Bücher für die anderen, Rituale und zwei schnelle Freuden (herzhaft und süß)

Lesen und EssenLesen. Wenn mich jemand fragt, womit ich mich, neben der gedanklichen und praktischen Auseinandersetzung mit Essen, am liebsten beschäftige, dann ist die Antwort eindeutig für mich: lesen.
Bücher sind mein liebster Ort neben dem schönen Zuhause, wenn die Sonne durchs Fenster scheint, die Katze schnurrt, der besondere Mensch anwesend ist und alles für den Moment so schön ist, dass man kurz die Luft anhält, damit es nicht weg geht. Oh, ich schweife ab in Freitags-Harmonie.

Als Kind habe ich allabendlich darum gebettelt, dass die Vorlesezeit ausgeweitet wird und kaum ordneten sich die Buchstaben des Alphabets für mich zu Worten, habe ich selber angefangen Bücher zu verschlingen. Und dann konnte es schon mal vorkommen, dass meine Mutter mich beim blöden Blockflöten-Unterricht wähnte (das einzige was mir daran gefiel war, dass ich zum Vorspiel Rüschensocken durchsetzen konnte), während ich in Wahrheit vergessen hatte loszugehen und auf dem Boden lag und las.  Und diese Faszination für geschriebene Welten zieht sich durch mein Leben, wobei ich dabei einige Wandel durchgemacht habe. Als Kind habe ich viel zu früh auch immer mal in das elterliche Bücherregal gegriffen und Sachen gelesen, die sich meinem Erfahrungshorizont entzogen und deren Schnipsel mir heute manchmal noch einfallen. Da war ein Buch über ein Gehirn in einem Tank in einem Labor…ich weiß es nicht, aber das war es, was es mich immer fasziniert hat: dass Bücher einem Bekanntes ganz neu und Unbekanntes ganz vertraut zeigen können. Sie geben Antworten oder hinterlassen Fragen und treiben einen so an sich mit bestimmten Themen weiter auseinander zu setzten und aufs ganz Wunderbarste wächst man so an seiner Lektüre.

Und ja, das hängt natürlich auch von der Lektüre ab. Und das meine ich jetzt nicht mit intellektuell-bildungsbürgerlich erhobenem Umblätter-Zeigefinger, der mahnend auf den Kanon der 100 wichtigsten Bücher verweist, die einem bekannte Leitmedien in regelmäßigen Abständen immer wieder zusammenstellen und dabei am Besten noch den Untergang aller Kultur proklamieren, wenn die Jugend die literarischen Pappenheimer nicht mehr aus dem Effeff zitieren kann. Davon halte ich nicht viel. Zu lesen, was man gemeinhin halt lesen sollte, nur um zu sagen, dass man es gelesen hat, ist sinnlos. Ich glaube nicht, dass dann viel hängen bleibt. Neugier ist der wohl schönste Motor, der einen in der Büchervielfalt vorantreiben kann.

Neugier, Interesse und eine offene Einstellung. Dann können einem ganz wunderbare Begegnungen mit Büchern passieren und es werden einem Geschichten geschenkt, die berühren, denn auch wenn es kitschig klingt: Es liest halt mehr als nur der Kopf. Und manche Bücher bleiben bei einem, weil ihre Geschichte so wundervoll ist oder ihre Sprache so besonders und fesselnd. Leider gibt es da aber auch Unmengen von Büchern, die sind wie Fernsehen an einem Nachmittag unter der Woche. Nach einem Baukastenprinzip an der Zielgruppe ausgerichtet. Auf Spannung, Voyeurismus und  Ersatzbefriedigung, Betäubung ausgelegt. Das sind Bücher, die man wohl kein zweites Mal in die Hand nimmt, die die falsche Form von Abtauchen bringen und den Leser auch etwas unbefriedigt zurücklassen. Beispiele kennt wohl jeder: schnell gestrickte Krimis, peinliche Romantik- ,Erotik- oder Historienschmonzetten… Jeder hat doch Buchleichen in der nicht so auffälligen Ecke seines Regal versteckt. Ja, ich stehe jetzt einfach mal dazu. Ich habe eine Zeitlang gerne skandinavische Krimis (und da gibt es sehr gute, aber nicht nur) und auch mal einen Baukasten Stephen King gelesen.

