Herbstmomente im Wildpark Weilburg und ein schnörkelloses Gericht: Lauch-Pilzpfanne

Wildpark und Low Carb Pilz-Lauch-PfanneDie letzten Morgende blieb er einem verwehrt – der Blick hinauf zum Waldrand. Die Welt schien verschluckt von dickem grauen Nebel, der langsam seine Finger durch das geöffnete Fenster zu schieben schien. Ein ruhiges Wetter, gedämpft und mit der Fähigkeit, einem auf Dauer aufs Gemüt zu schlagen. Aber nach wenigen Stunden musste sich der Nebel der warmen Herbstsonne ergeben und löste sich einfach auf. Bei der Fahrt durch den Taunus sah man, wie sich die Nebelfetzen widerspenstig auch aus den letzten dunklen Tälern hoben. Ein wenig sieht es immer aus, als würden sich Wolken vom Boden erheben.

Ich mag dieses wechselhafte Herbstwetter. Herbst ist wie das Durchatmen nach einem langen heißen Tag. Mit dem Wissen, dass der Winter nicht mehr weit ist und sich heranschleicht. Aber noch hängen rote Äpfel in den Bäumen und es ist die Jahreszeit mit den wärmsten Farben. Ich bin ein Herbstkind. Vielleicht liegt es daran. Ich bin eine Oktober-Waage, wenn man dem Bedeutung beimisst. Und tatsächlich finde ich mich in vielen der Eigenschaften wieder, die man den Waagen zuschreibt. Und ich mag es so gar nicht, wenn ich aus der Balance gerate. Tatsächlich bin ich bemüht bei allem, was ich tue, bei mir zu bleiben. Was die Welt einem nicht immer einfach macht, aber ich arbeite daran. Ich habe keine hochfliegenden Ziele, sondern suche in allem Zufriedenheit. Nicht die schnellen Kicks, sondern das anhaltende warme Glücksgefühl, das hilft, bei sich zu bleiben und mit sich zufrieden zu sein. Das einem hilft nicht darauf zu hören, wenn es um einen herum höher, schneller, weiter, besser schreit. Sich nicht beweisen zu müssen ist eine Tugend, an der man wohl ein Leben lang feilen muss. An jeder Ecke wird einem der Wettbewerb doch förmlich aufgedrängt. Jeder kann nur für sich sprechen und ich habe einfach stark gemerkt, wie viel leichter und glücklicher und zufriedener ich bin, seit ich die Meinung anderer Menschen nicht mehr zum Maßstab mache, an dem mein Glück hängt. Nun ist vielen vieles sch..egal. Das meine ich nicht. Man soll nicht brüskieren oder willentlich verletzen. Aber wer eine Waage ist wie ich, wird das Gefühl kennen, ständig am ausbalancieren zu ein, damit alle rund herum zufrieden sind. Nur sich selbst vergisst man dabei. Und begibt sich in eine sehr angreifbare Position, wenn man auf Menschen trifft, die eigentlich nur ihre eigene Agenda sehen. Menschen sind so. Unterschiedlich. Und nicht nur Harmoniekekse. Sondern auch egoistisch und verletzend und nach Aufmerksamkeit heischend. Da halte ich inne und wenn es geht, nehme ich einen anderen Weg. Und versuche es anders zu machen. Nicht immer ganz einfach.
Gerade mache ich das Innehalten zur täglichen Pflichtübung. Zu viel ist in Bewegung geraten. Wir haben ganz sachte begonnen, nach dem nächsten Wohn-Modell zu schauen. Und das ist ein guter Grund, sich immer mal wieder zu fragen, was suche ich und warum?

Und so entdecken wir gerade die Heimat neu, bei Fahrten durch kleine Dörfer im Naturpark Nassau, die wie vergessen wirken und einem kurz das Gefühl geben, aus der Zeit zu fallen. Sehen Schönes, Skurriles und weniger Schönes und wissen zu schätzen, wie gut wir es für den Moment getroffen haben. Aber wir wollen weniger. Weniger Raum und weniger Miete. Und da heißt es dann ehrlich sein, auch wenn man das wunderschön renovierte Fachwerkhaus sieht, das dieselbe Größe hat wie unser jetziges Zuhause, aber 300 Euro weniger kostet.

