K(l)eine Liebesdienste und ein Favorit aus dem Ofen: Beinscheibe mit Ingwer

Beinscheibe mit IngwerSo, da der klebrige Valentinstagszuckerguss nun vom Tisch ist, stört man ja niemanden mehr in seinen rosaroten Befindlichkeiten.  Ich kann mir immer nicht helfen, ich finde, dieser Tag mit seinen absolut kommerzialisierten und fremdbestimmten Ritualen läuft all dem zuwider, wofür die Gefühle eigentlich stehen, die uns Einzelhandel und Werbung da so fleißig mit großen Sehnsüchten und materiellen Wünschen unterfüttern und aufblasen, bis wir sie glauben und ihm nachzueifern suchen, dem Bild davon, wie sie aussieht, die große Liebe.  Und ein erschreckendes Rollenverhalten zeigt sich da: er schenkt Blumen, Nippes, Schokolade und zahlt fürs Essen, sie macht sich hübsch, klappert artig dankbar mit den Wimpern und zahlt mit Sex… überspitzt vielleicht, aber darauf lässt es sich doch irgendwie reduzieren. Wer das dann romantisch findet und als Ausdruck tiefer Emotionen sieht (stimmt, tiefe, echte Emotionen sind in solchen vorgegeben Konstruktionen ja nicht vorgesehen, sie könnten emotional emanzipieren…),  dem kann man ein Aufwachen wünschen, aber der Großteil der Menschen scheint ja gerne in der Bequemlichkeit des Dauerschlafes verhaftet zu bleiben und führt dann entsprechende Beziehungen. Und  die funktionieren eben über die großen Gesten an Ego und Eitelkeit und die schnelle Befriedigung des eigenen Egos. Der Schritt darüber hinaus, das ist die Kür und das bedeutet Arbeit.  Und überhaupt – die, die gerade allein dastehen, mitten im Wirbelwind öffentlicher zelebrierter Zweisamkeit… Ja, die einsamen Herzen dürfen sich ein bisschen schlecht fühlen, müssen aber zumindest ein wildes Singleleben führen. Anleitung dazu und zum niemals an die wahren Gefühle herankommen bietet die gängige Medienlandschaft zu Genüge. Aber Vorsicht, gerade Frauen ab einem bestimmten Alter (das bestimmte Alter beginnt wohl etwa mit der 30, regional kann es aber auch früher sein…) geraten schnell  in Generalverdacht, da könne was nicht stimmen – wohingegen Mann sich weiter aufführen darf wie er mag. Wer es geschafft hat und das Leben mit den Jahren in die vorgesehenen Bahnen gelenkt hat, dem sind unendliche Möglichkeiten gegeben, die selbstgerechte Zufriedenheit des Erfolges öffentlich zu zelebrieren. Und so manch einer fühlt sich angepikst und der Neid zwackt ihn und er strampelt sich noch mehr ab um auch so zu sein, um noch ne Schippe oben drauf legen zu können.

Man könnte meinen wir seien weit gekommen, aber der Wettbewerb ist noch derselbe, wie ihn die Hausfrauen der 50er schon in adrett gestalteten Vorgärten ausgetragen haben, wo man sich unter leichtem Seufzen dazu hinreißen ließ die neueste Errungenschaft für den Haushalt ins Gespräch einfließen zu lassen oder die geplante Italienreise,  und die Männer mit ihrer beruflichen Sicherheit, dem Auto und dem streng hierarchischen Leben in so manch westdeutschem Verein…

Wie wunderbar, dass wir uns heute noch viel schamloser darstellen können, es ist ja im Zweifel die eigene kreative Ader und gelebte Individualität und wer bitte möchte da so kleinliche Hintergedanken haben und Narzissmus und Geltungssucht unterstellen. Ne, ist ja klar. Und völlig normal, dass wir plötzlich jedem ins Wohn-, Schlaf-, Esszimmer gucken können, durch den Kleiderschrank geführt werden und das hübsch inszenierte Essen bewundern dürfen. Food Styling, so machen das die ambitionierten unter den Essensbloggern, da wo das nette Rezept leider verschwindet hinter der inszenierten Bilderflut des kreativen Genies, das dort am Werke war.