Und, als Studentin der Geisteswissenschaften und einem gewissen intellektuellen Druck verspürend, lagen diese Bücher nicht ganz so offensichtlich rum wie die französische Ausgabe der Monde Diplomatique. Die ich natürlich im Original lesen konnte. Und mit dieser Verschleierungs- und Gaukel-Taktik stand ich sicherlich nicht allein da. Gerade in der großen Stadt Berlin wird nicht nur darauf geachtet, was Du trägst, sondern auch das Buch, das während der U-Bahnfahrt gezückt und  mit angemessen attraktiv geknautschter Stirn gelesen wird, ist ein Statement, das Gleichgesinnten zuzwinkerte „Hey, ich gehöre auch dazu!“ und Anderslesenden das geschriebene Brauenrümpfen zeigte. Rückblickend tut es mir leid, dass ich mich von diesem betont intellektuellen Getue, in das man als Student allzu schnell gerät, so habe hinreißen lassen.  Traurig, dass das nötig war und viele bleiben darin verhaftet, da wird dann mit Namen um sich geschmissen, die man dem letzten Wochenend-Feuilleton entnommen hat und die Spielregeln sehen vor, nicht zu genau nachzufragen. Denn Vorsicht: Nicht jedes beeindruckend gefüllte Buchregal wurde auch gelesen! Und wenn man dann in ehrlich gemeinter Bewunderung als Gast vor dem Regal steht und Interesse äußert, das über Bewunderung hinausgeht, ist der arme Gastgeber vielleicht genötigt leise vor sich hin zu grummeln, dass man das Buch noch nicht gelesen hat, oder ihm nichts abgewinnen konnte. Das ist nicht gut und sorgt für unangenehme kleine Momente. So sollte es nicht sein! Ich würde mich freuen, wenn mir dann mal jemand sagen würde: „Ganz ehrlich, ich dachte dass muss man haben und fand es so unverständlich und pfurztrocken im Vorwort, dass ich es nicht gelesen habe.“ Das wäre schön und eine Erleichterung und ich würde dieser Ehrlichkeit tiefsten Respekt zollen, ich würde es auch sagen. Mittlerweile, aber das war auch ein Prozess. Heimlich „Schund“ lesen – ein schlimmes Laster, nicht wahr? Nein, durchaus verzeihbar.
Die Lesegewohnheiten haben sich mittlerweile geändert. Belletristik und Krimis müssen mich heute deutlicher überzeugen als früher. Immer öfter greife ich nach Sachbüchern, da es einfach so vieles gibt, was ich wissen, lernen und verstehen möchte.

Das mit schönste Lesen für mich aber ist das Vorlesen. Ein Ritual, das sich vor gut zwei Jahren eingeschlichen hat und immer mehr Raum einnahm. Es ist so ein schöner Moment, Geschichten mit jemanden teilen zu können und über Bücher zu reden und im Lesen einfach eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, in Geschichten einzutauchen und diese in der Erinnerung zu teilen, wie einen gemeinsam verbrachten Urlaub. Ich kann nur für viel mehr Vorlesen plädieren!

Und beim Vorlesen wird noch einmal ganz neu auf die Auswahl der Lektüre geblickt. Geschichten und Erzählkunst stehen hier im Vordergrund. Wer vorlesen möchte, dem kann ich als Einstieg nur Michael Ende oder Rafik Schami  empfehlen.  Allein das Erlebnis, einen Kindheitsbegleiter wie Momo noch einmal zu lesen, jetzt wo man in der Welt der erwachsenen grauen Herren angekommen ist – es lohnt jeden Buchstaben.
Und manchmal verfliegt dann so viel Zeit mit den Büchern, dass es mit dem Essen ganz schnell gehen muss. Deshalb ein Abendessen und etwas nur halbvernünftiges Süsses für zwischendurch zum Lesetee.

Bohnen mit Speck (Eine bereits erwähnte Beilage, die mit mehr Speck eine Hauptrolle verdient hat)

500 Gramm grüne Bohnen
Schmalz
2 mittelgroße Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
150-200 Gramm Speck in Würfeln
Salz
Pfeffer
Rotweinessig

  • Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln.
  • Mit dem Speck in großzügig Schmalz andünsten, bis der Speck knusprig wird.
  • Nun die Bohnen dazugeben, guten salzen und pfeffern und etwa 12-15 Minuten knackig dünsten.
  • Zum Ende noch einen Schuss Essig dazu: Fertig.

Ganz wunderbar schmecken die Bohnen auch lauwarm bis kalt,  mit noch etwas extra Olivenöl und einem Löffel Chutney …Oder zu Fleisch.

Aprikosen-Kokos-Konfekt (ganz köstliche kleine Kugeln, aber bitte nicht zur Gewohnheit werden lassen! Ich stehe dem massiven Fruchtzucker kritisch gegenüber, aber ab und zu und wohl dosiert…..)

