Kurz das Glück bestaunt

 

Im_WaldSchon fast weg. Die Gedanken packen schon den Koffer und mit der Aussicht zeitnah in die zauberhaften Wälder und Aussichten der Vogesen zu entschwinden, wringe ich auch gerne noch bis Samstagabend mein Gehirn aus. Ein Vergnügen. Daneben noch die Erinnerungen an lieben Besuch, mit dem sich in den letzten Tagen neben der Arbeit ganz wunderbar gut essen, spazieren gehen und reden ließ und die Entdeckung einer neuen Lieblingsspaziergehzeit: Der Tagesausklang. Diese kurze Spanne, wenn die warme Frühlingssonne der noch kühlen Abendstimmungen weicht und alles plötzlich in ein unfassbar strahlend weiches Aprikosenlicht taucht und am Waldrand auch schon der erste Dunst aus dem Unterholz kriecht, während am Himmel das helle Blau zwischen den Wolken fast gläsern wirkt.

Innehalten und den weichen Schein auf dem Gesicht genießen, die Schlehen riechen und den Abendvögeln lauschen und für einen Moment dieses große Glücksgefühl verspüren, das einem manchmal das Herz aufs Schönste schmerzen lässt. Und plötzlich wieder wissen: Hier und jetzt, da will ich sein. Und schon jetzt ahnen, dass man sich nach schönen Frankreichtagen auch wieder auf den Moment freut, in dem sich das Tal vor einem öffnet und am Ende das Dorf liegt und Heimat winkt.

Und so müssen die leckeren Rezepte der letzten Zeit warten und werden in Worte gefasst, wenn es weniger nach draußen und weg von der Tastatur zieht.

Zum Glück gibt es Erich Kästner, man ist nicht allein mit seinen Brausepulvergedanken, nur kaum einer bringt so viel Schmunzeln in und zwischen die Zeilen.

Besagter Lenz ist da…

Es ist schon so. Der Frühling kommt in Gang.
Die Bäume räkeln sich. Die Fenster staunen.
Die Luft ist weich, als wäre sie aus Daunen.
Und alles andre ist nicht von Belang.

Nun brauchen alle Hunde eine Braut.
Und Pony Hütchen sagte mir, sie fände:
Die Sonne habe kleine warme Hände
und krabble ihr mit diesen auf der Haut.

Die Hausmannsleute stehen stolz vorm Haus.
Man sitzt schon wieder auf Cafeterrassen
und friert nicht mehr und kann sich sehen lassen.
Wer kleine Kinder hat, der führt sie aus.

Sehr viele Fräuleins haben schwache Knie.
Und in den Adern rinnt’s wie süße Sahne.
Am Himmel tanzen blanke Aeroplane.
Man ist vergnügt dabei. Und weiß nicht wie.

Man sollte wieder mal spazieren gehn.
Das Blau und Rot und Grün war ganz verblichen.
Der Lenz ist da! Die Welt wird frisch gestrichen!
Die Menschen lächeln, bis sie sich verstehn.

Die Seelen laufen Stelzen durch die Stadt.
Auf dem Balkon stehn Männer ohne Westen
und säen Kresse in die Blumenkästen.
Wohl dem, der solche Blumenkästen hat!

Die Gärten sind nur noch zum Scheine kahl.
Die Sonne heizt und nimmt am Winter Rache.
Es ist zwar jedes Jahr dieselbe Sache,
doch es ist immer wie zum ersten Mal.

(Erich Kästner)

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Neofeudalismus zum Wochenende und ein Glücksschwein mit Ingwer und Orange

Schwein mit Ingwer und OrangeZurück aus dem Tritt. Die viele Unterwegsseierei bringt mich ins Stolpern. Dasselbe passiert mir aber auch, wenn ich auf menschliche Wesen treffe, die sich soweit abseits meines eignen Wertesystems und Verständnisses bewegen, dass ich hart kämpfen muss, verständnisvoll zu bleiben. In diesem speziellen Falle bin ich tatsächlich einfach mal der festen Überzeugung mich in einem gesünderen Rahmen zu bewegen, mit dem was mich antreibt, wie ich anderen Menschen begegne und was mich beeinflusst bestimmte Entscheidungen zu treffen.