Es ist im Grunde ziemlich erbärmlich, wie wir so beharrlich vorhersehbar ticken. Dank unserer Eitelkeiten und Ängste immer wieder offen für die Verlockungen, die uns da draußen das große Glück und eine Erfüllung versprechen.  Niemand ist wohl frei davon. Ich nehme mich da nicht aus. Aber einmal Augen aufgemacht und hingeschaut, ist es alles so viel Schein und Gestrampel und so wenig interessant. Und es sorgt für ein konstantes Rauschen, einen Strom von Eindrücken, der auf uns einprasselt, dass die kleinen hoffnungsvollen Lichter, die wirklich menschlichen Erlebnisse, darin fast untergehen.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Herausforderungen, zu lernen, auszublenden und in neue Richtungen zu schauen, damit man nicht vorbeigeht an den Schätzen am Wegesrand?  Auch wenn sie nicht immer so stark leuchten wie das aufgeblasene, substanzentleerte Wabern drum herum.

Und wenn dennoch die Sorge quält, den V-Day nicht genutzt zu haben, dem hilft vielleicht die simple Wahrheit, dass das Jahr 365 Tage hat und jeder dieser Tage unzählige Momente umfasst… da sollte sich doch eine Möglichkeit ergeben, dem Ausdruck zu verleihen, was da in einem strahlt?

Und das kann die Tasse Kaffee sein, die man morgens ans Bett bringt. Oder ein Abendessen nach einem anstrengenden Tag.

Das hat der besondere Mensch die Woche getan und die beste Beinscheibe der Welt gezaubert, so dass ich immer noch hin und weg und schwer verliebt bin…

Beinscheibe aus dem Ofen mit Ingwer
2 Beinscheiben (ca. 600 Gramm)
4 Zwiebeln, geviertelt
2 Möhren, in Scheiben
4-5 Zentimeter Ingwer
1 Zehe Knoblauch, gewürfelt
Rotwein
Thymian
Salz
Pfeffer
Schmalz

  • Die Beinscheiben salzen und pfeffern und in heißem Schmalz von beiden Seiten anbraten und in eine Auflaufform geben.
  • Die Zwiebeln, Möhren, den Ingwer und den Knoblauch im Bratensud kräftig anbraten, salzen, mit Thymian würzen und mit Rotwein angießen, so dass das Gemüse schwimmt.
  • Das Gemüse mit dem Wein zu den Beinscheiben in die Auflaufform geben und das ganze bei 180 Grad für ca. 2 Stunden im Ofen garen. Wer mag nimmt einen Bräter mit Deckel. Ich liebe krosses Fleisch und deshalb war die Auflaufform perfekt.

Dazu passt ein Feldsalat.

Guten Appetit

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Starke Frauen, körperliche Krisengebiete und ein einfacher Seelenschmaus: Steckrüben-Rindfleisch-Eintopf

Steckrübeneintopf mit RindfleischDa dachte man gerade, man wäre auf der Zielgeraden und trainierte sich Oberarme wie Michelle Obama an, aber bitte nicht zu sehnig, und freut sich, dass angeblich fit und gesund die neue Kleidergröße „unterentwickelter Teenager“ ist, da lassen die Medien den Blick wieder weiter nach unten wandern am weiblichen Körper. Und angsterfüllt, können wir nicht wegschauen, sondern lassen ebenfalls die Augen wandern. Nur um dann schamhaft die Oberschenkel übereinander zu schlagen, denn da ist sie verortet, die neueste Problemstelle: Die Thigh Gab, oder leichter auszusprechen aber weniger exotisch: Die Oberschenkel-Lücke.
Wenn Frau sich also gerade hinstellt und die Füße zusammenstellt, dann sollte eine Lücke bleiben zwischen den Oberschenkeln. Sollte. Vielleicht sollte man Frau dazu aber auch den ehrlichen Tipp geben, dass dieses Ideal schwer zu erfüllen ist und bei den meisten Frauen nur dann entsteht, wenn sie so geboren sind oder sich deutlich zu sehr runter gehungert haben. Dass viele Modells Lücken aufweisen, mag auch daran liegen, dass diese gerade im großen, exklusiven Modezirkus noch in pubertären Körpern stecken. Mal abgesehen davon, dass der Körpertyp Frau, der auf all den Bildern und in der Werbung die Blicke auf sich zieht, nur etwa einem Anteil von 5 % der Frauen entspricht.  Diese Frauen sind einfach so geboren, mit einem großen, schlanken bis sehr dünnen Körper. Aber irgendwie will es uns wohl nicht in die Köpfe, dass wir mit bestimmten festgelegten  körperlichen Parametern geboren sind, die nicht zu ändern sind. Und egal wie wir durch die Welt laufen, ist jeder Körper dann am schönsten, wenn er gesund ist, innen und außen. Das mit der inneren Schönheit, ne? Ja. Das ist etwas verdreht worden im Laufe der Jahre, es ist wohl eher die innere Balance, die mit dieser inneren Schönheit gemeint ist. Und es wird einiges dafür getan, uns immer wieder aus dieser zerbrechlichen Balance zu bringen. Denn Schönheitsideale wechseln,  ganz subversiv schleichen sich für eine bestimmte Zeit immer bestimmte (Stereo-)Typen in die Bilder ein, die uns vorgesetzt werden.  Das alles auch immer mit einer großen Portion „Man muss nur wollen“. Sind wir in einen anderen Körper geboren, als in den, den uns die Medien als temporär idealtypisch servieren, sind wir also selber schuld, wenn wir nicht alles dafür tun uns genau dahin zu verbiegen. Es ist aber einfach nicht möglich. Da helfen uns keine x Diäten, Fitness-Programme und teuren Mittelchen und Eingriffe.  Also leben wir in einem andauernden Krisengebiet, und das geht uns im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut.

