Advents-Countdown auf allen Kanälen, Geschenkerausch und ein Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie

Paleo Brownie zu WeihnachtenWenn man den einschlägigen Magazinen derzeit glauben darf, sind Frauen recht einfach gestrickte Wesen. Ein bisschen Parfum, Unterwäsche oder etwas Glitzerschmuck unter den Baum gelegt und wir fangen an zu quietschen und dankbar mit den Wimpern zu klappern. Gerne nehmen wir auch etwas für die Porzellan-Sammlung oder einen schönen Bildband für die Inszenierung im Wohnraum. Praktisches bitte eher nicht, das hat so einen 50er-Jahre Hausfrau-Anstrich. Es sei denn es ist eine Kaffeemaschine, die mit gängig attraktiven Hollywood-Größen beworben wird und Unmengen an Aluminiummüll produziert… Aber diese ganzen schönen Frauchen-Dinge, die weibliche Attribute beschwören, die legt uns die Industrie gerne unter den Baum. Ernüchterung könnte eintreten, wenn die neue Kette nicht ebensolch einen Schwanenhals zaubert wie auf dem Hochglanz-Werbematerial, oder die Unterwäsche dann eben doch anders sitzt – Hey, Gummibänder schneiden gerne mal ein, egal wie viel oder wenig Speck sich darunter verbirgt. Und teure Image-Duftwässerchen verwandeln uns nicht in zarte Elfen, die durch die Gegend schweben und höchstens durch zarten Dufthauch auf sich aufmerksam machen. Kaschmirpullis vermitteln zwar haptische Freuden, aber lösen nicht unsere Sorgen und Ängste, genauso wenig wie die x-te Tasche, die ich unbedingt brauche, weil sie so gut zum neuen bunten Wintermantel passt, damit ich dann irgendwann in eine perfekt abgestimmte Uniform schlüpfen kann, die genau zeigt, wer ich bin.

Aaaah… Ne, die Weihnachtszeit liegt mir da dann nicht mehr, wo sie sich in eine Sehnsucht-Wunsch-Kauf-Lawine verwandelt. Man schaue sich nur um: Die Blog-Welt ist voll von Einkaufstipps für Vater, Mutter, Mann, Frau, Großeltern, Freunde, Katzen, Hunde und sich selber (damit wir auf Nummer sicher gehen und auch ganz bestimmt was unter dem Baum liegen haben). Seit Mitte November gibt es Geschenketipps im Wochentakt. Onlineshops machen es einem gleich ganz bequem: Entweder sucht man seine Geschenke direkt nach Preis gestaffelt oder verschlagwortet sie: Sprich, ordnet die Lieben, die bedacht werden sollen, schnell in greifbare Marketing-Kategorie-Kästchen ein und kriegt dann passende Vorschläge geliefert. Es ist einfach zu viel. Viel zu viel. Und da wir uns immer neue Kanäle erschließen, werden wir auf immer mehr Kanälen bombardiert. Magazine, Blogs, Instagram, Pinterest…. Mal ist es offensichtliche Werbung, mal sind es, diskreter verpackt, die persönlichen Lieblingsstücke all derer, die diese Kanäle bespielen, die einem um die Ohren gehauen werden. Sich zu entziehen wird schwer gemacht.
Geschenke auszupacken ist ein wunderschöner Moment, da stimme ich absolut zu, aber kann man da nicht wieder etwas Mäßigung reinbringen, statt die letzten Wochen des Jahres zwischen Adventsstress, Kopfrechnen, Einkaufslistenstress, zu vollen Läden, Schnappatmung unter kurzen Konsumkicks und dem unterdrückten Konsumkater zu leiden?
Ich möchte dieses Jahr nichts unter dem Baum. Im Ernst. Das ist nicht kokettiert und dann wird geschmollt, wenn niemand an mich denkt. Ne. Wer mich fragt, was ich mir wünsche, dem kann ich sagen: Vielen Dank für ein spannendes, schönes Jahr, bitte mach dir wunderschöne Feiertage, aber schenk mir nichts. Ich bin glücklich. Und so gerne ich auch selber Geschenke mache, würde ich auch hier gerne mal einen Gang runterschalten, die guten Wünsche und das an den anderen denken anders verpacken als in materieller Form unter dem Baum. Sind Briefe eine Lösung? Echte Briefe, per Post und von Herzen kommend, sind so selten geworden und eine so schöne Geste, finde ich. Ob man dieses Empfinden weitergeben kann? Die Beziehung in der man zu einem Menschen steht, sollte ja im besten Falle eh nicht an dem Wert oder der Ausgefallenheit des Geschenks gemessen werden (oft genug wird sie das aber leider).

Runterschrauben. Aus dem Weihnachtsfest vielleicht wirklich einen besinnlichen Tag machen und kein reines Pakete schlachten, zumindest für die Erwachsenen. Weg von den Bildern, wie es sein soll, alle zusammen unter dem Baum und bergeweise Glitzerpapier… so hätte es vor allem die Industrie gerne. Und der Druck landet beim Verbraucher. Und so werden jedes Jahr wieder, neben den Einkäufen, viele Rituale wiederholt, die so dazugehören und ein wenig Frustration setzt ein, wenn die Stimmung nicht aufkommen will. Wie soll sie das auch auf Knopfdruck, nach all den Wochen mit Weihnachtsfeiern und Einstimmungsstress? Wenn man mal genau hinhört, ist ein schönes Weihnachtsfest für viele dann auch nicht eines mit viel Getue und Tamtam, sondern eines, das entspannt und ohne Spannungen oder Weihnachtstretminen verläuft…. Das könnte doch von vorneherein ein Ansatz sein. Aber nichts ist schwieriger als mit alten Gewohnheiten zu brechen und das Weihnachtsfest ist in den meisten Fällen eine solch heilige Kuh, dass man sich kaum traut Änderungen vorzunehmen. Dabei kann doch auch hier, wie bei allem, immer mal wieder geschaut werden, ob es noch Sinn macht, so wie es ist oder ob man mit Neuerungen nicht auch etwas gewinnen kann, für alle Beteiligten.

Zwei Kerzen bleiben uns noch, bis wieder beschert wird. Zeit genug also, sich innerlich zu wappnen oder aber um mutig sein. Weihnachten kann so viel mehr sein als Coca-Cola-Weihnachts-Trucks. Geschenk-Pack-Stationen in Kaufhäusern und Abgespanntheit am heiligen Abend.

