Pause machen, Beliebtheits-Wettbewerbe und mit Zimtsternen an der Weihnachtsstimmung arbeiten

Zimtsterne in FrankreichDa hatte ich mich wohl zu früh gefreut und die letzte vorweihnachtliche Woche schon im Geiste ganz entspannt verplant. Ein paar Karten schreiben, die Ruhe des Geschäfts nutzen und sich schon mal im Kopf auf die Zeit zwischen den Zeiten, dieses komische Gefühl zwischen Weihnachtsrummel und Sylvesterhysterie einzustimmen. Denkste. Wirbeln ist angesagt. In diesem Jahr begegnen wir dem Trubel durch völligen Entzug. Ab in die französischen Berge und genießen, dass die Franzosen ihr Jahr ohne Knallerei ausklingen lassen. Pause machen. Denn was da zu Ende geht, war mit Sicherheit eines der bewegtesten Jahre meines Lebens. Und da ich selber mittendrin stecke, mache ich mir das oftmals nicht bewusst.

Ich werde immer ganz verlegen, wenn jemand sagt, dass wir mutig seien, einfach so weg aus Berlin, aus der Festanstellung in das eigene Büro, auf dem Dorf… Das ist ein so liebes Kompliment, diesen Mut zu sehen. Ich nehme ihn persönlich gar nicht so wahr. Der kleine Mut, er hätte sicherlich auch manchmal mehr Aufmerksamkeit von mir selbst verdient. Aber solche Dinge fallen mir schwer. Ich tue Dinge, aber indem ich sie tue, erscheinen sie mir gar nicht mehr so groß und ich wundere mich dann mitunter, was für Themen manche Menschen da gut sichtbar für das Umfeld vor sich hertragen. Hätte ich gerne mehr davon? Ich glaube nicht. Der Grad ist mir zu schmal.  Aber es macht das Leben mitunter nicht einfacher, wenn man immer wieder auf diesen Typen Menschen trifft, der ja in unserer Gesellschaft besonders gepäppelt wird.

Tatsächlich ist eine ganz klare Erkenntnis dieses Jahres, dass ich deutlich weniger Menschen in meinem Leben brauche, als ich immer dachte. Ich bin ein sehr soziales Wesen. Ich liebe den Austausch und finde Menschen grundsätzlich faszinierend und spannend, aber einen großen Teil dieser Neugier stille ich durch die vielen Begegnungen, die sich zwangsläufig über meine Berufswahl ergeben und der Kreis der lieben menschlichen Konstanten um mich herum hat sich verändert, auch verdünnt und zum großen Teil intensiviert. Dafür bin ich dankbar.

Das war eine spannende Entwicklung und es ist wunderbar durch Veränderungen den Impuls zu bekommen, Freundschaften und Kontakte noch einmal anders zu pflegen. Pflege haben sie nämlich verdient, wenn sie Substanz haben.  Und das Thema loslassen spielt auch hier wieder mit hinein. Weniger, dafür enge Kontakte im persönlichen Umfeld heißt irgendwie auch, sich ein bisschen unabhängiger machen von dem, was andere denken mögen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht freundlich bin. Den zwischenmenschlichen Respekt eines zivilisierten und erwachsenen Umgangs setze ich mal voraus. Aber ich denke so langsam bin ich ja erwachsen geworden und die Beliebtheitswettkämpfe aus Schulhofzeiten dürfen bitte auch in jenen fernen Tagen bleiben, sie waren mitunter schmerzhaft und turbulent genug. Ein wenig befreiend ist dies auch, wenn man feststellt, dass einen gar nicht jeder mögen muss. Ich mag auch nicht jeden und lieber – statt immerzu gefällig zu sein (ich bin eine sehr ausgleichende Waage) – möchte ich lernen noch öfter auch mal Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen. Leicht fällt mir das tatsächlich nicht. Der andere Teil von mir ist da recht ausgeprägt. Aber es muss sein. Für sich selber. Denn erschreckend viele Menschen wissen, dass andere Menschen eher nicht laut und nach draußen sondern leise und nach innen sind und nutzen das aus. Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben ein komplexes Sozialverhalten. Aber das ist ein Thema für sich.