Und wann immer sich nun die Oberschenkel berühren, wird man darauf aufmerksam gemacht, dass etwas noch anders, noch besser sein könnte. Dabei ist dieses Stöckchenbein-Ideal kein neues.

Aber mit dem immer wiederkehrenden Hype um ständig wechselnde Mediengrößen tritt immer wieder auch ein neuer Hype in Sachen Schönheit ins Rampenlicht. Eben wie die Oberarme von Michelle Obama, der Po einer Jennifer Lopez oder eben die Lücke zwischen den Oberschenkeln eines britischen Models, das gerade die erste Pubertätsphase hinter sich gelassen hat. Und dann schwappt es in die Magazine und auf die Blogs und es dringt zu einem vor, ob man es will oder nicht. Und dann ist diese blöde Lücke irgendwo im Bewusstsein und es scheint, sie bringt auch eine temporäre Lücke des gesunden Verstandes mit sich, denn ohne es zu wollen, wandert der Blick im Spiegel zu den Oberschenkeln und prüft, wo man da wohl steht… Das Problem ist, dass dieser Trend etwas harmlos daher kommt, denn er ist eine Ausgeburt der Werbeästhetik, die uns umgibt. Frauen in Dessous oder Bikinis oder in engen Hosen, sie alle zeigen sich mit Lücke und entsprechen unserer synchronisierten Vorstellung von schön, und makellos. Und obwohl wir wissen, was Photoshop alles kann, halten wir kurz inne und rümpfen die Nase und sagen uns wie fies es ist, dass die nicht eine einzige Delle am Schenkel haben, da können die Medien noch so viele Bilder von ungeschminkten Stars zeigen, die sind schnell vergessen, haften bleibt die Makellosigkeit. Ach ja, es gab ja auch andere Versuche. Erinnert sich noch jemand an die Zeit, in der das Brigitte Magazin ohne Modells gearbeitet hat?
Es hat nicht funktioniert. Zum einem stand (zu Recht) der Vorwurf im Raum, dass die Frauen, die für die Fotostrecken ausgesucht wurden eben doch eher Modell-Idealen entsprachen, zum anderen hielt der Abwärts-Trend der Auflage weiter an, es hat wohl nicht interessiert.