Da hätte man das Geld gespart und würde wieder in einem zu großen Anzug stecken, der nicht so richtig sitzt, auch wenn er eigentlich schön ist. Nein. Nichts übereilen. Ehrlich sein. Und die Ruhe behalten. Wer kann, nimmt sich zwischendurch eine Rauszeit. Und wer in der Nähe wohnt, sollte einen der sonnigen Herbsttage nutzen und den Wildpark Weilburg besuchen. Alleine landschaftlich schon ein Genuß zum Spazierengehen, aber obendrauf gibt es noch heimische Fauna, wie man ihr selten so nah kommt. Lux, Damwild, Wölfe, Wildkatzen und ganz entzückende Otter. Majestätisches Rotwild und melancholische Wisente. Die Zeit verfliegt und so manchem Tier kommt man näher als gedacht und zuckt schon mal zusammen, wenn ein tiefenentspannter Sikahirsch neben dem Weg döst (ohne Zaun). Diese Entdeckung müssen wir teilen und werden zukünftig das kinderreiche Umfeld mit in den Wildpark nehmen. Hier bleibt es einem erspart, das triste Gefühl, das einen oft in Zoos angesichts stinkender, kleiner Gehege befällt. Natürlich ist Wildpark nicht Freiheit, aber hier wurde mit viel Liebe zu den Geschöpfen auf die Gestaltung der Gehegeflächen geachtet. Und so ergibt sich ein Spaziergang für Kopf und Wohlbefinden.

Nach Ausflugstagen mag ich dann nicht gerne lange in der Küche stehen. Eine herbstlich deftige Kombination, die sich sowohl als Beilage oder Hauptgericht gut macht:

Herbstliche Lauch-Pilz-Pfanne  ohne viel Tamtam   
(hier als Beilage für zwei)

2 große Lauchstangen
250 Gramm braune Champignons (oder selbst Gesuchtes)
Butter
Salz
Pfeffer
Muskatnuss
Wahlweise: Speckwürfel

  • Den Lauch in Ringe schneiden (etwa 0,5cm) und gründlich waschen.
  • Die Pilze abziehen und in Scheiben schneiden.
  • In einer geräumigen Pfanne Großzügig Butter zerlassen und den Lauch sanft darin garen. Nicht zu heiß, lieber mit Ruhe, bis der Lauch weicher aber nicht matschig ist.
  • Nun den Lauch an die Seite schieben und Speckwürfel auslassen, dann die Pilze dazu geben und dünsten, bis diese durch aber nicht zu weich sind.
  • Alles vermengen. Großzügig salzen und pfeffern und Muskatnuss darüber reiben. Vor dem Servieren noch ein kleines Stück Butter untermengen.

Dazu passt auch sehr gut ein Rumpsteak oder man schlägt Eier drüber für ein formloses Omelette.

Schnell und schörkellos.

Guten Appetit!

 

 

 

 

 

 

Heimat-Sein und Kuchenduft-Sicherheit mit Mandelkugeln

Mandel Kugeln Low CarbHeimat. Das rutschte mir heute so raus, als wir uns über die Autobahn, an Idstein vorbei, dem mittlerweile vertraut neuem Zuhause im Taunus näherten. So unattraktiv in ihrer Unbeirrbarkeit die Autobahn in ihrer grauen Geradlinigkeit auch war und so beängstigend dicht sich die Menschen in der Isolation ihrer  zu schnell fahrenden Autos auch drängten, war da doch auch der Blick über, dem Auge schmeichelnden Hügel in einen herbstlichen Himmel und es fühlte sich einfach an, wie sich nach Hause kommen anfühlt. Dabei war ich gar nicht lange weg, aber  die Freude, wieder dort anzukommen, wo ich am liebsten bin, war so eindeutig, dass ich kurz die Frage in den Raum stellte, ob das kleine Dorf jetzt eigentlich unser Zuhause oder doch schon Heimat ist.

