün und nachhaltig gestrickte Mäntel von Beratungsunternehmen der Politik und großen PR-Akteuren entworfen werden, die hier ein Pflästerchen aufkleben, dort Aktivität erzeugen und ablenken, aber nichts so richtig ändern. Oftmals machen mich Artikel, die ich lese, wütend. So richtig. So, dass ich erst einmal raus muss mit dem Kopf. Weil dann genau das erzeugt wird, was beabsichtigt ist, ich fühle mich ohnmächtig.  Ich weiß nicht, wo ich als Einzelperson noch ansetzen kann, wenn so viele vermeintliche Handlungsspielräume kontrolliert geschaffen wurden und Engagement in seichte Wirkungsgewässer leiten. Radikalismus ist mir fremd. Fehlgeleitet. Aber  es gibt so viele Themen, die jeden von uns betreffen. Wenn wir im Endeffekt nicht einmal mehr über unser Körperbild eigenständig Urteile fällen können, wenn wir nur noch mit erheblichem Mehraufwand kontrollieren können, was wir essen. Wenn wir nicht nachvollziehen können, wie das, was wir in unserem Alltag nutzen, gefertigt wird, wenn wir nach jeder Wahl murren, dass sich nichts ändert, aber doch wieder losrennen wie die Schafe, wenn es darum geht ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen. Wenn Narzissmus und Egoismus belohnt und Empathie und Zurückhaltung hinderlich werden. Dann läuft doch etwas falsch. Aber dieses Bewusstsein sollte einen nicht davon abhalten, zu genießen, dass einem ein Leben als Spielraum bleibt und man sich darin seine eigenen Räume schaffen kann. Und jedes Stück eigener Weg, das man für sich entdeckt oder sich erkämpft, ist ein gutes Gefühl, ganz tief drinnen. Und außerdem gibt es immer noch so viele Menschen zu entdecken, die ähnlich denken, die etwas zu sagen haben, die inspirieren und Mut machen. Das versöhnt mich dann immer wieder.

Und wenn ich schaue, wie viele Menschen sich in den wenigen Monaten seit dem Start diesen Blog angeschaut haben, dann bleibt mir der Mund offenstehen und ich empfinde ehrlich eine gewisse Demut, wenn ich feststelle, dass sich jemand die Zeit nimmt und liest, was mich ganz persönlich bewegt. Und das ist jedes Mal auch wieder ein Grund, den Schweinehund niederzuringen und sich hinzusetzen und zu schreiben. Und es ist schön zu sehen und auch zu lesen, dass man mit so mancher Frage und so manchem Gedankenweg nicht alleine ist. Das macht Mut. Dafür lieben Dank.

Und bevor ich mich nun hoffentlich die Tage mal endlich in einen Urlaub verabschiede, der mich weg vom Bildschirm bringt und hin zu frischer Luft und vielen Büchern und Zeit zum Denken, noch schnell ein blitzschnelles Rezept für die Weihnachtsstimmung in letzter Minute. Die Zimtsterne vom wunderbaren Paleowiki, das ich jedem Paleo-Interessierten nur empfehlen kann, als Informationsquelle! Ich habe ganz minimal andere Verhältnisse genommen und schreibe es  auf, aber mit dem Wiki liegt man auf jeden Fall richtig richtig.

Ich wünsche besinnliche Feiertage und freue mich auf ein spannendes neues Jahr.

 Zimtsterne

200 g gemahlene Mandeln
100 Gramm Mandelmehl
200 g gemahlene Haselnüsse
6 Esslöffel Xucker
3 Esslöffel Zimt (Ceylon)
4 Eiweiß
Prise Salz

  • Den Ofen auf 150 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schöne steif schlagen, bis man die Schüssel theoretisch auf den Kopf stellen könnte, ohne dass Eischnee rausfließt.
  • Nun noch einmal den Xucker unterschlagen, bis die Masse schön glänzt. Von dieser Masse nun 5 Esslöffel zur Seite stellen für den Guss.
  • Die Nüsse und den Zimt mit Sorgfalt und Vorsicht unterrühren, bis sich eine gleichmäßige Masse ergibt. Nicht mit dem Quirl, besser mit einem Löffel oder, wer hat, einem Teigschaber.
  • Den Teig zwischen zwei Lagen Backpapier ausrollen, die Sterne ausstechen, mit dem Eischnee bestreichen und bei 150 Grad ca. 30-40 Minuten auf mittlerer Schiene trocknen. Der Guss soll nicht zu dunkel werden.