Ich habe damals ein paar Mal interessiert geblättert und ich fand es eher furchtbar, was einem da an gut gelauntem, attraktiv-erfolgreichen „Normal“-Standard serviert wurde.  Eine perfide Gehirnwäsche, sind das doch Frauen wie wir. Hmm, ja klar.  Ein bisschen in dieselbe Kerbe haut dann auch der Versuch diverser Magazine den persönlichen Kleidungsstil erfolgreicher Modeblogger in das eigene Format einzubauen. So authentisch und echt und so. Ja. Gekauft und Werbung und die Übergrößen tauchen nur im Zusammenhang mit einem neuen Hype um Übergrößenmodells auf oder werden sprachlich so feinsinnig demontiert, dass es zum Heulen ist. Sieht sie nicht schön aus in dem hautengen Kleid, das fast zwei Kleidergrößen wegschummelt und so frisch dank fülliger Apfelbäckchen?  Noch nicht schlimm genug, wenn man bedenkt, dass dieser Mist zu einem großen Teil von weiblichen Redakteurinnen geschrieben wird. Die brav konform laufen mit den Vorgaben des Mediums und der Industrie. Sprache ist ein starkes Werkzeug, ein Knopf, der noch mehr verfängt als Bilder. Denn wo Bilder wechseln, schleichen sich Begrifflichkeiten in unseren Sprachgebrauch ein und bleiben haften. Und die Bewertung, die dahinter steht, die haben nicht wir gemacht. Die haben wir übernommen. Ein eklatantes Beispiel dafür ist der Missbrauch des  Attributs stark. Starke Frauen, das sind entweder nervige Feministinnen oder Frauen mit Übergröße, will man uns weismachen. Stark ist kein schönes weibliches Attribut. Nein, nein. Wir sind tatsächlich immer noch tief verhaftet in weiblichen Idealvorstellungen, die uns als schutzbedürftige, zarte Wesen generieren. Schönheit heißt hier gefällig sein, einer Norm entsprechen und nicht aus der Reihe tanzen. Nur ab und zu mal, medienwirksam, für die Diversity. Und wer setzt uns diesen Bildern des Idealtyps Frau immer wieder aus? Wir bedienen diese Bilder, indem wir nicht lauter aufbegehren. Wir finden uns da vielleicht nicht immer drin wieder, wenn uns jemand fragen würde. Dafür sind wir zu aufgeklärt und abgeklärt und doch zupft das unsichere kleine Mädchen in unserem Inneren an unserem Ärmel und fragt sich besorgt, ob es wohl reinpasst, so wie es ist. Wir werden also in einem Zustand der andauernden kritischen Auseinandersetzung mit uns selbst gehalten. Und der Weg daraus ist schwer. Er scheint fast schwerer als weiter mitzumachen. Aber jeder Schritt auf dem Weg und jeder kritische Blick auf das, was uns da serviert wird, macht einen ein wenig mutiger und einsichtiger und stärker.

Und ich  möchte gerne stark sein.
In der Zwischenzeit gibt es Suppe fürs Seelchen:

Steckrüben-Rindfleisch-Eintopf
1 Liter gute Brühe aus Rinderknochen (ich kann nur empfehlen sich davon immer einen kleinen Vorrat einzufrieren oder einzukochen. Da die selbstgekochte Brühe so perfekt gehaltvoll ist, ist sie die perfekte Grundlage  für deftige Wintersuppen)
700 Gramm Suppenfleisch
1 Steckrübe (600 Gramm)
3-4 Lorbeerblätter
6-8 Wachholderbeeren
1-2 Teelöffel Kumin, nicht gemahlen
3-4 Nelken
1-2 Teelöffel Koriander, nicht gemahlen
Schwarzer Pfeffer
Salz
Wasser

  • Das Suppenfleisch am Stück in der Brühe mit den Gewürzen aufkochen und bei mittlerer Hitze weiterkochen bis es mürbe ist und sich leicht zerteilen lässt.
  • Das Suppenfleisch aus der Brühe nehmen und die Steckrübe schälen in löffelgroße Stücke schneiden und in die Brühe geben.
  • Das Fleisch klein schneiden und von eventuellen Sehnen befreien. Wenn das Fleisch sehr fettig ist, wird die Brühe schön gehaltvoll, dann kann man das Wabbel-Fett am Fleisch auch entfernen. Nicht jeder mag das.
  • Das Fleisch zu den Steckrüben in die Brühe geben, nun kann noch etwas Wasser nachgegossen werden, damit alles bedeckt ist. Ca. 45 Minuten weiter köcheln lassen, bis die Steckrüben gar sind. Nun noch einmal abschmecken und gegebenenfalls nachwürzen.

Guten Appetit!

