Ein Jahr, Auge in Auge mit dem Schweinehund und Abschied von der Avocadocreme

Avocado KritikEs ist genau ein Jahr.  Ein Jahr her, dass die netten Menschen vom seltsamen Umzugsunternehmen in Windeseile ihren Laster entluden und uns mit diversen Kistenhaufen und einer ziemlichen Ungewissheit auf dem Dorf zurückließen und selbst zurück in Richtung Berlin fuhren.

Ich gebe zu, als wir selber am gleichen Tag die große Stadt verließen, kullerten bei mir kurz ein paar Tränen, so etwas wie die plötzliche Furcht vor der eigenen Courage, aber diese unbestimmte  kleine Sorge und die Ungewissheit, die am ersten Abend mit uns im Kistenchaos saßen, wichen ganz schnell der Freude am Neuen und der Entdecker-Lust.

Ein Jahr später sind alle Kisten ausgepackt und das alte Leben in der großen Stadt steht in einem anderen, schön-spannend-durchwachsenen Kapitel.  Es fühlt sich sehr abgeschlossen und entrückt an. Was davon bleibt sind vor allem die lieben Menschen, die einen weiter begleiten und der Stolz, es gewagt und geschafft zu haben. Ja, es sieht gerade ziemlich gut aus. Und der Mittagsspaziergang durch die Sonne rund ums Dorf hat den Kopf kurz ganz sachte warm gestreichelt und einen bestärkt in der Richtigkeit der eigenen Entscheidung.

Ich  war mir dessen nicht wirklich bewusst, bevor wir uns entschieden haben etwas grundlegend zu ändern, ich habe nur zunehmend angespannt reagiert auf jede der vielen Geschichten, die einem die unterschiedlichen Medien über mutige Lebens-Richtungs-Wechsel und Neuanfänge servieren.  Ich wollte nicht die Erfolgsgeschichten anderer Leute wiederkäuen und beklatschen (auch wenn viele eine Menge Respekt verdient haben), ich wollte selber ein kleines Abenteuer erleben. Nur zu leicht kann man sich ja auch ein wenig einschüchtern lassen, wenn ein Lebensmodell da medial aufbereitet wird. Denn das klingt ja immer nach ein bisschen mehr als nur Job und Sicherheit aufgegeben und sich örtlich verändern. Nein, das sind dann meist gleich großartig klingende Projekte, die im Zusammenhang mit dem Wechsel aus der Taufe gehoben wurden. Oder kleine Unternehmen (ok, das sind wir tatsächlich auch), aber dann immer mit einem Zeitgeist-gemäßen ästhetisch-intellektuellen Aufhänger und mit einer entsprechenden Bildersprache.  Das war mir persönlich zu viel. Dort wird nur allzu oft einem Ego geschmeichelt, das sich da lang und breit in Szene setzen lässt. Und viel zu selten wird mal erwähnt, dass es auch klein und leise geht. Ohne großes Kapital, ohne  Plan B. Man kann sein Leben ändern, raus aufs Land – das muss nicht gleich das ambitionierte Hofprojekt sein. Oder an einen anderen Ort.  Das muss gar nicht zum Herzeigen sein, aber gelebt werden sollte es. So ganz und mit Überzeugung und dann wird Ungewissheit auch belohnt. Übermütig werden lässt mich das nicht. Tief drinnen habe ich uns all das zugetraut, aber man weiß vorher nie was kommt. Das weiß ich auch jetzt noch nicht. Ich weiß nur, dass wir uns bemüht haben und eine neue Bescheidenheit gelernt haben und diese Veränderung belohnt immer wieder. Vor allem mit dem Gefühl, bei mir angekommen zu sein. Und das ist eine ganz wunderbare Ausgangsbasis für neue Abenteuer… Wird es immer der Taunus sein? Was für andere Modelle des Arbeitens stehen uns noch offen? Welche schönen Dinge möchte ich noch tun, von denen ich noch gar nichts weiß? Es sind nämlich nicht immer nur die anderen, die irgendwie vom Glück geküsst, mit besseren Startbedingungen, mehr Talent, mehr Zeit, mehr Kreativität,… Nein, die Veranlagung hat zum Glück jeder. Nur wie wir sie nutzen, das ist mitunter traurig anzusehen. Und den Mut trägt auch jeder in sich, nur wird er allzu oft betäubt und vergraben oder kompensiert durch Ersatzlösungen und Kompromisse. Und die sind tatsächlich allzu oft materieller Natur.

