Randerscheinungen, die den Appetit dämpfen, aber dennoch eine Beilage: Süßkartoffeln duchesse mit Speck

Süßkartoffel DuchesseMausetot. Eher fuchstot, denn es war ein wirklich schöner Fuchs, der einem da tot vom Straßenrand zu wedelte. Ziemlich makaber, der kleine Gruß mit dem buschigen Schwanz, verursacht durch die unaufhörlich vorbeiziehenden Autos. Auf beiden Seiten der Landstraße wunderschöner Wald – Fuchsgebiet sicherlich. Solche Anblicke machen mich traurig und begleiten mich dann immer noch ein Stück weit. Genauso wie Viehtransporter, die man immer mal wieder auf der Autobahn sieht. Arme Schweine. Wenn die sich da so an die Gitter pressen. Und von wegen lustiges Ringelschwänzchen – die haben sie sich im Stress längst gegenseitig abgekaut. Nicht vorzustellen, wie die armen Viecher die Fahrt, die Geräusche und den Gestank ertragen.

Schweine sind hochintelligente Tiere. Man weiß mittlerweile, dass sie sogar mehr Kommandos lernen können als Hunde und ja, auch wenn es irritierend klingen mag, ihre kognitiven Leistungen sind mit denen eines dreijährigen Kindes vergleichbar. Sie haben ein Ich-Bewusstsein.
Zudem sind sie für uns Fleischlieferant und Leder und Borsten kann man auch verwenden.

Und Schweine sind köstlich. Wenn sie richtig aufwachsen dürfen und ohne den Stress und die Entwürdigung der Schlachtbetriebe einen respektvolleren (Schlachtungs-)Tod erleiden.

Für mich stehen die Würdigung des Tieres und sein Verzehr in keinem Gegensatz. Ich finde es wichtig, mir darüber Gedanken zu machen, was da überhaupt auf meinem Teller landet. Und nicht nur meiner Gesundheit wegen, sondern auch aus Respekt den Tieren gegenüber finde ich sollte es eine Verantwortung dafür geben, sich eben Gedanken über die Aufzucht und das Sterben der Tiere zu machen, die man isst.  Wir sind mittlerweile so entfremdet von all diesen Dingen. Nahrungsmittel sind Konsumgüter, aber wir haben keinen direkten Bezug mehr zu den Herstellungsprozessen. Gerade bei den verarbeiteten Lebensmitteln ist es nicht mehr nachvollziehbar für den Laien, wie etwa aus dem saftigen Gemüse auf dem hübschen Foto das salzige Granulat werden konnte, das viele sich dann als Suppenbasis in den Topf schütten. Als ein willkürliches Beispiel. Oder die Tiefkühlgerichte, die einem das Fleisch in fertiger Panade und mit Füllung in die Pfanne bringen – was steckt dahinter und was ist da alles drin?

Immer wieder wird dann geheult, wenn der nächste Skandal aufgedeckt wird. Klar, niemand der Calamari gekauft hat, will Schweinedarm serviert bekommen.

Aber das überrascht doch bitte nicht wirklich noch jemanden, bei den Preisen, die wir uns immer noch leisten? Neulich meinte jemand beim gemeinsamen Abendessen, ein  sattes Volk bleibt ruhig, also warum sollte jemand Interesse haben an den Preisen etwas ändern? So deprimierend es ist, ich stimme dem zu. Wir sind gut erzogen von der Wirtschaft und die Politik packt zwischendurch den beschwichtigenden Staubwedel aus und räumt ein bisschen auf. Wie die Ergebnisse zeigen wohl eher halbherzig und pro forma, denn wieso sonst käme immer wieder ein neue Gruselgeschichte aus der Lebensmittelindustrie ans Licht. Mit viel Glück verlagert sich der Fokus dann eh wieder auf große globale Feindbilder wie Monsanto und dann erscheinen die Schweinereinen im eigenen Land ja verhältnismäßig harmlos.

Aber was da immer wieder zutage tritt (ich erinnere mich auch noch an Fleischskandale aus den 80ern, was wohl daran liegt, dass ich da anfangen konnte zu lesen), sind ja nie Einzelfälle. Immer und immer wieder wiederholt sich das Spektakel. Wer es sich leisten kann, entzieht sich dieser Gefahrenquelle und vertraut diversen Biosiegeln. Die, die es sich nicht leisten können, haben das Nachsehen oder sehen sich einem Mehr an Aufwand gegenüber um sich vor solchen  Ekligkeiten zu schützen.