Der Einblick in den Abgrund war selbst gewählt. Im Rahmen eines Projektes, in dem wir uns engagieren, hatten wir das zweifelsohne zweifelhafte Vergnügen an der Netzwerkveranstaltung einer größeren Stiftung teilzunehmen. All das in der bayerischen Hauptstadt.

Diese elegant spießige Schickeria-Perle unter den Landeshauptstädten, die ich immer nur im Rahmen der Arbeit besucht habe und dabei Eindrucksfetzen eingesammelt habe, die mich privat nicht wiederkommen ließen. Sicher zu unrecht, aber manchmal geht es so – man wird nicht warm und trifft sich immer im falschen Moment, auf dem falschen Fuß, das setzt sich fest.

Also ab gen Süden, emotional weit entfernt liegt dieser mittlerweile deutlich näher als die Hauptstadt, ein Fakt, über den ich noch immer stolpere. Die geographische Wahrnehmung hatte sich emotional verzerrt während der langen Jahre im gefühlten Dreh- und Angelpunkt Berlin.

Während meiner Zeit in der Hauptstadt und im nervenzehrenden Prozess, nach der Uni einen Fuß auf den unebenen Boden der Berufstätigkeit zu bekommen, gab es eine Zeit, in der ich dachte, es wäre erstrebenswert dazu zu gehören. Zu den besagten Netzwerken. Denn auch im Dunstkreis von Politik und Wirtschaft merkt man schnell, dass die richtigen Kontakte und Seilschaften ein Karriere-Antrieb sein können, der in der Wirkung recht konkurrenzlos ist.  Hat man sie nicht, strampelt man sich dann jahrelang im gutbezahlten Mittelbau ab, betraut mit vermeintlicher Verantwortung und wichtigen Aufgaben, aber über eine bestimmte Linie wird man ihn nur schwer heben können, den Kopf. Mit der Erkenntnis, dass das erfolgreich beendete Studium und die richtige Auswahl an Nebentätigkeiten eben nicht alles ist, setzte erst einmal ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit ein. Wie unfair! So wird das nichts… Die anderen… Und schon haben sie einen da, wo man uns haben will. In der 50-60 Stundenwoche. In der jede Gehaltsverhandlung unseren Wert bemisst und das berufliche Vorankommen sich vor allem daran bemisst, dass die Gegenstände um einen herum immer kostspieliger werden. Wir haben uns das jetzt verdient, arbeiten hart und konsumieren mit ruhigem Gewissen. Und mit jedem Paar Schuhe, das preislich eine neue Kategorie aufmacht (nur eine Ausnahme, Belohnung,…) und jeder neuen Tasche fürs Büro und jedem Gadget, das zeigen soll, wer wir sind und wo wir stehen, werden wir unbeweglicher und unflexibler… Denn wer möchte das aufgeben? Das definiert doch ganz stark, wie weit wir gekommen sind, was sollen die anderen denken, unsere finanzielle Sicherheit ist tatsächlich ein Verwobensein in Abhängigkeiten. Und so wird weiter gebuckelt und nur all zu viele werden zu bereitwilligen Stiefelleckern, für ein paar Krumen Status, die man vor sich hertragen kann. Wir können gar nicht anders. Wir gehören dazu. Vor allem in den Städten, in denen Politik und Wirtschaft, die Elite unseres neofeudalistischen Systems, ihre Bühnen haben.