Weniger ist also manchmal echt mehr und ich mache den Wert meiner Person auch nicht abhängig von Facebook-Kontakten oder Zugriffszahlen auf diesen Blog.  Abe es gibt sie da draußen, die Leute mir ihrer ganz persönlichen Social Media Strategie. Gruselig. Gruselig auch, weil da einfach soviel (falsche) Oberfläche aufgebaut wird. Und das führt mich zurück zu dem Weg durch dieses Jahr,  der hat sich so ergeben und alles, was wir getan haben, erschien irgendwie schlüssig und sinnvoll und die Unklarheiten und Wenns und Abers, die konnten das gute Gefühl, das der Bauch hatte, nicht aufwiegen. Und auch wenn nicht immer nur alles Sonnenschein über lieblichen Hügeln ist, sondern auch das ein oder andere Aushalten in auftragsärmeren Zeiten zu bewältigen ist, gibt das innere behagliche Stimmchen mir doch jeden Morgen recht, wenn es mit halboffenen Augen durchs Fenster gähnt und hinter den Häusern auf dem Hügel den Waldrand sieht, mal im Regen, mal verborgen im Nebel oder unter einem glasklaren Himmel. Dann fällt alles an den richtigen Platz. Es war der richtige Weg. Es ist der richtige Weg.

Und während ich hier schreibe fällt mir ein, wie ich vor dem Wegzug noch mit einer Freundin gespaßt hatte, ich könnte dann ja so einen „Raus aufs Land“-Blog schreiben, so Landlust-Phantasien und Ästhetik für müde Großstädter wie mich. Aber das war nicht dran und das war auch nicht ich, da wäre es weiter nur um Projektionen und Bilder gegangen. Ich mag Konzepte, die auch Raum zum Scheitern lassen. Und dieser Blog ist eigentlich mehr als Übung in Disziplin und private Schreibübung entstanden. Um den inneren Schweinehund zu überlisten.

Und dann hat er sich verselbstständigt, denn plötzlich war da sehr wohl ein „Raus aufs Land“-Konzept, nur völlig anders geartet, als ich es mir anfangs hätte vorstellen können. Die Rezepte, die für mich der Aufhänger waren, sind geblieben, so schreibe ich endlich einmal auf, was ich so koche.
Aber zu den Rezepten kamen all die Themen, die sich nah und fern so um das Essen ranken. Und die abstrahlen auf weitere Themenkreise, bis man plötzlich einen Schritt zurück tritt und sich bewusst macht, wie alles irgendwie immer zusammenhängt. Ja ja, wissen wir doch. Mmmh, aber denken wir es oft genug konsequent durch? Warum wir immer wieder Lebensmittelskandale serviert bekommen, wenn sich an den Produktionsweisen nichts ändert? Warum sich aber nur wenig ändern kann, wenn die Menschen in immer größerer Unsicherheit leben, was vermeintlichen Status und die schiere Existenz betrifft? Warum Chancengleichheit ein schlechter Scherz ist, wenn die mit Geld sich eigene Lösungen suchen und die ohne schon als Kinder Schei.. fressen müssen? Warum wir nichts ändern können, weil uns so wenig Zeit bleibt, weil wir so viele Träume und Wünsche haben, die uns durch eine feinsinnige Marketing-Industrie eingepflanzt werden, dass kaum noch Raum bleibt für die echten Wünsche und Bedürfnisse. Warum immer einer die Rechnung zahlt und allzu oft nicht wir, sondern Menschen und Natur an anderen Orten, schön weit weg, dann ist es nicht so real. Aber hey, wir tun ja auch ganz viel dafür, dass es denen besser geht. Ja, klar. Es ist eine Welt, die mir ehrlich gesagt nicht sehr gefällt. In der tatsächlich zu wenig getan wird um das Richtige zu fördern, das erschreckend oft das Uneigennützige, Mitdenkende ist. In der viel zu viele neue sozialengagierte und grün und nachhaltig gestrickte Mäntel von Beratungsunternehmen der Politik und großen PR-Akteuren entworfen werden, die hier ein Pflästerchen aufkleben, dort Aktivität erzeugen und ablenken, aber nichts so richtig ändern. Oftmals machen mich Artikel, die ich lese, wütend. So richtig. So, dass ich erst einmal raus muss mit dem Kopf. Weil dann genau das erzeugt wird, was beabsichtigt ist, ich fühle mich ohnmächtig.  Ich weiß nicht, wo ich als Einzelperson noch ansetzen kann, wenn so viele vermeintliche Handlungsspielräume kontrolliert geschaffen wurden und Engagement in seichte Wirkungsgewässer leiten. Radikalismus ist mir fremd. Fehlgeleitet. Aber  es gibt so viele Themen, die jeden von uns betreffen. Wenn wir im Endeffekt nicht einmal mehr über unser Körperbild eigenständig Urteile fällen können, wenn wir nur noch mit erheblichem Mehraufwand kontrollieren können, was wir essen. Wenn wir nicht nachvollziehen können, wie das, was wir in unserem Alltag nutzen, gefertigt wird, wenn wir nach jeder Wahl murren, dass sich nichts ändert, aber doch wieder losrennen wie die Schafe, wenn es darum geht ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu machen. Wenn Narzissmus und Egoismus belohnt und Empathie und Zurückhaltung hinderlich werden. Dann läuft doch etwas falsch. Aber dieses Bewusstsein sollte einen nicht davon abhalten, zu genießen, dass einem ein Leben als Spielraum bleibt und man sich darin seine eigenen Räume schaffen kann. Und jedes Stück eigener Weg, das man für sich entdeckt oder sich erkämpft, ist ein gutes Gefühl, ganz tief drinnen. Und außerdem gibt es immer noch so viele Menschen zu entdecken, die ähnlich denken, die etwas zu sagen haben, die inspirieren und Mut machen. Das versöhnt mich dann immer wieder.

