Herbstidylle, Pilzfunde und Maronen-Duft- Rezepte für Behaglichkeit

Pilze und MaronenduftSonnendurchflutet. Das war sie, die letzte Woche in den Vogesen. Mit lieben Menschen, viel viel gutem Essen und herrlich ruhiger Behaglichkeit, wenn vier Menschen sich zufrieden in Büchern vergraben. Es lohnt sich zu teilen. Momente, Orte… Und jeden Tag lockte auch der Wald. Und auch wenn in dieser zu kurzen Woche die Entspannung eher in der Ruhe gesucht wurde, gab es doch genug zu entdecken auf den immer wieder neuen bekannten Wegen. Es ist die goldenste Jahreszeit. Wenn das Licht alles so weich umhüllt und dabei strahlen lässt, dass man es festhalten möchte. Wenn die Sonne sich noch einmal von ihrer warmen Seite zeigt und Stunden im Liegestuhl erlaubt, der Schatten unter den Büschen oder im Weg durchziehender Wolken schon frösteln lässt und zeigt, dass diese Wärme eine endliche ist und anderes vor der Tür steht. Wenn morgen im Sonnenschein die Wiesen glitzern unter den Tropfen des nächtlichen Raureifs. Dann fehlen nur noch die Äpfel am Wegesrand und man ist kurzzeitig überwältigt von einer Stimmigkeit, wie man sie vielleicht aus Bullerbü kennt. Die Sehnsucht nach der Idylle – erwischt man einen solchen Moment mit offenen Augen, bemerkt man einmal wieder, dass sie sich nicht erzwingen lassen, sondern dass sie einen unverhofft finden und ein großes stilles Glück versuchen.

Das sind die Momente, die ich lange in mir trage, die mich in die Balance bringen, wenn ich mich innerlich verrückt finde. Augen zu und Kopfkino an und glücklich und dankbar sein für das, was man schon alles erleben durfte. Nicht durchhetzen und das nächste Ziel ansteuern, sondern auch wirken lassen und zufrieden sein. Ich schaue es mir momentan oft vor meinem inneren Auge an, das goldene Licht im moosgrünen Vogesenwald. Denn der Alltag ist ein hektischer Geselle zurzeit, der einen ständig aufscheucht, wenn man eigentlich durchatmen möchte. Und der eigene Kopf hat auch einen Ersatzfilm bereit, gefüttert durch die Recherche nach alternativen Wohnmöglichkeiten. Denn er wurde wieder befeuert, der Wunsch nach weniger Raum. Die Tage im kleinen Haus haben das deutlich gezeigt. So schön wir wohnen, es ist zu groß, zu viel Raum. Zum ersten Mal war das Zurückkommen kurz seltsam. Schön haben wir es, aber man merkt, dass das Haus ein bisschen ist wie eine zu große Jacke, es passt noch nicht so richtig. Und vorsichtig, ganz langsam werden die Fühler ausgestreckt und der besondere Mensch bittet mich zurecht, die Füße still zu halten, denn sie werden unruhig und möchten losstürmen auf den Weg der unzähligen Möglichkeiten, die alle noch offen sind. Langsamkeit lernen. Achtsamkeit und sich zurücknehmen können. Gar nicht so einfach. Also Augen zu und die Ruhe der sonnendurchfluteten Erinnerungen genießen und durchatmen. Statt immer weiter zu rasen und in ein Hamsterrad der Aktivitäten zu verfallen. Und was sich auf dem Weg auch finden mag, er hat ja gerade erst begonnen und steht vor einer recht schüchternen neuen Weggabelung. Der Weg wird in der neuen heimatlichen Region verlaufen. Wir wollen uns vor aller Bewegung nicht selbst verlieren und er hat uns gefangen, der landwirtschaftliche Reiz, der zwischen Taunus und Lahn liegt. Hier stehen die Pferde, um die wir uns kümmern, hier ist der Jagdclub, in dem wir gerade wöchentlich der Jungjägerprüfung entgegen lernen, hier entstehen zarte Wurzeln, die wir pflegen wollen. Das ist ein schönes Gefühl, dass Heimat möglich ist, wenn man sich einlässt auf einen Ort und nicht erwartet, dass alles immer nur Zuckerwatteweich ist. Und mit dem Gefühl, einen weiteren Ort gefunden zu haben, löst sich etwas im Kopf und es kommen Erinnerungen hoch, die weit weg sortiert waren in den Gängen des eigenen kleinen Erinnerungs-Archivs. Und das Erinnern macht Lust auf Wiederholungen. Zu tun, was man ewig nicht getan hat – etwa Pilze suchen.

Und so sind wir, begleitet von einem wunderbaren Pilz-Bestimmungsbuch, durch die Vogesenwälder gestapft und haben Butterpilze, Steinpilze und so manch sonderbares Ding gefunden. Im Zweifel wird aussortiert, was nicht einwandfrei bestimmt werden kann. Auch dann, wenn lokale Pilskenner schon vor uns weiträumig Pilze abgeräumt hatten, blieb doch genug für zwei köstliche morgendliche Pilz-Omeletts. In Butter gebraten mit Schalotten und in der Abwandlung mit frischem Speck vom Markt… ich glaube, etwas Köstlicheres gibt es kaum. Der besondere Reiz von aller Nahrung, die man selber gefunden oder gepflückt hat. Aber Obacht, der ausbildende Förster im Jagdclub hatte uns auch noch einmal ermahnt, dass man den Verzehr von selbstgesuchten Pilzen auf fünf Mahlzeiten in der Saison beschränken sollte, der Schatten von Tschernobyl ist lang.

Und dennoch kann ich nur ermutigen rauszugehen und Pilze zu suchen. So werden aus zwei Stunden Spaziergang plötzlich vier und man kommt dem Wald auf einer anderen Ebene ganz nahe – knapp über dem Boden und beginnt ganz andere Dinge zu entdecken. Und wem der Pilzgeruch noch nicht genügt, der sollte die Chance nutzen und Maronen sammeln oder, in Gegenden wie der unseren, Maronen kaufen, einritzen und bei 200 Grad ca. 20 Minuten in den Ofen schieben. Nur vorsichtig sein und zum Ende hin probieren, sind sie zu lange im Ofen, werden sie hart. So hart, dass man um seine Zähne bangen muss.

Pilzomelette und Maronen-Duft – das Erinnerungsarchiv kramt Behaglichkeit hervor und so lässt es sich ganz wunderbar mal in der Ruhe verharren und Momente genießen. Es treibt einen ja genug, das Leben.