Auf jeden Fall kann Weihnachten einen Kuchen vertragen:

Süßkartoffel-Lebkuchen-Brownie
2 mittlere Süßkartoffeln
2 große Eier
60 Gramm Butter
2-3 Esslöffel Kokosmehl
3-4 Esslöffel Xucker (oder Süße nach Wahl)
1 Tasse Kakao
3 Teelöffel Lebkuchengewürz
1 Teelöffel Natron
1 Prise Salz

60 Gramm bittere Schokolade für den Überzug

  • Die Süßkartoffeln rund herum mit einer Gabel einstechen und bei 200 Grad im Ofen rösten, ca. 1 Stunde bis sei auf Druck nachgeben und die Schale Falten wirft, es soll sich ein feines Röstaroma entwickeln. Dann pellen, gründlich pürieren und etwas abkühlen lassen.
  • Die Eier verquirlen und mit dem Xucker und der Butter durch mixen bis sich eine schaumige Masse ergibt und diese  mit den Süßkartoffeln mixen.
  • Nun alle trockenen Zutaten vermengen, unter die Süßkartoffelmasse geben und gründlich mixen. Es soll ein kompakter klebriger Teig entstehen. Wir er zu trocken, hilft etwas Kokosmilch. Wird er zu flüssig, etwas Kokosmehl zugeben.
  • Den Teig in eine gebutterte Form geben und auf mittlerer Schiene ca. 40 Minuten bei 180 Grad backen.
  • Das Innere soll feucht sein aber außen soll es eine leichte Kruste mit Rissen geben
  • Den Kuchen abkühlen lassen. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen und auf den Kuchen geben

Tipp: Außerhalb der Weihnachtszeit kann man das Lebkuchengewürz gut durch Vanille oder einen ordentlichen Schuss Espresso ersetzen und hat gleich einen anderen Geschmack.
Guten Appetit!

Mode macht mich oftmals sauer und Quitten-Chutney wohlig

Paleo Quitten-ChutneySo. Es ist also wieder ein aktueller Übeltäter der Stunde gefunden. Das ZDF hat in einer dramatisch investigativ vertonten Reportage mit dem Titel „Mode zum Wegwerfen“ das Kleidungsmonster Primark unter die Lupe genommen. Und zack regen sich alle auf und haben sich vorher nie gefragt, wie man T-Shirts für drei Euro verkaufen kann? Das wäre allerdings traurig.  Wer den Billiganbieter von Mainstreet Trends noch nicht kennt, wird langfristig nicht verschont bleiben: Eine wachsende Zahl an Immobilien in städtischer Bestlage sorgt dafür, dass Horden von nicht nur Teenager-Mädchen mit abstrus vollen und vielen braunen Papiertüten durch die Innenstädte ziehen. Den beseelten Glanz eines Einkaufsmarathons in den Augen.

Das ist das Geheimnis von Primark: Noch ein bisschen weiter runter in der Qualität und dann auch noch ein bisschen weiter runter im Preis. Gleichzeitig Neuerungen im Sortiment im Wochentakt. Da werden Trends noch schneller umgesetzt als bei den bisherigen bekannten Ketten, die  quasi vom Laufsteg der vermeintlich Kreativen, Großen weg fotografieren und in Produktion gehen.

Machen wir uns doch aber nichts vor, die Produktionsstätten sind dieselben wie auch bei den anderen Textilriesen und wenn nun Abkommen unterzeichnet werden , die bessere Arbeitsbedingungen schaffen sollen, entsprechen diese immer noch nicht dem Standard, den wir kennen und so lange, ganz ehrlich, bleibt es meiner Meinung nach Ausbeutung. Erkaufen wir uns etwas auf Kosten anderer. Und man ist ja auch nicht dumm in der Textilbranche, da sitzen ja keine  designverliebten Schöngeister in den Managementetagen, sondern knallharte Geschäftsleute, für die der Stoff ihrer Träume aus schwarzen steigenden Zahlen besteht. Schlimmer ist noch, dass die Marken so mit ihrem jeweiligen Image überfrachtet werden, dass sie eher wie individuelle Charaktere wahrgenommen werden, was ihnen quasi menschliche Empfindungen und Attribute  zugeschreibt, so dass die harten Fakten dabei nur zu gerne wieder in Vergessenheit geraten.

Bis wieder etwas passiert und wieder ein Konzern in die Kritik gerät. Und wird ein Produktionsstandort zu teuer und die Auflagen zu restriktiv (nach Auffassung der Konzerne), zieht man eben weiter. Der Westen hält dank demokratischer Interventionen immer genügend strukturschwache Staaten an der kurzen Subventionierungsleine, dass dort weiter gemacht werden kann. Und ja, das hängt eben alles zusammen. Und wir tragen dazu bei mit unserem Konsumverhalten.

Und das macht mich wütend, denn die vermeintlichen Glückskäufe, die wir so früh lernen und verinnerlichen, kriegt man schwer wieder raus.

Ich gebe es mit schlechtem Gewissen zu, dass auch ich bei Primark an der Kasse stand, das war 2009 in London und so abgestoßen ich von der Größe und dem herrschenden Einkaufswahnsinn in dem Laden war, so sehr entsprachen die Preise meinem armen London-gebeuteltem Volontärinnen-Geldbeutel. Nun ertrage ich solche Geschäfte nicht mehr und lasse es einfach. Zumal der niedrige Preis zu einem völlig unbewussten Konsum verführt. Ebenso bedenkenlos wird schnell wieder aussortiert und weggeschmissen. Und wohin mit den Tonnen chemiegetränkten Textilmülls? Das ist auch was ich denke, wenn im Wandel der Jahreszeiten die Mode-Blogs überquellen mit Bildern von den kommenden Kollektionen. Finger weg von diesen besonderen Stücken, das mag die Neon-Jeans, oder die Schößchen-Bluse, oder das total untypische Muster sein – wenn es keine guten Freunde findet, die schon lange in Deinem Schrank leben, ist es ein Fehlkauf, etwas was Dir eingeflüstert wurde, dass Du es brauchst, aber es ist nicht Dein Stil. Und ein fair produzierter Pulli wiegt nicht alle Einkäufe bei großen Ketten auf. Es ist ein guter Ansatz, aber auch hier sollte man sich immer fragen, was man sich da gerade kauft und warum. Es ist verdammt schwer. Ich persönlich bin, wie schon einmal erwähnt ,momentan in einer seltsamen Konsum-Unlust-Phase. Bzw. ich will Kaufentscheidungen tätigen, ohne dabei irgendwelchen Einflüssen ausgesetzt zu sein, denn dass bin ich auch, wenn ich teure, faire Seidenhemdchen aus dem Öko-Fair-Wohlfühl-Loha-Katalog bestelle, die geben mir nur ein besseres Gefühl.