In all diesen Skandalen zeigen Politik und Wirtschaft doch aber auch, wo sie den Verbraucher sehen, der als Zielgruppe für diese Nahrungsmittel identifiziert wurde.  Diese Verbraucher sind dann aber alle vier Jahre auch Publikum wahlkämpferischer Heilsversprechen. OK, nicht in so großem Stil, aber da zählt die Stimme der großen betäubten Mehrheit dann.

Das ist ein Gesamtbild, das mich in seinen zynischen Nuancen mitunter fast krank macht. Und ja, die Informationen zu diesen Themen und auch viele Lösungsansätze sind da draußen, aber den Menschen wird die Zeit und die Muße genommen, wirklich radikal umzudenken. Denn wer darauf angewiesen ist, dass der Dreck in den Regalen und Tiefkühltruhen weiterhin im Niedrigpreissegment verfügbar ist, der wird hart genug zu kämpfen zu haben, um über die Runden zu kommen. Da bleibt wenig Raum für anderes und das Andere, das dann erstmal bedient wird, sind die anderen Konsumgüter, die wir so brauchen – für das Dazugehören und für das gute Gefühl. Und das sind ganz oft die Gadgets der Unterhaltungselektronik, die den Kopf noch weiter lähmen, oder das neue Auto, das einen noch schneller am Fuchs vorbei oder auch mal drüber fährt. Also bleiben die zu ruhig, die Zugang zu den Informationen haben und für sich andere Wege suchen und sich über das Mehr an Geld entziehen und die tatsächlich Leidtragenden werden in einer Mühle gefangen gehalten, die noch zu gut läuft, als dass sich etwas ändern würde. Und dann immer der Einwand: Was ist den die Lösung? Sag doch mal…  Mit den Leuten rede ich nicht. Wer Patentlösungen präsentiert, ist mir suspekt. So geht das nicht. Es geht hier um gesellschaftliche Missstände, die nur aus ebendieser Gesellschaft heraus gelöst werden können. Aber die ist längst so segmentiert und mit ihren jeweiligen Problemen und (oftmals industriegefertigten) Lösungen beschäftigt, dass es wohl erst mal schön so weitergehen kann.

Ich sehe zu schwarz? Jeder ist frei sich ein paar solidarische Tintenfischringe warm zu machen. Uns geht es ja eigentlich auch richtig gut hier.

Wenn der Kopf dann nicht mehr pocht, muss man irgendwann wieder essen. Aber dann kann man selber kochen und entscheiden und wissen, was man da vor sich auf dem Teller hat.

Süßkartoffel duchesse mit Speck
Ja, ja, das heißt eigentlich Pomme duchesse aber hier ist die Herzogin nun einmal eine Süßkartoffel

1 große Süßkartoffel (diese war ca. 500 Gramm schwer)
1 großes Ei, gequirlt
100 Gramm Speck in Würfeln (der Speck war aus (ein Graus) und ich habe Mettenden genommen – super!)
1 Tasse Frühlingszwiebeln in Ringen
3-5 Esslöffel Kokosmehl
1 Teelöffel Natron
Salz
Pfeffer

  • Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffel mit einer Gabel rundherum einstechen und dann im Ofen für ca. eine Stunde rösten, bis Haut schrumpelt und  sie auf Fingerdruck nachgibt.
  • Nun die Süßkartoffel pellen, pürieren und etwas abkühlen lassen. Nach und nach das Kokosmehl, das Ei und das Natron mit der Süßkartoffel vermengen. Nur so viel Kokosmehl zugeben, dass die Masse fest ist und sich mit dem Löffel formen lässt ohne zu verlaufen. Es soll nicht zu trocken werden.
  • Die Speckwürfel in der Pfanne auslassen und mit dem Bratenfett zur Süßkartoffel geben.
  • Die Frühlingszwiebeln unterheben und nun alles gründlich pfeffern und salzen (hier vorher testen wie salzig der Speck ist), die Süßkartoffel macht ihren Namen alle Ehre und die Süße verträgt etwas Schärfe.
  • Nun die Masse mit zwei Löffeln in Häufchen auf ein Backblech mit Backpapier setzen. Wer es richtig duchesse haben will, nimmt einen Spritzbeutel.  Bei mir waren es 9 Stück.
  • Das Backblech auf der mittleren Schiene für gute 30 Minuten in den Ofen geben. Die Oberfläche soll nicht zu dunkel bräunen, aber eine leicht weiche Kruste bilden.

Tipp: Ich werde die Süßkartoffeln demnächst so in ein Adventsessen einbinden, als Ersatz für klassische Kroketten.  Dazu dann Rouladen oder Schweinebraten und ein Rotkohlsalat… Wenn etwas übrig bleibt, kann man die Reste wunderbar mit etwas Schmalz in der Pfanne anbraten!

Guten Appetit!