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Vom Nein-Sagen und Apfelberge aus der Normandie: Holunder-Vanille-Apfelmus und Orange-Ingwer-Apfelmus

Nein sagen und Apfelmus

Vom Nein-Sagen und normanischen Apfelbergen

Man will ja niemanden enttäuschen und in der Konsequenz mache ich mir allzu oft all zu sehr einen Kopf, was wohl für mein Gegenüber gut sein könnte – mit dem Ergebnis, dass das Resultat vor lauter gedanklicher Umrundungen nicht unbedingt das beste für mich selber ist. Ein zu viel an Egoismus ist nicht gut, aber leider weit verbreitet, oft verpackt in charmantes Liebäugeln mit dem dann doch gerne gepflegten Narzissmus. Sind wir doch gesellschaftlich an einem Punkt angekommen, an dem es einen tolerierten Narzissmus gibt, der verniedlicht und gehegt und akzeptiert ist.
Nur niedlich ist der nicht. Im Gegenteil, das Zuviel an ich und mich und mir hat die Kehrseite, dass da ein Zuwenig an Reflexion und wirklich mal etwas ändern steht. Ist ja bequem so und solange keiner was sagt. Ich merke bei mir, nicht erst jetzt, eigentlich schon immer aber in den letzten paar Jahren sehr klar und deutlich, dass ich wenig Anlagen eines ausgeprägten Narzissten in mir trage. Aber vielleicht vom Typ ein wenig zu sehr in das Gegenteil schlage: Ich denke um meine Handlungen herum und herum und von vorne nach hinten und wieder zurück und kann wahnsinnig schwer nein sagen. Ich wollte nie enttäuschen. Was skurrile Auswirkungen haben kann:

Zu Ostern waren wir in den Vogesen und haben uns dort anständig die Beine vertreten. Nach ein paar besonders intensiven Stunden, in denen es entweder bergab oder bergauf, aber nicht einen Meter einfach auf ebenem Grund ging, schmerzten die Füße, waren die Beine schwer und Kopf und Magen kreisten um die nächste, wohl verdiente Mahlzeit. In diesen Moment der appetitbedingten mangelnden Zurechnungsfähigkeit platzte die Klinge an der Tür des kleinen schiefen Häuschens. Der charmante französische Mensch vor der Tür war mit einem Laster unterwegs und verkaufte Obst und Gemüse von der Lieferfläche. „Wie schön!“, dachte der Kopf, so ne richtige lokale Initiative und toll für die alten Menschen in den verstreuten Dörfern, die nicht mehr so mobil sind. Das gehört unterstützt, also direkt ran ans Portemonnaie und raus zum Lieferwagen. So ein paar wenige Äpfel und ein bisschen Gemüse für die verbleibenden zwei Tage – das wäre doch schön. Die kleine Epicerie im Dorf hat ja nicht immer alles und es ist alle Mal besser als der Supermarkt. Nur mit ein bisschen hiervon und drei Stück davon und ein Pfund von dem war es dann nix.
Was es gab, gab es in Stiegen. Mit dem Ergebnis, dass wir plötzlich mit 16 Kilo Granny Smith (man stelle sich dazu kurz die französische Betonung vor, das klingt gleich viel leckerer) am Straßenrand zurückgelassen wurden…. 16 Kilo… das ist ganz schön viel auf einmal…. Granny Smith… der Apfel, den ich mit am künstlichsten finde und seit Jahren boykottiert habe… kiloweise Äpfel für zwei Menschen, die innerhalb einer Low Carb-Ernährung auch auf den Fruchtzucker schauen… Zumal ich erst wenige Wochen zuvor festgestellt habe, dass mir mein gelegentlicher Apfel, denn eigentlich liebe ich Äpfel, ziemlich auf den Magen schlägt und wenn ich bedenke, wie ich die runden Kerle früher in Massen verspeist habe, weil so gesund und ohne Fett…, plötzlich deutlich wird, woher so einige meiner Probleme rührten…
Da standen wir und fragten uns, wie das geschehen konnte und nach einem kurzen Schockmoment, da hatte nämlich auch durchaus etwas Geld den Besitzer gewechselt, haben wir herzlich gelacht und sind dann ernst geworden. Es kann nicht sein, dass man nicht Nein sagen kann. Wenn ich schon dem Apfelhändler keine Absage erteilen kann, wie ist es dann in anderen Bereichen? Und vor allem, wie ist es gegenüber anderen Menschen? Zu glauben, dass alle Menschen in unserem Leben nur unser Bestes wollen, ist ein trauriger Trugschluss, aber wir verbieten uns diese Gedanken. Und geben all zu oft nach, stimmen zu, sagen Ja, wo das Gefühl im Bauch eigentlich kräftig das Köpfchen reckt und sagt: „Das fühlt sich nicht stimmig an!“ oder „Das will ich eigentlich gar nicht oder nicht so.“ Menschen wie ich fühlen sich dann wie gemeine Egoisten und sagen nicht Nein. Aber man hat auch und vor allem eine Verpflichtung sich selbst gegenüber. Es muss für mich stimmen, sonst kann daraus nichts Vernünftiges entstehen. Und Nein sagen macht einen nicht automatisch zum Egoisten. Wer schon so viel darüber nachdenkt, ob die vier Buchstaben ok sind oder nicht, läuft da wohl relativ wenig Gefahr, dass er den eigenen Energie- oder Emotionsbedarf auf Kosten Anderer stillt, aber setzt sich dem Risiko aus, sich zu wenig abzugrenzen. Von den Menschen, die vor allem an die Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse, an die Umsetzung ihrer eigenen Agenda und an die Befriedigung ihres Egos denken. Und weil es davon erschreckend viele gibt, ist es so wichtig, ein gutes Verhältnis zum Nein sagen zu entwickeln. Man muss lernen, Position zu beziehen und das ganz besonders für sich selber. Wer sich dann daran stört, da sollte man dann nochmal hinschauen, wie sich das Ganze anfühlt und was der Bauch zu diesen Beziehungen sagt… Das kann schmerzhaft sein und Energie kosten, vielleicht versteht es auch nicht jeder, aber es kann auch den Weg frei machen für viel Neues, das plötzlich mehr Raum bekommt. Und es ist ein Prozess, der wohl nie aufhört, so wie man ja auch niemals ganz raus sollte aus der Reflexion, man muss nur ihr Verhältnis kennenlernen.