Ich habe mich mit Heimat immer schwer getan. Der Ort in dem ich aufwuchs, ist nicht mein Geburtstort, wir sind öfter umgezogen als andere und da mein Auszug sich mit räumlichen Veränderungen in den elterlichen Begebenheiten überschnitt, hatte ich fortan auch kein Kinderzimmer mehr, in das ich zurückkehren konnte. Das fand ich anfangs befremdlich und hatte so eine gewisse Sehnsucht, mit der Rückkehr in die Heimatstadt auch jedes Mal wieder in alte Rahmenbedingungen zurückkehren zu können. Wenn schon Erwachsenwerden, dann doch bitte mit der Sicherheit immer mal wieder zurück unter die Decke der eigenen Geschichte schlüpfen zu können und sich in der Sicherheit des Bettes aus Jugendtagen vom Taumel und den Schrecken der großen Welt erholen. Dachte ich.  Und in Ermangelung dieses imaginierten Horts der Sicherheit badete ich mich ein bisschen in dem Bild des aus dem Nest gefallenen Vogels.
Einige Jahre und Wohn- und Lebenserfahrungen später muss ich sagen, dass mir da eine dieser wertvollen Lektionen vermittelt wurde, die man erst im Nachhinein so richtig wahrnimmt, wenn überhaupt. Ich definierte für mich Heimat als etwas, das in etwa der Kuschel-Ästhetik der Rama-Familie entsprach, so mit Familienmittagessen am Sonntag, Hohes C zum Frühstück  und frisch gewaschenen, weichgespülten Wäschestapeln für die  Rückkehr in die Studentenwelt. Dabei war ich nicht in einem solch gekünstelten Arrangement groß geworden, woher dann also diese plötzliche Sehnsucht nach etwas, das mich erstickt hätte, wenn es sich plötzlich in die Realität verwandelt hätte. Meine Eltern haben mich immer ernstgenommen, ich habe, seit ich alt genug war, immer gerne eine Zigarette mit meinen Eltern geraucht und ich musste mir zwar Kritik gefallen lassen, aber meine Lebensweggestaltung lag ganz bei mir. Trotzdem, oder gerade deshalb, war da eine Zeitlang die Überzeugung, gar keine Heimat zu haben, da ich sie nicht an so oberflächlichen Maßstäben festmachen konnte. Irgendwann betonte ich dann Berlin als meine Heimat, stand ja dann auch im Ausweis – Und Du so? Ich bin aus Berlin…Obwohl auch das immer untermalt war mit dem Gefühl einer gewissen Endlichkeit – da musste noch mehr sein. Nur lange Jahre habe ich mir das nicht eingestanden. Hatte ich doch endlich einen benennbaren Ort, der noch dazu was hermachte. Mit einer gewissen Faszination begegnete ich immer wieder Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zum Ort und zu den Leuten ihrer Herkunft pflegten, auch über die Distanz hinweg. Jedes Jahr Weihnachten oder zu anderen Terminen war das Wiedersehen vorprogrammiert. Bei mir gestaltete sich das irgendwie anders. Ich dachte halt nur, immer diese Gewissheit der wiederkehrenden Routine sei Heimat und somit etwas, das ich vermisste.

Aber wenn ich selber mal an solch wiederkehrenden Ritualen teilnahm merkte ich, dass es nicht so harmonisch war, wie ich mir das verklärt hatte. Natürlich, die Freude des Wiedersehens, aber oftmals auch der große heimliche Abgleich, wie sieht er sie aus, was machen die anderen Dolles und die eigene Inszenierung. Fühlte sich nicht so an wie sich Heimat anfühlen sollte. Dann die Momente mit den lieben Freunden in der großen Stadt Berlin, die gemeinsamen, ganz besonderen Entdeckungen und Erlebnisse, die sich so lebendig anfühlten, dass man sie nie wieder vergessen wollte, das behagliche Gefühl des Beisammen- und Aufgehobenseins. Heimelig, Aber schon Heimat? Immer noch geplagt von Heimat-Wohlfühl-Sehnsüchten dann weiterziehen durch dies seltsame Erwachsenwerden und den eigenen Weg finden. Entscheidungen treffen, Ziele definieren,  Abwägungen, mutig sein, sich aufmachen. Und dann plötzlich heute: Heimat. Laut ausgesprochen. Auf der Rückfahrt aus der Heimatstadt des besonderen Menschen und die wunderbar warme Erkenntnis, dass ich eine Heimat habe, schon eine ganze Zeit.