Ich fand das auch recht angenehm, in der großen Stadt, mit einem festen Gehalt und als Ausgleich zum Arbeitsstress oder zu besonderen Anlässen habe ich mich selbst belohnt. Allerdings oberflächlich. Die neue Hose hätte dann immer gerne noch ein paar neue Schuhe dazu bekommen, der fünfte Nagellack möchte nicht der letzte in der Sammlung sein und das zweite Glas Wein lässt einen weiter bestellen, wir schauen mal nicht so genau hin und suchen lieber noch neue schöne Gläser zum Wein. Das ist in einem gewissen Rahmen ja völlig verständlich und ok. Aber es ist vielerorts doch eine gewisse Maßlosigkeit eingezogen. Ich stehe heute vor meinem Schrank und frage mich, was ich mit 10 Paar Sneakern soll. Wann ziehe ich die an? Nun verschenke ich, was ich kann um mich herum und gebe den Rest weiter. Ich habe immer noch mehr als genug. Einiges davon bleibt auch gerne hier, ich will weniger Neues einziehen lassen. Ich halte auch die diversen Simplify-Ratgeber für Nonsens, die Dir beibringen wollen, welche 10 Dinge Dir reichen für das Leben. Am besten dann mit Weiterleitung zum Renovierungs-Ratgeber und Einkaufsberater, damit jede Oberfläche an und um einen Reduzierung schreit. So funktioniert es eher nicht. Das muss schon jeder selber für sich herausfinden, und vor allem den persönlichen Bereich identifizieren, in dem entrümpelt werden sollte. Es muss und soll auch nicht in der totalen Askese enden, sondern es geht um ein Bewusstsein für sich und das eigene Leben und die Menschen um einen herum. Auch wenn das furchtbar nach Mainstream-verseuchten Eso-Müll klingt. Da wurde ja auch gute Arbeit geleistet. Viele kluge Gedanken sind längst in die Form von Redensarten gegossen und langsam aber sicher in der Ecke der hohlen oder verspinnerten Phrasen platziert worden. So dass man seltsam klingen muss, wenn man anfangen möchte sich bewusst zu äußern.

Neulich sagte jemand, es liegt ein ganzes Stück Weg zwischen dem Fakt, dass man etwa die enorm liest und der tatsächlichen Umsetzung eines nachhaltigen Lebensmodells (im Sozialen, Materiellen und letztlich auch Spirituellen). Es ist sicher ein Anfang, sich mit bestimmten Themen intensiver auseinander zu setzen, aber nur allzu selten wird der Schritt von der intellektuell verbauten Meta-Ebene wirklich hinein ins Praktische vollzogen.