Die Akteure, die diese Bühnen bevölkern, konnten wir nun ausgiebigst und ganz unverblümt am Wochenende erleben. Führungspersönlichkeiten sind sie und sie dürfen sich auch noch mit dem Attribut der vorbildhaften Verantwortlichkeit schmücken. Wenn das unsere gesellschaftlichen Leitfiguren sein sollen, ach ja, sie sind es bereits. Dann gibt es mehr als genug Grund zum Gruseln. Auch Gäste waren anwesend, Fach und Führungskräfte und alle unter der inhaltlichen Klammer, jungen Projekten mit gesellschaftlichem Mehrwert auf die Beine zu helfen. Damit auch klar ist, dass starke Ideen gleich in der richtigen Ecke stehen. So viele erfolgreiche Menschen, von wem möchte ich lernen? Dem Berater, der freudestrahlend erzählt, wie er den Privatisierungsgeier durch deutsche Landschaften jagte?  Ach ja, nach 60.000 innerdeutschen Flugmeilen weiß man ja erst so richtig, was man geleistet hat… Oder vielleicht lässt man sich vom blaublütigen Schmierblattpersonal noch mal etwas mehr über Demokratieverständnis, Volksparteien und Verantwortung erzählen, der deutsche Adel ist ja bekannt für seine historische Bedeutung als Rückgrat der Demokratie (verdammt, was hätte man ohne eine positive Stauffenberg-Rezeption bloß getan). Oder hänge ich mich an den Wirtschaftspsychologen, der  mit kalten Augen lachend erzählt, sein Spezialgebiet wären Verhandlungen und Manipulation. Oder doch die Marketingverantworliche des Saatgutherstellers, der ein Gewissen fremd sein dürfte und wenn doch etwas piekst, wandert eben die nächste namhafte Tasche ins Regal und menschliche Regungen werden in Marketing-Floskeln aufgelöst. Und überhaupt, man ist ja jetzt hier und bringt sich ein… Herzlichen Dank auch, ich gehe beruhigt schlafen, wenn ich solch sympathisch narzisstische Persönlichkeiten an gesellschaftlichen Schaltstellen weiß. Und wenn dazwischen noch grünlich schillernde Politikhoffnungen den Stiefellecker geben und Jungunternehmer ihre Arbeitnehmer in Ressourcen denken, während sie sich gelangweilt die Rolex ums Handgelenk drehen und so mancher Teilnehmer leise die Hoffnung äußert, die Teilnahme wäre der erste Schritt zur Aufnahme ins erlauchte Netzwerk. Nein, da möchte ich nicht dazugehören. Nicht, dass man von Interesse wäre, die Leute haben gelernt über Körpersprache in Gesprächsrunden schnell deutlich zu machen wer interessant ist, hofiert wird, und wer nicht von Belang isr. Das kratzt mich nicht. Aber das unhöfliche Benehmen stößt mir auf, ebenso wie die dezent versteckten Witze, die nur die machen können, die wissen, dass sie nicht fallen werden und denen es auch weiterhin gut gehen wird, weil sie dafür sorgen.

Und wenn es einen innerlich dann fast explodieren lässt, denn so viel Scheinheiligkeit, Kaltschnäuzigkeit und Menschenverachtung in einem Raum sind schwer auszuhalten, wenn man es zulässt darüber nachzudenken, dann bleibt die Flucht vor die Tür und ein kleiner Zigarettenmoment.

Dann bliebe dieser Moment, stünde man nicht gerade vor einem der traditionsreichen Hotels der Stadt, dessen Nachtclub die Schickeria anzieht. Und statt durchzuatmen und dem Kopf einen Moment der Flucht zu erlauben, bleibt der Blick ungläubig an schmierlappigen, aufgedunsenen Männern Ende 40 hängen, denen es quasi aus der Nase staubt und deren austauschbaren kleinen Freundinnen, die auf höchsten Hacken ihr Revier verteidigen und sich gegenseitig  schonungslos vermessen. Zu welchen Zugeständnissen bringt einen die Aussicht auf eine gewisse Sorglosigkeit? Und sehen die nicht die Austauschbarkeit ihrer Rolle? Aber in  traditionsreichen Hallen findet dann eben zusammen, was zusammengehört, Männer, an denen nichts attraktiv scheint (Charme, Intelligenz und eine positive Ausstrahlung sind hier nur sehr versteckt anzutreffen) außer einem gewissen Spielraum und dem Ausblick auf die nächste Designerhandtasche und die Perspektive Ski-Urlaub in angemessenem Rahmen und als Gegenstück die zurecht gemachten Weibchen, die sich an das Vergänglichste klammern, was sie haben, das Äußere, und deren teures Parfüm nicht ankommt gegen die Aura des inhaltsleeren Abziehbilds mit eisernem Willen.