Und so übe ich mich im Nein sagen und Aushalten und lerne es zu schätzen und ganz nebenbei haben mich als kleine Ermahnung diverse Kilo Äpfel begleitet, die jetzt am Sonntag in fruchtige Grüße aus der Normandie verwandelt wurden. Da stammen die knackigen Prachtexemplare nämlich her und es sei zu ihrer Verteidigung gesagt, dass sie deutlich weniger künstlich daherkamen als ihre schrill grünen, makellosen Verwandten aus fernen Ecken der Welt.

Holunder-Vanille-Apfelmus und Orange-Ingwer-Apfelmus

  • Ich kann nicht mehr sagen, wie viele Kilo noch übrig waren, ich schätze so gute 10, diese habe ich zur Sicherheit geschält, wer will schon das Wachs der Schale im Magen…, die Kerne entfernt und in Stücke geschnitten.
    Dann habe ich die Apfelstücke auf zwei große Töpfe verteilt.
  • Für den Holunder-Vanille-Apfelmus-Topf habe ich die Äpfel mit dem Saft von 1,5 Zitronen, 2 Esslöffeln Bourbon-Vanille und 12 Holunderblütendolden und zwei großen Tassen Wasser aufgesetzt.
  • Das Orangen-Ingwer-Apfelmus hat den Saft und die Schale einer großen Orange sowie gute 6 Zentimeter klein geschnittenen Ingwer und zwei Tassen Wasser mit in den Topf bekommen.
  • Je nach Süßegrad der Äpfel kann man etwas nachsüßen, so habe ich bei der Holunder-Variante noch 3 Esslöffel Xylith hinzu gegeben.
  • Die Äpfel dann leise vor sich hin köcheln lassen, bis sie leicht zerfallen und dann jeweils gründlich durch ein feines Sieb drücken. Das ergibt ein samtiges Apfelmus ohne störende Stücke.
  • Das Ganze nun in Gläser füllen. Ich habe diese dann im Dampfkochtopf eingekocht, da ich versuchen werde, nicht alles auf einmal zu verarbeiten (was schwer fällt bei dem Geschmack!) und mich gerne noch später über diesen fruchtigen Gruß freuen möchte.

Und dann sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Zum Kuchen backen, Mit Eischnee als Apfelschnee, mit Kokosmilch und Gelatine in einer Panna Cotta Variation, auf Pfannkuchen, zum Fleisch oder einfach so aus dem Glas…Mmmmh Apfel und ganz viel Geschmack.

Guten Appetit!

Dem Heugeruch verfallen und ein gefährlich leckeres Unvernunfts-Schoko-Brot

Schokobrot

Schokolade auf dem (Paleo-)Brot und dem Heugeruch verfallen

Ach komm, wir verschwinden einfach kurz. Wir packen nur das Nötigste und die kleine Katze ein und düsen über die Grenze in die  Herzens-Landschaft der Vogesen. Dort, wo die Luft fast prickelt in der Nase und einen der Blick über das Plateau berauscht mit immer neuen Variationen von Grün, Blau, Grau, Braun und allen Sonnen- und Nebelnuancen, die dazwischen liegen. Hier gibt es kein schlechtes Wetter, hier gibt es einen Wald, der jeden Tag ein anderes Gesicht zeigt und einem manchmal Sonnenflecken und dann wieder Pfützen und dahin wieselnde Wasserlaufe vor die Füße zaubert. Da, wo es einem vor Naturschönheit einen Kloss im Hals bescheren kann und wo in der Nacht das Sturmtier über die Wiesen und Felder rast und an den kleinen Häusern und Scheunen zerrt, dass es einem beinahe Angst und  Bange wird. Eben nur beinahe, denn der Wind treibt auch in der Nacht den Heugeruch vor sich her und die Decke wird etwas fester gewickelt und morgens der Zaubermoment beim Öffnen der Fensterläden: Wie sich der Himmel heute wohl gibt?

Der Kopf ist noch ganz gefangen von den Sinneseindrücken der freien Tage.  Und ganz verwöhnt fühlen sich Seele und Körper von warmen Sonnenstrahlen und steinigen Wegen mit weitem Blick. Und die Einsamkeit. Noch mehr als auf dem Dorf daheim. Alles ist so nah, weil man ja immer auch Furcht hat, es könnte einem die Decke auf den Kopf fallen und dabei findet man doch sogar noch viel mehr fern ab dessen, was man sich als Nabelschnur zum großen Treiben erhält. Und er pocht der Gedanke: Da geht noch was. Das geht noch weiter raus aufs Land… So wie hier oder anderswo aber eben noch ein bisschen mehr. Es scheint der Schritt in den Taunus, so radikal er für viele schon zu sein scheint, wird zur Probephase und es erwacht ein neuer Weg zur Form, der sich einem  irgendwann unter die Füße schieben wird. Wo er wohl hinführt? Das soll er mir beizeiten einfach zeigen. Bis dahin bleibt der Blick wach, damit ich nicht verpasse, was sich an Schönheiten am Wegesrand verbergen. Und während der Kopf am Holundereis arbeitet, hängt dem Essensdenken noch die Erinnerung an ein köstliches Sonnenfrühstück nach, mit Blick auf Blumen und in die Weite und beschirmt vom weiten Blau:

Cassavabrot mit Schokolade

Nein, vernünftig ist das sicher nicht. Und sollte auch nicht täglich auf dem Speiseplan stehen, aber es ist perfekt für Sonnensonntage und all die kleinen Morgende, die ein Extra verdient haben.

Das Rezept für das Brot findet sich auf einem sehr inspirierenden Blog in Sachen Rezepte

Die Schokocreme hat der besondere Mensch erdacht. Zum Glück.

Für vier dünne Scheiben:
2 großzügige Stücke bittere Schokolade (90-100%)
30 Gramm Butter
1 Teelöffel Xucker
Gewürze nach Lust und Laune (Zimt, Vanille, Chili, Salz,…)

Die Schokolade und die Butter sachte im Wasserbad schmelzen. Dabei frühzeitig aus der Wärme nehmen, die Masse soll nicht zu flüssig werden, nur homogen soll sie sein. Wer mag rührt etwas extra Süße, Vanille, Zimt, Chili oder oder oder… hinein und dann das Ganze auf den Brotscheiben verteilen und noch einmal kurz in den Kühlschrank geben.

Guten Appetit und seid maßvoll….