Das ist nämlich recht anstrengend. Ich bin weit davon entfernt mein Leben als abgeschlossenes Modell zu betrachten. Das soll es niemals sein. Es steckt nur so voller Überraschungen und zeigt mir gerade in den letzten Monaten immer öfter, was möglich ist, wenn man sich traut. Manchmal habe ich auch keine Lust und denke, es wäre einfacher wieder konventionell zu konsumieren und bei den Menschen nicht so genau hinzuschauen und wieder auf eine oberflächlichere Ebene einzusteigen und Spielchen mitzuspielen, weil es vermeintlich schneller geht. Aber ich weiß, dass ich mir damit keinen Gefallen tue und dass ich dieses schöne Gefühl der entspannten Zufriedenheit nicht anders hätte erreichen können. Und ein wenig stolz bin ich auch, auf das was wir in einem Jahr auf die Beine gestellt haben, auf dem Dorf, im Privaten, mit der eigenen Firma und auch hier, auf diesen persönlichen, virtuellen Seiten. Denn nicht nur ein Jahr ist es, dass wir hier sind, 100 Einträge sind es nun auch, seit ich begonnen habe den Schweinehund wegzutreten, der sich an meine große Lust am Wort geklammert hat und jeden Gedanken an das Schreiben, jenseits der Arbeit, lange verscheucht hat. Lange dachte ich auch so ein Blog, das endet immer in einer narzisstischen Nabelschau und das ist das letzte was ich will. Aber dem muss gar nicht so sein. Davon gibt es viele Beispiele, sicher. Die Bühne ist ja wunderbar bereitet. Aber es gibt so viele stille Perlen, die in den Untiefen der Blogwelt leuchten und ich freue mich immer wieder, wenn ich neue entdecke und bin ehrlich bewegt, wenn ich sehe, wie eifrig meine Gedanken gelesen werden. Das ist eine schöne Motivation den Schweinehund weiter zu treten und weiter nachzudenken und weiter zu suchen nach den vielen schönen Gedanken und Anregungen, die so viele mutige Schreiber in die Welt setzen.

Und kleine Meilensteine kriegen dann doch manchmal eine Belohnung. Das war gerne mal eine Koriander-Avocadocreme. Wobei ich echt keine Avocados mehr kaufen kann seit ich jetzt für diesen Eintrag recherchiert habe. Avocadobäume brauchen täglich 50 Liter Grundwasser und werden für den Export zumeist in Regionen angebaut, die nicht eben bekannt sind für Wasserreichtum, etwa Peru, Israel. Und auch die Bio-Variante löst das Wasserproblem nicht. Also ist dies ein Abschiedsgesang auf einen köstlichen Vertreter der Beeren-Familie. Ein Superfood, das einen Preis hat.

Tschüss, Avocado.

Sonntägliches Wohlbehagen, Lesestunden und Herbststimmung in Gläsern: Pflaumen-Chutney

Pflaumen ChutneyNein, ich muss da nicht raus. Ich darf auch mal einfach ganz faul drinnen bleiben und den grauen Himmel grau sein lassen. Der Schweinehund schnurrt und lässt sich den Bauch kraulen. Ein Tag nach seinem Geschmack. Keine Tritte von meinem Motivations-Motor, sondern zelebriertes Faulsein und die Früchte der gestrigen Küchen-Wirbelei genießen.

Denn jetzt ist endlich die Zeit angebrochen meine Pläne der großangelegten Bevorraterei für die dunklen Monate in die Tat umzusetzen. Die Bäume am Wegesrand hängen voller Pflaumen, Birnen und Äpfel, die Kürbisse wachsen und auch auf Quitten darf man hoffen – nein, kein Neid: nicht im eigenen Garten, ich habe einen ins Schwarze tendierenden Daumen, aber einfach mal geschaut, wer selbst zu Faul ist, sein Obst zu verarbeiten und ansonsten regional gekauft.

Und dann sollen in der Küche in den nächsten Wochen regalbretterweise Chutneys, Kompott und eingelegter Kürbis entstehen. Das ist der Plan. Schauen wir mal. Auf jeden Fall mag ich es, Selbstgekochtes zu verschenken und bin selber großer Freund von Gläsern, die einem schnell das einfachste Essen noch spannender machen. Also muss wohl einiges produziert werden, damit alle Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können.