Tipp: Am nächsten Tag ist der Guss dann fest und sie schmecken genau so, wieZimtsterne schmecken sollen. Und für die Lagerung empfiehlt sich eine Dose.

Guten Appetit!

 

Starke Frauen, körperliche Krisengebiete und ein einfacher Seelenschmaus: Steckrüben-Rindfleisch-Eintopf

Steckrübeneintopf mit RindfleischDa dachte man gerade, man wäre auf der Zielgeraden und trainierte sich Oberarme wie Michelle Obama an, aber bitte nicht zu sehnig, und freut sich, dass angeblich fit und gesund die neue Kleidergröße „unterentwickelter Teenager“ ist, da lassen die Medien den Blick wieder weiter nach unten wandern am weiblichen Körper. Und angsterfüllt, können wir nicht wegschauen, sondern lassen ebenfalls die Augen wandern. Nur um dann schamhaft die Oberschenkel übereinander zu schlagen, denn da ist sie verortet, die neueste Problemstelle: Die Thigh Gab, oder leichter auszusprechen aber weniger exotisch: Die Oberschenkel-Lücke.
Wenn Frau sich also gerade hinstellt und die Füße zusammenstellt, dann sollte eine Lücke bleiben zwischen den Oberschenkeln. Sollte. Vielleicht sollte man Frau dazu aber auch den ehrlichen Tipp geben, dass dieses Ideal schwer zu erfüllen ist und bei den meisten Frauen nur dann entsteht, wenn sie so geboren sind oder sich deutlich zu sehr runter gehungert haben. Dass viele Modells Lücken aufweisen, mag auch daran liegen, dass diese gerade im großen, exklusiven Modezirkus noch in pubertären Körpern stecken. Mal abgesehen davon, dass der Körpertyp Frau, der auf all den Bildern und in der Werbung die Blicke auf sich zieht, nur etwa einem Anteil von 5 % der Frauen entspricht.  Diese Frauen sind einfach so geboren, mit einem großen, schlanken bis sehr dünnen Körper. Aber irgendwie will es uns wohl nicht in die Köpfe, dass wir mit bestimmten festgelegten  körperlichen Parametern geboren sind, die nicht zu ändern sind. Und egal wie wir durch die Welt laufen, ist jeder Körper dann am schönsten, wenn er gesund ist, innen und außen. Das mit der inneren Schönheit, ne? Ja. Das ist etwas verdreht worden im Laufe der Jahre, es ist wohl eher die innere Balance, die mit dieser inneren Schönheit gemeint ist. Und es wird einiges dafür getan, uns immer wieder aus dieser zerbrechlichen Balance zu bringen. Denn Schönheitsideale wechseln,  ganz subversiv schleichen sich für eine bestimmte Zeit immer bestimmte (Stereo-)Typen in die Bilder ein, die uns vorgesetzt werden.  Das alles auch immer mit einer großen Portion „Man muss nur wollen“. Sind wir in einen anderen Körper geboren, als in den, den uns die Medien als temporär idealtypisch servieren, sind wir also selber schuld, wenn wir nicht alles dafür tun uns genau dahin zu verbiegen. Es ist aber einfach nicht möglich. Da helfen uns keine x Diäten, Fitness-Programme und teuren Mittelchen und Eingriffe.  Also leben wir in einem andauernden Krisengebiet, und das geht uns im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut.

Und wann immer sich nun die Oberschenkel berühren, wird man darauf aufmerksam gemacht, dass etwas noch anders, noch besser sein könnte. Dabei ist dieses Stöckchenbein-Ideal kein neues.