Advents-Countdown auf allen Kanälen, Geschenkerausch und ein Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie

Paleo Brownie zu WeihnachtenWenn man den einschlägigen Magazinen derzeit glauben darf, sind Frauen recht einfach gestrickte Wesen. Ein bisschen Parfum, Unterwäsche oder etwas Glitzerschmuck unter den Baum gelegt und wir fangen an zu quietschen und dankbar mit den Wimpern zu klappern. Gerne nehmen wir auch etwas für die Porzellan-Sammlung oder einen schönen Bildband für die Inszenierung im Wohnraum. Praktisches bitte eher nicht, das hat so einen 50er-Jahre Hausfrau-Anstrich. Es sei denn es ist eine Kaffeemaschine, die mit gängig attraktiven Hollywood-Größen beworben wird und Unmengen an Aluminiummüll produziert… Aber diese ganzen schönen Frauchen-Dinge, die weibliche Attribute beschwören, die legt uns die Industrie gerne unter den Baum. Ernüchterung könnte eintreten, wenn die neue Kette nicht ebensolch einen Schwanenhals zaubert wie auf dem Hochglanz-Werbematerial, oder die Unterwäsche dann eben doch anders sitzt – Hey, Gummibänder schneiden gerne mal ein, egal wie viel oder wenig Speck sich darunter verbirgt. Und teure Image-Duftwässerchen verwandeln uns nicht in zarte Elfen, die durch die Gegend schweben und höchstens durch zarten Dufthauch auf sich aufmerksam machen. Kaschmirpullis vermitteln zwar haptische Freuden, aber lösen nicht unsere Sorgen und Ängste, genauso wenig wie die x-te Tasche, die ich unbedingt brauche, weil sie so gut zum neuen bunten Wintermantel passt, damit ich dann irgendwann in eine perfekt abgestimmte Uniform schlüpfen kann, die genau zeigt, wer ich bin.

Aaaah… Ne, die Weihnachtszeit liegt mir da dann nicht mehr, wo sie sich in eine Sehnsucht-Wunsch-Kauf-Lawine verwandelt. Man schaue sich nur um: Die Blog-Welt ist voll von Einkaufstipps für Vater, Mutter, Mann, Frau, Großeltern, Freunde, Katzen, Hunde und sich selber (damit wir auf Nummer sicher gehen und auch ganz bestimmt was unter dem Baum liegen haben). Seit Mitte November gibt es Geschenketipps im Wochentakt. Onlineshops machen es einem gleich ganz bequem: Entweder sucht man seine Geschenke direkt nach Preis gestaffelt oder verschlagwortet sie: Sprich, ordnet die Lieben, die bedacht werden sollen, schnell in greifbare Marketing-Kategorie-Kästchen ein und kriegt dann passende Vorschläge geliefert. Es ist einfach zu viel. Viel zu viel. Und da wir uns immer neue Kanäle erschließen, werden wir auf immer mehr Kanälen bombardiert. Magazine, Blogs, Instagram, Pinterest…. Mal ist es offensichtliche Werbung, mal sind es, diskreter verpackt, die persönlichen Lieblingsstücke all derer, die diese Kanäle bespielen, die einem um die Ohren gehauen werden. Sich zu entziehen wird schwer gemacht.
Geschenke auszupacken ist ein wunderschöner Moment, da stimme ich absolut zu, aber kann man da nicht wieder etwas Mäßigung reinbringen, statt die letzten Wochen des Jahres zwischen Adventsstress, Kopfrechnen, Einkaufslistenstress, zu vollen Läden, Schnappatmung unter kurzen Konsumkicks und dem unterdrückten Konsumkater zu leiden?
Ich möchte dieses Jahr nichts unter dem Baum. Im Ernst. Das ist nicht kokettiert und dann wird geschmollt, wenn niemand an mich denkt. Ne. Wer mich fragt, was ich mir wünsche, dem kann ich sagen: Vielen Dank für ein spannendes, schönes Jahr, bitte mach dir wunderschöne Feiertage, aber schenk mir nichts. Ich bin glücklich. Und so gerne ich auch selber Geschenke mache, würde ich auch hier gerne mal einen Gang runterschalten, die guten Wünsche und das an den anderen denken anders verpacken als in materieller Form unter dem Baum. Sind Briefe eine Lösung? Echte Briefe, per Post und von Herzen kommend, sind so selten geworden und eine so schöne Geste, finde ich. Ob man dieses Empfinden weitergeben kann? Die Beziehung in der man zu einem Menschen steht, sollte ja im besten Falle eh nicht an dem Wert oder der Ausgefallenheit des Geschenks gemessen werden (oft genug wird sie das aber leider).