Diese Heimat ist bei diesem Menschen und das ist sie, weil sie in allererster Linie in mir selbst liegt. Und wenn ich mir selbst diese Heimat  gestalten kann, wenn ich mir selbst dieses heimelige und sichere Gefühl geben kann, dann ist die Heimat überall. Überall dort wo ich bin. Und sie ist nicht gebunden an einen Ort oder bestimmte Dinge. Denn im Prinzip kann ich erst dann selbst bestimmen, was und wo für mich Heimat ist, wenn ich die materiellen Dinge dafür gar nicht brauche. Erst dann ist mein Zuhause auch meine echte Heimat und dann kann es auch ein Mensch sein und ich für einen Menschen.

Und ganz ehrlich, Paleo hin oder her, wenn es Besucher glücklich macht, würde ich ihnen schweren Herzens auch ein Glas Hohes C hinstellen zum Frühstück.

Lieber aber backe ich etwas heimelig Duftendes für das extra bisschen Wohlfühl-Kitsch.

Mandelkugeln

200 Gramm feines Mandelmehl aus blanchierten Mandeln
5-6 gute Esslöffel Gucker
40 Gramm Butter
1 Eiweiß
Vanille
Zimt
Dunkle Schokolade (90%)
Gehackte Mandeln

  • Die Butter schmelzen und den Xucker hineinrühren.
  • Mandelmehl,  Vanille und Zimt mischen. Die Butter-Xucker-Masse hinzu geben, das Eiweiß unterrühren und nun alles schön gründlich mit den Knethaken kneten bis eine geschmeidige, Masse entsteht, die sich gut zu Kugeln formen lässt.
  • Die Kugeln in den Mandelsplittern wälzen und auf ein Backblech mit Backpapier geben.
  • Im vorgeheizten Ofen bei 190 Grad ca. 15 Minuten backen, sie sollen goldbraun aber nicht zu dunkel werden.
  • Abkühlen lassen, die Schokolade schmelzen und nun jeden Mandelball nach Geschmack mit Schokolade krönen.

Wenn diese fest ist: Guten Appetit!

 

Das mit dem Brautkleid und dem Blaukraut

Rotkohl SalatEs ist schon etwas seltsam, mitten im Taunus zu sitzen und daran zu denken, dass heute eine sehr gute Freundin im fernen Mexico heiratet.
Lange Jahre haben wir uns durch das Erwachsenwerden in der großen Stadt Berlin begleitet, haben Sonnenaufgänge geteilt und seltsame Dinge durch die Stadt geschleppt. Klamotten getauscht und die Welt besprochen.
Sie war meine Trauzeugin und hat mich sehr bestärkt, als ich mich in Bewegung setzte, die Stadt zu verlassen. Und während es bei mir in Richtung Dorf ging, zog es sie, des Herzens wegen, nach Mexico City.

Das ist ganz schön weit weg. Und das macht es manchmal ganz schön schwer, da man sich nicht so einfach treffen kann und auch feststellt, dass sich Beziehungen verändern, weil jeder einen neuen Lebensrhythmus hat, mit ganz eigenen Wichtig- und Nichtigkeiten.
Natürlich passiert so etwas nicht über die Nacht, ich kann da nur für Mädchenfreundschaften sprechen, aber sicher gibt es da Grundsätzlichkeiten, die auch Männer erleben.
Es ist ein großes Geschenk, wenn man Freundschaften lebt, die einen durch wichtige Zeiten begleiten, in denen man all die kleinen und großen Verrücktheiten und besonderen Momente erlebt, die noch Jahre später für eine Geschichte gut sind und die Augen zum Glitzern bringen – Partners in Crime oder wenigstens beim Großwerden.