Aber mit dem immer wiederkehrenden Hype um ständig wechselnde Mediengrößen tritt immer wieder auch ein neuer Hype in Sachen Schönheit ins Rampenlicht. Eben wie die Oberarme von Michelle Obama, der Po einer Jennifer Lopez oder eben die Lücke zwischen den Oberschenkeln eines britischen Models, das gerade die erste Pubertätsphase hinter sich gelassen hat. Und dann schwappt es in die Magazine und auf die Blogs und es dringt zu einem vor, ob man es will oder nicht. Und dann ist diese blöde Lücke irgendwo im Bewusstsein und es scheint, sie bringt auch eine temporäre Lücke des gesunden Verstandes mit sich, denn ohne es zu wollen, wandert der Blick im Spiegel zu den Oberschenkeln und prüft, wo man da wohl steht… Das Problem ist, dass dieser Trend etwas harmlos daher kommt, denn er ist eine Ausgeburt der Werbeästhetik, die uns umgibt. Frauen in Dessous oder Bikinis oder in engen Hosen, sie alle zeigen sich mit Lücke und entsprechen unserer synchronisierten Vorstellung von schön, und makellos. Und obwohl wir wissen, was Photoshop alles kann, halten wir kurz inne und rümpfen die Nase und sagen uns wie fies es ist, dass die nicht eine einzige Delle am Schenkel haben, da können die Medien noch so viele Bilder von ungeschminkten Stars zeigen, die sind schnell vergessen, haften bleibt die Makellosigkeit. Ach ja, es gab ja auch andere Versuche. Erinnert sich noch jemand an die Zeit, in der das Brigitte Magazin ohne Modells gearbeitet hat?
Es hat nicht funktioniert. Zum einem stand (zu Recht) der Vorwurf im Raum, dass die Frauen, die für die Fotostrecken ausgesucht wurden eben doch eher Modell-Idealen entsprachen, zum anderen hielt der Abwärts-Trend der Auflage weiter an, es hat wohl nicht interessiert.

Ich habe damals ein paar Mal interessiert geblättert und ich fand es eher furchtbar, was einem da an gut gelauntem, attraktiv-erfolgreichen „Normal“-Standard serviert wurde.  Eine perfide Gehirnwäsche, sind das doch Frauen wie wir. Hmm, ja klar.  Ein bisschen in dieselbe Kerbe haut dann auch der Versuch diverser Magazine den persönlichen Kleidungsstil erfolgreicher Modeblogger in das eigene Format einzubauen. So authentisch und echt und so. Ja. Gekauft und Werbung und die Übergrößen tauchen nur im Zusammenhang mit einem neuen Hype um Übergrößenmodells auf oder werden sprachlich so feinsinnig demontiert, dass es zum Heulen ist. Sieht sie nicht schön aus in dem hautengen Kleid, das fast zwei Kleidergrößen wegschummelt und so frisch dank fülliger Apfelbäckchen?  Noch nicht schlimm genug, wenn man bedenkt, dass dieser Mist zu einem großen Teil von weiblichen Redakteurinnen geschrieben wird. Die brav konform laufen mit den Vorgaben des Mediums und der Industrie. Sprache ist ein starkes Werkzeug, ein Knopf, der noch mehr verfängt als Bilder. Denn wo Bilder wechseln, schleichen sich Begrifflichkeiten in unseren Sprachgebrauch ein und bleiben haften. Und die Bewertung, die dahinter steht, die haben nicht wir gemacht. Die haben wir übernommen. Ein eklatantes Beispiel dafür ist der Missbrauch des  Attributs stark. Starke Frauen, das sind entweder nervige Feministinnen oder Frauen mit Übergröße, will man uns weismachen. Stark ist kein schönes weibliches Attribut. Nein, nein. Wir sind tatsächlich immer noch tief verhaftet in weiblichen Idealvorstellungen, die uns als schutzbedürftige, zarte Wesen generieren. Schönheit heißt hier gefällig sein, einer Norm entsprechen und nicht aus der Reihe tanzen. Nur ab und zu mal, medienwirksam, für die Diversity. Und wer setzt uns diesen Bildern des Idealtyps Frau immer wieder aus? Wir bedienen diese Bilder, indem wir nicht lauter aufbegehren. Wir finden uns da vielleicht nicht immer drin wieder, wenn uns jemand fragen würde. Dafür sind wir zu aufgeklärt und abgeklärt und doch zupft das unsichere kleine Mädchen in unserem Inneren an unserem Ärmel und fragt sich besorgt, ob es wohl reinpasst, so wie es ist. Wir werden also in einem Zustand der andauernden kritischen Auseinandersetzung mit uns selbst gehalten. Und der Weg daraus ist schwer. Er scheint fast schwerer als weiter mitzumachen. Aber jeder Schritt auf dem Weg und jeder kritische Blick auf das, was uns da serviert wird, macht einen ein wenig mutiger und einsichtiger und stärker.