Runterschrauben. Aus dem Weihnachtsfest vielleicht wirklich einen besinnlichen Tag machen und kein reines Pakete schlachten, zumindest für die Erwachsenen. Weg von den Bildern, wie es sein soll, alle zusammen unter dem Baum und bergeweise Glitzerpapier… so hätte es vor allem die Industrie gerne. Und der Druck landet beim Verbraucher. Und so werden jedes Jahr wieder, neben den Einkäufen, viele Rituale wiederholt, die so dazugehören und ein wenig Frustration setzt ein, wenn die Stimmung nicht aufkommen will. Wie soll sie das auch auf Knopfdruck, nach all den Wochen mit Weihnachtsfeiern und Einstimmungsstress? Wenn man mal genau hinhört, ist ein schönes Weihnachtsfest für viele dann auch nicht eines mit viel Getue und Tamtam, sondern eines, das entspannt und ohne Spannungen oder Weihnachtstretminen verläuft…. Das könnte doch von vorneherein ein Ansatz sein. Aber nichts ist schwieriger als mit alten Gewohnheiten zu brechen und das Weihnachtsfest ist in den meisten Fällen eine solch heilige Kuh, dass man sich kaum traut Änderungen vorzunehmen. Dabei kann doch auch hier, wie bei allem, immer mal wieder geschaut werden, ob es noch Sinn macht, so wie es ist oder ob man mit Neuerungen nicht auch etwas gewinnen kann, für alle Beteiligten.

Zwei Kerzen bleiben uns noch, bis wieder beschert wird. Zeit genug also, sich innerlich zu wappnen oder aber um mutig sein. Weihnachten kann so viel mehr sein als Coca-Cola-Weihnachts-Trucks. Geschenk-Pack-Stationen in Kaufhäusern und Abgespanntheit am heiligen Abend.

Auf jeden Fall kann Weihnachten einen Kuchen vertragen:

Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie
2 mittlere Süßkartoffeln
2 große Eier
60 Gramm Butter
2-3 Esslöffel Kokosmehl
3-4 Esslöffel Xucker (oder Süße nach Wahl)
1 Tasse Kakao
3 Teelöffel Lebkuchengewürz
1 Teelöffel Natron
1 Prise Salz

60 Gramm bittere Schokolade für den Überzug

  • Die Süßkartoffeln rund herum mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad im Ofen rösten, ca. 1 Stunde bis sei auf Druck nachgeben und die Schale Falten wirft, es soll sich ein feines Röstaroma entwickeln. Dann pellen, gründlich pürieren und etwas abkühlen lassen.
  • Die Eier verquirlen und mit dem Xucker und der Butter durch mixen bis sich eine schaumige Masse ergibt und diese  mit den Süßkartoffeln mixen.
  • Nun alle trockenen Zutaten vermengen, unter die Süßkartoffelmasse geben und gründlich mixen. Es soll ein kompakter klebriger Teig entstehen. Wir er zu trocken, hilft etwas Kokosmilch. Wird er zu flüssig, etwas Kokosmehl zugeben.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und auf mittlerer Schiene ca. 40 Minuten bei 180 Grad backen.
  • Das Innere soll feucht sein aber außen soll es eine leichte Kruste mit Rissen geben
  • Den Kuchen abkühlen lassen. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen und auf den Kuchen geben

Tipp: Außerhalb der Weihnachtszeit kann man das Lebkuchengewürz gut durch Vanille oder einen ordentlichen Schuss Espresso ersetzen und hat gleich einen anderen Geschmack.
Guten Appetit!

Konsum, Küchen-Gadgets und Gemüse-Chips

collage_chipsFrisch zurück aus der großen Stad Berlin, bin ich noch etwas benommen von den vielen Eindrücken.
Fast 15 Jahre habe ich aus vollster Überzeugung in Berlin gewohnt und bin nun erstaunt, wie sich meine Perspektive in dem halben Jahr Großstadt-Abstand verändert hat.

Sicher, man kann Berlin nicht absprechen durchaus inspirierend zu sein, aber lustigerweise sind andere Ort das ja auch. Aber das ist ein anderes Thema.