Und als der Kopf dann nicht mehr wollte und die Höflichkeit es erlaubte, wurde der Rückzug angetreten und der bedeutete eine große Prise willkommener Realitätscheck. Dank umfassender Ortsunkenntnis befand sich die Ferienwohnung für das Wochenende im Münchener Osten und dort in dem, was wohl Münchner Sozialbau entspricht. Gepflegt, aber eben 35 Einzimmerapartments auf einem Flur. Kleine Kaninchenställe, Heimat von Menschen und nicht immer nur einem. Bonjour Tristesse, das heißt es für die Bewohner bei jedem Gang vor die Tür und jeder Heimkehr nach einem Arbeitstag. Da bleibt kein Platz sich in den eigenen vier Wänden auszuleben. Da herrscht ein Mangel an Raum und es bleibt der Blick aus dem einen Fenster, das zu jeder dieser Wohnungen gehört.  Mir fällt es schwer in solchen Moment ein Argument dafür zu finden, warum ich mehr Raum verdient haben sollte als all diese Menschen. (Habe ich nicht.) Und ich weiß, dass nur allzu viele Menschen sich solche Fragen gar nicht erst stellen. Mehr, mehr, mehr … zuallererst für sich und dann irgendwann der Blick über den Tellerrand (natürlich im Rahmen), denn der gehört ja dazu. Architektonisch bewandert, würde  dieser fragwürdige Bau, der Wohnstatt erschreckend vieler Menschen ist, dann noch einer bestimmten architektonischen Schule zugeordnet werden. Ein interessierter Blick von der unberührten Metaebene und zurück in die eigene Behaglichkeit.

Das fällt mir schwer nach solchen Eindrücken. Umso wichtiger finde ich es solche Dinge immer wieder einmal zu erleben. Wach zu bleiben. Und es mir nicht zu bequem zu machen hinter den Scheuklappen der Behaglichkeit.

Wenn der Kopf dann wieder aufnehmen kann, und sich der Knoten etwas gelöst hat, heißt es nicht stagnieren und sich nicht lähmen lassen, sondern es weiter und anders machen und neue Wege finden.

Und manchmal reicht so eine herzerfrischende Kleinigkeit wie ein Essen mit lieben Menschen, um aus dem Stolpern zu kommen.

Glückliches Ingwer-Orangen-Schwein mit Weißwein
Ich habe lange Zeit kein Schwein gegessen. Zu oft war da dieser unangenehme Beigeschmack und Geruch. Das war Haltung und Schlachtung geschuldet. Glückliche Schweine hingegen waren eine echte Wiederentdeckung. Stressfrei geschlachtet, mit sozialen Kontakten und Bewegungsmöglichkeiten. Und vor allem einer entspannten Aufzucht ohne Kraftfutter und Wachstumshormone, die einfach nur für schnelle Fleischberge sorgen. Aber für den Geschmack und für die Verantwortung den Tieren  gegenüber und auch aus Respekt vor den Bauern, lohnt es sich zu suchen (auf Märkten und im Internet) und sich eine vertrauenswürdige Quelle zu suchen.

1 Kilo Schweineschulter
Ein großes Stück Ingwer (7 Zentimeter)
3-4 Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch, gehackt
4-5 große Lorbeerblätter
2 Teelöffel Senfkörner
2 Teelöffel Koriandersamen
Saft von zwei Orangen
0,5 Liter trockenen Riesling 
Salz
Pfeffer
Eine halbe getrocknete Chilischote
Kokosöl

  • Das Fleisch salzen und Pfeffern und im heißen Kokosöl im Bräter von allen Seiten scharf anbraten.
  • Die Zwiebeln vierteln und den Ingwer und den Knoblauch fein hacken und mit den Zwiebeln ins heiße Öl zum Fleisch geben und anbraten, bis die Zwiebeln leicht glasig sind.
  • Nun mit dem Weißwein ablöschen, den Orangensaft dazugeben, sowie die Lorbeerblätter, den Koriander und die Senfkörner. Noch etwas pfeffern und salzen und eine halbe Chilischote dazu.
  • Denn Deckel auf den Bräter und gute zwei Stunden schmoren passen.

Dazu passen Petersilienwurzeln und Möhren mit Thymian aus dem Ofen und ein schlichter Feldsalat.

Guten Appetit!