Und ich  möchte gerne stark sein.
In der Zwischenzeit gibt es Suppe fürs Seelchen:

Steckrüben-Rindfleisch-Eintopf
1 Liter gute Brühe aus Rinderknochen (ich kann nur empfehlen sich davon immer einen kleinen Vorrat einzufrieren oder einzukochen. Da die selbstgekochte Brühe so perfekt gehaltvoll ist, ist sie die perfekte Grundlage  für deftige Wintersuppen)
700 Gramm Suppenfleisch
1 Steckrübe (600 Gramm)
3-4 Lorbeerblätter
6-8 Wachholderbeeren
1-2 Teelöffel Kumin, nicht gemahlen
3-4 Nelken
1-2 Teelöffel Koriander, nicht gemahlen
Schwarzer Pfeffer
Salz
Wasser

  • Das Suppenfleisch am Stück in der Brühe mit den Gewürzen aufkochen und bei mittlerer Hitze weiterkochen bis es mürbe ist und sich leicht zerteilen lässt.
  • Das Suppenfleisch aus der Brühe nehmen und die Steckrübe schälen in löffelgroße Stücke schneiden und in die Brühe geben.
  • Das Fleisch klein schneiden und von eventuellen Sehnen befreien. Wenn das Fleisch sehr fettig ist, wird die Brühe schön gehaltvoll, dann kann man das Wabbel-Fett am Fleisch auch entfernen. Nicht jeder mag das.
  • Das Fleisch zu den Steckrüben in die Brühe geben, nun kann noch etwas Wasser nachgegossen werden, damit alles bedeckt ist. Ca. 45 Minuten weiter köcheln lassen, bis die Steckrüben gar sind. Nun noch einmal abschmecken und gegebenenfalls nachwürzen.

Guten Appetit!

Advents-Countdown auf allen Kanälen, Geschenkerausch und ein Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie

Paleo Brownie zu WeihnachtenWenn man den einschlägigen Magazinen derzeit glauben darf, sind Frauen recht einfach gestrickte Wesen. Ein bisschen Parfum, Unterwäsche oder etwas Glitzerschmuck unter den Baum gelegt und wir fangen an zu quietschen und dankbar mit den Wimpern zu klappern. Gerne nehmen wir auch etwas für die Porzellan-Sammlung oder einen schönen Bildband für die Inszenierung im Wohnraum. Praktisches bitte eher nicht, das hat so einen 50er-Jahre Hausfrau-Anstrich. Es sei denn es ist eine Kaffeemaschine, die mit gängig attraktiven Hollywood-Größen beworben wird und Unmengen an Aluminiummüll produziert… Aber diese ganzen schönen Frauchen-Dinge, die weibliche Attribute beschwören, die legt uns die Industrie gerne unter den Baum. Ernüchterung könnte eintreten, wenn die neue Kette nicht ebensolch einen Schwanenhals zaubert wie auf dem Hochglanz-Werbematerial, oder die Unterwäsche dann eben doch anders sitzt – Hey, Gummibänder schneiden gerne mal ein, egal wie viel oder wenig Speck sich darunter verbirgt. Und teure Image-Duftwässerchen verwandeln uns nicht in zarte Elfen, die durch die Gegend schweben und höchstens durch zarten Dufthauch auf sich aufmerksam machen. Kaschmirpullis vermitteln zwar haptische Freuden, aber lösen nicht unsere Sorgen und Ängste, genauso wenig wie die x-te Tasche, die ich unbedingt brauche, weil sie so gut zum neuen bunten Wintermantel passt, damit ich dann irgendwann in eine perfekt abgestimmte Uniform schlüpfen kann, die genau zeigt, wer ich bin.