Verändern tut sich dann schon etwas, wenn einer oder beide plötzlich noch eine (Liebes-)Beziehung  in ihr Leben lassen. Dann verschieben sich die Gewichtungen und Rollen werden neu definiert.
Das ist nicht immer einfach und schmerzfrei, aber es gehört wohl dazu. Mitunter ist es auch aufreibend, irgendwie sind wir ja auch geprägt von Bildern, die uns suggerieren, dass wir uns ständig mit vielen Menschen umgeben sollen, unsere Beliebtheit offen vor uns her tragen sollen und somit zeigen, dass wir dem Bild entsprechen und konforme Gesellschaftstiere sind. Je mehr Leute einen mögen, desto sicherer kann man ja sein, dass man nicht aneckt und alles richtig macht.

Ich mag Menschen, sogar sehr. Auch wenn ich vieles, was sie tun, nur schwer nachvollziehen kann. Und ich weiß um den Wert echter Freundschaften. Aber ich habe für mich auch gelernt, dass mir eine kleine Gruppe wahrer Freunde wichtiger ist als eine immer größer werdende Schar von Freunden, deren Bekanntschaft sich auf lange Nächte an der Bar beschränkt und wo das Bindeglied der Taumel des Stadtlebens ist und wenig mehr. Klingt blöd, ist aber so. Und man muss nur einmal aus der Stadt wegziehen und man wird schnell merken, welche Kontakte mitwachsen und wo anscheinend die Verbindung einschläft. Und das ist völlig ok. Trifft man sich dann durch Zufall, ist es nett aber zeigt auch, dass man seine begrenzte Energie auch auf bestimmte Menschen konzentrieren darf und nicht wie Smarties damit um sich schmeißen soll. Smarties sind eh Mist und außerdem musste ich die  in Kindertagen (und darüber hinaus) immer zwanghaft nach Farben sortieren… aber egal.
Nein, Freundschaften sollte man eben so weise und mit Bedacht wählen, wie die Konflikte, auf die man sich einlässt.

Nun habe ich mich allein schon durch die Entscheidung, mein Leben umzukrempeln, räumlich sehr aus allem zurück gezogen, das schafft automatisch eine Distanz und erlaubt auch andere Perspektiven. Aber es hat auch schöne neue Türen geöffnet und Freundschaften neu definiert, wie das in dem letztlich immer gleichen Umfeld der großen Stadt wohl nicht passiert wäre. Wenn mich jemand fragt, ob ich mich einsam fühle – kein Stück. Und ob das nicht zu nah ist, so arbeiten und leben und lieben mit ein und demselben Menschen. Dann muss ich mich wundern, wenn ich mir mit diesem Menschen nicht alles hätte vorstellen können, hätte ich ihn nicht geheiratet. Und ja, da steckt auch Arbeit drin. Wie in jeder Beziehung und wer da den Kopf schüttelt und sagt bei mir ist alles Eierkuchen, da erlaube ich mir ein Stirnrunzeln. Menschen mit ihren Besonderheiten, persönlichen Geschichten, Verletzungen, Ticks und Ängsten, bedeuten immer auch etwas Arbeit, wenn man sie zusammen steckt.  Und meist sind es Ehrlichkeit und Austausch, die hier den Weg ebnen und es ermöglichen, dass man sich auf einer Ebene begegnet, die ermüdende (Macht-)Spielchen und frustrierende Projektionen vermeidet. Und damit spart sich gleich eine ganze Menge der Dramen, die in vielen Beziehungen so häufig passieren und mitunter noch als Leidenschaft gedeutet werden, dann braucht man nicht so genau hinzuschauen.