 

Urbanism with a View: Von der Idee als Weg und neuen alten Begegnungen am Wegesrand: Löwenzahnsalat mit Spitzwegerich und Günzel

Urbanism wit a view

Paleo Löwenzahnsalat und der Traum vom Leben anderswo

Sie rumoren, die Gedanken. Wie aufgeregt zupfen sie mich am Ärmel und heischen um Aufmerksamkeit. Sie haben neue Energie gewonnen während der kurzen österlichen Auszeit in den Vogesen. Es scheint das ist ein guter Ort für mich um etwas in Bewegung zu setzen. Nicht nur für mich. Denn eigentlich ist es ein Kindheitsort des besonderen Menschen und neben den vielen Geschichten der Erinnerung, die sich für ihn darum ranken, ist es auch ein Ort für uns geworden. Ein bisschen Seelenheimat steckt da zwischen Sonnenschein, Nebelhängen Ginsterduft und schnell laufenden Bächlein.

Auf einem Strohballen im Spätsommer wurde aus der spinnerten, weil flüchtig scheinenden Idee, Berlin zu verlassen, ein handfester Plan, der uns innerhalb von nicht einmal sechs Monaten aus der Großstadt und der Festanstellung aufs Dorf im Taunus trieb. Da sitzen wir nun, das Büro läuft, die Zufriedenheit schnurrt und der Blick hat sich verändert. Massiv. Ich bin eine Grüblerin. Ich kann nicht anders. Gedanken stellen sich mir in den Weg und ich habe die Tendenz sie von allen Seiten zu betrachten und drum herum zu marschieren und sie hin und her zu wälzen um zu schauen, wohin sie fallen.

Und auf diesem innerlichen Weg des Abwägens liegt nun schon seit Längerem ein großer Brocken, der den einschüchternden Namen Lebensmodell trägt. Ich sollte sagen trug. Mit dem Wegzug aus der Stadt bin ich ihm ein erstes Mal mit dem Hämmerchen zu Leibe gerückt und auch jetzt meißel ich daran herum und bin neugierig, was für Facetten sich noch entpuppen. Denn klar ist, wir sind noch nicht am Ende angelangt, das werden wir wohl nie. Sollten wir auch nicht. Nicht das Denken: wenn irgendetwas Großes erreicht ist, dann hat man es geschafft. Nein, es soll immer weitergehen, in seinem ganz eigenen Tempo mit Umwegen und vermeintlichen Abkürzungen. Und das Wunderbare daran ist, die Gedanken und Pläne spinne ich nicht allein, wir tun das gemeinsam und dadurch scheinen sie die Tendenz zu haben, sich schneller als man denkt in die Realität zu wagen. Bei allem, was in so kurzer Zeit passiert ist, wird mir manchmal schwindelig und ich frage mich. Woher ich die Courage genommen hab. Aber ich merke auch, dass ich gar nicht so ängstlich bin, da tief drinnen sitzt anscheinend ein Abenteuergeist und nachdem ich ihn lange betäubt und ihm das Maul verboten habe, ist er nun umtriebig und zeigt mir, wie das geht, das einfach mal machen im Angesicht großer Entscheidungsbrocken. Gerade zerrt er mächtig an den Gedanken um die Zukunft. Wir wollen irgendwann weiterziehen. Noch mehr Land als im dicht besiedelten Deutschland, bzw. Rhein-Main-Gebiet. Ein Leben noch näher an der Natur. Das beschäftigt mich schon lange. Und ohne es zu wollen, bin ich wie so viele natürlich auch in die Marie Claire Maison-Falle der Vision vom perfekten alten Bauernhof gestolpert.

Man könnte sagen, ich habe förmlich schon den Wildblumenstrauß auf dem Tisch und das perfekt bezogene Bauernbett vor mir gesehen. Total daneben und eigentlich auch nicht meines, die totale Idylle, wie sie uns suggeriert wird. Aber die Bilder davon, wie es aussieht, das Glück auf dem Lande, werden medial ja in allen Spielarten beschworen vom Spießertraum bis hin zur gewollten Improvisation für den Großstädter mit Geschmack und Intellekt, der die temporären Auszeiten sucht. Der Natur will, aber bitte nicht mit zu viel Natur. Und einmal mehr die Erkenntnis, dass die Lebensentwürfe Anderer mir nicht mein Leben abnehmen und auch nur begrenzt als Handlungsempfehlung dienen. Wenn ich sehe, was manche Menschen sich verwirklichen können, einfach weil sie die finanziellen Mittel haben, dann komme ich nicht weiter. Ja, man kann Glück haben und die perfekte kleine Farm finden, die sich mit Liebe und Herzblut in den Glücksort verwandelt. Aber ich muss zuallererst realistisch und selbstkritisch sein. Was kann ich, was können wir selber leisten? Wie viel können wir mit unseren eigenen Händen leisten? Das eigene Zuhause mit zu errichten ist wunderbar, aber wenn man wetterfest leben möchte vielleicht der falsche Ort für Experimente. Mit welchem finanziellen Rahmen können wir planen. Gerade stehen wir völlig am Anfang, das eigene Geschäft bekommt langsam kräftige Beine und das eröffnet Perspektiven, aber wir wollen einen Ort, der nur uns gehört und kein Stück der Bank. Das heißt also geduldig sein. Es ist nicht schlimm, wenn einer solcher Träume über Jahre wächst und sich entwickelt. Aber man darf sich eben nicht an falschen Bildern festbeißen, dann sieht man die spannenden Nebenwege nicht und plötzlich sind sie verpasst, die ungeahnten Chancen. Also Geduld, Planung und Offenheit. Flexibilität auch. Soll es ein Leben ganz und gar woanders sein? Welche Modelle gibt es noch? Gemeinschaftlich mit andren, temporär, im Wechsel zwischen Deutschland und Frankreich. Vielleicht kein altes Bauernhaus, sondern etwas anderes? So manches scheinbare Idyll hat sich für ambitionierte Hausbesitzer ja in ein Fass ohne Boden verwandelt. Es gibt andere Lösungen, die man vielleicht bisher ausgeschlossen hat. Bescheidenheit und Verzicht gehören auch in die Gedankenkette. Wenn ich das wirklich will, dann muss ich schauen, auf was ich vielleicht verzichten kann. Nicht sich völlig beschneiden, das Leben will gelebt werden und soll nicht quälen. Aber vielleicht sollte man nicht bereits anfangen Dinge für einen hypothetischen Ort zu erwerben, wenn es diesen noch nicht gibt und man nicht darin stand und ihn gefühlt hat. Und nicht nur diese Verlockung des neuen Kaufanreizes muss vermieden werden, auch die ein oder andere Anschaffung für den Moment kommt auf die Waage. Das ist ok. Es fühlt sich tatsächlich an wie Schmetterlinge, seit wir die Idee vom Leben in den Vogesen (oder anderswo) in kleinere Portionen aufgeteilt haben. Und diese Schmetterlinge kenne ich, die zeigen mir an, dass ich irgendwann mutig sein muss, eine Entscheidung fällen und etwas verändern werde. Ein genussvolles Gefühl der Unsicherheit und des nicht Wissens, was in zwei, drei Jahren sein wird. Und auch, wenn alles ganz anders sein wird, dann hat der Prozess an sich mich schon reicher gemacht. Aber damit das so ist, heißt es offen und wach bleiben und auch genau zu fragen, was einen antreibt. Warum möchte ich noch mehr auf Land? Möchte ich mich verstecken, zurückziehen? Möchte ich etwas beweisen oder fühlt es sich rund an? Denn der komplette Rückzug darf es nicht sein. Wir leben in dieser Welt und haben einen Teil zu leisten, auch wenn die meisten wohl nie dazu kommen nach diesem Teil zu suchen im Dauerrauschen der Welt, wie wir sie gestaltet haben. Und es wäre fatal sich der Idealvorstellung des totalen Landlebens hinzugeben. Nein, wir kommen aus dem Städtischen. Wir haben keine landwirtschaftliche Tradition. Wir können Leidenschaft für Lebensentwürfe und Techniken entwerfen aber wir können nicht abschneiden, was uns auch prägt. Wir wollen auch ein anderes Leben testen, weil unser Beruf der Textarbeit uns eine große Ortsunabhängigkeit ermöglicht. Aber er bindet uns an Infrastrukturen und man muss ein Auge auf die Welt haben. Das andere darf und muss den Horizont erweitern. Und so schält sich da ein mögliches Modell heraus, das des „Urbanism with a View“ – der Realitäten nicht verkennt, sondern sie vereint mit all den Möglichkeiten, die sich dem Mut bieten. Da will ich hin. Auf den Weg. Meine innere Unruhe sagt mir, ich habe schon ein paar Schritte gemacht.