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Boulevard-Fitness, neue alte Körper und Curry-Speck-Bomben

Paleo, Essen und trainieren mit MadonnaMein Trizeps schmerzt. Aber wunderbarerweise weiß ich nun, dass auch ich einen Trizeps besitze. Und der wurde gestern mal wieder gequält, so wie der Rest meines Körpers. Ein großes Vergnügen, wenn ich denn erst einmal den wöchentlichen Schritt ins Sportstudio geschafft habe (das klappt seit über einem halben Jahr konsequent, aber immer dieser Kampf, obwohl ich weiß wie gut ich mich danach fühle). Nun war er also getan, der Schritt und meine Nase wollte gerne wieder raus in den Herbstregen. Irgendwie hängt auch Fitnessstudios oft eine Note an wie früher zu engen Turnhallen-Umkleidekabinen. Bleibt wohl nicht aus, wenn man die Leute so kämpfen sieht. Aber die Leute blende ich meistens aus. Ebenso wie die Musik, was mir schwer fällt, denn mit einer Penetranz wird man mit dem Schlechtesten beschallt, was das deutsche Radio zu bieten hat. Da ich solches nicht höre, bleibt der unbestätigte Verdacht, dass es ganz furchtbar viele dieser Sender da draußen gibt, die als Einstellungskriterium für Moderatoren die penetrante gute Laune und die hoch gepitchte Stimme noch vor die Fähigkeit des unablässigen Sinnlos-Gelabers stellen. Ich bin nicht die Zielgruppe und will auch gar nicht behaupten, dass früher alles besser war, aber das, was Sender wie big FM  ihrer jungen Zuhörerschaft den Tag über um die Ohren hauen, ist erschreckend. Und wenn mich jemand fragt, ob ich finde, dass Musik dumm machen kann, würde ich nach einer Stunde im Sportstudio sofort sagen: ja! Das ist Musik, die absolut widerspiegelt, was wir auch auf allen anderen Ebenen erleben: seicht, schnell austauschbar, schnell konsumiert, betäubend und mit falschen Bildern überfrachtet.
Ich mag Sport in der Stille. Aber das ist irgendwie nicht mehr so drin. Auch Jogger sieht man nicht mehr ohne Knöpfe im Ohr. Am besten mit Smartphone, dann kann man noch ein Sport-Selfie mitnehmen. Warum? Und dann noch sagen, man bekäme beim Laufen den Kopf so gut frei? Nö. Nicht wenn er dabei permanent beschallt wird und auch noch überlegen muss, was ein guter Foto-Spot wäre. Was wäre dann mal mit Laufen ohne alles? Nur Laufen und Kopf frei. Ich erinnere mich, dass mein Vater einen alten Fotoband von Fred Rohe aus den 70ern im Regal stehen hatte: The Zen of Running.  Da beseelte noch ein anderer Geist die Schritte. Keine unterstützende App, keine Suche nach den neuesten Nike Running Modellen… Aber ich schweife ab. Die Musik im Sportstudio ist ein Sch… Und ich empfinde sie als eine ähnliche Betäubung der Massen, wie das nachmittägliche Fernsehprogramm und diverse Webformate. Und es geht mir nicht darum zu beweisen, dass ich einen total anspruchsvollen, avantgardistischen, geschmackssicheren Musikgeschmack habe. Nö. Am allerliebsten sind mir tatsächlich Ruhe, Katzenschnurren und leisere Klänge. Und die aktuellen Klänge des Industrie-Mainstreams ängstigen mich. Auch und vor allem wegen der Maschinerie, die dahintersteht.

An Musik musste ich beim Sport auch denken, weil ich irgendwo auf ein ganz entsetzliches Bild von Madonna gestoßen bin. Heldin meiner frühen Jugend und das erste selbstgekaufte Album. Das Like a Prayer Album.
Heute mag man der Frau, die so gefangen scheint in einer Sportsucht und an einem recht bizarren Erscheinungsbild arbeitet, kaum mehr ins das maskengleiche Gesicht schauen. Im Text zum Bild stand, dass Madonna ein Fitnessstudio in Berlin eröffnet hat. Und dass man dort beim Trainieren überall Madonna-Bildnisse im Blick hat, ordentlich bildbearbeitet natürlich. Hätte ich keinen Bock drauf. Ich will mit 50 nicht aussehen wie Madonna. Ich will in Würde älter werden. Mit Respekt mir selbst gegenüber und nicht getrieben von  Werbeversprechen und Schönheitswahn. Das kann nur schief gehen, raubt kostbare Energien und lässt einen unbefriedigt zurück.
Und auch die Fotos von photogeshoppten Hintern, die bei uns im Fitnessstudio gerade als Werbeplakate hängen, nerven, ärgern mich. Zum einen hätte so einen Hintern nur ein geschätzt elfjähriges Mädchen und dann wäre die Pose mehr als fragwürdig und er ist so unglaublich bearbeitet, dass ich mich einmal mehr frage, für wie dumm wir uns eigentlich noch verkaufen lassen wollen. Frauen wird hier ein unerreichbares Ziel vor die Nase gehängt und die herrschende Unsicherheit dem eignen Körper gegenüber wird weiter befeuert, damit dann los rennt und sich wieder etwas kauft um ins Gleichgewicht und der Wunschfigur ein Stück näher zu kommen. Bei den Jungs und Männern wird der Porno-Ästhetik-Knopf gedrückt.