Und wenn ich schaue, wie viele Menschen sich in den wenigen Monaten seit dem Start diesen Blog angeschaut haben, dann bleibt mir der Mund offenstehen und ich empfinde ehrlich eine gewisse Demut, wenn ich feststelle, dass sich jemand die Zeit nimmt und liest, was mich ganz persönlich bewegt. Und das ist jedes Mal auch wieder ein Grund, den Schweinehund niederzuringen und sich hinzusetzen und zu schreiben. Und es ist schön zu sehen und auch zu lesen, dass man mit so mancher Frage und so manchem Gedankenweg nicht alleine ist. Das macht Mut. Dafür lieben Dank.

Und bevor ich mich nun hoffentlich die Tage mal endlich in einen Urlaub verabschiede, der mich weg vom Bildschirm bringt und hin zu frischer Luft und vielen Büchern und Zeit zum Denken, noch schnell ein blitzschnelles Rezept für die Weihnachtsstimmung in letzter Minute. Die Zimtsterne vom wunderbaren Paleowiki, das ich jedem Paleo-Interessierten nur empfehlen kann, als Informationsquelle! Ich habe ganz minimal andere Verhältnisse genommen und schreibe es  auf, aber mit dem Wiki liegt man auf jeden Fall richtig richtig.

Ich wünsche besinnliche Feiertage und freue mich auf ein spannendes neues Jahr.

 Zimtsterne

200 g gemahlene Mandeln
100 Gramm Mandelmehl
200 g gemahlene Haselnüsse
6 Esslöffel Xucker
3 Esslöffel Zimt (Ceylon)
4 Eiweiß
Prise Salz

  • Den Ofen auf 150 Grad vorheizen.
  • Die Eiweiß mit einer Prise Salz schöne steif schlagen, bis man die Schüssel theoretisch auf den Kopf stellen könnte, ohne dass Eischnee rausfließt.
  • Nun noch einmal den Xucker unterschlagen, bis die Masse schön glänzt. Von dieser Masse nun 5 Esslöffel zur Seite stellen für den Guss.
  • Die Nüsse und den Zimt mit Sorgfalt und Vorsicht unterrühren, bis sich eine gleichmäßige Masse ergibt. Nicht mit dem Quirl, besser mit einem Löffel oder, wer hat, einem Teigschaber.
  • Den Teig zwischen zwei Lagen Backpapier ausrollen, die Sterne ausstechen, mit dem Eischnee bestreichen und bei 150 Grad ca. 30-40 Minuten auf mittlerer Schiene trocknen. Der Guss soll nicht zu dunkel werden.