Rezepte für das Leben oder Fertigmischung

Rezepte fürs LebenIch  habe mir wohl oft genug gewünscht, an irgendeinem Punkt in meinem Leben hätte mir mal jemand eine Gebrauchsanleitung in die Hand gedrückt. Oder besser noch: Ein einfaches Rezept. Überschaubare Zutaten und klar definierte Handlungsschritte und tatataa: ein Ergebnis. Aber das wäre wohl auch nicht das Wahre. Die ganzen Irrungen und Wirrungen, in die wir uns Tag für Tag wieder stürzen, gehören wohl dazu. Wobei ich den Verdacht nicht los werde, dass es Menschen gibt, die sich einfach eingerichtet haben und sich nicht stören lassen in diesem selbstgesetzten Rahmen. Ein solcher Lebensentwurf wird ja auch wunderbar unterstützt in unserer Gesellschaft. Dir geht es nicht gut? Lies einen der gefühlten 10 000 Ratgeber und kauf direkt den Folgeband dazu und wenn das nicht hilft, mach ne entspannte Reise oder kauf dir was Schönes. Immer noch nicht genug? Such Dir Ablenkung, erfülle Deine sozialen Pflichten, bilde Dich weiter, achte auf Dich, mach dich hübsch, mach ne Detox-Kur, meditier, geh aus, schlaf regelmäßig, trink weniger Alkohol und mehr Wasser, iss vernünftig und gesünder… Du möchtest tiefer vordringen? Dann such Dir nen Coach – Therapeuten sind so was von gestern, töpfer oder mal was, sing oder tanz, tu Gutes und und und….

Wie kriege ich alles unter einen Hut, was mir da so an Möglichkeiten geboten wird und wie zur Hölle geht das eigentlich mit dem berühmten eigenen Weg?  Selbstfindung – so ein wahres Wort und leider mit Klischees überladen. Ob das Zufall ist? Finden, sprich Suchen, erfordert Konzentration. Wo finde ich die in dem Hin und Her und den Anforderungen von mir und anderen an mich? Und warum geht alles immer schneller?

Ich finde, man kann sich ganz wunderbar selbst in einen Gedankenstrudel hinein schrauben, der am Ende total unproduktiv und destruktiv ist. Ich weiß aber auch, wie schnell so etwas gehen kann. Wie es quasi in unserem westlich-modernen Erwerbs-Lebensentwurf angelegt ist, sich immer mal wieder zu verlieren. Und dann probiert man all die Wege aus, die der Mode der Zeit entsprechend gerade durch den Mainstream geistern, oder man ist mutiger und sucht am Rande, auf die Gefahr hin belächelt zu werden,  wenn man mit spirituellen Lösungsansätzen daher kommt. Nein, nein – weg damit.

Ein Rezept also. Und zwar bitte frühzeitig, dann kann man seinen Weg gehen ohne das ein oder andere rückblickend unnötige Drama. Ein Rezept, das einen etwas mehr zu sich selbst führt und entspannter werden lässt inmitten von Anforderungen, Bildern und Projektionen, die jeden Aspekt des Lebens in den Krallen halten. Denn es gibt sie nicht umsonst, die Rama-Familie,  die Erfolgsstories, die Vorher-Nachher-Styling-Geschichten, die Beschwörung von Beziehungsidealen mit ihren öffentlichen Traumpaaren, das Bild der Geselligkeit inmitten anderer gutgelaunter attraktiver Menschen – es kostet eine unglaubliche Anstrengung, sie abzustreifen, diese eingeimpften Bilder. Und ja, auch wer nun die Brauen runzelt und sich frei von Manipulation wähnt, wird seine Fallen finden. Und sei es dem Schönheitsversprechen der Kosmetik zu glauben oder beim Klamottenkauf den Bauch einzuziehen….oder vielleicht doch im Gespräch mit anderen die ein oder andere Leistung noch etwas hervorzuheben…man gehört ja dazu und funktioniert. Ein Kampf gegen Windmühlen. Und da jeder ihn führt, liegt eine Lösung vielleicht in den Menschen.