Übrigens habe ich das Gefühl, dass sich viele in der wild pubertierenden Schüler-Generation nicht nur gleich kleiden. Nein, sie trainieren sich auch ähnliche Körper an. Arme Jungs, die bloß nicht auffallen wollen. Und dasselbe bei den Mädels. Und nicht erst sei heute. Vor zwei Jahren saß ich im Sommer mit Freunden zusammen und wir sprachen über das Badeschiff in Berlin. Schon eine Besonderheit, aber an langen heißen Tagen zu klein, zu eng, zu voll und zu sehr Schaulaufen.
Ein Bekannter meinte in dem Gespräch, dass er auch das Gefühl habe auf zunehmend genormte Körper zu schauen, wenn er an solchen Orten ist. Viele Menschen würden sich wahrscheinlich gerne alles Natürliche, sprich Unangepasste, Individuelle, zu Gunsten einer gesellschaftlich akzeptierten Künstlichkeit abtrainieren und umgestalten.  Ich habe mit Erstaunen gelernt, dass man sich die Wimpern auf Zeit verlängern lassen kann. Für die perfekten Nägel gibt es künstliche Nägel, BHs, Kissen oder Implantate für den Busen oder Po. Shape Wear für das heiße neue Kleid, wenn man beim Sport faul war.  Extensions, wenn die Haare zu langsam wachsen, falsche Bräune eh… und und und…Ich komme mir ja fast schon schlecht vor, dass mein Maximum zur Zeit Mascara heißt. Da darf man sich ja kaum unter Leute trauen.
Ne, quatsch. Darf man und muss man. Ich hätte mich nur nie auf dieser Seite gewähnt und war lange, zu lange, anfällig für allerlei Versprechen. Und wenn man gerade dabei ist mit dem Großwerden klarzukommen, ist es nochmal schwerer, klar.
Aber es müsste nicht so sein. Damit kommen wir nicht auf die Welt, mit diesen Bildern. Aber wir kriegen es vom ersten Moment an rein gedrückt.
Wahr bleibt aber auch, dass man Ausstrahlung nicht kaufen und nicht erzwingen kann. Diese Kleinigkeiten, die gerade auch im Individuellen liegen, die den Charme eines Menschen ausmachen. Sein Aussehen viel mehr bestimmen, als jedes Paar Schuhe und jede neue Tasche oder oder oder…Wenn man sich das nun aber mühsam abtrainiert und es begräbt…  Dann bleibt nicht viel. Nicht viel was Interesse weckt. Aber vielleicht bekommt die Gesellschaft dann im Endeffekt endlich die austauschbaren, leicht konsumierbaren Konsumenten, die sie sich wünscht.

Und wenn man aufmerksam bleibt und das Sportstudio nicht zu einem weiteren Kampfplatz im Krieg mit dem Selbst macht, ist das durchaus ein Ort wo viele dieser Themen sichtbar werden. Wenn man hinschauen will.

Und abgesehen davon, dass immer mehr meiner Muskeln sich angenehm schmerzhaft an den gestrigen Tag erinnern, gab es auch was zu essen. Mit ganz viel Curry. Denn bei den Gewürzen finde ich, sollte man mitunter durchaus maßlos sein. Und schnell ging es auch. Für müde, zufriedene Menschen, die alles mögen, was ohne viel Aufwand in eine Form oder einen Topf passt.

Curry-Hackfleisch-Speck-Bällchen mit Süßkartoffeln aus dem Offen

250 Gramm Hackfleisch (ich mag am liebsten reines Rinderhack, hier war es gemischt)
1 Zwiebel
11 Streifen Speck (entsprechend der Anzahl der Bällchen)
2 mittel-kleine Süßkartoffeln
Olivenöl
Curry
1 scharfe Chilischote
Salz
Pfeffer
gemahlenen Ingwer

  • Die Zwiebel schälen und fein würfeln.
  • Das Hackfleisch mit großzügig (hier waren es drei große Löffel) Curry, den Zwiebeln, etwas Salz und Pfeffer verkneten.
  • 11 kleine feste Bällchen formen und diese in jeweils in einen Streifen Speck rollen.
  • Die Süßkartoffel schälen und in gleichmäßige Scheiben schneiden. IN einer Schüssel mit 1 Teelöffel Curry, der gehackten Chilischote, einem halben Teelöffel gemahlenen Inwger und etwas Salz sowie dem Öl vermischen.
  • Nun die Hackbällchen und die Süßkartoffeln in eine Form geben.
  • Bei 200 Grad um die 25 Minuten in den Ofen, bis der Speck kross und die Süßkartoffeln weich sind.