Tipp: Am nächsten Tag ist der Guss dann fest und sie schmecken genau so, wieZimtsterne schmecken sollen. Und für die Lagerung empfiehlt sich eine Dose.

Guten Appetit!

 

Advents-Countdown auf allen Kanälen, Geschenkerausch und ein Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie

Paleo Brownie zu WeihnachtenWenn man den einschlägigen Magazinen derzeit glauben darf, sind Frauen recht einfach gestrickte Wesen. Ein bisschen Parfum, Unterwäsche oder etwas Glitzerschmuck unter den Baum gelegt und wir fangen an zu quietschen und dankbar mit den Wimpern zu klappern. Gerne nehmen wir auch etwas für die Porzellan-Sammlung oder einen schönen Bildband für die Inszenierung im Wohnraum. Praktisches bitte eher nicht, das hat so einen 50er-Jahre Hausfrau-Anstrich. Es sei denn es ist eine Kaffeemaschine, die mit gängig attraktiven Hollywood-Größen beworben wird und Unmengen an Aluminiummüll produziert… Aber diese ganzen schönen Frauchen-Dinge, die weibliche Attribute beschwören, die legt uns die Industrie gerne unter den Baum. Ernüchterung könnte eintreten, wenn die neue Kette nicht ebensolch einen Schwanenhals zaubert wie auf dem Hochglanz-Werbematerial, oder die Unterwäsche dann eben doch anders sitzt – Hey, Gummibänder schneiden gerne mal ein, egal wie viel oder wenig Speck sich darunter verbirgt. Und teure Image-Duftwässerchen verwandeln uns nicht in zarte Elfen, die durch die Gegend schweben und höchstens durch zarten Dufthauch auf sich aufmerksam machen. Kaschmirpullis vermitteln zwar haptische Freuden, aber lösen nicht unsere Sorgen und Ängste, genauso wenig wie die x-te Tasche, die ich unbedingt brauche, weil sie so gut zum neuen bunten Wintermantel passt, damit ich dann irgendwann in eine perfekt abgestimmte Uniform schlüpfen kann, die genau zeigt, wer ich bin.

Aaaah… Ne, die Weihnachtszeit liegt mir da dann nicht mehr, wo sie sich in eine Sehnsucht-Wunsch-Kauf-Lawine verwandelt. Man schaue sich nur um: Die Blog-Welt ist voll von Einkaufstipps für Vater, Mutter, Mann, Frau, Großeltern, Freunde, Katzen, Hunde und sich selber (damit wir auf Nummer sicher gehen und auch ganz bestimmt was unter dem Baum liegen haben). Seit Mitte November gibt es Geschenketipps im Wochentakt. Onlineshops machen es einem gleich ganz bequem: Entweder sucht man seine Geschenke direkt nach Preis gestaffelt oder verschlagwortet sie: Sprich, ordnet die Lieben, die bedacht werden sollen, schnell in greifbare Marketing-Kategorie-Kästchen ein und kriegt dann passende Vorschläge geliefert. Es ist einfach zu viel. Viel zu viel. Und da wir uns immer neue Kanäle erschließen, werden wir auf immer mehr Kanälen bombardiert. Magazine, Blogs, Instagram, Pinterest…. Mal ist es offensichtliche Werbung, mal sind es, diskreter verpackt, die persönlichen Lieblingsstücke all derer, die diese Kanäle bespielen, die einem um die Ohren gehauen werden. Sich zu entziehen wird schwer gemacht.
Geschenke auszupacken ist ein wunderschöner Moment, da stimme ich absolut zu, aber kann man da nicht wieder etwas Mäßigung reinbringen, statt die letzten Wochen des Jahres zwischen Adventsstress, Kopfrechnen, Einkaufslistenstress, zu vollen Läden, Schnappatmung unter kurzen Konsumkicks und dem unterdrückten Konsumkater zu leiden?
Ich möchte dieses Jahr nichts unter dem Baum. Im Ernst. Das ist nicht kokettiert und dann wird geschmollt, wenn niemand an mich denkt. Ne. Wer mich fragt, was ich mir wünsche, dem kann ich sagen: Vielen Dank für ein spannendes, schönes Jahr, bitte mach dir wunderschöne Feiertage, aber schenk mir nichts. Ich bin glücklich. Und so gerne ich auch selber Geschenke mache, würde ich auch hier gerne mal einen Gang runterschalten, die guten Wünsche und das an den anderen denken anders verpacken als in materieller Form unter dem Baum. Sind Briefe eine Lösung? Echte Briefe, per Post und von Herzen kommend, sind so selten geworden und eine so schöne Geste, finde ich. Ob man dieses Empfinden weitergeben kann? Die Beziehung in der man zu einem Menschen steht, sollte ja im besten Falle eh nicht an dem Wert oder der Ausgefallenheit des Geschenks gemessen werden (oft genug wird sie das aber leider).