Und auch wenn bestimmte Medien einen Weg des kritischeren Konsumverhaltens propagieren, Leute sich monatelang ein Kaufverbot auferlegen (so gelesen auf diversen Blogs) und dann stolz darüber berichten (und dann weiter zu viel konsumieren) und es von Ratgebern für ein simples Leben nur so wimmelt, dann mag ich die Menschen manchmal nicht mehr ernstnehmen. Nicht, weil ich mich für besser oder weiser halte. Oh nein, ich merke ja auch, wo so ein Fallstrick verfängt. Aber, weil mir die Scheinheiligkeit manches Mal zum Halse raushängt. Klingt das zu hart? Ich nehme es oftmals so war und bin auch selbstkritisch genug, entsprechende Fehler bei mir selbst zu sehen und mit mir ins Gericht zu gehen. Aber die Reflexionsebene scheint zu verkümmern in unserer Gesellschaft, bzw. wird durch eine antrainierte oberflächliche ersetzt, die nicht dahin schaut wo es weh tut, sondern milde kritisiert und uns bequeme andere Wege aufzeigt.

So wird sich nichts ändern. Und manch fehl geleiteter Mensch denkt nach einer Reportage wie der oben genannten vielleicht, es wäre damit legitimer wieder bei anderen Ketten zu kaufen. Die  gezeigte Investigativ-Reporterin war zum großen Teil auch perfekt auf der Höhe diverser Trends gekleidet, ich hoffe die Bilder haben auch bei ihr bewirkt umzudenken.

Und ja, das ist ein Thema, das mich wütend macht, weil es jeden von uns persönlich betrifft und es erschreckend ist zu merken, an wie vielen Stellen wir unbewusst konsumieren um uns etwas glücklicher zu machen oder vermeintlich etwas brauchen (wir haben ja nichts). Das wird deutlich, wenn man sich mal etwas zurückzieht und diese Mechanismen überdenkt. Und das ist nicht nur schön und man findet schnell Ausreden, warum dann doch, denn man möchte ja nicht vor sich selber schlecht da stehen. Aber wenn man in diese Richtung geht, befreit es auch ungemein. Und es macht einen ein ganze Stück unabhängiger von Meinungen und Bildern anderer, die man aufgedrückt bekommt und bringt einen im besten Falle dahin zu sehen, was man wirklich möchte. Und das ist vielleicht gar kein Teil für den Kleiderschrank oder die Wohnung.

So. Und noch was Saures, wenn auch scharf und süß  – Chutney.

Quitten-Chutney

Ca. 4 Kilo Quitten
1 knappes Kilo Boskoop Äpfel
600 Gramm rote Zwiebeln
300 Gramm Xucker
350 ml Apfelessig
1 großes Stück Ingwer (ca. 8 cm)
4 Lorbeerblätter
6-8 Lorbeeren
6 Nelken
5-6 Esslöffel Senfkörner
3 kleine, richtig scharfe Chilischoten
Gläser mit Schraubdeckel

  • Die Birnen schälen und klein schneiden.
  • Zwiebeln, Ingwer schälen und fein hacken, ebenso die Chilis.
  • Den Xucker in einem Topf mit etwas Fett schmelzen, dann Zwiebeln, Chilis und Ingwer darin karamellisieren.
  • Alle anderen Gewürze dazu geben. Dann die Quitten, die Äpfel und den Essig, erst einmal 300 ml und dann noch einmal nach 10 Minuten abschmecken und entsprechend mit etwas Xucker oder Essig nachwürzen.
  • Alles 30-40 Minuten köcheln lassen, bis im Mus noch Stücke erkennbar sind.
  • Die Gläser und Deckel auskochen, abtrocknen und bis einen Fingerbreit unter dem Rand füllen. Denn  Rand mit einem Tuch säubern, die Deckel festschrauben und die Gläser auf den Kopf 10 Minuten abkühlen lassen, dann umdrehen.

Und das passt zu Fleisch,Wurst, Käse,  Speck, Schokoladenkuchen, Omelette oder ein Löffel in der Brühe!

Guten Appetit!

Was die sich einbilden und der Kopf im Birnen-Chutney-Glas

Binren ChutneyEs wird Zeit, dass einen nicht mehr von jeder Laterne und jeder Kreuzung feiste Politikergesichter dumm angrinsen. Die personifizierte Saturiertheit des Hinterbänklertums steht den meisten Vertretern der großen Volksparteien ins Gesicht geschrieben.

Und an allen Ecken wird man ermahnt morgen auch bloß ja zur Wahl zu gehen. Ich bin es aber leid, wenn mir irgendwelche hochbezahlten Fußballer über das Radio erklären, dass die Wahl morgen wichtig ist und man wählen soll. Aha, ja toll, vielen Dank für die tief schöpfende Erklärung. Twitter nervt mich mit der Aufforderung zur Wahl zu gehen, Avaaz möchte sogar, dass ich meine Freunde besuche und sie persönlich zur Wahl schicke.  Und als Krönung des Ganzen kriege ich ungefragt eine Bild-Zeitung-Sonderausgabe zum Thema schöner Wählen in den Kasten gesteckt. An dieser Stelle ein Kompliment an unsere  super freundliche Postbotin, die nicht nur viel zu schwere Fleisch-Pakete bei uns abliefert, sondern auch persönlich unangenehm betroffen war, wann immer sie einem in den letzten Wochen Politiker-Werbung in die Hände drücken musste.

Die Bildzeitung lässt die Herausforderer noch schnell Menscheln und hohle Fragen von noch hohleren Prominenten beantworten. Das ist dann immer lustig zu sehen, wer noch versucht mit einer quasi Fach-Frage zu glänzen. Klassen-Streberin Veronica Ferres etwa erkundigt sich nach möglichen Koalitions-Partnern, aber die Frau mit der ätzenden Stimme habe ich gefressen, nachdem sie in einer Talkshow nach einer ihrer seicht-bewegten, zeitgeschichtlichen Schmonzetten als persönlich berührte Geschichts-Expertin auftrat. Verdammt, da hätte ich mir mein Geschichtsstudium auch sparen können, im Angesicht von so viel Gefühl und Einsicht. Und für die unentschlossenen Jung- und Erstwähler gibt es in der Bild noch eine Doppelseite mit erstwählenden Abziebildern, die ihre politische Präferenz kund tun – da kann man sich dann schnell noch da einordnen, wo man sich wohlfühlt und entsprechend das Kreuzchen setzen.