Dazu passt einmal mehr Chutney, ein Klacks Butter oder ein Löffel Jogurt, wer Joghurt verträgt.

Guten Appetit!

Pop-Massaker oder (Süßkartoffel) Kuchen-Kultur

VMA versus Kuchen-KulturEs ist also soweit, dass ich der Pop-Kultur entwachsen bin. Oder, bevor sich jemand am Begriff Pop-Kultur aufhängt: Die Konsum-Botschaft der gängigen Medien-Formate erreicht mich oftmals nur auf Umwegen.

Ich lasse quasi andere konsumieren und wenn mich das Urteil interessiert, beginne ich vielleicht selbst zu lesen. Oder zu schauen oder zu hören… Mitunter wird mir diese Entscheidung aber gänzlich aus der Hand genommen: Dann nämlich, wenn einfach alle Medien nur über ein Thema berichten. In diesem Falle die VMAs.

Ein Event-Format des früheren Jugendbegleiters MTV. Zumindest zu meiner Zeit war das so. Die Freiheit, dass gegen Mittag kein Erwachsener anwesend war und ich nach der Schule eintauchen konnte in die schnelle laute Bilderwelt des Musikfernsehens. Meine Zeit – das kommt mir so lang nun auch noch nicht her vor, aber trotzdem liegen Verständniswelten zwischen mir und dem, was da heute als scheinbar abgebrühtes Moderations- und Glitzer-Sternchen-Volk die Teppiche füllt und sich in die immer wieder gleichen Posen wirft.

Hier feiert sich die Industrie gesättigt selber, für die richtige Atmosphäre werden ein paar frenetisch jubelnde Fan-Statisten an der Bühne platziert und dann wird ein Wahnsinnsgeld für die Show ausgegeben.

Ich verfolge dem Zirkus nicht aktiv, aber an der Austauschbarkeit der Gesichter lässt sich erahnen, wie kurzlebig viele der präsentierten Künstler sein werden. Aber keine Sorge, der Nachwuchs wackelt bestimmt schon bei Disney mit dem Popo und der Abstieg der Prominenz lässt sich in seinen verschiedenen Stufen wunderbar noch in den unterschiedlichen Fernsehformaten nachvollziehen. Zynismus ist immer für ein Publikum gut. Und auch in Deutschland hat man gelernt, wenn der Trubel zu sehr drückt und auch die intimsten Abhängigkeits-Problematiken zu offen zu Tage treten, dann lassen sich damit noch ein paar Tränchen und Euros pressen. Die Puppenspieler freuts und so wird der Zoo bunt glitzernd durch die Manege getrieben, bis es wieder in den teuren Käfig geht.

Und dank des bunten Spektakels weiß seit dieser Woche nun wohl auch jeder was Twerking ist.

Wer sich noch in schützende Unwissenheit hüllt und Stärke besitzt, Fremdschämen auszuhalten und der industriell gefertigten Vorstellung von Unterhaltung ins Auge zu blicken, der kann sich einen Ausschnitt Miley Cyrus antun.

Und nein, nicht merken. Dieser Name taugt höchstens für intellektuell geprägten Party Flachschnack, wenn man ihn in Sätze einbindet, die das Entsetzen angesichts des kulturellen Niedergangs in Worte fassen. Nur so viel sei gesagt: Ein Disney Kinder-Star, man sollte sagen einer mehr, der in aller Öffentlichkeit das Erwachsenwerden vollzieht. Wobei Erwachsenwerden dann einmal mehr missverstanden wird, als bemühte Provokation und eine seltsam beschämende, öffentliche Sexualisierung der eigenen Person, die alle Klischees erfüllt und dann noch als selbstbewusst verkauft wird. Es tut einem weh und leid und trotzdem taucht es heute hier auf, weil es mir förmlich ins Gesicht sprang auf zig Seiten.

Ich finde, auch auf der Bühne gehört der Hintern einer 20-Jährigen nicht am Schoss eines 36-Jährigen gerieben (oder tue ich dem anderen Künstler da Unrecht?) oder sagen wir nicht so. Es ist so anstrengend aufreizend, dass es sich schon wieder selbst widerspricht. Ich finde es nur traurig, wenn ich mir überlege wie viele viel zu junge Hintern jetzt daheim das Wackeln üben – bitte nicht!