Ganz nebenbei befriedigen diese ganze Einkocherei und Hantiererei mit Gewürzen ja auch so tief vergrabene Landhaus-Idyllen-Phantasien, die ich sonst abstreite. Aber eine Auswahl an Gläsern mit krakelig geschriebenen Etiketten (denn ich werde nicht noch dem Zeitgeist verfallen, gefällige Etiketten mit putzigen Namen zu produzieren) muten immer so Klischee-Geschichten-Haarknoten-Großmutter-Blumenschürzen-mäßig an. Meine Oma habe ich nie einkochen sehen, aber ich wurde mit genug Kinderliteratur und medialen Stereotypen geimpft um empfänglich zu sein für diese Wohlfühl-Klischees. Muss auch mal sein. Ich bin mir dessen bewusst.

Und da die erste Fuhre Pflaumen gestern schon einmal probeweise in den Topf wanderte und das Haus heute noch so lecker nach Gewürzen riecht, hat der Schweinehund Glück gehabt. Er sollte es sich nur nicht zu bequem machen.

Also gute Voraussetzungen für so einen Tag mit viel Tee und dem völligen Abtauchen in geschriebene Welten.

Meine eigentliche Lektüre im Moment ist  eher verstörend endzeitlicher Natur und so fantastisch geschrieben, dass ich sie nur widerstrebend aus der Hand lege, aber ich habe heute das unbestimmte Verlangen etwas auf etwas Berührendes. Oder zumindest etwas, das einen kurz verschnaufen lässt, angesichts der gnadenlos mahlenden Mühlen des Weltgeschehens. Eine Art bewusster, zeitlich begrenzter Eskapismus ohne fiese Verdrängungsmechanismen.  Das sollte man sich durchaus regelmäßig gönnen.

Und da passt eine andere Lektüre viel besser. Ein Buch, an das ich seit der Lektüre immer mal wieder denken muss: Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss.

Zuerst tat ich mich schwer mit dem Titel und ja, auch mit der Umschlaggestaltung. Ich glaube am liebsten sind mir Bucheinbände neutralerer Natur, aber ich weiß auch, dass das kein Bewertungskriterium sein sollte.

Auf jeden Fall sollte es einen nicht davon abhalten dieses zarte Buch zu lesen! Ich habe es im Gehen zu Bahn, in der U-Bahn und einfach überall gelesen. Habe beim Frisör gesessen und fast geweint vor Rührung, habe Seiten zurück geblättert und Sätze wieder und wieder gelesen um ihre Schönheit festzuhalten.  Habe mein Lesetempo verflucht um so lange wie möglich dabei sein zu können und habe wieder und wieder geblättert und immer wieder dem besonderen Menschen Passagen vorgelesen um zu Teilen, was dieses Buch an Zauber schafft. Ganz sachte wachsen einem die Protagonisten ans Herz und die schicksalshaften Verknüpfen, die alles zusammenfügen, nehmen einen auf Schönste gefangen.

Ja, ich bin total anfällig für emotionale Inszenierungen und habe schnell mal einen Klops im Hals. Aber hier war es anders. Die Geschichte der Liebe ist eines der seltenen Bücher, für die man noch lange Zeit unendlich dankbar ist.  Dankbar dafür, dass man aufrichtig emotional erschüttert wurde und dankbar, dass dort draußen Menschen ihre Schweinehunde bekämpfen und mit ihrer Sprache Geschichtenkonstrukte erschaffen, die ein Gefühl von Ehrfurcht auslösen. So oft trifft man diese Bücher nicht.
Und wer sich nicht vor einem heimlichen Tränchen scheut, dem kann ich Die Geschichte der Liebe nur an Herz legen. Und zwar genau dorthin.