Und die Schritte in der gegenständlichen Welt haben mich über fette Wiesen geführt, die in den Vogesen mit einer Vielfalt glänzen, die deutsche Landwirte schon lange erfolgreich weggedüngt haben.

Löwenzahnsalat mit Spitzwegerich und Günzel

Diese drei herrlich unaufgeregten Wildkräuter haben den Vorteil, dass man sie nur zu oft in unmittelbarer Nähe zu einander findet. Wo Löwenzahn und Spitzwegerich begannt sein dürften, ist der Günzel ein aromatisch duftender, violett-lila blühender kleiner Zeitgenosse, der intensiv duftet und schmeckt.

Der Löwenzahn sollte den Löwenanteil des Salates ausmachen. Dazu die gesammelten Blätter säubern und in Stücke schneiden und gut 1-2 Stunden in etwas Salzwasser einweichen. Abspülen und eine halbe Stunde vor Servieren anrichten. Die Blätter vom Spitzwegerich und Künzel werden gesäubert und fein gehackt den Salat gemengt. Für das erste Mal empfiehlt sich etwas vorsichtiges Dosieren um zu schauen, ob man den Geschmack mag.

Alles mit Olivenöl einem feinen Essig und etwas Kürbiskernöl anmachen und ziehen lassen. Dazu passen auch ein knackiger Apfel in feinen Stücken und ein paar geröstete Walnüsse.

Guten Appetit!

Zum Geburtstag ein Reisetipp mit viel Wald…und köstliche Tarte au Chocolat

VogesenGeburtstage sind mir irgendwie egal. Also meine eigenen. Ich mache nicht viel fest an der Zahl, die sich da jährlich ändert. Ich bin niemanden sauer, der ihn vergisst und ich werde verlegen, wenn man mir Geschenke macht, obwohl ich mich natürlich freue, es bereitet soviel Freude etwas auszupacken, von dem man nicht weiß, was es ist. Aber ich werde dann immer furchtbar verlegen und kriege einen roten Kopf. In der großen Stadt Berlin habe ich den Geburtstag nur immer als Vorwand genutz,t um einmal all die unterschiedlichen Leute zusammen zu kriegen, die einen so verstreut durch das Jahr begleiten. Denn dann kommen alle.

Dieses Jahr habe ich mir aber etwas anderes gewünscht und wir sind für ein paar herbstlich stürmische Tage in das kleine Haus in den Vogesen gefahren, das uns auch schon ein Sommer Highlight war.

Und ich kann gar nicht müde werden mich für diesen ganz wunderschönen Landstrich im Norden Frankreich zu begeistern. Gar nicht weit weg (aus dem Rhein-Main-Gebiet waren es knappe fünf Stunden Fahrzeit) liegt es deutlich näher als etwa Berlin, aber entführt einen in eine völlig andere Landschaft. Wer bei Strasbourg über den Rhein fährt schlängelt sich erst einmal durch den Elsass. Bis die Hügelkette am Horizont immer näher rückt.   

Eine seltsame Landschaft, die deutsch anmutenden Ortsnamen, die im Französischen recht putzig klingen, verweisen auf die turbulente Rolle, die dieser schmale Landstrich in der deutsch-französischen Vergangenheit oft innehatte. Neben unbestreitbar schönen Fleckchen, die die Region aufweist, geizen die Ortschaften entlang der Schnellstraßen mit ihren Reizen und strahlen selbst im Sommerlicht eine gewisse Tristesse aus. Also schnell durch gefahren und dann beginnt der Urlaub, sobald man bei St. Marie aux Mines  die Wahl zwischen Tunnel und Pass trifft. Wenn man sich bei guten Wetterbedingungen den Berg hinaufschraubt, wird man mit sattem Grün und wunderschönen Perspektiven belohnt.

Vogesen WälderDas ist es, womit dieser Landstrich mein Herz erobert hat, mit den ständig neuen Ausblicken, die sich dem Auge bieten. Sich scheinbar stapelnde Hügel und Berge, nicht einschüchternd hoch, aber doch Garant für ein paar schöne Steigungen, sommerliche Bergsonne sowie unprätentiöse kleine Skigebiete im Winter. Die Vogesen sind ein versteckter Schatz, die meisten Frankreichurlauber zieht es in den sonnigen Süden, an die markante Küste der Bretagne oder in die so beeindruckenden Städte Paris und Bordeaux, während die bescheidenen Berge der Vogesen zu unrecht mit einem trüben Bild assoziiert werden.