200 Gramm getrocknete, unbehandelte Aprikosen
75 Gramm Kokoschips
1 Teelöffel reineVanille
Kakaopulver
Kokosraspeln

  • Die Aprikosen zwei – drei Stunden in lauwarmen Wasser einweichen (sonst fängt der Pürierstab schon mal an zu qualmen..).
  • Die Aprikosen abgießen und mit den Kokoschips und der Vanille schön mit dem Pürierstab bearbeiten, bis die Stücke immer feiner werden und sich aus der Masse schöne Kugeln formen lassen.
  • Diese nun einfach pur belassen oder wahlweise in Kokosflocken oder Kakao wälzen.

Guten Appetit!

 

Dosenwurst, Schweine-Massaker und die französische Provinz

Rillettes RezeptDank der Frankreich Urlaube meiner Kindheit ist und bleibt das Land der Streik-freudigen, Baskenmütze tragenden, Gauloise rauchenden Brummelköpfe eines meiner Lieblingsziele. So viel zu den Klischees. Was aber stimmt ist, dass die Franzosen ein anderes Verhältnis zum Essen haben. Natürlich stehen auch dort in den Regalen die diversen Fertiggerichte, aber es gibt eine andere Wertschätzung von Essen und entsprechend wird dieses mitunter zelebriert.

Ich werde es nicht vergessen, wie beeindruckt ich war, als ich zwei Semester in der Bretagne verbringen konnte. Der dortige Wochenmarkt  am Samstag war einer der größten der Region und ein echtes Ereignis. Anders als bei vielen gängigen Wochenmärkten bei uns, suchte man vergeblich nach den Ständen mit dem immer gleich aussehenden Angebot vom Großhändler. Stattdessenn gab es  alles, vom großen Stand der Kooperative bis zum winzigen Stehtisch, auf dem der hutzlige alte Bauer ungelogen 10 Eier und ein Huhn liegen hatte. Nun war dies kein ausgewiesener Bio-Markt, aber viele der regionalen Kleinbauern waren auch ohne Siegel wesentlich näher dran an der nachhaltigen Landwirtschaft, da sie einfach nicht im großen  Maßstab produzierten, sondern eher als Selbstversorger eine breiteres Spektrum anbauten, dessen Überschüsse dann auf den Markt gebracht wurden. Sicherlich waren diese Bauern finanziell weniger gut gestellt als industriell geprägte Großbetriebe, aber dort war der Mensch näher dran am Produkt, so wie es sein sollte und als Verbraucher kann man das nur unterstützen. Spannende Beispiele aus aller Welt, wie Landwirtschaft auch anders funktioniert, finden sich in der Dokumentation „Zukunft pflanzen“ von Marie Monique Robin, deren engagierte und fantastisch recherchierten Dokumentationen ich ja schon öfter erwähnt habe.

Ob ein Strukturwandel und ein Umdenken, wie sie für eine solche Veränderung im großen Stile  nötig wären, realistisch sind – wahrscheinlich eher nicht. Deshalb ist es umso wichtiger alternative Projekte zu unterstützen wo es einem möglich ist, um nicht in Schockstarre zu verfallen angesichts der Entmündigung, in die uns Politik und Industrie letztlich bringen. Denn wenn ich nicht einmal  mehr über das bestimmen kann, was  täglich auf meinem Teller landet, fühle ich mich entmündigt. Der Versuch ein selbstbestimmtes Konsumverhalten und generell Leben zu führen, zeigt mir immer deutlicher wie eingelullt wir längst sind. Jeder Versuch etwas zu ändern wird dann als alternativ gelabelt und wenn Ansätze vielleicht ernst zu nehmen sind, geraten sie oft ins Abseits und werden belächelt, mit unverhältnismäßiger Kritik bedacht und diese Meinung wird dann allgemein geschluckt und verinnerlicht. Dazu gehören Ernährungsweisen abseits der Richtlinien von Instituten, zu deren Geldgebern Konzerne aus der Nahrungsmittel Industrie gehören genauso wie Bildungseinrichtungen, die sich freieren, unabhängigeren Modellen verschrieben haben. Schule, so wie ich sie kennen gelernt habe und die Erfahrungen, die ich danach an der Universität, im Job und auf dem Arbeitsmarkt gemacht habe lassen mich zweifeln, ob die langsam mahlenden Reformmühlen in naher Zukunft mit der  bildungspolitischen Wollmilchsau um die Ecke kommen.