Und weil man neben dem Lesen auch essen muss:

Pflaumen Chutney

Ca. 2,5 Kilo reife Pflaumen
400 Gramm rote Zwiebeln
5-6 mittlere Knoblauchzehen
120 Gramm Xucker
150-200ml Apfelessig
1 großes Stück Ingwer (ca. 7 cm)
4 Lorbeerblätter
6 Lorbeeren
8 Nelken
3 Esslöffel Senfkörner
3- 4 mittelscharfe Chilischoten

Gläser mit Schraubdeckel

  • Die Pflaumen waschen und vierteln.
  • Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch schälen und fein hacken.
  • Denn Xucker in einem Topf mit etwas Fett schmelzen, dann Zwiebeln. Knoblauch und Ingwer darin karamellisieren.
  • Alle anderen Gewürze dazu geben. Dann die Pflaumen und den Essig, erst einmal 150 ml und dann noch einmal nach 10 Minuten abschmecken und entsprechend mit etwas Xucker oder Essig nachwürzen.
  • Alles 30-40 Minuten köcheln lassen, bis im Mus noch Stücke erkennbar sind.
  • Die Gläser und Deckel mit kochendem Wasser spülen, abtrocknen und bis einen Fingerbreit unter dem Rand befüllen. Denn  Rand mit einem Tuch säubern, die Deckel festschrauben und die Gläser auf den Kopf gestellt abkühlen lassen. Sie knacken dann beim ersten Öffnen und halten sich monatelang – aber bis dahin ist es hier leer…

Passt hervorragend zu Braten, Lamm-Koteletts, Schinken, Omelette mit Speck……..

Guten Appetit!

Das ich, das andere und der Kohl – Faux Filet mit Aprikosen-Wein-Kohl

Paleo KohlZu den Dingen, die ich zutiefst verabscheue, gehört das Putzen. Nun bin ich kein total chaotischer Mensch, aber auch kein Pedant. In unserem kleinen Haus wird gelebt und gearbeitet und das prägt die Atmosphäre.  Es ist belebt.
Seit wir nun aber diesen vorlauten felinen Vierbeiner im Haus haben, gibt es einen neuen Gradmesser für den Moment, an dem die schönen Holzböden mal wieder eine Entstaubungskur brauchen: Wenn das arme Tier nach ausgiebigen Toben in Ecken nämlich plötzlich aussieht als würde es von einer fiesen plötzlichen Schuppen-Krankheit geplagt.

Dann muss man da durch. Mag ich nicht. Gar nicht. Da wächst der Schweinehund auf doppelte Größe an und zaubert Ablenkungstätigkeiten aus dem Hut. Man könnte noch schnell irgend etwas Kochen oder Backen. Etwas Neues und dann macht es keinen Sinn vorher Aufzuräumen. Oder den Kleiderschrank ausmisten oder raus an die frische Luft oder….Und da der besondere Mensch wohl ein ähnliches inneres Tier bezwingt, gehen wir nicht so motiviert an die Sache heran. Zudem habe ich mir sagen lassen, dass es wohl einen sonst nicht erkennbare Wesenszug gibt, der sich beim Putzen mitunter Bahn bricht und mich in ein besserwisserisches Monster verwandelt. Dann weiß ich plötzlich alles besser was Technik und Vorgehen angeht. Peinlich, das. Und es ist mir unangenehm und ich arbeite dran. Es wird auch besser.
Und ich bin nun echt nicht so die Putz-Heldin, sicher gibt es da noch ganz viele Tipps, die man mir geben könnte, aber einmal drinnen in der unliebsamen Beschäftigung will ich es eben gut machen und meine irgendwie, nur ich wüsste wie das geht.
Ich werde Gelassenheit praktizieren. Aber vielleicht bin ich auch einfach traumatisiert, denn die Unlust angesichts der Ordnung war in Kinderjahren noch ausgeprägte und ich habe meisterliche Fertigkeiten im Verstecken von Chaos  und in oberflächlicher Ordnung entwickelt. Unter dem Bett, in Schubladen und Schränken…so sah mein Aufräumen meist auf und bei allen wunderbaren Freiheiten, die die Eltern mir ließen, war für mich die höchste aller Strafen, wenn mir angedroht wurde, ich müsse unter Aufsicht aufräumen, wenn ich nicht selber für Ordnung sorge.
Nun vielleicht spielt dass dann alles zusammen, lieber ist mir das Aufräumen nicht, aber ich genieße das Gefühl, wenn alles wieder frisch und geputzt ist und sich die Sonne auf dem Boden spiegelt und man wieder etwas geschafft hat.