Aaaah… Ne, die Weihnachtszeit liegt mir da dann nicht mehr, wo sie sich in eine Sehnsucht-Wunsch-Kauf-Lawine verwandelt. Man schaue sich nur um: Die Blog-Welt ist voll von Einkaufstipps für Vater, Mutter, Mann, Frau, Großeltern, Freunde, Katzen, Hunde und sich selber (damit wir auf Nummer sicher gehen und auch ganz bestimmt was unter dem Baum liegen haben). Seit Mitte November gibt es Geschenketipps im Wochentakt. Onlineshops machen es einem gleich ganz bequem: Entweder sucht man seine Geschenke direkt nach Preis gestaffelt oder verschlagwortet sie: Sprich, ordnet die Lieben, die bedacht werden sollen, schnell in greifbare Marketing-Kategorie-Kästchen ein und kriegt dann passende Vorschläge geliefert. Es ist einfach zu viel. Viel zu viel. Und da wir uns immer neue Kanäle erschließen, werden wir auf immer mehr Kanälen bombardiert. Magazine, Blogs, Instagram, Pinterest…. Mal ist es offensichtliche Werbung, mal sind es, diskreter verpackt, die persönlichen Lieblingsstücke all derer, die diese Kanäle bespielen, die einem um die Ohren gehauen werden. Sich zu entziehen wird schwer gemacht.
Geschenke auszupacken ist ein wunderschöner Moment, da stimme ich absolut zu, aber kann man da nicht wieder etwas Mäßigung reinbringen, statt die letzten Wochen des Jahres zwischen Adventsstress, Kopfrechnen, Einkaufslistenstress, zu vollen Läden, Schnappatmung unter kurzen Konsumkicks und dem unterdrückten Konsumkater zu leiden?
Ich möchte dieses Jahr nichts unter dem Baum. Im Ernst. Das ist nicht kokettiert und dann wird geschmollt, wenn niemand an mich denkt. Ne. Wer mich fragt, was ich mir wünsche, dem kann ich sagen: Vielen Dank für ein spannendes, schönes Jahr, bitte mach dir wunderschöne Feiertage, aber schenk mir nichts. Ich bin glücklich. Und so gerne ich auch selber Geschenke mache, würde ich auch hier gerne mal einen Gang runterschalten, die guten Wünsche und das an den anderen denken anders verpacken als in materieller Form unter dem Baum. Sind Briefe eine Lösung? Echte Briefe, per Post und von Herzen kommend, sind so selten geworden und eine so schöne Geste, finde ich. Ob man dieses Empfinden weitergeben kann? Die Beziehung in der man zu einem Menschen steht, sollte ja im besten Falle eh nicht an dem Wert oder der Ausgefallenheit des Geschenks gemessen werden (oft genug wird sie das aber leider).