Aber sei es drum. Wann immer ich eigentlich über das Essen reden will, lande ich bei den gesellschaftlichen Aspekten, die ich kritisch sehe. Am Ende hängt ja alles zusammen und das sollte man, bei allem Genuss, nicht vergessen.

Aber zurück zu besseren Erinnerungen. Die an Urlaube an der französischen Atlantik-Küste. Leider kann ich diese lustig vergilbten Urlaubsfotos nur ausgewählten Bekannten zeigen, da meine Eltern und die Freunde, die oft dabei waren, in der Regel die Abgeschiedenheit der Strände für FKK Strandtage genutzt haben. Mit dem Ergebnis, dass ich im Besitz der Nackedei-Bildergalerie unserer Familien-Urlaube bin.

Zu diesem Thema, den Freiheit suchenden deutschen Campern der 70er und 80er, können die Franzosen derselben Generation übrigens so unnachahmlich vielsagend Augen und Nasenwinkel minimal verziehen, dass mehr nicht gesagt werden muss…

Was wir auf der langen Fahrt im VW-Bus oft dabei hatten, war die gute haltbare Dosenwurst. Ein Genuss, denn ich jetzt wiederentdecke auch wenn es schwer ist Produkte ohne Grusel-Zusätze zu finden.

Und bei Wurst und Brotaufstrichen können die Franzosen gut mithalten. Als wir in den Vogesen den Supermarkt unter die Lupe genommen haben um zu sehen, was es dort alles Paleo-Taugliches gibt, haben wir so manchen kulinarischen Schatz wieder entdeckt. Und einer davon heißt Rillettes, läuft bei uns privat auch unter Schweine-Massaker.

Und die habe ich jetzt mal nachgekocht und den Kühlschrank gefüllt.

Mein Rezept

850 Gramm Schweineschulter , wenn möglich mit Schwarte
500 Gramm Schmalz, je weißer und milder die Qualität, desto besser
4 Lorbeerblätter
1 kleines Sträußchen Thymian oder drei Teelöffel getrocknet
2 Knoblauchzehen, geschält
1 Teelöffel Pfefferkörner
50 ml trockenen Weißwein
Salz
Gemahlener schwarzer Pfeffer
Muskat

  • Den Ofen auf 130 Grad vorheizen.
  • Das Schmalz in einem Bräter schmelzen und dann die Knoblauchzehen, die Lorbeerblätter, Pfefferkörner und den Thymian unter das Fett rühren.
  • Das Fleisch in Würfel schneiden und leicht salzen und in einer Lage im Bräter verteilen, so dass alle mit Schmalz bedeckt sind und dann mit dem Weißwein angießen.
  • Deckel drauf und für 3-4 Stunden in den Ofen, dabei stündlich wenden. Das Fleisch ist gar wenn es sich ganz einfach mit der Gabel zerrupfen lässt.
  • Nun die Fleischwürfel aus dem Fett nehmen. Das Schmalz durch ein feines Sieb abgießen und aufbewahren. Das Fleisch, wenn nötig, von groben Fett reinigen und dann alles andere in einer Schüssel mit zwei Gabeln in Fasern rupfen.
  • Die Fleischmasse mit Schmalz aufgießen, so dass eine sehr saftige Masse entsteht – also nicht zu schüchtern mit dem Fett!
  • Dann großzügig mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Großzügig weil noch mehr Schmalz dazu kommt und den Geschmack wieder etwas neutralisiert.
  • Schraubdeckel-Gläser sterilisieren und bis zur Hälfte mir der Fleischmasse auffüllen. Nun eine dünne Schicht Schmalz auffüllen und die Gläser ruckeln, so dass Lufteinschlüsse verschwinden. Dann die Gläser bis fingerbreit und dem Rand mit Fleisch befüllen und zum Abschluss eine Schmalzschicht dazugeben, die alles bedeckt.

Im Kühlschrank halten die Gläser ca. 2 Wochen.

Vor dem Servieren ein bisschen frischen Schnittlauch unter das Rillettes rühren – super lecker!

Dazu schmeckt Paleo-Brot (dann puristisch ohne Oliven oder Kräuter), ein dünnes Schnittlauch-Omelette oder gebackene Süßkartoffel-Scheiben.

Guten Appetit – Vive la France!