Runterschrauben. Aus dem Weihnachtsfest vielleicht wirklich einen besinnlichen Tag machen und kein reines Pakete schlachten, zumindest für die Erwachsenen. Weg von den Bildern, wie es sein soll, alle zusammen unter dem Baum und bergeweise Glitzerpapier… so hätte es vor allem die Industrie gerne. Und der Druck landet beim Verbraucher. Und so werden jedes Jahr wieder, neben den Einkäufen, viele Rituale wiederholt, die so dazugehören und ein wenig Frustration setzt ein, wenn die Stimmung nicht aufkommen will. Wie soll sie das auch auf Knopfdruck, nach all den Wochen mit Weihnachtsfeiern und Einstimmungsstress? Wenn man mal genau hinhört, ist ein schönes Weihnachtsfest für viele dann auch nicht eines mit viel Getue und Tamtam, sondern eines, das entspannt und ohne Spannungen oder Weihnachtstretminen verläuft…. Das könnte doch von vorneherein ein Ansatz sein. Aber nichts ist schwieriger als mit alten Gewohnheiten zu brechen und das Weihnachtsfest ist in den meisten Fällen eine solch heilige Kuh, dass man sich kaum traut Änderungen vorzunehmen. Dabei kann doch auch hier, wie bei allem, immer mal wieder geschaut werden, ob es noch Sinn macht, so wie es ist oder ob man mit Neuerungen nicht auch etwas gewinnen kann, für alle Beteiligten.

Zwei Kerzen bleiben uns noch, bis wieder beschert wird. Zeit genug also, sich innerlich zu wappnen oder aber um mutig sein. Weihnachten kann so viel mehr sein als Coca-Cola-Weihnachts-Trucks. Geschenk-Pack-Stationen in Kaufhäusern und Abgespanntheit am heiligen Abend.

Auf jeden Fall kann Weihnachten einen Kuchen vertragen:

Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie
2 mittlere Süßkartoffeln
2 große Eier
60 Gramm Butter
2-3 Esslöffel Kokosmehl
3-4 Esslöffel Xucker (oder Süße nach Wahl)
1 Tasse Kakao
3 Teelöffel Lebkuchengewürz
1 Teelöffel Natron
1 Prise Salz

60 Gramm bittere Schokolade für den Überzug

  • Die Süßkartoffeln rund herum mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad im Ofen rösten, ca. 1 Stunde bis sei auf Druck nachgeben und die Schale Falten wirft, es soll sich ein feines Röstaroma entwickeln. Dann pellen, gründlich pürieren und etwas abkühlen lassen.
  • Die Eier verquirlen und mit dem Xucker und der Butter durch mixen bis sich eine schaumige Masse ergibt und diese  mit den Süßkartoffeln mixen.
  • Nun alle trockenen Zutaten vermengen, unter die Süßkartoffelmasse geben und gründlich mixen. Es soll ein kompakter klebriger Teig entstehen. Wir er zu trocken, hilft etwas Kokosmilch. Wird er zu flüssig, etwas Kokosmehl zugeben.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und auf mittlerer Schiene ca. 40 Minuten bei 180 Grad backen.
  • Das Innere soll feucht sein aber außen soll es eine leichte Kruste mit Rissen geben
  • Den Kuchen abkühlen lassen. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen und auf den Kuchen geben