Nebelig kann es durchaus sein, selten habe ich einen Landstrich mit soviel Wasser gesehen, bei jedem Spaziergang sprudelt und gurgelt es früher oder später neben dem Weg entlang und im Herbst verwandelt sich mancher Weg in einen eiligen kleinen Bachlauf, mit dem man sich eine Strecke teilt.

Aber wenn die Wolken aufreißen und die Sonne scheint, kann man staunen und beobachten, wie sich der Nebel in Wolken von den Wäldern hebt und wenn sich manchmal ein leichter Schleier vor den eigenen Blick legt, weiß man, dass man gerade mit dem Kopf in einer zarten Wolke wandert. Und damit man nicht verloren geht im Reiz der verwunschenen Wälder, hat der Club Vosgien für eine Beschilderung der Wanderwege gesorgt, die entsprechenden Karten gibt es vor Ort in den Supermärkten und in den meisten Tabakläden.

Vos_3_collageUnd dann liegt es nur noch an einem, sich feste Schuhe anzuziehen und los zu streifen durch sommerlich zirpende, herbstlich farbenfrohe oder frühlingsfrische Mischwälder.

Und wenn man die Wege abseits der Touristenmagnete wählt, kann man in ziemlicher Einsamkeit die Landschaft genießen und sich bei den vielen plötzlich auftauchenden kleinen Siedlungen in Tälern und auf Lichtungen fragen, wie es wohl wäre, das Leben auf so einem typischen kleinen Vogesen-Hof. So ganz und gar, durch alle Jahreszeiten?

Das war es, was ich für meinen Geburtstag wollte. Das und eine Paleo-Version einer Tarte au Chocolat, weil so dekadent-köstlicher Kuchen einen Anlass braucht. Dann habe ich auch kein Problem meinen eigenen Geburtstagskuchen zu backen. Wie auch anders. Es war ein Experiment und ich werde es wiederholen.

Tarte au Chocolat

Boden
150 Gramm fein gemahlenes Mandelmehl
75 Gramm gemahlene Mandeln
gute 75 Gramm Butter
4 Esslöffel Xucker
2 Teelöffel Vanille
1 großes Ei, gequirlt
1 Prise Salz

Belag
200 Gramm dunkle Schokolade (ab 85% Kakaoanteil)
140 ml Kokosmilch (schön gerührt, dass man sowohl die festen Teile und das Wasser hat)
Prise Vanille

  • Ofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Aus den Zutaten für den Teig ganz unkompliziert einem festen Teig Kneten. Ich mache es zumeist mit der Hand, um so die Butter besser einzuarbeiten.
  • Eine Tarte-Form buttern und den Teig darin gleichmäßig verstreichen, an den Rändern etwas hochziehen, mit einer Gabel ein paar Löcher in den Boden stechen und dann für ca. 20-25 Minuten durchbacken, bis er schön goldbraun ist. Zum Ende hin shcauen, dass er nicht zu dunkel wird.
  • Den Boden aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen.
  • Im Wasserbad die Schokolade in der Kokosmilch  schmelzen, die Vanille hinzugeben und alles schön glatt rühren.
  • Die Schokoladenmasse auf den Boden geben und die Tarte für ein/zwei Stunden in den Kühlschrank geben, damit der Belag sich setzt und hart wird.

Danach ist Selbstdisziplin gefragt. Schokoladiger geht es kaum!

Guten Appetit!

Beeren-Tage im Kopf und auf dem Teller: Johannisbeeren-Tarte

Johannisbeeren-TarteGroseille – das ist die französische Johannisbeere. Und während ich mir im kurzen Frankreich Urlaub bei den Schildern am Wegesrand den Kopf zerbrach, was sich hinter diesem Wort verbirgt, macht es Sinn wenn ich an die Johannisbeeren-Pracht denke, die wir dort im Garten vorfanden. Aber mit Essens-Vokabeln ist das so ein Ding. Sie verschwinden immer doch recht schnell aus dem aktiven Wortschatz. Sei es drum. So verschwenderisch viele Johannisbeeren begrüßten uns im Garten, dass der Kopf sich gleich in Gang setzte und verschiedene Verarbeitungsformen durchspielte. Geworden ist es dann eine Tarte. Die habe ich auch direkt nach der Ankunft zuhause noch einmal nachgebacken um den Geschmack von Urlaub etwas zu erhalten.

Ich liebe Saures und so rangieren die roten Beeren ganz oben auf meiner Sommer-Freuden-Liste und selbst gepflückt aus dem Garten haben sie dann noch eine Süße, die sich eher erahnen lässt, die den Beeren aus dem Supermarkt oft fehlt.

Ja aber Urlaub…und dann in der Küche stehen und Sachen machen? Ja, unbedingt! Aus mehreren Gründen: Kochen ist für mich eh grundsätzlich Entspannung, egal ob ich gerade vor mich hin murmle und leicht panike…einfach nicht beachten oder in einem ruhigen Tonfall Zuarbeiten anbieten. Denn ich liebe alles in, auf und um den Herd. Und das ist auch ein Grund warum ich gerne ein Plädoyer für Urlaub in Ferienwohnungen und -häusern halten würde: Das Abenteuer fremder Küchen. Daheim, inmitten des eigenen Sammelsuriums an Kochgerätschaften (zumindest bei mir ist es ein wirklich stümperhaftes Durcheinander an teilweise uraltem Handwerkszeug) sind die meisten Handgriffe ja oft schon unbewusst und selbstverständlich, aber ein unbekannter Herd kann eine echte Herausforderung sein. Und neben den fremden Küchen ist es einfach das Vergnügen sich durch fremde Supermarktsortimente zu wühlen oder am Wegesrand in Hofläden zu stöbern und zu erkunden, was andere Länder an Paleo-Tauglichem bieten.  In Frankreich hat das besonders viel Spaß gemacht. Die traditionelle französische Küche ist ja Gott sei Dank nicht dem Fehler des Fett-Verzichts aufgesessen und so gibt es im Supermarkt herrlich fettes Confit de Canard, und Rilletes  und und und….Über Essen lässt es sich auch wunderbar eintauchen in andere Länder. Und warum nicht das Abenteuer wagen und einfach auch selber kochen. Zumal ich in der Hinsicht Essengehen echt eigen geworden bin, das gebe ich unumwunden zu. Aber es ist nun einmal so, dass ich gerne weiß, was ich auf dem Teller habe und lieber selber koche, bevor ich zweifelhaftes Fleisch und Gemüse esse und es mir nachher schlecht geht, weil da doch Mehl oder Maisstärke an der Soße war.Und gerade in touristisch stark frequentierten Gegenden heißt es auch erst einmal suchen, bevor man dann eine Küche findet, die sich nicht auf Massenabfertigung verlegt hat sondern Qualität bietet.  Aber für den nächsten Streifzug durch die Vogesen steht durchaus eine Auberge auf dem Programm, denn dort wird zumeist die elsässische Spezialität Choucrute Garnie  serviert, ohne Kartoffeln eine ganz hervorragende Paleo-Mahlzeit in Hunger entfachender Bergluft. Da das Elsass an die Vogesen grenzt und man daher nie so genau weiß wo man gerade ist, finde ich  kann diese Spezialität auch durchaus in den Vogesen verortet werden.