Runterschrauben. Aus dem Weihnachtsfest vielleicht wirklich einen besinnlichen Tag machen und kein reines Pakete schlachten, zumindest für die Erwachsenen. Weg von den Bildern, wie es sein soll, alle zusammen unter dem Baum und bergeweise Glitzerpapier… so hätte es vor allem die Industrie gerne. Und der Druck landet beim Verbraucher. Und so werden jedes Jahr wieder, neben den Einkäufen, viele Rituale wiederholt, die so dazugehören und ein wenig Frustration setzt ein, wenn die Stimmung nicht aufkommen will. Wie soll sie das auch auf Knopfdruck, nach all den Wochen mit Weihnachtsfeiern und Einstimmungsstress? Wenn man mal genau hinhört, ist ein schönes Weihnachtsfest für viele dann auch nicht eines mit viel Getue und Tamtam, sondern eines, das entspannt und ohne Spannungen oder Weihnachtstretminen verläuft…. Das könnte doch von vorneherein ein Ansatz sein. Aber nichts ist schwieriger als mit alten Gewohnheiten zu brechen und das Weihnachtsfest ist in den meisten Fällen eine solch heilige Kuh, dass man sich kaum traut Änderungen vorzunehmen. Dabei kann doch auch hier, wie bei allem, immer mal wieder geschaut werden, ob es noch Sinn macht, so wie es ist oder ob man mit Neuerungen nicht auch etwas gewinnen kann, für alle Beteiligten.

Zwei Kerzen bleiben uns noch, bis wieder beschert wird. Zeit genug also, sich innerlich zu wappnen oder aber um mutig sein. Weihnachten kann so viel mehr sein als Coca-Cola-Weihnachts-Trucks. Geschenk-Pack-Stationen in Kaufhäusern und Abgespanntheit am heiligen Abend.

Auf jeden Fall kann Weihnachten einen Kuchen vertragen:

Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie
2 mittlere Süßkartoffeln
2 große Eier
60 Gramm Butter
2-3 Esslöffel Kokosmehl
3-4 Esslöffel Xucker (oder Süße nach Wahl)
1 Tasse Kakao
3 Teelöffel Lebkuchengewürz
1 Teelöffel Natron
1 Prise Salz

60 Gramm bittere Schokolade für den Überzug

  • Die Süßkartoffeln rund herum mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad im Ofen rösten, ca. 1 Stunde bis sei auf Druck nachgeben und die Schale Falten wirft, es soll sich ein feines Röstaroma entwickeln. Dann pellen, gründlich pürieren und etwas abkühlen lassen.
  • Die Eier verquirlen und mit dem Xucker und der Butter durch mixen bis sich eine schaumige Masse ergibt und diese  mit den Süßkartoffeln mixen.
  • Nun alle trockenen Zutaten vermengen, unter die Süßkartoffelmasse geben und gründlich mixen. Es soll ein kompakter klebriger Teig entstehen. Wir er zu trocken, hilft etwas Kokosmilch. Wird er zu flüssig, etwas Kokosmehl zugeben.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und auf mittlerer Schiene ca. 40 Minuten bei 180 Grad backen.
  • Das Innere soll feucht sein aber außen soll es eine leichte Kruste mit Rissen geben
  • Den Kuchen abkühlen lassen. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen und auf den Kuchen geben

Tipp: Außerhalb der Weihnachtszeit kann man das Lebkuchengewürz gut durch Vanille oder einen ordentlichen Schuss Espresso ersetzen und hat gleich einen anderen Geschmack.
Guten Appetit!

Alternde Fräuleinwunder und (m)ein Rezept für Zufriedenheit

AltwerdenSo schnell geht ein Wochenende um, wenn es mit liebenswertem Besuch und guten Gesprächen gefüllt ist. Und ganz plötzlich wird einem wieder bewusst, was sich alles verändert hat innerhalb eines Jahres und wie gut es ist, wenn Beziehungen, das Netz an Kontakten, mitwächst und Bewegungen aushält. Das ist ja nicht selbstverständlich. Oft steht man Menschen nahe, fühlt sich eng und verbunden und stellt dann fest, dass diese Nähe vielleicht sogar lähmt oder eben zu keiner Seite hin eine Entwicklung zulässt. Das gehört dazu. Ein Abnabeln nicht nur von den Eltern, sondern mitunter auch von anderen Menschen im Leben.
Schöner ist es, wenn es anders ist. Oder wenn man die Chance einer Wiederentdeckung bekommt. Wenn da vielleicht ein Moment, ein Abschnitt der Zurückgezogenheit war, die Wege in unterschiedliche Richtungen liefen und man sich dann wieder begegnet und feststellt, dass man in eine ähnliche Richtung blickt.