Das war meine heutiger Ausflug in die Bilderwelt des Glitzer-Biz…das reicht. Ich lehne mich lieber wieder zurück und  pflege ein ganz einfaches Verständnis von Unterhaltung und Kultur, das nicht um jeden Preis die Provokation als dann sinnentleertes Thema wählt.

Zum Musik hören mit sich und auch zum Buch passt Süßkartoffel-Kuchen sehr gut. Denn, auch wenn der Sommer tagsüber noch kämpft, riechen die Abende bald schon nach Herbst und es wird Zeit für die warmen Gewürze, die einem zumindest ein inneres Wohlbehagen schenken.

Mein Rezept

2 mittlere Süßkartoffeln
80 Gramm Mandelmehl oder gemahlene Mandeln (schmeckt mit beidem, finde ich)
60 Gramm Butter + 1 Esslöffel
2 große Eier
Zimt
Vanille
Xucker
Salz
Natron
Lebkuchengewürz
100 Gramm ganze Mandeln

  • Die Süßkartoffeln mehrfach mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad ca. 50-60 Minuten im Ofen rösten, bis die Haut schrumpelig und die Süßkartoffel weich ist.
  • Die Eier mit 60 Gramm Butter und 4 Esslöffeln Xucker sowie den geschälten Süßkartoffeln mit dem Handmixer glattrühren.
  • Das Mandelmehl, eine Prise Salz, 1 Teelöffel Zimt, 1 Teelöffel Lebkuchengewürz, 1 Teelöffel Vanille und einen 1 Teelöffel Natron unterrühren.
  • Die Mandeln in einer Pfanne anrösten bis sie leicht duften. Nun einen Esslöffel Butter und zwei Esslöffel Xucker sowie eine Prise Salz und etwas Zimt dazu geben und schön karamellisieren lassen. Dabei gut rühren und vom Herd nehmen, bevor Karamell und Mandeln zu dunkel werden.
  • Nun die Mandeln mit dem Karamell in den Teig geben und unterrühren.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und bei 200 grad ca. 25-30 Minuten in den Ofen geben, bis der Rand sich leicht vom Rand gelöst hat.

Schmeckt auch warm köstlich und spendet innere Wärme in finsteren Zeiten.

Guten Appetit!

Statisten am Grill

Paleo SalatAngesichts des wunderbaren Sommers, der gerade alle dunklen Gedanken des viel zu grauen Frühjahrs vergessen lässt und einen in Sachen Wetter sehr milde stimmt, kann man sich gar nicht oft genug um den Grill versammeln.
Wenn ich ehrlich bin, könnte ich die nächsten Wochen jeden Abend grillen – da hätte ich kein Problem mit. Ich würde trotzdem geifernd vor Vorfreude ungeduldig mit dem Besteck klappern und auf die erste Köstlichkeit warten. Seltsam ist nur, dass ich selber nicht gerne am Grill stehe. Ich schaue gerne zu und bereite auch gerne alles an Salaten und Fleisch vor, aber  aufs Feuer dürfen es andere legen. Ich finde ja, man sollte nicht reflexhaft Klischee-mäßige Rollenverteilungen beschwören, aber in diesem bestimmten Fall muss ich sagen: die Damen meiden zumeist das Feuer.
Dafür wissen die Männer meist nur zu gut Bescheid, wie das zu laufen hat und was, wie lange, wo auf das Rost und überhaupt…aber ist doch schön wenn jeder seine Rolle findet für so einen gemeinsamen Abend!
Und genauso wie es diese verschieden Positionen im Grill-Spiel zu besetzen gilt, ist ein Stück Nackensteak irgendwie noch besser wenn es einen kleinen Begleiter bekommt. Ich weiß, Puristen werden die Stirn runzeln aber ich finde Salate, die zu viel zu später Stunde dann traurig im Dressing schwimmen und trotzdem Abnehmer finden, gehören dazu!

Und da Nudelsalat und Kräuter-Baguette ja von der Liste gestrichen sind, zumindest für mich, bleibt immer noch genug Platz für das fleischige Grill-Gut.
Ein gern gesehener Gast beim Grill-Vergnügen ist so was wie ein perfektes Paar: Als ob man zwei Lieblings-Freunde nimmt und verkuppelt und diese dann tatsächlich ein ganz wunderbares und entspanntes Paar abgeben (in der Realität würde ich dies außerhalb des Küche nie zu wagen versuchen aber…): Süßkartoffel-Avocado-Salat.