Ich will Dir fressen – ne, doch nicht

Frucht Gummi PaleoIch bin ja noch mit Hallo Spencer groß geworden.  Einmal die Woche wurde die Sesamstraßen-Routine von dieser rückblickend etwas irren und deshalb so sympathischen Truppe abgelöst. Besonders eingeprägt hat sich mir der Jungdrache Poldi, der seinem Umfeld zumeist mit dem Ansatz begegnete „Ich will Dir fressen!“ – in ausufernden Dialogen, die man sich heute wahrscheinlich zurück ins Kinder-Programm wünscht (ich habe weder Kind noch Fernseher), wurde dieser Wunsch natürlich pädagogisch wertvoll anders gelöst. Dennoch – der Satz hat sich eingebrannt und bis zur Umstellung auf die Paleo-Ernährung auch das Gefühl mein Umfeld anfallen zu wollen, wenn ich in einem Hungerloch steckte.  Für die Menschen in meiner Nähe besteht nun  keine Gefahr mehr und ich selbst bin froh, der Welt ausgeglichener und freundlicher entgegen zu treten und nicht innerlich von einem abfallenden Blutzucker-Spiegel beherrscht zu werden.

Tatsächlich vergesse ich manchmal das Essen für lange Zeiträume – der Körper nimmt sich was er braucht und er braucht viel viel weniger als ich immer dachte. Zusätzlich ist das Intermittent Fasting ein fester Bestandteil des Lebensrhythmus geworden.  Nun ist das so ein Thema, wo es schwer fällt eine verbindliche Richtlinie vorzugeben, da muss jeder ausprobieren und schauen was man am besten verträgt. Wir sind gerade bei einer Mischform angelangt. Einen Tag in der Woche heißt es „Eat Stop Eat“ dabei beträgt das Fastenfenster 24 Stunden und um es sich einfach zu machen, kann man den Beginn der Fastenzeit in den Nachmittag legen, so hat man die Schlafenszeit in die Fastenzeit integriert. Und dazu ergeben sich gerade von alleine 16/8 Tage.

Gerade bei periodischen Fasten gilt einmal mehr, dass man nicht blind einem Schema folgt sondern auf den Körper hört und die Lebensumstände mit einbezieht. Wenn ich die Fasten-Perioden unkompliziert in meinen Alltag einbinden kann, ohne mich unter Druck zu setzen, bin ich auf einem guten und gesunden Weg. Das periodische Fasten sollte jedoch nicht in Stress ausarten oder die Form einer versteckten Essstörung annehmen, so kann jeder positive Effekt ins Gegenteil verkehrt werden.

Ich merke einfach ganz konkret, dass mich das periodische Fasten klarer macht und ich mich besser und länger konzentrieren kann. Der innere Poldi ist zum Schweigen gebracht. Und die Abhängigkeit von der Mahlzeiten-Aufnahme sinkt. Zudem hat das periodische Fasten eine Vielzahl von positiven Auswirkungen auf die Gesundheit, in die es sich lohnt einzulesen, genauso wie in die unterschiedlichen Modelle.

So, nun will ich mein Umfeld ja nicht mehr anfallen aber dafür produziere ich andere Dinge, die ich mir gerne einverleibe.  Nachdem nun selbst gemachtes Frucht Gummi durch eine Vielzahl von Blogs wanderte, habe ich mich in die Küche gestellt und auch einmal experimentiert.

Da ich nicht so ein Freund von Fruchtsäften bin, habe ich genommen, was die Speisekammer hergibt. Variationsmöglichkeiten gibt es zahlreiche…ich werde sicher mehr machen.

Zitrus-Ingwer-Grüner-Tee- Gummis (noch etwas sperrig im Namen aber super!!)

Saft einer großen reifen Grapefruit
Saft von zwei Zitronen
Schale von einer unbehandelten Zitrone in Streifen geschnitten
1 großzügiges Stück Ingwer, geschält und in Streifen geschnitten
2 Esslöffel Xucher (in diesem Fall wollte ich es eher sauer halten)
2 Teelöffel milder Grüner Tee
12 Blatt Gelatine (ca. 3 fache Menge der Rezeptangabe, abhängig von der verwendeten Flüssigkeitsmenge)400ml Wasser

  • Die Gelatine-Blätter in kaltem Wasser einweichen.
  • Das Wasser mit dem Ingwer, der Zitronenschale und dem Xucker erhitzen, dann 5-10 Minuten kurz vorm Siedepunkt ziehen lassen. Zwischendurch probieren, es soll nicht zu bitter werden. Den Zitronen und Grapefruit-Saft hinzugeben und die Teeblätter und das ganze weitere 4 Minuten ziehen lassen.
  • Die Flüssigkeit durch ein feines Sieb abgießen und dann die eingeweichten und ausgedrückten Gelatine-Blätter unterrühren.
  • Das Ganze in ein flacheres Gefäß mit planem Boden füllen und über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Tipp: Die geschmackliche Basis war so lecker, dass ich sie beinahe getrunken hätte. Die Mischung lässt sich ohne Gelatine auch perfekt als Eistee trinken. Oder für Gäste mit Sekt aufgießen oder mit weniger Gelatine zu einem Wackelpudding verarbeiten….oder oder…

Ach ja: Menschen mit ästhetischen Ambitionen nutzen Silikonförmchen für eine formschönere Präsentation. Ich mag kein Silikon, deshalb lebe ich sehr gut mit der Würfelform, sie tut dem Geschmack keinen Abbruch, aber ich suche noch nach geeigneten kleinen Ausstechformen…..