Somit habe ich heute zum ersten Mal nach ich weiß nicht wie vielen Jahren in einer Bildzeitung geblättert… Im Ergebnis wurde sie wutschnaubend zerknüllt und ins Altpapier gesteckt, der Dreck. Und hätte ich den Spiegel im Haus, was nicht der Fall ist, er fiel mir nur gestern beim Zeitungshändler ins Auge, wäre es ihm ebenso ergangen. Dort prangert der Titel an, Nichtwähler würden die Demokratie verspielen.

Nein, nein, nein – das stimmt so nicht. Es sind Medien, die eine Wahl zum Happening mit Spannungscharakter aufblasen und so tun als würde sich etwas bewegen, die die Demokratie gefährden. Es sind Unternehmer, die sich genötigt sehen, Wahlempfehlungen auszusprechen, es ist das Bombardement an Aufforderungen bloß ja morgen Kreuzchen zu machen, die gefährlich sind. Denn, welchen inhaltlichen Wert haben Stimmen von Wählern, die auf äußeren Druck hin Wählen gehen, aber im Grunde gar keine inhaltliche Wahl treffen, sondern eine mediengeformte, Umfeld-konforme, letzten Endes unüberlegte Wahl? Haribo wünscht mir eine schöne Wahl und hofft insgeheim wahrscheinlich, dass der Zucker der eigenen Produkte längst so viele Bürgersynapsen geschädigt hat, dass eine Wahl getroffen wird, die dann einfach bloß legitimiert, was sich im Grunde ja nicht wirklich ändert. Glaubt wirklich noch jemand, dass ein politischer Führungswechsel einen Ruck in eine neue Richtung bedeuten würde?  Denn auch wenn sich Mehrheiten verschieben und es tatsächlich Änderungsansätze gäbe, würden da immer noch Hunderte aufgeblähter Politiker-Egos sitzen, die sich in Abstimmungsprozessen aus niedersten Motiven gegenseitig blockieren, damit sich eben nicht viel ändert und vier Jahre später die Wahlkampfmaschine wieder angestoßen wird. Ich sage nicht, dass es nicht auch Menschen mit lauteren Motiven und vernünftigen Ansätzen gibt, die versuchen sich innerhalb der Parteienlandschaft zu engagieren und hoffen, etwas ändern zu können. Aber wieder einmal gewinnt der Stärkere und das ist nicht immer der Bessere und so findet man sie selten in den Elfenbeinturm-Ebenen der Bundespolitik, die wahren Gewissens-Politiker.  Eher sind es dann Vertreter einer besonders widerlichen Spezies, die das Weltverbesserertum vor sich her tragen und in moralischen Gewässern auf Stimmenfang gehen.

Ich bin desillusioniert. Ich habe immer gewählt, seit ich das erste Kreuzchen machen durfte. Und als Kind war ich gepackt von der ernsten Spannung, die sich ausbreitete, wenn die Eltern am Wahlabend mit Gleichgesinnten zusammen saßen und den Ausgang der Wahl verfolgten und diskutierten.

Das hat mich geprägt und jeder politischen Diskussion in späteren Jahren haftete immer auch so eine Aufbruchsstimmung an, der emotional aufgeladene Wahlabend in seiner perfekt orchestrierten Inszenierung funktionierte, wir saßen gefesselt vor den Bildschirmen, diskutierten für und wider und glaubten an eine Änderung. Hatten politische Vorbilder und das war auch ein bisschen cool. Naja, der urbane intellektuell-politische Mainstream Anfang/ Mitte Zwanzig halt.

Ich will da nicht mehr mitmachen. Und wer mich dafür angeht, den lade ich herzlichst zu einem kleinen Austausch ein, denn allzu oft kaschiert das Unverständnis für Nichtwähler nämlich auch eine Uninformiertheit, ein Nichtverstehen und Nichtverstehenwollen des politischen Zirkusses, weil es einfacher so ist. Und einfacher ist es dann auch einfach zuzuschnappen, wenn da einer aus der Reihe tanzt. Eines bitte nicht falsch verstehen, so desillusioniert und politikzweifelnd ich auch bin, halte ich die Bundestagswahl durchaus für wichtig. Ich denke halt, dass es hier um eine Bewusstseinsentscheidung geht. Wer einfach sein Kreuzchen macht, weil man das so macht und mir aber nicht erklären kann, warum er so gewählt hat, den kann ich nicht verstehen. Denn es geht um eine Wahl, eine Entscheidung, die einen Prozess des Nachdenkens erfordert. Wer diese Chance vertut, rettet nicht die Demokratie, im Gegenteil, er arbeitet weiter daran mit, die Wählerstimmen ins ferne Land des Nichtrelevanten zu treiben. Wer also mit Überzeugung und Wissen wählt, dem wünsche ich, dass seine Erwartungen nicht enttäuscht werden (ich sage nur Rot/Grün Agenda 2010 und Afghanistan…). Und wer sich sagt, er will nicht wählen gehen, den bitte ich diese Entscheidung nicht aus reiner Faulheit zu treffen, sondern diesen Anlass zu nutzen und sich noch einmal bewusst zu machen, warum Nichtwählen auch sinnvoll sein kann und was ihn stört.
Ich störe mich an vorgekauten, gefälligen Argumenten, die uns dank umtriebiger Medien im Wahlkamps allzu schnell serviert werden, aber wenn ich dies kritisiere, bin ich auch in der Schuld, meine Wahl der Nichtwahl bewusst zu treffen.
Ich habe mich entschieden, ich bin morgen nicht dabei. Das ist meine Wahl.

Und damit ich den vielversprechenden morgigen Herbsttag sinnvoll und produktiv nutze, habe ich mich entschlossen weitere Chutney-Experimente zu starten und eine zweite Ladung Wegesrand-Birnen zu verarbeiten. Ich habe den Kopf lieber voller Wohlgerüche als hohler Phrasen.