Den Salat sehe ich dann immer etwas wehmütig schwinden und hoffe innerlich auf Reste. Denn was vom Grillen übrig bleibt, kann einem oftmals noch einen köstlichen Folge-Tag bescheren.

Mein Rezept (für ca. 5-6 Gäste) – am Vortag vorbereiten

5 mittelgroße Süßkartoffeln
4 reife aber nicht zu weiche Avocados
Saft einer halben Zitrone
Olivenöl
Chili-Flocken
Salz
Pfeffer
Eine Hand Koriander-Blätter
Wer hat: Blüten und Blätter von Kapuziner-Kresse.

  • Denn Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  • Die Süßkartoffeln schälen, in Spalten oder großzügige Stücke schneiden und in etwas Zitronensaft und Olivenöl wenden. Auf ein Backblech geben und im Ofen schön durchbacken (ca. 20 Minuten).
  • Die Süßkartoffeln aus dem Ofen nehmen, auskühlen lassen und dann über Nacht oder zumindest einige Stunden in einer Olivenöl-Zitronensaft-Mischung mit etwas Salz und Pfeffer ziehen lassen.
  • Eine halbe Stunde vor dem Servieren, die Avocado in Stücke schneiden und unter die Kartoffeln heben. Den Koriander und einige Blätter und Blüten der Kapuziner-Kresse hacken und unter heben.
  • Das Ganze Salzen und mit Chili-Flocken würzen.
  • Nun bei Bedarf noch etwas mit Olivenöl und Zitronensaft ergänzen, wem es zu trocken ist und einige Blüten als Deko für das Auge (lecker!).

Guten Appetit!

Konsum, Küchen-Gadgets und Gemüse-Chips

collage_chipsFrisch zurück aus der großen Stad Berlin, bin ich noch etwas benommen von den vielen Eindrücken.
Fast 15 Jahre habe ich aus vollster Überzeugung in Berlin gewohnt und bin nun erstaunt, wie sich meine Perspektive in dem halben Jahr Großstadt-Abstand verändert hat.

Sicher, man kann Berlin nicht absprechen durchaus inspirierend zu sein, aber lustigerweise sind andere Ort das ja auch. Aber das ist ein anderes Thema.

Was mich vor allem immer wieder verstört, ist, wie sehr die Stadt einen unbewusst mit sanfter Eisenfaust zurückzieht auf den Pfad des Konsums. Immer neue Läden locken mit immer schöner gestalteten Auslagen. Dies gilt eigentlich für jeden Ort, der mit mehr Angebot aufwartet als unser kleines Dorf, wo die wenigen Werbungen eher örtlichen Veranstaltungen gelten als dem Konsum. Aber ein bisschen ist es schon so – ein Besuch in Berlin ist wie die Verabredung mit einer sprudelnd-unterhaltsamen Freundin, die einem mit der Rechnung für das kurzweilige Treffen sitzen lässt.

Nun ist mir dies über lange Jahre nicht unangenehm aufgefallen,  aber irgendwann wuchs der Verdacht, da irgendwie einen schlechten Handel abgeschlossen zu haben.

Beziehungsweise trat die schüchterne Erkenntnis ans Licht, dass vieles von dem, was Berlin an Möglichkeiten bietet sich abzulenken, zu konsumieren, die Zeit zu vertreiben, eher wie ein Make-Up wirkt, das nicht schöner macht, je dicker man es aufträgt. Nun ist das mit dem Make-up und dem ästhetischen Empfinden ja eine sehr subjektive Sache. Deshalb muss wohl auch jeder seinen Weg finden, wenn er denn einen sucht.

Meiner endete oder begann damit, einen festen Job in leitender Position in einer dieser unzähligen Berliner Agenturen aus dem diffusen Bereich Lifestyle und Medien zu kündigen, die Koffer und Kisten zu packen und mit dem Liebsten in ein kleines Dorf inmitten sanfter Hügel zu ziehen und das eigene Büro zu starten. Raus aus der Stadt, raus aus dem Angestellten-Verhältnis.

Und auch hier, inmitten wogender Kornfelder und sonnenfleckiger Buchen-Wälder, möchte das Kaufverhalten immer wieder kritisch hinterfragt werden.
Das klappt nicht immer.

Und so bin ich für meine Verhältnisse mal total durchgedreht und habe mir zwei Dinge für die Küche geleistet. Dinge, bei denen sich noch zeigen muss, ob sie Dauerbewohner im der Speisekammer werden oder eher im Einsatz für gutes Essen überzeugen.

Zwei Dinge, die ich bisher in meinem Leben nicht vermisst habe und die nur deshalb plötzlich am „Haben-Wollen-Horizont“ erschienen, weil sie mir auf diversen Paleo-Koch-Blogs begegneten.