Jeder hat seine kleinen Kämpfe und Ticks und Marotten und das soll auch nicht anders sein… Aber jeder geht damit anders um und ich bin einfach der festen Überzeugung, dass nicht jeder Mensch mit unschuldigen Ambitionen durch die Welt läuft. Wer kennt sie nicht, die kleinen Sticheleien unter Freunden. Man kennt sich so gut, eine kleine Spitze verpackt als Witz  – wir haben doch Humor! Ein Gespräch über Personen in deren Abwesenheit, natürlich ganz im Vertrauen und mit den besten Absichten – das macht so viel Spaß, ich weiß. Ein Spielchen mit den Gefühlen anderer. Nicht immer bewusst, aber manchmal schon, wenn man merkt, was man tun muss um zu kriegen was man will. Das klappt als heulende Dreijährige ebenso gut wie als sturer Vierzigjähriger oder als exaltierte Zwanzigjährige. Wenn man mal ganz ganz ehrlich ist, kennt jeder solche Menschen, zumindest einen – sich selber… Und wer da jetzt nein sagt, ist ein besonders heißer Kandidat! Aber das Gute ist ja, dass wir die Fähigkeit zur Reflexion haben, wir können unsere Handlungen reflektieren, wir haben emotionale und moralische Maßstäbe. Wir besitzen Empathie. Psychopathen nun einmal ausgenommen. Wir haben selbst in der Hand unser Verhalten zu ändern und wir können uns mit Menschen umgeben, die genauso denken wie wir, die unsere Wertvorstellungen teilen, die uns Gutes wollen und ehrlich sind in dem, was sie uns spiegeln. Die Freundschaften, die wir pflegen und das Gespinst an Dynamiken, die diese bedeuten, sagen viel über uns aus. Eine neue Liebe? Dann ist der beste Freund, die beste Freundin eigentlich das  herausforderndere Treffen als das mit den Eltern… Und  weil das mit den Menschen unter einander nicht immer ganz einfach ist, denn auch wenn man versucht der Welt mit Respekt zu begegnen, bekommt man diesen nicht immer zurück, hat man auch hier die Wahl: Man darf Menschen aus seinem Leben verabschieden, wenn sie einem nicht gut tun. Wenn sie einen nicht wachsen lassen, oder die Treffen und Gespräche zu oft ein seltsames Gefühl der Unsicherheit oder des Unbehagens hinterlassen.  Das fällt so schwer zu sehen und sich einzugestehen, aber es gibt sie viel zu oft, die destruktiven Mechanismen, die uns Energie kosten. Die Menschen, die uns ausbremsen und zurechtstutzen, Neid hinter falschen Komplimenten verstecken oder leere Versprechen auftürmen… egal ob in Freundschaften oder anderen Beziehungen. Wir dürfen kritisch sein, wenn wir es zu allererst uns selbst gegenüber sind.  Da ist das Schwerste von allem.

Und weil das alles so kompliziert ist, ist er da, der Wunsch nach dem Patent-Rezept. Ich weiß nicht was anderen so schmeckt in dieser Hinsicht, aber für mich hat sich eine kleine Lösung aufgetan. Simpel aber klar. Ein Mensch, der sich obsessiv mit dem Thema Essen beschäftigt, sollte vielleicht beginnen Analogien zwischen den Bereichen des Lebens zu bilden. Denn letztlich hängt es alles tatsächlich zusammen.

Warum nicht die Grundsätze und Anforderungen, die ich an mein Essen stelle, auch an die Gefühlsnahrung stellen.

Keine Zusätze, keine unverständlichen und schädlichen Zusatzstoffe, keine künstlichen Farbstoffe und Geschmacksverstärker. Was schlecht ist, kommt weg. Und hinschauen, ob man erkennen kann, was man sieht. Ehrlich, mit gutem Geschmack, Substanz und voller guter Nährstoffe…vielleicht ist das ein erster Schritt, einen weiteren Faden etwas zu entwirren in diesem seltsamen Gespinst, in dem man so steckt.

Guten Appetit!

Ich tue nur so – es darf auch schnell gehen

Schnelle Paleo KücheSobald Leute beginnen Rezepte zu posten, entsteht ja schnell der Eindruck, dass es bei ihnen immer unglaublich anspruchsvoll zugeht auf dem Teller: Ständig wabern  fantastische Gerüche aus der Küche, wo ein detailverliebter, stilvoll gedeckter Tisch zum Niederlassen einlädt…Was wie der 50er Jahre Hausfrauen-Beschäftigungs-Alptraum klingt, trifft wohl heute noch weniger zu, würde ich wagen zu behaupten. Man sollte sich also nicht blenden und vor allen Dingen nicht einschüchtern lassen von der Form der Selbstdarstellung, die Leute für ihre Blogs wählen. Ich zum Beispiel fotografiere meine Kekse, würde aber niemanden das chaotische Ankleidezimmer unter die Nase reiben wollen.