Beim ersten Urlaub nach der Essens-Umstellung im letzten Jahr wanderte noch der eine oder andere wehmütige Blick in Richtung des französischen Kuchenangebots, da ich aber einfach weiß und erfahren habe, wie besch… es mir geht wenn ich ein kulinarisches Auge zukneifen würde, haben die Dinge den Reiz verloren und für die Urlaubs-Extras backe ich lieber selber. In diesem Falle eine Tarte, mit den Beeren aus dem Garten. Die gelebte Landhaus-Idylle – gruselig schön. Wunderbar.

Streng genommen ist die französische Tarte ein Mürbeteig-Kuchen ohne Zucker. Ich habe aber ein Ei und anderes unter gemogelt und nenne es Tarte vor allem wegen der Dünne des Bodens.

Johannisbeeren-Tarte

Teig
120 Gramm Mandelmehl
60 Gramm gemahlene Mandeln
1 Ei
70 Gramm Butter
2 Esslöffel Xucker
Prise Salz
1 Teelöffel Vanille

Belag
3-4 große Tassen Johannisbeeren
4 Esslöffel Xucker
2 Teelöffel Vanille

  • Die Beeren mit dem Xucker und der Vanille erhitzen und einkochen bis ein schön saftiges Mus entsteht, in dem die Beeren noch erkennbar sind.
  • Den Ofen auf 180 Grad erhitzen.
  • Die Zutaten für den Teig in eine Schüssel geben und in Ermangelung eines Rührgeräts mit den Händen gründlcih verkneten. Duch die Körperwärme wird die Butter weich und es entsteht ein klebriger weicher Teig.
  • Eine Tarte-Form großzügig buttern und den Teig in der Form  gleichmäßig flach festdrücken, an den Rändern etwas hochziehen.
  • Das Beerenmus auf dem Boden verteilen.
  • Für ca. 20-30 Minuten in den Ofen geben, bis der Rand schön durchgebacken ist. Ich mag es tatsächlich wenn das Braun in Dunkle tendiert.

Ein Nachbacken empfiehlt sich ebenso wie das gesunde Maß.

Guten Appetit!

Idyllen, rote Beeren, bunte Seiten und schöner scheinen

Lektüre und Genuss Für ein paar Tage haben wir die dörfliche Idylle im Taunus mit der noch abgeschiedeneren Idylle eines kleinen Dorfes in den Vogesen getauscht. Eine Handvoll Häuser auf einem Hoch-Plateau, Vogel-Gezwitscher-Stille, Sonnenschein über Heugeruch und ein Garten voller Johannisbeeren.

Tage zwischen Faulenzen am See, Wanderungen durch die Berge und Abende am Grill mit Blick über die Felder. Es gibt so Orte und Stimmungen, die möchte festhalten und hineinschlüpfen wie in einen kuscheligen Lieblings-Pulli, damit das Wohlbehagen weiter anhält.  Und gleichzeitig ist da die innere Stimme, die einem sagt, dass das so einfach nicht ist.

Diese ganz idyllischen Momente und Orte werden ja so besonders dadurch, nicht Teil des Alltags zu sein, sondern Abstand von eben diesen. Deshalb sollte man diese Momente für das genießen, was sie sind und sich nicht zu sehr darauf versteifen, sie festhalten zu wollen. Ich glaube dieses Ausblenden der Alltags-Realität lässt auch so manchen modernen Easy-Jet-Auswanderer scheitern, der plötzlich feststellt, dass das Leben im Lieblings-Urlaubs-Domizil im Alltag ein anderes ist.

Aber egal. Auswandern will ich nicht. Nicht im Moment und obwohl Frankreich einfach mein erklärtes Lieblingsland ist. Ich stehe einfach noch unter eine watteweichen Idylle-Schock weil alles so wunderschön war, dass es einem fast unangenehm ist.

Und in dieser Idylle habe ich die Chance genutzt ein wenig zu blättern – in ein paar der einschlägigen Einrichtungs-Magazinen, die dort lagen und da war er wieder der leichte Wut-Knoten angesichts der Dreistigkeit, mit der uns Marketing-Abteilungen und Redaktionen zu fortwährendem Konsum anhalten wollen.  Aber das sind doch so schöne Inspirationen…Ja, das bestreite ich auch gar nicht und ertappe mich selbst dabei, wie die Überlegungen kreiseln ob man das ein oder andere Regal vielleicht nachbauen kann. Aber da ist nicht nur der Faktor Inspiration, da ist einfach auch das Bild, das einem sagt, wie ein schönes Zuhause auszusehen hat und was es dafür braucht und ich denke nur zu oft, hängt dann das Glück an der Anschaffung des nächsten Teppichs, Beistelltischchens, Sessels….und ja, so eine Einrichtung wird dann schnell ein Konsum-Kreislauf, passt doch der alte Tisch dann nicht mehr so recht zu den Stühlen, braucht es hier noch weitere Anschaffungen oder dort.

Ich verstehe das. Auch ich mag es schön. Heißt: Ich will mich in meinem Zuhause wohlfühlen, nicht erschlagen werden von Möblierung sondern mit der Einrichtung unterstützen, was ich in den Räumen tue. Ich lebe in diesen Räumen.  Aber ich finde es gibt Grenzen. Ich finde es immer am schönsten, wenn Dinge nach und nach ihren Weg und ihren Platz finden und was ich dabei vermeide, ist in die Preis-Falle zu tappen. Denn seien wir ehrlich, so manch einer kauft sich mit dem Designer-Sofa die offizielle Bestätigung seines guten Geschmacks.  Denn, wer weiß, was ich da Namhaftes im Wohnzimmer stehen habe, ordnet mich dann automatisch/unbewusst ein in die Kategorie der Connaisseure und Design-Liebhaber. Und ja, Design-Handwerk wird mit einem Preis beziffert und ist eine kreative Leistung, aber ich finde es mitunter überzogen und ich glaube nicht, dass man dann noch so ganz ungezwungen diese Möbel bewohnt.