Birnen Chutney

Ca. 3 Kilo Birnen
500 Gramm rote Zwiebeln
120 Gramm Xucker
150-200ml Apfelessig
1 großes Stück Ingwer (ca. 7 cm)
4 Lorbeerblätter
6 Lorbeeren
4-5 Esslöffel Senfkörner
3 scharfe Chilischoten
3 Zimtstangen
100 ml Cidre
Gläser mit Schraubdeckel

  • Die Birnen schälen und klein schneiden.
  • Zwiebeln, Ingwer schälen und fein hacken, ebenso die Chilies.
  • Den Xucker in einem Topf mit etwas Fett schmelzen, dann Zwiebeln. Chilies und Ingwer darin karamellisieren.
  • Alle anderen Gewürze dazu geben. Dann die Birnen, den Cidre und den Essig, erst einmal 150 ml und dann noch einmal nach 10 Minuten abschmecken und entsprechend mit etwas Xucker oder Essig nachwürzen.
  • Alles 30-40 Minuten köcheln lassen, bis im Mus noch Stücke erkennbar sind.
  • Die Gläser und Deckel mit kochendem Wasser spülen, abtrocknen und bis einen Fingerbreit unter dem Rand füllen. Denn  Rand mit einem Tuch säubern, die Deckel festschrauben und die Gläser auf den Kopf 10 Minuten abkühlen lassen, dann umdrehen.

Sie knacken dann beim ersten Öffnen und halten sich monatelang – aber bis dahin ist es hier leer…

Passt hervorragend zu irgendwie allem was ich mag…

Guten Appetit!

Eis, das – Eso-Skepsis, die

Paleo EisOh ja, Die Gewohnheiten sind träge Tierchen. Ich nehme mir jeden Morgen vor der Snooze-Taste die kalte Schulter zu zeigen und einfach mal direkt aufzustehen aber die erschlichenen zehn Minuten unter der Decke sind so kostbar, gerade weil man weiß, dass sie gleich vor bei sind. Und deshalb haue ich auf den Wecker und keife die Augen noch einmal extra fest zu.

Ein anderes Ritual, das etwas seltsam klingt auf den ersten Blick, ist, dass der Tag hier in der Regel mit Atem-Übungen beginnt.  Ich hatte tatsächlich starke innere Widerstände zu überwinden. Ein Blick auf das zugegebenerweise kitschige CD-Cover und ich begab mich in die totale Verweigerungshaltung und habe erst einmal losgepoltert, dass ich keinen Bock auf irgendeinen halbgaren Esoterik- Spiritualitäts-Kram habe. Da bin ich raus. Das war dann ok, aber als der besondere Mensch, mit dem ich lebe und den ich gerade auch für seinen kritischen Geist schätze, in der Folge immer entspannter wurde, wenn er sich zum Atmen zurückzog, wurde ich neugierig. Das wollte ich erst nicht zugeben, aber nach und nach habe ich mitgemacht. Und ich merke, dass es mir hilft morgens anzukommen. Fokussiert in den Tag zu starten und mich auch schneller entspannen zu können. Die Konzentration auf das Atmen ist auch ein guter Gradmesser um zu schauen, ob ich mich gerade innerlich mit irgendwelchen Reizthemen rumschlage und diese vom Schweinehund in die Verdrängungskiste gewühlt werden. Denn wenn ich innerlich angespannt bin und auf irgendwelchen Themen rum kaue fällt es mir schwerer mich davon frei zu machen und nur auf das Atmen zu konzentrieren. Wenn ich diese Hürde aber überwinde, hilft es mir in der Regel auch, um mich dann zu einem späteren Zeitpunkt hinzusetzen und zu überlegen, was mich da eigentlich stresst. Wie bei allem ist es eine Kopfhürde, die uns oft zurückschrecken lässt vor dem, was uns fremd ist. Und gerade Meditations- und Atemtechniken, wenn sie nicht gerade aus dem gesellschaftlich akzeptierten Yoga-Mainstream kommen, sind ja leichtes Ziel für Spott, Häme und Misstrauen. Ich denke bei allem was man tut, ist die beste Bewertung die persönliche, ehrliche Einschätzung ob es mir gut tut oder nicht. Wenn diese Bewertung positiv ausfällt, sollte es einem auch egal sein, was andere sagen.

Und bei allem was man tut sollte man Zwänge vermeiden. So gibt es zum Beispiel auch Tage, an denen ich lieber Pilates mache statt zu meditieren. Dann mache ich das. Und da sind auch Tage wo die Snooze-Taste ganz besonders extra verlockend daher kommt, aber an denen nehme ich den Kampf mit dem Schweinehund auf und freue mich.

Diese fiese kleine Stimme versuche ich auch dann zur Rede zu stellen, wenn sie versucht mir wieder ein Comfort Food schmackhaft zu machen. Denn, das gibt es einfach nicht in komplett gesund – das ist einfach eine Spielart des Essens, die Mäßigung verlangt, wenn man nicht dem Selbstbetrug erliegen will.

Dessen bin ich mir bewusst. Meistens. Neulich wohl nicht. Denn als ich wieder klar denken konnte, stand Karamel-Walnuss-Eis im Gefrierschrank…

Das Rezept

Zwei Dosen Kokosmilch
200 Gramm Walnüsse
Pfeilwurzelstärke
Butter
Xucker
Salz
Vanille

  • Drei bis vier Esslöffel Xucker in zwei gehäuften Esslöffeln Butter mit einer Prise Salz (ich nehme gerne etwas mehr) und etwas Vanille in einem Topf schmelzen und karamellisieren lassen. Dabei regelmäßig rühren und drauf achten, dass das Karamell nicht zu dunkel und somit bitter wird.
  • Das Karamell mit der Kokosmilch aufgießen.
  • Drei Esslöffel Pfeilwurzelstärke mit drei Esslöffeln Wasser glattrühren und unter die Kokos-Karamell-Milch rühren zum Binden/Andicken.
  • Nach Geschmack noch etwas Vanille und Xucker einrühren und alles kurz sieden lassen und dann unter Rühren abkühlen lassen bis es in einer Form in den Gefrierschrank wandern kann.
  • Nun die Walnüsse in einem Esslöffel Butter anrösten. Vom Herd nehmen und in der Pfanne noch einmal vier Esslöffel Xucker mit drei Esslöffeln Butter, Salz und Vanille karamellisieren lassen. Die Walnüsse in das Karamell rühren bis es eine schöne Mischung gibt und diese zum Aushärten kaltstellen.
  • Das Eis, in Ermangelung einer Eismaschine, regelmäßig durchrühren. Wenn es beginnt an den Rändern zu gefrieren, die karamellisierten Walnüsse etwas zerhacken und in die Eismasse rühren. Ein paar der Nusssplitter aufheben.