Also niemals abschrecken lassen! Und niemals aufhören selber zu kochen! Auch wenn es anderswo ganz fantastisch klingt, während man selber sich fragt, wo zur Hölle man die Zutaten herkriegen soll. Für alles, was ausgefallen ist, hilft Google und dann ist es wirklich gar nicht schlecht, sich anzugewöhnen Mahlzeiten zu planen. Zum einen kann man so kochen, dass direkt etwas für den nächsten Tag übrig bleibt und zum anderen landet, wer sein Essen plant, irgendwann auch bei der guten alten Einkaufsliste. Wer dieses wenig beachtete Listenwesen vorrauschauend pflegt, wird etwas Wunderbares feststellen: Man spart Geld!
Denn mit einem Einkaufsziel vor Augen schleichen sich weniger Zufallsfunde in den Einkaufskorb und man geht innerlich vorbereitet an den Einkauf heran, handelt nicht im Affekt wenn man gestresst, hungrig und abgelenkt aus dem Büro kommt.

Nun mag es daran liegen, dass ich auf dem Dorf ins Auto steigen muss, um in den Supermarkt zu fahren, aber mittlerweile schaffen wir es, mit einem Einkauf durch die Woche zu kommen. Und das sehr gut. Es wird mit der Zeit leichter. Und wir kaufen keine Unmengen – man könnte diese Einkäufe auch auf dem Fahrrad transportieren. In der großen Stadt Berlin, wo das Angebot an Bio-Läden deutlich größer war, sind wir jeden zweiten Tag total verplant Einkaufen gegangen und haben viel zu viel Geld für Dinge ausgegeben, die wir gar nicht brauchten.

Jetzt gibt es für uns drei Lebensmittelquellen, die wir regelmäßig frequentieren:

(Bio-)Supermarkt
Fleischbestellung über das Internet
Ölmühle Solling für Nuss-Mehle und Kokos-Öl

Momentan suchen wir gerade verstärkt nach lokaleren Quellen für Gemüse, Fleisch und Eier. Aber nicht jeder Hofladen bedeutet Bio-Anbau oder Weidehaltung.

Grundsätzlich kann ich nur dringend empfehlen, sich einen Gefrierschrank zuzulegen! Das perfekte Örtchen für Suppenknochen, die auf ihren Einsatz warten und gerade jetzt im Sommer lohnt es sich bei Obst wie Rhabarber und Beeren zuzuschlagen und dieses einzufrieren.
Soweit ist es schon, ich plane meine Einkäufe und gebe Einfrier-Tipps. Ne, aber ich denke manchmal ist es gut, einfach mal über die ganz einfachen Abläufe nachzudenken, die unserem Alltag so zugrunde liegen.

Und für die ganz stressigen und faulen Tage ist mein Lieblingsessen: Etwas aus dem Ofen.

Gemüse nach Wahl (frisch oder tiefgefroren), ich nehme gerne Schwarzwurzeln, Kürbis oder Zucchini
Dick geschnittene Speckscheiben
Butter (großzügig! Bei mir wandert schonmal ein halbes Stück Butter in die Form)
Gewürze (je nach Gemüse)

  • Das alles kommt gemeinsam in eine Auflaufform und dann bei 200 Grad in den Ofen.
  • Ca. 20 Minuten im Ofen backen, bis der Speck schön kross ist und das Gemüse in der Butter angebraten.

Super simpel, super lecker.
Und wenn die Zeit einmal gar nicht reicht: Es macht dem Körper auch nichts aus, eine Mahlzeit auszulassen, etwa das Abendessen. Im Gegenteil, ein kurzes Zwischen-Fasten kann einen wieder ins Gleichgewicht bringen und klärt den Kopf!

Guten Appetit!