Und so stehen da nun ein erstaunlich großer Dehydrator und ein kleiner Spiralschneider  in der Küche und locken mich zu neuen Koch-Experimenten vom Schreibtisch.
In Ermangelung von Zeit ist bisher erst der Dehydrator zum Einsatz gekommen.

Ich habe nämlich immer eine Leidenschaft für Gemüsechips gepflegt. Leider kannte ich diese lange Zeit nur aus England und als sie dann bei der LPG in Berlin auftauchten waren sie leider auch mit blödem Sonnenblumen-Öl und schmeckten ziemlich mau. Erste Selbstversuche im Ofen führten zu einem Ergebnis, das nahe an Kohle-Tabletten war.

Also wieder einmal umdenken und selber machen! Erster Versuch: Süßkartoffel-Chips aus dem Dehydrator.

Mein Rezept

2 mittelgroße Süßkartoffeln
Salz
Cayenne-Pfeffer
Zimt
Olivenöl

  • Die Süßkartoffeln gründlich waschen, säubern und in möglichst dünne Scheiben schneiden (in Handarbeit mit dem Messer oder einer Reibe).
  • Die Scheiben mit etwas Cayenne-Peffer, Salz und Zimt mischen und im Dehydrator verteilen. Die Trockenzeit ist abhängig von der Hitze und der Dicke der Scheiben. Bei ca. 95 Grad und dünnen Scheiben waren meine nach 3,5 Stunden kross. Zur Sicherheit zwischendurch testen.
  • Die krossen Kartoffelscheiben abkühlen lassen und mit 1 Teelöffel Olivenöl und einer zweiten Prise Gewürze nach Geschmack würzen.

 

Wie bei konventionellen Chips entsteht hier schnell ein Zu-Greif-Reflex und ehe man sich versieht, ist die Schale leer – ich empfehle, die Chips bewusst zu portionieren.

Guten Appetit!

Fernweh-Fisch-Kokos-Frikadellen

collageMeine intensivsten Erinnerungen sind bei mir tatsächlich mit Essen verknüpft, ich kann mich sehr präzise an bestimmte Gerichte und Essenssituationen erinnern, die sich mir eingebrannt haben.
Besonders schön ist es dann, wenn plötzlich Erinnerungen durch bestimmte Geschmäcker und Gerüche wachgerufen werden.  An grauen Tagen wie diesen lässt sich so etwas auch wunderbar nutzen, um sich über das Essen an ferne warme Orte zu entziehen.

Deshalb eine etwas wilde Fischkreation, die mich, dank der Gewürze, an den Aufenthalt auf einer kleinen Insel im Indischen Ozean erinnert.

Aber Vorsicht: Wer keine Frittier-Gerüche in der Küche mag, sollte jetzt neu suchen. Selbst ich gerate da manchmal an meinen kleinen inneren Spießer – aber der Geschmack macht es wett!

Meine Zutaten:

250-300 Gramm Kabeljau
1 mittelgroße Süßkartoffel (auch etwa 250 Gramm) gekocht
2 Eier
3-4 Esslöffel Kokosraspeln
Currypulver
Cayenne-Pfeffer
Salz
Schwarzer Pfeffer
Spritzer Zitrone/Limette
2-3 Esslöffel gehackter frischer Koriander
Eine Prise geriebener Ingwer
Kokosöl

  • Die weichgekochte Süßkartoffel schälen und mit der Gabel  grob zerdrücken.
  • Das Fischfilet ebenfalls mit der Gabel grob teilen.
  • Fisch und Süßkartoffel mit einem Ei vermengen. Zitronensaft, Koriander, Salz, Pfeffer, Cayenne-Peffer, Ingwer und großzügig Curry dazu geben und alles ordentlich mischen.
  • Das zweite Ei in einem kleinen Teller verquirlen, die Kokosflocken auf einen zweiten Teller geben und dazu stellen.
  • Nun aus der Fischmasse 5-6 gleichmäßige Kugeln formen und diese erst im Ei und dann in den Kokosraspeln wenden.
  • Soviel Kokosöl in einer Pfanne erhitzen, dass die Fischbällchen bis ca. zur Hälfte darin schwimmen. Und nun von beiden Seiten je ca. 6 Minuten frittieren/braten, bis sie eine goldbraune Färbung haben.

Vorsicht: Bei den Kokosraspeln wird aus Braun sehr schnell Schwarz.

Ich esse die Frikadellen gerne so, aber lecker ist als Begleitung auch ein einfacher grüner Salat mit etwas saurem Apfel (Elstar), einfach nur mit Salz, Pfeffer und einem milden Olivenöl angemacht.

Guten Appetit!