Und der vierbeinige Räuber muss eben in den Keller oder die Scheune ausweichen um sich für den Moment ein paar Flusen zu fangen.

Gerade spiegelt sich Sonne auf dem Boden, was sehr schön ist, aber vorher hat der Schweinehund mich im Griff gehabt und deshalb schmorte es da vor sich hin:

Geschmortes Faux Filet mit Aprikosen-Wein-Kohl
Am Ende wurde aus Ablenkung so eine köstliche Belohnung.

Das Rezept
500 Gramm Faux Filet am Stück vom Weiderind
7 getrocknete Aprikosen
Ein halber kleiner Weißkohl
Zwei Zwiebeln
Butter
Senf
Trockener Weißwein
Salz
Pfeffer
Kümmel
Kreuzkümmel

  • Das Fleisch abspülen, trocken tupfen, pfeffern und großzügig mit Senf einreiben.
  • Im Bräter scharf von allen Seiten  in einem geschmacksneutralen Fett der Wahl scharf anbraten.
  • Zwiebeln schälen und in Stücke schneiden, Aprikosen in kleine Stücke Schneiden und den halben Kohlkopf in großzügige Stücke schneiden.
  • Die Zwiebeln, den Kohl und die Aprikosen zu dem Fleisch geben und mit einem großzügigen Schluck Weißwein angießen. Ich habe 150 ml Riesling genommen.
  • Salz, Pfeffer und Kümmel und Kreuzkümmel (ich habe die Samen, nicht die gemahlene Variante verwendet) sowie ein paar große Stücke Butter (ca. 80 Gramm) dazu geben und dann Deckel drauf.

Das ganze schmort dann einfach entspannt ca. 2 Stunden vor sich hin und riecht so gut, dass die Böden gleich noch etwas schöner glänzen und Wohlbehagen sich breit macht.

Guten Appetit!

Seid zufrieden – Heute ist doch jetzt und Morgen auch

IMG_3937So, nun doch mal etwas persönlicher. Tatsächlich stehe ich noch sehr unter dem Einfluss der Lektüre von „The War of Art“ von Steven Pressfield. Aber schon länger trage ich es mit mir rum, das innere Zweifeln an den Mechanismen der modernen Sinn-Suche und manchmal macht es mich wütend. Oft traurig.

Dank gepflegter sozialer Netzwerke sind wir ja vermeintlich nah dran am Leben der Anderen. Und so bekomme ich dann am Rande oder näher dran mit, dass immer öfter Menschen um mich herum im Yoga-Camp verschwinden, sich teuren Detox-Kuren unterziehen, auswandern oder anderweitig abtauchen. Dann tauchen sie mit strahlenden Augen wieder auf und ich frage mich dann immer, was tatsächlich anders ist. Oder sie stürzen sich in immer neue Hobbies: Stricken, Tanzen, Collagen, Chor, Holzarbeiten…

Ich will nicht sagen, dass das grundsätzlich verkehrt ist, im Gegenteil, innehalten und sich selbst etwas Gutes tun, ist grundlegend notwendig und kommt in unserem Alltag viel zu kurz.

Jeder kennt doch wahrscheinlich das energie-sprudelige Gefühl, ein paar Tage aus dem Alltag entflohen zu sein und dann voll neuer Eindrücke und Impulse zurück zu kehren und sich vorzunehmen: „Ich mache das jetzt anders.“, „Ich werde mehr auf mich achten.“ „Ich werde endlich anfangen zu nähen.“, „Ich werde schreiben…fotografieren…kochen, eine Sprache lernen.“ Es gibt so vieles was wir uns dann vornehmen, mit dem guten Vorsatz, etwas Grundlegendes zu ändern. Wie heißt es doch: Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Drastisch, ja, aber doch so wahr.