Das Eis braucht bei uns ca. drei Stunden bis es komplett gefroren ist.

Nun Servieren und mit ein paar karamellisierten Nusssplittern bestreuen.

Wenn möglich – mäßigen!

Guten Appetit!

 

Idyllen, rote Beeren, bunte Seiten und schöner scheinen

Lektüre und Genuss Für ein paar Tage haben wir die dörfliche Idylle im Taunus mit der noch abgeschiedeneren Idylle eines kleinen Dorfes in den Vogesen getauscht. Eine Handvoll Häuser auf einem Hoch-Plateau, Vogel-Gezwitscher-Stille, Sonnenschein über Heugeruch und ein Garten voller Johannisbeeren.

Tage zwischen Faulenzen am See, Wanderungen durch die Berge und Abende am Grill mit Blick über die Felder. Es gibt so Orte und Stimmungen, die möchte festhalten und hineinschlüpfen wie in einen kuscheligen Lieblings-Pulli, damit das Wohlbehagen weiter anhält.  Und gleichzeitig ist da die innere Stimme, die einem sagt, dass das so einfach nicht ist.

Diese ganz idyllischen Momente und Orte werden ja so besonders dadurch, nicht Teil des Alltags zu sein, sondern Abstand von eben diesen. Deshalb sollte man diese Momente für das genießen, was sie sind und sich nicht zu sehr darauf versteifen, sie festhalten zu wollen. Ich glaube dieses Ausblenden der Alltags-Realität lässt auch so manchen modernen Easy-Jet-Auswanderer scheitern, der plötzlich feststellt, dass das Leben im Lieblings-Urlaubs-Domizil im Alltag ein anderes ist.

Aber egal. Auswandern will ich nicht. Nicht im Moment und obwohl Frankreich einfach mein erklärtes Lieblingsland ist. Ich stehe einfach noch unter eine watteweichen Idylle-Schock weil alles so wunderschön war, dass es einem fast unangenehm ist.

Und in dieser Idylle habe ich die Chance genutzt ein wenig zu blättern – in ein paar der einschlägigen Einrichtungs-Magazinen, die dort lagen und da war er wieder der leichte Wut-Knoten angesichts der Dreistigkeit, mit der uns Marketing-Abteilungen und Redaktionen zu fortwährendem Konsum anhalten wollen.  Aber das sind doch so schöne Inspirationen…Ja, das bestreite ich auch gar nicht und ertappe mich selbst dabei, wie die Überlegungen kreiseln ob man das ein oder andere Regal vielleicht nachbauen kann. Aber da ist nicht nur der Faktor Inspiration, da ist einfach auch das Bild, das einem sagt, wie ein schönes Zuhause auszusehen hat und was es dafür braucht und ich denke nur zu oft, hängt dann das Glück an der Anschaffung des nächsten Teppichs, Beistelltischchens, Sessels….und ja, so eine Einrichtung wird dann schnell ein Konsum-Kreislauf, passt doch der alte Tisch dann nicht mehr so recht zu den Stühlen, braucht es hier noch weitere Anschaffungen oder dort.

Ich verstehe das. Auch ich mag es schön. Heißt: Ich will mich in meinem Zuhause wohlfühlen, nicht erschlagen werden von Möblierung sondern mit der Einrichtung unterstützen, was ich in den Räumen tue. Ich lebe in diesen Räumen.  Aber ich finde es gibt Grenzen. Ich finde es immer am schönsten, wenn Dinge nach und nach ihren Weg und ihren Platz finden und was ich dabei vermeide, ist in die Preis-Falle zu tappen. Denn seien wir ehrlich, so manch einer kauft sich mit dem Designer-Sofa die offizielle Bestätigung seines guten Geschmacks.  Denn, wer weiß, was ich da Namhaftes im Wohnzimmer stehen habe, ordnet mich dann automatisch/unbewusst ein in die Kategorie der Connaisseure und Design-Liebhaber. Und ja, Design-Handwerk wird mit einem Preis beziffert und ist eine kreative Leistung, aber ich finde es mitunter überzogen und ich glaube nicht, dass man dann noch so ganz ungezwungen diese Möbel bewohnt.

Nur mal als Gedankenspiel: Wenn ich auf die hypothetische einsame Insel gehe und nur drei Gegenstände mitnehmen darf, dann wird wohl kaum  ein Möbelstück dabei sein oder besser: Es sollte nicht. Denn was gibt es mir langfristig?

Wir sind tendenziell zu verhaftet im Materiellen. Wir schreiben uns zwar oftmals eine Bescheidenheit auf die Fahnen und kaufen regional und ökologisch und teilen Autos und engagieren uns, aber ich finde gerade in den Bereichen Einrichtung und Mode, schlägt es dann manchmal durch: Diese falsche kleine Stimme, die uns sagt, wie gut es uns ansteht ein Paar Schuhe für 500 Euro oder einen Tisch für 3000 Euro zu besitzen. Dass wir das wert sind.  Und da sind wir wieder bei den von mir so geschätzten Outfit-Posts, ich glaube Einrichtungen rangieren kurz danach.  Wir sollten es einfach nicht nötig haben. Unser guter Geschmack ist nicht mehr wert, wenn wir ihn in teuren Zahlen materialisieren, wir machen ihn nur scheinbar unangreifbar und merken nicht wie wir uns in einer Konsum-Schleife verstricken. Denn es werden immer neue Moden und Impulse kommen und uns wieder am Geldbeutel kitzeln. Und ich denke dann an die vielen Wohnzimmer in denen die oft belächelte Vitrine oder Pressholz-Schrankwand steht… Das ist das Gegenstück zum Convinience-Essen für mich. Wir müssen das nicht schön finden oder gut heißen, aber wir dürfen uns nicht anmaßen den Geschmack anderer Leute abzuwerten. Denn andersrum verstehen diese es vielleicht auch nicht, was sich manch einer da mühsam auf dem Flohmarkt erjagt hat.  Und auch hier klafft die Gesellschaft auseinander zwischen denen, die sich etwas leisten können und wollen und denen die es oftmals nicht können. Und so wird das Bild der Einrichtung eines Menschen blitzschnell in die Verortung des Person mit einbezogen, die wir immer wieder und ständig betreiben. Und dann sind wir manchmal positiv überrascht und registrieren das volle Bücherregal oder machen innerlich Abstriche weil wir den Teppich eine unverständliche Wahl finden.