Meiner lieben Freundin in der Ferne wünsche ich, dass sie diesen Menschen gefunden hat, der ihr Herz sieht und der weiß, wer sie ist, welch kostbarer und besonderer Mensch. Ich wünsche ihr von Herzen alles Glück und alle Energie, die es vielleicht auch manchmal braucht und einen ganz besonderen Tag. Eines weiß ich mit Sicherheit: Egal wie das Brautkleid aussieht, sie wird besonders schön sein.
Und so werde ich in wenigen Stunden ganz fest in die Ferne denken, mit einem Rührungsklops, weil ich so unheimlich sentimental bin und wir so viel erlebt haben. Und ich weiß nicht, was sie dann essen werden an diesem besonderen Tag im fernen Mexiko.
Ich werde mir einen Rotkohlsalat machen, weil es schnell geht und mehr Zeit für Rührung bleibt und weil ich die Farbe so mag.

Orangen-Rotkohl-Salat mit Walnüssen

Einen halben Rotkohl (oder einen ganzen kleinen)
1 große Orange
2 Handvoll Walnüsse
Apfelessig
Olivenöl
Kürbiskernöl
Salz
Pfeffer

  • Den Rotkohl mit einem Messerin feinde Streifen schneiden und gut durchwaschen.
  • Die Orange filetieren und in kleine Stücke schneiden.
  • Die Walnüsse klein brechen in der Pfanne anrösten.
  • Den Rotkohl mit Apfelessig, Olivenöl, Kürbiskernöl, Salz und Pfeffer anmachen. Ruhig großzügig sein mit dem Kürbiskern Öl, der Geschmack passt so gut.
  • Die Orange und die Nüsse unterheben und alles gut durchziehen lassen (1-2 Stunden).

Ein schöner knackiger Salat zu Fleisch oder auch einfach mit gerösteten Speckwürfen. Hält sich wunderbar ein paar Tage im Kühlschrank, wenn man zu viel gemacht hat. Wer mag kann ihn sich dann immer neu verfeinern und noch einen Apfel rein schneiden.

Guten Appetit!

Sommer vor der Tür – Kokos-Erdbeer-Smoothie und Freibad-Spaß

SmoothieDie sonnigen Sommertage wollen genutzt sein – wer weiß wie lange sie sich halten. Statt Sommer-Urlaub steht bei uns noch immer die Erkundung der neuen Heimat Taunus im Vordergrund.
Einschließlich der lokalen Freibäder.  Der Taunus ist leider nicht so reich an Bade-Seen aber im großen Berlin habe ich es in Ermanglung eines Autos auch nur einmal im Jahr an die Havel geschafft, von daher wäre es unsinnig sich zu beklagen. Stattdessen genieße ich die Zeitreise, die jeder Gang ins Freibad bedeutet.

Denn fantastischerweise wird man dort von einer Geräuschkulisse empfangen, die sich wohl auch in den nächsten zwanzig Jahren nicht ändern wird.

Dazu die Gerüche nach warmem Gras, Sonnenmilch und altem Pommes-Fett – auf einmal weiß ich ganz genau wie es war, sich mit den Freundinnen aufs Rad zu schwingen und zu überlegen, ob das Geld noch für eine bunte Tüte mit Schlümpfen reicht.

Gerade wird mir erst bewusst, dass ich seit über einem Jahr kein Weingummi mehr gegessen habe – ich hätte nicht gedacht, dass es mal soweit kommt. Eines der beliebtesten nachmittäglichen Stress-Essen am Schreibtisch, bei dem man völlig die Kontrolle verlieren kann, wie viel man isst, da der Griff in die Tüte so automatisch geschieht.

Und wie dumm ich war, wider besseren Wissens wurde das Gehirn ausgeschaltet und im eigenen Interesse der Werbung geglaubt – das Zeug ist ja quasi fettfrei! Na dann! Her mit dem Zucker und den Konzentrationslöchern und den Energietiefs….und dem Rettungsring fürs Freibad.