Denn wir sind uns selbst oft so sehr entfremdet, dass wir nicht einmal mehr unser Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe richtig einschätzen können. Zuviel muss gemacht werden. Auf zu vielen Ebenen wollen und müssen wir funktionieren, laufen wir dem Bild nach, wie es sein soll, unser Leben.

Und zu verlockend ist die Beschäftigung mit einer neuen Beschäftigung. Neues regt unser Gehirn an. Und es streichelt dem Ego, wenn wir Anderen von unseren vielfältigen Beschäftigungen erzählen und diese große Augen machen und fragen, wie wir das alles schaffen.  Das fühlt sich gut an gebe ich sofort zu. Jeder von uns kennt diese Seite, die man ja eigentlich gar nicht haben will. Wir sind so geprägt und erzogen worden. Wir erbringen Leistungen und wir wollen bitte sehr auch dafür gelobt werden. Wir wollen das Fleiß-Sternchen und den Blumen-Stempel für das seelische Aufgaben-Heft.

Und dann wollen wir mehr davon und je mehr wir von uns fordern, desto schneller überfordern wir uns auch. . .Wenn die Euphorie der Anfangs-Verliebtheit in das neue Instrument der Selbstverwirklichung verflogen ist, kann schnell ein fieser kleiner Ego-Kater einsetzen. Vielleicht bringt der neue Sport nicht sofort die gewünschten Effekte und Leistungen, vielleicht interessiert sich keiner außer mir für meine neue Leidenschaft und ich fühle mich allein, vielleicht macht jemand etwas anderes besser und erfolgreicher und es hört sich interessanter an.

Wer ist so reflektiert in den Anforderungen des Alltags, dass er die feine Linie erkennt und einhält, die Freude am Tun von falscher Motivation und selbst erzeugtem Stress trennt? Das ist verdammt schwer und voller Fallstricke.

Wir sind es nicht gewöhnt zu sagen: „Das ist mir zuviel, ich mache da nicht mit.“  Wir wollen sicher aufgehoben sein in der Menschengruppe, aber wir haben auch gelernt, dass wir besonders sein sollen/sind. Und deshalb sind wir nicht einfach so zufrieden, sondern suchen noch nach dem fehlenden Quentchen, das entweder unser Besonders-Sein unterstreicht oder es überhaupt erst sichtbar macht. Denn oft sind wir auch unsicher und trauen uns nicht so recht aus dem Schneckenhaus und sind in gewisser Weise bedürftig, denn wir glauben, wenn wir uns durch etwas Besonderes besonders machen, dann wird alles anders.

Ähm. Oder besser Ätsch – wird es nicht. Wir finden vielleicht mittelfristig eine gewisse Befriedigung, aber im großen Bestreben etwas Grundsätzliches zu ändern haben wir uns nur weiter verstrickt in unseren grundsätzlichen Problem-Themen.

Und oftmals ist die Motivation, die allem zugrunde liegt, doch dieselbe. Ich möchte glücklich, ich möchte zufrieden sein. Statt unsere kostbare Energie, die neben den Anforderungen des Alltags noch zu Verfügung steht, in immer neue nach außen gerichtete Projekte zu stecken, sollten wir sie nutzen und so mutig sein, die nächste Reise nach innen anzutreten.

Das mag jetzt wie wiedergekäuter, weichgespülter Esoterik-Müll klingen, aber es ist wahr.  Wissen wir denn wirklich, was uns glücklich und zufrieden macht? Jagen wir einem äußeren Bild nach, das uns sagt, wie das Ganze aussehen soll oder schaffen wir den Schritt und machen uns frei von dem, was andere von uns denken und gehen auf die Suche nach unserer Wunsch-Zufriedenheit?