Tipp: Außerhalb der Weihnachtszeit kann man das Lebkuchengewürz gut durch Vanille oder einen ordentlichen Schuss Espresso ersetzen und hat gleich einen anderen Geschmack.
Guten Appetit!

Alle Jahre wieder: Adventsmassaker und Kürbis-Quiche zum Wohlfühlen

AdventsmassakerFrost glitzert auf den Dächern… Aber bevor ich mich jetzt in einer kitschigen Vorweihnachtssentimentalität verliere, es ist ja so die Zeit wo allerorten verkitschte Behaglichkeitsbilder beschworen werden, greife ich nach dem Taschentuch und mache mir die nächste Tasse Ingwertee.  So wunderbar knackig kalt die Sonne da draußen strahlt, merke ich, dass es auch die perfekte Zeit für Erkältungen ist. Und obwohl ordentlich eingepackt, hat einen dann schnell so eine Abgeschlagenheit im Griff.

Es  mag auch daran liegen, dass ich in den letzten zehn Tagen einige Tausend Kilometer im Auto verbracht habe und irgendwie aus dem Tritt geraten bin, zwischen netten Begegnungen und zu viel Unterwegssein. Also wird das Pensum etwas zurück geschraubt, was mir eher nicht so leicht fällt, ich will zu viel machen. Die Nähmaschine rattern hören, neue Rezepte testen, aufräumen, umräumen, ausmisten und daneben Energie in die Arbeit stecken. Zum Ende des Jahres setzt bei mir das Bedürfnis ein, einen runden Abschluss zu schaffen. Also Dinge zu erledigen, die ich vielleicht vor mir her geschoben habe. Das Bedürfnis nach innen zu horchen, was einen gestört hat, an sich selbst und im Umfeld, wo man anders handeln möchte. Eine grüblerische Tendenz zur Selbstreflexion begleitet mich ja unabhängig von Jahreszeiten, aber wenn andernorts die Adventsstimmungsmaschinerie in Gang gesetzt wird, beschleicht mich neben der dezenten Sehnsucht nach Tannengeruch eine etwas ausgeprägtere gewisse Melancholie.  So ein wenig in Gedanken zu schweben, finde ich durchaus angenehm. Das passt zu kurzen Tagen und schönen Wintersonnenuntergängen und langen Morgendämmerungen. Das ist ein bisschen so wie der Geruch nach Holzfeuer, der den Winter über durch das Haus zieht – eine grüblerische Note zur Tagesform.

Bilanz ziehen – dieses Jahr möchte ich das mal so richtig machen und habe mich entschlossen alles einmal festzuhalten. Für mich, aber auch gemeinsam mit dem besonderen Menschen: Wo war man überall, was hat man erlebt, was hat mich besonders gefreut oder belastet, was war schön und was war traurig, welche Ideen sind Realität geworden, welche wabern weiter durch den Kopf, haben sich total verändert oder sind verschwunden.  Eine Art Großputz in der Gedankenkammer. Und diesmal habe ich das Gefühl, herrscht gar nicht so ein Chaos wie in manch anderem Jahr. Anscheinend klappt es immer besser, das innerliche Sortieren zwischendurch, dann kann sich gar nicht so viel ansammeln und man muss nicht in so vielen verschiedenen Erinnerungskisten wühlen und übersieht dabei die Hälfte.