Ne, damit ist Schluss. Und ich vermisse es nicht (mehr). Der Zuckerentzug war hart, aber heilsam. Aber ich schweife ab – ein Gang ins Freibad ist das Abtauchen in eigene Erinnerungen und dadurch auch ein Gefühl wie Sommerferien.  Eine gewisse Ausgelassenheit oder kribbelnde Unruhe, die der konstante Lärmpegel erzeugt. Wer sich drauf einlässt, kann dennoch Entspannung finden. Beispielsweise bei dem Gedanken, dass es unglaublich schön ist, nicht noch einmal 14 Jahre sein müssen: Sozial- und Gruppenstudien sind nämlich eine andere Sache, die sich im Freibad auf Vortrefflichste anstellen lassen. Und schnell wird klar: Die, die dort groß werden, haben es verdammt noch mal nicht leicht. Und manche Diskussionen und Verhaltensweisen werden sich wohl nie ändern, die Accessoires sind heute andere aber ob 50er, 80er oder heute – die Grundthemen, die da geklärt und untereinander getestet werden, bleiben gleich.

Vor so viel Umfeld-Beobachtung (etwas, das ich scheinend von meinem Vater geerbt habe und früher einen ganz furchtbaren Wesenszug fand, denn: man starrt Menschen nicht an – heute verstehe ich die Faszination menschlicher Verhaltensweisen besser) kommt man dann kaum zum Lesen und die Zeit verfliegt!

Wenn man es nicht ins Freibad wagt oder wenn die Abkühlung im Planschbecken nicht ausgereicht hat, dann empfehle ich sommerliches „Comfort-Food“!

Und keine Sorge, so lecker es ist, der Körper setzt einem ganz automatisch eine Grenze!

Erdbeer-Kokos-Shake (2 Portionen)

Das Rezept

1 Dose gekühlte Kokosmilch (ich nehme gerne die von Alnatura)
1 Tasse frische Erdbeeren (es geht auch mit gefrorenem Obst aber wenn Saison ist…)
Spritzer Zitronensaft
2 Esslöffel Xucker nach Wahl
1 Teelöffel Vanille

  • Alle Zutaten mit dem Stabmixer schön schaumig pürieren. Wem das Ergebnis zu dickflüssig ist, der kann etwas Wasser hinzufügen.
  • Für ca. 15 Minuten in die Tiefkühlung geben, auf Gläser verteilen und dann ab und mit den Gläsern in die Sonne setzen.

Drei Tipps:

Comfort Food soll kein Essen ersetzen, aber dieser Shake macht wunderbar satt und hat mir früher im Büro schon mal das Mittagessen ersetzt.
Wenn man den Shake im Tiefkühler vergisst, wird ein leckeres Erdbeereis draus.
Sehr zu empfehlen sind auch die Varianten Himbeer-Minze oder Kiwi-Erdbeer.

Sommer genießen!

Weg sein – Auswärts essen (Passau)

Paleo RestaurantIn der großen Stadt war ich lange Zeit daran gewöhnt, regelmäßig essen zu gehen.  Man hatte keinen Stress mit dem Einkaufen und wenn man Freunde traf, blieb niemand auf dem Abwasch sitzen.

Bezahlbare Möglichkeiten gab es viele und noch dazu wirklich gutes Koch-Handwerk. Mutige Rezepte jenseits einer Küche mit weißer oder brauner Soße und dem immer gleichen (Tiefkühl-) Gemüse. Ich selbst habe es so nicht mitbekommen, aber die Vielzahl der Gasthöfe, die noch immer eine entsprechende Karte aufweisen, spricht für sich.

Mit Umstellung der Ernährung kamen ein paar Lieblings-Restaurants nicht mehr in Frage. Hausgemachte Nudeln und Pizza – das wollte ich ja gerade vermeiden. So schrumpfte die Liste an Restaurants erst einmal etwas zusammen. Natürlich kann man anmerken, dass es überall möglich ist einen Salat und ein Stück Fleisch zu bekommen, aber ich möchte nicht überall ein Stück Fleisch essen.  Das ist der Snobismus, den ich mir erlaube, wo immer es mir möglich ist zu schauen, dass die Zutaten aus der Region kommen, aus bewusster Landwirtschaft. Gleiches gilt auch für die tierischen Produkte.

Das Internet hat die entsprechende Suche bedeutend einfacher gemacht und oft reicht tatsächlich ein kurzer Blick auf die Karte um zu schauen, ob es passen könnte.