Nur mal als Gedankenspiel: Wenn ich auf die hypothetische einsame Insel gehe und nur drei Gegenstände mitnehmen darf, dann wird wohl kaum  ein Möbelstück dabei sein oder besser: Es sollte nicht. Denn was gibt es mir langfristig?

Wir sind tendenziell zu verhaftet im Materiellen. Wir schreiben uns zwar oftmals eine Bescheidenheit auf die Fahnen und kaufen regional und ökologisch und teilen Autos und engagieren uns, aber ich finde gerade in den Bereichen Einrichtung und Mode, schlägt es dann manchmal durch: Diese falsche kleine Stimme, die uns sagt, wie gut es uns ansteht ein Paar Schuhe für 500 Euro oder einen Tisch für 3000 Euro zu besitzen. Dass wir das wert sind.  Und da sind wir wieder bei den von mir so geschätzten Outfit-Posts, ich glaube Einrichtungen rangieren kurz danach.  Wir sollten es einfach nicht nötig haben. Unser guter Geschmack ist nicht mehr wert, wenn wir ihn in teuren Zahlen materialisieren, wir machen ihn nur scheinbar unangreifbar und merken nicht wie wir uns in einer Konsum-Schleife verstricken. Denn es werden immer neue Moden und Impulse kommen und uns wieder am Geldbeutel kitzeln. Und ich denke dann an die vielen Wohnzimmer in denen die oft belächelte Vitrine oder Pressholz-Schrankwand steht… Das ist das Gegenstück zum Convinience-Essen für mich. Wir müssen das nicht schön finden oder gut heißen, aber wir dürfen uns nicht anmaßen den Geschmack anderer Leute abzuwerten. Denn andersrum verstehen diese es vielleicht auch nicht, was sich manch einer da mühsam auf dem Flohmarkt erjagt hat.  Und auch hier klafft die Gesellschaft auseinander zwischen denen, die sich etwas leisten können und wollen und denen die es oftmals nicht können. Und so wird das Bild der Einrichtung eines Menschen blitzschnell in die Verortung des Person mit einbezogen, die wir immer wieder und ständig betreiben. Und dann sind wir manchmal positiv überrascht und registrieren das volle Bücherregal oder machen innerlich Abstriche weil wir den Teppich eine unverständliche Wahl finden.

Und um zurück an den Aufgangspunkt zu kommen: Mich stören die Bilder, die diese Deko- und Wohn-Magazine vermitteln. Sie generalisieren und schaffen eine Art gemeinhin anerkannten guten Geschmack und dieses Verständnis sickert uns Konsumenten durch und durch und ehe wir uns versehen, machen wir uns wieder einmal abhängig.  Abhängig von durch-inszenierten Räumen und Vorstellungen. Denn neben den reinen Produktvorstellungen sind da ja oft noch die Blicke hinter private Gardinen und da sieht man dann die stolzen Designer des Privaten, die den Magazinen ihre zwanglos kreativ-chaotisch inszenierte Wohnung/Haus/… zeigen und wir kriegen dann gleich noch die nächste unterschwellige Botschaft mit dem Samtkissen reingehämmert, denn huch, die haben ja alle auch so schöne Berufe und Kinder und einen Mann und lieben es Gäste zu bewirten und das Haus zu gestalten und und und…Tja, eigentlich sollte uns das also auch alles möglich sein also schnell her mit dem Einrichtungs-Hobby auch wenn wir vier linke Daumen und Zehen haben.  Und wenn wir keine Kinder haben, dann müssen wir zumindest sehr sehr erfolgreich sein oder in verantwortungsvoller Position arbeiten, gerne mit kreativer Komponente.  Mit den bekannten Einrichtungsmagazinen großer Verlage aber auch mit den kleinen, unabhängigeren, kriegen sie die intelligente,  stilbewusste Frau, die ihnen als Zielgruppe bei den Frauenmagazinen durch die Lappen gegangen ist.  Und ja, man selber sagt sich, man suche nur eine Inspiration.

Nein, ich denke es ist wichtig, wenn man auch in seinen Kaufentscheidungen unabhängig bleiben will, öfter einen Schritt zurückzutreten.  Sich einmal kritisch zu fragen warum und für wen solche Zeitschriften geschrieben werden. Nein, tatsächlich sitzen da nicht nur farbverliebte Menschenfreunde in den Verlagen und sind total unabhängig von der Marketing-Abteilung. Leider sind die Botschaften oft so subtil, dass sie selbst gut gemeinte Vorsätze aushöhlen. Also lieber  eine  nüchterne Bescheidenheit als Grundlage meiner Kaufentscheidungen – das schließt die Schönheit des Zuhauses nicht aus. Und bei größeren Anschaffungen vielleicht auch einmal die schwierige selbstkritische Frage, was ich mir da eigentlich gerade kaufe: Design, Qualität oder um die einschlägigen Argumente  mal zu provozieren, vielleicht doch ein Stück Status oder Sicherheit? Dann, ist das keine gute Kaufentscheidung und jeder Kauf wird nur die Brücke zum nächsten sein.

Nun, wir brauchen zwar tatsächlich dringend Stühle in der Küche aber diese vermeintlich leichte Lektüre bunter Magazine hat mich so aufgewühlt, dass das eine sehr nüchterne Entscheidung werden wird.

Aber statt in Konsum-Kritik möchte ich lieber noch in Erinnerungen an Garten-Stunden und rote Beeren schwelgen.

Deshalb hier ein schnelles Rezept für Zauberwasser

1 große Handvoll Johannisbeeren
1 gestrichener Esslöffel Xucker
1 Liter kaltes Wasser (je nach Karaffe)
2 Stängel Minzblätter

  • Die Johannisbeeren kalt abwaschen und durch ein ganz feines Sieb in eine Karaffe pressen. Nun durch das Sieb mit dem Beerenmus, den Liter Wasser in Karaffe gießen, so dass auch der letzte Saft ausgespült wird und nur die festen Teile zurückbleiben.
  • Denn Xucker in das Beerenwasser rühren, die Minzblätter zugeben, etwa 5-10 Minuten kaltstellen und durchziehen lassen.
  • Vor dem Trinken noch einmal aufrühren und kalt genießen.

Das Sauer macht auf jeden Fall fröhlich!