Dank intensiver Medienberichterstattung über deutsche Fräuleinwunder-Exportschlager hat mein Hinterkopf während des Besuches angestrengt über das Alter nachgedacht. Ob es wirklich so ein Schreckgespenst ist, wie einem eine Halloween-Verkleidung vielleicht sagen will.
Und dabei fragte sich der Kopf vor allem, wie es sich wohl anfühlen wird, das Älterwerden? Und wann werde ich anfangen es zu fühlen? Wo stehe ich selber eigentlich gerade auf dieser Zeitschiene, die immerzu bemüht wird, um uns zu verorten.

Und  plötzlich dämmerte mir etwas: Erwachsen fühlte sich das an dieses Wochenende. Echt, ungekünstelt und da sich niemand produzieren musste, sondern echtes Interesse die Gespräche prägte, war es sehr inspirierend. Und so konnte Neues entstehen, das nicht in die langen Berliner Nächte gepasst hat, aber sich gut einfügt zwischen Waldwegen und Esstisch.

Und dann fühlt sich Erwachsensein anscheinend richtig gut an. Nun könnte man meinen, dass man mit über Mitte Dreißig ja mal bitte das Erwachsenwerden längst hingekriegt haben sollte, aber so ist das eben nicht. Es wäre furchtbar, wenn ich jetzt schon fertig wäre… Wo bliebe dann die Neugier auf die kommenden Jahre? Ich weiß nicht, was da alles kommt, wo ich in ein, zwei, drei,…zehn Jahren bin… Und das gefällt mir. Intensive Gespräche, wie die des Wochenendes, führen mir dann auch noch einmal vor Augen, dass ich und viele andere meiner Generation den Begriff Reife allzu leichtfertig negativ besetzt haben. Schön ist er, der Punkt, an dem man nicht mehr beweisen muss, dass man die ganze Nacht durchhält, an dem es ok ist, die Runde aufzulösen, wenn alle in zufriedenes, müdes Schweigen verfallen. Der Punkt, an dem man ganz selbstbewusst sagen kann, ich brauche bestimmte Dinge nicht mehr, will sie für mich so nicht mehr. Das macht die Erfahrungen der Vergangenheit nicht klein, es ordnet sie nur eben genau dort ein, wo sie hingehören, in der Vergangenheit. Ich muss und will mit Mitte Dreißig nicht mehr leben wie mit Mitte Zwanzig und ich muss auch nicht mehr reden, mich benehmen und mich kleiden wie das frühere Ich, das ich nicht mehr bin.

Und wenn man einmal innehält und so einen Moment der Veränderungen feststellt und ihn ohne Verlustangst hinnehmen kann und sieht, wie gut und wichtig es ist, dass sich die Dinge ebenso ändern wie die Menschen, dann macht auch der Blick in die ferne Zukunft neugierig und großen Spaß.

Er bereitet mir Vergnügen, aber ich frage mich dann auch, ob mein positiver Blick in die eigene, private Zukunft verknüpft werden kann mit einem eher skeptischen Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, die unseren zukünftigen Lebensraum mit prägen werden.

Wie kann denn eine Gesellschaft reifen und älter werden und im Alter wachsen und dadurch einen positiv besetzten Raum für die begründen, die nachkommen, wenn die erwachsenen, mündigen Geister der Stunde gesteuert sind von falschen Bildern? Das Heil im Konsum suchen, einer in allen Bereichen des Lebens angesiedelten Industriekrake Einflussnahme und Zuständigkeit einräumen und in ein Problem verkehren, was der natürlichste aller Prozesse ist: das Altern.

Wir sind endlich. Wir gehen und machen den Weg frei. In anderen Zeiten und anderen Kulturen gingen wir mit unseren Überresten in einen Kreislauf über, der neues Leben aus der Vergänglichkeit schuf. Heute muss man im Alter Best Ager sein.  Bekommt ein auf das Alter zugeschnittenes Angebot an Dienstleistungen und Produkten um die Ohren gehauen, das noch einmal die  ganze Klaviatur der Marketingmaschine abspielt, um abzugreifen, was geht, bevor die Finger vielleicht zu schwach werden zum Geld ausgeben.