Und um zurück an den Aufgangspunkt zu kommen: Mich stören die Bilder, die diese Deko- und Wohn-Magazine vermitteln. Sie generalisieren und schaffen eine Art gemeinhin anerkannten guten Geschmack und dieses Verständnis sickert uns Konsumenten durch und durch und ehe wir uns versehen, machen wir uns wieder einmal abhängig.  Abhängig von durch-inszenierten Räumen und Vorstellungen. Denn neben den reinen Produktvorstellungen sind da ja oft noch die Blicke hinter private Gardinen und da sieht man dann die stolzen Designer des Privaten, die den Magazinen ihre zwanglos kreativ-chaotisch inszenierte Wohnung/Haus/… zeigen und wir kriegen dann gleich noch die nächste unterschwellige Botschaft mit dem Samtkissen reingehämmert, denn huch, die haben ja alle auch so schöne Berufe und Kinder und einen Mann und lieben es Gäste zu bewirten und das Haus zu gestalten und und und…Tja, eigentlich sollte uns das also auch alles möglich sein also schnell her mit dem Einrichtungs-Hobby auch wenn wir vier linke Daumen und Zehen haben.  Und wenn wir keine Kinder haben, dann müssen wir zumindest sehr sehr erfolgreich sein oder in verantwortungsvoller Position arbeiten, gerne mit kreativer Komponente.  Mit den bekannten Einrichtungsmagazinen großer Verlage aber auch mit den kleinen, unabhängigeren, kriegen sie die intelligente,  stilbewusste Frau, die ihnen als Zielgruppe bei den Frauenmagazinen durch die Lappen gegangen ist.  Und ja, man selber sagt sich, man suche nur eine Inspiration.

Nein, ich denke es ist wichtig, wenn man auch in seinen Kaufentscheidungen unabhängig bleiben will, öfter einen Schritt zurückzutreten.  Sich einmal kritisch zu fragen warum und für wen solche Zeitschriften geschrieben werden. Nein, tatsächlich sitzen da nicht nur farbverliebte Menschenfreunde in den Verlagen und sind total unabhängig von der Marketing-Abteilung. Leider sind die Botschaften oft so subtil, dass sie selbst gut gemeinte Vorsätze aushöhlen. Also lieber  eine  nüchterne Bescheidenheit als Grundlage meiner Kaufentscheidungen – das schließt die Schönheit des Zuhauses nicht aus. Und bei größeren Anschaffungen vielleicht auch einmal die schwierige selbstkritische Frage, was ich mir da eigentlich gerade kaufe: Design, Qualität oder um die einschlägigen Argumente  mal zu provozieren, vielleicht doch ein Stück Status oder Sicherheit? Dann, ist das keine gute Kaufentscheidung und jeder Kauf wird nur die Brücke zum nächsten sein.

Nun, wir brauchen zwar tatsächlich dringend Stühle in der Küche aber diese vermeintlich leichte Lektüre bunter Magazine hat mich so aufgewühlt, dass das eine sehr nüchterne Entscheidung werden wird.

Aber statt in Konsum-Kritik möchte ich lieber noch in Erinnerungen an Garten-Stunden und rote Beeren schwelgen.

Deshalb hier ein schnelles Rezept für Zauberwasser

1 große Handvoll Johannisbeeren
1 gestrichener Esslöffel Xucker
1 Liter kaltes Wasser (je nach Karaffe)
2 Stängel Minzblätter

  • Die Johannisbeeren kalt abwaschen und durch ein ganz feines Sieb in eine Karaffe pressen. Nun durch das Sieb mit dem Beerenmus, den Liter Wasser in Karaffe gießen, so dass auch der letzte Saft ausgespült wird und nur die festen Teile zurückbleiben.
  • Denn Xucker in das Beerenwasser rühren, die Minzblätter zugeben, etwa 5-10 Minuten kaltstellen und durchziehen lassen.
  • Vor dem Trinken noch einmal aufrühren und kalt genießen.

Das Sauer macht auf jeden Fall fröhlich!

Sommer vor der Tür – Kokos-Erdbeer-Smoothie und Freibad-Spaß

SmoothieDie sonnigen Sommertage wollen genutzt sein – wer weiß wie lange sie sich halten. Statt Sommer-Urlaub steht bei uns noch immer die Erkundung der neuen Heimat Taunus im Vordergrund.
Einschließlich der lokalen Freibäder.  Der Taunus ist leider nicht so reich an Bade-Seen aber im großen Berlin habe ich es in Ermanglung eines Autos auch nur einmal im Jahr an die Havel geschafft, von daher wäre es unsinnig sich zu beklagen. Stattdessen genieße ich die Zeitreise, die jeder Gang ins Freibad bedeutet.

Denn fantastischerweise wird man dort von einer Geräuschkulisse empfangen, die sich wohl auch in den nächsten zwanzig Jahren nicht ändern wird.

Dazu die Gerüche nach warmem Gras, Sonnenmilch und altem Pommes-Fett – auf einmal weiß ich ganz genau wie es war, sich mit den Freundinnen aufs Rad zu schwingen und zu überlegen, ob das Geld noch für eine bunte Tüte mit Schlümpfen reicht.

Gerade wird mir erst bewusst, dass ich seit über einem Jahr kein Weingummi mehr gegessen habe – ich hätte nicht gedacht, dass es mal soweit kommt. Eines der beliebtesten nachmittäglichen Stress-Essen am Schreibtisch, bei dem man völlig die Kontrolle verlieren kann, wie viel man isst, da der Griff in die Tüte so automatisch geschieht.

Und wie dumm ich war, wider besseren Wissens wurde das Gehirn ausgeschaltet und im eigenen Interesse der Werbung geglaubt – das Zeug ist ja quasi fettfrei! Na dann! Her mit dem Zucker und den Konzentrationslöchern und den Energietiefs….und dem Rettungsring fürs Freibad.

Ne, damit ist Schluss. Und ich vermisse es nicht (mehr). Der Zuckerentzug war hart, aber heilsam. Aber ich schweife ab – ein Gang ins Freibad ist das Abtauchen in eigene Erinnerungen und dadurch auch ein Gefühl wie Sommerferien.  Eine gewisse Ausgelassenheit oder kribbelnde Unruhe, die der konstante Lärmpegel erzeugt. Wer sich drauf einlässt, kann dennoch Entspannung finden. Beispielsweise bei dem Gedanken, dass es unglaublich schön ist, nicht noch einmal 14 Jahre sein müssen: Sozial- und Gruppenstudien sind nämlich eine andere Sache, die sich im Freibad auf Vortrefflichste anstellen lassen. Und schnell wird klar: Die, die dort groß werden, haben es verdammt noch mal nicht leicht. Und manche Diskussionen und Verhaltensweisen werden sich wohl nie ändern, die Accessoires sind heute andere aber ob 50er, 80er oder heute – die Grundthemen, die da geklärt und untereinander getestet werden, bleiben gleich.