Und natürlich darf es auch wenig adventlich sein. Wobei ich ja kein Freund aufwendiger Dekorationsinszenierungen bin, sondern mag, was sich schnell so ergibt. Das war schon immer so. Zuviel und zu betont, verursacht mir die Adventsdekoration ein leichtes Unbehagen. Denn wie lässt sich dieser unglaubliche Vorfreude-Spannungsbogen dann aufrechterhalten?
Jeder Supermarktbesuch in den nächsten drei Wochen wird zur aggressiven Stimmungsmache mit Hilfe gängiger Weihnachtsmusik-Konserven. Die  Weihnachtskekse liegen schon seit Wochen auf den Sonderverkaufsflächen aus, jetzt wird aber noch einmal nachgerüstet und überall blinkt es und stinkt und leuchtet und will besinnlich sein?! Auch innerstädtische Weihnachtsmärkte haben sich größtenteils in Glühwein-Saufmeilen mit Ramschangebot verwandelt. Ein bisschen billiger Glanz – zu viel, zu hell, zu grell.  Das, so wird es den Leuten verkauft, ist Weihnachten. Für den dezenteren Geschmack gibt es durchaus immer wieder kleine Weihnachtsmarktperlen, hier findet sich dann schönes Kunsthandwerk und Biokinderpunsch. Doch sind und bleiben sie alle Märkte und laden uns wieder zum Konsum ein.

Und wen da manchmal ein schlechtes Gewissen befällt, weil man vielleicht nicht so überlegt gekauft hat, wie man es sich vorgenommen hat, der hat vielleicht den 30. November  genutzt und sich am Kauf-Nix-Tag beteiligt. Bei uns ist dieser Tag noch nicht so verbreitet, entstammt er doch eher der Tradition eines amerikanischen Konsumkalenders. Und auch wenn er sich durchsetzt, hat das Datum eigentlich einen leichten Nebengeschmack – einen Tag bevor dann der Advents-Countdownmit all seinen Besorgungen startet, einen Tag lang den Konsum verweigern…  Das empfinde ich als Gewissenberuhigung, dann ich ja wieder, habe  ja gestern nicht… Das ist wie Konsum mit gutem Gewissen, weil etwas nachhaltig, grün, öko, regional, fair oder was auch immer ist. Verkannt wird, dass das Konsumverhalten an sich die Wurzel ist.
Es ist schade, wie wir so zunehmend durch (in der Regel PR-)  gesteuerte Initiativen auf Dinge aufmerksam gemacht werden, die dem menschlichen Verstand auch so auffallen sollten. Aber so ist es ja einfach: Heute ist Dingsbums-Tag, alle sind wir heute ganz betroffen, die Zeitungen schreiben ihre so tiefsinnigen Sonderartikel und dann machen wir weiter wie bisher. Kinder, Frauen, Flüchtlinge, AIDS, Brustkrebs, Essstörungen, gestörte Selbstbilder, der Wald, Robben… – unsere gesellschaftlichen Themen und Probleme werden immer wieder zum Zugpferd für umtriebige Marketingabteilungen, die dann einem Unternehmen den Anstrich gesellschaftlicher Verantwortung verpassen und Zuständigkeiten umverteilen und neu besetzen. Weiter gedacht ist dies eine Entwicklung, die mir persönlich Sorge macht und ich empfinde es als Entmündigung, wenn wir in unserer Bequemlichkeit zulassen, dass uns die Verantwortung immer noch ein Stückchen mehr aus den Händen genommen wird und von Strukturen vereinnahmt wird, die wir nicht überschauen können.