Fasten und vom Braten träumen

IMG_3138Der Fasten-Selbstversuch. Dann doch. Nachdem es schon länger zur Diskussion stand, haben wir gestern Abend einfach mal beschlossen das Intermittent Fasting zu wagen, da diesem – abgesehen von reiner Faulheit- nichts entgegenstand. Einen letzten Ausschlag gab dann die sehr griffige „Gebrauchsanweisung“ auf dem Blog „paleoleben“ und so hieß es dann nach dem gestrigen Abendessen erst einmal Nahrungsaufnahme-Stopp.
Wir haben uns 22 Stunden gegeben und die gingen ganz wunderbar zügig vorbei. Der Tipp, die Schlafperiode in die Fastenzeit mit einzubeziehen, war sehr hilfreich und der Start in den Tag wurde mit viel grünem Tee ganz einfach.
Auch die Stimmung war weitestgehend positiv und erst zur späten Mittagszeit begann eine leichte Angespanntheit sich breit zu machen. Wobei es tatsächlich noch hätte weitergehen können.

Das Gefühl war ein ganz neues und positives – nicht aus Reflex heraus die nächste Mahlzeit einzunehmen, sondern zu schauen, wie der Körper auf den längeren Nahrungsentzug reagiert und was er mir mitteilt. Ich habe in der Vergangenheit eh schon festgestellt, dass bei einer konsequenten Paleo-Ernährung deutlich weniger Nahrung nötig ist und sich essensfreie Perioden nicht mehr zu sozialer Unverträglichkeit auswachsen. Sehr beruhigend. Und das Energie-Level ist konstanter, die Leistungsfähigkeit unterliegt weniger Schwankungen, was letztlich die Arbeitszeit einiger Frustrationen beraubt. Auch während des Fasten habe ich konzentrierte Kopfarbeit geleistet und zudem noch ein mittägliches Pilates-Pensum einbauen können.

Dennoch war die Knochen-Brühe zum „Fastenbrechen“ mit das Beste, was ich seit Langem gegessen habe! Bevor es aber die Brühe gab, war mein Geist kurzzeitig vom fixen Gedanken an ein bestimmtes Gericht besessen: Heidschnucken-Keule.
Diese Köstlichkeit, die es bei uns an Ostern gab, hat sich so eingebrannt, dass ich sie noch schnell teilen will. Heidschnucken sind wohl meine Lieblinge unter den Schafen. Andere Schafe mögen weiße Lämmer haben, aber keines schmeckt so wunderbar wie Heidschnucke!

Meine Zutaten

Eine frische Bio- Heidschnucken-Keule (es waren knapp 1,5 Kilo)
4-5 dicke Möhren
6 Zwiebeln
1 große Tasse Brühe
1 große Tasse trockenen Rotwein
Salz
Pfeffer
Rosmarin
Knoblauch
Olivenöl

  • Ofen auf 120 Grad vorheizen.
  • Die Heidschnucken-Keule säubern, trocken tupfen und ein paar Knoblauchzehen spicken. Da es keinen Rosmarinzweige gab, habe ich improvisiert und aus getrocknetem Rosmarin, etwas Knoblauch, Salz, Peffer und Olivenöl eine Pesto-artige Würzpaste hergestellt. Diese habe ich großzügig auf der Keule verteilt.
  • Möhren schälen und in grobe Stücke schneiden, Zwiebeln schälen und in Stücke schneiden und beides in einen großen Bräter geben. Dazu 3-4 Esslöffel Brühe.
  • Nun die Keule auf das Gemüsebett geben und in den Ofen schieben. Nach ca. 40 Minuten die Brühe und den Wein in den Bräter gießen, so dass die Keule schön schmoren kann.
  • Nach 3,5  Stunden war unsere Keule fertig und perfekt – noch leicht rosa. Um sicherzugehen, schneidet man die Keile an der fleischigsten Stelle an: tritt roter Bratensaft aus, dauert es noch. Ist der Saft klar – super!

Nun noch schnell den Tisch gedeckt und die Keule serviert, dazu das wunderbar durchgeschmorte Gemüse, das all die leckeren Aromen aufgenommen hat…

Guten Appetit!

P.S.: Bratenreste ergeben mit dem Olive-Fluff-Brot  ein absolut deliziöses Sandwich!!