Guten Appetit!

 

Gute Begleiter – Kürbis-Brot

Kürbis-BrotSo, ich will unbedingt noch einen zuverlässigen kulinarischen Begleiter vorstellen, bevor ich  mich dem totalen Koch-Wahnsinn hingebe – das Wochenende steht in Form von Gästen vor der Haustür und ich habe eine irgendwo in mir tief verwurzelte Sorge, es könnte jemand nicht satt nachhause gehen.

Seit man als Kind bei den Verabredungen der Erwachsenen etwas vom besonderen Essen probieren durfte, ist dieser Zusammenhang fest verwurzelt: Ein schöner Abend bedeutet gutes Essen und Gastgeber-Sein. Beides Dinge, die ich sehr mag. Auch wenn es da kurz immer den Moment gibt, in dem ich denke, das schaffe ich alles nicht.  Dieses Gefühl resultiert meist aus dem Blick auf die umfangreiche Einkaufsliste, die einen kritischen Gedanken auf den Weg schickt – muss das sein? Ja, für mich muss das sein. Kochen bis zum Umfallen und dann in einem Zustand seliger Zufriedenheit zu fallen wenn Gäste über dem Essen ins Gespräch kommen. Dazu kommt, dass ich aus dem Alter raus bin, in dem die Menge des vorhandenen Alkohols über den Gelungenheits-Grad eines Abends entschied. Erwachsen-Sein kann so lecker sein!

Und dabei geht es auch nicht um ein Fischen nach Komplimenten : Haut rein und seid glücklich und wenn sich schmatzendes Schweigen ausbreitet, dann ist das größte Kompliment! Alles andere wäre Narzissmus, ausgetragen auf dem Rücken der Gäste. D s gibt es auch, aber dann schmeckt es halb so gut.  Und wenn ich ganz ehrlich bin, ich liebe die Vorbereitungen im Vorfeld – wenn aus einem Haufen Einkäufe ganz viele unterschiedliche Mahlzeiten entstehen, wenn man merkt, dass das Zeit-Management immer besser wird und man über viele Handgriffe nicht mehr so lange nachdenken muss. Und weil ich das Wirbeln beim Kochen so genieße, tue ich mich immer schwer Zuarbeiten zu delegieren – am liebsten mache ich alles selber. Das ist etwas, woran ich noch arbeiten werde. Denn helfende Hände sind ja angenehm.  Das Selbst ist halt auch eine sogenannte „Work in Progress“.

Damit den nicht Paleo-Essern unter den Gästen (was alle betrifft) nichts fehlt, gibt es immer auch Brot auf dem Buffet. Niemanden soll etwas aufgedrängt werden. Aber ich mache meistens noch eine Paleo-Variante. Im Prinzip ist es ja am sinnvollsten, sich den Automatismus „Ich brauche Brot zum Essen“ abzugewöhnen, denn Paleo-Brot bedeutet immer viel Nuss-Mehl. Aber für Ausnahmen finde ich das absolut ok. Man sollte halt einfach nicht das konventionelle Essen 1:1 übertragen und sich täglich ein halbes Paleo-„Brot“ reinziehen.

Ein brotiger Begleiter für diverse Essen ist das Kürbis-Brot. Ich habe es mir irgendwann aus einem amerikanischen Halloween-Menu geklaut. Ich weiß leider nicht mehr wo. Durch die süßliche Note ist es ein interessanter Kontrast zu vielen Speisen und ist wunderbar wandelbar in Würzung. Ich habe es abgewandelt und eher herzhaft gemacht

Mein Rezept

2,5 Tassen Mandelmehl (ich habe es nicht in Gramm umgewandelt sondern einfach dieselbe Tasse genommen, ca. 220 ml, um das Verhältnis beizubehalten)
1-1,5 Tassen Kürbis-Mus (aus gekochten oder gerösteten Kürbis, diesen einfach pürieren)
3 große Eier
0,5 Teelöffel Natron
große Prise Muskat
1 Teelöffel geriebenen Ingwer
2 Teelöffel Curry
1 Teelöffel Cayenne-Pfeffer (ich mag es scharf)
0,5 Teelöffel Salz

  • Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Alle Zutaten mit dem Hand-Rühgerät mixen. Ist der Teig zu flüssig, etwas Mandelmehl hinzu. Ist er zu trocken etwas mehr Kürbis und eventuell ein Schluck Wasser. Es soll ein kompakter fester Brei sein.
  • Eine Auflaufform großzügig fetten.
  • Teig einfüllen, glatt streichen und für 25-30 Minuten in den Ofen. Es bildet sich eine leichte Kruste und die Masse leistet leichten Widerstand wenn drauf drückt aber es soll nicht zu trocken sein.

Raus auf den Ofen und in Stücke schneiden – am besten ein Stück Butter auf das warme Kürbis-Brot und sofort genießen.

Guten Appetit!

Sommer vor der Tür – Kokos-Erdbeer-Smoothie und Freibad-Spaß

SmoothieDie sonnigen Sommertage wollen genutzt sein – wer weiß wie lange sie sich halten. Statt Sommer-Urlaub steht bei uns noch immer die Erkundung der neuen Heimat Taunus im Vordergrund.
Einschließlich der lokalen Freibäder.  Der Taunus ist leider nicht so reich an Bade-Seen aber im großen Berlin habe ich es in Ermanglung eines Autos auch nur einmal im Jahr an die Havel geschafft, von daher wäre es unsinnig sich zu beklagen. Stattdessen genieße ich die Zeitreise, die jeder Gang ins Freibad bedeutet.

Denn fantastischerweise wird man dort von einer Geräuschkulisse empfangen, die sich wohl auch in den nächsten zwanzig Jahren nicht ändern wird.

Dazu die Gerüche nach warmem Gras, Sonnenmilch und altem Pommes-Fett – auf einmal weiß ich ganz genau wie es war, sich mit den Freundinnen aufs Rad zu schwingen und zu überlegen, ob das Geld noch für eine bunte Tüte mit Schlümpfen reicht.

Gerade wird mir erst bewusst, dass ich seit über einem Jahr kein Weingummi mehr gegessen habe – ich hätte nicht gedacht, dass es mal soweit kommt. Eines der beliebtesten nachmittäglichen Stress-Essen am Schreibtisch, bei dem man völlig die Kontrolle verlieren kann, wie viel man isst, da der Griff in die Tüte so automatisch geschieht.

Und wie dumm ich war, wider besseren Wissens wurde das Gehirn ausgeschaltet und im eigenen Interesse der Werbung geglaubt – das Zeug ist ja quasi fettfrei! Na dann! Her mit dem Zucker und den Konzentrationslöchern und den Energietiefs….und dem Rettungsring fürs Freibad.

Ne, damit ist Schluss. Und ich vermisse es nicht (mehr). Der Zuckerentzug war hart, aber heilsam. Aber ich schweife ab – ein Gang ins Freibad ist das Abtauchen in eigene Erinnerungen und dadurch auch ein Gefühl wie Sommerferien.  Eine gewisse Ausgelassenheit oder kribbelnde Unruhe, die der konstante Lärmpegel erzeugt. Wer sich drauf einlässt, kann dennoch Entspannung finden. Beispielsweise bei dem Gedanken, dass es unglaublich schön ist, nicht noch einmal 14 Jahre sein müssen: Sozial- und Gruppenstudien sind nämlich eine andere Sache, die sich im Freibad auf Vortrefflichste anstellen lassen. Und schnell wird klar: Die, die dort groß werden, haben es verdammt noch mal nicht leicht. Und manche Diskussionen und Verhaltensweisen werden sich wohl nie ändern, die Accessoires sind heute andere aber ob 50er, 80er oder heute – die Grundthemen, die da geklärt und untereinander getestet werden, bleiben gleich.

Vor so viel Umfeld-Beobachtung (etwas, das ich scheinend von meinem Vater geerbt habe und früher einen ganz furchtbaren Wesenszug fand, denn: man starrt Menschen nicht an – heute verstehe ich die Faszination menschlicher Verhaltensweisen besser) kommt man dann kaum zum Lesen und die Zeit verfliegt!

Wenn man es nicht ins Freibad wagt oder wenn die Abkühlung im Planschbecken nicht ausgereicht hat, dann empfehle ich sommerliches „Comfort-Food“!

Und keine Sorge, so lecker es ist, der Körper setzt einem ganz automatisch eine Grenze!