Sicher, bis dahin ist es noch ein Stückchen Weg, aber man sieht am Rande schon welche Bilder uns in der  Zukunft aufgedrängt werden. Haben wir clever gespart? Können wir unsere Immobilie, unsere Enkelkinder, unser erfülltes Leben vorweisen? Eigentlich funktioniert das alles immer ganz einfach und ganz gleich mit dem Marketing: Identifiziere Deine Zielgruppe und dann locke sie mit dem, was intellektuell und im Bereich des Konsums genau einen Schritt außerhalb ihres Lebensrahmens liegt. Der Antrieb mehr sein zu wollen, aufzusteigen, treibt uns an. Denn es gibt ein Oben und ein Unten. Und egal wie intelligent und reflektiert wir auf die Welt um uns blicken, einen Trigger hat jeder von uns und der wird auch gedrückt, die Frage ist nur, ob man sich nicht lieber vorher bewusst machen will, dass es ihn gibt, oder man sich einfangen lassen will von Bildern und Versprechungen.

Und so wird der bekanntlich wachsende, älter werdende Teil der Bevölkerung, als Zielgruppe vermessen und mit Angeboten überhäuft, während in der nachfolgenden Generation das Alter noch in die Ferne gerückt und an der Jugend festgehalten wird. Man hat fast keine Entschuldigung mehr heutzutage mit 40 nicht auszusehen wie mit 30. Alles möglich. Und während man noch abwehrt und mit Dreißig nach außen hin verlacht, was einem die Kosmetikindustrie an Makeln aufzeigt (denn wofür bräuchte man all die Lösungen, wenn da nicht Fehler wären…), wird der Blick im Lauf der Jahre kritischer, hört das halbe Ohr vielleicht doch auf die Versprechungen und wünscht sich den Blick strahlender und den Teint frischer… Und zack, hat sie einen, die Mühle. Und statt anzunehmen, was unweigerlich passiert, wird das Ich wieder vor einen Zerrspiegel gestellt.

Sicher, wenn der eigene Körper dann nicht mehr alles mit der Kraft bewerkstelligt, die man jahrelang gewöhnt war, dann ist das ein Einschnitt. Aber sollte man sich nicht erst mal dafür in den Arm nehmen, dass man es bis dorthin geschafft hat, die Schritte als Siege und nicht als Niederlagen und die vergangenen Jahre als Gewinn an Erfahrung und nicht als Verlust an Jugend zu sehen?

Das ist meine, vielleicht naive Sicht, mein Wunsch an mich, meine , wie ich mir ein gesundes Älterwerden in Balance vorstelle.
Dazu gehört auch, mir heute schon darüber bewusst zu sein, dass ich älter werde, ohne mich ängstigen zu lassen.
Ich habe tatsächlich Alters-Kitsch-Fantasien, in denen ich irgendwo im ländlichen Raum gemeinsam mit dem besonderen Menschen mit dem Rollator zu einer Bank in der Herbstsonne schlurfe, ganz langsam, die Eile braucht man nicht mehr und mit einer erfüllenden Zufriedenheit. Einer Zufriedenheit, für die ich jetzt den Grundstein lege.
Dieses Bild lässt mich innerlich grinsen und was ich für seine Verwirklichung tun kann, werde ich tun. Und dazu gehört eben auch, das Jetzt zu genießen, nicht das „Wenn ich…-Dann“. Denn das rückt immer weiter in die Ferne, je länger ich warte, mein reiferes Ich ans Licht zu holen.

Dieses neue Ich, das fühlt sich nicht spießig an, sondern wunderbar befreiend.

Ich habe lange Jahre nie so ganz verstanden, ab wann man sich denn nun richtig erwachsen fühlen soll und wie das überhaupt aussieht. Dieses Wochenende bin ich dem quasi im Spaziergang ein ganzes Stück näher gekommen. Es sieht noch genauso aus wie früher, aber es fühlt sich ganz schön gut an.