Was mich vor allem immer wieder verstört, ist, wie sehr die Stadt einen unbewusst mit sanfter Eisenfaust zurückzieht auf den Pfad des Konsums. Immer neue Läden locken mit immer schöner gestalteten Auslagen. Dies gilt eigentlich für jeden Ort, der mit mehr Angebot aufwartet als unser kleines Dorf, wo die wenigen Werbungen eher örtlichen Veranstaltungen gelten als dem Konsum. Aber ein bisschen ist es schon so – ein Besuch in Berlin ist wie die Verabredung mit einer sprudelnd-unterhaltsamen Freundin, die einem mit der Rechnung für das kurzweilige Treffen sitzen lässt.

Nun ist mir dies über lange Jahre nicht unangenehm aufgefallen,  aber irgendwann wuchs der Verdacht, da irgendwie einen schlechten Handel abgeschlossen zu haben.

Beziehungsweise trat die schüchterne Erkenntnis ans Licht, dass vieles von dem, was Berlin an Möglichkeiten bietet sich abzulenken, zu konsumieren, die Zeit zu vertreiben, eher wie ein Make-Up wirkt, das nicht schöner macht, je dicker man es aufträgt. Nun ist das mit dem Make-up und dem ästhetischen Empfinden ja eine sehr subjektive Sache. Deshalb muss wohl auch jeder seinen Weg finden, wenn er denn einen sucht.

Meiner endete oder begann damit, einen festen Job in leitender Position in einer dieser unzähligen Berliner Agenturen aus dem diffusen Bereich Lifestyle und Medien zu kündigen, die Koffer und Kisten zu packen und mit dem Liebsten in ein kleines Dorf inmitten sanfter Hügel zu ziehen und das eigene Büro zu starten. Raus aus der Stadt, raus aus dem Angestellten-Verhältnis.

Und auch hier, inmitten wogender Kornfelder und sonnenfleckiger Buchen-Wälder, möchte das Kaufverhalten immer wieder kritisch hinterfragt werden.
Das klappt nicht immer.

Und so bin ich für meine Verhältnisse mal total durchgedreht und habe mir zwei Dinge für die Küche geleistet. Dinge, bei denen sich noch zeigen muss, ob sie Dauerbewohner im der Speisekammer werden oder eher im Einsatz für gutes Essen überzeugen.

Zwei Dinge, die ich bisher in meinem Leben nicht vermisst habe und die nur deshalb plötzlich am „Haben-Wollen-Horizont“ erschienen, weil sie mir auf diversen Paleo-Koch-Blogs begegneten.

Und so stehen da nun ein erstaunlich großer Dehydrator und ein kleiner Spiralschneider  in der Küche und locken mich zu neuen Koch-Experimenten vom Schreibtisch.
In Ermangelung von Zeit ist bisher erst der Dehydrator zum Einsatz gekommen.

Ich habe nämlich immer eine Leidenschaft für Gemüsechips gepflegt. Leider kannte ich diese lange Zeit nur aus England und als sie dann bei der LPG in Berlin auftauchten waren sie leider auch mit blödem Sonnenblumen-Öl und schmeckten ziemlich mau. Erste Selbstversuche im Ofen führten zu einem Ergebnis, das nahe an Kohle-Tabletten war.

Also wieder einmal umdenken und selber machen! Erster Versuch: Süßkartoffel-Chips aus dem Dehydrator.

Mein Rezept

2 mittelgroße Süßkartoffeln
Salz
Cayenne-Pfeffer
Zimt
Olivenöl

  • Die Süßkartoffeln gründlich waschen, säubern und in möglichst dünne Scheiben schneiden (in Handarbeit mit dem Messer oder einer Reibe).
  • Die Scheiben mit etwas Cayenne-Peffer, Salz und Zimt mischen und im Dehydrator verteilen. Die Trockenzeit ist abhängig von der Hitze und der Dicke der Scheiben. Bei ca. 95 Grad und dünnen Scheiben waren meine nach 3,5 Stunden kross. Zur Sicherheit zwischendurch testen.
  • Die krossen Kartoffelscheiben abkühlen lassen und mit 1 Teelöffel Olivenöl und einer zweiten Prise Gewürze nach Geschmack würzen.

 

Wie bei konventionellen Chips entsteht hier schnell ein Zu-Greif-Reflex und ehe man sich versieht, ist die Schale leer – ich empfehle, die Chips bewusst zu portionieren.

Guten Appetit!