Erdbeer-Kokos-Shake (2 Portionen)

Das Rezept

1 Dose gekühlte Kokosmilch (ich nehme gerne die von Alnatura)
1 Tasse frische Erdbeeren (es geht auch mit gefrorenem Obst aber wenn Saison ist…)
Spritzer Zitronensaft
2 Esslöffel Xucker nach Wahl
1 Teelöffel Vanille

  • Alle Zutaten mit dem Stabmixer schön schaumig pürieren. Wem das Ergebnis zu dickflüssig ist, der kann etwas Wasser hinzufügen.
  • Für ca. 15 Minuten in die Tiefkühlung geben, auf Gläser verteilen und dann ab und mit den Gläsern in die Sonne setzen.

Drei Tipps:

Comfort Food soll kein Essen ersetzen, aber dieser Shake macht wunderbar satt und hat mir früher im Büro schon mal das Mittagessen ersetzt.
Wenn man den Shake im Tiefkühler vergisst, wird ein leckeres Erdbeereis draus.
Sehr zu empfehlen sind auch die Varianten Himbeer-Minze oder Kiwi-Erdbeer.

Sommer genießen!

Paleo Snack Attack

crackerSchön, wenn man Lösungen für die ganz eigenen Luxus-Probleme findet. In diesem Fall für Paleo Snacks.

Ich war nie so ein überzeugter Süß-Esser, zu Junk-Food-Zeiten waren Chips und alles Salzige viel attraktiver für mich und das waren auch die Sachen, die ich in der Anfangszeit der Ernährungs-Umstellung vermisst habe. Wohlwissend, dass sie voller Sch… stecken.
Aber Vernunft und Gier  mussten erst das neue Kräfte-Verhältnis testen.

Ich muss sagen, ich war ganz schön abhängig vom konventionellen Essen und seinen vielfältigen Erscheinungsformen.
Als, nach den haarsträubenden Informationen zu den Negativ-Wirkungen von Gluten, klar war, dass Getreide nun keinen Platz mehr im Nahrungsplan hat, wurde ich zwei Wochen lang von Laugen-Brezel-Fantasien gepeinigt und hätte mich am liebsten in der S-Bahn festgeschnallt um  sicher zu gehen, dass ich nicht einen der (miesen) Berliner Bahnsteig-Bäcker überfalle. Ich bin tatsächlich stark geblieben.

Und nachdem in der ersten Zeit in erst einmal ein Sortieren angesagt war: Was darf in der Küche bleiben und was kommt weg. Und nach den ersten, zugegebenermaßen, grausigen, Backversuchen hielten dann neue Rezepte sowie Sicherheit im Umgang mit neuen Zutaten und große Experimentierfreude bei uns Einzug.

Eines Tages stolperte ich dann über ein Rezept für Paleo Cracker! Mittlerweile sind diese in verschiedenen Variationen erfolgreich getestet worden und auch Normal-Esser waren begeistert. Sie sind schnell gemacht, zu schnell, was es schwer macht, sie nicht öfter zu produzieren und Maß zu halten.  Aber die Vernunft siegt (immer öfter).

Die Cracker schmecken einfach so oder zum Essen. Und sie eignen sich super als Reise-Proviant!

Das Rezept (ein Blech)

200 Gramm Mandelmehl
½ Teelöffel Salz
großzügig Kräuter nach Wahl (ich bevorzuge zwei Variationen: Oregano/Chili oder Curry/Cayenne-Pfeffer)
1 Eiweiß
2+1 Telöffel Olivenöl
1 Teelöffel grobes Salz

  • Backofen auf 190 Grad vorheizen.
  • Alle Zutaten mit 2 Teelöffeln Olivenöl zu einem festen Teig kneten.
  • Den Teig zwischen zwei Lagen Backpapier gleichmäßig dünn ausrollen und auf ein Backblech legen.
  • Die obere Lage Backpapier entfernen, den Teig mit einer dünnen Klinge in Cracker-Form vorschneiden.
  • Das restliche Olivenöl über den Teig träufeln und das grobe Salz verstreuen.
  • Nun für 8-10 Minuten in den Ofen (nicht zu dunkel werden lassen) und dann die Hitze abstellen und die Cracker weitere 10 Minuten im Ofen lassen.

Wer es schafft das Backblech abkühlen zu lassen ohne, dass es dann halb leer ist, ist gut!

Die Cracker schmecken auch sehr gut mit etwas Butter oder zu Guacamole.

Also dann, mäßigt Euch!

Guten Appetit!