Vor so viel Umfeld-Beobachtung (etwas, das ich scheinend von meinem Vater geerbt habe und früher einen ganz furchtbaren Wesenszug fand, denn: man starrt Menschen nicht an – heute verstehe ich die Faszination menschlicher Verhaltensweisen besser) kommt man dann kaum zum Lesen und die Zeit verfliegt!

Wenn man es nicht ins Freibad wagt oder wenn die Abkühlung im Planschbecken nicht ausgereicht hat, dann empfehle ich sommerliches „Comfort-Food“!

Und keine Sorge, so lecker es ist, der Körper setzt einem ganz automatisch eine Grenze!

Erdbeer-Kokos-Shake (2 Portionen)

Das Rezept

1 Dose gekühlte Kokosmilch (ich nehme gerne die von Alnatura)
1 Tasse frische Erdbeeren (es geht auch mit gefrorenem Obst aber wenn Saison ist…)
Spritzer Zitronensaft
2 Esslöffel Xucker nach Wahl
1 Teelöffel Vanille

  • Alle Zutaten mit dem Stabmixer schön schaumig pürieren. Wem das Ergebnis zu dickflüssig ist, der kann etwas Wasser hinzufügen.
  • Für ca. 15 Minuten in die Tiefkühlung geben, auf Gläser verteilen und dann ab und mit den Gläsern in die Sonne setzen.

Drei Tipps:

Comfort Food soll kein Essen ersetzen, aber dieser Shake macht wunderbar satt und hat mir früher im Büro schon mal das Mittagessen ersetzt.
Wenn man den Shake im Tiefkühler vergisst, wird ein leckeres Erdbeereis draus.
Sehr zu empfehlen sind auch die Varianten Himbeer-Minze oder Kiwi-Erdbeer.

Sommer genießen!

Sommer-Frühstücks-Liebe: Lemon Bread

LemonUnter der Woche steht zum Frühstück Brühe auf dem Plan aber am Wochenende ist es schön, die Routine zu durchbrechen und so tobe ich mich gegen Ende der Woche meist mit neuen Rezept-Ideen aus dem Internet oder Freestyle-Versuchen aus.
Nun mag der ein oder andere denken, was ein Stress, aber das ist Ansichtssache und man muss ja nicht tun was man nicht mag. Für mich sind Kochen und Backen, zum Glück, sehr entspannende Tätigkeiten, bei denen ich gut nachdenken kann.
Backen war tatsächlich früher nie meine Stärke. Über Jahre gab es bei mir nur einen Kuchen. Mit der Ernährungsumstellung wurde es dann noch komplizierter – komische neue Zutaten, Nussmehle mit anderen Eigenschaften als Getreide. Es war tatsächlich im Ergebnis manchmal frustrierend, was da in der Anfangszeit entstand.

Was aber sicherlich auch daran lag, dass ich mit bestimmten Geschmacks -Erwartungen an die Ergebnisse meiner Experimente herangegangen bin und diese natürlich nicht erfüllt wurden.

Ungezählte Kuchen  und Kekse später wird es immer besser und auch Gäste merken nicht mehr, dass mit dem Kuchen „etwas nicht stimmt“.

Ein Rezept aus der Anfangszeit, das sich mir als besonders furchtbar eingebrannt hat, war ein Zitronen-Mohn-Kuchen. Die Stevia-Süße schmeckte zu sehr durch, das alles war zu trocken und und es brauchte literweise Tee um den Hals wieder frei zu bekommen. Damit war Zitronenkuchen erst einmal von der Liste.

Bis dieser wankelmütige Sommer begann und ich Lust auf etwas Frisches hatte. Zitrone – das schmeckt irgendwie wie Sonne, die durchs Fenster scheint. Das wollte ich. In Paleo-konformer Form. Zum Frühstück.

Und dann stolperte ich auf meiner Suche einmal mehr über das Blog Primally Inspired  und da war es, das Rezept! Ich habe die amerikanischen Mengenangaben einmal umgerechnet und jetzt steht der letzte Rest vom Schätzchen im Kühlschrank und wartet auf die nächste Kanne Earl Grey.

Und wie immer gilt: Kuchen ersetzt keine Mahlzeit! Ich lege immer wieder Tage ein, an denen ich komplett auf das süße Zeug und anderes Comfort Food verzichte und faste einmal in der Woche. Essen soll etwas Bewusstes sein und bleiben und man sollte sich niemals stimmungsmäßig von Essen abhängig machen, auch wenn dieses „gesund“ ist.

Aber für die besonderen Momente hier das Rezept:

Teig

6 Eier
40 Gramm Butter
Zesten von zwei (ungespritzten) Zitronen
Saft von zwei Zitronen plus Flüssigkeit nach Wahl (Wasser, Kokosmilch) um auf ca. 220 ml zu kommen
2 Teelöffel Vanille
5-6 Esslöffel Xucker
ca. 80 Gramm Kokosmehl

Glasur

2 großzügige Teelöffel Butter
3 großzügige Teelöffel Xucker
Zesten und Saft von einer Zitrone
1 Teelöffel Vanille

  • Ofen auf 18o Grad vorheizen.
  • Eier, Butter und Xucker schaumig schlagen.
  • Zitronen-Zesten, Zitronensaft + Flüssigkeit und Vanille dazugeben und weiter rühren.
  • Das Kokosmehl dazu geben und kneten. Der Teig hat eine feste, aber buttrig-geschmeidige Konsistenz. Wenn er zu krümelig wird, etwas Flüssigkeit nachgießen.
  • Den Teig in eine gebutterte Kastenform geben und im Ofen ca. 40 Minuten backen, bis der Kuchen an der Oberfläche schön gebräunt ist.
  • In der Zwischenzeit die Zutaten für die Glasur in einem kleinen Top erhitzen, bis der Xucker mit der Butter verschmolzen ist.
  • Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen, dann die Glasur verteilen und den Kuchen in das Gefrierfach (wenn es schnell gehen soll) oder in den Kühlschrank stellen, bis er komplett gut durchgekühlt ist.

Dazu passt perfekt ein leichter Earl Grey oder ein frischer Grüner Tee!

Guten Appetit!