Es geht nicht darum, sich mit verschränkten Armen außerhalb der Gesellschaft zu stellen und die Arroganz des Besserwissenden auszuspielen. Damit verkehren wir wieder nur gute Absichten in falsche Bilder.

Es geht um etwas anderes –  um ein wenig Nachsicht mit sich selbst. Es ist ok und es ist auch gesünder, wenn man nicht immer in der ersten Reihe stehen möchte. Man ist kein besserer Mensch, nur weil man sich gerne im Mittelpunkt wähnt. Und man ist kein schlechterer Mensch, wenn man solch ein Verhalten hinterfragt.  Vielleicht heißt Zufriedenheit ja erst einmal ganz konkret: „Ich gehe die nächsten zwei Wochen abends nicht aus sondern lege mich um 9 Uhr ins Bett und lese.“ Glückwunsch. Dann ist man sicherlich wacher und ebnet den Weg für andere, schöne Impulse.

Wenn man etwas ändern möchte, dann muss das gar nichts Großes und Besonderes ein, das jeder mitbekommt. Es kann etwas ganz Winziges, Unbedeutendes sein, solange es für einen persönlich wichtig ist.  Vielleicht ist es die Topfpflanze, die jetzt wöchentlich statt kurz vorm Vertrocknungs-Tod gegossen wird und einen Monat später ist es dann der Fernseher, der immer öfter ausbleibt.

Vielleicht ist es ein bewussterer Umgang mit Kommunikation: Anzufangen, nicht auf dem eigenem Standpunkt zu beharren sondern einfach mal andere ausreden zu lassen und sehen, was das einem persönlich für Impulse geben kann. Vielleicht, statt gleich völlig offline zu gehen und sich dadurch zu stressen, schafft man eine Systematik und legt Zeiten fest für die Kommunikation online und für die Zeit offline. Wenn man sich kleine Aufgaben sucht und diese für sich gewissenhaft und gegen jeden Schweinehund durchsetzt, auch gegen den, der einen zu großen Taten anstiften will, dann kommt da ein ganz sachtes kleines Gefühl zum Vorschein. Zufriedenheit mit sich selbst. Und dieses kleine Pflänzchen sollte man pflegen. Je stärker es wird, desto reicher beschenkt es einen.

Je mehr ich beginne, im Kleinen umzusetzen, desto mehr sortiert sich auch der größere Rahmen neu und Prioritäten können sich verschieben.  Kein leichter Weg, aber die Zufriedenheits-Pflanze belohnt für die Anstrengungen, sie weiß aber auch: der Wind wird stärker, je höher sie wächst.

Denn, möchte ich wirklich etwas ändern, möchte ich ausgeglichener und wacher durch mein Leben gehen, dann muss ich diesen Rahmen im Kopf behalten – es geht um ein ganzes Leben, deshalb wird sich dauerhafte Zufriedenheit nie als sofortige Belohnung für temporäre Heldentaten einstellen.

Das, was eine neue Beschäftigung mir als Belohnung oder eventuell vermeintliche Selbstverwirklichung verspricht, darf kritisch hinterfragt werden.

Denn: Es geht immer weiter, der innere Schweinehund liegt immer auf der Lauer aber statt sich in blinden Aktivismus zu stürzen und davon abzulenken, dass so vieles von dem, was wir uns wünschen, in uns selber liegt, sollten wir dem ungeliebten Verdrängungs-Tier mit Namen „Ich werde“ immer wieder gezielt einen Tritt geben und ihm zeigen, dass wir wachsam sind. Dann kommt der Punkt, an dem wir uns nicht mehr selbst sabotieren sondern wirklich zurückschalten können und den Kopf freibekommen für das, was uns innerlich wirklich antreibt und nur so können wir dann auch die Energie aufbringen, um das ernsthaft zu betreiben, wo unser Potenzial liegt. Und das dürfen dann gerne, Yoga, Stricken, Chor, Malen, etc. sein.

Es bleibt spannend!