Und da das bei der Paleo-konformen Ernährung nicht immer so einfach ist, ein überzeugendes Angebot zu finden, habe ich mir vorgenommen, die kulinarischen Fundorte, die sich auftun, zu sammeln. Und wenn jemand Tipps für den Taunus hat – immer gerne her damit!

Auf das Sauvage in Berlin, so etwas wie dem Aushängeschild oder auch dem kulinarischen Missionar der Steinzeit-Ernährung in Deutschland, habe ich ja schon kurz verwiesen. Aber gerade regionale Küchen-Traditionen bieten das ein oder andere, auf das sich der Steinzeit-Gast freuen kann.

Letztes Wochenende hatte sich ein solcher kulinarischer Fundort zu erkennen gegeben – in Passau.

Passau, die verschlafen anmutende mittelkleine Flüsse-Stadt war zuletzt ja vor allem im Zusammenhang mit dem Hochwasser in den Medien zu sehen. Wenn man heute durch die Straßen läuft, blicken einen auch noch erschreckend viele leere Schaufenster kleiner Läden an, aber unzählige Plakate künden von echter Hilfsbereitschaft, mit der sich die Passauer geholfen haben.

Vor dem kleinen Trip nach Passau hatte ich im Internet zwei Bio- Gasthäuser aufgetan, die eine ganz wunderbar ansprechende Karte hatten. Das Haus „Zum Grünen Baum“  war leider Opfer des Hochwassers geworden und dort steckt man noch in der Renovierung.

Das Wirtshaus „Zum Fliegerbauer“ hatte aber offen und wenn man je einen guten Grund für ein Auswärts-Essen gesucht hat, neben dem Genuss, dann hilft vielleicht dieser: Jeder entbehrliche Euro der Einnahmen des Fliegenbauers wird in die Renovierung des Grünen Baumes fließen.

Und wem das als Argument nicht reicht, dem sei versichert: Atmosphäre und Qualität machen einen Besuch mehr als wert!

Ruhig gelegen, knappe fünf Autominuten außerhalb der Innenstadt, kann man im Fliegerbauern in entspannter Atmosphäre regionale Köstlichkeiten aus biologischem Anbau genießen. Entspannt deshalb, weil der Ort einfach schön ist. Nicht gewollt auf Landhaus getrimmt oder gezwungen rustikal sondern einfach schön.

Wenn man ankommt möchte man sich einfach unter einen der Sonnenschirme setzen und nicht mehr aufstehen. Auch die Innen-Räume sahen einladen aus, aber draußen lockte der Sommerabend.

Die Karte war überschaubar, was ich immer beruhigend finde, und auch auf die Nachfrage nach Inhaltsstoffen und dem Verzicht auf Soßenbinder, Brot und Kartoffeln, behielt die unfassbar freundliche Bedienung ihre herzliche Ausstrahlung.

Zu empfehlen sind die kleinen Köstlichkeiten der Brotzeit-Karte: kalter Braten, saures Rindfleisch in Kernöl und Wurstsalat.

Auf der Speisekarte gab es einen köstlichen gemischten Salat mit einer sehr abwechslungsreichen Kombination von Salaten, Rohkost, Blüten und gebeizter Forelle.

Das Highlight war für mich der Hauptgang: Schweinebraten mit Speckkraut. Genauso soll Schweinebratens ein, dem gibt es nichts hinzuzufügen und das Speckkraut hatte eine angenehme Kümmel-Note. Dazu gab es einen grünen Veltiner. Das alles waren Zutaten für einen wirklich ganz wunderbar entspannten Abend in sympathischer Gesellschaft. Der einem zudem die ein oder andere Inspiration für eigene Rezepte mitgegeben hat.

Da solche Auswärts-Essens-Orte tatsächlich selten sind , was nicht an uns als schwierigen Essern sondern an der erschreckend schlimmen Liste an Zusatzstoffen und fragwürdigen Zutaten liegt, die oftmals verwandt werden, bleibt ein solches Fundstück natürlich im Gedächtnis und wird bestimmt wieder besucht!

Passau besuchen!