Und die  so viel beschworene Adventszeit mit ihren blinkenden Verlockungen ist längst eine der Lieblingszeiten der Wirtschaft. Und wehe die Kaufprognosen fallen nicht positiv genug aus, dann wird ein finsteres Szenario ausgemalt, stattdessen sollte man sagen: Gut so, lasst es sein. So viele von uns haben immer weniger und das wollen wir nicht noch der Industrie in den Rachen schmeißen.
So wirklich frei fühle ich mich manchmal nicht in meinem Handlungsspielraum, zu viel prasselt auf einen ein an Anregungen, Einflüssen und Aufforderungen. Und von vielen Seiten hört man kurz vor Weihnachten eher ein Aufstöhnen und die Hoffnungsäußerung, dass es ja bald überstanden ist und man die Kekse nicht mehr sehen kann und einen die Lieder aggressiv machen und man hätte so was tolles Gebasteltes gesehen, aber man weiß nicht, wann man das noch schaffen soll… Und eigentlich sollte man noch drei Sorten Kekse backen… und… Und so verzieht sich die Vorfreude geknickt in eine stille Ecke und hofft auf ihren Moment und stattdessen  wanzt sich hartnäckiger Stress heran, der nach Glühwein und sozialen Verpflichtungen und festlicher Stimmung duftet… Und mit ganz viel Glück entlädt sich der Stress der Adventszeit dann unter dem hübschen Baum, der noch in letzter Minute schön gemacht werden wollte, dann wird das Essen nicht gelobt, die Deko kriegt keinen Auftritt und die Geschenke sind zu einfallslos oder eh selbst ausgesucht oder zu schnell ausgepackt… Dann hilft mehr Glühwein für den Moment und ein schwerer Kopf schleppt sich durch die Feiertage und die Besinnlichkeit, die auf ihren großen Auftritt zum Jahresende wartet, hat schon keine Lust mehr, sondern hofft auf weitere Ablenkung zu Sylvester. Nächstes Jahr, so der gute Vorsatz, wird dann wirklich alles anders gemacht.

Zu schwarze Gedanken in dieser hell glitzernden Zeit? Vielleicht, aber nicht nur. Wer gibt schon gerne zu, dass das Weihnachtsfest emotional ein Minenfeld sein kann und die Feiertage mitunter nicht nur schön, sondern auch herausgeputzt mit alten Spannungen sind?

Vielleicht deshalb, weil es eben nicht nur mildes Kerzenlicht und Bratapfelduft zum Fest der Feste gibt, macht sich das Bedürfnis breit aufzuräumen.
Und dabei kommt dann auch die Kiste mit den schönen Weihnachtserinnerungen ans Licht und in der raschelt es vielversprechend und  ich freue mich aufs Auspacken.

Und weil es nicht nur Kekse geben kann, etwas anderes, Herzhaftes aus dem Ofen.

Kürbis-Chorizo-Quiche

Für den Teig
200 Gramm Mandelmehl (wahlweise kann man 50 Gramm auch durch Walnussmehl ersetzen für eine andere Note)
1 großes Ei
50 weiche Gramm Butter
Salz
Pfeffer
Cayenne Pfeffer

Für den Belag
ca. 400 Gramm Hokkaido Kürbis in Spalten
2 mittlere Zwiebeln
150 Gramm Chorizo in Scheiben (ersatzweise eine andere scharfe Salami oder Speck)
2 Eier
Curry
Cayenne Pfeffer
Zimt
Salz
Pfeffer
Kokosöl

  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen
  • Das Mandelmehl mit der weichen Butter, dem Ei, einer Prise Salz, Cayenne Peffer und Pfeffer zu einem kompakten, klebrigen Teig kneten.
  • Eine Quicheform mit Butter einfetten, den Teig gleichmäßig dünn in der Form verteilen und am Rand leicht hochziehen, gleichmäßig mit der Gabel einstechen und für 15 Minuten bei mittlerer Schiene vorbacken.
  • Die Zwiebeln grob würfeln und mit den Kürbisspalten in etwas Kokosöl oder Butter anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind und der Kürbis etwas weicher. Vom Herd nehmen und großzügig salzen, pfeffern und mit Curry würzen
  • Nun den Kürbis, die Zwiebeln und die Chorizo auf dem Quiche-Boden verteilen.
  • Die Eier verquirlen, salzen, pfeffern und mit einer Prise Zimt sowie Cayenne-Pfeffer würzen.
  • Die Eimasse gleichmäßig über den Kürbis auf die Quiche gießen.
  • Die Quiche für ca. 30 Minuten in den Ofen, bis das Ei gestockt, der Rand aber nicht zu dunkel ist.

Dazu passt sehr gut ein schlichter Feldsalat mit Apfel und Walnüssen.

Guten Appetit!